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Armageddon Zone 1: Iceheart

Antje Ippensen, Marten Munsonius

Armageddon Zone 1: Iceheart

Die Science Fiction Saga - Cassiopeiapress





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

ARMAGEDDON ZONE

 

Band 1:

ICEHEART - Hafen der steinernen Schatten

von Antje Ippensen und Marten Munsonius

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© 2012 der Digitalausgabe 2012 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

 

 

 

Von der Erde aus gesehen, scheint das All kalt und tot.

Die Sterne sind trüb wie tote Augen – doch dann steigt das Schiff auf: und das unendliche und von milchigen Staubschleiern durchzogene All erwacht zum Leben; es formt sich aus mit einem Mond, Satelliten und Kometen.

Die Schleier glühenden kosmischen Staubes zeichnen sich ein, als gäbe es einen Atem Gottes, der sichtbar wird.

Das Schiff passiert den Mars und seine Monde, weiter Richtung Sonne – und es ist, als würde die Brust eines schlafenden Riesen die Monitore mit ihrer feurigen Gloriole ausfüllen. Und aus nächster Nähe scheint sich der Fluss der Dinge noch zu beschleunigen.

Kohleschwarze Meteore mit eisigen, milchigen Nebelschweifen. Asteroiden –sie treten riesengroß hervor und werden durch die Beschleunigung sofort nach rückwärts fortgerissen.

Weiter und weiter rast das Schiff. Es befindet sich in einer Leere, gigantisch und schier unermesslich …

 

 

 

 

Am Abgrund von Zeit und Traum...

 

John Iceheart keuchte und rang nach Luft, auch wenn sie scharf wie Gift in seine Lunge stach. Was blieb ihm anderes übrig? Und schließlich war er derjenige, der dies am besten aushalten konnte. Er fand, dass es ihn an den nassen Boden einer Abfallgrube im Herbst erinnerte, wenn die Feuchtigkeit die trockene Sommerhitze verdrängte und die eingeschlossenen Fäulnisgase freisetzte.

Von allen Menschen seiner Gemeinschaft schadete ihm die Luft am wenigsten, mochte sie noch so belastet sein; und eben das war der Grund, weshalb er sich jetzt hier befand, weit weg von den heimatlichen Ruinen von HALL-RO. Wenn er es recht überlegte, dann hatte er sich noch nie so weit von seiner Familie entfernt.

Hoch über ihm erklang der melancholische Schrei eines Raubvogels. Er suchte den Himmel ab, konnte aber nur einen verschwommenen Fleck wahrnehmen, der ziellos kreiste. Es war wichtig, dass das Tier ihn nicht entdeckt hatte. Er musste Acht geben, dass er keine Aufmerksamkeit auf sich zog, weder am Himmel noch am Boden.

Von rötlichgelbem Staub bedeckt, lag der schlanke, aber gut mit Muskeln ausgestattete Mann regungslos auf dem Kamm des Hügelrückens in einer flachen Mulde, umgeben von Steinplatten und verdorrten Grasbüscheln. Sein schwarzes, zu einem Knoten geflochtenes staubverkrustetes Haar hing pendelnd an seiner rechten Halsseite hinab. Daneben pochte eine deutlich hervorgetretene Ader an seiner Schläfenseite.

 

Schweiß, ätzend wie Säure, floss ihm in die Stirn. Er blinzelte die Tropfen weg und griff nach seinem kostbarsten Besitz, einem Messingfernglas.

Zunächst konnte er überhaupt nichts erkennen. Das dunstige Tageslicht verwischte viele Konturen in der schroffen Felslandschaft.

Pah, sie haben es sich wieder einmal eingebildet, dachte er. Gibt nun mal keine einfachen Erklärungen auf dieser verdrehten Welt.

Gerade in letzter Zeit hatte es um HALL-RO herum besonders bedrückende, unverständliche Phänomene gegeben, und genau deshalb waren auch zunächst die Späher ausgeschwärmt und dann, als diese einen Anhaltspunkt gefunden zu haben glaubten, hatte man John beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Geh einen halben Tag nach Süden, hatten die Späher gesagt. Es ist eine schwierige und unübersichtliche Gegend, erläuterten sie weiter. Iceheart konnte dem mittlerweile problemlos zustimmen. Er war gewandert, durch viele Felsen und steil abfallende Täler, deren Grund in pechschwarzen Schatten lag. Schmale steinerne Gassen, etwa drei Meter tiefe Einkerbungen im unfruchtbaren Gestein, führten weiter in die südliche Richtung. Irgendwann sollten dann die sanft ansteigenden Hügel kommen, die abrupt an schiefergrauen Felsklippen endeten. Von dort ging es einige Hundert Meter steil in die Tiefe. Dann änderte sich der Charakter der Landschaft unvermittelt. Eine rötliche Sandwüste zu Füßen der Klippen.

Nichts, dachte er wieder und wollte soeben das Fernglas sinken lassen, als er stutzte und nochmals hindurchstarrte. Noch einmal folgte er mit dem Fernglas einem eingebildeten Pfad zwischen den Felsvorsprüngen hinunter zum roten Sandmeer.

Da! Was war das?

Eine huschende Bewegung, eine unförmige, aufgebläht wirkende Gestalt, eine … Kreatur. Und sie befand sich genau vor dem tintenblauen Tümpel, ein Fleck in der rötlichen Einöde, der die Grenze markierte zum Hoheitsgebiet von KALINIKEN. Genau konnte Iceheart nicht erkennen, was das für ein Geschöpf war, aber offenbar waren die Späher doch nicht auf irgendwelche Illusionen hereingefallen.

Nachdenklich ließ John Iceheart das Glas vorsichtig sinken und schützte es mit seiner linken Hand. Er warf dann einen abschätzenden Blick zum westlichen Himmel. Die Sonne hing als stumpfroter Ball über dem Horizont. Keine gute Farbe. Und auch die schwarzen Wolkenfetzen, die einen Kranz um sie bildeten, waren nicht gut.

Das war nicht zu ändern – er berücksichtigte aber die Eventualität, in einem plötzlich aufbrechenden Unwetter nach Hause zu müssen. Er hob das Fernglas wieder an die Augen um zu sehen ob sich in der Einöde um den Tümpel noch mal etwas tat.

Bevor er sich hinunter wagte und dem monströsen Geschöpf gegenübertrat, noch einmal die Lage sondieren.

Nichts zu entdecken. Die Kreatur blieb verborgen. Der tintenblaue Tümpel war spiegelglatt. Er schaute weiter in die dunstige Ferne, über den rötlichen Staub zur unsichtbaren Grenze zu KALINIKEN. Dort war er gefunden worden, damals, gerettet von Mike dem Schönen und Elsa der Tapferen, ein Findelkind. Mike und Elsa – beide schon tot, was John aus vielen Gründen bedauerte; in letzter Zeit vor allem deshalb, weil er sie gerne nach seinen Träumen befragt hätte. Vielleicht hätten sie etwas damit anfangen können, hätten ihm ihre Bedeutung erklären können.

Die Träume waren in letzter Zeit intensiver geworden, und immer wiesen sie auf KALINIKEN hin.

Nach seinem Dauerlauf durch die verdorrte Landschaft hatte er bei seinem Halt auf dem Hügelkamm nun wieder genügend von der mangelhaften Luft geschöpft. Geschmeidig erhob er sich und pirschte den mit Gesteinstrümmern übersäten Hügelabhang herab. Er hatte sich entschlossen die Kreatur aufzuspüren. Dazu wollte er näher an den blauen Tümpel heran, obwohl das angesichts der vorgerückten Stunde und des sich verschlechternden Wetters vielleicht keine so gute Idee war.

Er hatte den Abstieg bis zur Talmulde ungefähr zur Hälfte bewältigt, als ihm ein rötliches Glimmen auffiel, von einem Gegenstand, der zur Hälfte hinter einem großen Felsen hervorragte. Von seiner jetzigen Position aus unidentifizierbar. Er musste sich das anschauen, musste näher heran.

Metall, ein wie ein Blitz geformtes seltsames Zickzackstück, in etwa so lang wie sein Arm. Jetzt glomm es nicht mehr, sondern wirkte schwärzlich-grau, aber auch halbtransparent. Es schien an einigen Stellen geschmolzen und sodann bearbeitet worden zu sein, aber wer konnte das schon sicher wissen? Dieses Gebiet war, bis auf HALL-RO, unbewohnt. Soweit sie alle wussten. Ganz sicher war man da ja nie, aber bislang war von jenseits der unsichtbaren Grenze, da, wo das Gebiet von KALINIKEN begann, nie etwas zu ihnen gekommen. Zumindest hatte keiner der Späher jemals Spuren gefunden.

In dem Moment, da er das Metallstück packte, hörte er die Geräusche hinter sich. Erst ganz leise, so dass man sie durchaus „überhören“ konnte. Doch sein Überleben hing oft davon ab, gerade diese fast unterschwelligen Assoziationen zu einer konkreten Gefahr für sein Leben zu interpretieren und dementsprechend auffällige Geräusche richtig einzuordnen.

Er bewegte sich nicht und versuchte die genaue Richtung der Lautquelle herauszufinden.

Und dann erneut ein dünnes Schaben von jenseits des Hügelkamms, aus der Richtung also, aus der er gekommen war. Und schlagartig wurde ihm klar, dass er umkehren musste, sofort.

Das Rätsel der Kreatur am Tümpel sollte also an diesem Tag nicht gelöst werden.

Anderes war jetzt weiß Gott wichtiger. Er unterdrückte einen Fluch, denn er war unvorsichtig gewesen. Hatte seine Aufmerksamkeit nur dem Weg vor ihm, dem tintenblauen Tümpel geschenkt und dabei unterschätzt, dass auch andere Jäger wussten, wie man Fallen stellt.

Ohne weiter darüber nachzudenken, steckte John das gefundene Metall in seinen Rucksack, aus dem er im Gegenzug drei Ultrid-Pfeile zog. Die Geräusche wurden deutlicher – Gott sei Dank war auch sein Gegner nicht besonders vorsichtig; Schaben, Fauchen, Kratzen … ein eiskalter Schauer jagte über seinen Rücken und ließ ihn trotz der Hitze frösteln. Wie viele von den Biestern mochten es sein? Oder hatte er es sogar mit verschiedenartigen Gegnern zu tun?

Ein mannshoher Felsen mitsamt losem Geröll drum herum warf einen bizarren Schatten, der aussah als würden sich zwei Männer gegenseitig erdrosseln.

Fast lautlos ging er in die Hocke und verschmolz mit der Dunkelheit. Die pockennarbige dunkelrot glühende Sonne verschwand hinter einem rasch aufziehenden Geflecht schlimmer Gewitterwolken.

Das Wetter verschlechterte sich mit der üblichen rasenden Geschwindigkeit, schon fiel neblige Dunkelheit wie ein dichter Vorhang auf das wüste Land herab. Aber SIE konnte er noch gut genug sehen, und sein Bogen aus Silberstahl schoss glücklicherweise drei Bumerangpfeile auf einmal ab. John Iceheart war einer der wenigen seines Stammes, die diese Kunst des Bogenschießens beherrschten.

Die Kreaturen trugen phosphoreszierende Flecken auf ihrer schuppigen Haut, was sie zu hervorragenden Zielscheiben machte.

Rasch verließ er den schützenden Schatten und machte sich auf den Rückweg.

John Iceheart, wieder auf dem Hügelkamm angekommen, erschrak trotzdem etwas, als er ihre große Anzahl bemerkte. Es war unwichtig, ob man die Bestien leicht entdecken konnte. Sie warfen einfach eine ungesunde Überzahl in die Waagschale, zu Ungunsten des späteren Opfers.

Als er ein Kind gewesen war, hatten die Salas noch anders ausgesehen. Ein bisschen wie Ratten mit Schuppenhaut. (In einem der uralten Bücher hätte man mit viel Wohlwollen sogar von einem Salamander gesprochen!) Sie sind mit mir zusammen gewachsen, dachte John grimmig.

Der erste Sala, der auf ihn zurannte, war in etwa so groß wie ein Nashorn. Hörner hatten die Bestien ja auch, mehr als eines. John war ein wenig überrascht, wie unglaublich schnell und wendig diese Kreaturen waren. Und wo es nicht anders ging, krachten sie einfach mittendurch, und Felsbrocken – so groß, dass ein einzelner Mann sie nicht allein gehoben hätte – wurden beiseite gewischt, als wären sie nicht wirklich vorhanden.

Zwei Artgenossen folgten ihm auf dem Fuße und keine der Bestien machte sich noch die Mühe dabei leise vorzugehen. Sie mussten sich ziemlich sicher sein in ihm ein Opfer gefunden zu haben, das keinerlei Fluchtmöglichkeiten besaß.

Adrenalin schoss durch John Iceheart hindurch, von der Kopfhaut bis zu den Zehenspitzen, und er spannte den elastischen Bogen und schoss seine drei Pfeile ab, und alle drei trafen. Zwei von ihnen durchschlugen jeweils Kopf- und Herzbereich der blutdürstigen, menschenfressenden Viecher und kehrten zurück; nur der dritte blieb im verendenden, zuckenden Tier stecken.

Fast hätte er die Fäuste hochgerissen und seinen Triumph in die glühende Dämmerung hinein geschrien. Das Blatt hatte sich von einem Moment zum anderen gewendet. John hatte nicht vor so rasch zur Hauptspeise auserkoren zu werden.

Und - er hatte eine Schneise in die anrückende Phalanx der Biester geschlagen. Die übrigen waren verwirrt, teilweise sogar in Panik, und er brauchte sich jetzt nur sehr schnell zu überlegen, welchen Heimweg er nehmen sollte. Es schien, als hätte er mit dieser einen Pfeilsalve auch den Anführer erledigt.

Doch sollte er sein Glück strapazieren. Aus einem Impuls heraus beschloss er sich auch seinen dritten Pfeil wieder zurück zu holen. Er behielt die anderen Biester im Auge, die sich auf den Hügelkamm zurückgezogen hatten und wütende Laute in die rasch aufziehende Dunkelheit schrieen.

Er überwand einige wenige Felsspalten und sah aus der Nähe, dass der Sala noch lebte. Die halb geschlossenen Augen wirkten bereits trüb und die tonnenschwere Brust hob und senkte sich nur noch sporadisch. Fast schwarz versickerte eine zähe Flüssigkeit aus mehreren Rinnsalen in den knochentrockenen rötlichen Boden.

Er schickte ein winziges Stoßgebet für seinen tierischen Feind in Richtung des herannahenden Donners. Dann zog er den Pfeil mit einem Ruck aus der Herzgegend des Sala.

Die Sturmwolken begannen wie gefährliche Schlangen über den schiefergrauen Himmel zu toben; der Wind frischte gefährlich auf und trieb sandpapierscharfe rötliche Staubschleier vor sich her, die John förmlich den Atem raubten. Hastig schlang er sich sein Sonnentuch um den Mund.

Mit einem Mal verstummten alle Geräusche. Selbst die Bestien am Hügelkamm hörten auf darüber zu klagen, dass sie die scheinbar leichte Beute wieder verloren hatten – der Wind selbst verstummte wie ein Sterbender und ließ den mitgerissenen roten Sand einfach fallen.

Etwas sauste aus der Dunkelheit heran und riss John die Beine weg.

 

*

 

Wo meine Herrin im Moment wohl ist?, dachte Equuria mit einer Mischung aus Abscheu und Furcht. ‚Herrin‘ – ja, diese Anrede ziemte sich, auch wenn Signola sie gerettet hatte und die beiden Frauen auf keinen Fall als Sklavin und Halterin miteinander verbunden waren.

Hah – Signola ist mit überhaupt keiner anderen Person verbunden. Auf gar keine Weise. Keine liebt sie, und sie wird auch von keiner geliebt. Wenn sie überhaupt irgendetwas liebt, dann ihre Wissenschaft. Nur für sie lebt sie. Den Kampf liebt sie auch nicht, obwohl sie für ihn geschaffen wurde, und …

Equuria, deren Gesicht hübsch war unter der Kruste aus geronnenem Blut und schwärzlichem Dreck, schrak aus diesen allzu lauten Gedanken, die noch dazu wenig zielführend und eher sinnlos waren, hoch.

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