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An einem heißen Nachmittag im August

Herausgeber

AN EINEM HEISSEN NACHMITTAG IM AUGUST

 

© Norma Banzi

 

Die Einzelteile des Coverbilds stammen von fotolia.com:

Geschäftsmann: © dashek, Depositphotos

Flammenrahmen: © Misha, Fotolia

 

Gestaltung des Covers: Norma Banzi

 

Edition Banzini

 

Kurvenstraße 25

22043 Hamburg

www.banzini.de

An einem heißen Nachmittag im August

Roderik Smith ertappte sich dabei, wie er leise die Melodie eines Songs mitsummte, der aus dem Lautsprecher des Fahrstuhls erklang. Sofort verstummte er, konnte er doch die Musikuntermalung in Fahrstühlen, die angeblich der Besänftigung der Insassen dienen sollte, nicht ausstehen. Außerdem geziemte es sich nicht für einen Dämon, fröhlich ein Liedchen zu trällern. Aber heute war wirklich ein guter Tag gewesen. Roderik war es gelungen, einen der reichsten Männer Amerikas als Mandanten für seine Rechtsanwaltskanzlei zu gewinnen, den New Yorker Zwergenkönig Sarel Boak. Natürlich tauchte das Vermögen seines Mandanten in keiner menschlichen Statistik auf. Manager- und Wirtschaftsmagazine hatten sich noch niemals mit Sarel befasst, ganz einfach deshalb, weil ihre Redaktionen nicht wussten, dass Sarel überhaupt existierte. Zwerge hielten sich vor den Menschen verborgen. Und wenn sie doch einmal mit ihnen zu tun hatten, gaben sie sich als Kleinwüchsige aus. Sarel regierte sein riesiges Firmenimperium diskret von dem Büro seiner New Yorker Holding aus. Er war keine Person, die im öffentlichen Bewusstein bekannt war, wie beispielsweise Donald Trump oder die Rockefellers.

Natürlich hatte Sarels Holding eine eigene, hochkarätige Rechtsabteilung. Dennoch beauftragte der Zwerg aus taktischen Gründen dann und wann auch größere und mittlere Rechtsanwaltskanzleien. Dass er zu Hoffman, Tucci & Partner gekommen war, lag allein an Roderik. Dämonen waren unter den magischen Wesenheiten dafür bekannt, hervorragende, gewissenlose Rechtsanwälte zu sein. Seit einigen Jahrzehnten eroberten sich die Dämonen zwei Betätigungsfelder, das Finanzwesen und die Juristerei. Roderik hatte beide miteinander verbunden, er war Wirtschaftsjurist. Bei Hoffman, Tucci & Partner war er der einzige Dämon. Seit einem Jahr war er Partner. Noch wurde er nicht namentlich im Firmenlogo und im Briefkopf erwähnt, aber er war der Moneymaker des Unternehmens. Bald würden die Seniorpartner deshalb nicht umhin können, ihn aus dem anonymen Sammelbegriff Partner herauszunehmen und seinen Namen vor das "&" zu setzen, obwohl sie ihn alle nicht ausstehen konnten und sogar ein wenig Angst vor ihm hatten. Selbstverständlich wussten niemand in der Firma, dass Roderik ein Dämon war. Die Aversionen seiner Kollegen auf seine Gegenwart waren eine instinktive Reaktion auf seine dämonische Natur. Roderik war in der Firma die am meisten gehasste Person, und er genoss es.

Am meisten unter ihm litt Maurice Fuller, sein junger Assistent, der gerade erst die Uni abgeschossen hatte. Der junge Absolvent war teilweise ein Elf, wovon er allerdings keine Ahnung hatte. Roderik hatte ihn aus reinem Sadismus aus einer Gruppe von hundert Bewerbern ausgesucht. Wenn Maurice mit seinem Chef in einem Zimmer war, machte sich ständig sein Fluchtreflex bemerkbar. Sein Körper schüttete Adrenalin aus und er wusste nicht, weshalb. Roderik kannte die Antwort. Es waren die ererbten Elfensinne des jungen Mannes, die ihn vor dem Dämon warnten.

Der Fahrstuhl war ziemlich voll, wenn auch nicht so eng besetzt, dass man sich schon quetschen musste. Nach der Vertragsunterschrift in Roderiks Büro hatten er und Sarel beschlossen, zur Feier des Tages Essen zu gehen. Aus einer Laune heraus hatte Roderik seinen Assistenten ebenfalls dazu eingeladen, obwohl er genau spürte, dass Maurice lieber verhungert wäre, als mit ihm Essen zu gehen. Da immer wieder Leute zustiegen, wurde Maurice näher und näher zu Roderik geschoben. Schon standen Schweißperlen auf der Stirn des jungen Mannes.

Oh, wie sehr Roderik die seelische Konfusion seines Assistenten genoss.

Er fing einen amüsierten Blick Sarels auf.

Du bist ein gemeiner Hund, den armen Maurice so zu quälen, vermittelte der Zwerg dem Dämon in Gedanken.

Vielen Dank!, freute sich Roderik. Niemand zwingt ihn, für mich zu arbeiten, er ...

Jäh wurde der Dämon von etwas getroffen, das ihn gegen die Fahrstuhlwand schleuderte. "Bei allen Höllenhunden!", schrie er. Seine mentale Abschirmung wurde von einer mächtigen Welle fortgerissen. In seinen Ohren klingelte es. Sein Herz pumpte rasend schnell. Sein Schwanz stand prall in seiner Hose. Eine Geilheit noch nie erfahrenen Ausmaßes schüttelte seinen Körper. Roderik verlor sich im Rausch, gab sein Ich auf, wurde eins mit dem Universum ...

‚RODERIK!’, drang jemand in sein Paradies ein.

Der Dämon knurrte.

‚R O D E R I K !’

Ein eisernes Band legte sich um Roderiks Seele und holte sie in die Gegenwart zurück. Wütend heulte er auf, wollte um sich schlagen, sich befreien. Doch er konnte sich nicht bewegen.

‚LASS MICH!’

‚Du bist eben von einer Überdosis menschlicher Angst getroffen worden’, vermittelte ihm Sarel.

‚LASS MICH FREI!’

‚Wenn ich dich freilasse, könntest du sterben.’

‚SO SCHNELL STIRBT EIN DÄMON NICHT! DIESER STOFF IST DER REINE WAHNSINN! ICH WILL MEHR DAVON! UND WENN ES MICH TÖTET, STERBE ICH EBEN!’

‚Nix da! Ich habe dich gerade als Anwalt engagiert. Ich lasse nicht zu, dass du dich in Gefahr bringst.’

‚Widerlicher Zwergenabschaum!’

‚Beschimpfe mich ruhig, Roddy.’

Der Dämon tobte noch eine Weile in den unsichtbaren, magischen Fesseln des Zwerges, dann setzte sich seine Vernunft durch. Du kannst mich jetzt wieder loslassen.

Langsam und vorsichtig zog Sarel seine Gedankenausläufer von Roderik zurück, jederzeit darauf bedacht, sofort wieder einzugreifen, sollte sich der Dämon erneut dem Rausch ergeben. Doch dessen Abschirmung hielt.

‚Was ist passiert?’, fragte Roderik.

‚Stromausfall’, antwortete Sarel.

‚Na und?! Ein Stromausfall in diesem Gebäude würde kaum dazu führen, mich mit den Ängsten der Menschen zu überlasten.’

‚In ganz New York’, entgegnete der Zwerg.

‚Wow ...’

Langsam wurde Roderik darauf aufmerksam, wie es den anderen Personen in dem steckengebliebenen Fahrstuhl ging. Es war stockdunkel, was weder den Dämon, der auch im Dunkeln sehen konnte, noch den Zwerg, der sich mittels seiner Zauberkraft einen Überblick verschaffen konnte, störte. Die Menschen redeten wild durcheinander, manche hatten klaustrophobische Attacken, die sie kaum verarbeiten konnten und die sie immer mehr an den Rand der Hysterie brachten. Ausnahmsweise hatte Roderik so etwas wie Mitleid mit ihnen. Er war ja ausreichend gesättigt.

Besonders schlimm stand es um Maurice. Der junge Mann atmete unregelmäßig. Sein Geist war von Panik umnebelt. Aus einer Eingebung heraus zog Roderik ihn in die Arme und flüsterte ihm beruhigende Worte ins Ohr. Der Dämon ertappte sich dabei, dass es ihm zwar Spaß macht, Maurice einzuschüchtern, doch richtig leiden sehen, wollte er ihn nun auch wieder nicht. In seiner Not schmiegte sich der junge Mann an seinen Chef. Roderiks Schwanz, der sich noch in Habacht-Stellung befand, witterte augenblicklich seine Chance und richtete sich wieder zu voller Größe auf. Der Dämon rieb seinen Unterleib an Maurice. Sacht fasste er dem jungen Mann ans Kinn und drückte es zu sich nach oben. Die Lippen der Männer fanden sich zu einem Kuss. Maurice reagierte voller Hingabe.

‚RODERIK!’, brachte Sarel den Dämon wieder zur Besinnung. ‚Nicht hier und jetzt.’

‚Ich muss mich abreagieren.’

‚Später!’

‚Ach was! Ich verschwinde jetzt einfach mit Maurice.’

‚Du kannst vor Zeugen keinen Ortswechsel-Zauber vornehmen.’

‚Es ist dunkel! Niemand hier drin wird es bemerken.’

‚Und wie willst du den Ortswechsel Maurice erklären?’

‚Der ist sowieso halb weggetreten vor Panik.’

‚Also willst du ihn von hier entführen und dann vergewaltigen?’

‚Verdammt, Sarel! Spiel dich nicht als mein Gewissen auf.’

‚Dein Liebesleben geht mich nichts an, aber es geht mich etwas an, wenn du leichtfertig mit unserem Inkognito umgehst.’

‚Schon gut. Mach wenigstens etwas Licht, damit die Menschen sich beruhigen.’

Einige Lichter im Fahrstuhl flammten auf und lieferten ein Minimum an Licht. Sie wirkten wie eine Notbeleuchtung, waren aber magischen Ursprungs.

Die menschlichen Insassen des Lifts klatschten erleichtert in die Hände.

"Kann jemand Mal den Sicherheitsdienst rufen und fragen, wann es weitergeht", rief ein Mann. Ein anderer machte sich am Schaltbrett zu schaffen und drückte den Knopf an der Sprechanlage. Nichts passierte.

Noch immer lag Maurice in den Armen des Dämons. Der junge Mann hatte sich einigermaßen beruhigt. Schweiß rann in Strömen sein Rückrad entlang. Obwohl ihm furchtbar heiß war, dachte er gar nicht daran, sich von Roderik zu lösen. So unheimlich sein Chef sonst auch wirkte, im Augenblick schien dieser ein Bollwerk gegen Angst und Schrecken zu sein.

Und auch Roderik tat von sich aus nichts, um Maurice freizugeben. Der Dämon beanspruchte ihn als Besitz, als seine Beute, ... als willige Beute. Sanft küsste er Maurice` Scheitel. Die irritierten Blicke seiner menschlichen Schicksalsgenossen ignorierte Roderik. Sollten diese sterblichen Würmer doch denken, was sie wollten.

Während die Menschen noch ratlos diskutierten, was geschehen war, fragte Roderik den Zwerg heimlich auf der telepathischen Ebene: ‚Wo befinden wir uns gerade?’

‚Genau zwischen der fünfzehnten und der vierzehnten Etage.’

‚Dann schieb den Lift noch etwas weiter nach unten, damit wir aussteigen können.’

‚Das merken die Menschen doch’, wandte Sarel ein.

‚Nicht, wenn du es langsam genug machst. Noch weiß niemand, an welcher Stelle des Fahrstuhlschachts wir uns befinden. Weshalb könnte dieser Lift nicht einfach zufällig genau im vierzehnten Stock angehalten haben, als der Strom ausgefallen ist?!’

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