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Am schönsten Arsch der Welt

Über die Autoren

Bernhard Hoëcker, 1970 in Neustadt a.d. Weinstraße gestartet, sammelte nach dem Umweg über ein Volkswirtschafts-Studium seine ersten Comedy-Erfahrungen auf der Bühne. Er ist einer der bekanntesten Comedians im deutschen TV und hat neben vielen anderen Souvenirs auch den Deutschen Fernsehpreis und den Deutschen Comedypreis mit nach Hause genommen – fehlt nur noch der Goldene Kiwi.

Tobias Zimmermann, 1975 im Sauerland geborener Reisejunkie, lebt mit seiner Familie in Köln. Der studierte Musikethnologe, Besserwisser und Fernlandforscher ist für verschiedene Redaktionen tätig und bereits zum dritten Mal Bernhard Hoëckers Co-Autor.

BERNHARD HOËCKER
TOBIAS ZIMMERMANN

AM SCHÖNSTEN
ARSCH
DER WELT

Bekenntnisse eines Neuseelandreisenden

Inhalt

  1. Einleitung von Bernhard
  2.  1 | DIE ANKUNFT: »Ein Europa-Krümel auf der Südhalbkugel«
  3.  2 | NINETY MILE BEACH: »30 Handtücher zu viel«
  4.  3 | WAIPOUA: »La Le Lu für Pflanzen«
  5.  4 | AUCKLAND: Rundflug auf die Stadt
  6.  5 | ROTORUA: Von fremder Kultur durchdrungen
  7.  6 | HELL’S GATE: Kochen einmal anders
  8.  7 | MARLBOROUGH SOUNDS: Göttliche Kratzer
  9.  8 | WHALE WATCHING: Apnoetauchen von wahren Profis
  10.  9 | MILFORD SOUND: Auf der Suche nach der Suche
  11. 10 | HERR DER RINGE: Ein Nazgul auf zwei Rädern
  12. 11 | QUEENSTOWN: Abschied von einem legendären Land
  13. Danksagung

Einleitung von Bernhard

Bernhard HoeckerIm Jahr 2011 traf es sich, dass einige findige Neuseeländer in Deutschland für ihr Land werben wollten. Man kam auf mich als Testimonial. Erst war mir nicht klar, warum. Aber dann erinnerte ich mich, dass ein Schulkamerad im Auswärtigen Dienst unseres Landes tätig ist. Dessen Frau unterrichtet Kinder in Botswana und hat dort eine argentinische Kollegin, deren Bruder in São Paulo an der neuseeländischen Botschaft arbeitet. Von dort ist es nicht mehr weit nach Wellington. Meine Abenteuerlust, auf dem letzten Stufentreffen Thema, wird er weitergegeben haben, und ein Mitarbeiter im dortigen Ministerium für Tourismus bekam Wind davon.

Bild

Oder die von den Neuseeländern beauftragte deutsche Werbeagentur hat den deutschen Prominentenmarkt erforscht. … Aber das halte ich für unwahrscheinlich.

Nach Neuseeland zu reisen, war schon immer ein Traum von mir, daher musste ich nicht lange nachdenken und sagte zu.

Ich ging davon aus, dass die ganze Kampagne, vor Ort gedreht würde. Der gesunde Menschenverstand brachte mich zu dem Schluss, dass man bei Werbung für so etwas wie einen Schokoriegel nicht dorthin reisen muss, wo Kakao angebaut wird. Den könnte man mir auch bequem vor die Haustür schütten. Aber mit einem Land geht das nicht so einfach … Ich musste also hin.

Es war eine Internet-Werbekampagne geplant, bei der die Besucher einer Website erst Vorschläge über Ziele und Aufgaben machen konnten, und sich anschließend für jeden Tag aus drei dieser Vorschläge durch Abstimmung ein Ziel ergab. Die Idee war, dass ich durchs Land reisen und – während ich so von Ort zu Ort, von Aufgabe zu Aufgabe tingelte – Neuseeland von möglichst vielen Seiten zeigen würde.

Das war eine Art des Reisens, die ich mir sehr gut vorstellen konnte. Schon immer bin ich gerne mit anderen unterwegs gewesen und ließ mich dabei von deren Ideen treiben, aber ein ganzes Land so zu erleben, das war noch eine Spur ausgefallener und damit spannender.

Ich liebe die Improvisation auf der Bühne – und erst recht im wahren Leben. Da ich weder an göttliche Vorsehung noch ans Schicksal oder eine andere Art von Vorbestimmung glaube, sondern den Zufall als essenziellen Bestandteil unseres Daseins sehe, war ich von der Idee der Werbeagentur also sehr angetan. Es reizte mich, dass so wenig Planung wie nur irgend möglich bei diesem Projekt vorgesehen war. Damit rannten die Werbemenschen bei mir offene Türen ein – auch wenn es zu jeder »spontanen« Idee ein mehrseitiges Paper gab, in dem alle möglichen Zufälle aufgeführt waren.

Ich halte es mit anderen Dingen auch so: Eines der Bücher, die ich gerade lese, sollte immer eines sein, das ich niemals selbst aussuchen würde.

Bis zur Abfahrt war noch viel zu tun. So fand etwa ein Fotoshooting statt, mit dessen Bildern die Internetwerbebanner gestaltet werden sollten.

Unterdessen starteten wir ein Gewinnspiel, bei dem die Besucher der Website Vorschläge für meine Aufgaben einreichen konnten. Diese kommentierte ich in einem Video- Blog.

Insgesamt kamen mehrere Tausend Vorschläge zusammen, die erst einmal sortiert werden mussten .

Erstens nach moralischer Machbarkeit: Wenn da ein Vorschlag lautete: »Laufe nackt durch Auckland und teste die Toleranz der Kiwis«, dann wurde das als moralisch zweifelhaft gestrichen.

Ein zweites Kriterium für die Beurteilung der Vorschläge war die technische Machbarkeit: »Absolviere einen Bungee-Sprung, aber ohne Gummiseil!«

Okay, machbar war das, aber wollte man danach Bilder von mir sehen?

Es gab auch Vorschläge, die wir aufgrund der zeitlichen Begrenzung der Reise leider verwerfen mussten, wie den folgenden: »Nimm dir ein Kanu und fahre einmal um die Nordinsel.«

Es sollte eben alles an einem Tag zu schaffen sein.

Die verbliebenen Vorschläge wurden als eine Art Ortswolke über die Karte gelegt, auf der neun markante Basisorte ausgewählt wurden. Letztendlich blieben drei Vorschläge pro Tag und Camp übrig. Diese standen dann 24 Stunden zur Abstimmung, und wir erfuhren um 12h mittags (Ortszeit), für welchen Vorschlag sich die User in Deutschland entschieden hatten.

Im Oktober war es endlich so weit, und das Team für die Neuseelandreise wurde aufgestellt:

Ich, das war, beziehungsweise bin ich.

Renate, die als meine persönliche Agentin arbeitet und mich begleiten sollte. Damit war sie helfende Hand und Fahrerin, kümmerte sich um Maske und Kostüm und war eigentlich immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Außerdem hatte sie für alle im Team ein offenes Ohr. Tommy, der als Regisseur mitkam, um in Bild und Ton zu beweisen, dass ich die gestellten Aufgaben auch erfüllt hatte. Er besitzt einen sehr schrägen Humor, der mir sehr entgegenkommt. Gleichzeitig kann er auf unvergleichlich spontane Weise visuell Geschichten erzählen.

Alex, der Kameramann, der mit stoischer Ruhe alles filmen würde, auf das Tommy zeigte.

Elke, die als Werberin überhaupt erst auf die Idee gekommen war, diesen Neuseelandtrip mit mir umzusetzen. Sie würde ständig an ihrem Laptop sitzen, um jeden Geistesblitz sofort in die Elektronik einzufüttern.

Jakob, der ebenfalls in der Kreativabteilung der Werbeagentur sein Geld verdiente und meist eine der kleineren Kameras führte, um hier und da noch ein Detail einzufangen. Außerdem brachte er sich ständig mit neuen Ideen ein, die Tommy sehr zupass kamen, weil er sie dann als seine eigenen verkaufen konnte.

Claudia, die sich als Produktionsleiterin mit voller Energie auf die Organisation von Buchhaltung, Drehgenehmigungen und Logistik werfen würde.

Dann war noch Katie dabei: Als Mitarbeiterin von »Travel New Zealand« war sie der »Kunde« in persona und wachte mit Argusaugen darüber, dass die Ausführung unseres Auftrags zum Wohle ihres Landes geschah.

Und zu guter Letzt gehörte natürlich auch Tobi mit zum Team, der seit Langem mein Co-Autor, Techniker und Wissenslexikon zum Anzapfen ist. Leider konnte ich ihn nicht mit nach Neuseeland nehmen, da die Größe der Gruppe begrenzt war – und da ich eh schon zu viel Handgepäck dabeihatte, sah ich auch keine praktikable Möglichkeit, ihn mit zu schmuggeln. Aber im Geiste nahm ich ihn mit. Wir hatten schon so viele gemeinsame Touren hinter uns, dass mir seine fundierten Erklärungen und wortreichen Ermunterungen eigentlich immer im Ohr klingen.

Deshalb war ich auch sehr gespannt, ob er was zu meinem Reisebericht zu sagen hat. Und das hatte er.

1 | DIE ANKUNFT
»Ein Europa-Krümel auf der Südhalbkugel«

Endlich ist es so weit! Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Neuseeland war immer schon mein Wunschziel, und nun bin ich da. Und es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Eine flauschige weiße Wolke steht am sonst azurblauen Himmel. Am Horizont kann ich Berge erkennen; schroffe Felsen, deren Spitzen mit Schnee bedeckt sind, recken sich gen Himmel. Davor ein See, auf dem ein paar Boote ihre Segel gehisst haben. Am rechten Ufer entdecke ich einige Maori, die vor einem ehrwürdigen, alten Versammlungshaus miteinander reden. Auf der linken Seite zieht sich ein unbeschreiblich grüner Wald den Berghang hinauf. So viele verschiedene Pflanzen habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen! Vögel drehen ihre Kreise über dem dichten Blätterdach. Ich staune andächtig, der Anblick nimmt mich für einen Augenblick vollkommen gefangen. Ja, so schön ist Neuseeland.

Zumindest auf dem Bild direkt vor mir in der Ankunftshalle des Flughafens in Auckland.

Seit Wochen warte ich darauf, diese Landschaft zu sehen, diese Luft zu atmen, fremde Laute zu hören, lokale Spezialitäten zu kosten. Das Erste, was meine Ohren vernahmen, war jedoch die Lautsprecherdurchsage des Flugkapitäns nach der Landung, der erste Geruch das körpereigene Odeur von zwanzig Passagieren, die sich nach zehn Stunden Flug neben mir die Gangway hinunterbewegen. Das Erste, was ich schmecke, ist, ehrlich gesagt … nichts. Weil mein Mund nach 24 Stunden Klimaanlage so trocken ist wie ein drei Jahre altes Puddingteilchen. Und das Erste, was ich sehe, ist ein Hai. Direkt und in Überlebensgröße hängt er am Ausgang des Flughafens. Hätte es kein knuffiger Kiwi oder drolliger Pinguin sein können?