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And Good Is

Über die Autoren

John Madison wohnte sein Leben lang im selben Haus in Oklahoma City, bis er aufs College ging. Dort beschloss er, eine exotische Sprache zu lernen: Deutsch. Es folgten ein Praktikum in Hamburg, ein Jahr an der Münchner Uni und eine Stelle in Reutlingen und Salzgitter. Dann kündigte er, um in den Ruhestand zu gehen. Sieben Monate später hatte er kein Geld mehr – und nun einen Job in Texas.

Bettina Madison wurde in Oldenburg geboren, wo sie schon als kleines Kind akzentfreies Deutsch lernte. Sie verlebte eine wohlbe-hütete Kindheit, ohne viel von der weiten Welt zu sehen. Das änderte sich erst, als sie nach ihrer Ausbildung als Au-Pair nach New York ging. Nach ihrer Rückkehr nahm sie eine Stelle in Bremen an.

John und Bettina lernten sich über ein soziales Netzwerk kennen, führten zunächst eine innerdeutsche Wochenendbeziehung und dann eine transatlantische Fernbeziehung. Irgendwann hatten die beiden davon die Nase voll, und Bettina wanderte in die USA aus. Im August 2009 heirateten die beiden und leben nun in Austin, Texas.

John Madison
Bettina Madison

And
Good
is

Amerikanische Seltsamkeiten
aus einheimischer Perspektive

Aus dem amerikanischen Englischen von
Petra Trinkaus

Inhaltsverzeichnis

  1. Teil I: Was man über Amerika wissen sollte
    1. Amerikaner sind immer beschäftigt
    2. Amerikanische Firmen wissen, dass Sie dumm sind
    3. Vielfältige Uniformität
    4. Amerikaner fahren bis ans Ende der Welt, um nur keinen Schritt zu viel zu gehen
    5. Geschöpfe Gottes, die Ihnen an den Kragen wollen
    6. Class Rings
    7. Amerikanern fehlt es an der politischen Entschlossenheit, ihre sämtlichen Probleme mit einer einzigen Lösung zu beseitigen
    8. Amerikaner haben keine Ahnung, was »Demut« heißt
    9. Denken Sie an die Kinder!
    10. Warum Amerikaner so laut sind
    11. Die Vereinigten Staaten sind das bei Weitem beste Land der Dritten Welt
    12. Amerikanischer Nationalismus oder, in unserem Fall: Patriotismus
    13. Handegg: der großartigste Sport, der je erfunden wurde!
    14. Amerikaner essen dämlich
    15. It’s okay to be a Nazi
    16. Geschworenenpflichten: Rechtspflege seit 1787
    17. Amerikaner erwarten, dass Sie einen eingebauten Kompass haben
    18. Es ist okay, stinkreich zu sein
    19. Kirche und Staat, wie Öl und wässriger Essig
    20. Warum die Deutschen den amerikanischen Präsidenten entweder lieben oder hassen, während er den Amerikanern immer ziemlich egal ist
    21. Warum es Amerikanern unmöglich ist, ein gesundes Gewicht zu haben
    22. Biergarten
    23. Amerika: die »Welthauptstadt der Welthauptstädte«
    24. Warum Amerikaner so jung heiraten
    25. Amerikanische Gesetze und Prozesse sind gar nicht so albern
  2. Teil II: Wissenswertes für den Urlaub in Amerika
    1. Autofahren in Amerika Part I: der Führerschein und das Führen des Fahrzeugs
    2. Autofahren in Amerika Part II: die Verkehrsregeln
    3. Leitfaden zum Trinken in Amerika
    4. USA! USA! USA! Jeden Cent Eintritt wert
    5. Wie man in Amerika noch mehr umsonst bekommt
    6. Zum Verständnis des amerikanischen Bettensystems
    7. Chlor
    8. No offense!
    9. Was tun, wenn man plötzlich kein Englisch mehr versteht
    10. Gebrauchsanweisung für amerikanische Restaurants
    11. Im Supermarkt
    12. Wie man Amerikaner anspricht
    13. Frühstück in Amerika
  3. Teil III: Leben in Amerika
    1. Rasenpflege
    2. Wie man eine Wohnung mietet
    3. Angeln
    4. Wahl der Ersatzeltern
    5. Leben in der neighborhood
    6. Beim Arzt
    7. Wie Handys in den USA funktionieren
    8. Happy Birthday!
    9. Showers
    10. Ihre offizielle Lebensbilanz in Amerika
    11. Was ist ein College?
    12. Wie man Mitarbeiter des Monats wird
    13. Amerikaner sind im Diskriminieren nur halb so effizient wie Deutsche
    14. Wie man bezahlt
  4. Teil IV: Besondere Anlässe
    1. Halloween
    2. Thanksgiving
    3. Happy Holidays!
    4. Weihnachten
  5. Teil V: Die fünfzig Bundesstaaten
    1. Bundesstaat #1: Delaware
    2. Bundesstaat #2: Pennsylvania
    3. Bundesstaat #3: New Jersey
    4. Bundesstaat #4: Georgia
    5. Bundesstaat #5: Connecticut
    6. Bundesstaat #6: Massachusetts
    7. Bundesstaat #7: Maryland
    8. Bundesstaat #8: South Carolina
    9. Bundesstaat #9: New Hampshire
    10. Bundesstaat #10: Virginia
    11. Bundesstaat #11: New York
    12. Bundesstaat #12: North Carolina
    13. Bundesstaat #13: Rhode Island
    14. Bundesstaat #14: Vermont
    15. Bundesstaat #15: Kentucky
    16. Bundesstaat #16: Tennessee
    17. Bundesstaat #17: Ohio
    18. Bundesstaat #18: Louisiana
    19. Bundesstaat #19: Indiana
    20. Bundesstaat #20: Mississippi
    21. Bundesstaat #21: Illinois
    22. Bundesstaat #22: Alabama
    23. Bundesstaat #23: Maine
    24. Bundesstaat #24: Missouri
    25. Bundesstaat #25: Arkansas
    26. Bundesstaat #26: Michigan
    27. Bundesstaat #27: Florida
    28. Bundesstaat #28: Texas
    29. Bundesstaat #29: Iowa
    30. Bundesstaat #30: Wisconsin
    31. Bundesstaat #31: Kalifornien
    32. Bundesstaat #32: Minnesota
    33. Bundesstaat #33: Oregon
    34. Bundesstaat #34: Kansas
    35. Bundesstaat #35: West Virginia
    36. Bundesstaat #36: Nevada
    37. Bundesstaat #37: Nebraska
    38. Bundesstaat #38: Colorado
    39. Bundesstaat #39: North Dakota
    40. Bundesstaat #40: South Dakota
    41. Bundesstaat #41: Montana
    42. Bundesstaat #42: Washington
    43. Bundesstaat #43: Idaho
    44. Bundesstaat #44: Wyoming
    45. Bundesstaat #45: Utah
    46. Bundesstaat #46: Oklahoma
    47. Bundesstaat #47: New Mexico
    48. Bundesstaat #48: Arizona
    49. Bundesstaat #49: Alaska
    50. Bundesstaat #50: Hawaii
  6. Teil VI: Fun tips & facts
    1. Sinnlose Arten, in Amerika sein Leben zu riskieren
    2. Bei diesen Gesten halten wir Sie für verrückt – oder schlimmer noch: für einen Ausländer
    3. Redewendungen
    4. Wie Sie sich für amerikanische Gefahren rüsten
    5. Wie man ein Hotdog isst
    6. Amerika-Quiz
    7. Antworten
    8. Bewertung
  7. Fußnoten

I

Was man über Amerika wissen sollte

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Es spielt keine Rolle, wie sie zu Amerika und seinem Volk stehen, ein paar grundlegende Dinge sollten Sie über dieses Land wissen. Obwohl die amerikanische Kultur auf den ersten Blick derjenigen eines gut entwickelten westlichen Landes ähnelt, tun sich doch auf den zweiten Blick gravierende Unterschiede auf. Sie werden erkennen, dass Amerika anderen Teilen der Welt nur oberflächlich ähnelt.

Deshalb folgen einige Insider-Infos, die aufzeigen, warum die USA so ein einzigartiges Land sind.

Amerikaner sind immer beschäftigt

Dies ist das Erste, was Sie über Amerikaner wissen müssen: Sie sind immer beschäftigt. Die Liste von Dingen, deren Erledigung Amerikaner einfach nicht schaffen, ist ausgesprochen umfangreich. Die allgemeine Entschuldigung »bin beschäftigt« aber reicht als Begründung stets vollkommen aus, um jedwedes Vorhaben wegen eines Spiels der Yankees auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Amerikaner können nicht zu Ihrem Geburtstag kommen, weil sie wirklich viel mit ihrem Job und solchen Sachen beschäftigt sind. Amerikanische Firmen wissen, dass ihre Angestellten sehr beschäftigt sind, deshalb geben sie ihnen pro Jahr nur etwa zehn Tage Urlaub und nur eine Handvoll Feiertage, damit die Arbeit auch wirklich erledigt wird. Viele amerikanische Berufstätige sind sogar zu beschäftigt, um die ihnen zustehenden freien Tage in Anspruch zu nehmen, weil dringliche Aufgaben an ihrem Arbeitsplatz einfach nicht unerledigt bleiben dürfen.

Die amerikanische Geschäftigkeit beschränkt sich jedoch nicht auf unseren Arbeitsplatz, nein: Die Geschäftigkeit erstreckt sich auch aufs Familienleben, in dem die organisierten Aktivitäten der Kinder die Freizeit beherrschen. Amerikanische Männer können die Dachrinne gerade nicht reinigen, weil sie ihre Söhne 75 Meilen zum Fußballtraining fahren müssen – zur einzigen Mannschaft weit und breit, die ihrem schlummernden Talent und Potenzial entspricht. Und ihre Töchter müssen zum Ballettunterricht oder zu anderen mädchenhaften Aktivitäten gebracht werden.

Amerika und seine Bürger sind reich gesegnet. Wir haben unvergleichliche Bodenschätze, materiellen Wohlstand, Infrastruktur und Innovationsfähigkeit. Was wir nicht haben, ist genügend Zeit. Na ja, jedenfalls nicht jetzt. Vielleicht nach dem Spiel.

Amerikanische Firmen wissen, dass Sie dumm sind

Ihre erste Begegnung mit amerikanischen Firmen, die Ihnen auf den Kopf zu sagen, dass sie genau wissen, wie unglaublich dumm Sie sind, haben Sie wahrscheinlich bei Ihrem ersten Besuch bei Starbucks: Sie bestellen einen kleinen Kaffee, und die überschäumend fröhliche Koffeinschleuder hinter der Theke erklärt Ihnen wortreich, dass Sie in Wirklichkeit einen Kaffee der Größe tall bestellen wollten. Sie können sich zehn Minuten mit ihr darüber streiten, dass das Wort tall explizit eine Größe bezeichnet, die größer als irgendeine andere Größe ist, und dass es, da Sie die kleinstmögliche im Lokal angebotene Größe bestellen, einen Affront gegen die menschliche Intelligenz darstellt, diesen Kaffee als tall zu bezeichnen.

Aber das wird Ihnen nichts nützen. Im Gegenteil: Ihr Einwand gegen Firmen, die Ihnen geradeheraus sagen, wie dumm Sie sind, stößt nicht nur auf taube Ohren, sondern überfordert irgendwann auch Ihren Kampfgeist. Schließlich weiß jede amerikanische Firma, dass Sie dumm sind, und keine von ihnen schämt sich, es Ihnen unter die Nase zu reiben.

Erstaunlicherweise ist einfach jeder Tag der letzte des Mitgliedschafts-Sonderangebots in einfach jedem Fitnessstudio im ganzen Land. Jeder Tag ist Ihre letzte Gelegenheit, einen spektakulären Deal mit einem tollen Monatsbeitrag und ohne Aufnahmegebühr1 abzuschließen.

In Deutschland sind Sie den Sommer- oder Winterschlussverkauf gewohnt, in Amerika aber ist das ganze Jahr Schlussverkauf. Jeder einzelne Artikel hat einen Preis, den andere Leute zahlen – und einen niedrigeren Preis nur für Sie, nur heute. Das 29,95-Dollar-T-Shirt zum Beispiel, handgenäht von zarten, liebevollen Händen in Malaysia, ist ein wundervolles Schnäppchen, denn andere Leute zahlen irgendwo anders achtzig Dollar für dasselbe Modell, genäht von genau denselben Händen.

Selbst in der Werbung werden Sie von amerikanischen Firmen beleidigt. Nehmen Sie beispielsweise die Bank Capital One: Sie wirbt damit, dass Sie sogar den Zinssatz für Ihre neue Kreditkarte selbst bestimmen können! Da fällt die Entscheidung schwer. Wie schnell wollen Sie in den Bankrott schliddern? Entscheiden Sie sich für 39,9 Prozent und stürzen direkt hinein? Oder möchten Sie Ihre Solvenz noch ein paar Monate genießen und wählen den Satz von 29,9 Prozent?

Der schlimmste Anschlag auf Ihre Intelligenz kommt jedoch in Form jener hochpreisigen Lebensmittelläden mit »Sonderpreisen« für Leute, die so schlau sind, einen kostenlosen Mitgliedsausweis zu beantragen. Obwohl selbst die speziellen Mitgliedspreise für die gleichen Artikel weit höher liegen als in anderen Geschäften, entscheiden Sie sich vielleicht doch, dort einzukaufen – einfach, weil es bequemer ist, in einem nahe gelegenen, gut sortierten, ruhigen Ambiente einzukaufen. Das gute Gefühl, das Ihnen der Einkauf einiger zusätzlicher Artikel verschafft, löst sich blitzartig in Unwohlgefallen auf, wenn die Zwischensumme beim Einscannen an der Kasse in ungeahnte Höhen schießt. Die ultimative Beleidigung ist jedoch die, wenn der Kassierer Ihnen in die Augen schaut, dann wieder auf Ihre Mitgliedskarte guckt und Ihnen nun mit namentlicher Anrede dankt. Danach gratuliert er Ihnen, dass Sie an den vier Artikeln, die Sie gerade für siebzehn Dollar gekauft haben und die, wie Sie wissen, bei Wal-Mart nur halb so viel gekostet hätten, dreiundzwanzig Dollar gespart haben, die er auf der Quittung stolz einkringelt. Amerikanische Firmen lassen Sie den Preis für Ihre Bequemlichkeit nicht einmal in Würde überbezahlen.

Vielfältige Uniformität

Die Bandbreite Amerikas ist unfassbar. Zwischen den Wolkenkratzern von New York und den üppigen Weinbergen Nordkaliforniens liegen felsige Bergketten, weite Prärien, trostlose Wüsten, morastige Sümpfe, riesige Seen und fantastische Strände. Die Einwohner berufen sich auf Vorfahren aus allen Ecken der Welt. Diese Nation von Immigranten absorbiert die Lebensweise der Massen von Neuankömmlingen ebenso wie die traditionellen Bräuche der Ureinwohner. Was diese riesige Kulturlandschaft jedoch vor allem verbindet, ist, dass wir alle im Olive Garden2 essen, wenn es uns nach gutem italienischem Essen gelüstet.

Wer 3.000 Meilen quer durch die Vereinigten Staaten fährt, fühlt sich wie in einem alten japanischen Animationsfilm, bei dem sich der Hintergrund alle zehn Sekunden wiederholt. So wird es auch Ihnen ergehen, wenn Sie mit 65 Meilen pro Stunde durch eine beliebige amerikanische Stadt fahren: Taco Bell, CVS Pharmacy, Wal-Mart, Shell-Tankstelle, Red Lobster. Taco Bell, Walgreens, Wal-Mart, Shell-Tankstelle, Chili’s Bar & Grill, Taco Bell, CVS Pharmacy, Target, Red Lobster. Oh schau mal, ein Starbucks!3

Diese Ketten können für den uninformierten Reisenden ein großer Segen sein. Ein Tourist muss lediglich herausfinden, welche Restaurantketten er ertragen kann; die garantierte Firmenqualität sorgt dann dafür, dass er nie allzu sehr enttäuscht wird. Das Abweichen von der sicheren Massenware kann dagegen desaströse kulinarische Erlebnisse mit sich bringen, wer sich jedoch an die großen Namen hält, erlebt bestensfalls Mittelmaß. So wird das Essengehen in Amerika zu einer persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung: zu einem Wechselbad zwischen der Zeitverschwendung bei der Erkundung alteingesessener Lokale mit dem Potenzial zur Lebensmittelvergiftung – und der Ersparnis von Zeit und übersteigerten Erwartungen. Kurz: Falls Sie die Geduld und Risikobereitschaft zum Kauf von Aktien aufbringen, probieren Sie ein unabhängiges Lokal aus. Falls Sie sich mit Investmentfonds wohler fühlen, sind Sie besser bedient, wenn Sie sich das neue T.G.I. Fridays ansehen.4

Amerikaner fahren bis ans Ende der Welt, um nur keinen Schritt zu viel zu gehen

Die Deutschen haben die Redensart »Jeder Gang macht schlank«. Die Amerikaner haben Aufsitz-Einkaufswagen mit Elektroantrieb.

In Amerika ist jede Dienstleistung zu haben, die man Ihnen angedeihen lassen kann, während Sie in Ihrem Wagen sitzen: Wir haben hier Drive-through-Restaurants, -Banken, -Optiker und -Schnapsläden. In Las Vegas können Sie sogar in einer Drive-through-Kapelle heiraten!

Probleme bekommen wir erst, sobald irgendetwas nicht durch das Wagenfenster passt und wir gezwungen sind, unseren Wagen zu parken und zu Fuß den Parkplatz zu überqueren.

Das nächste Problem zeigt sich in Form jener Amerikaner mit einem Behindertenausweis, durch den die nächstgelegenen Parklücken nicht für die Faulsten reserviert sind, die sie am ehesten verdienen, sondern für die Disziplinierten, die sich die Zeit nehmen, sich für das Recht auf die besten Parkplätze registrieren zu lassen.

Das weitaus größere Problem aber stellen die Horden von potenziellen Fußgängern dar. Sie kreisen lieber stundenlang im Wagen auf dem Parkplatz herum, klappern die Plätze in der ersten Reihe ab und warten darauf, dass diese frei werden – wie ein Truthahngeier, der geduldig über einem verletzten Rehkitz kreist –, statt an einem schönen Sommertag im Freien sieben Meter mehr zu laufen.

Die Deutschen neigen dazu, Pflichterfüllung und alle Formen von Genuss zu trennen, Amerikaner dagegen trennen Pflichterfüllung von allen Formen körperlicher Bewegung. Wahrscheinlich, weil wir unsere Energie für den Marathon aufsparen müssen, für den wir gerade trainieren.

Geschöpfe Gottes, die Ihnen an den Kragen wollen

Wenn Sie in die Vereinigten Staaten reisen, glauben Sie vielleicht, dass es dort relativ sicher ist. Sie werden sich vermutlich denken: »Okay, das Gesundheitssystem ist nicht so gut, wie ich es aus Deutschland kenne, aber es ist ja nicht so, als würde ich eine Safari in Afrika machen.« Das ist ein Irrtum! Denn unsere Tiere trachten Ihnen durchaus nach dem Leben.

Als Durchschnittstourist möchten Sie vermutlich einen unserer schönen Nationalparks in den Rocky Mountains besuchen, wo Sie von Vier-Zentner-Grizzlybären begrüßt werden, die Sie fressen wollen. Ihre kleineren Verwandten, die Schwarzbären, sind mehr daran interessiert, die Lebensmittel zu fressen, die Sie mitgebracht haben. Deshalb werden Sie sie wahrscheinlich lediglich schlimm zurichten, um daran zu kommen, Ihren Körper aber weitgehend unversehrt lassen. Falls Sie die Bären überleben, nehmen Sie sich vor den Büffeln in Acht. Der amerikanische Bison ist zwar überwiegend Vegetarier, aber Sie wissen ja, wie militant die sein können. Und diese Typen könnten Sie einfach tottrampeln, um Ihnen den Verzehr von Büffel-Burgern heimzuzahlen.

Die nächste Bedrohung durch Mutter Natur, vor der Sie sich hüten müssen: giftige Schlangenbisse. In Amerika gibt es den Nordamerikanischen Kupferkopf, die Wassermokassinotter (auch bekannt als Wassermokassinschlange), die Korallenotter und diverse Klapperschlangenarten. Diese widerlichen Geschöpfe attackieren vor allem die Hände von Männern zwischen neunzehn und dreißig mit einem Blutalkoholgehalt von 0,1 Prozent oder mehr. Ihre beste Abwehr besteht also darin, nicht jung, betrunken und dumm zu sein. Außerdem sollten Sie beim Wandern Stiefel tragen, denn diese Viecher beißen Ihnen in den Knöchel, wenn Sie auf sie treten.

Die Deutschen neigen dazu, sich übertriebene Sorgen zu machen, dass Wissenschaftler versehentlich Arten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten züchten, die sich nicht unter Kontrolle bringen lassen, und dass diese Superwesen in die Wildnis entkommen und ein Chaos anrichten. Solche Befürchtungen sind völlig unbegründet. Die Gemeinschaft der Wissenschaftler hat sicherlich durch die Erschaffung der Killerbienen ihre Lektion gelernt; so etwas wird nicht wieder vorkommen. Diese afrikanisierten Bienen sind bis in den Südteil der Vereinigten Staaten vorgedrungen und haben Kolonien gebaut. Und die werden sie verteidigen, indem sie Sie angreifen und stechen, bis Sie tot sind oder zumindest sehr unglücklich.

Nicht alle Insekten sind so bösartig wie die Killerbiene. Wir haben auch Zecken, die sich lediglich in Sie hineinbohren und Sie mit Lyme-Borreliose infizieren. Selbst unsere Moskitos sind weitgehend harmlos, im allerschlimmsten Fall holen Sie sich von ihnen das West-Nil-Virus. Keine große Sache.

Aber unsere Arachniden – das ist eine andere Geschichte! Unsere berüchtigtste Spinne ist natürlich die Schwarze Witwe, deren Biss verursacht jedoch lediglich unerträgliche Schmerzen. Die weniger bekannte Braune Einsiedlerspinne ist sehr viel verbreiteter und sehr viel gefährlicher. Der Biss der Einsiedlerspinne wird Sie wahrscheinlich nicht umbringen und nicht einmal dazu führen, dass eins Ihrer Gliedmaßen amputiert werden muss, aber Sie sollten genau hinsehen, bevor Sie eine entblößte Hautpartie in einen engen Raum halten. Und dann gibt es natürlich Skorpione, die Sie stechen und töten können.

Als ob es nicht schlimm genug wäre, Ihr Leben durch Wirbellose bedroht zu sehen, haben wir auch noch Pflanzen, deren einziger Lebenszweck darin besteht, Ihnen Schlimmes anzutun. Giftefeu ist in Amerika ausgesprochen weit verbreitet, und wenn Sie wandern, werden Sie unterwegs höchstwahrscheinlich von diesem Efeu überwucherte Flächen sehen. Sie können sich entweder gerade so viel damit infizieren, dass Sie sich desensibilisieren, oder Sie nehmen sich ein paar Minuten Zeit, um die Blattformen zu studieren, und vermeiden die juckende Begegnung völlig. Übrigens ist der Reizstoff auf andere Körperstellen übertragbar, also passen Sie auf, wo Sie sich als Nächstes kratzen.

Wenn Sie sich in einem Sumpf aufhalten, hüten Sie sich vor Alligatoren! Wenn Sie sich im Ozean aufhalten, hüten Sie sich vor Weißhaien! Höchstwahrscheinlich kommen Sie aber durch einen Teenager ums Leben, der in einem SUV5 Amok fährt – also machen Sie sich keine allzu großen Sorgen um Mutter Natur. Außer um die Sache mit dem Giftefeu. Das ist ziemlich widerlich, also sehen Sie sich vor.

Class Rings

Es gibt genau zwei Sorten von Amerikanern: diejenigen, die einen Bachelor-Abschluss haben, und diejenigen, die gerne einen hätten.

Unabhängig von Bedeutung oder Anspruch des jeweiligen Studienganges setzen Amerikaner, die einen Bachelor erlangt haben, diesen Titel auch bei jedem voraus, den sie als ebenbürtig anerkennen.

In vielen Kulturen zeigen die Leute ihren Familienstand durch einen Ehering an, in Amerika zeigen die Leute ihren Selbstwert durch einen übergroßen Goldring an, in den der Name ihres Colleges eingraviert ist.

Nicht alle Amerikaner mit Bachelor tragen diesen Ring, und Sie können jeden, dem Sie begegnen und der einen trägt, sofort abschreiben. Wenn Sie solche Leute meiden, gestaltet sich Ihr Leben sehr viel weniger anstrengend.

Amerikanern fehlt es an der politischen Entschlossenheit, ihre sämtlichen Probleme mit einer einzigen Lösung zu beseitigen

Die Amerikaner leiden unter einer Handvoll Probleme, die zahlreiche Aspekte ihres Lebens betreffen. Sie sind aber nicht so richtig bereit, sie allesamt mit einem einzigen Schlag zu beseitigen. Stattdessen zanken und streiten sie über komplizierte Strategien. Dabei könnten sie doch auch einfach Bürgersteige bauen.

Die größeren Städte sind Stoßstange an Stoßstange von Autos verstopft. Sie verbrauchen Benzin, das aus Öl spuckenden Bohrinseln vor der Küste oder unappetitlichen Quellen in unfreundlichen Ländern stammt. Die Wagen stoßen Treibhausgase aus, die angeblich unsere Erde erwärmen und verheerende globale Veränderungen bewirken. Mutter Erde befindet sich zweifelsohne in einem höchst instabilen Gleichgewicht und wartet nur auf den Impuls, der sie kopfüber in die Selbstzerstörung treibt.

Die Wagen also, die in den Staus festsitzen, sind voll von Leuten, die zum Arbeitsamt pendeln, denn unsere Überkapazität der Produktion passt nicht mit unserer neu entdeckten Konsumunlust zusammen. Und diese Leute sind dick.

Die Lösung für all unsere Sorgen muss einfach jedem ins Auge springen: Wir sehen sie quasi jeden Tag, wenn wir an jenen wenigen Unglücklichen vorbeifahren, die gezwungen sind, auf dem Seitenstreifen zu laufen. Jede zivilisierte Gesellschaft würde Bürgersteige für Fußgänger bauen.

Diesen Menschen, die durch Armut oder Masochismus gezwungen sind, sich durchs bauchhohe Unkraut zu kämpfen, sollten wir uns alle anschließen. Wir sollten gegen die USA-weite miserable Stadtplanung protestieren, die nichts für jene grünste aller Fortbewegungsarten tut, die keinerlei Umweltverschmutzung und keine Staus verursacht, kein Öl verbraucht, das aus Küstengewässern oder feindlichen Ländern stammt. Und die uns helfen würde, dass unser aller Bäuche ein bisschen weniger wabbeln.

Leider sind die Amerikaner schlecht in Geschichte (da dieses Fach vom Football-Trainer unterrichtet wird) und wissen nicht, was der WPA-Stempel auf den letzten jemals gebauten Stückchen Bürgersteig bedeutet6. 1939 war Roosevelt so vorausschauend, Bürgersteige bauen zu lassen, und dann schickten wir einen Mann auf den Mond. Heute können wir uns nicht mal mehr einen Slurpee7 an der nächsten Ecke holen, ohne Gefahr zu laufen, von einem Lincoln Navigator8 über den Haufen gefahren zu werden.

Amerikaner haben keine Ahnung, was »Demut« heißt

Amerikaner stellen keine besonderen Ansprüche an Ausbildung oder einschlägige Erfahrungen, wenn sie entscheiden, ob ein Kandidat für einen bestimmten Job qualifiziert ist. Diese Flexibilität leistet uns gute Dienste, wenn es gilt, unsere Arbeitslosenquote relativ niedrig zu halten. Sie hilft auch, freie Stellen schnell wieder zu besetzen und dann ebenso schnell wieder frei zu machen.

In der Politik treiben wir Amerikaner diese Einstellung bis zum Extrem. Tatsächlich glauben wir, für ein politisches Amt seien gerade diejenigen am besten qualifiziert, die die wenigste Erfahrung für ein solches Amt mitbringen. Amerikanische Politiker müssen politisch erfahren genug sein, um zu wissen, dass sie auf keinen Fall politisch erfahren wirken dürfen. Das ist vermutlich der Grund, warum sie immer, wenn ihnen etwas total Erstaunliches zustößt, sagen müssen, sie seien humbled by the experience – durch dieses Erlebnis demütig geworden. »Ich wurde gerade mit fünfundneunzig Prozent der Stimmen wieder ins Amt gewählt. Ihre Unterstützung macht mich demütig.«

Vielleicht versuchen diese Politiker damit nur auszudrücken, dass sie dermaßen wenig Ahnung vom Regieren haben, dass ihnen nicht einmal klar ist, dass es eine positive Sache ist, eine Mehrheit zu bekommen. Oder vielleicht verstehen wir einfach nicht, was diese Worte in unserer eigenen Sprache bedeuten.

Denken Sie an die Kinder!

Amerikaner schätzen ihre Freiheit. Dennoch wollen sie ihre Kinder nicht weiter als in den Vorgarten lassen. Sie schließen sich sogar zusammen, um das Recht von Schulbusfahrern zu verteidigen, den Verkehr in allen Richtungen zu blockieren – und zwar, damit Kids, die bereits alt genug zum Autofahren sind, sicher in die knallgelb lackierten Fahrzeuge einsteigen können. Die fahren dann langsam mit blinkenden Lichtern los, um alle anderen vor der kostbaren Fracht in ihrem Inneren zu warnen.

Dass amerikanische Kids verwöhnt werden, ist eine Untertreibung. Amerikanische Kinder werden zu Weicheiern erzogen und in gefahrfreien Kokons aufgezogen, in denen jedes Kind fürs bloße Mitmachen einen Preis bekommt. Amerikaner haben den Drang, ihren Nachwuchs von negativen Erfahrungen jeglicher Art abzuschirmen, seien sie physischer, psychologischer oder emotionaler Art. Sie dürfen laut Gesetz nicht mal deutsche Überraschungseier geschenkt bekommen – sie könnten ja das Spielzeug verschlucken, das darin versteckt ist.

Warum Amerikaner so laut sind

Es ist kein Geheimnis, dass Amerikaner drei Dezibel lauter sprechen als alle anderen Nationen, was zu der Frage führt: Warum sind die Amerikaner so laut? Nicht-Amerikaner führen unsere kräftigen akustischen Qualitäten auf unsere Überheblichkeit und Unreife zurück. Diese Erklärung vereinfacht jedoch viel zu sehr. Es liegt nur zum Teil an unserer Überheblichkeit.

Ein weiterer Grund ist, dass wir nicht genug Urlaubstage bekommen. Die einzige Zeit, die uns für Auslandsreisen bleibt, sind also der Spring Break, die Frühlingsferien, die Semesterferien und der Ruhestand. So haben wir nur Gelegenheit, Ihr Land zu besuchen, wenn wir unreife, unausstehliche Studenten oder richtig alt sind. Und jeder weiß doch, dass alte Menschen laut sprechen.

Außerdem führen wir die meisten Gespräche über Mikrofone in Drive-throughs – mit Leuten, die uns über das Rauschen der Lautsprecher, das Brummen unser 5,2-Liter-Motoren und das Dröhnen vorbeifahrender Harley-Davidson-Biker verstehen müssen. Kurz gesagt: Wenn wir nicht lernen, laut und deutlich zu sprechen, bekommen wir nichts zu essen.

Die Vereinigten Staaten sind das bei Weitem beste Land der Dritten Welt

Wenn Sie das erste Mal geduldig in der Schlange vor der Kasse im Lebensmittelgeschäft anstehen und beobachten, wie der Mensch vor Ihnen ein Buch mit kleinen rechteckigen Papierblättern aufklappt, etwas auf das oberste Blatt kritzelt, es dann abreißt und der Kassiererin reicht, fragen Sie sich möglicherweise, ob dieser Mensch vielleicht stumm ist und auf diese spezielle Art kommunizieren muss.

Vermutlich ist dies nicht der Fall.

Tatsächlich ist dieses Stück Papier aller Wahrscheinlichkeit nach etwas, das wir hier in Amerika einen check nennen. Manche von uns schleppen immer noch ein ganzes Buch davon herum, das checkbook. Damit können wir Waren in der langsamstmöglichen bekannten Form bezahlen, die die Menschheit je gekannt hat.

Sie fragen sich vielleicht, warum Menschen im 21. Jahrhundert immer noch mit diesen Papierstückchen bezahlen wollen, aber dies ist ein integraler Bestandteil jenes Bankensystems, das die größte Wirtschaftsmacht der Welt beherrscht. Heute kann man sogar einen Scheck von jemand anderem auf sein eigenes Bankkonto einreichen, indem man mit dem Handy die Vorder- und Rückseite fotografiert. Das ist zwar ungefähr so, als würde ein Höhlenmensch Feuer machen, indem er zwei Feuerzeuge aneinanderreibt.

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