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Als Brunhilde, Barbara und ich das Ewige Licht auspusteten

Brigitte Stolle (1959) verbrachte ihre Kindheit und Jugendzeit in Edingen-Neckarhausen (zwischen Mannheim und Heidelberg gelegen).

Neben 6 Semestern Germanistik und Linguistik an der Schloss-Uni in Mannheim sowie Berufsausbildungen und Tätigkeiten als Industriekauffrau und Köchin ist das Schreiben schon seit jeher ein Anliegen der Autorin.

Bisher sind Sachtexte, (Kriminal-) Romane und Kurzgeschichten entstanden.

Für das vorliegende Büchlein „Als Brunhilde, Barbara und ich das Ewige Licht auspusteten“ wurden Erinnerungen der 1960er und frühen 1970er-Jahre ausgegraben und literarisch zu zwölf Anekdoten-Geschichten verarbeitet.

Doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt.

(Marcus Valerius Martial, Epigrammdichter)

***

Erinnerungen sind Wirklichkeiten im Sonntagskleid.

(Oliver Hassencamp, Autor und Kabarettist)

Brigitte Stolle

Als Brunhilde, Barbara und ich das Ewige Licht auspusteten

Eine Jugend in Edingen-Neckarhausen zwischen Kindergarten, Kiesloch und Kirche

Wie ich es meinem Vater ein für alle Mal austrieb, sich als Nikolaus zu verkleiden

Als ich politisch unkorrekt „Neger“ zu einem farbigen Menschen sagte

Opa und ich kochen Neckarkrebs und wühlen im Müll

Vierzig Grad Lampenfieber in Betlehems Stall

Als ich bei der Predigt an Gabis Blinddarm dachte und wie ein Sack umfiel

Warum Pfarrer K mir das Kommunionskränzchen vom Kopf riss

Brunhilde beichtet, dass sie aufs Klo muss

Als Brunhilde, Barbara und ich das ewige Licht auspusteten

Wieso ich Pfarrer K duzen musste

Mütter-Wallfahrt mit Oma als frommer Witze-Erzählerin

Brennender Braten von Polizei gelöscht

Mein Bruder purzelt als Messdiener vor dem Altar herum

Weitere Bücher der Autorin Brigitte Stolle:

Die Köchin – Eine Groteske

Ameisentage – Drei unordentliche Lesestücke

66 kecke Köchinnen-Limericks

Bienenstich – Imkerkrimi aus Mannheim

Wie ich es meinem Vater ein für alle Mal austrieb, sich als Nikolaus zu verkleiden

Bei uns zu Hause kam der Nikolaus immer schon am Abend des 5. Dezember. Ganz heimlich, still und ungesehen lieferte er seine Gaben in dem vor die Tür gestellten Stiefel ab – und am Nikolausmorgen, dem 6. Dezember, konnte man nachschauen, was er mitgebracht hatte.

Dass er schon am 5. und nicht etwa am 6. zu uns kam, mochte damit zusammenhängen, dass meine Oma am 5. Dezember ihren Geburtstag hatte, die Wohnung voller Leute war und Feierlichkeiten und lustige Umtrünke stattfanden. Da bot es sich einfach an, den festlichen Aktivitäten auch gleich noch den Nikolausbesuch hinzuzufügen.

Dass wir den Nikolaus niemals in voller Montur und Verkleidung zu sehen bekamen, sondern stets nur am folgenden Morgen seine Hinterlassenschaften vorfanden, hing eindeutig mit mir und meinem ersten Nikolaus-Erlebnis zusammen.

Ich war 3 Jahre alt und verbrachte den 53. Geburtstag meiner Oma in der großelterlichen Wohnung in Neckarhausen, in der ich mein Leben auch sonst zubrachte. Es war ein Mittwoch und der Tag war von Anfang an ganz anders als die übrigen Tage. Oma befand sich in heiterer und ausgelassener Stimmung. Es wurde sorgfältig geputzt und aufgeräumt. Ab und zu klingelte es an der Wohnungstür und es erschienen Personen, die mir ganz fremd waren. Nachbarn streckten ihre Hand durch die Tür herein, um meiner Oma zu gratulieren. Manchen bot sie eine Tasse Kaffee an. Am Nachmittag gesellte sich das eine oder andere Glas Wein dazu. Es saßen Leute in der Wohnung herum, es wurde erzählt und laut gelacht, Blumen standen auf dem Tisch. Ab und zu hörte ich, wie meine Oma „Noch ein Piccolöchen?“ fragte. Ich lungerte bedrückt auf dem großen Ehebett herum, spielte unlustig mit meinen Sachen und fühlte mich von aller Welt verlassen: Heute war jemand anderes als ich Mittelpunkt und Hauptperson. Oma bemühte sich sehr, den Kontakt wieder herzustellen, mich aus der Reserve zu locken, sie zog mich auf ihren Schoß, umarmte mich, versuchte, mich zum Lachen zu bringen … aber ich war eingeschnappt und schwer beleidigt.

An mein übliches Mittagsschläfchen war wegen der ungewohnten Unruhe nicht zu denken. Und so kam es, dass ich zunehmend gereizt und vernörgelt wurde. Ein fremder Mann sagte zu mir: „Du musst heute brav sein, sonst ist der Nikolaus böse.“ Ich schaute Oma erschrocken an und die lachte: „Ja, heute Abend kommt der Nikolaus.“ Und dann fügte sie mit ganz tief gemachter Bass-Stimme noch dreimal hinzu: „Der Nikolaus, der Nikolaus, der Nikolaus.“ Ich gruselte mich vor ihrer dunklen Stimme und versteckte meinen Kopf ängstlich an ihrer Schulter.

Diese Wirkung machte ihr großen Spaß. Aufgedreht, wie sie wegen der Piccolöchen war, machte sie das mit der dunklen Stimme und das mit dem „Nikolaus“ noch mehrere Male mit mir. Ich saß arglos am Tisch und trank eine Tasse Kaba … da schlich sie sich von hinten an mich heran und raunte ganz nah an meinem Ohr mit Gruselstimme: „Gleich kommt der Nikolaus“. Ich schrie vor Schreck auf und alle lachten fröhlich. Nachdem ich mich noch mehrere Male so hatte hereinlegen lassen, war ich auf der Hut und spitzte meine Ohren misstrauisch in alle Richtungen, lauschte auf jedes kleine Geräusch, vermutete hinter allen Worten der Erwachsenen Verrat und böse Absichten. Sie amüsierten sich sehr.

Ich hatte den Nikolaus noch nie persönlich kennen gelernt und konnte mir nur vage Vorstellungen von seinem Besuch machen. Aber als der Geburtstagsnachmittag mit heiterem Gläserklingen vorüberging und der Abend kam, war ich durch das dunkle Raunen der Oma und die scherzhaften Drohungen der Geburtstagsgäste so verängstigt und nervös, dass ich innerlich zitterte und das Allerschlimmste erwartete und vorausahnte.

Und dann geschah das Entsetzliche tatsächlich: Ich hörte, wie unten die Haustür mit einem Rumms geöffnet wurde und wie jemand mit stampfenden Schritten die knarrende Holztreppe zu uns heraufpolterte. Ich saß starr vor Schreck auf dem Schoß meiner Oma und lauschte angestrengt. Mit gespielter Furcht flüsterte sie in mein Ohr: „Der Nikolaus“ und duckte sich dabei ängstlich. Vor der Wohnungstür raschelte etwas. Und dann hämmerte der Nikolaus mit den Fäusten wild gegen die Tür und wollte zu mir herein.

Ich öffnete meinen Mund und schrie. Ich schrie gellend und wie am Spieß. Dabei hielt ich mir mit beiden Händen die Ohren zu und presste meine Augen ganz fest zusammen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören mit dem Schreien.

Meine Oma schüttelte mich, stellte mich auf den Fußboden und eilte zur Tür. Aber der Nikolaus war verschwunden. Er war ein für alle Mal verschwunden und traute sich auch nie wieder im Leben persönlich in meine Nähe.

Dafür erschien nach fünf Minuten mein Vater, blass und verstört. Zusammen mit meiner Mutter war er gerade von der Arbeit gekommen. Hilflos hielt er ein kleines Säckchen in der Hand und einen in rotes Stanniolpapier eingehüllten ...

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