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An diesem Sonntagmorgen

Geschichten beginnen immer mittendrin.
Man muss lange nach dem Anfang
suchen
um ihr Ende zu begreifen.

Sigrid Lichtenberger

Ich gehöre zu denen,
die zumindest so vernünftig sind,
das Gefühl der Dankbarkeit
abschütteln zu können.

Andrej Scszypiorski

An einem Sonntagmorgen erhebt sich Gebhard gegen seine Gewohnheit rasch von seinem Stuhl am Frühstückstisch, verhält einen Augenblick, streckt sich noch ein bisschen gerader als sonst, murmelt „Ich gehe jetzt“ und verlässt das Haus. Seine Frau starrt die Tür an, die er zugeschlagen hat, kommt nicht zu einem Wort.

Gleich darauf öffnet er die Tür noch einmal, streckt seinen Kopf durch die Öffnung und sagt etwas, was sie erstarren lässt. „Berta“, sagt er, „ich gehe zu Berta. Du weißt, es steht sogar in der Zeitung.“

Damit schlägt er die Tür zum zweiten Mal hinter sich zu und geht aus dem Haus. Anna hat ihn nicht aufgehalten, hat nicht mit schriller Stimme wie Berta hinter ihm hergerufen: Wann kommst du denn zurück? Ich muss das wissen. Anna hat nicht nachgefragt, schließlich war sie es ja, die ihm jahrelang in den Ohren gelegen hatte, zu ihr zu gehen; nun aber sieht sie nur zu, wie er geht, ohne eine Blume, diese Blumen für die Toten und Lebenden, die kriechen aus der Erde und schmücken Gräber und Frühstückstische, und manch einer drückt einem anderen eine Rose in die Hand, damit dieser sich steche. Anna hat ihm keine Blumen empfohlen, zur Versöhnung wie geschaffen, hat sie nicht gesagt. Er kennt diese Mätzchen, es gibt da Vorschriften, wie man sich einem Menschen nähert, den man verletzt hat, man bringt Blumen und grinst dazu, alles sei doch nicht so schlimm gewesen und was war denn überhaupt. Eigentlich sind wir beide doch liebe nette Menschen, wir können Zeugen anführen, wie freundlich und beliebt wir sind, sogar hilfsbereit, wenn’s sein soll, nur einander wollen wir die Augen auskratzen, da könnten wir Steine werfen, Felsbrocken, natürlich nur zu unserer Verteidigung, wer will denn den Frieden zerstören durch Steinwürfe, nur zur Abwehr, weil jeder fürchtet, vom anderen getroffen zu werden. Wie kommst du darauf? Ich wollte nur dein Bestes, du solltest es gut haben, und du solltest ein ordentlicher Mensch werden.

Was ist ein ordentlicher Mensch? Das muss eines Tages auf dem Lohnstreifen stehen, und das muss eines Tages an der Mustermöbelwohnung ablesbar sein, dazu sollte die Frau sich herausputzen, nicht übertrieben oder gar sexy, aber sie sollte guten Geschmack beweisen. Mit Kindern sei vorsichtig, niemand weiß, was er sich da einkauft, gerade wenn er sie selbst erzeugt. Das hat Berta immer durchblicken lassen, wenn sie mit ihrem eigenen Erziehungsprodukt nicht sonderlich zufrieden war, was aber zunächst nicht allzu häufig vorkam. Er läuft also. Er hätte nie gedacht, dass er heute zu Berta gehen würde. Noch vor ein paar Minuten wäre es ihm unmöglich erschienen, Berta aufsuchen zu wollen. Wenn Anna ihn dazu aufgefordert hätte, würde er Ausflüchte gebraucht haben. Vielleicht nicht mal das. Knallhart hätte er abgewehrt. Mit Berta bin ich fertig. Berta ist für mich gestorben.

Die Turnschuhe biegen sich auf dem Parkweg, sanft vorangetragen zum großen Schlag. Welcher Schreck, wenn er plötzlich vor ihr stehen wird. Ohne diese verordneten Rosen, vor ihr an der Wohnungstür, die sie erwartungsvoll öffnet, weil ja nun der Bürgermeister persönlich erscheinen wird, bei diesem Geburtstag. 80! Großartig, diese Leistung des Überlebens bis ins hohe Alter, wer schafft das schon, sich so abzuschotten, dass ihn nichts umwirft, dass er 80 werden kann in Ehren und grauhaarig. Aber davon ist nichts zu sehen. Auch ist die Ehre nicht näher definiert, und das spärliche Grau der Haare hat Berta überdeckt. Mit dunklem Haarflor steht sie an der Tür, jung gehalten, um die würdigen Leute der Stadt zu empfangen, auch der Herr Pfarrer wird kommen, schließlich hat sie ihre Sünden immer zur Kirche getragen, alles konnte da untergebracht werden, auf diesen schmalen Holzbänken ein Halleluja, schon gehörte sie zu den Etablierten, zu den Bevorzugten, die im Himmelreich ein Plätzchen erwartet. Auf einer Wolke oder im Schoß dieses Abraham. Der hatte auch kein Opfer scheuen wollen, hätte den eigenen Sohn, mit dem Messer, wie es ihm befohlen war, ordentlich und gehorsam, das war Pflicht des Menschen, auch wenn er nicht verstand, woher die Befehle kamen und warum sie so viel Vernichtung zur Folge hatten. Schließlich war dieses Kind, der Isaak, dem Abraham noch als ersehntes Geschenk im hohen Alter von Gott in Saras Schoß gelegt worden. So viel weiß Gebhard vom Kindergottesdienst. All diese Geschichten hängen ihm scheinbar unaustilgbar noch im Kopf rum.

Berta hatte ihr Kind nicht erbeten, sondern erlitten. Gebhard schreitet kräftig aus, er ist höchstwahrscheinlich das Produkt eines kurzen Gefühlsüberschwangs, aber zugleich einer Gedankenlosigkeit, keines Wunsches. Da war er sich ganz sicher. Aber was soll’s. Es gibt ihn nun mal, er hat dieses Leben bekommen, und er will die Herausforderung nicht ablehnen, sondern annehmen.

Er durchschreitet Beete, überquert Grasflächen, als müsse er den kürzesten Weg wählen, sumpfig quatscht es unter seinen Schuhen, die sich mit Wasser durchziehen. Wie kommst du denn hier an, wird Berta schreien, sie wird es sofort bemerken. Zieh sofort die Schuhe aus, ehe du hereinkommst. Mein Teppichboden wird verschmutzt werden, und das gerade heute, wo die Leute von der Stadt kommen und andere Festgäste. Nein, sie wird ihn nicht einlassen mit solchen schmutzigen, wassertriefenden Schuhen.

Turnschuhe schon überhaupt, zum 80. mit Turnschuhen! Das hätten wir uns mal früher erlauben sollen, da wurden Lederschuhe gewienert, verwildert bist du, ich habe es ja immer gesagt, es wird nichts aus dir.

Er überquert weiter Wiesenflächen, er ist gern durch Parks gestrolcht, als er Kind war. Nur Berta durfte das nicht wissen. Jemand hatte ihm ein Vogelbuch geschenkt, ein Mann aus dem Haus, in dem sie wohnten, es war ihm beim Aufräumen lästig vorgekommen, aber so ein Junge, hat er sich gedacht, der kann ruhig mal da reingucken und was lernen, treiben sonst doch nur dummes Zeug.

Gebhard lief, so oft er konnte, durch den Park, schob sich ins dichte Buschwerk, suchte die abgebildeten Vögel. Schon vor dem Schulunterricht lief er mit dem Buch in der Hand einen Umweg. Spatzen waren die einzigen Vögel, die er kannte, diese frechen Spatzen, hatte seine Mutter oft tadelnd gesagt, die waren auch gar nicht erst in dem Buch abgebildet, als gehöre dieses lärmende Volk nicht in ein ordentliches Buch. Obwohl sie so hübsche Muster in brauner Färbung mit ihren Federn bildeten. Bunte Vögel waren in dem Buch abgebildet, mit schwarzem Latz, mit roter Kehle, mit blauen Flecken, langen Schwanzfedern, dicken Schnäbeln und schlanken. Die Mutter lachte über ihn, das Buch ist doch nicht zum Vögelsuchen, sondern zum Bestimmen.

Seine nächste Idee war, dass er einen kranken Vogel finden könnte, er hatte mal so etwas gelesen, manchmal wird doch einer aus dem Nest gedrängt, der noch nicht fliegen kann und den die Katze ganz leicht erwischen wird.

Bring mir bloß nicht so einen Vogel ins Haus!, rief die Mutter angstvoll, als ob er einen Löwen einfangen wollte.

Schon so ein winziges Tier hätte die Ordnung und die Erziehung stören können, die Berta sich in den Kopf gesetzt hatte.

Endlich verlässt er die Wiese, der Fußweg führt jetzt in seine Richtung, auch der quatschig nass von einem nächtlichen Regen, aber die feste Straße lässt nicht lange auf sich warten. Asphalt, der für Autos geschaffen ist. Warum nur läuft er in aller Herrgottsfrühe hier umher, oder was ist das für eine Frühe, in der kein Hahn kräht, auch nach ihm kräht kein Hahn, wenn nicht Anna wäre, wer wüsste, dass er läuft und dass ihm schaudert. 80 ist sie geworden, er wird auf ihrer Fußmatte stehen und gratulieren. Er wird ihr ins Gesicht niesen, wenn er mit diesen nassen Füßen weitergeht, er wird alles falsch machen, weil er alles nicht will, was er alles macht. Noch nie hat er so gegen sich selbst gehandelt.

Ist denn die 80 wichtig? War es ein Verdienst, so alt zu werden? War es so ehrenwert, dass sie sich gepflegt und diszipliniert hat, nicht getrunken, nicht geraucht, Aufregung möglichst aus dem Weg ging, überhaupt allen Problemen, vor allem denen der anderen. Hatte das nicht auch der Arzt empfohlen? Wegschieben, was ihren Frieden stören könnte.

Wie, der Junge ist weg? Erst ein Schmerz. Tränen. Ganze Bäche von Tränen, dann die Kaffeestunden mit den Bekannten, die nun kein Anruf mehr stören kann, keine Klingel an der Haustür. Und da steht er und sagt, was macht ihr denn? Kaffeekränzchen mitten am Tag. Ist wenigstens noch Kuchen da? Der Tisch ist vorbildlich gedeckt. Die beige Decke noch mit einer quadratischen mit Blümchen geschmückt. Stickerei aus China. Oder von der Großmutter? Papierservietten passend zum Rosengeschirr.

Und nun beginnen die Frauen zu fragen. Alles nette Menschen, die ihm ihr Interesse entgegenbringen, statt weiter von sich zu plaudern. Sie werden fragen, was und wo er arbeitet und für wie viel, natürlich für wie viel, das fragen sie nicht, das ist nicht üblich.

Sie rechnen in ihren Köpfen, ob das reicht, Zeitungsartikel schreiben als freier Mitarbeiter. Nur erst mal als Übergang. Vor allem schreibt er aber an einem Roman. Er will sich an einem Wettbewerb beteiligen. Es geht um ein Stipendium. Davon würde er erstmal leben können.

Für was für ein Leben muss das verdiente Geld denn reichen? Niemand hat ihn aufgeklärt, wofür dieses Leben, dieses Schischeileben denn eigentlich vorhanden ist, was er damit soll. Und er selbst, er hat es auch noch immer nicht herausgefunden. Auch Berta wird es immer noch nicht rausgefunden haben, die hat seine Fragen sowieso nie verstanden. Sieh zu, dass du zurechtkommst, das allein ist wichtig, hat sie ihm auf seine Fragen geantwortet. Und manchmal schien es ihm, als ob sie Recht hatte. Er läuft immer weiter, er läuft, weil er nun mal losgezogen ist, und so ist er sein ganzes Leben bis hierher gelaufen. Sozusagen von Geburt an. Heute ist der besondere Grund, dass Berta 80 wird, und ihre Bekannten und die Stadt, bei der sie in treuen Diensten stand, werden ihr gratulieren. Da muss er schließlich auch hin.

Natürlich musste er nicht erst in der Zeitung lesen, dass sie heute 80 wird. Aber er hat dieses Wissen nicht wissen wollen, auch er kann etwas wegdenken, auf Wunsch leere Flächen im Gehirn erzeugen, Erinnerungen auslöschen.

Aber nun hat er in die Zeitung gesehen, und die hat es ihm in die Augen gezwungen. Anna hatte die Zeile angestrichen und ihm zugeschoben. Anna spielte ihre Rolle perfekt. Die ist nicht zu durchschauen, und deshalb weiß er nie, ob er ihr dankbar sein oder sich über sie ärgern soll. Sie macht alles falsch, damit es richtig bei ihm ankommt, und sie macht alles richtig, so richtig, dass er sich immer im falschen Moment ärgert, und da lacht sie drüber, weil die Gründe alle schon verraucht sind.

Er sollte endlich umkehren und diesen Park noch einmal in der anderen Richtung durchwaten, er sollte zu Hause trockene Schuhe anziehen und das Auto nehmen, um zu einer guten Zeit bei Berta anzukommen, ehe die offiziellen Gäste bei ihr klingeln. Aber Gebhard dreht sich nicht um, er denkt, er wolle sich umdrehen, aber die Füße tun’s nicht, er geht weiter.

Im Park treten allmählich immer mehr Fußgänger auf, als ob sie Rollen zu zweit erproben, als ob zwei Leute nichts anderes zu tun haben, als an einem Sonntagmorgen gemeinsam mit ihren Körpern den Park zu durchpflügen. Mit denen hat er nun wirklich nichts zu tun. Er sollte hier verschwinden.

Eine Frau bewegt sich über die Straße, die an einer Seite bebaut ist, an der anderen Seite am Park entlang führt. Ihr Schritt ist sicher, aber nicht fest. Sie trägt einen leichten Anorak in lichtgrauer Farbe, geschnürte Schuhe, manchmal verharrt sie, als wisse sie nicht weiter.

Sie wirkt in sich gekehrt. Es scheint, als müsse sie beim Anhalten immer erst ihre Außenantenne ausfahren, um wahrzunehmen, in welcher Gegenwart sie sich befindet.

Beim Weitergehen schwingen ihre Arme leicht neben ihr vor und zurück, ihre Hände öffnen sich, schließen sich, spreizen sich. Vielleicht hat sie einen Verlust erlitten, ist ihr etwas entglitten, was ihr wichtig war.

Einzelne Menschen gehen achtlos an ihr vorüber.

Vorüber. Das scheint über ihrem Leben zu stehen. Sie ist vielleicht siebzig Jahre alt, vielleicht älter oder nur vorzeitig gealtert. Nichts Zielstrebiges weist in ihrer Haltung auf Willenskraft hin.

Sie hat verloren. Vielleicht ist sie nicht gescheitert mit ihrem Leben, aber Verluste sprechen aus jeder Pore ihres Gesichtes. Sie geht, hebt den Blick von den Pflastersteinen. Da drüben stapft jemand über die quatschnasse Wiese des Parks, statt den Weg zu benutzen. Das Gras wird dauerhaft leiden unter den kräftigen Schritten. Doch was geht’s sie an. Es ist ja nicht ihr Sohn.

Ihr Sohn? Als der noch klein war, hat sie ihn jeden Tag pünktlich zur Schule geschickt, ihn jeden Tag ganz bewusst mit einer leichten Berührung am Arm entlassen, er sollte ein Stück Wärme mitnehmen in die kalte Welt, aber er hatte es eilig. Immer reißt der Alltag seinen Rachen auf und verschlingt die kleinsten Nuancen von Menschlichkeit.

Die Frau beschleunigt jetzt ihre Schritte, biegt in die Einkaufsstraße ein. Eine Ampel hält sie an. Sie wirft einen kurzen Blick auf Stiefmütterchen, überquert die Straße. Sie schaut in die Gesichter, die ihr entgegenkommen. Sind sie wirklich leer und gleichgültig, wie man oft behauptet? Jemand hält ihr lächelnd die Glastür zum Bäckerladen auf.

Jetzt betritt Gebhard die Asphaltstraße, die am Park entlang führt. Die ist natürlich viel angenehmer als die klitschige Wiese, die seine Schritte einsaugen wollte. Die Straße quietscht nicht und beult sich nicht, sondern lässt seine Schuhe in Frieden, vielleicht trocknen sie sogar unter ihrem guten Einfluss. Die Glocken läuten plötzlich in die Luft hinein. Als gehöre ihnen die Stille. Da könnte jeder kommen und seine Töne rauslassen, nein jeder nicht, die Glocke hat Gewohnheitsrecht, Glocken läuten, seitdem er denken kann, hören kann, früher musste er dann sonntags losziehen, geh hin, du wirst sehen, du musst zur Kirche gehen, damit du ein ordentlicher Mensch wirst, höre dem Pfarrer zu, der hat studiert, befolge, was er sagt, ich kann dir das alles nicht so erklären.

Aber er hat nicht hingehört, und so ist er wohl auch nicht ordentlich geworden, was die monatlichen Gehaltszettel anbelangt, da hat er nicht viel vorzuweisen, und Kinder tummeln sich auch nicht auf seinem Schoß, ihm ist da nichts entsprossen, vielleicht dieser Hass, dieses absolute Misstrauen, dass die Gebärenden ihre Kinder fressen, mit Riesenmäulern schützen sie erst ihre Leiber, er hat das im Aquarium beobachtet, wenn Gefahr kommt, nehmen die alten die kleinen Fische ins Maul, später aber, wie ist das später.

Da berufen sich die Alten auf die Gebote. Weil Gott nicht mehr im Regiment sitzt und sich nichts von allein regelt, zitieren sie immer wieder: Kinder sind verpflichtet, die Alten zu lieben. Liebet eure Eltern wie euch selbst. Oder wie das heißt. Nein, da bringt er wohl was durcheinander.

Ins Heim, du kommst ins Heim, hat sie früher gesagt, wenn er nicht funktionierte nach den Regeln der allgemeinen Norm, als er klein war und noch nicht kapiert hatte, wie groß die Gewalt der Älteren, auch untereinander, ist. Sie hatte ihm ihre ehelose Lage dargestellt, und er hatte es als ihr Unglück empfinden müssen, unverschuldet hineingeraten, in was konnte man alles geraten, man konnte heimatlos werden, elternlos, besitzlos, besinnungslos, man konnte zu große Ohren haben und zu kurze Beine, man konnte ins Heim geschickt werden, wenn man sich nicht geschickt benahm, einmal hatte er einen Apfel geklaut. Da war bei Berta die Hölle los.

Er kannte keine Heime und kein Daheim. Sie wohnten in zufälligen Wohnungen, in denen man sich manierlich aufführen musste und höflich natürlich und keinen Krach machen, nicht immerzu hüpfen und schreien, als ob das Leben ein großer Spaß sei, nicht einfach Lebensübermut aust oben. Wo sollte er denn hin mit seinen Kräften und Gefühlen? Keine Wiese bot seinen Beinen Bewegung an, die durfte man dazumal nicht betreten, er musste möglichst Hand-in-Hand-Gehen mit Berta, mach dich nicht schmutzig, pass auf, dass du nicht fällst, wie lästig, wenn wir zum Arzt müssen, du stiehlst mir die Zeit, die ich zum Saubermachen brauche, einer ehelosen Mutter sieht man nichts nach, die nimmt man kritisch unter die Lupe, ob sie auch in der Lage ist, ein Kind ordentlich in einem ordentlichen Haushalt zu erziehen.

Erzogen wurde er von Berta, unentwegt erzogen, deshalb geht er jetzt auf dem Bürgersteig und nicht mitten auf der Straße, obwohl er Lust dazu hat und das an diesem autoleeren Sonntag ohne Gefahr wäre, aber die Lüste die Lust, da muss man sich schon beherrschen, er entwickelte seltsame Gedanken um Lust und Heime und Höflichkeit. Immer wieder gab es einen Ärger, wenn er den Leuten, die ihn im Haus ansprachen, wie alt er denn sei und wie er denn heiße, zum soundsovielten Mal, wie er denn heiße, die Antworten, die sie doch längst wussten, wie er wusste, ein wenig zu laut ins Gesicht blies.

Ist der Junge aber ungebärdig, warfen sie Berta vor. Und jetzt stellt der Junge auch noch selbst Fragen. Wo die Frösche wohnen. Kinder haben keine Fragen zu stellen, wenn Erwachsene miteinander reden, und noch dazu immer die gleichen Fragen, das ist ungehörig. Also höre, was gehörig ist. Frag nicht dummes Zeug, die Leute fühlen sich veralbert. Antworte lieber ordentlich.

Mit dem Opa drüben war das anders gewesen.

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