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Als ich mich nackt auf die Haarbürste setzte

ÜBER DIE AUTOREN

Dr. Rich E. Dreben arbeitet als Kinderpsychiater und lebt in Los Angeles.

Dr. Murdoc Knight ist als Notarzt in Massachusetts tätig und lebt in Westfield, Massachusetts.

Dr. Marty A. Sindhian arbeitet als Psychiater in San Francisco.

Dr. Rich E. Dreben
Dr. Murdoc Knight
Dr. Marty A. Sindhian

Als ich mich nackt
auf die Haarbürste setzte

Peinliche Geschichten aus der Notfallambulanz

Aus dem amerikanischen Englisch
von Viola Krauß

Für Sujatha: Das Licht, das mich durch das Dunkel der Nacht führt.
Für Einstein, den Hund: Der mir mehr Menschlichkeit beigebracht hat als irgendein Mensch.

Marty

Für Laura Knight: Die nie den Glauben daran verloren hat, dass ich mit genügend harter Arbeit und Beharrlichkeit eines Tages ein Buch über verloren gegangene Dinge in menschlichen Hinterteilen schreiben werde.

Murdoc

Für Bossy McBossy, in Liebe: Es gibt niemanden auf der Welt, von dem ich mich lieber herumkommandieren lasse, und niemanden, den ich lieber um mich hätte.

Rich

INHALT

VORWORT

Auf der medizinischen Hochschule fing alles an. Rich und Murdoc waren eng befreundet und besuchten sämtliche Kurse und Prüfungen zusammen. Dabei hinterließen einige außergewöhnliche Röntgenaufnahmen und Krankengeschichten, denen die Studenten ausgesetzt wurden, tiefen Eindruck. Jene Geschichten begannen oftmals mit den Worten »Ich war gerade nackt am Staubsaugen, als ich hinfiel und ...« oder »Ich lief gerade nackt im Haus umher und hüpfte aufs Bett, als plötzlich ...«. Rich erkannte, dass die Dinge, die er von diesen Vorfällen lernte, länger bei ihm hängen blieben als so manch anderes Detail seiner medizinischen Ausbildung. Aufgrund des großen pädagogischen Potenzials, das diesen Begebenheiten innelag, meinte Rich zu Murdoc eines Tages: »Lass uns diese Röntgenbilder mal im Hinterkopf behalten. Ich habe echt wahnsinnig viel von ihnen gelernt«, was Murdoc für eine umwerfende Idee hielt.

Viele Jahre und viele Röntgenbilder später hatten Rich und Murdoc noch immer keinen Plan, wie sie aus diesem Stoff ein Lehrbuch machen könnten, das sowohl lesefreundlich als auch so verständlich war, dass man sich die Qualen eines Medizinstudiums sparen konnte. Sie wussten einfach nie so recht, wann es denn nun Zeit war, die gesammelten Bilder und Geschichten in etwas zu verwandeln, das man voller Stolz als Werk der Bildung präsentieren könnte. Während seiner Assistenzzeit traf Rich dann auf Marty, der sich in die Idee ebenso verliebte; damit war endlich jemand gefunden, der die lang ersehnte Richtung vorgab, um Als ich mich nackt auf die Haarbürste setzte zu verwirklichen.

Wir setzten viele Agenten und Verlage von unserem Vorhaben in Kenntnis und erhielten einige ziemlich interessante Rückmeldungen (die abzudrucken als Verstoß gegen die allgemeinen guten Sitten gelten würde). Letzten Endes aber fanden wir die idealen Leute, die mit uns zusammenarbeiten wollten. Schnell wurde uns klar, dass die Erschaffung eines Buchs sich ungefähr so einfach und überschaubar gestaltet wie das Entfernen eines Kleiderbügels aus dem Enddarm. (Schauen Sie im Buch nach, wie das funktioniert, aber versuchen Sie nicht, das zu Hause nachzumachen.)

Der Schweigepflicht zuliebe – und um den pädagogischen Nutzen der Röntgenbilder zu maximieren – haben wir uns mit einer erstklassigen Grafikerin zusammengetan. Sie hat ein paar kleine Änderungen vorgenommen, damit man die Objekte besser erkennt. Hin und wieder nahmen wir uns die kreative Freiheit, ein wenig Humor oder Drama hinzuzufügen, um Ihnen das Lernen zu erleichtern. Wir weisen Sie deshalb im klassischen Rechtsjargon auf Folgendes hin: »Die Geschichten dieses Buchs beruhen zwar zum Großteil auf wahren Begebenheiten, sind jedoch technisch gesehen fiktional und stellen keine tatsächlichen Personen, Vorkommnisse oder Rekta dar.«

Häufig wissen die Leute nicht, wie sie reagieren sollen, wenn sie mit diesen Röntgenbildern konfrontiert werden. Nun ja, manchmal ist die Wahrheit eben überraschend und wahrlich schwer zu glauben. Daher unser Ratschlag: Machen Sie’s sich bequem, genießen Sie das Buch und erfahren Sie, wie Sie es vermeiden können, dass Ihr Enddarm in Teil II endet.

Rich, Murdoc und Marty

EINLEITUNG

Wussten Sie, dass verloren gegangene Gegenstände die Hauptursache für Arztbesuche sind? Okay, das stimmt nicht ganz, aber es würde Darmspiegelungen zu echten Actionfilmen machen.

Um ehrlich zu sein, passiert es relativ häufig, dass Gegenstände im Köper verloren gehen. Bei Männern ist die Häufigkeit rektaler Fremdkörper übrigens 28-mal so hoch wie bei Frauen. Wie jede Frau weiß, verlieren Männer gerne was!

Die Notaufnahmen jedenfalls sind voll von Leuten jeden Alters, die Gegenstände in ihrem Körper vorzuweisen haben. Aus unterschiedlichen Gründen. Statistisch gesehen befinden sich solche Fremdkörper am wahrscheinlichsten entweder im Körper eines Mannes in den Zwanzigern, der alles tut, um sich zu stimulieren oder zu entspannen, oder im Körper eines Sechzigjährigen, der alles tun würde, um seine Prostata zu stimulieren oder zu entspannen. Das heißt natürlich nicht, dass Männer in ihren Dreißigern, Vierzigern oder Fünfzigern nicht auch dumme Dinge tun.

Wahr ist auch, dass rektale Fremdkörper so häufig vorkommen, dass sie in den USA ihren eigenen Bereich auf der E-Learning-Website emedicine.medscape.com haben. Dort wird erwähnt, dass kontrollierte klinische Studien bisher leider noch nicht durchgeführt werden konnten. Ob der Mangel an wissenschaftlichen Experimenten wohl auf den Mangel an Freiwilligen zurückzuführen ist?

In Wahrheit sind verschluckte Fremdkörper allgemein üblicher als »festgeklemmte«, eingeführte Gegenstände. Aufgrund ihres geringeren pädagogischen Nutzens haben wir verschluckte Kleinteile jedoch trotzdem weniger oft aufgeführt. Die Lektion dabei: Verschluckte Objekte kommen üblicherweise häufiger bei kleinen Kindern vor – eine Gruppe mit sehr schwach ausgebildeter Entscheidungskapazität, die auf Faktoren jenseits ihres Einflussvermögens beruht (im Gegensatz zu den Fans von Big Brother, die keine Ausrede für ihre schwache Entscheidungsfähigkeit haben).

Egal, was Sie hier sehen und lesen: Wir empfehlen Ihnen, keines der Szenarien zu Hause nachzustellen, denn Sie laufen Gefahr, eine Röntgenaufnahme und eine Operation über sich ergehen lassen zu müssen, und leben mit dem erheblichen Risiko einer Behinderung oder gar dem Tod. Damit das klar ist: Wir nehmen keine Röntgenbilder an, die in der Absicht angefertigt wurden, die Darstellungen und Szenarien dieses Buchs nachzustellen. Also, noch einmal: Bitte ahmen Sie nichts davon zu Hause nach! Jedoch, wenn Sie zufällig ein altes Röntgenbild daheim herumliegen haben, von damals, als sie nackt am Staubsaugen waren oder nackt zu Hause umhergelaufen sind, dann könnten wir es uns anders überlegen ...

IN TEUFELS KÜCHE

Heiß auf Reis

In Korea sollte man den Reis lieber mit dem Löffel servieren. Steckt man Essstäbchen direkt in ein Behältnis wie beispielsweise eine Schüssel mit Reis, dann symbolisiert das den Tod. Kein Wunder, dass Nord- und Südkorea immer so furchtbar gestresst sind.

Dieses Individuum schien kein Problem damit zu haben, seine Stäbchen irgendwohin zu stecken. Genau genommen schien er den Tod herausfordern zu wollen, indem er nämlich einen Darmriss oder eine Infektion riskierte.

Die Stäbchen auf dem Foto sind zwar aus Metall, normalerweise werden sie jedoch aus Bambus oder Plastik oder manchmal sogar Knochen, Elfenbein oder Holz gefertigt. Einem Bericht der Online-Ausgabe von China Daily zufolge sprach der Generalsekretär der China Cuisine Association (CCA) im August 2007 von mehr als 45 Milliarden produzierten und entsorgten Holzstäbchen im Jahr in China. Der Generalsekretär schätzt, dass diese Gepflogenheit die Umwelt rund 25 Millionen Bäume kostet. Wir wissen nicht genau, wie viele dieser Stäbchen dem hier abgebildeten Zwecke dienen, aber hoffentlich sind sie danach nicht weiter in Gebrauch. Gerichte wie »Schweinefleisch Dong Po« würden ansonsten in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Röntgenbild

Kaffee am Morgen bringt Kummer und Sorgen

Wir haben schon viele Flaschen in den Hinterteilen von Patienten gefunden, aber nicht halb so viele Tassen, obwohl ja beide eigentlich eine ähnliche Funktion haben. Das ist nicht verwunderlich, wenn man die jeweilige Form betrachtet. Bilder wie die nebenstehende Röntgenaufnahme werfen natürlich die Frage auf, wie um alles in der Welt eine Tasse ihren Weg nach dort oben finden kann. Ist der Gegenstand nicht sehr viel größer als die Leitungsbahn dorthin?

Die Grundlagen der Biomechanik helfen hier weiter: Haut und Schleimhäute verfügen normalerweise über gewisse viskoelastische Eigenschaften. Wenn man also lange und kräftig genug drückt, kann man überraschend große Gegenstände durch einen relativ kleinen, aber eben viskoelastischen Raum bewegen. Jetzt wissen Sie, wie Babys geboren werden!

Selbstverständlich hat auch diese Eigenschaft ihre Grenzen. Ab einer gewissen Größe passt kein Gegenstand mehr durch die Öffnung, ohne Risse oder sonstige Schäden zu verursachen. Was der Rekord ist, wissen wir nicht genau, aber wir werden weiterhin die Leute beobachten, die versuchen, ihn zu brechen.

Röntgenbild

Welche Gabel würde der Knigge empfehlen?

Für den Umgang mit Nahrung muss jedes Besteck lang genug und griffig sein. Dadurch eignet es sich auch für andere Unternehmungen. Dabei ist es oftmals schwierig, den richtigen Bestecktyp für die jeweilige Unternehmung auszumachen. Für einen Verwendungszweck wie den hier abgebildeten wäre ein Messer zweifellos zu scharf und könnte Verletzungen hervorrufen, während ein Löffel unter Umständen zu langweilig ist, weil er weniger anregende Eigenschaften vorweist. Wir glauben, die etwas sicherere Variante wäre ein Göffel gewesen, nur leider ist dieses Besteck nicht überall erhältlich, weil meist nur Kinder einen Göffel zu schätzen wissen – und die sind viel zu schlau, um so etwas zu tun.

Noch wichtiger für uns ist allerdings das Material des Essbestecks. Auch wenn es für die Umwelt und die eigene Gesundheit weniger verträglich ist, so hoffen wir, dass die Leute Plastik wählen – einen Einwegartikel also (für den Fall, dass sie uns irgendwann einmal zum Essen einladen sollten). Unglücklicherweise wählte dieser Patient wie die meisten anderen auch Edelstahl, wahrscheinlich weil er haltbarer und leichter zu handhaben ist. Oder vielleicht auch einfach deshalb, um endlich einmal das gute Besteck zu benutzen, bevor es im Schrank einstaubt.

Fassen wir es doch ganz einfach zusammen: Als der Patient nach einer Gabel griff, wählte er zur Abwechslung mal eine etwas andere Route, und das machte den entscheidenden Unterschied.

Röntgenbild

Ein Gläschen zu viel

Der Comedian Janeane Garofalo scherzte einst: »Ich schätze, ich sehe einfach gern das Negative. Das Glas ist immer halb leer. Und es zerbrach. Und ich habe gerade meine Lippe dran geschnitten. Und mir einen Zahn ausgeschlagen.« Traurigerweise ist das versehentliche Verschlucken von Glassplittern kein Grund zum Lachen.

Als einer unserer Patienten gerade ein Shrimps-Rigatoni-Gericht in seinem Lieblingsrestaurant verputzte, verspürte er urplötzlich einen heftigen Schmerz in seinem Hals, gefolgt von Schmerzen in der Brust. Nachdem er fertig gegessen hatte – jawohl, nachdem –, lieferte er sich in die Notaufnahme ein, wo man Glas in seinen Gedärmen sowie Risse in der Speiseröhre vorfand. Diese Verletzungen verheilten.

Der Patient bat das Restaurant, die Zuzahlung von 200 US-Dollar zu finanzieren, wozu sich das Restaurant bereit erklärte. Das überraschte uns. Wenn ein Arzt ähnliche Risse verursacht, verlangen die Patienten normalerweise weit mehr als die Rückerstattung ihrer Zuzahlung. In diesem Fall hätte er doch wenigstens um einen Dinner-Gutschein bitten können ... für ein anderes Restaurant!