Logo weiterlesen.de
Amrum, Kerle, Liebe 1

Amrum, Kerle, Liebe 1

 

Sämtliche Personen, Orte und Begebenheiten sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig.

 

Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Covermodels aus.

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.

 

 

Ebooks sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin und erwerben eine legale Kopie. Danke!

 

 

 

Text: Sissi Kaiserlos

Foto von shutterstock

Covergestaltung: Lars Rogmann


Amrum – eine Perle der Nordsee


Eine Insel in der Nordsee. Wir waren schon oft dort, in einer kleinen Pension, die unweit der ‚Blauen Maus‘ in einer Nebenstraße liegt. Tante Elvira, die dort ein eisernes Regiment führt, ist älter geworden, ihr Mann auch.

Ihre Stammgäste haben inzwischen fast alle Kinder, die sich dem Schulalter nähern. Daher kommen diese nicht mehr so oft, aber dafür andere, liebenswerte Seelen. Es sind gerade die Männer, die auf Männer stehen, die es Elvira inzwischen besonders angetan haben. Allen voran natürlich Lars und Hannes, das sogenannte ‚Urpärchen‘, das den Stein ins Rollen gebracht hat. Diese beiden sind auch der Grund dafür, dass immer öfter alleinstehende Männer gerade in dieser Pension einkehren.

Wir gucken nach Amrum und sehen zwei einsame Kerle ankommen. Der eine heißt Lutz und hat vor, sich richtig zu erholen. Der andere ist Roman, der hofft, hier richtig die Sau rauslassen zu können. Was passiert, wenn zwei so unterschiedliche Wünsche aufeinanderprallen? Vor allem dann, wenn Lutz auf Kerle steht und Roman eine Frau nach der anderen aufreißt? Hm, wir werden sehen, und niemand ist echt überrascht, als Roman...seine schwule Seite entdeckt. Oder?

Lutz ist schwul

 

Ich beschatte die Augen mit einer Hand, um über die gleißende Meeresoberfläche blicken zu können. Die Sonnenstrahlen blenden von oben und unten. Es sieht einfach phantastisch aus. Möwen kreischen und üben den Sturzflug, um die Brocken, die ein paar der Passagiere ihnen zuwerfen, fangen zu können. Ich beobachte das Ganze und fühle eine tiefe Zufriedenheit in mir. Diese endlose Weite macht auch mein Herz ganz weit. Ich liebe es, bis zum Horizont schauen zu können.

 

Mein Name ist Lutz Schlachtermann, ich bin zurzeit Referendar an der Ludwig-Frahm-Grundschule in Hamburg. Bis zur vierten Klasse sind die lieben Kleinen noch zu ertragen, trotzdem ist es anstrengend zu unterrichten. Manchmal fühle ich mich, als würde ich ein Theaterstück vor unzufriedenem Publikum aufführen. Der Urlaub auf Amrum soll meine Batterien neu aufladen und mir Kraft geben, um den Alltag bis zu den Herbstferien überstehen zu können.

 

Außer mir sind nur Familien und Paare an Bord, so scheint es mir jedenfalls. Ich fühle mich dadurch schon ein wenig einsam, doch daran bin ich schon lange gewöhnt. Als Mann, der nicht auf Frauen steht, ist man eben Außenseiter. Ich propagiere mein Schwulsein nicht offen, verberge es aber auch nicht. Wer mich fragt, bekommt offene Antworten. Gut, nicht zu allem, aber ich versuche stets so ehrlich wie möglich die Neugierde Fremder zu befriedigen.

 

Am Horizont kristallisiert sich langsam die Silhouette von Amrum aus dem Dunst. Ich bin das erste Mal hier und gucke gespannt hin. Ein Strich, auf dem sich ein Streichholz erhebt, sicher der Leuchtturm. Das flirrende Licht macht es schwer, Genaueres zu erkennen. Ich beuge mich über das Geländer und zucke erschrocken zusammen, als neben mir überraschend eine kratzige Stimme ertönt.

„Hey, Süßer. Das erste Mal für dich?“

Ich drehe den Kopf und entdecke eine vollbusige Blondine, die sich kaugummikauend neben mir gegen das Geländer lehnt. Sie blinzelt mich unter langen Wimpern hervor an, eindeutig ein Flirtversuch.

„Ja, ich war noch nie hier“, antworte ich steif.

„Hm … kaum zu glauben. Obwohl … du wärest mir sicher aufgefallen.“ Blondie grinst und mustert mich abschätzend.

Was sie sieht, rechtfertigt – nach meiner Meinung – ihre Aussage nicht. Ich bin klein, nur eins siebenundsiebzig und unscheinbar. Meine Haare sind weder blond noch braun und ständig unordentlich und meine Augen ein wässriges Blau. Außerdem bin ich kein Muskelprotz, da ich mit meinem Kopf arbeite. Was also – bitteschön! – sieht diese Frau in mir?

„Ich finde dich sehr sexy“, sagt das Busenwunder.

Ich riskiere einen Blick in ihr Dekolleté, das sie mir offenherzig entgegenstreckt. Doppel-D lässt grüßen, nichts für mich. Mir schaudert leicht, trotz der warmen Luft.

„Danke“, murmele ich verlegen.

„Echt jetzt.“ Sie macht eine Blase mit dem Kaugummi, rosarot, und lacht, als sie platzt.

„Sehr schmeichelhaft. Du bist auch … sehr … äh…“ Ich überlege, was ich als Kompliment anbieten kann. „…hübsch.“

„Wow!“ Blondchen kichert. „Anscheinend bist du ganz schön verklemmt oder … sag mal, stehst du vielleicht nicht auf Frauen?“

Die Dame ist sehr selbstsicher. Normalerweise müsste sie sich fragen, warum ich gerade auf sie nicht stehe, aber offensichtlich kommt ihr das gar nicht in den Sinn.

„Wenn du mich so fragst: nein. Ich steh auf Männer“, gebe ich zu.

„Schade.“ Sie mustert mich kauend und grinst dann breit. „Ein Verlust für die Damenwelt.“

„Ich sehe das nicht so“, erwidere ich steif.

„Ach komm!“ Blondie schlägt mir kumpelhaft auf den Rücken. „Ich finde dich in Ordnung. Wo wohnst du denn auf Amrum?“

Mit schiefgelegtem Kopf guckt sie mich neugierig an.

„In so einer kleinen Pension in Wittdün. Soll nicht weit von dieser Kneipe sein.“

„Ah, bei Tante Elvira“, ruft Doppel-D laut und lacht kehlig. „War ja klar.“

„Wieso?“ Ich wende mich ihr jetzt ganz zu.

Die Blondine steckt in hautengen Jeans. Ihr Oberteil verdient den Namen kaum, dafür ist es zu klein. Es verdeckt nur das Notwendigste. Was das ist? Nun, es ist eine Art Schal, der links und rechts über ihre Brüste läuft, mehr nicht.

„Tante Elvira ist bekannt dafür, nur die schärfsten Hengste zu beherbergen“, klärt sie mich auf.

„Witzig. Dann bin ich wohl ein Fehlgriff“, sage ich mit einem unfrohen Lächeln.

„Oh Mann, du musst mal lockerer werden.“ Blondie blinzelt und dreht sich um. Über die Schulter ruft sie ein ‚man sieht sich auf der Insel‘, dann verschwindet sie zwischen den anderen Passagieren.

Ich atme auf und wende mich wieder der Aussicht zu. Amrum ist inzwischen deutlich zu erkennen. Ich betrachte die grösser werdenden Häuser und sauge die frische Luft tief in meine Lunge. Urlaub, zwei Wochen Zeit zum Lesen und ausspannen. Spazierengehen, gut essen und einfach mal die Seele baumeln lassen.

 

Mit dem Bus fahre ich vom Anleger bis zur ‚Blauen Maus‘, wo ich anhand der Anfahrtsskizze schnell den richtigen Weg finde. Meinen Koffer hinter mir herziehend, laufe ich durch eine kleine Seitenstraße gleich hinter der Kneipe und atme den Kiefernduft ein. Nach wenigen Metern biege ich links ab und finde mich vor der Pension wieder. Ein langgestrecktes Gebäude im Friesenstil, wahrscheinlich schon fast hundert Jahre alt, liegt vor mir. Der Garten wirkt gewollt verwildert. In den Beeten vor dem Haus blüht eine Vielfalt bunter Blumen, Bäume beschatten die Fenster. Ich entdecke einen Strandkorb, den ich mir gleich als Platz für nächtliche Sternbetrachtungen vormerke.

Langsam laufe ich auf die Haustür, die aufgestoßen wird bevor ich sie erreicht habe, zu. Eine kleine Frau mit grauen Löckchen und einem strahlenden Lächeln erscheint und wischt sich die Hände an ihrer Schürze ab.

„Lutz Schlachtermann?“, ruft sie mir entgegen.

„Ja, der bin ich.“ Ich lächle die Dame an, ich kann gar nicht anders.

„Willkommen.“ Ich werde an einen mütterlichen Busen gedrückt und gleich darauf in einen dämmrigen Flur geschoben. „Ich bin Elvira. Dein Zimmer ist oben, geh schon mal die Treppe rauf, ich komm gleich nach.“

Die Begrüßung irritiert mich etwas, aber sie gefällt mir. Mein Freund Lars hat mir diese Pension ausdrücklich empfohlen. Ich weiß um die Dinge, die sich hier in der Vergangenheit abgespielt haben. Paare haben sich hier gefunden, auch Lars hat hier seine große Liebe entdeckt. Ob ich auch darauf aus bin? Klar, ich habe Hoffnung, aber natürlich ist es Unsinn, diese an einem Gebäude festzumachen.

Langsam steige ich die Stufen hinauf und bleibe in einem langen Gang stehen. Hier gibt es nur ein Fenster, das spärliches Licht hereinlässt.

„So!“ Elvira erscheint schnaufend hinter mir und öffnet eine Tür zu meiner Rechten. „Das ist dein Zimmer. Abendessen um sechs, Frühstück zwischen acht und zehn. Ich bin in der Küche, immer der Nase nach, wenn du Fragen hast.“

Die kleine Frau streicht mir sanft über den Arm, blinzelt und geht zurück zur Treppe. Dort bleibt sie stehen und überlegt kurz.

„Die Haustür ist immer offen“, sagt sie und lächelt mich an. „Ob du dein Zimmer abschließt bleibt dir überlassen, der Schlüssel steckt. Wir sind hier nicht ängstlich. Geklaut wird auch selten.“

„Okay, danke.“ Ich gucke zu, wie sie vorsichtig die Treppe hinabgeht.

Sie muss wohl fast siebzig sein, dem Grau ihrer Haare und den vielen Falten nach zu urteilen. Dennoch hat sie eine erfrischende Art, die sie jünger wirken lässt. Ich rolle den Koffer in das Zimmer und gucke mich um.

Rosen. Das ist das erste, was mich fast erschlägt. Beim zweiten Blick wird es besser. Ein breites Bett, ein Stuhl, ein Schreibtisch. An der Wand hängt ein großer Spiegel, daneben steht ein Schrank. Eine Tür gleich hinten neben dem Fenster scheint ins Bad zu führen. Ich schaue mich um, packe dann meinen Koffer aus und werfe einen Blick aus dem Fenster. Der Garten und die Straße sind von hier aus gut zu sehen. Ich habe noch eine halbe Stunde bis zum Abendessen und setze mich auf den Stuhl, um in Ruhe den Ausblick zu genießen.

 

Das Geräusch eines sich nähernden Motorrades höre ich schon von weitem. Das Dröhnen der schweren Maschine zerreißt die Stille und gleich darauf sehe ich, wie ein schwarzgekleideter Kerl das Ungetüm vor dem Grundstück abbremst. Unvermittelt erstirbt der Lärm, der Mann schwingt sich vom Sattel. Ein typischer Biker in Lederkluft, mit Sonnenbrille und Vollbart, beugt sich über die Maschine und löst die Satteltaschen. Er schultert sie und kommt mit federndem Gang auf das Haus zu. Ich zucke zurück, als er den Kopf hebt und die Front mustert. Ob er mich sehen kann?

Vorsichtig linse ich durch die Scheibe, aber der Kerl ist inzwischen wohl schon im Haus. Ich höre schwere Schritte auf der Treppe, dann Elviras helle Stimme. Zum Glück sind die Wände nicht so dünn, dass ich einzelne Worte verstehen kann. Eine Tür klappt, Stufen knarren, dann herrscht wieder Ruhe.

 

Was für ein Typ, sicher ein Rocker. Ich muss grinsen bei dem Gedanken. Wie ein Hells Angel sieht er nun nicht aus, aber ganz schön verwegen. Sinnend betrachte ich das Motorrad und stelle mir vor, wie sich das Ding zwischen meinen Schenkeln anfühlen würde. Ich habe einen Führerschein für Zweiräder, mich bisher aber nur auf kleinere Maschinen gewagt. Dieses Ding dort draußen reizt mich irgendwie.

 

Um Punkt sechs Uhr verlasse ich mein Zimmer und laufe hinunter in den Flur. Der Nase nach orientiere ich mich nach links, wo ich nach wenigen Metern die Küche finde. Elvira steht am Herd, auf der Eckbank sitzt ein wettergegerbter Kerl, der eine kalte Pfeife im Mundwinkel hängen hat.

„Ah, Lutz!“, ruft meine Wirtin, dreht sich um und mustert mich lächelnd. „Bringst du bitte die Teller in die gute Stube?“

„Moin“, grüße ich den Mann, der mit einem stummen Kopfnicken antwortet, nehme den Stapel Geschirr hoch und folge Elvira durch den Flur.

Sie öffnet eine Tür und stellt die Terrine, die sie vor sich hergetragen hat, auf einen großen Esstisch. Auch hier dominieren Rosen den Raum. Ich verteile die Teller, vier an der Zahl und helfe, Besteck und Gläser herbeizuschaffen. Währenddessen taucht ein älteres Ehepaar auf, das sich mir als Fritz und Wilma vorstellt. Als letztes erscheint der Motorradfahrer, jetzt in Jeans und weißem T-Shirt.

„Hey, ich bin Roman“, sagt er in die Runde und setzt sich an den Tisch.

Aus der Nähe sieht er noch verwegener aus, als ich mir vorgestellt habe. Seine Augen sind sehr dunkel und die Haare reichen ihm bis zu den Schultern. Immer wieder streicht er sie mit einer coolen Geste aus dem Gesicht. Es wirkt einstudiert. Der Vollbart ist sorgfältig getrimmt, sodass ich seine Lippen gut sehen kann. Ein schöner Mund. Überhaupt ist der Kerl wahnsinnig attraktiv. Seine gerade Nase und die schmalen Wangen wirken fast aristokratisch, aber ich gerate hier ins Schwärmen und sollte mich lieber dem Essen widmen.

 

„Sie wollen sicher in die ‚Blaue Maus‘ heute Nacht?“, nimmt Fritz das Gespräch auf.

„Klar. Oder gibt es hier sonst eine Kneipe, wo ich Kontakt mit dem zarten Geschlecht aufnehmen kann?“ Roman grinst.

„Das weiß ich nicht. Ich und meine Frau, wir gehen früh schlafen. In unserem Alter braucht man das ganze Gedöns nicht mehr.“ Fritz lacht und guckt seine Gattin an.

„Ich muss das auch nicht haben“, melde ich mich zu Wort.

„Ach.&

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Amrum, Kerle, Liebe 1" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen