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Am Anfang war Vertrauen: Wie wir unsere Kinder jetzt ermutigen und gut begleiten können

Inhalt

Vorwort

Entlastung in schweren Zeiten

Was ist mein Beitrag?

Zu Beginn: eine wichtige Weichenstellung

Der Unterschied zwischen Ermutigung und Lob

Lob und Ermutigung ist nicht das gleiche

Lob verfolgt einen anderen Zweck als Ermutigung

Die Sprache der Ermutigung

Selbstermutigung

Was ist Ermutigung?

Eine Haltung, die Mut macht

Worum geht es bei Ermutigung?

Sozialer Mut

Die Idee der Ermutigung

Jede Person ist wichtig

Abkehr von körperlicher Züchtigung

Das kleine „g“

Erfolgreiches Lernen

Was sind die Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen von Kindern und Jugendlichen?

Die Bedeutung von Vertrauen

Im Flow sein dürfen

Warum ist die Fähigkeit zur Polarisation der Aufmerksamkeit so wichtig für das Lernen unserer Kinder?

Und was hat das Ganze mit Vertrauen zu tun?

FALLBEISPIEL: Übertriebene Fürsorge

Wer liebt Kontrolle? Wer braucht Kontrolle?

Autonom sein

Keine äußeren Zwänge – ist das gut?

Widerstand überwinden

Hingabe ans Tun

Hören wir unseren Kindern zu!

Ich bin geduldig und nehme mir Zeit

Was ist ein Familienrat?

Gemeinschaftsgefühl bei Adler und Dreikurs

Adler und Dreikurs bezeichnen die Entwicklung und Förderung des Gemeinschaftsgefühls als Ermutigung

Ist unser Verhalten veränderbar?

Was bewirkt Verwöhnung?

Nein sagen schadet nicht

FALLBEISPIEL: Kordula - Eine gute Mutter macht das halt!

Wie kann ich mein Kind bei den Hausaufgaben unterstützen?

Lernen in einer Ausnahmesituation

Kinder beobachten und dokumentieren

Die Beobachterin ist immer Teil des Geschehens

Dokumentation ohne Wert?

Beobachtung und Manipulation

Meine eigenen Antreiber

Die Antreiber hinterfragen

Diagnosen sind Momentaufnahmen

Kinder miteinander vergleichen

Ich versuche heute zu sehen, was mein Kind kann und was es gerne macht: Fehler machen ist dabei unbedingt erlaubt!

Ich erkenne Bemühungen und Fortschritte an, auch kleine. Fehler machen gehört zum Leben und zum Lernen dazu!

Wie lernen kleine Kinder?

Frühes Lernen

Was tun bei Rückschlägen, bei Fehlern, bei Misserfolgen?

FALLBEISPIEL: „Hausübungsmachtkampf“

Mit Gefühlen zurechtkommen

Mütterlicher Mensch

Gefühl schlägt Logik

Eingriff in die Lernwelt

Ein neuer Zugang zum Lernen

Ich versuche, ohne Be- oder Verurteilung zu streiten

Negative eigene Erfahrungen bearbeiten

FALLBEISPIEL: Pia - Dazugehören heißt, das Eigene zurückzustellen

Lernblockaden

FALLBEISPIEL: Anna - Wer Kinder ermutigen will, muss selbst ermutigt sein

Wissen und Herzensbildung

Wie kann ich meine Kinder dabei unterstützen, selbstständig zu werden?

Wie können wir unseren Kindern zeigen, dass sie Teil von uns und von unserer Welt

sind?

Erziehung bedeutet Beziehung, Lehren heißt lernen lassen

Loslassen

FALLBEISPIEL: „Moritz“

Wir als Lernende

Nehmen wir uns selbst als Lernende wahr?

Ich traue mir selbst und dem anderen etwas zu

Kulturwandel

FALLBEISPIEL: Ottilie, Lehrerin ohne Durchsetzungskraft

Vertrauen schenken

Was Kinder motiviert

Lernstörungen

FALLBEISPIEL: Gabi versagt in Mathe

Mut zur Übung machen, Mut zum Weitermachen geben – das ist ermutigend!

Wessen Grenzen sehen wir?

FALLBEISPIEL: Anette und ihr Schmerz

FALLBEISPIEL: Jakob will es allein tun

Ordentliches Lehr- und Lernmaterial

Ordnung, Struktur, Klarheit

Teil einer Gruppe sein

Ein positives Arbeits- und Familienklima wirkt ermutigend

Kinder kooperieren, wenn

Je mutloser wir selbst sind, desto weniger können wir ermutigen. Und: Niemand ist schuld

Für die Erziehenden bedeutet das: wir müssen zuerst lernen, uns selbst zu ermutigen.

Kinder drücken auf die richtigen Knöpfe

Unterdrückte Gefühle

Ziele des Verhaltens

Empathie

Vielfalt der Gefühle – damit umgehen lernen

Körperkontakt und Zärtlichkeit

Macht Liebe autonom?

Aufgaben der Gesellschaft

FALLBEISPIEL: Hermine - Es tut gut, sich selbst ernst zu nehmen

Fehler machen - gesellschaftlich akzeptiert?

Ich, als Pädagogin meiner Kinder?

Worum es beim Ermutigen noch geht:

Weitere Denkanstöße zur Ermutigung

Bin ich ok und bin ich gut genug?

FALLBEISPIEL: Konrad - „Ich bin perfekt im Ungehorsam Sein“

Lernstörungen überwinden

Legasthenie

FALLBEISPIEL aus der Lernberatung: Jonas, übermütiger Zappelphilipp

Was Kindern mit Lese Rechtschreibschwäche nicht hilft

Was im Falle einer Lernschwäche oder Lernstörung genau betrachtet werden soll

Lernförderung

Auch hier: Ermutigung ist alles, was Mut macht

Tipps zur Rechtschreibförderung

Was können Eltern konkret dazu beitragen, ihre Kinder beim Schreiben, Lesen- und Rechnen lernen zu unterstützen?

Schwache Leser

Zwei Schritte zum Mut

Deine Schrift ist eine Zumutung!

Schulbücher oder Illustrierte?

Lernpsychologisch miserabel

„Kopieritis“

Weniger ist mehr

Verunsicherung

Multiple Choice Minimalisten

Lernbiografie

Sachlich und politisch korrekt?

Schmerzliche Prozesse für junge Eltern

Information oder Gefährliches Halbwissen

FALLBEISPIEL: Kai – „Ich muss es selbst probieren dürfen.“

Kein einziges Kind macht absichtlich Fehler

Ermutigung macht Partnerschaftlichkeit und Gleichwertigkeit möglich

Hochdeutsch als Fremdsprache

Üben lohnt sich

Beziehungspartner brauchen Ermutigung

Die Entdeckung der Eigen-Art

Nachmacher

Rechenstörungen vermeiden – aber wie?

Dyskalkulie gleich professionell klären lassen

Dyskalkulie-Früherkennung

Individualisierung

Zuhause üben in Corona-Zeiten

„Die sechs Grundeinstellungen, die Kindern Sicherheit geben“

Ermutigendes sammeln und aufschreiben

FALLBEISPIEL: Margit - Daheim sein und mithelfen?

Braucht es Einigkeit?

FALLBEISPIEL: Timo - Die Hausübungen mache ich für meine Lehrerin

Gegenseitige „Auftragsvergabe“

Was uns allen hilft

Moralisieren ist out

Zu guter Letzt

„Bildungsertragseffizienzmessung“

Scheiter heiter

Und hier schließt sich der Kreis

Stichwortverzeichnis

Verwendete Literatur / Empfehlungen zum Weiterlesen:

Links:

Vorwort

Entlastung in schweren Zeiten

Dieses Buch soll Euch, liebe Eltern entlasten. Ihr seid jetzt mit euren Kindern zuhause. Wir alle befinden uns in einer Ausnahmesituation. Wir müssen die Zeit bis „nach Corona“ überbrücken. Vielleicht ist dieses Buch eine Hilfe und ein Begleiter für Euch, für jetzt und die Zeit „danach“.

Wir begleiten unsere Kinder. Dabei brauchen wir Ermutigung und Rückhalt!

Schule, Lernen, Hausaufgaben und Üben sind Themen, die alle Eltern in irgendeiner Form beschäftigen. Die vielen Fallbeispiele in diesem Buch sollen die Vielfalt und Verschiedenheit unseres Miteinanders widerspiegeln und ich hoffe, dass diese Beispiele auch aufzeigen, dass wir Eltern letzten Endes alle im gleichen Boot sitzen und unsere Sorgen und Nöte, unsere Freuden und Erfahrungen auf diese Art teilen.

Ich sitze gerade in meinem improvisierten Homeoffice im Schlafzimmer. Mein Mann Hannes, der für einen großen internationalen Versicherungskonzern tätig ist, arbeitet im Teleworking Modus und braucht unser gemeinsames Büro tagsüber für Webinare, Onlineseminare und Videokonferenzen.

Als psychologische Beraterin mit den Schwerpunkten Lern- und Erziehungsberatung habe ich in diesem Büro auch eine Beratungsecke: die bleibt jetzt aus Sicherheitsgründen für einige Zeit unbenutzt. Sämtliche Beratungsangebote, Coachings, Supervisionen und Seminare wurden mit Donnerstag, 12. März 2020, zum Teil „ersatzlos gestrichen“.

Was kann ich beitragen? Ein Gedanke, der meine Arbeit immer begleitet.

Was ist mein Beitrag?

Also stellte ich mir die Frage: Was kann ich tun? Wie kann ich einen sinnvollen Beitrag leisten? Ich gehöre nicht zu den vielen systemerhaltenden Berufsgruppen, die momentan Herausragendes leisten.

Ich gehöre jetzt zu denen, die im Hintergrund in ihren Familien, Häusern, Wohnungen, Gärten und Heimbüros die Stellung halten. Was mache ich am liebsten? Ich schreibe gern. Ich bin gern für andere Menschen da.

Dann versuche ich jetzt, Menschen zu ermutigen, indem ich schreibe: Ich ziehe mich in mein Schlafzimmer zurück und versuche all das zu sammeln, was mir, was vielen Eltern und Kindern zum Thema „Lernen“ und „Ermutigung“ bereits hilfreich war.

Ein Buch zum Nachlesen, zum Schmökern, zum Ermutigen

Dieses Buch ist somit ein Sammelsurium für alle jene Menschen, die mit ihren Kindern und Jugendlichen zuhause die Zeit überbrücken müssen. Es soll jene inspirieren, die ihre Kinder beim Lernen und beim Üben unterstützen wollen.

Lernermutigung und Lernberatung sind die Themen, mit denen ich mich unter anderem in den letzten 20 Jahren intensiv beschäftigt habe. Die Fallbeispiele aus meiner Praxis und aus Unterricht und Weiterbildung wurden zum Schutz der jeweiligen Personen so verfremdet und anonymisiert, dass keine Rückschlüsse gezogen werden können auf die Beteiligten.

Wir Eltern und Erziehende brauchen in diesen Zeiten vor allem Mut und Ermutigung, um unseren Alltag gut zu bewältigen und unseren Kindern ein sicheres Vorbild in dieser unsicheren Zeit zu sein.

Das Buch soll Inspiration, Anregung und Ideenlieferant sein, es soll entlasten und zeigen, dass wir Eltern alle ähnliche Sorgen und Nöte haben. Das verbindet uns miteinander. Jeder Mensch geht seinen Weg, auf seine spezielle Art und Weise. „Urteile nie über jemanden, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist.“ Diese weise indianische Redensart begleitet mich schon sehr lange.

Sie drückt das aus, was Alfred Adler so ein großes Anliegen war: »mit den Augen eines anderen zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hören, mit dem Herzen eines anderen zu fühlen.«

Danke für dein Interesse!

Mit herzlichen Grüßen,

Sabine Felgitsch

PS: Wege entstehen dadurch, indem wir sie gehen. Mit einer großen Portion Mut zur Unvollkommenheit. Darum bitte ich Dich, mir Fehler und Dinge, die ich eventuell nicht berücksichtigt habe, zu verzeihen. Wo Fehler sind, da ist auch Erfahrung…

Zu Beginn: eine wichtige Weichenstellung

Der Unterschied zwischen Ermutigung und Lob

Was ist der Unterschied zwischen Lob und Ermutigung?

Beispiel:

Eva malt ein Bild. Sie zeigt es ihrer Mama.

„Schön!“ sagt sie, obwohl sie nicht sicher ist, was das Bild darstellen soll.

Mama sagt: „Das ist toll! Das hast du gut gemacht. Ich bin stolz auf dich!“

Was mag die Reaktion von Eva sein? Wenn es öfter so vorkommt, was lernt Eva unter Umständen über sich und über die Welt?

Wie stehst du persönlich zum Lob? Wer hat dich gelobt? Magst du Lob?

Welches Gefühl löst Lob bei dir aus? Wer darf dich loben?

Fühl dich in die folgenden Situationen ein. Bist du die der oder die „Belohnte“ oder „Ermutigte“?

♦ Ich bin stolz auf dich!

♦ Mach weiter so!

♦ Ich weiß, du kannst das besser!

♦ Streng dich ein bisschen mehr an, du schaffst das!

♦ Ich weiß, dass du es schaffen wirst!

♦ Du bist so ein liebes Kind!

♦ Ich bin für dich da, zum Trösten, zum Weinen, zum Traurigsein!

♦ Du gefällst mir!

♦ Ich sehe, dass du mit deinem Bild zufrieden bist! Magst du rot und grün?

♦ Toll gemacht, Paul! Den ganzen Tag heute das Töpfchen benutzt!

♦ Danke, dass du so geduldig warst beim Essen!

♦ Du scheinst stolz zu sein, dass du schon deinen Namen schreiben kannst!

♦ Du scheinst das zu mögen!

Lob und Ermutigung ist nicht das gleiche.

Wir ermutigen nicht automatisch, wenn wir loben.

Lob kann, weil es „hierarchisch“ ist, bei manchen Kindern auch entmutigend wirken, abhängig vom jeweiligen Lebensstil und inneren Bauplan des Kindes, und davon, wie und wozu es angewendet wird.

Lob verfolgt einen anderen Zweck als Ermutigung.

Bei der Ermutigung geht es nicht, so, wie beim Lob, darum, dass das Kind als „besonders“ oder „großartig“ bezeichnet wird.

Ermutigung bezieht sich immer auf die Zugehörigkeit. Das Kind wird ermutigt, indem es gesehen wird, indem beachtet wird, was das Kind für die die anderen und für sich selbst beigetragen hat.

Beim Lob geht es um Hierarchie, bei der Ermutigung geht es um Gleichwertigkeit.

Lob kann abhängig machen, Ermutigung, wenn sie vom Herzen kommt, macht frei und erzeugt gleichzeitig Verantwortung.

Die Sprache der Ermutigung

Ermutigung kommt dann zum Einsatz, wenn das Kind sich kooperativ gezeigt hat.

Ermutigung versucht, Mut zu machen.

Ermutigung zielt auch auf das ab, was bevorsteht oder kommen mag.

♦ Wie fühlst du dich?

♦ Wie gefällt es dir?

♦ Du schaffst es.

♦ Danke. Das hat mir sehr geholfen!

♦ Ich brauche deine Hilfe beim…

♦ Du hast wirklich hart daran gearbeitet.

♦ Du wirst immer besser im…

♦ Ich weiß deine Hilfe wirklich zu schätzen

♦ Du machst wirklich Fortschritte!

Selbstermutigung

Wer merkt, dass er etwas Selbstermutigung brauchen könnte und bereit ist, jeden Abend zehn Minuten in sich selbst und sein Selbstvertrauen zu investieren, dem empfiehlt der Altmeister der Ermutigung, Theo Schoenacker, sich am Ende jeden Tages zu einer kleinen Übung der Selbstbesinnung zurückzuziehen (in: Ermutigende Führung, Schäffer Pöschel Verlag, S. 48 ff.)

Setz Dich hin, entspanne Dich, werde ruhig. Dann nimm einen Zettel und einen Stift zur Hand und schreibe auf:

♦ Was habe ich heute gut gemacht?

Nenne fünf Dinge, am besten solche, die etwas zu tun haben mit deinem Verhalten anderen Menschen gegenüber.

♦ Wofür bin ich heute dankbar?

Nenne fünf Antworten.

♦ Was will ich morgen gut/besser machen?

Die Entscheidung, etwas besser zu machen, also etwas zu verändern, soll sich auf deinen Umgang mit einem anderen Menschen oder auf den Umgang mit dir selbst beziehen.

Diese Übung bekommt mehr Wert, je länger Du sie machst. Du lernst, gut mit Dir umzugehen und konstruktiver über Dich zu denken, das wirkt sich auch auf Deine Mitmenschen aus. Weg von der Ich-Bezogenheit, die immer mit negativen Emotionen einhergeht.

Es gibt auch eine nette Übung von Alfred Adler, die er einem Patienten mit Schlafstörungen verschrieb:

„Fragen Sie sich jeden Abend vor dem Schlafengehen, welchen zwei Menschen Sie morgen eine Freude machen wollen. Praktizieren Sie das 14 Tage lang.“

Was ist Ermutigung?

Eine Haltung, die Mut macht

Ermutigung ist eine Haltung oder Einstellung, bei der ich an jemanden (auch an mich!) glaube und aufgrund dieses Glaubens etwas tue. Ich ermutige jemanden, etwas zu tun. Ich glaube an ihn. Ich vertraue ihm.

Ermutigung konzentriert sich nicht so sehr auf den „Output“, auf das, was als Produkt herauskommen soll, nicht auf die Leistung, sondern auf das „Wie“, auf den Versuch. Es geht darum, auszuprobieren und sich einzulassen.

Worum geht es bei Ermutigung?

♦ Es geht eher um den Weg, als um das Ziel.

♦ Ermutigung setzt dort an, wo man verzagt, verunsichert ist.

♦ Ermutigung hilft, Hindernisse zu überwinden.

♦ Ermutigung zielt nicht auf bereits erreichte Erfolge ab, sondern auf künftige Erfolge.

♦ Ermutigung hilft beim Überwinden von Schwierigkeiten.

♦ Ermutigung ist zukunftsorientiert.

♦ Ermutigung hilft auch bei Misserfolgen weiter.

♦ Ermutigung basiert auf Augenhöhe und auf Akzeptanz

Sozialer Mut

Ermutigung bedeutet auch „sozialer Mut“. Wir übernehmen Verantwortung, wenn wir uns ermutigt fühlen. Wir wollen Offenheit, es fällt uns leichter, zu Fehlern zu stehen, wir wollen Farbe bekennen und Stellung beziehen, tun uns leichter mit Grenzen setzen, haben eine gute Wahrnehmung, trauen uns, Neues auszuprobieren und lernen, einen mutigen Schritt nach dem anderen zu setzen.

Ermutigung bringt Konfliktfähigkeit. Wenn wir ermutigt sind, schauen wir hoffnungsvoller in die Zukunft.

Die Idee der Ermutigung

Alfred Adler, ein österreichischer Arzt mit jüdischen Wurzeln, gilt als Begründer der „Individualpsychologie“ und als Urheber der „Ermutigungsidee“. Er wurde 1870 geboren und verstarb 1937. Für Alder war soziale Gleichwertigkeit sehr wichtig. Seine Lehre ist eine „Alltags- und Gebrauchspsychologie“ und konzentriert sich vor allem auf die Ressourcen des Menschen. „Individuum“ ist ein lateinisches Wort und beschreibt die Unteilbarkeit und Einzigartigkeit. Adler war es wichtig, zu erkennen, wie wichtig jeder Einzelne für das „Große Ganze“ ist. Er wollte damit ausdrücken, dass nichts unabhängig voneinander betrachtet werden kann.

Jetzt, in Zeiten von Corona können wir das sehr deutlich erleben, wie wichtig es ist, dass viele von uns, besser noch, alle von uns, sich an diese Regeln und Vorschriften halten. Es könnte Leben retten und weitere Infektionen verhindern. Wir alle sind voneinander abhängig. Alles hängt mit allem zusammen.

Jede Person ist wichtig

Jeder Mensch ist wichtig. Für Adler waren die Begriffe „Zugehörigkeit“ und „Gemeinschaftsgefühl“ wesentlich. Wir müssen unser Erziehungs- und Schulsystem, so Adler, auf ein „Wir-Gefühl“ ausrichten. Alle gehören dazu. Das mächtigste Mittel der Erziehung ist die Liebe und die damit verbundene, notwendige Erfüllung des kindlichen Bedürfnisses nach Zärtlichkeit.

Kinder müssen einerseits lernen, sich unterzuordnen und andererseits müssen sie lernen, sich durchzusetzen und sich bemerkbar zu machen. Für einen kleinen Menschen ist beides überlebensnotwendig. Das Streben nach Selbstbestimmung und nach Liebe bringt bereits von frühester Kindheit an Konflikte mit sich: Tue ich etwas um der Gemeinschaft willen? Oder setze ich mich durch und befriedige somit meine Sehnsucht nach Wachstum und Autonomie?

Ein einziger Mensch kann viel tun und viel bewirken, im Guten wie im Schlechten. Alfred Adler wollte keine bewertende, belehrende oder moralisierende Psychologie begründen. Für ihn waren die Freiheit und die Würde des Menschen sehr wichtig. Das Individuum allerdings ist immer Teil ist von einem „Großen Ganzen“. Dessen sollen wir uns in der Erziehung bewusst sein. Es geht um das „Wir-Gefühl“, die Menschheit ist wichtig, die Natur und die Schöpfung.

Im Leben eines Menschen geht es vorwiegend um diese Fragen: Wie bin ich? Wie sind die anderen Mitmenschen? Wie ist die Welt? Was sind meine Ziele? Was sind meine Mittel und wie erreiche ich meine Ziele? In den Gedanken, Handlungen, Gefühlen und im Verhalten des Menschen, zeigt sich der jeweilige „Lebensstil“ eines Menschen.

Adler war ein Kollege von Sigmund Freud, dem Entdecker des „Unbewussten“. Von Freud lernte Adler sehr viel über die menschliche Seele. Das half ihm dabei, neue, eigene Einsichten vor allem über die Entwicklung und Grundbedürfnisse von Kindern zu gewinnen.

Alfred Adler gilt als Begründer der psychosomatischen Medizin und des ganzheitlichen Denkens: Körper, Geist und Seele sind nicht voneinander zu trennen und wirken immer zusammen.

Gemeinschaftsgefühl ist, »mit den Augen eines anderen zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hören, mit dem Herzen eines anderen zu fühlen.«

ALFRED ADLER

Abkehr von körperlicher Züchtigung

Einfühlungsvermögen und dem Kind zuzuhören war für Adler das Wichtigste in der Erziehung. Er war ein Mann mit einem großen Herzen, mit Hausverstand und Bodenständigkeit. Er sprach sich öffentlich gegen die körperliche Züchtigung von Kindern aus.

Alfred Adler war ein Meister der Ermutigung. Folgende Geschichte wird von ihm überliefert:

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