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Am Liebsten Inkognito

Inhaltsverzeichnis

Bitte einsteigen

(Mind the Gap © Mae Nixon)

Die Kunst zu lieben

(The Art of Fucking © Nikki Magennis)

Loch des Glücks

(Lust for Glory © Mathilde Madden)

Fremde Begegnung

(A Stranger, and Yet Not © Teresa Noelle Roberts)

Ferienliebe

(Barely Grasped Pictures © Olivia Knight)

Maskenball

(Behind theMasque © Sophie Mouette)

Hin und weg

(A Whole New City © Nikki Magennis)

Der Hauptgewinn

(The Highest Bidder © Sarah J.Husch)

Illusionen

(Wet Walls © Kristina Lloyd)

Vorzüge

(Perks of the Job © Jan Bolton)

Spiegelbilder

(Reflections © Maddie Mackeown)

Unverhofft kommt oft

(Stag Hunt © Elisabeth Coldwell)

Ferien vom Ich

(Vacation © A.D.R. Forte)

Waterlove

(Fish © Stella Black)

Bitte einsteigen!

Mae Nixon

Hätte ich an diesem Abend nicht so lange gearbeitet und danach in der Schalterhalle noch stundenlang meine Tasche nach meiner aufladbaren U-Bahn-Karte durchwühlt, wäre ich womöglich nie in diesen Zug gestiegen.

Im Nachhinein betrachtet war alles, was anschließend geschah, das Ergebnis dieser besonderen Umstände.

Aber ist es das nicht oft? Wir glauben zwar, dass wir unser Schicksal selbst in der Hand haben, doch in Wirklichkeit hängt es zumeist davon ab, sich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort aufzuhalten, richtig?

Auf diese Art hatte ich übrigens auch meinen Job bekommen. Nach meinem Abschluss hatte ich erfolglos an die hundert Bewerbungen verschickt, und als ich mich bei einer Stellenvermittlungsagentur einschreiben wollte, rief dort genau in diesem Moment ein neuer Kunde an, der dringend einen Trainee brauchte. Endlich musste ich mich nicht mehr mit dem Arbeitslosengeld zufriedengeben.

Eigentlich war Betriebswirtschaftslehre nicht meine erste Wahl beim Studium gewesen, aber meine Noten hatten nicht ausgereicht, um mein Wunschstudium zu belegen. Umso überraschender war es, dass mir mein Verlegenheitsstudium zusagte und ich sogar gut darin war. Ich verschwendete keinen Gedanken mehr daran, ob ich in einem anderen Studium besser gewesen wäre. War das nun einfach Glück oder eine Fügung des Schicksals? Ich werde es wohl nie erfahren. Aber merkwürdig ist es schon, wie wir oft zufällig auf einen Weg geführt werden, der für uns im Nachhinein vorgezeichnet scheint.

Und so verhielt es sich auch mit dieser einen Nacht. Sie war zufällig und doch voller Magie.

Die hell erleuchteten U-Bahn-Tunnel und Rolltreppen waren gespenstisch leer. Das Klacken meiner Absätze echote in dem Gang, während ich zum Bahnsteig eilte. Ich hörte das Rauschen, spürte den Luftdruck eines einfahrenden Zuges und rannte die Treppen hinunter, als sich die Türen des Waggons bereits schlossen. Ich konnte mich gerade noch durch einen Türspalt hineinzwängen, bevor die Tür hinter mir zuzischte. Erst als im Display die Stationen aufleuchteten, wurde mir klar, dass ich zum Glück den richtigen Zug der District Line erwischt hatte, der in Heathrow oder Uxbridge endete. Ich seufzte erleichtert und setzte mich.

Das Abteil wirkte wie eine neuzeitliche Version des Gespensterschiffes Mary Celeste. Die Sitze waren vollgemüllt mit den Abfällen des Tages: vergessene Zeitungen und Fast-Food-Verpackungen.

Ich sah mich um und entdeckte am anderen Ende des Waggons einen weiteren Passagier. Ein junger Mann in einem Regenmantel lag ausgestreckt auf seinem Sitz. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und die Augen geschlossen. Neben ihm lag eine Laptop-Tasche.

Ich hatte vermutet, allein in dem Wagen zu sein. Was alles nach Einbruch der Dunkelheit in der U-Bahn passieren konnte, wusste schließlich jeder. Dabei sind Überfälle noch die eher harmloseren Vorkommnisse. Meistens versuchte ich es zu vermeiden, so spät allein unterwegs zu sein. Kurz dachte ich daran, in den nächsten Wagen zu wechseln, aber der Mann sah nicht gefährlich aus. Sicher war er nur ein Büroangestellter, der länger gearbeitet hatte und jetzt auf dem Weg nach Hause war.

Der Zug hielt an der nächsten Station, aber niemand stieg ein. Mein Reisegefährte rührte sich noch immer nicht, er schien zu schlafen. Ich wunderte mich, wie das bei dem Gerumpel und Geratter möglich war.

Während ich ihn so betrachtete, stellte ich fest, das er eigentlich ganz attraktiv aussah: kurze, dunkle Haare, männliches Gesicht und Bartschatten. Ich hatte schon immer etwas für Männer in Anzügen übrig. Sie ließen sie so urtümlich maskulin wirken und betonten durch ihren Schnitt die männliche Figur, selbst wenn diese von Natur aus nicht vorhanden war.

Mit meinem Mitreisenden hatte es die Natur jedoch gut gemeint. Seine breiten Schultern hatten keine modellierenden Polster nötig. Er hatte seinen Krawattenknoten gelöst und den obersten Knopf seines Hemdes geöffnet, so als würde er sich von den einengenden Formalitäten des Tages befreien wollen. Der Effekt seines Anzugs wurde dadurch jedoch nicht ruiniert, vielmehr verlieh es seiner förmlichen Erscheinung eine etwas abenteuerliche Note.

Ich starrte ihn an, während er die Augen weiter geschlossen hielt, und nutzte die Gelegenheit, jedes Detail von ihm in mich aufzusaugen. Für einen Mann hatte er ungewöhnlich volle Lippen, die seine ansonsten vielleicht ein wenig zu herben Züge etwas weicher machten. Er wirkte freundlich, irgendwie sogar ein wenig verletzlich.

Sein Aussehen erinnerte mich an Clive Owen, meinen Lieblingsschauspieler. Er strahlte Selbstbewusstsein und Empfindsamkeit auf eine gefährlich Weise aus, der ich nie widerstehen konnte. Ich hatte mir etliche schreckliche Filme angesehen, nur weil er darin mitspielte. Es war mir egal, wie schlecht das Skript oder wie langweilig der Plot war: Clive garantierte mir immer harte Nippel und heiße Unterhosen.

Während ich mir also den jungen Mann besah, musste ich feststellen, dass er den gleichen physischen Effekt wie Clive auf mich hatte. Mein Herz schlug ein wenig schneller, und ein leichter Erregungsschauer prickelte über meinen Rücken.

Ich überraschte mich dabei, dass ich ihn mir nackt vorstellte. Waren seine Schultern wirklich so muskulös und breit, wie sie schienen? War seine Brust behaart oder glatt, und versteckte sich unter seinem Hemd ein hartes, wohlgeformtes Sixpack?

Ich betete, dass seine Schenkel so stark und prall wie die eines Rugby-Spielers waren. Gerade als ich mir bildlich vorstellte, was zwischen diesen Schenkeln ruhen musste, schlug er die Augen auf und sah mich an. Ich fühlte mich sofort schuldig, eine Voyeurin, die man erwischt hatte. Aber noch bevor ich Zeit hatte, um wegzusehen, lächelte er mich an. Seine Augen hatten die Farbe dunkler Schokolade, und seine Zähne waren ebenmäßig und weiß. Er hielt meinem Blick einige Sekunden lang stand, bevor er die Augenlider wieder schloss und ich endlich wieder atmen konnte.

Plötzlich ruckelte der Zug, stoppte, und die Beleuchtung erlosch. Mein Herz überschlug sich. Obwohl ich die U-Bahn regelmäßig benutzte, hatte ich meine Klaustrophobie nie ganz besiegen können. Bei der Vorstellung, in völliger Finsternis in einem Zug eingeschlossen zu sein, überkam mich Panik.

In wenigen Minuten wird alles wieder vorüber sein, beruhigte ich mich. Alles wird wieder gut sein. Ich hätte mich wegen meiner übertriebenen Ängstlichkeit ohrfeigen können, doch stattdessen versuchte ich mich zu zwingen, regelmäßig zu atmen und das Pochen meines Blutes in den Ohren zu ignorieren.

Ich konnte absolut nichts in der Dunkelheit erkennen und mich auch nicht erinnern, überhaupt jemals an einem solch finsteren Ort gewesen zu sein. Hielt man sich nachts im Freien auf, so konnte man auch ohne Straßenlampen oder beleuchtete Gebäude irgendwann die Sterne oder den Mond ausmachen, und wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sogar Schatten erkennen. Aber hier unten im U-Bahn-Tunnel war die Finsternis tintenschwarz und Furcht einflößend.

Als mein Puls zu rasen begann, war es um meine Selbstbeherrschung geschehen.

»Alles in Ordnung mit Ihnen? Sie atmen viel zu schnell. Versuchen Sie sich zu beruhigen. Ich glaube, ich habe eine kleine Taschenlampe in meiner Tasche. Warten Sie, ich sehe nach, ob ich sie finde.«

Ich glaubte zu kollabieren, als ich die Stimme des jungen Mannes hörte. Und obwohl seine Worte bestimmt beruhigend gemeint waren, fühlte ich mich jetzt noch hilfloser und gefangener. Nein, nicht nur gefangen: Ich fühlte mich in der Falle mit einem völlig Fremden.

»… Klaustrophobie«, keuchte ich und schämte mich, als ich das Wort aussprach. Es war einfach lächerlich. Stromausfälle waren in der U-Bahn praktisch an der Tagesordnung. Ich verhielt mich wirklich kindisch.

»Verstehe. Versuchen Sie ruhig zu bleiben. Ich suche die Taschenlampe.«

Ich hörte, wie er den Klettverschluss seiner Tasche aufriss und in der Tasche herumwühlte.

»Da ist sie ja.«

Er schaltete die Taschenlampe an und strahlte von unten sein Gesicht und seinen Oberkörper an. Was ich erblickte, erinnerte mich an eine Halloween-Maske. Einen Moment lang wurde ich panisch, bis ich feststellte, dass aus seinem Gesicht Besorgnis und Beunruhigung sprachen. Er stand auf und kam auf mich zu. Mit dem winzigen Lichtstrahl der Taschenlampe leuchtete er auf den Boden vor sich.

Der Fremde ließ seine Laptop-Tasche auf den Sitz fallen und setzte sich neben mich. Einige Minuten lang hockten wir schweigend nebeneinander wie unter einem bizarren Spinnennetz aus Licht, das die Taschenlampe an die Wagendecke warf.

Seitdem der Zug angehalten hatte, war es immer schwüler geworden. Ich begann in meinen Kleidern unangenehm zu schwitzen, meine Haare klebten an meinem Gesicht. Der verrußte Dunst aus dem Tunnel kroch in den Zug hinein. Ich konnte meine Atemzüge hören, hatte das Gefühl, neben mir zu stehen, und Angst, dass sich das Horrorszenario um mich herum verselbstständigen könnte.

»Hier, nehmen Sie die Lampe.« Ich griff nach der entgegengestreckten Taschenlampe. »Ich weiß, dass es beängstigend ist, aber es kann nicht mehr lange dauern. Wir sind hier sicher.«

»Und woher wollen Sie das so genau wissen? Vielleicht findet gerade ein Terroranschlag statt, und wir sitzen hier für Stunden fest. Vielleicht ist auch stadtweit der Strom ausgefallen wie vor einigen Jahren. Es kann alles Mögliche sein!«

»Das mit dem Stromausfall ist tatsächlich möglich, aber ich bezweifle, dass es etwas Ernsthaftes ist. Einen Anschlag würden die Idioten doch während der Rushhour machen. Hätte einen deutlich größeren Effekt, oder?«

»Falls Sie mich damit beruhigen wollen, dann ist Ihnen das wirklich verdammt gut gelungen.« Ich fühlte mich krank und leicht benommen.

»Entschuldigung … Aber es ist wichtig, dass Sie nicht noch panischer werden. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, aber natürlich kann es sein, dass wir hier noch ein Weilchen festsitzen.«

»Und mit einem hysterischen Weib möchten Sie nicht eingeschlossen sein, oder wie?«

»Nein, nein, Sie haben mich falsch verstanden. Es geht Ihnen ganz offensichtlich nicht gut. Ich mache mir einfach Sorgen um Sie.«

Er saß so nah neben mir, dass sich unsere Oberschenkel berührten. Mit beiden Händen umklammerte ich die Taschenlampe. Ein tröstlicher Talisman.

»Ich komme mir vor wie ein Trottel. Ich weiß, dass es nur eine Phobie ist und sich alles nur in meinem Kopf abspielt. Aber das macht die Sache nicht besser.«

»Es gibt keinen Grund, sich deswegen zu schämen. Bei mir sind es Spinnen. Hier unten im Finstern könnte ich es tagelang aushalten, aber wenn ich eine Spinne herumkrabbeln sehe, erstarre ich zur Salzsäule.« Er schüttelte sich und lächelte mich verlegen an, als würde er sich wegen seiner Schwäche schämen.

»Spinnen?« Ich lächelte zurück.

»Ja. Letzte Woche habe ich im Büro ein Riesenexemplar gesehen und bin wie ein kleines Mädchen auf meinen Schreibtisch geklettert. Ich kam mir reichlich blöd dabei vor. Ich weiß genauso wie Sie, dass es nur eine dumme Phobie ist und die Tiere absolut harmlos sind - man zerquetscht die Spinne mit einem Schuh, und das Problem ist gelöst. Aber so ist es nun mal, ich kann meine Angst nicht ändern.«

»Kaum zu glauben, dass sich ein so großer Kerl vor etwas so Winzigem ängstigt. Sie sehen so aus, als würden Sie sich vor nichts fürchten.«

Er zuckte mit den Schultern. Ich fand die Geste charmant.

»Nun, dann kennen Sie jetzt mein Geheimnis«, flüsterte er und lehnte sich näher an mich. Ich fühlte seinen warmen Atem auf meinem Gesicht und roch sein Aftershave. Trotz meiner Angst stellten sich meine Brustwarzen unter dem Kleid auf.

»Wenn ich meinen regulären Zug erwischt hätte, wäre ich längst zu Hause. Aber am Morgen haben wir den Auftrag für eine wichtige Präsentation bekommen, also musste das ganze Büro länger arbeiten. So was nennt man wohl Pech.« Mir war klar, dass ich abschweifte, aber selbst das war besser, als still und verängstigt herumzusitzen.

»Mit geht es genauso. Ich bin Anwalt. Seit Monaten arbeite ich an einem wichtigen Fall, der morgen vor Gericht verhandelt wird. Gäbe es den nicht, hätte ich mich schon vor Stunden im Bett verkrochen.«

Allein die Vorstellung davon, wie er sich im Bett zusammenrollte, selbst wenn es nicht mein Bett war, verursachte mir erneutes Herzjagen. Doch dieses Mal war nicht Angst der Auslöser. Aus der Nähe betrachtet war er sogar noch attraktiver. Selbst in dem schwachen Schein der Taschenlampe konnte ich erkennen, dass seine Haut glatt und ebenmäßig war und golden schimmerte. Seine dunklen Augen glänzten, und seine Lippen schienen sich zu einem Lächeln zu verziehen.

Ich musste ihn einfach anstarren, was ihn aber nicht zu stören schien. Stattdessen erwiderte er meinen Blick, während seine großen braunen Augen mein Gesicht musterten wie ein Pionier, der seinen Claim taxiert.

Man konnte sich in den Tiefen seiner Augen verlieren. Sie waren undefinierbar. Ihr Zartgefühl paarte sich in ihrer Tiefe mit einer Spur Verwegenheit, die einladend und beängstigend zugleich war. Seine vollen Lippen in der Farbe von reifen Brombeeren.

Meine Nippel waren so hart, dass sie schmerzten. Meine Nackenhaare sträubten sich, und ich erschauerte. Ich hatte zwar noch immer Angst, aber die Furchtsamkeit vermischte sich jetzt mit den viel stärkeren Gefühlen meiner aufsteigenden Erregung.

»Wo arbeiten Sie denn?« Ich vermutete, es war eine Verlegenheitsfrage, damit er mich weiterhin betrachten konnte.

»Collings and Read. Eine Werbeagentur.« Meine Stimme klang schläfrig, so als käme sie von weit her. Ich sah in seine Augen.

»Die Werbebranche hat genauso einen miesen Ruf wie mein Berufsstand«, lachte er, als plötzlich die Taschenlampe erlosch und uns in totale Dunkelheit zurückwarf.

»Oh nein!« Das Grauen kam zurück und überrollte mich wie eine gewaltige Flutwelle. Ich fühlte, wie er seine Hand beruhigend auf meinen Arm legte.

»Die Batterien sind alle. Ich hoffe, dass ich Ersatzbatterien in der Vordertasche meines Laptopschoners habe. Einen Moment.«

Wieder hörte ich, wie der Klettverschluss aufgerissen wurde und seine Hand in der Tasche auf der Suche nach den Batterien umherwanderte. Ich versuchte kontrolliert weiterzuatmen.

»Hier, ich habe sie gefunden. Geben Sie mir die Taschenlampe.«

Ich reichte sie ihm, ordnete die nachfolgenden Geräusche ein. Entnahme der leeren Batterien, die auf den Boden fielen. Metall klickte gegen Metall. Einsetzen der neuen Batterien. Erfolglos.

»Beeilen Sie sich, bitte«, presste ich hervor.

»Ich habe keine Ahnung, in welcher Richtung sie eingelegt werden müssen, und solange ich das nicht schaffe, funktioniert das Ding nicht. Ganz schön kniffelig.« Irgendetwas fiel geräuschvoll auf den Boden.

»Scheiße.«

»Erzähl mir nicht, dass das die neuen Batterien waren.« Hilfe, ich hatte ihn geduzt!

»Nur eine, aber trotzdem. Tut mir leid.«

»Vielleicht kann ich sie ja wiederfinden.« Ich wollte mich schon vorbeugen, als er meinen Arm griff und mich davon abhielt.

»Mach dir nicht die Mühe. Sie könnte überallhin gerollt sein. Und davon abgesehen - wie willst du sie im Dunkeln von den leeren Batterien unterscheiden?« Unversehens hatte auch er mich geduzt. Ich gab mich geschlagen und setzte mich wieder.

»Ich fühlte mich selbst bei dem spärlichen Licht sicherer. Es war zwar nicht wirklich hell, aber trotzdem.«

»Aber hast du nicht selbst gesagt, dass alles nur Einbildung ist? Wir sind hier sicher und außerdem«, er tastete nach meiner Hand, »außerdem würde ich es nicht zulassen, dass dir etwas passiert.«

Seine Hand war warm und weich und so viel größer als meine. Ich fühlte mich sicher und beschützt.

»Danke.« Ich lehnte mich an ihn und presste meinen Oberarm gegen seinen. Es war eine unbewusste, schutzsuchende Geste. Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass sie missverstanden werden könnte. Doch dann spürte ich, wie er den Kopf senkte. Sein Atem ging schwer, und er roch an meinem Haar. Mein Herz klopfte so schnell und laut. Konnte er es hören?

»Du duftest genauso wunderbar, wie du aussiehst.« Er verbarg sein Gesicht in meinem Haar.

»Woher willst du das wissen, wo du mich doch noch nicht einmal sehen kannst?« Gänsehaut kroch über meine Haut. Ich zitterte am ganzen Körper.

»Nun, ich habe dich genauso intensiv betrachtet, wie du mich, bevor das Licht ausging. Ich habe dich dabei erwischt, erinnerst du dich?« Sein Mund war nahe meines Ohrs, ich konnte seinen heißen Atem an meinem Hals fühlen.

»Zum Glück versteckt die Dunkelheit meine Schamesröte«, sagte ich kess und wandte ihm mein Gesicht zu.

»Schade, die würde ich zu gerne sehen.« Er legte eine Hand auf meine Wangen und fuhr mit dem Daumen über meine Unterlippe.

»Was tust du?«

»Ich suche nach deinen Lippen.« Er küsste mich. Sein Mund war heiß, weich und hungrig. Durch seine Nasenlöcher stieß er Luft aus wie ein Drache. Ich griff in der Dunkelheit nach ihm und fuhr mit einer Hand über seinen Regenmantel, um mir einen Eindruck von seinem Körper zu verschaffen. Mit der anderen Hand zog ich ihn an mich.

Meine Nippel waren steif, und in meinem Schritt breitete sich eine feuchte Hitze aus. Ich fühlte sein Herz an meiner Brust klopfen. Sein harter, muskulöser Körper war beruhigend. Mit seinen großen Händen fuhr er auf meinem Rücken auf und ab und brachte ihn zum Kribbeln.

Vielleicht lag es ja an der Dunkelheit, dass ich so viel spürte. Die kleinste Berührung seiner Fingerspitzen löste in mir Wonneschauer aus, die in meinem Nacken begannen und dann bis zu den Zehenspitzen liefen.

Ich atmete Seife, Deodorant und den Geruch seines Aftershaves ein: Es roch nach Zitrone, Sandelholz und Moschus. Seine Kleidung duftete nach Weichspüler. Alles zusammen ergab eine ganz individuelle Note: erdig, maskulin und unwiderstehlich.

Er hörte auf mich zu küssen und glitt mit dem Mund über mein Gesicht. Ich fühlte seine heiße, feuchte Zunge auf meinem Hals. Wieder wurde mein Körper von einer Gänsehaut überzogen, und meine Nippel kribbelten vor Energie. Ich warf den Kopf nach hinten und ließ es geschehen.

Seine Hände suchten und fanden vorne an meinem Kleid eine Öffnung. Mit unbeholfenen Fingern fuhr er zwischen meine Brüste. Als ich meine Hand auf die seine legte, fühlte ich, wie er zitterte.

»Warte, ich helfe dir. Die Knopfleiste reicht bis ganz nach unten.«

Ich riss sie praktisch auf. Ein Knopf sprang ab und fiel zu Boden. Ich kämpfte mit meinem BH, der einzige in meiner Kollektion, der einen Vorderverschluss hatte, und lobte mich für meinen Entschluss, ihn heute angezogen zu haben.

Ich nahm seine Hand und führte sie behutsam an meine nackte Brust. Er seufzte dankbar, fand mit den Fingern sofort einen Nippel. Ich stöhnte, als er ihn zwischen Daumen und Zeigefinger rollte.

Unser Sitz quietschte, als er sich darauf bewegte, um meinen Nippel in den Mund zu nehmen. Die plötzlich heiße und feuchte Intensität des Gefühls ließ mich vor Erregung keuchen. Jetzt konnte ich auch sein Haar riechen: Shampoo und Haargel, dazu seine heiße Haut. Mit flatternden Fingern umfasste ich seinen Hinterkopf und zog ihn noch näher zu mir.

Der Fremde sog an meinem Nippel und zog mit seinen Zähnen daran. Ich krümmte meinen Rücken vor Lust und konnte das Blut in meinen Ohren rauschen hören. Zwischen meinen Beinen wurde es immer heißer, die Anspannung wurde unerträglich, und meine Haut brannte und vibrierte vor Lust.

Als er sich aufsetzte, suchte er mit beiden Händen mein Gesicht. Wir küssten uns. Sein Atem ging geräuschvoll, unregelmäßig und erhitzte meine Haut; seine Bartstoppeln kratzten über meine Lippen. Alles in meinem Schoß verkrampfte sich in freudiger Erwartung.

Mit einer Hand tastete er sich von meinen Brüsten über meinen Bauch bis hinunter zu meinem Schritt vor. Ich öffnete die Beine und ließ ihn mit den Fingerspitzen über die volle Länge meiner Pussy streichen. Ich stöhnte vor Lust, selbst durch mein Höschen war das Gefühl unfassbar intensiv. Meine Beine gerieten außer Kontrolle. Ich zitterte.

»Hilf mit, es auszuziehen. Steh auf.« Seine Stimme klang heiser und dringend.

Wir halfen uns gegenseitig auf, dann hockte er sich vor mich, nestelte am Gummizug meines Slips und zog ihn über meine Beine nach unten.

»Wenn ich einen Fuß hebe, müsstest du ihn über den Schuh schieben können«, riet ich. Er gab sich alle Mühe mit meiner Unterwäsche, bis ein Fuß befreit war.

»Gut so. Und jetzt der andere Fuß.« Es dauerte einen Moment, bis ich endgültig von meinem Höschen befreit war. »Jetzt hock dich auf die Sitzkante und spreize deine Beine«, befahl er.

Ich schob meinen Hintern ganz nach vorn auf den Sitz und stützte mich mit den Händen ab. Als ich die Beine breit machte, fühlte ich mich ziemlich nuttig und war froh über die Dunkelheit. Meine Nippel zogen sich vor Geilheit zusammen, als ich seine Finger auf meinen Oberschenkeln spürte. Mir wurde immer heißer. Meine Haare klebten an meinem Nacken, und in meinen Achselhöhlen sammelten sich Schweißtropfen.

Seine Finger kehrten zu meiner Pussy zurück und rieben sie quälend langsam.

»So ist es gut.« Ich war nur noch zu einem Flüstern imstande und stöhnte ungeniert, als seine Finger meine Schamlippen streichelten.

»Rasiert … herrlich.« Er teilte meine Vulven.

»Schön, dass du es magst.«

Ich fühlte seinen Atem auf meiner Pussy und wenig später seinen Mund, unbeschreiblich heiß und so weich wie Samt. Ich zitterte am ganzen Körper. Meine Nippel waren steif und prickelten vor Lust. Köstliche kleine Schauer liefen über meinen Rücken.

Währenddessen bedeckte Mr. Unbekannt meine Klitty mit dem Mund und schlenzte mit der Zunge darüber. Sämtliche meiner Sinne befanden sich im Ausnahmezustand. Ich fühlte die kleinen Unterschiede, mit denen er seine Zunge an den verschiedenen Stellen meiner Spalte einsetzte. Seine Zungenspitze fühlte sich wie eine Feder an, die flache Seite hingegen war stark und kraftvoll. Jede Berührung, jedes Vorstoßen war unerträglich intensiv und überwältigend.

Ich suchte seinen Kopf und fuhr mit den Fingern durch seine Haare. Dann hob ich meinen Schritt gegen sein Gesicht und hörte ihn stöhnen. Glühender Atem auf meinen bebenden Schenkeln. Auch ich atmete flach und laut, und meine Muskeln verkrampften sich schmerzhaft vor Erregung.

Ich fühlte einen Finger an meiner Öffnung. Er glitt durch den heißen Saft, dann versenkte er sich in meiner Spalte. Ich keuchte, als der Fremde damit entlang aller erregten Nervenenden und Muskeln strich. Meine Klitoris pochte fordernd.

Als er meinen G-Punkt fand, drohte ich zu explodieren. Meine Erregung war nicht mehr zu bremsen, ich keuchte, mein Brustkorb hob und senkte sich heftig, der Schweiß strömte aus allen Poren meines Körpers.

Als er eine Fingerspitze hart gegen meinen Lustspot presste, zuckte mein Körper, und ich stöhnte lang und genussvoll. Er ging dazu über, mehrfach meine Klit zu saugen, und meine ekstatische Reaktion wiederholte sich. In meinem Schoß loderte ein Freudenfeuer, die Anspannung war schier unerträglich.

Pause.

Er stand auf, ließ von mir ab. Meine Hände glitten von seinem Kopf. Ich hörte, wie der Reißverschluss seiner Hose nach unten gezogen wurde und er sich geräuschvoll auf dem Sitz neben mich niederließ.

»Grätsch dich rittlings auf meinen Schoß«, wies er mich mit einer nicht zu überhörenden Erregung an. Ich versuchte im Dunkeln seine Erektion zu greifen, aber meine Hand landete auf seinen behaarten, harten und muskulösen Oberschenkeln. Ich tastete mich zu seiner Leiste vor und ließ ihn aufstöhnen, als ich ihn berührte. Er zitterte genauso wie ich.

Mit meinen Fingern umfasste ich seine Peniswurzel und fühlte, wie das Blut durch seine Adern pulsierte. Sein Ständer war dick, heiß und seidig. Ich wichste ihn mit meiner Hand über die gesamte Länge, schob die Vorhaut vor und zurück, rieb mit dem Daumen über die geschwollene Eichel und verteilte die ersten Begrüßungströpfchen. Er grunzte lustvoll.

Ich fragte mich, wie alles bei Licht aussehen würde? War seine Penisspitze lila? War sie prall, glänzte sie? Ich beugte mich über seinen Schwanz und leckte ihn, bevor ich ihn bis zur Wurzel schluckte.

Meine Kopfhaut kribbelte, als ob jemand meine Haarnerven stimulieren würde. Meine erigierten Nippel brannten lichterloh, während sich als Vorbote vom Orgasmus mein Unterleib zusammenzog. Meine Nase steckte in seinem wohlriechenden Schambereich, und ich nahm seinen umwerfenden männlichen Geruch in mich auf. Mein Kinn hatte ich gegen seine Eier gepresst, die ich mit einer Hand umfasste, um sie zu streicheln und in ihren Säcken zu rollen. Seine Beine zitterten heftig. Er stieß einen tiefen, gutturalen Ton aus.

Ich erhob mich, kroch über den Sitz und tastete mich zu ihm. Der Fremde nahm meine Arme und half mir, mich rittlings über ihn zu grätschen. Meine beiden Knie klemmte ich gegen seine Oberschenkel. Als er auf die Kante des Sitzes rutschte, konnte ich meinen Hintern in die richtige Position bringen.

Sein Mund wanderte über meinen Hals, während ich sein Haar küsste.

Ich griff zwischen uns, fand seine beachtliche Erektion und massierte ihre Länge über meine nasse Pussy. Dann hielt ich seinen Schwanz an mein Loch und ließ mich auf ihn sinken.

Eine Schweißperle rann über meinen Rücken, meine verschwitzten Haare klebten an meinem Gesicht, und mein Herz schlug vor Erregung und Vorfreude wie eine Trommel.

Behutsam glitt er in mich. Jeder einzelne Millimeter, mit dem er mich mehr öffnete und weitete, war köstlich. Meine Möse pochte vor Lust.

Ich fühlte seine Hände unter mein Kleid gleiten und meine Pobacken umfassen. Während seine Hüften sich im Rhythmus zu wiegen begannen, umklammerte ich seine Schultern und kam mit meinem Becken seinen Stößen entgegen. Sein Atem entwich geräuschvoll durch seine prallen Lippen, bevor er mich gierig küsste, nibbelte und leckte.

Dann stieß er wie eine Pistole in mich. Ich fühlte seinen harten, prallen Muskel, als er sich in mir bewegte und das Lustfeuer weiter in mir schürte. Meine Nippel richteten sich erneut auf.

Ich wiegte meine Hüften vor und zurück und rieb meine Klit an seinem harten Schamhaar. Der Sitz unter meinen Knien wurde unbequem. Als ich merkte, wie sich mein Orgasmus langsam aufbaute, krallte ich mich an seinem Regenmantel fest. Während wir im gleichen Tempo miteinander ritten, stöhnte, keuchte und schluchzte ich ohne Unterbrechung und presste mich gierig gegen seine Leiste, während seine Finger Druck auf mein Hinterteil ausübten.

Mein unbekannter Mitreisender gab animalische Laute von sich. Sein Haar erhitzte meinen Nacken. Im Takt unserer Stöße rieben sich meine Nippel an seiner Kleidung, bis sie schmerzten.

Ich umfasste sein Gesicht mit einer Hand, um ihn zu küssen, und fand seinen weichen, feuchten, samtigen Mund mit den vollen, heißen Lippen. Ekstatisch fiel sein Kopf nach hinten.

Wir pumpten mit den Hüften. Meine Klitty rieb sich an seiner Mitte. Seine schweißnassen Oberschenkel wurden unter meinen feucht, während meine nassen Haare in mein erhitztes Gesicht fielen.

Ich ritt stöhnend und wimmernd meinem Höhepunkt entgegen und balancierte auf dem schmalen, köstlichen und qualvollen Grad zwischen Erregung und Befreiung. Um die Spannung zu erhöhen, wippte ich mit meinen Hüften.

Mit immer härteren, kürzeren Stößen trieb er seinen Schwanz in mich und steuerte mit seinen Händen auf meinem Hintern seine Choreografie. Sein Stöhnen wurde lauter und dringlicher, seine angespannten Hüften bebten.

Ein letzter kurzer Stoß, und ich spürte ihn in mir tanzen und kreisen. Mehr brauchte es nicht, um mich über die Klippe zu stürzen. Ich rotierte mit den Hüften und presste meine Spalte gegen ihn.

Die Spannung bündelte sich und explodierte. Krampfartige Wellen überrollten mich von den Haarspitzen bis zu den Fußnägeln und nahmen mir den Atem, meine Muskeln verspannten sich, krampften.

Keuchend pressten wir uns aneinander, sein Herz pochte an meinem. Er war noch immer hart. Ich schluchzte und stöhnte, Tränen liefen über mein Gesicht.

»Ich weiß, dass du nur für mich kommen willst. Deine Muskeln halten mich fest«, flüsterte er mir ins Ohr.

Endlich.

Wie eine einlaufende Tide schlug Brecher um Brecher der Lust über mir zusammen. Ich pumpte und presste mich auf ihn. Er war hart und heiß in mir, die Muskeln seiner Schenkel angespannt wie eine Feder. Der Klang unseres erregten Atmens schien einer eigenen Dimension anzugehören und erregte uns zusätzlich.

Der Unbekannte hielt mich mit seinen starken Händen fest und ritt einen nicht enden wollenden Orgasmus aus mir heraus. Ich erklomm Gipfel um Gipfel, bekam keine Luft mehr, zitterte und schwitzte. Leergepumpt krümmte ich den Rücken und heulte in die Dunkelheit.

Als es vorbei war, rührten wir uns nicht und schwiegen. Mein Kopf lag an seiner Schulter, und ich konnte hören, wie sich seine Atmung normalisierte. Mit einer Hand streichelte er über meine Haare, mit der anderen sanft über meinen nackten Rücken.

Sein Schwanz in mir verlor an Härte, und ich protestierte schluchzend, als er sich aus mir hinauszog. Er lachte leise. Ich setzte mich auf, drückte meinen Körper an ihn, umfasste mit beiden Händen sein Gesicht, streichelte mit den Fingern über seine Konturen und küsste ihn. Er umschlang mich mit beiden Armen und hielt mich so fest, als würde er mich nie wieder loslassen wollen.

»Danke«, sagte ich endlich. »Jetzt habe ich keine Angst mehr vor der Dunkelheit.«

Ich kletterte von seinem Schoß und versuchte die Knöpfe meines Kleides zu schließen. Im Dunkeln hörte ich, wie er aufstand, seine Hose anzog und den Reißverschluss hochzog. Dann setzte er sich neben mich und suchte nach meiner Hand.

Schweigend saßen wir nebeneinander, und wieder ruhte mein Kopf an seiner Schulter.

Ich musste ein wenig eingeschlafen sein, denn als die Lampen flackernd angingen, wurde ich schlagartig wach. Ich blinzelte in das Licht und schirmte meine Augen mit der Hand ab. Einen Moment später entschuldigte sich eine Stimme knackend aus dem Lautsprecher für das Vorkommnis und versicherte, dass der technische Fehler behoben sei. Die U-Bahn setzte sich wieder in Bewegung.

»Endlich«, sagte ich und lächelte den Fremden an.

»Es tut mir leid, dass ich mich hinreißen habe lassen. Ich hoffe, du bedauerst es nicht.«

»Ganz sicher nicht. Wie kommst du darauf?«

»Gott sei Dank. Ich bedaure es auch nicht. Aber wenn ich darüber nachdenke … Etwas bedaure ich schon.« Mit einer Hand strich er meine Haare aus dem Gesicht.

»Und das wäre?«

»Dich nicht nackt gesehen zu haben.«

Ich kann nicht sagen, warum ich es tat, aber in diesem Moment war es mir egal, auch wenn ich mir früher so etwas nie hätte vorstellen können. Ich stand auf, stellte mich vor ihn und begann mein Kleid wieder aufzuknöpfen.

Meine Finger waren ungeschickt, es dauerte viel länger als normal. Er starrte mich mit glühenden Augen an. Als ich endlich alle Knöpfe geöffnet hatte, öffnete ich erst mein Kleid, dann den BH und legte meine Titten frei. Mein Herz galoppierte so schnell, dass ich kaum atmen konnte.

»Du bist so schön, wie ich es mir vorgestellt habe.« Er erhob sich, entledigte sich seiner Krawatte und steckte sie in eine Tasche seines Regenmantels.

Meine feinen Nackenhaare sträubten sich bei seinen Worten. Über meine Kopfhaut und mein Gesicht liefen erregende Schauer.

Mit zitternden Händen hantierte mein Spielgefährte an seinen Hemdknöpfen. Als er sie geöffnet hatte, zog er die Hemdzipfel aus der Hose. Sein Brustkorb war mit dunklem Haarflaum bedeckt, sein Bauch genauso hart und gemeißelt, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Eine Haarspur verlief vom Nabel unter den Hosenbund und verschwand abwärts in seinem Paradies.

Meine Nippel versteiften sich, und meine Spalte wurde feucht und cremig. Er öffnete den Knopf seines Hosenschlitzes, zog den Reißverschluss nach unten, rollte mit den Händen Hose und Unterwäsche bis zu den Knien hinunter und richtete sich auf.

Er hatte pralle, muskulöse Schenkel, und ich bemerkte, dass sein dicker Schwanz schon wieder steif wurde. Mit einer Hand zog er die Vorhaut zurück und entblößte die Spitze. Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell vor Erregung. Seine Wangen waren gerötet und seine Lippen dunkel und voll, sie schienen zu lächeln. Seine Augen glitzerten fordernd, meine Pussy schmerzte sehnend.

Als in der Ferne plötzlich Lichter auftauchten, beeilten wir uns beide mit dem Anziehen. Ich schaffte es gerade noch, meinen BH und mein Kleid zu schließen, als der Zug in Hammersmith Station einfuhr.

»Meine Haltestelle.« Er fingerte noch an seinen Hemdknöpfen herum. »Ich muss dann gehen.« Er packte mich an der Vorderfront meines Kleids, zog mich an sich heran und küsste mich. Ich schlang meine Arme um ihn und fühlte, wie er sich erregt gegen mich presste. »Ich muss jetzt wirklich gehen.« Er stieg aus, blieb aber auf dem Bahnsteig stehen und sah mich an.

Als sich die Türen schlossen, griff er in seine Tasche und holte mein Höschen hervor. Er hielt es sich vor seine Nase, inhalierte meinen Duft und verschwand. Während der Zug Fahrt aufnahm, sah ich noch lange zurück auf den einsamen Bahnsteig.

Als er verschwunden war, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, ihn nach seiner Telefonnummer zu fragen. Ich wusste nicht einmal seinen Namen.

Noch lange Zeit danach machte ich mehr Überstunden als nötig und nahm den gleichen Zug in der Hoffnung, ihn wiederzusehen. Was aber nie geschah.

Wenn ich im Rückblick daran dachte, war es einfach perfekt gewesen. Sex, wie man ihn nur aus der Fantasie oder Büchern kennt: aufregend, liebevoll, hungrig und frei. Ohne Komplikationen oder Konsequenzen.

Die Zeit verging, und in meiner Erinnerung verklärte und idealisierte sich das Ereignis zu einem perfekten Traum. Leicht unrealistisch und unwiederbringlich.

Wären nicht der abgerissene Knopf an meinem Kleid und das fehlende Höschen gewesen, hätte alles nur Einbildung sein können. Ich fragte mich, ob er vielleicht an der Station herumhing, um mich wiederzusehen. Oder ob er mein Höschen in seiner Nachttischschublade aufbewahrte, es von Zeit zu Zeit hervorzog und meinen Geruch einatmete. Ich hoffte, dass es so war.

Das Gute, was die Sache mit sich gebracht hat, ist, dass ich danach nie wieder Angst in der U-Bahn gehabt habe. Selbst wenn das Licht ausgeht oder der Zug mitten im Tunnel stoppt, muss ich nur die Augen schließen und mir vorstellen, wie ich rittlings im Dunkeln auf ihm sitze, unsere Körper sich gemeinsam bewegen und unsere Laute von den Wänden widerhallen.

Ich habe ihn nie wiedergesehen, und nach einer Weile machte es mir auch nichts mehr aus. Es war etwas ganz Besonderes gewesen. Zwei Seelen hatten sich zu einem bestimmten Zeitpunkt getroffen, etwas Besonderes, Unwiederholbares miteinander geteilt - und waren anschließend wieder ihrer Wege gegangen.

Sie sehen also, das Leben schreibt mitunter die erstaunlichsten Geschichten!

Die Kunst zu lieben

Nikki Magennis

Meine Mitbewohnerin hatte keine Ahnung, wie trist mein Sexleben war. Sie fläzte sich im Sessel und wippte mit ihren gebräunten langen Beinen. Sandys attraktiver Körper passte überall hin - und egal, wo sie war, immer stand sie im Mittelpunkt. Sie ähnelte Botticellis Venus, nur trug sie ein wenig mehr Lippenstift.

War Sandy ein klassisches italienisches Gemälde, dann ähnelte ich einem expressionistischen Müllhaufen. Als ich den Vergleich zwischen uns beiden anstellte, saßen wir in unserer sonnendurchfluteten Küche und pflegten bei Tee unseren sonntäglichen Kater.

Keine gute Idee. Unter meinen kurzen Nägeln klebte noch dunkelblaue Farbe, die ich vermutlich nie wieder loswerden würde. Sandys lackierte Nägel glänzten. Vermutlich hatte sie mit ihnen die ganze Nacht über den Rücken eines Mannes gekratzt.

Ich hatte recht. Sandy hatte in der Nacht zuvor gepunktet.

»Ein absoluter Prachtkerl«, sagte sie. »Er hat wie ein Tornado gefickt und die ganze Zeit dabei geheult und geschrien.«

Natürlich hatte ich das Geheule des Prachtkerls mitbekommen - so wie auch das Quietschen von Sandys Bettgestell. Bis in die frühen Morgenstunden. Es hatte auch nicht geholfen, dass ich mir ein Kissen auf den Kopf presste. Die Nacht war eine weitere laute Bestätigung dafür gewesen, wie unterschiedlich unsere Leben waren.

Während der Stunden, in denen ich wach lag, fragte ich mich, wie es nur so weit mit mir hatte kommen können.

Ich war mit Sandy zusammengezogen, nachdem ich mich von meinem Lebensabschnittsgefährten getrennt und mich für eine Wohngemeinschaft entschieden hatte. Doch Sandys wilder Lebensstil und ihre Unordentlichkeit verunsicherten mich, sodass ich die meiste Zeit in meinem Atelier verbrachte.

Mein Arbeitsraum war in einem schäbigen Gebäude am verkehrten Ende der Stadt in einer verkehrten Gegend untergebracht. Ein kalter, stiller, viereckiger Raum, in dem ich mit meiner privaten Obsession kämpfte - der Malerei.

Sie war genauso unberechenbar wie ein Tier. Für sie benötigte ich Wagenladungen von teurem und höchstwahrscheinlich gefährlich giftigem Material, jede Menge Ruhe und das richtige Licht.

Nordlicht. Man brauchte einen regelmäßigen Lichteinfall, der sich nicht nach Belieben auf das Gemälde legte oder am Tagesende alles orange erschienen ließ. Eine stetige Lichtquelle, die nie aufdringlich oder überraschend wurde. Ich war umgeben von den Gerüchen nach Terpentin, Leinöl und Waschbenzin. Nach einem ganzen Tag in meinem Studio wurde mir auf dem Heimweg schwindelig von den vielen Dämpfen. Nichts von dem, was ich malte, konnte mit dem Krach und dem Lichtermeer konkurrieren, die mich auf der King Street erwarteten. Ich erschaffte großformatige Bilder, starke Farbkompositionen und wagemutige Profile. Aber nie gaben sie dem Betrachter den richtigen Kick. Ich reflektierte alles, was ich sah, versuchte sowohl das Grauen als auch die Schönheit der Welt darzustellen, fühlte mich aber immer wie eine abseitsstehende Betrachterin, die nur halbherzige Bilder eines unausgefüllten Lebens zustande brachte.

Im Vergleich zu mir lebte Sandy stets im Auge eines wunderbaren Hurrikans. Ich wunderte mich immer wieder, wie schnell sie sich von Männern trennte. Sie ging mit jedem dahergelaufenen Typ, den sie nett fand, ins Bett und warf ihn danach wie ein benutztes Taschentuch wieder weg, um sich direkt dem nächsten zuzuwenden. Und ich? Ich lag noch in den Nachwehen meines Liebeskummers, hing noch immer mit einer bescheuerten Wehmut an meinem Ex und war unsicher, was ich ändern sollte oder überhaupt wollte. Ich wusste nur, dass mir etwas fehlte.

»Guter Sex«, lautete Sandys Meinung dazu. Sie löste alle Probleme des Lebens mit gutem Sex und genoss jedes saftige und noch so klebrige Detail eines One-Night-Stands. Nun, vielleicht war ich ein wenig altmodisch hinsichtlich flotter Quickies, aber ich bevorzugte die romantische, langsame Tour mit verstohlenen Blicken, scheuem Lächeln und nächtlichen Gesprächen. Ich wollte nicht mit irgendjemandem nur wegen eines Ficks ins Bett fallen, ein paar Gefühle sollten schon dabei sein. Und zwar so beständig und verlässlich wie die Aufeinanderfolge der Jahreszeiten - nicht nur für einen kurzen Moment. Die Luft hatte mit Liebe erfüllt zu sein, wenn ich mich einem Mann hingab. Ich konnte mir nicht vorstellen, mit einem Kerl zu schlafen, den ich nicht liebte. Wie gesagt, ich war da wahrscheinlich ein wenig altmodisch.

»Wer sagt denn, dass es keine Liebe ist?« Sandy fuhr mit den Händen durch die Luft, also ob sie alle moralischen Bedenken beiseitewischen wollte. »Weißt du eigentlich, wie viele verschiedene Liebesarten es da draußen gibt, Schätzchen? Für jeden einzelnen, den du triffst, existiert die passende. Warum willst du nicht einmal ausprobieren, was alles möglich ist? Ein kleines bisschen Spaß? Nur ein kleines Abenteuer. Du könntest, weiß Gott, ein wenig Aufregung vertragen.«

Am Montag schleppte ich mich wie üblich in mein Studio, um an meinem aktuellen Werk weiterzuarbeiten. Ich deckte die Palette ab, die bislang nur drei Farben enthielt: Umbra, Preußischblau und eine Spur Scharlachrot. Ich arbeitete an einem Küchen-Stillleben. Ein Tisch, Stühle, ein Fenster und die Ecken eines Zimmers. Einfach und etwas schemenhaft. Die Art von Küche, in der man allein in Ruhe seinen Gedanken nachhängen kann. Ich arbeitete am Hintergrund und verwischte dünne Farbschichten übereinander, bis die Farben dem Bild eine trübe, neutrale Tiefe gaben. Während ich an den Schattierungen arbeitete, stöpselte ich mir die Kopfhörer meines Walkmans ins Ohr. Schwermütige Gitarrenakkorde von Mazzy Star erklangen. Mit der Bürste fuhr ich im Terpentin herum und weichte die Borsten auf. Dann rieb ich damit so lange über die blaue Farbe, bis sie sich verflüssigte. Ich näherte mich der Staffelei, betrachtete mein Werk, strich selbstbewusst darüber und war sicher, mir damit einen Namen zu machen. Nur an einigen Stellen brauchte das Gemälde noch mehr Tiefe.

Ich machte mich ans Werk und tauchte in meine eigene stille Welt, in der ich für niemanden erreichbar war. Darin gab es nur das Licht und die unverkennbaren Farb- und Harzgerüche des Studios, die Klänge einer Steel-Guitar und eines Songs, die direkt in mein Ohr rieselten, ohne dass ich auf den Text achtete. Ich erschuf einen nicht existenten, imaginären Raum, in dem ich mich verlor.

Die Hand fiel wie ein Donnerschlag auf meine Schulter. Ich erschrak dermaßen, dass ich mit einer Hand die Terpentindose umstieß. Die schmutzigblaue Brühe ergoss sich über den Boden, die Palette und meine Jeans. Ich sah mich um und starrte in die erschrockenen Augen des Mannes, der mir gerade seine Pranke auf die Schulter geschmettert hatte. In meinem Ohr dudelte noch immer ein alter Song. Es kam mir vor, als ob sich ein Fremder gewaltsam in mein Traumland gedrängt hätte. Zumindest hatte er die Güte, betroffen auszusehen: bleiches Gesicht mit blauen Augen, die schockiert und bestürzt wirkten. Dazu köstliche Lippen, die schnell Wörter aussprachen, die ich nicht verstehen konnte.

»Wie bitte?«, fragte ich und zog die Stöpsel aus meinen Ohren. Die Geräusche des wahren Lebens prasselten auf mich ein und mischten sich mit dem Entschuldigungsgemurmel des jungen Mannes.

»… wirklich leid. Ich wollte Sie nicht erschrecken.«

Er besaß eine überraschend volle Stimme, diesen warmen holzigen Ton, der manchen Amerikanern eigen ist. Wie ein Bass, ein guter Whisky oder ein Herbsttag. Männlich eben.

»Bin ich zu spät? Es war nicht ganz einfach, Sie hier zu finden.«

Er zog seine Jacke aus und suchte nach einem Stuhl, um sie abzulegen. Ich war mittelschwer verwirrt von seinem Verhalten. Einerseits befand ich mich noch immer in meiner Traumwelt, in die ich - wie gesagt - abtauche, wenn ich arbeite, andererseits faszinierte mich seine Erscheinung. Das Chaos seiner teerschwarzen Locken hob sich erschreckend finster von seiner bleichen Haut ab. Die perfekt gezeichneten Lippen mit dem karminroten Cupidobogen verliehen seinem Gesicht eine zarte Schönheit, die von hohen, markanten Wangenknochen zusätzlich betont wurde. Und erst sein Körper! Selbst unter der locker sitzenden Hose und dem Hemd war sein perfekter Body nicht zu verleugnen. Dann war da noch die Art, mit der er sich bewegte. Die Art, mit der er mit seinem Jackett in der Hand einfach nur dastand. Die Art, mit der er seine Kleider trug. Kein Zweifel, unter ihnen verbarg sich ein Sixpack, auf dem man Nüsse knacken konnte.

»Hier arbeiten wir also?«, fragte er und sah mich ein wenig verunsichert an, weil ich noch immer schwieg.

Ich starrte ihn an und versuchte zu kapieren, was sich hier überhaupt abspielte.

»Joe?«

Endlich klickte es bei mir. »Joe«, ein bekannter Künstler, arbeitete nur eine Tür weiter und hatte sich auf Kohleskizzen von Akten von jungen Männern spezialisiert. Meistens jedenfalls. Manchmal mietete er Modelle und ließ die armen Typen in seinem eiskalten Studio für einen Zehner die Stunde posieren.

Der Ärmste hatte sich also im Atelier geirrt.

Ich wollte gerade loslachen, ihn auf seinen Irrtum aufmerksam machen und ihm den Weg zu Joes Studio zeigen, als ich mich selbst überraschte. Vielleicht lag es ja auch an den Farbdämpfen.

»Klar doch«, nickte ich zustimmend. »Hier arbeiten wir.«

Wie ich mir später eingestehen musste, hatte ich mit dieser kleinen Notlüge eine unsichtbare Grenze überschritten. Ich hatte Joes Modell geklaut und damit einen Fremden dazu gebracht, sich vor mir auszuziehen. Wenngleich mein Herz wie eine Trommel schlug, war ich nach außen völlig cool.

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