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And then we kiss...

Papilio Faye

And then we kiss...

Wenn Weihnachten alles verändert


Für alle, die Weihnachten so sehr mögen, wie ich!


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Kapitel eins ~ Heilig Abend – Der Auftakt

Himmel, was mach ich hier eigentlich? Diese Frage stelle ich mir seit einigen Stunden bestimmt zum hundertsten Mal. Ich stehe in einer der verwinkelten Ecken des berühmten Szeneclubs ‚In’, versuche mich hinter einigen Barhockern zu verbarrikadieren und ein möglichst abweisendes Gesicht zu machen. Bloß nicht auffallen, bloß niemandem die Möglichkeit geben mich anzusprechen. Warum nur bin ich hier? Und wie bin ich überhaupt hierher gekommen?

 

Gut, das weiß ich. Wenigstens etwas. Und ich weiß eigentlich auch warum ich hier bin. Nur leider gefallen mir die Antworten auf meine Fragen nicht. Absolut nicht. Was hab ich mir eigentlich dabei gedacht? War ja klar, dass der Schuss im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgeht. Konnte ja überhaupt nicht gut gehen, wenn ich den beiden auch noch eine Art Freifahrtschein vorlege. Ich hätte nur im Leben nicht gedacht, dass es sich in diese Richtung entwickelt.

 

Resigniert schüttle ich den Kopf und nippe langsam an dem kühlen Getränk in meiner Hand. Wie viel Alkohol hat der Kerl hinterm Tresen da eigentlich rein gemischt? Ich wollte keinen Rum mit Cola, sondern eine Cola mit Rum. Aber das da in meiner Hand grenzt an eine Verleitung zur Alkoholvergiftung. Ich könnte ihn glatt anzeigen. Allerdings würde mir das in meiner derzeitigen Situation auch nichts nützen. Und wahrscheinlich dachte der gute Herr auch, dass er mir mit einem Schuss mehr Alkohol im Getränk einen Gefallen erweist. Tut er nur nicht. Ich trink zwar gerne was und ich gebe zu, ich trinke auch einiges, aber das hier in meiner Hand ist beinahe widerlich.

 

„Also, wenn du weiter so schaust, dann schmeiß ich dich über den nächsten Tresen, zieh dir die Hose über deinen knackigen Arsch und du erlebst ‚nicht-jugendfreie Dinge’ mit mir“, spottet eine bekannte Stimme neben mir. Genervt drehe ich mich um und blicke Sebastian direkt in die braunen Augen.

 

„Wage es und du wirst in den nächsten Monaten nicht einmal mehr daran denken können ‚nicht-jugendfreie Dinge’ zu tun. Wie kommst du überhaupt darauf? Was soll ich denn noch machen, um abweisend zu wirken, hm? Soll ich vielleicht anfangen hysterisch zu schreien oder zu heulen? Ich mach alles, solange es mir dabei hilft diese Testosteron aufgeladene Meute vom Leib zu halten.“

 

Ein Lächeln stiehlt sich auf das mir zugewandte Gesicht und ich muss ehrlich zugeben, dass es mir in diesem Moment beinahe ein wenig Angst macht.

 

„Tränen sehen bei dir aber gut aus. Es wirkt irgendwie niedlich und weckt den Beschützerinstinkt in einem. Außerdem weißt du doch Luca, dass Männer Jäger sind. Wenn sie einmal Blut geleckt haben, hat ihr Opfer keine Chance mehr zur Flucht. Und wenn Mann ein Stück Frischfleisch, wie dich in einer Ecke stehen sieht, macht es bei den meisten Jägern ‚Klick’ im Kopf und das große Spiel um die Beute beginnt. Wenn ich mich hier so umsehe, würde ich sagen, die Wölfe haben die Fährte bereits aufgenommen.“

 

Bei den ganzen Metaphern aus dem Tierreich muss ich unwillkürlich lächeln. Immer wieder diese Biologen. Doch es stößt mir trotzdem sauer auf, dass er mich niedlich genannt hat. Gerade als ich zu meinem Protest ansetzten will, werde ich auch schon unterbrochen.

 

„Sebastian hat Recht, Luca. Du weißt doch selbst ganz genau wie es ist. Wenn es so scheint, dass man etwas nicht haben kann, dann will man es erst recht in die Finger bekommen. Außerdem kommt noch das Imponiergehabe und die Macht des Stärkeren hinzu und prompt beginnt ein Kampf, bei dem die Trophäe kein Mitspracherecht mehr hat.“

 

Schon wieder ein Tiervergleich. Und dieses Mal nicht von dem Biologen, sondern von dem Psychologen. Was haben die beiden heute nur? Liegt es an Weihachten und sie haben heute Morgen schon Rudolph, das Rentier durch die Luft reiten sehen oder sind ihnen einfach sämtliche Sicherungen durchgebrannt, ohne das ich es mit bekommen habe?

 

„Also ehrlich, Sebastian, Felix, jetzt macht aber mal einen Punkt. Ich bin weder Frischfleisch, noch irgendjemandes Beute und ich bin erst Recht nicht niedlich. Wie kommt ihr da überhaupt drauf? Und bei dem Gedanken als Trophäe angesehen zu werden, dreht sich mir der Magen um. Außerdem, was ist eigentlich los mit euch? In all den Jahren, die wir jetzt schon befreundet sind und das sind eine Menge, hab ich euch noch nicht einmal so erlebt. So - wie soll ich ausdrücken - so oberflächlich. Als ob ihr plötzlich ein mir total unbekanntes Gesicht zum Vorschein bringen würdet. Ich ... ich erkenne euch gar nicht wieder.“

 

Ich blicke von einem zum anderen und ernte nur verschmitztes Grinsen.

 

„Kein unbekanntes Gesicht, Luca. Wenn wir unterwegs sind, sind wir beide immer so. Aber dadurch, dass du dich bisher immer standhaft geweigert hast mit uns auszugehen, kennst du diese Seite an uns natürlich nicht. Ehrlich gesagt, erlebst du uns heute sogar handzahm. Schließlich ist Weihnachten die Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit“, antwortet Felix spitz. Ich unterdrücke ein Seufzen und rolle stattdessen nur mit den Augen. Wieso zum Teufel bin ich hier?

 

Oh ja, es ist Weihnachten. Die Zeit, in der man zur Ruhe kommen sollte, mit den Liebsten Geschenke austauscht, sich den Bauch mit herrlichem Essen voll stopft und dann besinnliche Lieder unterm Weihnachtsbaum singt. So sollte es jedenfalls sein. Meiner Meinung nach.
Es ist definitiv nicht die Zeit, in der man mit seinen beiden besten Freunden einen Shopping- Marathon durch die Innenstadt hinlegt, sich komplett neu einkleiden lässt, um, am Heiligen Abend wohlgemerkt, in einen total überfüllten, von Testosteron und Pheromonen überlaufenden Club zu gehen und dabei die ganze Zeit versucht den Fluchttrieb zu unterdrücken.

 

Felix, Sebastian und ich kennen uns schon von Kindesbeinen an. Unsere Eltern waren in den 80ern die besten Freunde und haben sich, wie das Schicksal so wollte, irgendwann untereinander ineinander verliebt. Recht zügig wurde anschließend geheiratet und über kurz oder lang kamen in regelmäßigen Abständen wir Drei auf die Welt.

 

Sebastian ist mit seinen 25 Lenzen der Älteste von uns. Dann kommt Felix, der allerdings nur drei Monate Vorsprung vor mir hat und das so genannte Nesthäkchen bin ich mit frischen 24 Jahren. Ich fühle mich in meiner Rolle eigentlich nicht unwohl. Ehrlich gesagt ist es mir egal. Bisher haben die beiden mich niemals wegen meinem Alter aufgezogen.

 

Wir sind gemeinsam in den gleichen Kindergarten gegangen, haben die gleiche Grundschule und das selbe Gymnasium besucht. Sebastian hatte sich sogar geweigert mit 6 Jahren eingeschult zu werden. Er wollte partout nicht auf unsere Anwesenheit verzichten. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, muss ich grinsen. Ein bockiger sechs Jähriger, der auf die Barrikaden geht und mit seinen Eltern hitzige Diskussionen führt, aus denen er am Ende dann auch noch als Sieger hervor geht. So ein sturer Kerl.
Tja, und als wir uns dann nach unserem Abi bei den jeweiligen Universitäten beworben haben, landeten wir am Ende in der gleichen Stadt und auf dem selben Campus.

 

Allerdings haben wir diese Entscheidung unabhängig voneinander getroffen. Es war reiner Zufall, dass unsere Wahl auf den identischen Ort und die entsprechende Hochschule fiel. Wir hatten uns damals sogar ganz bewusst nicht verraten an welchen Unis wir uns bewerben wollten. Wir wollten das Leben entscheiden lassen, ob sich unsere Wege trennen oder nicht. Als wir uns dann am finalen Tag bei einer Runde Cola unsere endgültige Wahl mitgeteilt hatten, brachen wir in schallendes Gelächter aus. Und jetzt teilen wir uns eine schöne WG und können uns eigentlich nicht vorstellen in absehbarer Zeit auf einen aus dem „Dreiergespann“ zu verzichten.

 

Dachte ich jedenfalls bis heute morgen sechs Uhr. Und im Moment würde ich viel darum geben, wenn ich einen von den beiden, vorzugsweise allerdings beide zeitgleich, erwürgen könnte.

 

Ich meine, ich mag meine Freunde. Wirklich. Ich liebe sie, wie einen Teil von meiner Selbst. Ich wüsste nicht was aus mir geworden wäre, wenn ich sie nicht kennen gelernt hätte. Ihre Spuren in meiner Seele, kommen Gebirgspässen gleich; so tief wie der Marianengraben.

 

Sebastians kühle, überlegte und logische Art hat mich nicht nur durch meine Abiturzeit gebracht, sondern hat sowohl Felix, als auch mich in der Vergangenheit vor der einen oder anderen Dummheit bewahrt. Was nicht heißt, dass wir diese Dummheiten nicht trotzdem begangen haben, nur eben durchdachter und um ein Vielfaches sicherer. Erwischt wurden wir eigentlich nie.

 

Sebastian wirkt vielleicht auf den ersten Blick stoisch und manchmal macht mich seine zynische Art wahnsinnig, dennoch ist es eben auch genau dieses Verhalten, das etwas tief in mir berührt und das ich niemals, unter gar keinen Umständen, missen möchte.

 

Nun und Felix kann ich eigentlich nur mit zwei Worten beschreiben: total verrückt. Sein ganzer Charakter und seine ganze Lebenseinstellung sprühen geradezu vor Energie und Ausgelassenheit, dass es manchmal sogar schwer fällt, das Ganze zu ertragen.

 

Er lebt sein komplettes Leben auf der Überholspur, ist hartnäckig, aber auch dickköpfig. Frei nach dem Motto: Wozu durch die offene Tür treten, wenn ich auch die Wand daneben durchbrechen kann? Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen inklusive.

 

Doch egal wie schlecht es einem geht, wenn Felix in der Nähe ist, schafft er es durch seine Art immer wieder einem ein Lächeln zu entlocken. Wie er das genau macht, kann ich nicht sagen, aber er hat dieses unsagbare Gespür für die Menschen und ihre Launen. Als ob er einfach in sie hinein sehen kann und ihren wahren Kern erkennt. Er wird später einmal ein ganz brillanter Psychologe, dessen bin ich mir sicher.

 

Eigentlich könnte man jetzt denken, dass die beiden wie Feuer und Wasser sein sollten. Sind sie auch. Und es kommt nicht selten vor, dass sie aneinander geraten, allerdings niemals ernsthaft. Jedenfalls nicht so ernsthaft, dass ich mir Sorgen machen müsste. Klar fliegen die Fetzen bei zwei so starken Charakteren, aber egal wie hart ihre Wortgefechte auch sind, die Freundschaft zwischen den beiden stand nie auf dem Spiel.

 

Es ist viel eher immer der Fall, dass beide als Sieger aus ihren Wortgefechten herausgehen. Sie stacheln sich gegenseitig an, treiben sich bis auf die Spitze, lernen voneinander, ergänzen sich und kommen auf diese Art weiter mit der Lösung ihrer Probleme. Für mich selbst wäre diese Form von Umgang miteinander zwar nichts, aber die beiden kommen damit klar. Und darauf kommt es ja an.

 

Zwischen uns drei gab und gibt es niemals irgendwelche Geheimnisse. So war ich vor zehn Jahren zwar überrascht, als sie mir bei einer unserer Lan- Partys erzählten, dass sie schwul sind, aber diese Eröffnung hat unserer Freundschaft keinen Schaden zugefügt.

 

Ich war sogar beinahe ein wenig neidisch, wie unkompliziert sie mit ihrer Sexualität umgehen konnten. Die beiden sind schwul und damit Punkt. So einfach war die Sachlage. Und das mit 14 jungen Jahren. Sebastian und Felix wirkten auf einmal so reif und erwachsen. Bei mir hat damals erst der ganze pubertäre Wahnsinn begonnen.

 

Ich weiß zum Beispiel auch, dass Sebastian Felix zu jener Zeit sehr schön geholfen hat. Er war eben schon immer ein absoluter Logiker und nachdem er gemerkt hatte, dass sein Interesse am weiblichen Geschlecht der Nulllinie entgegen strebt und bei seiner Selbstbefragung, wie schlimm er es findet auf Jungs zu stehen, kein negatives Gefühl auftrat, war die ganze Sache für ihn klar. Ich wünschte, ich könnte diese besonnene Konsequenz an den Tag legen.

 

Seinen Eltern erzählte er zwischen Tür und Angel, dass er schwul sei und sein Feingespür zeigte ihm relativ schnell, dass auch Felix mit seiner eigenen Sexualität nicht der so genannten 'Norm' entsprach. Tja, die Verbindung zwischen uns Dreien ist eben irgendwie besonders.

 

Felix selbst hatte am Anfang wohl die ein oder anderen Schwierigkeiten mit sich und seinen Gefühlen, aber nachdem Sebastian förmlich über ihn hergefallen ist, eben an jenem Abend ,als ich selbst es erfuhr, und noch ein wenig Zeit ins Land eingekehrt war, hatte er seine Gefühle akzeptiert. Er ist eben eine Frohnatur, schert sich nicht um die Meinung von Leuten, die er nicht kennt und versucht das zu schützen, was er wirklich liebt. Seine Familie. Und da sowohl Sebastian, wie auch ich zu seiner Familie dazu gehören, konnte er sich relativ entspannt mit dem Thema Homosexualität auseinander setzten. Er wusste, dass ihm keiner seiner 'Herzensmenschen', wie er uns alle manchmal nennt, verlassen würde.
Hört sich jetzt alles ganz einfach an und das war es irgendwie auch. Es gab für die beiden kein alptraumhaftes Coming Out, kein Trauma durch irgendwelche Schulchaoten, kein Bruch mit der Familie. Wir haben uns stets gegenseitig unterstützt und beschützt. Familie endet schließlich nicht bei der DNA.

 

Seither war der einzige größere Unterschied zwischen uns Dreien eigentlich unsere sexuelle Festlegung, denn ich bin durch und durch heterosexuell, auch wenn die Zwei immer steif und fest behaupten, dass ich mich nicht ausschließlich für die Damenwelt interessiere.

 

Das war nie ein Problem, denn wenn man liebt, so haben wir jedenfalls gemerkt, dann ist es egal ob das Gegenstück männlich oder weiblich ist. Allein das Gefühl zählt. Nur hatte ich immer den Eindruck, dass die beiden weiter sind, als ich. Entwicklungstechnisch meine ich. Manchmal kommt es mir so vor, als würde mir etwas fehlen. Vielleicht liegt es aber auch einfach an unseren unterschiedlichen Charakteren.

 

Klar, die Zwei hatten auch ihre Sturm und Drang Zeit und wurden vom Liebeskummer und den Jugendlichen Sorgen nicht verschont, aber irgendwie hatte ich immer das Empfinden, dass sie viel leichter mit dem ganzen Gefühlswahnsinn, den jemand in einem auslösen kann, umgehen konnten. Schwer in Worte zu fassen. Diese Leichtigkeit mit der sie ihr Leben bewältigen bewundere ich einfach.
Ich selbst hing immer total zwischen den Seilen, wenn ein Mädel mir den Kopf verdreht hatte. Sebastian hat mir dann immer ein paar gute Worte mit auf den Weg gegeben und Felix hat mich bei einem Rückschlag in die richtige Bahn zurück gelenkt. Wie gesagt, wir sind stets die Stützen im Leben der Anderen.

 

Doch im Moment erkenne ich die beiden einfach nicht wieder. Von Sebastians überlegter Art ist nichts mehr zu spüren, er wirkt eher wie der berühmter Wolf im Schafspelz, der kurz davor steht, vor lauter Gier das Rotkäppchen aufzufressen. Und Felix spielt die Unschuld vom Lande, die kein Wässerchen trüben kann. Verhaltensmuster, die ich in all den Jahren unserer Freundschaft kein einziges Mal erlebt habe. Wo sind nur meine Freunde hin?

 

„Mensch Luca ernsthaft, du hast es versprochen. Erinnerst du dich: Alles was wir wollen. Das waren deine Worte. Und wir beide wollen, dass du genau das tust, was wir dir sagen. Ohne Widerrede und ohne Meckern. Und jetzt schwing deinen kleinen Arsch aus der Ecke, sonst fällt Sebastian wirklich noch über dich her. Und ganz ehrlich, ich würde ihn nicht einmal aufhalten wollen.“

 

Erschrocken reiße ich die Augen auf und sehe von einem zum anderen. Dieses seltsame Glitzern in den Blicken meiner Freunde jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken. Ich kann nicht glauben, was ich da höre.

 

„Wie bitte? Das ist nicht dein Ernst!“

 

Felix wirft Sebastian einen für mich nicht deutbaren Blick zu, packt mich plötzlich an den Schultern, zerrt mich hinter meiner Blockade hervor und presst mich mit dem Rücken gegen Sebastians Brust. Mein ganzer Körper versteift sich und ich spüre wie sich von hinten starke Arme um meine Brust schlingen, mich noch näher an sich heran ziehen.

 

Ich versuche mich gegen diese Umarmung zu wehren, fange an zu zappeln und erstarre erneut, als sich Felix an meine Vorderseite schmiegt, mich zwischen sich und Sebastian einkeilt. Unheilvoll sieht er mich an und mich durchläuft ein kleines Schütteln. Sein warmer Atem streicht über mein Ohr, als er zu sprechen beginnt:

 

„Beweg deinen Hintern nach vorne an die große Bar. Wir wollen ja nicht. dass du dich gleich auf die Tanzfläche stürzt. Das würden wir nie verlangen. Aber wir haben nicht vor den ganzen Abend mit dir hier in dieser Ecke zu verbringen. ohne das in irgendeiner Weise aktive Dinge geschehen.“

 

Erschrocken weiten sich, ob seiner Worte meine Augen und ein leichtes Zittern durchläuft mich.

„Ihr… Ihr macht mir Angst. Lasst mich los, bitte!“

 

Felix blickt mich direkt an, seine braunen Augen werden langsam wärmer, der Ausdruck in ihnen sanfter.

 

„Hey, es sind immer noch wir beide, Sebastian und ich. Aber es ist dein Geschenk an uns. Und wir werden bestimmt nicht klein bei geben. Dieses Mal nicht, Luca.“

 

Der Griff um meine Brust wird lockerer und als Felix einen kleinen Schritt nach hinten tritt, gewinne ich etwas Spielraum. Tief hole ich Luft und versuche mich ein wenig zu entspannen. Es gelingt mir nicht so recht. Die beiden sind mir immer noch zu nah.

 

„Ha- Habt ihr euren Verstand mit den Wintermänteln bei dem Lack- und Leder Heini an der Garderobe abgegeben?“

 

Bei meiner Bezeichnung für den Garderobiere spüre ich ganz deutlich ein Beben in meinem Rücken. Lacht Sebastian etwa? Na wenigstens einer, der dieser verkorksten Situation Erheiterung abgewinnen kann. Ich kann das in jedem Fall nicht.

 

Allmählich schlägt meine Angst in Ärger um. Ich beginne mich in Sebastians Armen zu winden und funkle Felix böse an.

 

„Ihr Vollidioten. Geschenk hin oder her, alles hat Grenzen. Und im Moment stoßt ihr ganz gewaltig an meine. Ich sag es jetzt zum letzten Mal, lasst- mich- los!“

 

„Sonst was, Luca? Ich würde sagen, dass deine Optionen, etwas gegen uns beide auszurichten, recht gering sind. Und Felix hat recht, es war dein Geschenk“, dringt Sebastians Stimme von hinten leise an mein Ohr und ich bilde mir beinahe ein, dass er seine Atem dagegen haucht.

 

Die beiden sind wohl vollkommen wahnsinnig geworden. Die werden wirklich noch über mich herfallen, wenn sie so weiter machen. Selbst wenn ich mich mit ganzer Kraft gegen die Zwei wehren würde, könnte ich vermutlich nicht viel gegen sie ausrichten.

 

Ich spüre, wie sich mir, durch meine eigenen Gedanken hervorgerufen, die Kehle zu schnürt, mein Atem wird hektischer und ein Zittern durchläuft meinen Körper. Trotz der Hitze im Club wird mir kalt und über meinen Körper kriecht langsam eine Gänsehaut. Mein Zorn wandelt sich schlagartig in eine ausgemacht Panik um und meine Beine stehen kurz davor mir ihren Dienst zu versagen.

 

Stopp, ganz ruhig. Felix hat recht. Sie sind meine Freunde und auch wenn die beiden ihren Verstand verloren haben sollten, würden sie nicht über mich herfallen. Hoffe ich jedenfalls. Irgendetwas bezwecken sie mit ihrem Verhalten. Das tun sie schließlich immer. Und je mehr ich mich gegen diese absurde Situation wehre, desto weniger werden sie mir verraten, was sie genau wollen.

 

Also atme ich erst einmal tief durch, straffe meine Schultern und versuche meine Muskeln zu entspannen. Es gibt für alles im Leben einen logischen Grund und wenn er noch so abwegig erscheint. So auch für diese Situation. Ich fixiere Felix Blick, versuche meine Stimme zu beruhigen und ihr einen festen Klang zu verpassen.

 

„Warum macht ihr das?“

 

Felix tritt noch einen Schritt zurück und Sebastian entlässt mich aus seiner Umarmung, tritt vor mich. So stehe ich zumindest nicht mehr zwischen ihnen, habe meine Bewegungsfreiheit und dadurch auch ein Stück meiner Sicherheit wieder.

 

„Kannst du dir das nicht denken, Luca? Nach allem, was im letzten Jahr passiert ist? Nach allem was du gemacht hast? Oder ja eigentlich eher, was du nicht gemacht hast.“

 

Felix Tonfall ist ganz ruhig, sein Blick fest, aber ich höre deutlich die Traurigkeit während er spricht.

 

Oh oh.

„Was willst du damit sagen?“

 

Meine eigene Stimme zittert leicht, als ich diese Worte ausspreche. Was jetzt kommt, kann nicht gut gehen. Unausweichlich steuere ich auf einen Eisberg zu und ich weiß, dass ich daran zerschellen werde. Mist.

 

„Was wir damit sagen wollen Luca, ist doch wohl eindeutig. Seit Mirya letztes Jahr ihre Koffer gepackt hat und nach Australien abgehauen ist, bist du nur noch ein Schatten deiner Selbst. Liebeskummer hin und her, aber du versinkst mittlerweile in einer waschechten Depression. Und wir beide wollen da beim besten Willen nicht mehr daneben stehen und nur zusehen. Es reicht endgültig.“

 

Autsch, das tat weh. Miryas Name reißt in mir immer noch schmerzende Wunden auf.

 

Wir waren seit Ewigkeiten zusammen. Jedenfalls erscheint es mir aus heutiger Sicht so. Sie ging mit uns auf das gleiche Gymnasium, allerdings in die Parallelklasse, war aber in der selben Clique, wie wir Drei.

 

Nach der Offenbarung meiner beiden Freunde hab ich mir natürlich auch so meine Gedanken über mein Liebesleben gemacht und bin auf den Punkt gekommen, dass ich zwar absolut nichts gegen Schwule hab, ich mir das aber nicht vorstellen könnte. Niemals. Weder Top, noch Bottom. Erst recht nicht Bottom. Allein der Gedanke daran, dass mir jemand seinen - Nein, das ist wirklich absurd.

 

Nun, so wurden mit 15 Jahren für mich plötzlich die Mädchen recht interessant. Nach einigen geglückten Anläufen in Sachen Beziehung und einigen Griffen ins Klo, hab ich Mirya irgendwann mit anderen Augen gesehen. Nicht mehr nur als das Mädchen, das eben jeden Tag um mich herum war und mit dem ich allen möglichen und unmöglichen Unsinn anstellen konnte, sondern ich betrachtete sie auf einmal als Frau. Bei ihr hat das Ganze zwar dann ein wenig länger gedauert und es ging mehr als nur ein paar Mal hoch und runter in meinem Gefühlsleben, aber an meinem 18 Geburtstag hat sie mir in einer Nacht und Nebel Aktion schlussendlich ihre Liebe gestanden.

 

Das Glück, welches ich damals empfunden habe, kann ich gar nicht in Worten beschreiben. Es erfüllte mich, ließ mich selig, und vielleicht auch ein wenig debil, lächeln und machte mich blind für meine eigenen Bedürfnisse. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Fünf Jahre ging unsere Beziehung. Und dann hat sie mir letztes Jahr mitgeteilt, dass für sie die Zeit gekommen wäre, Deutschland zu verlassen und andere Orte aufzusuchen. Kein Scherz, dass war exakt ihre Wortwahl.

 

Wir haben zwar niemals die perfekte Beziehung geführt und mittlerweile ist mir auch selbst klar geworden, dass wir über kurz oder lang einen Schlussstrich hinter unser Kapitel gesetzt hätten, doch trotzdem kam das alles ziemlich plötzlich. Unerwartet und wie ein Faustschlag in den Magen.
Aber so war sie. Immer impulsiv, immer unterwegs. Hat man versucht sie an sich zu binden, hat sie sich auf die Hinterläufe gestellt und gebockt, wie ein Wildpferd. Das hat mir an ihr zwar all die Zeit über gefallen, hat unsere Beziehung aber auch beeinträchtigt. Und mich seelisch nachhaltig ordentlich aus der Bahn geworfen.

Ich persönlich bin eher der typische Couch Potatoe. Hab auch kein Problem damit, dass zuzugeben. Die Menschen sind eben unterschiedlich.

 

Während Mirya also nächtelang die Clubs der Umgebung unsicher gemacht hat, lag ich auf meinem Sofa und hab gelesen. Auch ansonsten ziehe ruhigere Aktivitäten vor. Kino, Bowling, Thermalbad. Relativ langweilig vielleicht, aber ich schäme mich nicht dafür. So bin ich eben und so fühle ich mich wohl.

 

Mirya hatte damit eigentlich kein Problem, jedenfalls hat sie es nie angesprochen. So war es für mich damit auch kein Problem. Ich hab sie nicht eingeschränkt und sie hat mich nicht damit aufgezogen, dass ich eben manchmal Samstagabends um zehn Uhr auf dem Sofa eingeschlafen bin. Es gab auch immer wieder Zeiten in denen sie mit Sebastian und Felix unterwegs war. Die Drei hatten wohl ebenfalls ihren Spaß zusammen.

 

Nach ungefähr zwei Jahren ist meine heile Seifenblasenwelt schließlich geplatzt. Mirya erzählte mir, dass sie mich betrogen hätte. Das war wie ein Schlag ins Gesicht, ein Stich mit einem Messer ins Herz. Ich hätte ihr alles Mögliche zugetraut, aber Untreue? Niemals.

 

Damals trennte ich mich verletzt und gedemütigt von ihr, konnte dann aber doch nicht ohne sie und so kamen wir, notgedrungen und mit einem Tränenmeer hinter uns, wieder zusammen.
Ab diesem Zeitpunkt muss es angefangen haben, dass sie sich gefühlsmäßig von mir abgekapselt hat. Ich glaube zwar nicht, dass sie mich nicht mehr geliebt hat, aber irgendwie entwickelte sie sich zu einem emotionalen Trampeltier. Wortwörtlich.

 

Sie flirtete vor meinen Augen mit anderen, beachtete mich manchmal gar nicht, wenn wir doch mal alle gemeinsam unterwegs waren und irgendwann hab ich aufgehört zu zählen, wie oft sie mit anderen nach Hause ging und nicht mit mir.

 

Daraufhin habe ich mich wieder von ihr getrennt, sie hat sich entschuldigt, Besserung gelobt und ich hab ihr verziehen. Unzählige Male. Was hätte ich auch anderes tun sollen? Mein Herz gehörte ihr, obwohl, oder vielleicht gerade weil, sie es in ihren kleinen Händen zerquetschte. Trotzdem ging dieses verquere Spiel noch drei Jahre lang weiter und obschon ich wusste, dass das nicht gut für mich ist, konnte ich mich nicht endgültig von ihr trennen. Es ging einfach nicht.

 

Ich weiß nicht, was mich bei ihr gehalten hat, aber sobald ich ohne sie war, hab ich gelitten wie ein verprügelter Hund. Drei Monate Pause waren das Höchste der Gefühle, danach hab ich sie mit Handkuss und auf Knien zitternd zurück genommen.

 

Ich denke Mirya hat genau gewusst, wie sehr sie mich verletzt und ich bin mir sicher, dass es nicht in ihrer Absicht lag, mir weh zu tun, aber sie konnte einfach nichts dagegen machen. Wie gesagt, Menschen sind unterschiedlich und Mirya und ich konnten schlicht ausgedrückt nicht miteinander, aber irgendwie auch nicht ohne einander. Solange wir Freunde waren, war alles in Ordnung, doch das, was darüber hinaus ging, dafür waren wir beide nicht gemacht. Jedoch einfache Freunde konnten wir auch nicht sein. Wir waren wie Junkies auf einem extrem miesen Trip und wussten beide, dass wir unseren eigenen Untergang darstellen.

 

Trotzdem kam der Schock über ihre Deutschlandflucht plötzlich, unerwartet und Knüppel hart. Ich hatte mit viel gerechnet, als sie mal wieder sagte, wir müssten reden. Ich hasse diesen Satz mittlerweile.
Wir müssen reden. Da kommt niemals was Gutes dabei raus. Nie. Egal von welchem Blickwinkel aus man ihn betrachtet.

 

Danach ging alles ziemlich schnell. Innerhalb von sechs Wochen hatte sie ihre Zelte abgebrochen und dann standen wir da am Flughafen, lagen uns in den Armen und haben Rotz und Wasser geheult. Mal wieder. Tränen gehörten zu unserer Beziehung, wie die Luft zum atmen.

 

Sie ließ die üblichen Floskeln, wie 'Ich werde dir schreiben, versprochen. Ich werde an dich denken.' und all den Mist los, während ich ihr nur meine ewige und heißblütige Liebe schwor. Irgendwie peinlich, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Trotzdem, ich hatte es ernst gemeint. Wirklich ernst. Ich wollte auf sie warten. Egal wie lange es auch dauern würde.

 

Und auch wenn sie mir am Ende noch das Versprechen abgerungen hat, dass ich mein Herz Stück für Stück von ihr lösen würde, bin ich mir nicht sicher, ob ich dieses Versprechen auch einhalten kann. Ganz und gar nicht sicher. Sie war eben meine erste große und unglaubliche Liebe.

 

Das letzte Mal hab ich vor fast zwei Monaten etwas von ihr gehört. Unsere Emails rauben mir auf der einen Seite jegliche Energie, aber auf der anderen sind sie auch der einzige Lichtblick, den mir mein trüber Alltag schenkt. Sie ist derzeit im Outback und hat dort natürlich kein Internet. Für mich ist das sowohl Qual, wie auch Erholung. Eine absolut verrückte Mischung an Emotionen.

 

Ich bin mir mittlerweile nicht einmal mehr sicher, ob ich sie immer noch liebe oder ob ich einfach nur die Vorstellung von ihr und mir als perfektes Paar nicht los lassen kann und dieser Traum zerplatzt ist, ich aber immer noch mit Gewalt daran festhalte. Ich hasse es zu scheitern und dieses Beziehungs- Aus verbuche ich als das größte Versagen in meinem Leben.

 

„Luca?“ Mist, ich bin schon wieder abgedriftet.

 

„Ja?“ Verwirrt blicke ich von einem zum anderen. Haben die beiden etwa was gesagt?

 

„Siehst du, genau das meinte ich. Du bekommst nichts mehr mit.“

 

Felix verschränkt seine Arme vor der Brust, Sebastian schüttelt nur den Kopf. Beide blicken mich sehr ernst an. Und als Felix zu sprechen beginnt, merke ich wie ernst er es meint. Ich bekomme eine richtige Gänsehaut bei seinen Worten.

 

„Du weißt, ich mag Mirya. Sie ist ein tolles Mädchen mit einem starken Charakter, die weiß was sie will. Meistens jedenfalls. Könnte ich mir ’ne kleine Schwester aussuchen, wäre sie meine erste Wahl. So verrückt wie das auch klingen mag. Ich fand es zwar nie gut - und ich denke da spreche ich auch für Sebastian - was sie mit dir angestellt hat und vor allem, wie sie es mit der gemacht hat, aber du hattest immer die Wahl.

 

Und du hast dich für sie entschieden. Wir haben das akzeptiert und wenn du eben wieder jenseits von Gut und Böse warst, haben wir unsere Luca- Aufpäppel- Kur durchgezogen. Und das war ja auch okay. Du bist wie du bist, und sie eben wie sie ist.

 

Aber sie hat dich freigegeben. Verstehst du? Ich denke, dass Mirya sich ganz bewusst für den Weggang aus Deutschland entschieden hat und ich bin davon überzeugt, dass du mit ein Grund dafür warst. Nicht der Hauptantrieb, aber vielleicht warst du am Ende ausschlaggebend. Sie hat es gehasst, wie sie dich behandelt hat, aber sie konnte nichts dagegen tun. Also ist sie gegangen. Sie hat endlich einen Schlussstrich gezogen und ich weiß, dass ihr das nicht leicht gefallen ist. Aber sie hat eine Entscheidung getroffen.

 

Gut, dass du dich daraufhin vergraben hast, konnten wir ja noch nachvollziehen. Auch das gehört zu dir. Du leidest eben viel und intensiv. So bist du nun einmal. Aber irgendwann ist dann gut. Und wir dachten ja auch, dass du dich so bis zur Schneeschmelze wieder beruhigst.

 

Nur was hast du gemacht, als die ersten warmen Strahlen der Sonne heraus gekommen sind? Du bist in den Baumarkt gefahren und hast dir blickdichte Jalousien gekauft. Du warst nicht einmal mit beim Grillen oder am Badesee diesen Sommer.

 

Jegliche Sportaktivitäten waren auf einmal Tabu und das obwohl wir erst letztes Jahr mit Kiten an gefangen haben. Und sag mir jetzt nicht, es hätte dir keinen Spaß gemacht. Das wäre nämlich eine Lüge. Schließlich war es deine Idee.

 

Ich will nicht wissen, wie viel du abgenommen hast, seit Mirya weg ist. Du warst noch nie jemand, der besonders viel auf den Rippen hat, aber das ist nicht mehr gesund. Und von deiner Hautfarbe will ich gar nicht anfangen. Zu Halloween müsstest du dich nicht einmal verkleiden, du könntest glatt als Vampir durchgehen.“

 

Während dieser Ansprache bin ich immer kleiner geworden. Halbherzig versuche ich ein ‚So schlimm ist es doch gar nicht’ über meine Lippen zu bringen, doch ich weiß im gleichen Augenblick, als die Worte meinen Mund verlassen, dass ich nicht hinter ihnen stehe. Und das sie meine Freunde wütend machen.

 

Natürlich kommt auch prompt ein aufgebrachtes Schnauben von Sebastian.

 

„Stimmt, es ist schlimmer. Viel schlimmer. Du warst ja schon immer mehr der Stubenhocker, aber die letzten Monate haben wir beide dich nur noch gesehen, wenn wir dein Zimmer gestürmt haben. Vorausgesetzt, es war nicht abgeschlossen. Deine Leistungen für die Uni in allen Ehren, aber du machst dich kaputt. Du pendelst doch nur noch zwischen Hörsaal und Wohnung. Lernst, liest und schläfst. Das ist kein Leben. Luca, mach doch mal die Augen auf!“

 

Sebastians Stimme ist immer lauter geworden. Okay, so aufbrausend hab ich ihn wirklich noch nie erlebt.

 

Zweifelnd sehe ich zu Felix, kann in seinen Augen aber das Gleiche lesen, wie in Sebastians. Ein gewisser Grad an Verzweiflung, gepaart mit wilder Entschlossenheit. Verdammt.

 

„So schlimm?“

 

Als Antwort ernte ich nur zwei nickende Köpfe. Betrübt senke ich den Blick und starre den Boden zwischen uns an. Mir ist es wirklich nicht aufgefallen. Ja, ich hatte mich abgekapselt, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so extrem ist.

 

„Ich…“, beginne ich, weiß allerdings nicht so genau, was ich sagen soll.

 

„Und als du uns dann gesagt hast, wir dürften uns zu Weihnachten wünschen, was wir wollen, war klar, wie wir dich endlich aus deiner Lethargie raus bekommen müssen. Sozusagen, der letzte Versuch der Verzweifelten.“

 

Ich hebe wieder meinen Blick und starre in die entschlossenen Gesichter meiner beiden besten Freunde. Und ich weiß, dass ich verloren habe.

 

Ja, als wir das diesjährige Weihnachtsfest geplant haben, wusste ich beim besten Willen nicht, was ich auf ihre Geschenk Nachfrage antworten sollte und daraufhin haben die beiden mir ebenfalls jegliche Auskunft verweigert. Als ausgleichende Gerechtigkeit, wie sie mir erläuterten.
Und in einem Anflug kurzer, geistiger Unzurechnungsfähigkeit, hab ich dann jenen folgenschweren Satz losgelassen:

 

'Ihr bekommt von mir dieses Jahr zu Weihnachten, was immer ihr euch wünscht. Mir ganz egal. Ich mach alles.'

 

Ich muss wirklich in vollkommener Melancholie durch das bevorstehende Weihnachtsfest versunken gewesen sein bei dieser Aussage. Was hab ich mir nur dabei gedacht?

 

Bis heute morgen um sechs Uhr, haben sie sich strikt geweigert mir mitzuteilen, was sie sich jetzt genau wünschen, haben auf meine Anfragen immer nur gesagt, dass ich dafür sorgen soll, Weihnachten nicht nach Hause zu fahren und mir in der Woche bis Neujahr auch nichts vorzunehmen. Ich hatte ehrlich gesagt nicht die geringste Ahnung, was in ihren Köpfen vor sich geht und was sie gemeinsam geplant haben.

 

Für meine Eltern war das irgendwie gar kein Problem, dass ich zu Weihnachten nicht nach Hause komme. Sie haben zumindest nichts weiter dazu gesagt. Die haben nicht nur die 80er durchlebt, die sind teilweise dort sogar hängen geblieben.

 

Als Kind fand ich es super so ausgeflippte Eltern zu haben, wie meine.

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