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Anleitung zum Zickigsein

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Widmung
  7. Einwickeln & Rollen und das Verschwinden von Nikkis Schlüsseln
  8. Der »Club der verrückten Hühner« und die Kunst,dumm zu sein
  9. Asche zu Asche, Knochen zu Stein, meine Mutter sagte immer, Unterwäsche müsse sein
  10. The Good, the Bad, and the Ugly
  11. Idioten
  12. Es riecht hier nach Aa
  13. Ein Stückchen Garten Eden
  14. Der nutzlose schwarze BH und das Zwölf-Stufen-Programm zur Volltrunkenheit
  15. Der kleine Typ
  16. Mit den Waffen einer Frau
  17. Dies ist eine offizielle Durchsage
  18. Bei Gericht
  19. Die Rede
  20. Moral-Sex
  21. Männer sind dumm, und ich rocke!(Ode an Dorothy Parker)
  22. Survival of the fittest – oder so ähnlich
  23. Extremsport Saubermachen
  24. Amys Mutter, die Fee und die Heckenschere
  25. Bring mich zum Lachen, Clown
  26. Wie ich mich für 103 Dollar vom Schul-Horrorbefreien kann
  27. In Schlaghosen und Stiefeln kannst du wieder nach Hause gehen
  28. Weit offen
  29. Die Tote im Karton
  30. Wie viel man für ein eigenes Zimmer zahlen muss
  31. Für die Vögel
  32. Warten auf den Kammerjäger
  33. Ich habe eine Entschuldigung von meiner Mutter
  34. Gutes Essen
  35. Unterwegs
  36. Sind Sie die Petersens?
  37. Die Rache des BH-Mädchens
  38. In einem ist ein Loch
  39. Angela wecken
  40. Angelas Rache
  41. Alles Schweinkram und Perverse
  42. Der kandierte Apfel
  43. Können wir noch etwas Brot bekommen, bitte
  44. Nur ein Lächeln
  45. Danksagung

Über die Autorin

Laurie Notaro schreibt wöchentliche Kolumnen für die Arizona Republic Zeitung. Sie lebt mit ihrem ersten Ehemann und den verbliebenen Haustieren in Phoenix, Arizona. Anleitung zum Zickigsein ist ihr erstes Buch.

Laurie Notaro

Anleitung zum
Zickig
sein

Roman

Aus dem Amerikanischen von
Swantje Schulze

Für Opi, Douglas Hopkins und Dick Vonier, die besten Helden, die ein Mädchen haben kann, und Corbett Upton, der sich nur selten beklagt, den Hetero-Mann zu spielen.

Einwickeln & Rollen und das Verschwinden
von Nikkis Schlüsseln

Nikkis Schlüssel waren weg.

Einfach weg.

»Das verstehe ich nicht«, sagte ich einfühlsam. »Du hattest sie gestern noch.«

»Das ist mir klar«, antwortete sie. »Aber irgendwann in der Zeit zwischen gestern Abend, als ich betrunken war, und heute Morgen, als ich nüchtern war, sind sie verschwunden.«

»Und ich nehme an, du wirst mich dazu bringen, dir bei der Suche zu helfen.«

»Nein, du wirst mir gerne helfen, sie zu suchen, weil du meine Freundin bist und du mir außerdem 40 Dollar schuldest«, fügte sie hinzu.

Lassen Sie mich gleich an dieser Stelle erklären, dass Nikki keine kleinen Sachen macht, das hat sie noch nie getan. Nehmen wir mal so ein einfaches Beispiel wie das Schlüsselverlieren. Das letzte Mal, als sie sie verloren hat, konnte sie nicht nur nirgends mehr hinfahren, sondern sie hatte auch zum ersten Mal in ihrem Leben jede Tür des Wagens abgeschlossen. Dies stellte nun ein Problem dar, weil sie die Klamotten ihres Mitbewohners, die bei der Reinigung gewesen waren, im Kofferraum hatte. Und das war insofern ein Problem, weil er jede Militäruniform, die er besaß, zur Reinigung gegeben hatte. Und das zog ein weiteres Problem nach sich, weil er zwei Stunden später beim Flughafen sein musste, da er zu einem Überseeeinsatz fliegen sollte. Und daraus entstand nun wiederum ein weiteres Problem, weil er nämlich beim Militärstützpunkt nicht in Zivilkleidung aufkreuzen konnte, denn seiner Einschätzung nach würden sie ihm unverzüglich eine Kugel in den Kopf jagen oder ihn unehrenhaft entlassen, da die Army keine Leute feuert, sondern sie einfach tötet oder ihr Leben für immer ruiniert. Und dann hatten wir noch ein zusätzliches Problem: Nikki war die Einzige, die ihn zum Flughafen fahren konnte.

Kurzum, da Nikki ihre Schlüssel verloren hatte, würde jemand entweder sterben oder den Rest seines ruinierten Lebens in dem einzigen Job fristen, den er würde bekommen können, was wahrscheinlich Verkäufer oder Geschäftsführer eines Plattenladens sein würde. Aber die Geschichte endete schließlich dann doch nicht so traurig. Nachdem wir 75 Dollar für einen Schlüsseldienst ausgegeben hatten, um an den Kofferraum zu kommen, fanden wir Nikkis Schlüssel, die sie lässig auf einem ganzen Arsenal von khaki-grünen Uniformen platziert hatte.

Und wenn das Wiederauffinden von Nikkis Schlüsseln ein 75-Dollar-Preisschild trug, war die Wahrscheinlichkeit erschreckend hoch, dass meine 40 Dollar Schulden eingefordert werden würden. Das war schlecht. Zumal das Geld zu jenem Zeitpunkt mit ziemlicher Sicherheit auf dem Bankkonto unserer Lieblingsbar deponiert war.

»Bitte sag mir jetzt nicht, dass du dieses Mal wieder am Kofferraum warst, oder dass dein Kind auf der Rückbank bei geschlossenen Fenstern sitzt, oder dass du Sachen von mir auf dem Vordersitz liegen gelassen hast, wie zum Beispiel meine CDs«, sagte ich mit Angstschweiß auf der Stirn.

»Ich wusste, dass du mir helfen würdest! Ich muss mir nur schnell etwas Ekeliges anziehen, falls ich mich dreckig mache«, rief sie, bevor sie die Treppen hinauflief.

Was soll’s, dachte ich kopfschüttelnd und beschloss, schon mal mit dem Durchsuchen der Sofakissen zu beginnen. Ich fand umgehend ein Feuerzeug, das ich einsackte. Dann fand ich 37 Cents, die ich ebenfalls einsackte, und einen haarigen Bonbon, den ich für den nächsten Sofakissen-Wühler zurückließ.

»Okay, ich bin soweit«, teilte sie mir mit, als sie die Treppe herunterkam. Sie trug das T-Shirt mit einer Karikatur von mir und meinem Namen auf dem Rücken, das aus meiner Zeit beim State Press Magazine der Arizona State University stammte.

»Ich dachte, du hättest gesagt, du würdest etwas ›Ekeliges‹ anziehen«, entfuhr es mir. »Das ist mein Shirt. Mein Gesicht ist da drauf. Und mein Name. Das ist ›ekelig‹? Für dich ist das ekelig?«

»Ich meinte nicht super ekelig, halt nur, na ja, ekelig«, antwortete sie.

»Demnach bin ich nicht super ekelig, sondern einfach nur ekelig?«, zischte ich sie an. »Was hätte es denn super ekelig gemacht? Wenn ich es unterschrieben oder dir geschenkt hätte?«

»Ja. Nein, ich meine, es ist mein Lieblingsshirt. Ich liebe dieses Shirt«, erklärte sie.

»Tja, es tut mir wirklich Leid, dass es so ›ekelig‹ ist. Ich hätte dir eins geben sollen, das wir aus der Seide von diesen bedrohten Würmern gemacht haben.«

Sie lachte. »Okay, ich muss noch meinen Stock holen, und dann können wir nach meinen Schlüsseln suchen«, meinte sie.

»Wofür brauchen wir einen Stock?«, fragte ich. »Wir können die Autoscheibe mit einem Stein einschlagen.«

»Nein, den Stock brauchen wir nicht, um die Autoscheibe zu zerstören, sondern um im Müll rumzustochern.«

»Wir stochern in Müll rum? Warum stochern wir in Müll rum?«, wunderte ich mich.

»Ich denke, dass meine Schlüssel ganz unten in dem Abfallbeutel sind, den ich gestern rausgebracht habe.«

»Verstehe ich richtig? Du trägst mein T-Shirt, während wir uns durch den Abfall anderer Leute wühlen?«

»Richtig. Siehst du, wenn ich es super ekelig finden würde, würde ich es tragen, wenn das Klo verstopft wäre.«

Nikki fand den Stock – einen Besenstiel –, und wir machten uns auf zu den Müllcontainern, die ungefähr so groß sind wie mein Haus und schlimmer riechen. Wir kletterten an der Seite hoch und schauten hinein, hinab auf Nikkis ganzen Abfall, und auf den von vierzig Nachbarn. An dem Tag waren es mindestens 45 Grad, und den Gestank konnte man in Form von übel riechenden Schlieren tatsächlich sehen, die vor meinem Gesicht in verschwommenen Mustern vorbeizogen, wie in Comics. Nikki begann mit dem Stock in den Müll zu stechen. Sie versuchte, ihren eigenen Müllbeutel zu finden, der passenderweise ganz zuunterst lag.

Überall flogen und fielen Sachen herum – Katzenstreu und Katzenkot, verfaultes Gemüse und altes Essen, gebrauchte Taschentücher und viele tote Dinge. Jeder in Nikkis Apartmentblock nimmt die Pille, habe ich dabei festgestellt. Plötzlich platzte ein Sack, auf den Nikki eingestochen hatte, und dann rollte dieses kleine weiße Ding in mein Blickfeld.

»AAAAAAAAAAAAHH!«, schrie ich.

»Was?«, fragte Nikki und drehte sich zu mir.

»Schau nicht hin!«, erwiderte ich und versperrte ihr die Sicht, denn ich weiß, dass sie einen empfindlichen Magen hat und ihr schlecht wird, wenn ich vom Nasebohren spreche oder irgendwas in Bezug auf Scheiße erwähne. Daher wusste ich also, dass ihr übel werden würde, wenn sie sähe, was ich sah: einen weißen, nackten und an einer Stelle benutzten Tampon Applikator.

Gott, dachte ich, wem auch immer das Ding gehört hatte, hat dir deine Mutter nicht beigebracht, wie man mit so was umgeht? Ich meine, allmächtiger Gott, sobald meine Mutter auch nur den Verdacht hatte, dass meine Eierstöcke anfangen könnten zu sickern, setzte sie sich mit mir in den einzigen abgeschiedenen Raum im Haus – nämlich ihr Badezimmer –, holte eine Rolle Toilettenpapier und eine Damenbinde hervor und erklärte mir wie man einwickelt & rollt. Drei Lagen horizontal und drei Lagen vertikal. Rollen & Einwickeln, das gehört zum guten Ton. Sogar ich habe das im zarten Alter von acht Jahren verstanden. Und als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme konnte man Gottes kleines Bündel in ein Plastiksäckchen stecken, sodass die Hunde, für den Fall, dass sie im Haus frei rumliefen, es nicht finden und auseinander rupfen würden, eine Lieblingsbeschäftigung unserer Hunde Ginger und Brandy. Direkt nach der praktischen Übung bekam ich die »Man-fühlt-sich-nicht-so-frisch«-Predigt zu hören, woraufhin ich in mein Zimmer lief und eine Stunde lang schluchzte, weil Barbie nicht mit einer winzigen Binde, einem Tampon oder spezieller Vaginalreinigungsseife ausgestattet war.

Na ja, wir fanden schließlich Nikkis Müllbeutel, aber die Schlüssel waren natürlich nicht drin. Inzwischen ist es drei Wochen her, dass Nikki ihre Schlüssel verloren hat, und wir haben sie immer noch nicht gefunden. Wer weiß, wo sie sind?

Vielleicht hat irgendwie, so wie die Dinge in Nikkis merkwürdiger Welt passieren, irgendwer ihre Schlüssel dreimal horizontal und dreimal vertikal umwickelt, und irgendein hungriger Hund hat sie einfach verspeist.

Der »Club der verrückten
Hühner« und die Kunst,
dumm zu sein

Mein Freund Joel machte neulich Nacht eine interessante Bemerkung.

»Ich bin froh, dass ich zu den Dummen gehöre«, teilte er mir mit. »Es gefällt mir besser so.«

»Aha?«, sagte ich. »Warum?«

»Na ja, es gibt Dinge, über die ich Bescheid weiß, und es gibt noch mehr Dinge, von denen ich keine Ahnung habe, sodass ich mir im Großen und Ganzen über weniger Dinge Gedanken machen muss«, war seine Antwort.

Er erklärte, dass sein Bruder Jeff und unsere Freundin Jamie zu den Schlauen gehören, da sie einen College-Abschluss haben und mehr als 4,25 Dollar pro Stunde verdienen. Er erwähnte auch, dass er im Beisein von Jeff und Jamie vereinzelte Brocken intelligenter Information aufschnappen könne, die er »Geschichten« nennt – sagen wir, wer beispielsweise der Vizepräsident der Vereinigten Staaten ist oder wie man erfolgreich einen Drogentest besteht. Er erzählt dann diese Geschichten im Gegenzug den Menschen, mit denen er arbeitet, die ebenfalls zu den Dummen gehören, und das lässt Joel wie einen Schlauen aussehen.

»Ich verstehe«, antwortete ich. »Dadurch wirkst du also schlau, kannst aber dabei das einfachere Leben eines Dummen leben.«

»Jawoll«, meinte er. »Weißt du, ich bin froh, dass ich in der Schule in der Mathe-Förderklasse war.«

Dann kam die Frage.

»Okay«, begann ich. »Wenn Jeff und Jamie in der Gruppe der Schlauen sind, und du in der Gruppe der Dummen, in welcher bin ich dann?«

»Na ja«, seufzte er. »Du bist auch in der Gruppe der Dummen.«

»Oh«, war alles, was ich rausbrachte.

»Aber nur, weil du zu cool bist, um zu den Schlauen zu gehören«, fügte er schnell hinzu.

Er hat sich gut rausgeredet, das gebe ich zu, aber er hatte Recht. Ich hatte schon vorher das Gefühl gehabt, zu den Dummen zu gehören, aber ich war mir nie wirklich sicher gewesen. Und nun hörte ich es aus dem Mund eines Dummen-Experten.

Ich hätte es jedoch wissen müssen, da ich ein Ehrenmitglied des Clubs für verrückte Hühner bin, zu dem ich und meine Freundin Nikki und viele andere unserer latent zickigen Freundinnen gehören, so auch Krysti und Kate, die alle ein Club-Amt innehaben.

Ich bin selbstverständlich die derzeitig amtierende Präsidentin.

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, dass Nikki ihre Autoschlüssel verloren hatte und wir sie nicht wiederfinden konnten. Wir haben sie tatsächlich nie wiedergefunden. Ihr Auto ist immer noch in demselben 45 Grad-Winkel vor ihrem Apartment geparkt, so wie sie ihn vor fünf Wochen abgestellt hat. Nur dass es jetzt zwei platte Reifen hat und zu einer Art Heim für eine Bande streunender Katzen und eine Krähe geworden ist.

Zu meinem Leidwesen ist die Geschichte an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Vor zwei Wochen stand ich vor ihrer Haustür, und ein halber Liter Whiskey zirkulierte durch meinen Blutkreislauf, als sie mir mitteilte, dass sie nun ihren Haustürschlüssel verloren habe. Es wäre jedoch okay, lallte sie; wir könnten dennoch ins Haus kommen, weil ihre Mitbewohnerin eine Brechstange im Kofferraum ihres Wagens habe. Und die dazugehörigen Schlüssel hatte Nikki noch nicht verloren.

Ich habe in jener Nacht herausgefunden, dass ich im Suff nicht nur denke, dass ich schlank und attraktiv bin und eine fabelhafte Stimme wie die Motown-Sänger habe. Der Suff bewirkt zudem, dass ich behände wie eine faltige Prostituierte bin, denn ich erklomm eine zwei Meter hohe Mauer, die an Nikkis Hinterhof grenzt, in nur wenigen Sekunden. Am nächsten Morgen wachte ich allerdings mit so vielen blauen Flecken an meinen Oberschenkeln auf, dass ich dachte, ich hätte mit einem Gynäkologen gecatcht.

Alkohol kann einem auch übernatürliche Kräfte verleihen. Das habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, als Nikki mit der Brechstange zur Hintertür ging. Mit einer einzigen Bewegung hatte sie die Tür aufgebrochen, und ein Teil des Türpfostens aus Metall flog fünf Meter in den Nachthimmel hinaus. Wir waren im Haus. Wir lächelten. Wir dachten, wir seien schlau.

Dann stellten wir fest, dass der Rahmen so stark verbogen und so viele Teile rausgebrochen waren, dass die Tür nicht mehr abzuschließen war. Nun erkannten wir, dass wir wohl doch dumm waren. Vor allem, als unser Freund Mike vorbeikam und uns auslachte, weil wir versucht hatten, potenzielle Einbrecher fern zu halten, indem wir ein Schloss aus einem Stück Seil und etwas Klebeband zusammengebastelt hatten, das herunterfiel, als er es nur berührte.

Ich war auch bei zahlreichen anderen Gelegenheiten dumm, zum Beispiel als ich den Postboten ärgern wollte und alle Werbesendungen im Briefkasten liegen ließ, weil ich einfach keinen Bock mehr hatte, sie wegzuwerfen. Ich ließ sie für vier Wochen da drin, bis er sie schließlich wieder mitnahm. Ich hatte gewonnen. Ich war schlau. Dann hörte er auf, mir die Post zuzustellen, und hinterließ mir eine boshafte Nachricht, auf der stand, dass ich als »Empfänger unbekannt verzogen« gelte. Dumm gelaufen.

Einen Abend in der Bar entdeckte ich einen unglaublich süßen Typen mit langem blonden Haar in der anderen Ecke des Raums. Ich lächelte, und er lächelte zurück. Ich fing an, mich niedlich zu verhalten, zog den Bauch ein, warf ihm verführerische Blicke zu, und er starrte mich weiter an. Ich war schlau. Ich bewegte mich in die Mitte des Raums, benahm mich weiterhin niedlich, indem ich mir durchs Haar strich und so was, und näherte mich ihm. Ich war schon ganz schön nah dran – auf dem Barhocker neben ihm –, als mir auffiel, dass er diese ganze Mädchen-Masche voll durchschaute, weil »er« selbst ein Mädchen war. Und sie war hübscher als ich. Da war ich wieder dumm.

Ich war sehr dumm, als mein Ex-Freund, der Super-Dämon Brad, mit mir Schluss machte. Eigentlich machte er gar nicht richtig Schluss mit mir; der Super-Dämon Brad hatte einfach nur vor, den Staat zu verlassen, ohne mir davon zu erzählen. Zusammen mit seiner Ex-Freundin Dog Girl, die durchsichtige Klamotten trägt und Haare wie Kornähren hat. Ich fand es heraus, als ich eines Tages zu seiner Wohnung ging und er gerade dabei war, alle seine Sachen in einen beschissenen Hippie-Bus mit lila Gardinen zu packen. Lila Gardinen! Da teilte er mir mit, dass er seine wahre Bestimmung entdeckt habe: Er müsse den Grateful Dead folgen. Dog Girl hatte den Bulli besorgt, die Gardinen genäht, und er wollte abhauen. Und das tat er auch.

Ich war dumm, weil ich nicht die Gabel hervorholte, die in meiner Handtasche war. Und es war noch dümmer von mir, sie nicht in seine und ihre Kehle zu rammen. Stattdessen dachte ich, es sei schlau, sich einfach umzudrehen und ohne ein Wort zu gehen, obwohl er darauf bestand, dass ich ihm eine reinhauen solle. Wenn ich heute noch mal die Gelegenheit bekommen würde, dann würde ich ihm mit bloßen Händen die Zähne aus dem Maul reißen, um sie anschließend in die Rasta-Locken von Dog Girl einzuflechten. Damals nahm ich mir nur am nächsten Morgen einen Flieger nach Portland/Oregon, wo mich mein Nachfolge-Freund vom Flughafen abholte.

Sei’s drum. Da ich dumm bin und ein verrücktes Huhn, habe ich nicht nur Erinnerungen an die bekloppten Dinge, die ich in meinem Leben getan habe, nein, ich habe auch Fotos davon. Denn genau das passiert, wenn die Dummen eine Kamera in die Finger kriegen. Neulich, bei einem Zicken-Abenteuer, an dem ich, Nikki und unsere Schatzmeisterin Kate beteiligt waren, fuhren wir Richtung Norden nach Flagstaff, um uns die Nudisten-Olympiade anzusehen. Ich brachte einen Fotoapparat mit, um dieses schöne Ereignis in Bildern festzuhalten. Als wir jedoch schließlich ankamen, konnten wir keine nackten Menschen finden, obwohl doch offensichtlich Hunderte davon herumstolzierten.

Wir bogen falsch ab und verirrten uns auf irgendeiner dreckigen Waldstraße, die wir so lange entlangfuhren, bis eine von uns sagte, sie müsse pinkeln. Wir hielten an, fanden ein paar gebrauchte Taschentücher und marschierten in den Wald. Dann entschied eine von uns dummen Hühnern, dass wir davon unbedingt ein paar Fotos haben müssten. Dabei waren wir nicht einmal betrunken. Nun denn, dank eines schnellen Fingers einer sehr engagierten Fotografin existieren mehrere Beweisaufnahmen von mir, wie ich mit einem Mann über ein Pferd spreche, meine Hosen runterziehe, mich abwische … und dann meine Hosen schnell wieder hochziehe, als ich merke, dass mich jemand beobachtet. Das geht aber in Ordnung. Als ich die Fotos zu sehen bekam, war ich echt nicht sauer. Wer auch immer die Bilder gemacht hat, war einfach zu dumm, um zu merken, dass das Motiv zu weit weg war. Das Einzige, was man erkennen kann, ist etwas, das aussieht wie Bigfoot, der an seiner Intimzone rummacht. Bigfoot war allerdings schlau genug, sich nie dabei knipsen zu lassen.

Ich konnte nur lachen. Das ist immer noch das, was die Dummen am besten können.

Asche zu Asche, Knochen
zu Stein, meine Mutter
sagte immer, Unterwäsche
müsse sein

Der Karton lag auf dem Küchentisch, in grünes Weihnachtspapier eingewickelt. Ich wusste, dass er für mich war. Ich war bei meiner Mutter zu Hause, und niemand aus der Familie redete mit mir, weil ich eine Stunde zu spät zu meinem Geburtstagessen gekommen war, und sie waren sauer, weil sie wussten, dass sie dieses eine Mal nicht ohne mich mit dem Essen anfangen konnten.

Ich schüttelte den Karton und wusste sofort, was drin war, obwohl ich hoffte, ich würde mich täuschen. Es hatte etwas mit meinem »Zustand« zu tun.

Ich bin noch zu jung und unreif für diesen Zustand, das sage ich Ihnen gleich. Ich bin noch nicht dazu bereit, es hat mir einen Teil meines sozialen Lebens genommen, und es wird mich für den Rest meines Lebens verfolgen, davon bin ich überzeugt. Für all die Gutmenschen unter Ihnen, die Neugierigen, die Ich-kann-mich-nicht-um-meinen-eigenen-Scheiß-kümmern-Typen, die jetzt bereits in den Gelben Seiten nach der Telefonnummer des Kinderschutzbundes suchen: Bleiben Sie ruhig. Ich bin nicht schwanger. Ich bin nur durch lähmende Rückenschmerzen verkrüppelt.

Meine Wirbelsäule verwandelt sich langsam, aber nicht unmerklich, in Staub, und ich kann es nicht glauben. Ich dachte immer, meine Lungen würden als Erste schlapp machen, dicht gefolgt von meiner Leber. Es machte mich glücklich, mich in einer eisernen Lunge oder einem Sauerstoffzelt zu sehen. Ich stellte mir vor, wie ich meine künstliche Sprachausgabe auf volle Lautstärke drehen und die Krankenschwestern anschreien würde, sie sollten mir gefälligst Zigaretten holen, verdammt noch mal! Meine Träume sind zerplatzt wie eine Krampfader – wo bleibt da die Gerechtigkeit? Ich habe mich selbst nie in einem elektrischen Rollstuhl mit einem Metallkorb vorne dran gesehen, mit dem ich im Supermarkt die Gänge rauf und runter fahre, und dann einen Verkäufer bitte, mir die Familienpackung Tampons zu reichen, weil sie ganz oben auf dem Regal liegt und ich da nicht drankomme. Und kann man wegen Trunkenheit verknackt werden, wenn man einen elektrischen Rollstuhl steuert?

Ich war beim Chiropraktiker, und der hat mir mit seiner komischen Metallpistole in den Kopf und in den Hintern geschossen. Dann legte er eine feuchte, vibrierende Röhre auf meinen Rücken. Als ich das den Jungs auf der Arbeit erzählt habe, meinten sie, sie würden das Gleiche für mich tun, aber gratis.

Die Schmerzen waren unglaublich. Sicher half mir der Alkohol eine Weile, aber irgendwann ließ auch seine Wirkung nach. Ich wusste, ich würde einen Spezialisten mit Erfahrung und Zertifikaten finden müssen. Einen, der zudem imstande war, mir gute Drogen zu besorgen. Also ging ich zum Knochenspezialisten.

Meine Mutter musste mich begleiten, weil ich kaum aufstehen, geschweige denn fahren konnte. Sie ging mit mir ins Untersuchungszimmer. Die Krankenschwester bat mich, meine Kleidung abzulegen und eine Art Papierumhang anzulegen, mit dem ich wie meine Tante aussah, die Alkoholikerin ist und einmal sechs Monate lang keine Hosen tragen konnte, weil sie durch einen mysteriösen Unfall beim Backen verstümmelt worden war. Es sieht so aus, als ob man Mehl und Gin nicht mischen sollte. Die Krankenschwester sagte, ich könne meine Strumpfhose anlassen, falls mir kalt werden würde, und ich dachte, dass das eine gute Idee sei, weil ich keine Unterwäsche trug. Sie wissen, warum. Die Hunde aßen sie immer auf, deshalb hatte ich es aufgegeben, mir neue zu kaufen.

Ich saß auf diesem Untersuchungstisch und meine Mutter neben mir auf einem kleinen Stuhl. Sie schnappte nach Luft, als ich meine Stiefel auszog.

»Schau dir das Loch in deinen Strümpfen an!«, schimpfte sie und zeigte auf meinen Fuß. In Wirklichkeit war es aber gar kein Loch. Es hatte mal als Loch an meinem großen Zeh begonnen und wurde dann so groß, dass es mir den Zeh abschnürte. Deshalb wurde ich es eines Nachts unter Alkoholeinfluss leid, schleuderte den Stiefel weg und tötete das Loch, indem ich den gesamten Fußteil der Strumpfhose abriss.

»Ich kann nicht glauben, dass du diese Strümpfe bei einem Arztbesuch anziehst!«, fuhr sie kopfschüttelnd fort. »Ich schäme mich so. Schämst du dich denn gar nicht? Es sollte dir peinlich sein. Ich schäme mich, wenn ich dich nur ansehe. Selbst Obdachlose würden solche Strumpfhosen nicht beim Arzt anziehen, weil sie sich schämen würden. Guter Gott, habe ich dich so erzogen? Der Doktor wird denken, dass du asozial bist!«

Während meine Mutter noch ihre Tiraden über mich ergoss, kam schließlich der Knochenspezialist herein. Er bat mich, aufzustehen und durch den Raum zu humpeln, er überprüfte meine Reflexe, und dann sollte ich mich auf den Tisch legen. Er beugte mein rechtes Bein in diese und jene Richtung, rauf und runter, ganz nach außen und wieder nach innen. Das wiederholte er mit meinem linken Bein. Dann ordnete er Röntgenaufnahmen an und verließ den Raum. Ich bekam Panik. ICH MUSS SCHMERZMITTEL BEKOMMEN!

»Was kann ich gegen die Schmerzen nehmen?«, konnte ich noch schnell hervorbringen, bevor er zur Tür raus war.

»Sie können rezeptfreies Ibuprofen nehmen«, schlug er vor. »Ich würde aber nicht mehr als neun am Tag nehmen.«

Mir schnürte sich der Hals zu. Neun pro Tag? Ich hatte circa vierzig eingeworfen. Neun pro Tag? Hölle. Ich konnte nicht einmal allein aufs Klo gehen, hatte drei Wochen lang nicht geschlafen, und mein sonst so sonniges, fröhliches Gemüt war inzwischen wie das eines tollwütigen Hundes. Wenn ich keine ordentlichen Schmerzmittel bekam, und zwar umgehend, würde ich direkt in eine Waffenhandlung fahren müssen und anschließend in eine Drogerie.

»Ich glaube, Sie verstehen mich nicht richtig«, erklärte ich. »Ich kann nicht arbeiten gehen. Ich habe die letzten vier Tage mit meiner Mutter verbracht, die Teleshopping-abhängig ist. Sie sieht den ganzen Tag Verkaufsshows, wo Schmuck, Puppen und Make-up präsentiert werden. Ich war schon drauf und dran, eine Küchenmaschine zu bestellen! Verschreiben sie mir etwas, sonst beiße ich Ihnen in die Wade!«

Unversehens stellte er mir hastig ein Rezept über Codein aus und verschwand. Ich war glücklich.

Meiner Mutter hingegen hatte es die Sprache verschlagen. Sie hatte diesen leeren Gesichtsausdruck, den ich erst lange nach ihren Wechseljahren erwartet hatte. Ich stellte mir vor, wie sie dann bei mir leben würde. Ich würde ihr Schleifchen ins Haar binden, ihr 10 Cents geben, wenn sie den Geschirrspüler ausräumt, ich würde ihr kleine rosafarbene Polyester-Pullis anziehen und sie an Feiertagen am Kindertisch essen lassen.

»Du hast ein Loch in deiner Strumpfhose«, murmelte sie.

»Ich weiß, Mama, wir haben bereits über die Schande meines nackten Fußes gesprochen«, seufzte ich.

»Nicht da!«, zischte sie, kaum hörbar. »Nicht da! HIER!« Sie fing an, immer und immer wieder auf ihren Schambereich zu zeigen, unfähig, damit aufzuhören. »HIER! DAS LOCH IST HIER!« Hektisch formte sie für einen kurzen Moment mit ihren Daumen und Zeigefingern einen Kreis, der so groß wie eine reife Honigmelone war. »Sooo groß«, meinte sie. »Dieses verdammte Ding. Und der Doktor hat es gesehen! Warum zum Teufel trägst du keine Unterwäsche?«

Ich hatte mich vor meinem Arzt entblößt. Und vor meiner Mutter. Ich hatte meine Geschlechtsteile offener zur Schau gestellt als jene Frauen, die die Seiten von Männermagazinen zieren. Und ich wurde nicht einmal dafür bezahlt.

Insofern wusste ich, was nun in diesem Karton auf dem Küchentisch war, dessen Inhalt meine Schwester für mich ausgesucht und sorgfältig eingepackt hatte.

Ich öffnete ihn, wühlte mich durch das Pergamentpapier, und da waren sie: sechs weiße Baumwollhöschen, die so groß waren, dass man damit Autos hätte abdecken können. Ich stellte mir vor, wie ich darin aussehen würde, mit dem Gummizug knapp unter meinen Brüsten. Das wäre ungefähr so, als wenn Gene Hackman Model für Männermode wäre.

»Tja, danke dir«, sagte ich zu meiner Schwester. »Ich habe die im Dessousversand-Katalog gesehen. Die Frau, die sie anhatte, trug außer der Wäsche auch einen Urinbeutel an einem künstlichen Ausgang und schob eine Gehhilfe vor sich her.«

»Sie werden bei der ersten Wäsche einlaufen«, entgegnete sie.

»Um wie viel?«, fragte ich. »Auf die Größe eines Heißluftballons? Nicht einmal Nonnen tragen solche Unterwäsche.«

»Nonnen laufen auch nicht herum und zeigen ihre Du-weißt-schon-was irgendwelchen arglosen Ärzten«, ertönte meine Mutter.

Dann sollte meine andere Schwester nach oben gehen und ihre gesamte alte Unterwäsche holen für den Fall, dass ich mehr als sechs Mal zum Arzt müsse.

Der Höschen-Krieg war vorbei. Ich hatte verloren.

Meine Mutter lächelte. Sie dachte, sie habe gewonnen.

Sie ist aber nicht die eigentliche Siegerin. Die wirklichen Gewinner des Unterwäschekrieges sitzen in diesem Moment strategisch günstig an ihren Fressnäpfen in meiner Küche und warten listig und geduldig auf die Gelegenheit, ihren Siegerpreis einzufordern und zu fressen.

The Good, the Bad,
and the Ugly

Verdammt, ich war nie »die hübsche Freundin«.

Die hübsche Freundin. Schauder. Schüttel. Schrecklich.

Sie ist diejenige, deren Eyeliner perfekt aufgetragen ist, er sammelt sich nie in ihrem Tränenkanal an, um dann ebenholzfarbene Augenränder in der Größe einer halben Grapefruit zu erzeugen.

Sie ist diejenige, die einen Body tragen und sich damit hinsetzen kann, ohne dass sich die Speckrollen über ihrem Gürtel wölben.

Ihr gelingt es, ein Sandwich oder einen Hamburger zu essen, ohne dass hinterher Lippenstift auf dem Brötchen oder an ihrem Kinn ist.

Sie ist diejenige, die tatsächlich in Gegenwart anderer Leute essen kann, ohne dass dabei das Essen, wie zum Beispiel Krautsalat, an ihrer Lippe hängt oder aus ihrem Mund auf den Teller anderer Gäste fliegt.

Sie spuckt nie beim Sprechen.

Sie schläft mit geschlossenem Mund und sabbert nie.

Sie fummelt sich nicht im Gesicht rum.

Und sie muss nie in ihrem Leben scheißen.

Ich habe immer ein kleines Streichholzpaket bei mir, für alle Fälle, weil ich regelmäßig muss. Sehr regelmäßig. Nachts sabbere ich manchmal so stark im Schlaf, dass mein Haar noch am nächsten Morgen nass ist. Es ist noch kein Tag in meinem Leben vergangen, an dem ich nicht einen Großteil der Zeit Lippenstift auf meinen Zähnen hatte. Offen gestanden schätze ich, dass ich etwa acht Lippenstifte pro Jahr verdaue. Ich vergesse oft, Deo aufzulegen, und dann muss ich an meinen Achseln schnüffeln, um zu checken, ob ich an dem Tag auf meine Hygiene geachtet habe. Wenn man mich fragt, wie viele Zigaretten ich am Tag rauche, antworte ich: »Keine Ahnung. Riech an meinen Haaren und sag’s mir.« Ich habe seit der dritten Klasse keinen Body und auch kein in die Hose gestecktes T-Shirt mehr getragen. Und niemand, ich meine wirklich niemand, hat mich jemals nackt gesehen, wenn das Licht an war.

Aber ich bin mir nicht so sicher, dass das mein Fehler ist.

Hübsche Freundinnen haben immer so niedliche Namen wie Nicole, Colleen, Dionne oder Jamie. Daher nehme ich an, dass das mit dem Hüsche-Freundin-Sein schon früh beginnt, so um die Geburt herum, wenn man einen Namen bekommt. Damit wird alles entschieden. Meine Mutter hat es besser gemacht, als sie den Hunden Namen gab. Sie heißen Cali und Cory, dann kam ich dran mit Laurie Ann, und ich muss länger leben. Ich kann mir nicht mal eine vernünftige Kurzform wie Lauri zulegen; bei mir käme bestenfalls die Pluralform heraus. Da haben Sie’s. Es wurde 1965 in Stein gemeißelt. Ich war dafür bestimmt, die hässliche Freundin zu sein; die Krankenschwestern haben mich in meiner Wiege angesehen und traurig ihre Köpfe geschüttelt.

»So ein armes Ding, diese Laurie Ann«, sagte eine Krankenschwester. »Sie sah annehmbar aus, als sie als ›Notaro Baby‹ ankam, aber seht sie euch jetzt an. Durch die Namensgebung sind ihr fette schwarze Haare auf den Zehen gewachsen.«

»UÄÄH, davon bekomme ich Gänsehaut«, antwortete ihre Kollegin. »Sieh nur, wie sich ihre Poren weiten. Ist das eine Eiterbeule oder ein Kropf an ihrem Kinn? Ich wette, sie wird beim Lachen grunzen, wenn sie groß ist. Und sie wird anderthalb Kilo Schweinefleisch am Stück verdrücken.«

»Ich wette, sie wird eine großmäulige Säuferin«, fügte die erste Krankenschwester hinzu. »Komm, wir schieben sie da vorne in die dunkle Ecke, weit weg von den hübschen Babys Molly und Michelle. Wir wollen doch nicht, dass sie sie verdirbt.«

Die hässlichen Freundinnen bekommen nie die gleiche Aufmerksamkeit wie ihre hübschen Freundinnen. Kein Typ will jemals wissen, wo die hässlichen Freundinnen sind (wir sind natürlich im Clubraum für hässliche Freundinnen, wo wir stundenlang Episoden der Golden Girls ansehen, Käsekuchen futtern und dann Gürtel anprobieren), aber die Typen werden immer die hässlichen Freundinnen fragen: »Hey, wo ist deine hübsche Freundin …?«, worauf ich am liebsten antworten würde: »Im Krankenhaus, wo sie sich einer weiteren Schönheitsoperation unterzieht. Erzähl mir nicht, dass du geglaubt hast, dieses Stupsnäschen sei echt.«

Leider sind es immer die hässlichen Freundinnen, die zwischen den hübschen Freundinnen und einer schleimigen männlichen Kreatur vermitteln müssen, wenn diese sich in eine Freundin verguckt hat, die noch nicht die Innenseiten all ihrer beschissenen Jeans durchgescheuert hat.

Ich erinnere mich an einen Abend in der Bar, als ich mit Nikki, meiner hübschen Freundin, unterwegs war. Ein männliches Ungeheuer jagte sie durch die ganze Bar und grabschte ihr an den Arsch, der im Gegensatz zu meinem nicht als Wohnzimmersofa für eine fünfköpfige Familie geeignet wäre. So ging das über Stunden … grabsch, grabsch, grabsch, fühl, fühl, fühl … bis ich mich schließlich umdrehte und den Arm des Bastards ergriff.

Ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich musste meine Freundin beschützen, und ich musste einen Weg wählen, den das männliche Ungeheuer auch verstehen würde. Ich musste so tun, als wäre ich Nikkis bessere Hälfte, und da ich die hässlichere von uns beiden war, musste ich den dominanten Part übernehmen, also die Ehemann-Lesbe spielen. (Die hässlichen Freundinnen können nie die Ehefrau-Lesbe sein, sie müssen immer der Mann sein.)

»Hör zu, Mann«, sagte ich verächtlich und packte härter zu. »Das ist mein Mädchen, an dem du da gerade rummachst, und wenn du sie noch einmal anpackst, poliere ich dir im Hinterhof die Fresse.«

Eine hässliche Frau lügt niemals, das muss sie gar nicht. Ich hatte ein Flanell-Hemd an. Das männliche Ungeheuer wich zurück und fasste Nikki nicht mehr an.

Unglücklicherweise weiß eine hässliche Freundin nur in Konfrontationen richtig mit einem Mann umzugehen, ohne dabei deutlich zu machen, dass sie ein totaler Loser ist. Eine hübsche Freundin kann ihr das nicht beibringen, und das macht auch nichts, denn sobald die hässliche Freundin auch mal einen Typ abbekommt, wird sich dieser sowieso sofort in die hübsche Freundin verlieben, wenn er zum ersten Mal einen Blick auf deren majestätische Schönheit geworfen hat.

Die hübschen Freundinnen wissen, wie man einen Mann betört, sie lassen es ihn spüren, ja, sie sind Frauen. Die hässlichen Freundinnen haben nicht die geringste Chance.

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