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Andere Antworten auf Stephen Hawkings große Fragen

Friedrich W. Wurster

Andere Antworten auf Stephen Hawkings große Fragen

Auseinandersetzung mit Stephen Hawking und seinem letzten Buch

»Kurze Antworten auf große Fragen«

INHALT

Vorwort

Einführung

Ziel und Zweck dieses Buches

Aufbau und Gliederung des Buches

Warum andere Antworten auf große Fragen?

Kapitel 1

GIBT ES EINEN GOTT?

Kapitel 2

WIE HAT ALLES ANGEFANGEN?

Kapitel 3

GIBT ES ANDERES INTELLIEGENTES LEBEN IM UNIVERSUM?

Kapitel 4

KÖNNEN WIR DIE ZUKUNFT VORHERSAGEN?

Kapitel 5

WAS BEFINDET SICH IN EINEM SCHWARZEN LOCH

Kapitel 6

SIND ZEITREISEN MÖGLICH?

Kapitel 7

WERDEN WIR AUF DER ERDE ÜBERLEBEN?

Kapitel 8

SOLLTEN WIR DEN WELTRAUM BESIEDELN?

Kapitel 9

WIRD UNS KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ÜBERFLÜGELN?

Kapitel 10

WIE GESTALTEN WIR UNSERE ZUKUNFT?

Danksagung 245

Register

Vorwort

Das abschließende Werk von Stephen Hawking „Kurze Antworten auf große Fragen“ greift tief in unser Weltbild ein und ist auch eine Herausforderung. Der Verlag von Stephen Hawking weist darauf hin, dass das Buch aus seinem persönlichen Archiv hervorgegangen ist. Es entstand gerade, als Stephen Hawking im März 2018 starb. In Zusammenarbeit mit seiner Familie und dem Stephen Hawking Estate wurde es vorbereitet und fertiggestellt. Das Buch fand eine hervorragende Resonanz und landete auf einem sehr guten Platz in einigen Bestsellerlisten. Es liest sich wie seine Hinterlassenschaft an die Menschheit, fast wie ein Testament. Er schreibt über Zeitreisen, die Bedrohung unseres Planeten, künstliche Intelligenz und nicht zuletzt über die Nicht-Existenz von Gott. Seine Tochter Lucy Hawking, 47, drückte seinen Glauben in einem Stern-Gespräch wie folgt aus: „Er glaubte aus tiefer Überzeugung an den Menschen“. Insbesondere diese Aussage hat den Autor mit dazu veranlasst sich näher mit den Aussagen und Erkenntnissen dieses großen Physikers und Humanisten, der geniale Entdeckungen gemacht hat, näher zu beschäftigen. Stephen Hawking bejaht den Menschen wie er ist. Er glaubt auch an seine weitere Höherentwicklung im Rahmen der Evolution. Was er nicht glaubt ist, dass das Universum einen Schöpfer hat. Er meint, dass die Welt ohne einen Schöpfer-Gott auskommt, und dass alles mit dem Urknall aus der Materie heraus entstanden ist.

Diese Meinung kann und will der Autor dieses Buches nicht teilen. Bereits mit seinem Buch „Mensch, wo stehst du heute“, das im Jahr 2016 erschienen ist, hat er sein Weltbild ausgedrückt. Er versucht auf anderen Erkenntnissen, die auch wissenschaftlicher Art sind, aufzubauen, und die Thesen von Stephen Hawking zu widerlegen. Das Buch ist deshalb auch eine gewisse Auseinandersetzung mit Stephen Hawking und seinen Thesen.

Er hätte bestimmt dazu gelächelt und gesagt, dass man es auch anders sehen und begründen kann. Im Grunde war Stephen Hawking bescheiden und ließ auch andere Meinungen gelten. Er bejahte Widerspruch und eine offene Diskussion.

Einführung

Die von Stephen Hawking in seinem Buch angesprochenen Fragen sind für uns Menschen existentiell.

Man kann jedoch durchaus unterschiedliche Sichtweisen dazu haben.

Unser Welt- und Gottesbild hat in der Neuzeit entscheidende und vielseitige Änderungen erfahren. Nichts ist abgeschlossen, alles ist im Fluss.

Auch die großen Wissenschaften wissen, dass sie noch einen weiten Weg vor sich haben.

So elementare Fragen wie: Ist das Universum unendlich oder begrenzt? Hat die Raum-Zeit einen Anfang, den Urknall?

Dehnt sie sich aus? Hat sie ein Ende? Welchen Platz im Universum nehmen wir ein? Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Und ist in den Modellen der Kosmologen noch Platz für einen Gott?

Ist der Geist das Allumfassende? Ist die Materie nur Schein? Wie stehen Geist und Materie zueinander?

Fragen über Fragen! Dass Stephen Hawking diese Fragen aufgeworfen und auch den Versuch unternommen hat, Antworten darauf zu finden, ist ein nicht geringer Verdienst.

Er fordert mit seinen Thesen aber buchstäblich auch zum Widerspruch heraus.

Die Herangehensweise kann für den Physiker eine ganz andere sein, wie zum Beispiel für den Philosophen oder den Religionswissenschaftler.

Die ersten fünf Fragen sowie die zehnte aus Stephen Hawkings Buch sind tief in seiner Wissenschaft verwurzelt:

Gibt es einen Gott?

Wie hat alles angefangen?

Können wir die Zukunft vorhersagen?

Was befindet sich in einem schwarzen Loch?

Sind Zeitreisen möglich?

Wie gestalten wir unsere Zukunft?

Seine Antworten auf die anderen vier großen Fragen können jedoch nicht fundiert in seiner Wissenschaft verankert werden:

Können wir auf der Erde überleben?

Gibt es anderes intelligentes Leben im Universum?

Sollten wir den Weltraum besiedeln?

Wird uns künstliche Intelligenz überflügeln?

Hawkings Antworten auf diese Fragen sind sehr interessant und aus seiner Sicht entsprechend begründet. Seine Kritiker bemängeln, dass Hawkins „verkehrte Fragen“ stelle oder Binsenweisheiten liefere. Ein Kritiker stellt nach der Lektüre nüchtern fest: „Ein philosophischer Kopf war Hawkings nicht“.

Ziel und Zweck dieses Buches

Ziel und Zweck dieses Buches ist nicht unbedingt Stephen Hawking zu widerlegen.

Sein Buch hat jedoch auch Widersprüchlichkeiten. Es ist sehr aus der Sicht eines rationalen Astro-Physikers geprägt.

Er fordert mit seinen Thesen buchstäblich zum Widerspruch heraus. Die Herangehensweise kann für den Physiker eine ganz andere sein, wie für den Philosophen oder den Religionswissenschaftler. Vom Philosophen Sokrates stammt vermutlich die Aussage „ Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Wenn wir uns mit den aufgeworfenen Fragen etwas mehr beschäftigt haben, vielleicht können wir dann sagen: „Etwas mehr an Wissen, ist besser als nichts“.

Der Autor wünscht jedenfalls einen guten Gewinn an Wissen und Erkenntnis.

Aufbau und Gliederung des Buches

Insbesondere die von Stephen Hawking selbst gestellte Frage und seine Antwort auf diese Frage: „Gibt es einen Gott?“ hat den Autor mit dazu veranlasst, dieses Buch zu schreiben.

Dies ist der zentrale Punkt und bedarf einer ausführlichen Darstellung und Begründung.

Ein Schwerpunkt liegt deshalb verständlicherweise auch in dem Versuch Gegenbeweise zu erbringen bzw. einen gegenteiligen Standpunkt zu vertreten.

Der Verfasser lässt viele andere Wissenschaftler zu Wort kommen, die ebenso auf diesem, für den Menschen existenziellem Gebiet, geforscht haben. Ihre daraus gewonnenen Erkenntnisse und Begründungen sind oft verblüffend.

Zu den weiteren Fragen, die die Entstehung des Universums und seinen Aufbau betreffen, gibt es in der wissenschaftlichen Fachliteratur vielseitige interessante Antworten. Auch diese sind teilweise mit eingeflossen.

Auch die Fragen, die die Zukunft des Menschen betreffen, und welchen Einfluss er darauf hat, sind hochinteressant.

Immer sind es die zehn Fragen und die Antworten von Stephen Hawking, die die Grundlage für diese kritische Auseinandersetzung bilden.

Der Autor lässt nach Hawking jeweils auch Wissenschaftler aus den verschiedenen Fachrichtungen zu Wort kommen. Die unterschiedlichen Religionen, aber auch Frau und Herr Jedermann sowie der Verfasser werden zitiert. Also, eine Meinungsvielfalt quer durch die Gesellschaft.

Das Ziel ist, zu erkennen, dass die Großartigkeit des Universums wohl nicht zufällig entstanden ist. Wir finden sowohl im Mikro- als auch im Makrokosmos auf das Feinste abgestimmte Gesetzmäßigkeiten. Das Universum ist wohl geordnet. Es herrscht nicht das Chaos oder der Zufall. Ein einheitlicher Wille ist in der Schöpfung klar erkennbar. Viele Menschen vermuten dahinter Gott.

Warum andere Antworten auf große Fragen?

Der Verfasser hat sich sehr intensiv mit dem Buch von Stephen Hawking „Kurze Antworten auf große Fragen“ beschäftigt. Ihm ist dabei die Bedeutung, die der Mechanik beigemessen wird, sowie die starke Betonung der Materie nicht entgangen. Dagegen kommt die geistige Grundlage, die geistige Substanz unseres Universums, viel zu kurz.

Materie schafft sich nicht selbst. Alles hat eine geistige Grundlage. Nennen wir ihn, in diesem Zusammenhang, den All-Geist. Er ist der Ursprung, das Schaffende und immer weiter Wirkende, unabhängig von Zeit und Raum. Er drückt sich durch geistige Gesetze, aber auch im Sichtbaren durch Formen z.B. der Himmelskörper, aus. Auch all das Leben, auch alle Wesen, sind geistigen Ursprungs. Am Anfang steht immer der alles durchdringende Geist.

Es gibt keinen Ort im gesamten Universum, ob materiell sichtbar oder unsichtbar, zum Beispiel in den Schwarzen Löchern, wo dieser Geist nicht wirkt. Ein Mensch, der an einen Schöpfer-Geist-Gott glaubt, hat verständlicherweise auch zu den von Stephen Hawking gestellten Fragen und seinen Antworten eine oft abweichende Meinung. Dies beginnt bereits mit dem Urknall. Im sogenannten Schöpfer-Glauben ist der Geist mit dem Urknall in die sichtbare Schöpfung getreten und wirkt darin fort. Ob dies dann fundamentale universelle Gesetze sind oder die sonstigen Wirksamkeiten, alle haben ihren Ursprung im Geist.

Stephen Hawking beschreibt die Abläufe in unserem Universum in einer oft nicht bekannten Weise. Große Entdeckungen, wie zum Beispiel den Zusammenhang der universellen Gesetze, und die Folgerungen, die daraus gezogen werden können, sind herausragend beschrieben.

Vom Urknall bis zum Heute kommt man aus dem Staunen nicht heraus und auch große Visionen für die Zukunft der Menschheit, sind Inhalt seines Buches.

Aber das Eine fehlt: Die Anerkennung der Vorherrschaft des Geistes und dass daraus abgeleitet werden kann, dass die Einheit des Geistes und der Materie die Wirklichkeit am besten abbildet. Alles ist Einheit nicht Vielheit. Es gibt nur einen zentralen Willen, einen All-Geist, im gesamten Universum. Diesen Geist darf man ohne zu zögern: Schöpfer, Gott nennen.

Woher kommen die gesamten Lebensgrundlagen des Menschen? Woher kommt das Element Wasser? Woher kommen die gesamten Elemente? Wem haben wir unsere Sonne und damit das Licht zu verdanken?

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass dies alles aus dem Nichts heraus, mit dieser grandiosen feinen Abstimmung entstanden ist. Ein zeit- und raumloser, lenkender Geist liegt allem zugrunde. Die großartigen Entdeckungen, zum Beispiel die nicht sichtbare Energie, waren alle vorhanden. Der Mensch musste sie nur entdecken. Er hat dafür eine besondere Gabe von seinem Schöpfer bekommen: seinen Geist. Der ihn von allen anderen Wesen abhebt.

Ein wenig Demut und Dankbarkeit ist durchaus angebracht. Aber dem Zufall oder dem Nichts gegenüber kann man dies nicht ausdrücken. Einem Geist gegenüber schon.

Aus dieser Sicht heraus, braucht das letzte Buch von Stephen Hawking absolut Widerspruch, obwohl es durchaus auch ein Wagnis ist, einem so brillanten Denker, großen Wissenschaftler, zu widersprechen.

Der Mensch hat vermutlich eine besondere Stellung im Universum, aber er ist sicher nicht die Ursache und der Dreh- und Angelpunkt des Universums. Es gibt, Gott sei es gedankt, noch Größeres.

Deshalb auch die etwas andere Sicht zu den Fragen und Antworten von Stephen Hawking.

Kapitel 1

GIBT ES EINEN GOTT?

Stephen Hawking:

Immer öfter beantwortet die Naturwissenschaft Fragen, die einst in die Zuständigkeit der Religion fielen. Die Religion war ein früher Versuch, Antworten auf die Fragen zu finden, die wir alle stellen: Warum sind wir hier, woher kommen wir? Vor langer Zeit lautete die fast immer gleiche Antwort:

Die Götter haben alles geschaffen. Die Welt war ein furchteinflößender Ort, daher glaubten selbst so hartgesottene Kerle wie die Wikinger an übernatürliche Wesen, um sich die Naturerscheinungen wie Gewitter, Stürme oder Sonnen- und Mondfinsternisse zu erklären. Heute liefert die Naturwissenschaft bessere und schlüssigere Antworten, aber es wird immer Menschen geben, die sich an die Religion klammern, weil sie Trost spendet und weil sie der Wissenschaft nicht trauen oder sie nicht verstehen.

Vor einigen Jahren titelte die Times auf ihrer ersten Seite: „Hawking: Gott hat das Universum nicht erschaffen“. Der Artikel war illustriert und zeigte einen grollenden Gott auf einer Zeichnung von Michelangelo.

Von mir druckten sie ein Foto ab, auf dem ich ziemlich selbstgefällig dreinsah.

Die Bilder waren so angeordnet, dass es aussah, als würden Gott und ich ein Duell austragen. Dabei habe ich gar nichts gegen Gott. Auf keinen Fall möchte ich den Eindruck erwecken, in meiner Arbeit gehe es darum, die Existenz Gottes zu beweisen oder zu widerlegen. Meine Forschung hat zum Ziel, ein rationales Bezugssystem zu finden, um das Universum, zu verstehen.

Jahrhundertelang glaubte man, behinderten Menschen wie mir sei von Gott ein Fluch auferlegt worden. Nun, ich halte es durchaus für möglich, dass ich irgendjemand dort oben erzürnt habe, aber ich ziehe es doch vor zu denken, dass alles auch ganz anders erklärt werden kann, nämlich durch die Naturgesetze. Wenn Sie, wie ich, an die Naturwissenschaft glauben, gehen Sie auch davon aus, dass es bestimmte Gesetze gibt, die unter allen Umständen gelten. Wenn Sie möchten, können Sie sagen, die Gesetze seien ein Werk Gottes, aber dann handelt es sich eher um eine Definition Gottes als um einen Beweis für seine Existenz.

Ungefähr 300 v. Chr. faszinierten Finsternisse einen Philosophen namens Aristarch von Samos, vor allem Mondfinsternisse. Er besaß die Kühnheit zu fragen, ob sie wirklich von den Göttern verursacht würden. Aristarch war ein echter wissenschaftlicher Pionier. Nach einem sorgfältigem Studium des Himmels gelangte er zu einer mutigen Schlussfolgerung: Er hatte erkannt, dass die Finsternis in Wirklichkeit der Schatten der Erde war, der über den Mond wanderte, also kein göttliches Ereignis sich vollzog. Durch diese Entdeckung von überkommenen Vorstellungen befreit, fand er heraus, was sich wirklich über seinem Kopf abspielte. Mit Hilfe von Strichzeichnungen veranschaulichte er tatsächliche Beziehung zwischen Sonne, Erde und Mond.

Diese Erkenntnis führte ihn zu noch bemerkenswerteren Schlussfolgerungen.

Denn er leitete daraus ab, nicht die Erde sei der Mittelpunkt des Universums, wie damals allgemein angenommen wurde, sondern die Erde umkreise die Sonne. Tatsächlich lassen sich durch diese Konstellation alle Finsternisse erklären: Wirft der Mond seinen Schatten auf die Erde, dann ist das eine Sonnenfinsternis. Verschattet die Erde den Mond, handelt es sich um eine Mondfinsternis.

Aristarch ging noch einen Schritt weiter. Er behauptete nämlich, Sterne seien keine Risse in der Leinwand des Himmels, wie seine Zeitgenossen glaubten, sondern andere Sonnen wie die unsere, nur sehr viel weiter entfernt. Wie erstaunlich muss diese Erkenntnis gewesen sein: Das Universum ist eine Maschine, die bestimmten Prinzipien oder Gesetzen gehorcht – Gesetzen die vom menschlichen Verstand begriffen werden können.

Die Entdeckung dieser Gesetze, davon bin ich überzeugt, war die größte Leistung der Menschheit, denn diese Naturgesetze – wie wir sie heute nennen -

zeigen uns, ob wir einen Gott brauchen, um das Universum zu erklären. Die Naturgesetze beschreiben, wie sich die Himmelskörper, Objekte, Gegenstände, kurzum alle Dinge in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft tatsächlich verhalten.

Im Tennis fliegt der Ball immer genau dorthin, wo er nach der Vorhersage der Gesetze landen muss. Hier wirken noch viele andere Gesetze mit. Sie bestimmen alles, was vor sich geht – von der Energie des Schlages, die in den Muskeln der Spieler erzeugt wird, bis hin zu der Geschwindigkeit, mit der das Gras unter ihren Füßen wächst. Doch wirklich entscheidend ist die Tatsache, dass diese physikalischen Gesetze nicht nur unveränderlich, sondern auch universell sind. Neben ihrer Zuständigkeit für die Flugbahn eines Balles gelten sie auch für die Bewegung eines Planeten und jedes anderen Objekts im Universum. Im Gegensatz zu den Gesetzen, die von Menschen gemacht werden, können die Naturgesetze nicht gebrochen werden – daher sind sie so mächtig und, vom religiösen Standpunkt aus, so brisant.

Wenn Sie mit mir davon ausgehen, dass die Naturgesetze unveränderlich sind, ist es nur ein kleiner Schritt zur Frage: Welche Rolle bleibt dann für Gott?

Das ist ein entscheidender Aspekt des Gegensatzes zwischen Naturwissenschaft und Religion, und obwohl meine Ansichten häufig in den aktuellen Schlagzeilen waren, handelt es sich in Wirklichkeit um einen sehr alten Konflikt. Also könnte man Gott als die Verkörperung der Naturgesetze definieren. Allerdings entspräche das nicht der Vorstellung, die sich die meisten Menschen von Gott machen. Sie denken an ein menschenähnliches Wesen, zu dem sie eine persönliche Beziehung unterhalten können. Eine Annahme, die höchst unwahrscheinlich ist, wenn Sie sich die ungeheure Größe des Universums anschauen und bedenken, wie unbedeutend und zufällig menschliches Leben im Universum ist.

Ich verwende das Wort “Gott“ wie Einstein in einem unpersönlichen Sinn für die Naturgesetze. Folglich kennt, wer die Naturgesetze kennt, die Gedanken Gottes. Meine Vorhersage lautet: Wir werden am Ende dieses Jahrhunderts wissen, was Gott denkt.

Der letzte verbleibende Bereich, den die Religion noch für sich beanspruchen kann, ist der Ursprung des Universums, aber selbst hier macht die Wissenschaft Fortschritte und dürfte schon bald mit Gewissheit beschreiben können, wie das Universum angefangen hat. Ich habe ein Buch veröffentlicht, das ziemliches Aufsehen erregte, weil ich darin fragte, ob Gott das Universum geschaffen habe. Weil ein Wissenschaftler sich zu Fragen der Religion geäußert hatte, regten sich die Leute auf. Dabei habe ich gar nicht die Absicht, irgendjemandem zu sagen, was er glauben soll, aber ob es Gott gibt, ist für mich eine berechtigte Frage im Bereich der Wissenschaft. Schließlich lässt sich kaum etwas Wichtigeres – oder Fundamentaleres – denken als das Rätsel, was oder wer das Universum geschaffen hat und kontrolliert.

Ich denke, das Universum ist spontan aus nichts entstanden, aber ganz in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen. Dabei ist die physikalische Grundannahme der wissenschaftliche Determinismus. Ist zu einem gegebenen Zeitpunkt der Zustand des Universums bekannt, legen die wissenschaftlichen Gesetze fest, wie es sich weiterentwickelt. Diese Gesetze mögen von Gott erlassen worden sein oder nicht, aber er kann nicht eingreifen, um die Gesetze zu brechen, andernfalls wären es keine Gesetze. Das lässt Gott immer noch die Freiheit, den Ausgangspunkt des Universums zu wählen, aber selbst zu diesem Zeitpunkt scheint es Gesetze geben zu können. Und damit hätte Gott überhaupt keine Freiheit mehr.

Trotz der Komplexität und Vielfalt des Universums stellt sich heraus, dass man nur drei Zutaten braucht. Stellen wir uns vor, wir könnten sie in einer Art kosmischem Kochbuch auflisten. Welche drei Zutaten brauchen wir also, um ein Universum zuzubereiten? Die erste ist die Materie – Stoff der Masse hat.

Materie gibt es überall um uns herum, in dem Boden zu unseren Füssen und draußen im All. Staub, Stein, Eis, Flüssigkeiten. Riesige Gaswolken, massereiche Sternspiralen – jede enthält Milliarden von Sonnen und erstreckt sich über unvorstellbare Entfernungen.

Die zweite Zutat, die Sie brauchen, ist Energie. Auch ohne jemals darüber nachgedacht zu haben, wissen wir alle, was Energie ist. Etwas, dem wir jeden Tag begegnen. Schauen Sie zur Sonne empor, und Sie fühlen die Energie auf Ihrem Gesicht: Energie; die von einem Stern in einer Entfernung von 150 Millionen Kilometern erzeugt wird. Energie durchdringt das Universum und speist die Prozesse, die es zu einem dynamischen, in ewigem Wandel befindlichen Ort machen.

Damit haben wir Materie und Energie. Als Drittes brauchen wir zum Bau eines Universums noch Raum. Viel Raum. Für das Universum lassen sich viele Bezeichnungen finden – ehrfurchtgebietend, erhaben, gewaltig-, aber eines ist es nicht: beengt. Egal, wohin wir schauen, wir sehen Raum, mehr Raum und noch mehr Raum. Raum der sich in alle Richtungen erstreckt. Raum, so unfassbar groß, dass einem schwindelig wird. Da stellt sich die Frage, wo so viel Materie, Energie und Raum herkommen. Bis zum 20. Jahrhundert hatten wir keine Ahnung.

Die Antwort ergab sich aus den Erkenntnissen des vermutlich bemerkenswertesten Wissenschaftlers, der je gelebt hat. Sein Name: Albert Einstein. Leider bin ich ihm nie begegnet, denn ich war erst 13, als er starb.

Einstein machte eine höchst erstaunliche Entdeckung: Die beiden wichtigsten Zutaten zur Herstellung eines Universums – Masse und Energie – sind im Grunde genommen dasselbe, zwei Seiten einer Medaille, wenn Sie so wollen.

Seine berühmte Gleichung E = mc 2

bedeutet einfach, dass wir uns Masse als eine Form von Energie vorstellen können und umgekehrt. Folglich lässt sich sagen, dass zur Herstellung eines Universums nicht drei, sondern nur zwei Zutaten gehören: Energie und Raum.

Woher ist diese Menge an Energie und Raum gekommen? Nach jahrzehntelanger Forschung haben Kosmologen die Antwort gefunden: Raum und Energie wurden während eines Ereignisses spontan erzeugt, das wir heute Urknall nennen.

Im Augenblick des Urknalls entstand ein vollständiges Universum und mit ihm der Raum. Das Ganze blähte sich auf wie ein Luftballon, der aufgeblasen wird. Woher kam diese Menge an Energie und Raum? Wie kann ein ganzes Universum mit dieser Energie, mit der unvorstellbaren Ausdehnung des Raumes und mit all dem, was er enthält, so einfach aus dem Nichts auftauchen?

Für einige Menschen war dies der Punkt, an dem Gott wieder ins Spiel kam.

Sie sind überzeugt, Gott habe die Energie und den Weltraum geschaffen.

Der Urknall ist für sie der Augenblick der Schöpfung. Die Wissenschaft hingegen erzählt eine andere Geschichte. Auf die Gefahr hin, mich in Schwierigkeiten zu bringen, möchte ich behaupten, dass wir weit mehr von den Naturerscheinungen verstehen, die die Wikinger in Angst und Schrecken versetzten. Wir können sogar über die wunderschöne Symmetrie von Materie und Energie hinausgehen, die Einstein entdeckte. Mit Hilfe der Naturgesetze sind wir in der Lage, uns mit dem Ursprung des Universums zu befassen, um festzustellen, ob Gott die einzige Möglichkeit ist, ihn zu erklären.

Als ich nach dem zweiten Weltkrieg in England aufwuchs, herrschte Mangel.

Man sagte uns, man bekomme nie etwas umsonst – nie etwas für nichts. Aber heute, nach einem Leben in der Forschung, bin ich der Meinung, dass man ein ganzes Universum umsonst haben kann.

Das große Rätsel im Herzen des Urknalls ist die Frage, wie sich ein vollständiges, ungeheuer riesiges Universum voll Raum und Energie aus dem Nichts materialisieren kann. Das Geheimnis erklärt sich aus einem der seltsamsten Aspekte unseres Kosmos. Die Gesetze der Physik verlangen die Existenz eines Phänomens, das wir „negative Energie“ nennen.

Erlauben Sie mir einen einfachen Vergleich, um Ihnen dieses seltsame, aber höchst entscheidende Konzept näherzubringen. Stellen Sie sich einen Mann vor, der auf einem flachen Stück Land einen Hügel erbauen möchte. Der Hügel soll das Universum darstellen. Um ihn herzustellen, gräbt der Mann ein Loch in den Boden. Und verwendet die Erde, um den Hügel aufzuwerfen.

Natürlich stellt er dabei nicht nur einen Hügel her, sondern er macht auch ein Loch – also eine negative Version des Hügels. Das Erdreich, das im Loch war, ist jetzt zum Hügel geworden und alles bleibt vollkommen im Gleichgewicht.

Genau das ist das Prinzip, das dem Anfang des Universums zugrunde lag.

Als der Urknall eine gewaltige Menge an positiver Energie erzeugte, produzierte er gleichzeitig dieselbe Menge an negativer Energie. Auf diese Weise ergänzen sich das Positive und das Negative immer zu null.

Das ist ein weiteres Naturgesetz.

Wo ist dann all diese negative Energie heute? Sie befindet sich in der dritten Zutat unseres kosmischen Kochbuchs – das heißt, sie ist im Weltraum. Das mag merkwürdig klingen, aber nach den Naturgesetzen, die Gravitation und Bewegung betreffen – Gesetze, die zu den ältesten der Naturwissenschaften gehören -, ist der kosmische Raum selbst ein riesiger Speicher für negative Energie. Genug, um dafür zu sorgen, dass alles sich zu null addiert. Ich gebe zu, dass dies für jemanden, der mit der Mathematik nicht vertraut ist, schwer zu begreifen ist, aber es stimmt. Das unendliche Netz von Milliarden und Aber-Milliarden Galaxien, deren jede mit der Kraft der Gravitation auf alle anderen Galaxien einwirkt, scheint wie eine riesige Speichervorrichtung. Das Universum ist wie ein enormer Akku, der die negative Energie speichert.

Die positive Seite der Dinge – die Masse und Energie, die wir heute sehen – gleicht dem Hügel. Das entsprechende Loch, oder die negative Seite der Dinge, ist über den ganzen Raum verteilt.

Was bedeutet das also für unser Bemühen herauszufinden, ob es einen Gott gibt? Ganz einfach: Wenn sich das Universum zu nichts addiert, braucht man keinen Gott, um es zu erschaffen.

Das Universum ist in der absoluten Bedeutung des Wortes umsonst. Da wir wissen, dass sich das Positive und das Negative zu null addieren, müssen wir jetzt noch herausfinden, was – oder soll ich sagen, wer – den ganzen Prozess ursprünglich ausgelöst hat. Was könnte das spontane auftauchen des Universums verursacht haben? Auf den ersten Blick scheint das ein unlösbares Rätsel zu sein – schließlich materialisieren sich ja die Dinge in unserer Welt nicht aus heiterem Himmel. Wenn Ihnen danach ist, eine Tasse Kaffee zu trinken, können Sie diese nicht durch ein bloßes Fingerschnippen herbeizaubern. Sie müssen sie aus anderem Stoff herstellen – Kaffeebohnen, Wasser und vielleicht etwas Milch und Zucker. Aber reisen Sie in die Tiefen dieser Kaffeetasse – durch die Milchteilchen, durch die atomare Ebene hindurch bis hinab zur subatomaren Ebene – und Sie werden in eine Welt eindringen, in der es durchaus möglich ist, etwas Nichts heraufzubeschwören.

Zumindest für einen kurzen Moment. Der Grund dafür ist, dass Teilchen wie Protonen sich auf dieser Größenscala nach Naturgesetzen verhalten, die wir als Quantentechnik bezeichnen. Solche Objekte können in der Tat ganz zufällig erscheinen, eine Zeit lang bleiben, um wieder zu verschwinden und irgendwo anders aufzutauchen.

Da wir wissen, dass das Universum selbst einmal äußerst klein war – kleiner als ein Proton -, ergibt sich eine bemerkenswerte Konsequenz: In all seiner schwindelerregenden Ausdehnung und Komplexität könnte das Universum ganz einfach aus dem Nichts aufgetaucht sein, ohne die bekannten Naturgesetze zu verletzen. Von dem Augenblick an wären mit der Expansion des Raumes selbst ungeheure Mengen von Energie freigeworden. Ein Ort, um all die negative Energie zu speichern, die zum Ausgleich der Bilanz erforderlich ist. Aber damit stellt sich eine entscheidende Frage aufs Neue: Hat Gott die Quantengesetze geschaffen, die den Urknall ermöglichten? Kurz gesagt, brauchen wir einen Gott, der alles so arrangiert, dass der Urknall knallt? Es liegt mir völlig fern, irgendjemand in seinem religiösen Glauben zu verletzen, aber ich bin überzeugt, dass die Naturwissenschaften eine schlüssigere Erklärung liefern als einen göttlichen Schöpfer.

Aufgrund unserer täglichen Erfahrung meinen wir, alles, was geschieht, müsse durch etwas verursacht sein, das vorher geschehen ist, daher ist für uns die Annahme natürlich, dass etwas – möglicherweise Gott – die Ursache für die Entstehung des Universums war. Doch wenn wir von dem Universum als einem Ganzen sprechen, muss das nicht unbedingt stimmen. Lassen Sie mich erklären. Stellen Sie sich einen Fluss vor, der einen Berghang hinab fließt. Was verursacht den Fluss? Vielleicht ein Regen, der vorher auf die Berge fiel. Aber was hat den Regen verursacht? Eine gute Antwort wäre: die Sonne, die auf den Ozean schien und den Wasserdampf in den Himmel hob und die Wolken bildete.

Gut, also was bewirkte, dass die Sonne schien? Wenn wir in ihr Inneres Blicken, sehen wir einen Prozess, der als Fusion bezeichnet wird: Wasseratome verschmelzen zu Helium und setzen dabei ungeheure Energiemengen frei.

So weit, so gut. Woher kommt der Wasserstoff? Antwort: vom Urknall. Doch hier liegt der entscheidende Haken. Die Naturgesetze sagen uns nämlich, dass das Universum wie ein Proton aufgetaucht sein kann, ohne Hilfe in Anspruch zu nehmen und ohne Energie zu beanspruchen, aber auch, dass möglicherweise nichts den Urknall verursacht hat. Nichts.

Die Erklärung geht auf Einsteins Theorien und auf seine Erkenntnis zurück, dass Raum und Zeit im Universum zutiefst miteinander verflochten sind. Im Augenblick des Urknalls geschah etwas Wunderbares mit der Zeit. Sie begann.

Um diese aberwitzige Idee zu verstehen, können Sie sich ein schwarzes Loch vorstellen, das im Raum schwebt. Ein typisches schwarzes Loch ist ein Stern, der infolge seiner Masse in sich zusammengestürzt ist. Diese Masse ist so groß, dass seiner Gravitation noch nicht einmal Licht entkommen kann, deshalb ist es fast vollkommen schwarz. Dabei ist seine Gravitationsanziehung stark genug, um nicht nur Licht zu krümmen und zu verformen, sondern auch die Zeit.

Malen Sie sich aus, dass eine Uhr von dem schwarzen Loch verschluckt wird.

Während die Uhr dem Schwarzen Loch näher und näher kommt, beginnt sie immer langsamer zu gehen. Die Zeit selbst verlangsamt sich. Wenn die Uhr in das schwarze Loch eintritt – wobei wir uns natürlich vorstellen, dass sie den extremen Gravitationskräften standhalten kann -, bleibt sie stehen, nicht weil sie kaputt gegangen wäre, sondern weil die Zeit in dem schwarzen Loch nicht existiert. Und genau das geschah, als das Universum begann.

In den vergangenen 100 Jahren haben wir spektakuläre Fortschritte in unserem Verständnis des Universums gemacht. Wir kennen die Gesetze, die bestimmen, was unter praktisch allen Bedingungen geschieht, abgesehen von ganz extremen Situationen wie dem Ursprung des Universums oder den schwarzen Löchern. Die Rolle, die die Zeit zu Beginn des Universums gespielt hat, ist meiner Meinung nach entscheidend, wenn es darum geht, die vermeintliche Notwendigkeit eines großen Weltenbauers zu überwinden und zu enthüllen, wie das Universum sich selbst geschaffen hat.

Reisen wir in der Zeit bis zum Augenblick des Urknalls rückwärts, wird das Universum immer kleiner und kleiner, bis es schließlich so winzig ist, dass es ein unvorstellbares kleines und unvorstellbares dichtes schwarzes Loch ist.

Wie bei den heute im All schwebenden Schwarzen Löchern ergeben sich aus den Naturgesetzen ganz ordentliche Vorhersagen. Auch hier, zeigen die Naturgesetze, muss die Zeit zum Stillstand kommen. Sie können auf unserer Reise keinen Zeitpunkt vor dem Urknall erreichen, da es vor dem Urknall keine Zeit gab. Damit haben wir endlich etwas gefunden, was keine Ursache hat, weil es keine Zeit gab, in der eine Ursache hätte existieren können. Nach meiner Ansicht folgt daraus, dass keine Möglichkeit für einen Schöpfer bleibt, weil es keine Zeit für die Existenz eines Schöpfers gibt.

Die Menschen suchen nach Antworten auf die großen Fragen, etwa warum wir hier sind. Sie erwarten nicht, dass die Antworten einfach sind, und geben sich daher ein wenig Mühe, die Antworten zu verstehen. Sollten Sie mich fragen, ob ein Gott das Universum geschaffen hat, antworte ich Ihnen, schon Ihre Frage sei sinnlos. Denn vor dem Urknall existiere keine Zeit, folglich gab es auch keine Zeit, in der Gott das Universum hätte erschaffen können. Es ist so, als fragte man, in welche Richtung der Rand der Erde liege – die Erde ist eine Kugel, die keinen Rand hat, infolgedessen ist die Suche nach einem Rand vergebliche Liebesmüh.

Bin ich ein gläubiger Mensch? Es steht uns frei zu glauben, was wir wollen.

Meiner Ansicht lautet die einfachste Erklärung, dass es keinen Gott gibt.

Niemand hat das Universum geschaffen und niemand lenkt unsere Geschicke.

Das führt zu einer weitreichenden Erkenntnis: Es gibt wahrscheinlich keinen Himmel und kein Leben nach dem Tod. Ich nehme an, der Glaube an ein Jenseits ist lediglich Wunschdenken. Es gibt keinen verlässlichen Beleg dafür, und die Annahme widerspricht allen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Ich denke, dass wir wieder zu Staub werden, wenn wir sterben. Aber es gibt eine Form, in der wir weiterleben: In unserem Einfluss und in den Genen, die wir an unsere Kinder weitergeben. Wir haben nur dieses Leben, um den großen Plan des Universums zu würdigen, und dafür bin ich außerordentlich dankbar.

Meinung anderer Wissenschaftler und des Autors:

Allgemeines über Gott

Der Glaube an einen Gott spielt auch heute noch in allen Ländern der Welt eine große Rolle. Das Denken und Verhalten von fast jedem Menschen hat immer wieder mit ihm zu tun, denken wir an unsere Moralvorstellungen, an politische Parteien und Staaten, die nach Glaubensregeln regieren, an viele Glaubenskriege, die noch heute stattfinden, an religiöse Vorschriften, die bestimmen, was man wann essen darf und was nicht, usw. Religiöse Rituale begleiten uns von der Geburt bis zum Tod. Vielen hilft der Glaube in der Not ihre persönlichen Probleme zu überwinden. Glauben und Religionen bestimmen unser Leben, ohne dass wir uns dessen immer bewusst werden. Doch was wissen wir eigentlich über das, was wir Gott nennen?

Wen oder was bezeichnen wir als Gott?

Was glauben die meisten Menschen, wer oder was Gott eigentlich ist, unabhängig davon, ob es ihn gibt oder nicht und unabhängig davon, ob man an ihn glaubt oder nicht? Wie stellt man sich ihn vor? Was verbinden wir mit der Bezeichnung Gott? Für alle Weltreligionen, die sich auf einen Gott beziehen, gelten folgende Glaubensvorstellungen:

Gott ist ein überirdisches Wesen aus einer anderen Welt, die man üblicherweise als sein Himmelreich bezeichnet und die sich beispielsweise in einem anderen Universum oder einer anderen Dimension befindet, die uns nicht zugänglich ist. In dieser überirdischen Welt herrscht er über andere überirdische Wesen. Er hat sowohl seine überirdische Welt als auch unsere Welt geschaffen und beherrscht darüber hinaus alles Körperliche und Geistige und damit alles Leben in allen Welten, die es gibt.

Um sich unbestritten gegenüber anderen Gottesvorstellungen auszuzeichnen, müssen seine überirdischen Eigenschaften und Fähigkeiten alles übertreffen, was sich Menschen vorstellen können. Gemessen an unseren begrenzten irdischen Vorstellungen, die natürlich nicht vollständig sein können, lassen sie sich zusammenfassen:

Er das mächtigste Wessen, das es gibt. Er hat alles geschaffen. Er gilt deshalb als allmächtig.

Er ist unsichtbar, da er sich unseren Sinneswahrnehmungen entzieht.

Er ist deshalb ein Geist.

Er ist wandelbar und kann deshalb jede Gestalt annehmen.

Er ist das intelligenteste Wesen, das es gibt.

Er ist deshalb allwissend. Folglich ist alles, was er macht, absolut perfekt.

Er ist allgegenwärtig.

Er lebt ewig.

Diese sieben Eigenschaften und Fähigkeiten definieren die wichtigsten Wesensmerkmale eines Gottes unabhängig davon, ob man an ihn glaubt oder auch nicht. Wer über Gott spricht, muss wissen, was er mit dieser Bezeichnung meint, und was ihn als Wesen gegenüber uns Menschen auszeichnet. Also muss u. a. auch ein Atheist wissen, was er nicht glaubt.

Aufgrund der aufgeführten überirdischen Eigenschaften und Fähigkeiten, die weit über unsere menschlichen Fähigkeiten und Vorstellungen hinausgehen, glaubt man, dass er die Ursache aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge auf unserer Welt ist. Damit glaubt man auch, dass er die Welt, genauer gesagt unser gesamtes Universum und vor allem auch alles Leben auf der Erde geschaffen hat.

Weitere Wesenszüge sind umstritten. So glauben alle Religionsgemeinschaften, die an einen einzigen Gott glauben, dass dieser Gott die Welt und alle Lebewesen nur für uns Menschen geschaffen hat. Dass er nur mit auserwählten Menschen (Abraham, Moses …) und selbst mit ihnen nur indirekt über weitere überirdische Wesen oder Visionen kommuniziert.

Dass er die Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat. Deshalb stellt man ihn in den „heiligen Schriften“ manchmal als „überirdischen Menschen“ dar.

Dass er wie wir emotional reagieren, Liebe empfinden, aber auch Zorn und Wut usw. entwickeln kann.

Dass man ihn milde stimmen kann, dass er vergeben kann, dass er die Menschen liebt, usw.

Darüber hinaus werden ihm aber auch einige negative Eigenschaften zugeschrieben, beispielsweise, dass er angebetet, gepriesen und wie ein Herrscher verherrlicht werden möchte usw.

Wer ist Gott

Ihm wurden viele Namen gegeben:

Gott, großer Geist, All-Geist, Universeller Geist, Lenker aller Welten, ewiges Prinzip, Schöpfer, großer Baumeister, oder, je nach Religion, Jehova, Allah, Gott, Shiva usw.

Es wurden dann jeweils die entsprechenden Attribute zugeordnet.

Aus dem Nachdenken über den Schöpfer, sind dann aus der kulturellen Entwicklung heraus, die Religionen vielfältigster Art entstanden. Diese haben nahezu alle ihren Schöpfungsmythos. Auch Anleitungen und Hinweise dazu, wie dieser Schöpfer den Menschen haben will, um seinen Willen in der Schöpfung zu erfüllen, werden gegeben. Es werden Verhaltensweisen vorgegeben, die bei Einhaltung zum Heil führen, z.B. auch zum ewigen Leben, aber auch ewige Verdammnis wird, bei lasterhaftem Verhalten, in verschiedenen Religionen angedroht.

Für Gott gibt es auch die folgende Definition:

Gott ist die Urquelle, der Urgrund alles Seins, die Einheit, das Tao, Brahman, pure Intelligenz, reines Potential, das Absolute, zeitlose Wirklichkeit, allumfassendes Gewahrsein, das Unvergängliche, das Unbenennbare, unendlicher Raum. Gott ist unfassbar, unbeschreibbar, unermesslich. Es ist das alles durchdringende, göttliche, namenlose, formlose, ewig Absolute, allem innewohnendes Prinzip. Es ist das Selbst, das wahre ich eines jeden Organismus und die höchste nicht-duale Wirklichkeit.

Jedoch realisiert es sich als Bewusstsein in der Form.

Wie vertragen sich unsere Vorstellungen von einem Gott mit unserem Wissen?

Alles, was wir wissen, bezieht sich auf unsere wahrgenommenen Realitäten auf unserer Welt und lässt sich jederzeit von uns selbst und von Millionen von Naturwissenschaftlern überprüfen. Ob es Überirdisches gibt, kann natürlich naturwissenschaftlich weder belegt noch widerlegt werden. Fest steht durch zahllose eindeutige Fakten bestätigt, dass zu Beginn unseres Universums nahe dem Zeitpunkt Null die naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, die wir heute kennen, noch nicht galten. Auch der Zustand ohne Zeit und Raum vor unserem Universum ist unbekannt. Die Mechanismen, die die Raum, Zeit- und Energiesingularität schufen, die in der Kosmologie der Auslöser unseres Universums war, waren deshalb gewiss nicht irdisch und es wird deshalb naturwissenschaftlich wahrscheinlich nie geklärt werden können, wer oder was dafür verantwortlich war. Dieses „wer oder was“ hatte damals vor etwa 14 Milliarden Jahren auf jeden Fall alle Eigenschaften und Fähigkeiten, die wir einem Gott zuschreiben, da es in der Lage war, die Voraussetzungen für das Leben im Universum mit den speziellen Eigenschaften der Elementarteilchen, die aus Energie geschaffen wurden und den Fundamentalkräften, die noch heute in gleicher Weise zwischen ihnen wirken, zu generieren.

Natürlich können Naturwissenschaftler über Überirdisches keine Aussagen machen, nur über das, was in unserer Realität aufgrund der uns bekannten Naturgesetze mit den geschaffenen Elementarteilchen geschah und heute noch geschieht.

Was wissen wir über die Entstehung unserer Welt?

Unser Universum ist nach den Erkenntnissen der Naturwissenschaften aus einer Raum-, Zeit- und Energiesingularität entstanden. Dabei entstanden aus Energie nicht nur Materieteilchen sondern zwischen ihnen durch Informationsverarbeitung auch Kräfte, die zu Mechanismen führten, welche für Aktionen sorgten. Wie die einzelnen Phasen der Entwicklung abliefen, sind durch zahlreiche Fakten begründet und werden in dem Standartmodell der Kosmologie detailliert beschrieben. Dabei gilt: Über die sehr speziellen Eigenschaften der Elementarteilchen, die als erstes entstanden, bildeten sich später die Atome und Moleküle, aus denen sich in unserem Universum Milliarden Jahre später speziell auf der Erde das Leben entwickeln konnte.

Mit den Eigenschaften und ihren speziellen Wechselwirkungen der Materieteilchen wurden auch die Informationen und Mechanismen der Kommunikation und Verarbeitung von Informationen geschaffen. Damit enthielten die Bestandteile des Universums bereits bei ihrer Entstehung alle Voraussetzungen zu einer späteren evolutionären Entwicklung aller chemischen, biologischen, genetischen und neuronalen Mechanismen des Lebens und schließlich aller Mechanismen zur Entwicklung unseres denkenden Geistes.

Die Materie, das Universum, Sonnen und Planeten, unsere Erde und damit zunächst die anorganische Natur und aus ihr viel später die organische Natur haben sich evolutionär entsprechend den sehr speziellen Vorgaben der Elementarteilchen entwickelt. Dazu zählen auch alle Mechanismen, die für diese Prozessschritte verantwortlich sind. Da Mechanismen etwas Geistiges sind, kann gezeigt werden, dass sich alles Körperliche und Geistige auf unserer Welt evolutionär entwickelt hat.

Für einen Gott, der als überirdisches Wesen mit überirdischen Fähigkeiten und Eigenschaften in der Lage war, aus dem Nichts ein glühendes Inferno zu erschaffen, das schließlich zu dem führte, was wir heute in unserem Universum und auf unserer Welt beobachten können, ergeben sich daraus aus unserer natürlich sehr menschlichen Sicht folgende logische Konsequenzen und Szenarien:

Als ein überall im Weltall und in uns unbekannten weiteren Universen ewig lebendes Wesen, kann Gott nicht aus Fleisch und Blut sein, da alle organischen Materialien auf vernünftige Temperaturen angewiesen sind und selbst dann noch unbeständig sind. Aus diesem Grund ist schließlich alles organische Leben vergänglich.

Was nicht aus Fleisch und Blut ist, hat auch keine Organe wie Menschen und Tiere, hat weder Hunger noch Durst, leidet nicht in Hitze oder Kälte, kennt keine Triebe, die genetisch verankert sind und hat vermutlich keine oder völlig andere Emotionen, Gefühle und Bedürfnisse wie wir Menschen usw.

Für ein ewig lebendes Wesen macht eine Reproduktion wenig Sinn. Wenn es sich dennoch reproduziert, dann braucht es für die Replikate neue Lebensräume (z. B. neue Universen), sonst könnte ein Chaos entstehen und man könnte nicht mehr von einem einzigen Gott sprechen. Bei einer Reproduktion ist es sehr wahrscheinlich, dass sie über verschiedene Entwicklungsstufen wie bei jedem anderen Lebewesen abläuft, ähnlich wie sich auch unser Universum entwickelt und wie sich alle uns bekannten Lebensformen immer wieder reproduzieren. Da Gott als Schöpfer unseres Universums und unserer Natur unvorstellbar intelligent sein musste, muss man davon ausgehen, dass er das Universum bereits zum Zeitpunkt ...

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