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Alpengold - Folge 184

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Das wilde Blut der schönen Magd

Erregender Roman um sündige Wünsche und späte Reue

Von Martina Linden

Solange sie denken kann, liebt die schöne Magd Hannah den jungen Anton Martens, und für sie steht fest, dass sie einmal seine Frau und Bäuerin auf dem großen Martens-Hof wird. Doch ihr Traum von einem Glück an Antons Seite zerbricht, als der Jungbauer nach einem Aufenthalt in Neuseeland mit einer unglaublichen Neuigkeit nach Hause zurückkehrt: Hals über Kopf hat er sich in der Fremde in die bezaubernde Farmerstochter Sharon verliebt! Schon in wenigen Wochen wird Sharon nach Bayern kommen, um für immer bei ihm zu bleiben!

In Hannah flammt Eifersucht auf die unbekannte Verlobte auf – und der verzweifelte Wunsch, Anton zurückzugewinnen – komme, was da wolle! Und während Sharons Ankunft immer näher rückt, spinnt Hannah ein süßes Netz der Verführung, in dem sich Anton verlieren soll …

Hannah Stadler beugte sich über den Wäschekorb, der vor ihr auf einem weißen Hocker stand, und griff nach einem nassen Handtuch. Bevor sie es über die Leine warf, strich sie mit der freien Hand eine blonde Haarsträhne zurück, die sich aus der Spange im Nacken gelöst hatte.

Hofhund Bruno, der unter dem Apfelbaum nahe dem Geräteschuppen lag, erhob sich schwerfällig und trottete zum Wäscheplatz. Er ließ sich unweit des Hockers fallen und streckte alle viere von sich.

Hannah befestigte das Handtuch mit zwei Wäscheklammern, dann kniete sie sich neben den alten Border Collie und kraulte ihm sanft das Fell.

»Na, magst du heute gar net durch die Gegend laufen, Bruno?«, fragte sie.

Er blinzelte. Eine Zunge fuhr blitzschnell über ihre Finger. Mit einem Seufzen streckte er sich.

»Alter Faulpelz«, schalt sie zärtlich und richtete sich auf, um auch noch den Rest der Wäsche aufzuhängen.

Sie erinnerte sich nur zu gut daran, dass man Bruno früher kaum bändigen konnte. Er hatte alles zusammentreiben wollen, was nur irgendwie möglich gewesen war. Gleichgültig, ob Schafe, Rinder oder Hühner … er hatte immer etwas zum Bewachen haben müssen.

Und die herrlichen Spaziergänge, die sie miteinander unternommen hatten! Wenn Hannah gekonnt hätte, sie hätte die Zeit zurückgedreht. Manchmal kam es ihr vor, als wäre damals alles besser gewesen, zumal der Martens-Anton sie oft bei ihren Spaziergängen mit Bruno begleitet hatte.

Bei dem Gedanken an Anton traten ihr Tränen in die Augen. Anton und sie waren zusammen aufgewachsen und stets die besten Freunde gewesen. Die fünf Jahre Altersunterschied zwischen ihnen hatten erst eine Bedeutung gespielt, als er nach dem Abitur Agrarwirtschaft studiert und später ein Jahr in Neuseeland verbracht hatte, wo der Großonkel seines Vaters eine Farm besaß.

Die junge Magd nahm das letzte Wäschestück aus dem Korb und hängte es auf. Ihre Gedanken wandten sich erneut Anton zu.

Schon als kleines Madel hatte sie davon geträumt, eines Tages Anton zu heiraten und Bäuerin auf dem Martens-Hof zu werden. Lange Zeit hatte es ja auch so ausgesehen, als teilte der zukünftige Hoferbe ihre Träume. Den Segen seiner Eltern hätten sie gehabt.

Und nun hatte er sich in Neuseeland in die jüngste Tochter des Farmers verliebt. Sharon Newman wurde Anfang Juli auf dem Martens-Hof erwartet. Auf Antons Nachtkästchen stand ihr Foto. Es zeigte eine hübsche junge Frau von vierundzwanzig mit dunklen Haaren und großen, strahlenden Augen.

Jedes Mal, wenn Hannah Antons Zimmer aufräumte, musste sie sich zwingen, das Foto nicht über den Balkon zu werfen.

Hannah machte sich daran, die Wäsche abzunehmen, die sie am frühen Morgen gewaschen hatte. Sie zwang sich, nicht mehr an Anton und Sharon zu denken. Man sollte die Hoffnung niemals aufgeben. Vielleicht würde ein Wunder geschehen und Anton endlich die Augen öffnen. Warum sollte er ein Madel aus dem fernen Neuseeland heiraten, wenn er nach ihr nur die Hand ausstrecken musste?

Wenig später brachte Hannah den vollen Weidenkorb in die Wäschekammer, die sich neben der geräumigen Wohnküche des alten Bauernhauses befand. Hier standen auch eine moderne Nähmaschine und die Bügelstation, die erst vor drei Wochen angeschafft worden war.

Klara Martens saß seit dem Frühstück an der Nähmaschine, um Kleidung, Wäsche, Handtücher und Schürzen auszubessern. Zudem hatte sie sich vorgenommen, für ihren Mann zwei neue Arbeitshosen zu nähen. Sie hatte in ihrer Jugend Schneiderin gelernt, was dem ganzen Hof zugutekam.

»Ich bringe dir Nachschub, Tante Klara.« Hannah stellte den Korb auf dem breiten Arbeitstisch ab.

»Und nicht zu knapp, wie ich sehe«, meinte die Bäuerin. Sie griff nach einem geblümten Dirndl, das über einem Stuhl hing. »Man sieht den Dreiangel kaum noch.«

Hannah nahm ihr das Dirndl ab. »Kannst du zaubern?«, fragte sie. »Ich hätte das net so hinbekommen.« Sie war vor Wochen an einem Holzstück hängen geblieben, als sie einem Fuchs nachgejagt war, er sich eines der Hühner hatte holen wollen.

»Gelernt ist gelernt«, bemerkte die Martens-Klara stolz.

Hannah beugte sich spontan über sie und küsste sie auf die Wange.

»Danke, Tante Klara.«

»Gern geschehen.«

Das junge Madel verließ die Wäschekammer und brachte das Dirndl in ihre Schlafstube hinauf.

Ihre Familie lebte seit Generationen auf dem Martens-Hof. Ihr verstorbener Vater war zusammen mit dem jetzigen Bauern aufgewachsen. Sie hatte eine tiefe Freundschaft verbunden.

So hatte es auch keinen in Gmund gewundert, als der Martens-Paul ihren Vater gebeten hatte, die Patenschaft für Anton zu übernehmen. Und sie selbst war ein Patenkind der Bäuerin. Sie fühlte sich ihr enger verbunden als ihrer verwitweten Tante Gertrud, die in einen Hof bei Kreuth eingeheiratet hatte. Ihre Tante kannte keine Herzlichkeit. Ihr Leben drehte sich nur um den Hof, die Kirche und Gemeindeabende.

Hannah hängte das Dirndl an ihren Kleiderschrank und ging in die Küche hinunter. Ihr Herz hüpfte vor Freude, als sie Anton am Tisch sitzen sah. Vor ihm standen ein Becher Kaffee und ein Stück Butterkuchen. Wieder einmal wurde ihr bewusst, was für ein stattlicher Bursche er war. Kein Wunder, dass ihm die Herzen aller Madeln zuflogen.

»Ich setz mich ein bisserl zu dir«, sagte sie. »Ich hab mir eine Pause verdient.«

»Viel Zeit hab ich net. Ich muss gleich aufs Maisfeld.«

»Magst auch ein Stückerl Butterkuchen, Hannah?«, fragte ihre Mutter, die am Herd stand und das Mittagessen zubereitete.

»Gern.« Hannah nahm einen Teller aus dem Schrank und schenkte sich Kaffee ein.

Magdalena Stadler legte ihrer Tochter ein großes Stück Kuchen auf den Teller. Dabei streifte ihr Blick Anton.

Sie liebte den jungen Burschen, den sie mit aufgezogen hatte, wie einen eigenen Sohn. Seit dem Tod ihres Mannes war sie ihm sogar noch mehr zugetan. Ihr Mann hatte den damals Neunjährigen unter Einsatz seines eigenen Lebens aus der brennenden Scheune gerettet. Anton erschien ihr wie ein Vermächtnis ihres Jakobs, und sie hatte sich geschworen, alles zu tun, damit er glücklich wurde.

»Ich zerbreche mir seit Tagen den Kopf darüber, was ich dem Christoph zum Geburtstag schenken könnte«, sagte Hannah. »Hast du eine Idee, Anton?«

»Ja, die hab ich.« Er grinste. »Dich!«

»Du bist garstig.«

»Warum?« Anton blinzelte Magdalena Stadler zu. »Der Christoph liebt dich seit Jahren, Hannah. Er würde dich lieber heute als morgen heimführen.«

»Auch wenn ich den Christoph mag, ich liebe ihn net.«

»Warten wir’s ab.« Anton legte eine Hand auf ihre Schulter. »Ich geh jede Wette ein, dass ich schon bald auf eurer Hochzeit tanzen werde.«

»Der Wenninger-Christoph wär net der Schlechteste«, mischte sich Magdalena ein. »Und glaub mir, Hannah, er würde dich auf Händen tragen. Einen anständigeren Burschen als den Christoph findest du im ganzen Tegernseer Tal kaum.« Sie sah den jungen Bauern an. »Dich natürlich ausgenommen, Anton.«

»Das hab ich vorausgesetzt«, erklärte Anton und verließ die Küche.

Hannah sah durch das Küchenfenster, wie er zu seinem Traktor ging. Sie wandte sich ihrer Mutter zu.

»Du weißt genau, dass ich den Anton liebe und net den Christoph.«

»Der Christoph passt viel besser zu dir, Madel.«

»Du wirst sehen, eines Tages werden der Anton und ich vor dem Traualtar stehen.« Hannah trank ihren Kaffee aus.

»Hör endlich auf, dich in deinen Träumen zu verrennen, Hannah!«, sagte die Stadlerin und setzte einen Topf mit Kartoffeln für die Knödel, die es zu Mittag geben sollte, auf den Herd. »Du bist mit deinen zwanzig Jahren alt genug, um in der Realität zu leben.«

»Tante Klara und Onkel Paul würden es auch gern sehen, wenn der Anton und ich heiraten«, begehrte Hannah auf. »Ich bin für sie wie eine Tochter.«

»Das will ich net abstreiten, aber gewöhnlich verheiratet man net die Töchter mit ihren Brüdern«, bemerkte die Wirtschafterin spöttisch. »Je eher du diese ungesunden Fantastereien aufgibst, desto besser wird’s sein. Mach net dir und allen anderen unnötig das Leben schwer, Hannah! Der Anton ist nun mal net für dich bestimmt.«

Sie nahm den Schweinebraten aus dem Backofen und stellte den Topf auf dem Herd ab. Sie wollte den Braten etwas auskühlen lassen, bevor sie ihn aufschnitt, um ihn kurz vor dem Mittagessen in der Soße aufzuwärmen.

»Was kann ich dafür, wenn ich für den Anton net wie für einen Bruder empfinde?«, sagte Hannah trotzig. Es fiel ihr schwer, nicht wie ein kleines Madel mit dem Fuß aufzustampfen.

Die Stadler-Magdalena legte den Arm um die Tochter.

»Der Anton liebt dich net. Ich kann dich nur bitten, dich zusammenzureißen, wenn Sharon Newton in wenigen Wochen auf den Hof kommt. Sie muss nach allem, was ich gehört hab, ein nettes Madel sein. Anton hat sich bestimmt net ohne Grund in sie verliebt. Du wirst sehen, spätestens Ende des Sommers wird es eine Verlobung geben.«

»Net, wenn ich es zu verhindern weiß.«

»Lass dich nur net zu einer Tollheit hinreißen!« Kopfschüttelnd wandte sich Magdalena erneut dem Herd zu. »Und nun mach, dass du in den Gemüsegarten kommst! Das Unkraut zwischen den Pflanzen vernichtet sich net von allein.«

Hannah presste die Lippen zusammen. Dass ihre Mutter auf Antons Seite stand, überraschte sie nicht. Von jeher stellte er sie bei ihr in den Schatten. Anton hier und Anton da. Für sie selbst blieb da nicht viel.

Wütend warf sie die Küchentür so heftig hinter sich zu, dass der schwarze Kater, der gerade durch die Haustür kam, sich erschrocken umdrehte und das Weite suchte.

***

Der Martens-Anton stieg mit sehr gemischten Gefühlen in seinen Wagen, in dem Hannah wenige Augenblicke zuvor auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. Seit seiner Heimkehr aus Neuseeland war er nicht mehr gern mit Hannah allein, weil sie kaum eine Gelegenheit ausließ, ihm zu zeigen, wie viel er ihr bedeutete.

Hannah schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, als er den Motor anließ.

»Fast wie früher, Anton«, meinte sie, als sie vom Hof fuhren. »Weißt du noch, wie oft du mich von der Schule abgeholt hast, nachdem du deinen Führerschein hattest? Alle Madeln haben mich um dich beneidet.«

»Wohl kaum. Du warst damals grad mal dreizehn und deine Klassenkameradinnen net älter«, antwortete Anton. »Und so oft kann’s auch net gewesen sein, weil ich schon ein Jahr später mit meinem Studium begonnen hab.«

»Hast du all die Ausflüge vergessen, die du mit meinen Freunden und mir in deinen Semesterferien gemacht hast?«

»Nein, die hab ich net vergessen. Ich erinnere mich gern daran. Der Christoph übrigens auch. Du bist net so kindisch wie die anderen gewesen. Das hat ihm imponiert. Dass er sich jedoch später in dich verlieben würde, damit hab ich net gerechnet.«

»Der Christoph interessiert mich net, Anton, und das weißt du auch ganz genau.« Hannah berührte seine Schulter. »Du bist der einzige Bursche, dem mein Herz gehört.«

Anton unterdrückte ein ärgerliches Seufzen.

»Was soll das, Hannah?«, fragte er unwillig. »Ich hab dich von Herzen gern, das weißt du. Mit Liebe hat das nix zu tun. Meine ganze Liebe gehört nun mal Sharon.«

»Sie hat dich verhext!«

»Mach dich net lächerlich, Hannah.« Anton fuhr an den Straßenrand. »Es macht mir überhaupt nix aus, dich zum Wenninger-Hof laufen zu lassen, wenn du net endlich Ruh gibst.«

»Fahr weiter!« Hannah zweifelte nicht daran, dass Anton seine Drohung wahr machen würde.

Schweigend gab er Gas.

Hannah starrte aus dem Fenster auf den Tegernsee, der sich wie ein kostbares Juwel in der letzten Nachmittagssonne vor ihnen ausbreitete. Der Wenninger-Hof lag etwas außerhalb von Gmund, eingebettet in Wiesen und Obstplantagen. Als Kinder hatten sie und ihre Freunde oft bei der Obsternte geholfen und sich so ein zusätzliches Taschengeld verdient.

Anton und Christoph waren seit der Grundschule Freunde und unzertrennlich gewesen. Als Anton mit seinem Studium begonnen hatte, hatten sie sich nur noch selten gewesen, dennoch war der Kontakt zwischen ihnen nie abgerissen. Und nun verbrachten sie wieder den größten Teil ihrer Freizeit miteinander.

Auf der vor drei Tagen gemähten Wiese gegenüber dem Anwesen der Wenningers standen schon mehrere Wagen. Anton parkte neben einem hellen Geländewagen, der dem Sohn des Bürgermeisters gehörte.

»Auf ins Vergnügen!«, bemerkte er und stieg aus.

Christoph Wenninger empfing sie im Hof vor dem Haus. Zu dunklen Jeans trug er einen hellen Sommerpullover. Seine wirren dunkelblonden Haare wirkten auch an diesem Tag, als hätte er sich nicht gekämmt, was jedoch nicht stimmte. Er hatte es nur längst aufgegeben, seine Haare in Form zu bringen.

»Schön, dass ihr schon da seid!«, sagte er und umarmte Anton. »Was wäre mein Geburtstag ohne meinen besten Freund?«

»Ich hätte es dir auch verdammt übel genommen, wenn du mich nicht eingeladen hättest«, scherzte Anton und gratulierte ihm. »Mögen deine Wünsche in Erfüllung gehen«, fügte er hinzu.

»Das werden sie eines Tages gewiss«, meinte Christoph bedeutungsvoll und schloss Hannah in die Arme. Er hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.

Hannah wehrte sich nicht dagegen, weil sie Christoph mochte und gern mit ihm zusammen war.

»Alles Gute für das neue Lebensjahr, Chris«, sagte sie und zog ihr Geburtstagsgeschenk aus der Handtasche. »Da du gern Dokumentationen über andere Länder und ihre Vergangenheit anschaust, dachte ich, ein paar Terra X-DVDs sind genau das Richtige.«

»Eine gute Idee, Hannah.« Der Wenninger-Christoph drehte das Päckchen in den Händen. »Und wie schön du es eingepackt hast! Herzlichen Dank. Ich werde sie mir so bald wie möglich anschauen.«

»Warum schaut ihr sie euch net gemeinsam an?«, fragte Anton. »Hannah interessiert sich auch für fremde Länder.«

Hannah bedachte ihn mit einem zornigen Blick, bevor sie sich mit einem Lächeln wieder Christoph zuwandte.

»Darüber sprechen wir ein andermal.«

»Ich nehm dich beim Wort«, sagte der junge Bauer.

Weitere Gäste, denen er sich widmen musste, trafen ein. Anton und Hannah gingen in den weitläufigen Garten, der hinter dem Haus lag. Dort duftete es schon verführerisch nach gegrilltem Fleisch und Gemüse. Nachdem sie ein paar Worte mit Christophs Eltern gewechselt hatten, gesellten sie sich zu den Madeln und Burschen, die vor ihnen gekommen waren.

»Wir haben den Salat im Wagen vergessen, Anton.« Hannah griff sich an den Kopf.

»Kannst du ihn holen?«

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