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Als das Paradies zum Käfig wurde

Christine Lippold

Als das Paradies zum Käfig wurde

Chronologie einer (Corona) Krise, Teil 1

Viele Menschen teilen ihre Erfahrungen in dieser Zeit. Weshalb also noch eine Geschichte über die Zeit während der ersten Corona-Phase? Weil es unsere Geschichte ist, die wir nicht vergessen und die wir mit der Welt teilen wollen. Denn nichts ist wahrer als die Geschichten, denn auch die Wahrheit wird in Form von Geschichten erzählt.

Für

meinen Mann Ecki

meine Mama Roswitha

meine Schwiegermama Ursel

meinen Schwiegervati Peter

meine Kinder Florian, Lukas und Anne

für Peter und Irene

für Anja, Orfeo, Nikolas und Tina

und für

Mylene

Christine Lippold

Als das Paradies zum Käfig wurde

Chronologie einer (Corona) Krise

Teil 1

Januar 2020 – 21. März 2020

Vor 20 Jahren war Palawan, die 400 km lange, aber nur 40 km schmale Insel im Westen des philippinischen Inselarchipels, ein exotischer Platz für Abenteurer. Palawan ist eine der über 7000 Inseln der Philippinen und liegt langgestreckt zwischen dem Südchinesischen Meer im Westen und der Sulusee im Osten.

Es gab, wenn überhaupt, Wege, die nur manchmal passierbar waren. Die einzige Möglichkeit, den Westen der Insel zu bereisen, war das Anheuern von Fischern, die einen mit Auslegerbooten, den sogenannten Bangkas, durchs Gewässer transportierten oder mit Motorrädern über schlammige Wege. Zusammen mit kleineren Inseln und Inselgruppen bildet die Insel die Provinz Palawan, in der Region Mimaropa, zur Hauptgruppe Luzon gehörend.

Auf Palawan hat die Natur wirklich alles gegeben, um Menschen zu verzaubern: Weiße Kalkfelsen vor sattgrünen Reisfeldern, auf denen die Reisbauern zum Teil noch wie früher arbeiten – mit Karabaus, den Wasserbüffeln, vor den Pflug gespannt. Bizarre, wild bewucherte Felswände, die meterhoch aus türkisem und glasklarem Wasser emporragen, dazwischen immer wieder geheimnisvoller Dschungel, versteckte magische Traumbuchten und unzählige weiße Sandstrände – all das findet ihr hier. Palawan gehört definitiv zu den schönsten Inseln der Welt und hat es 2013 und 2016 im Insel-Ranking sogar schon auf Platz 1 geschafft

Heute hat Palawan zwar noch immer so etwas wie Geheimtippcharakter, gerade für Menschen aus Europa, aber natürlich hat der Tourismus längst auch diese schöne Insel entdeckt.

Als Hauptstadt Palawans ist Puerto Princesa (die Einheimischen kürzen es immer mit „Puerto“ ab) die größte Stadt der Insel und wegen des Flughafens für viele Touristen der erste Ort auf der Insel, den sie sehen. Die Stadt Puerto hat ihren ganz eigenen Charme. Früher wurde sie als eine der saubersten Städte auf den Philippinen benannt. Als erste Kommune hat Puerto das Mülltrennungssystem eingeführt. Die quirlige Stadt scheint nie zu schlafen. Tag und Nacht fahren dort die Motorräder und Tricycles, Autos, Vans. Das Nachtleben in Puerto ist so vielfältig wie das Land selbst. Hier finden sich Karaoke-Bars, unzählige Restaurants, kleine und große Discotheken, Straßencafes. Beliebt ist auch der BayWalk, ein Vergnügungspark direkt am Wasser gelegen, zwischen Hafen und dem Stadtmarkt. Hier gibt es gute Möglichkeiten, den Tag mit typischen philippinischen Gerichten ausklingen zu lassen. Bei Sonnenuntergang bieten sich den Fotografen unglaublich schöne Motive.

Der Barangay (Barangay ist die unterste Ebene der Verwaltungsstruktur der Philippinen und ähnelt im Aufbau sehr einem Dort oder Ortsteil) Port Barton, liegt ca. 150 km nordwestlich von Puerto in der Stadtgemeinde San Vicente.

•     2006 war Ecki das erste Mal auf den Philippinen und ist mit einem Kumpel von Puerto mit dem Motorrad nach Port Barton gefahren. Da damals die befestigte Straße ca. 20 km hinter Puerto endete und nur noch unbefestigte Wege weiterführten, benötigten sie für die Strecke bis Port Barton mehr als 2 Tage. Heute braucht man ohne Zwischenstopp nicht mehr als 2,5 Stunden.

Die Anreise nach Port Barton ist ziemlich einfach geworden. Man fährt auf dem National Highway bis ca. 12 km vor Roxas und biegt dann links ab. Noch vor einigen Jahren war die 24 km lange Strecke vom Highway nach Port Barton ein echtes Abenteuer - auf der unbefestigten Straße von Roxas quer über die Insel, vorbei an kleinen Dörfern, an grünen Reisfeldern, über Berge und Dschungel führen viele Serpentinen. Damals brauchte man bei gutem Wetter mehr als 1 Stunde für 24 km. Die kleinen Dörfer und die Reisfelder gibt es noch. Jedoch wurde eine breite Straße bis ca. 1 km vor Port Barton gebaut und somit ist der Abenteuertrip durch den Dschungel einer Betonstraße gewichen, die in Port Barton endet. Jetzt braucht es nicht mehr als ca. 25 min.

•     Hier ein Auszug aus einem offiziellen historischen Bericht über Port Barton: „In Port Barton sind die Wurzeln der Tagbanua Siedlungen, die vor der Jahrhundertwende gegründet wurden. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass im Jahre 1890 die Bucht mit dem Namen “Itaytay“ (Bedeutung unbekannt) von 10 Stammesfamilien, die Tagbanuas (Palawan natives) bewohnt wurden. … Ein amerikanischer Soldat, Thomas Wales, kam im Jahre 1933 nach Itaytay und erhielt eine Konzession zum Holzfällen. Arbeiter wurden eingestellt. … Eine größere Nachfrage nach Holz führte zu einem Ausbau der Holzstation und wurde zum Camp „Itaytay“. … Der Zustrom von Menschen erhöhte sich durch die Rekrutierung von immer mehr Arbeitern zur Steigerung der Holzfäll-Aktivitäten. … Ein Jahrzehnt später kam für einige Wochen ein gewisser englischer Militär, Colonel Burton, um sich einen strategischen und ökonomischen Überblick der nahe gelegenen Orte und Inseln zu verschaffen. Er erreichte u.a. auch die Boayan Insel (vorgelagerte Insel vor San Vicente). Colonel. Burton erstellte - wohl erstmalig – ein Papier, auf dem jede Insel dieser Region abgebildet war, die er besucht hatte. Itaytay, welches als der beste Wohnsitz galt, wurde nach ihm benannt – und so wurde „Itaytay“ in „Port Barton“ umbenannt.“

Wie können wir Port Barton heute beschreiben? Port Barton ist für seine landschaftliche Schönheit, weißen Strände und exotischen Inseln bekannt und ist ganz sicher eines der Glanzlichter des Palawan-Tourismus. Das frühere Fischerdorf hat sich in den letzten 2-3 Jahren fast komplett auf den Tourismus eingestellt. Aus dem verschlafenen Örtchen, in dem die Menschen sich in ihrem Alltagsleben von Touristen nicht beeinflussen ließen, ist ein Ort geworden, in dem die Einwohner alles tun, um Touristen anzuziehen. Port Barton – in dem Du an jeder Ecke inzwischen ein Resort, ein Hotel, ein Homestay findest. In dem neben einfachen Basthäusern Restaurants entstanden sind, in dem den ganzen Tag fröhliches Reden, Lachen und immer wieder laute Musik zu hören ist. Und in dem den ganzen Tag Mopeds fahren – hin und her. Es ist manchmal nicht zu ertragen, dass selbst die kürzesten Wege mit Mopeds erledigt werden. Port Barton, in dem sich den ganzen Tag und manchmal sogar die ganze Nacht die Hähne und Hunde einen Kampf liefern, wer lauter ist.

Wenn ihr also dann in Port Barton ankommt, ist mehrheitlich Schluss mit befestigten Straßen. Es gibt eine Straße in Richtung White Beach, ansonsten durchziehen den Ort Schotterwege. Die Wege in Port Barton sind eher rechtwinklig zueinander angelegt, so dass sogenannte Reihen – vom Strand aus gesehen – entstanden sind. Die erste Reihe ist die direkt am Strand. Inzwischen gibt es neben der zweiten und dritten Reihe auch schon Reihe 4–6, so sehr ist der Ort gewachsen.

Gleich am Ortseingang befindet sich rechts das “neue” Van-Terminal, an dem die Vans mit den Touristen ankommen. Alle Touristen müssen sich hier bei der Touristenorganisation (Department of Tourism – DOT) anmelden. Von dort kann man entweder zu Fuß in seine Unterkunft gehen oder sich ein Trycicle mieten. Es gibt inzwischen in Port Barton mehr als 100 Beherbergungsstätten – Resorts, Homestays, Ferienhäuser… Vor ca. 5 Jahren waren es nur gut 20….

Zu Port Barton gehört auch der Port Barton Marine Park, ein Meeresschutzgebiet von fast 745 km². Hier befinden sich die beliebten Ausflugsinseln, wie z.B. Albaguen, Paradise-Island, Exotic-Island, German-Island. Zahlreiche – mehrheitlich intakte – Riffe laden zum Schnorcheln ein. Heute finden sich auch große Perlenfarmen in der Bay.

Im Marine Park könnt ihr neben fantastischen Unterwasserwelten auch Schildkröten sehen und mit etwas Glück mit ihnen gemeinsam schwimmen. An anderen Orten von Palawan gibt es sogar Dugongs – kleine Gabelschwanzseekühe – zu sehen.

Es gibt – fast zum Anfasssen – auf Starfish-Island jede Menge Seesterne zu sehen, die wie künstlich anmuten. Traumstrände, schwimmen, schnorcheln, wandern – all das macht diesen Ort zu einem Paradies.

Und in diesem Paradies steht unser Resort. Gebaut 2015/2016 und Ende 2016 eröffnet.

•     Im Februar 2015 fand Ecki dieses Gelände, ca. 30 m vom Strand entfernt, in der sogenannten zweiten Reihe und hat sofort das Potential der Lage gesehen. Er hat dann sehr schnell einen Weg gefunden, dort zu investieren. Die Planung hat er selber gemacht und von Deutschland aus die Bauleitung übernommen. Diese Geschichte der sehr aufregenden Reise des Bauens erzählen wir an anderer Stelle zu einer anderen Zeit.

Wenn Ihr also durch das Tor in das Resort geht, fällt Euer Blick sofort auf eine grüne Oase.

Ihr geht den Weg ins Resort – links befindet sich gleich die Tür ins Restaurant, das gleichzeitig auch als Rezeption dient. Das Restaurant ist – wie alle Gebäude – massiv gebaut, mit Dachterrasse und Außenterrasse.

Im Restaurant könnt Ihr viel sehen – die Decke ist mit alten Zeitungen beklebt, hier hängen die Fahnen der Nationen der Gäste und Basecaps, die wir sehr persönlich von Gästen bekommen oder von zu Hause mitgebracht haben. Auch Andenken an Freunde, Familie, Bekannte sind hier zu finden. Es gibt viel zu sehen im Restaurant – bis hin zu den Abzeichen und Orden unserer Eltern aus der Vergangenheit.