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Alpengold - Folge 162

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bluemchen

Casanova im grünen Loden

Wie ein skrupelloser Schürzenjäger Mariannes Herz brach

Von Sissi Merz

Ein Förster, so fesch wie es so schnell keinen Zweiten gibt, das ist der junge Hartmann-Andreas, und die Madeln im schönen Taufenstein erliegen reihenweise seinem Charme. Doch lange kann er keiner treu sein, und so wird der Club der Verlassenen von Woche zu Woche größer.

Als die hübsche angehende Forstwirtin Marianne Seebach ausgerechnet Andreas’ Obhut anvertraut wird, um ihr Praktikum zu machen, merkt sie gleich, dass sie ihr Herz ganz fest in beide Hände nehmen muss, wenn sie Andreas’ Charme-Offensive widerstehen will! Aber es kommt, wie’s kommen muss: Allein mit ihm im malerischen Forsthaus, verliebt auch Marianne sich Hals über Kopf in den lebenslustigen Burschen, und wie viele andere vor ihr ist sie sicher, dass er sie von Herzen wiederliebt …

Ein fataler Irrtum, wie sich zeigen soll! Doch gerade, als Marianne den Burschen verlassen will, überschlagen sich im Forst auf tragische Weise die Ereignisse …

»Mei, Marianne, wie machst du das nur? Ich müh mich ab mit dem Stoff und hab den Eindruck, dass dir das alles nur so zufällt.« Sabine Gruber warf einen etwas neidischen Blick auf die Zensur der Freundin und seufzte. »Verrätst du mir dein Geheimnis?«

Marianne Seebach lachte unbekümmert auf. Sie strich sich eine vorwitzige Locke ihres blonden Haares aus der Stirn und meinte: »Da gibt es kein Geheimnis. Ich muss auch lernen. Aber es fällt mir net schwer, weil mir die Ausbildung zur Forstwirtin eben einen so großen Spaß macht.«

»Aber doch net die Theorie! Und diese ganzen langweiligen Mathe- und Statistikaufgaben.« Wieder seufzte Sabine, und diesmal klang es wirklich gequält. »Immer, wenn ich mich über meine Bücher setze, verspüre ich den unwiderstehlichen Drang, auf der Stelle einzuschlafen.« Sie nahm ihre Tasche und folgte der Freundin aus dem Seminarraum der Fachhochschule.

An diesem Tag hatten die angehenden Forstwirte eine wichtige Arbeit zurückerhalten, und es hatte einige lange Gesichter gegeben. Professor Eder zensierte streng, aber gerecht. Und er hatte für Marianne wie meist auch ein Lob übrig gehabt.

Nun wartete der Professor vor dem Seminarraum und sprach Marianne noch einmal freundlich an. Er war auch ihr Tutor, so eine Art Vertrauenslehrer, an den sie sich wenden konnte, wenn sie Fragen oder Schwierigkeiten hatte.

Dies war bislang nicht der Fall gewesen. Mariannes Berufswunsch hatte bereits in der Schule festgestanden.

Ihr Vater war ebenfalls Förster gewesen. Die Erinnerung an ihre Kindheit im Forsthaus hatte sie geprägt und dazu geführt, dass sie sich gar nichts anderes vorstellen konnte, als selbst Försterin zu werden.

Leider hatten ihre Eltern sich scheiden lassen, als Marianne zwölf Jahre alt gewesen war. Die Mutter war nach Berchtesgaden in eine Wohnung gezogen und hatte die Tochter mitgenommen. Und Mariannes Vater war ausgewandert.

Er hatte seinen Traum verwirklicht, in Kanada als Ranger in einem Nationalpark zu arbeiten. Oft hatte er ihr geschrieben und sie eingeladen, ihn zu besuchen. Aber die Mutter hatte sie nicht allein auf eine so weite Reise gehen lassen. Und vor ein paar Jahren war Mariannes Vater dann bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. Sie bereute es, ihn nicht wiedergesehen zu haben. Und sie hatte das ihrer Mutter auch vorgehalten. Doch diese hatte sich in der Zwischenzeit wieder verheiratet. Und seit Marianne ausgezogen war, um ihre Ausbildung zu machen, war ihr Kontakt nur noch sehr sporadisch.

Das Madel verdiente sich seine Ausbildung durch Jobben und war stolz darauf, unabhängig zu sein. Die Erbschaft, die ihr Vater Marianne hinterlassen hatte, war fest angelegt für schlechte Zeiten. Man wusste ja schließlich nie, ob man gleich einen passenden Arbeitsplatz fand.

Professor Eder sagte nun zu Marianne: »Ich habe gute Neuigkeiten für Sie. Sie können ab nächster Woche Ihr Praktikum in Taufenstein antreten. Das wird dann der Abschluss ihrer Anwärterzeit, Marianne. Danach können Sie die Laufbahnprüfung ablegen und sind fertig.« Er reichte ihr einige Unterlagen.

Das Madel strahlte. »Ich danke Ihnen herzlich, Herr Professor! Damit habe ich gar net so schnell gerechnet. Vielen Dank!«

Der Professor schmunzelte. »In Taufenstein wartet Arbeit auf Sie, Marianne. Die Praktikanten müssen schon zeigen, was sie können. Und die Bewertung fließt in Ihre Abschlussprüfung ein. Das wird also kein Urlaub werden.«

»Ich werde mich bemühen, allen Anforderungen gerecht zu werden«, versicherte das Madel ernsthaft. »Es ist ja net das erste Praktikum, das ich mache. Mir ist schon klar, dass es da einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen Theorie und Praxis.«

»Sie machen das schon«, war Professor Eder überzeugt. »Alles Gute. Wir sehen uns dann im Herbst wieder.«

Marianne bedankte sich noch einmal und schloss sich dann wieder Sabine an, die ein Stück entfernt bei einigen Kollegen stand und sich unterhielt. Die Freundin wollte gleich wissen, was es Neues gab.

»Mein Praktikum. Ich werde nach Taufenstein fahren. Das ist gar net mal so weit weg von hier.« Sie lächelte. »Darüber bin ich echt froh und erleichtert. Ich hatte nämlich die ganze Zeit ein bisserl Angst davor, in irgendeinen entlegenen Winkel geschickt zu werden, wo das Heimweh mich plagt.«

Sabine schaute sich die Unterlagen an und nickte dabei anerkennend.

»Schön ist es da. Schau nur, wie idyllisch der Ort liegt. Und das Forsthaus ist richtig schmuck!« Sie deutete auf ein Foto, das ein traditionelles Holzbohlenhaus zeigte, umgeben von himmelhohen Föhren. »Wenn du Glück hast, ist der Kollege dort jung und einschichtig …«

»Du und deine Ideen!« Marianne packte die Unterlagen in ihre Tasche. »Ich muss da arbeiten, das wird kein Urlaub mit Flirt. Ich hoffe, der Förster nimmt mich für voll und lässt mich net nur den Papierkorb leeren und Kaffee kochen. Man hört ja immer wieder, dass die älteren Kollegen was gegen Madeln in diesem Beruf haben.« Sie machte ein entschlossenes Gesicht. »Wenn der in Taufenstein so ein alter Knochen ist, werde ich mich schon durchzusetzen wissen!«

»Na klar, du erreichst doch immer, was du dir vornimmst. Gehen wir in die Mensa? Ich hab einen Mordshunger.«

Sabine war ein wenig rundlich, sie aß für ihr Leben gern. Nudeln und andere Mehlspeisen hatten es ihr besonders angetan. Von körperlicher Bewegung hielt sie wenig.

Marianne wusste, dass die Freundin weitaus lieber einen Förster heiraten würde, als selbst diesen Beruf zu ergreifen. Und sie vermutete, dass Sabine eben mit diesem Hintergedanken überhaupt an die FH gekommen war. Besonderen Ehrgeiz, was das Berufliche anbelangte, legte sie jedenfalls nicht an den Tag.

»Willst du dein Praktikum net auch bald in Angriff nehmen?«, fragte das blonde Madel die Freundin, als sie wenig später bei Nudeln mit Fleischklößchen in der Mensa saßen.

Der verglaste Anbau neben dem Fachbereich Volkswirtschaft war wie stets gut besucht, denn das Essen war preiswert und genießbar. Auf dem Campus blühten unter alten Buchen die ersten Schneeglöckchen, Winterlinge und eine Zaubernuss hatte ihre goldgelben Blüten geöffnet, die im schon nicht mehr ganz so kalten Spätwinterwind flatterten. Die Sonne schien von einem klaren, blauen Himmel.

Marianne dachte an Taufenstein und lächelte. Bei diesem Wetter den ersten Rundgang durch den Forst zu unternehmen, würde Spaß machen …

Sabine kümmerte der Ausblick nicht, sie beschäftigte sich mit ihrem Teller und schielte dabei bereits begehrlich auf den Nachtisch, Grießpudding mit Erdbeersoße.

Kauend antwortete sie auf Marianne Frage: »Das hat noch Zeit. Ehrlich gesagt bin ich darauf gar net so scharf. Die Theorie fällt mir zwar schwer, aber wenn ich für irgendeinen Kollegen die ganze Arbeit im Forst erledigen soll, werde ich mich gewiss bald hierher zurückwünschen.«

Marianne konnte über diese Einstellung nur den Kopf schütteln.

»Sag mal, Bine, gibt es eigentlich irgendeinen Aspekt bei unserer Ausbildung, der dir so richtig gut gefällt? Ich meine, du musst doch auch einen Grund gehabt haben, warum du damit angefangen hast. Ich kann mir net denken, dass du einfach blind mit dem Finger im Vorlesungsverzeichnis etwas herausgepickt hast, oder?«

Sabine lachte. »Nein, das net gerade! Also, meinen Eltern hab ich erzählt, dass ich mal eine Stelle in der Forstverwaltung anstrebe. Und das stimmt ja auch. Ein Revier zu übernehmen, wie du das gerne machen willst, wäre nix für mich. Das ist mir nämlich viel zu anstrengend.«

»Und was hast du nun wirklich im Sinn? Ich meine jetzt net die Version für die Eltern, sondern deine eigenen Wünsche.«

»Du hast mich durchschaut. Der Beruf ist mir wirklich net so wichtig, jedenfalls steht er net an erster Stelle.« Sie lächelte verschmitzt, beugte sich ein wenig vor und bekannte: »Dir ist doch gewiss schon mal aufgefallen, dass wir Madeln hier in der Unterzahl sind, gelt? Das ist einer der Gründe, warum ich mich für die Forstwirtschaft entschieden habe.«

»Wegen der Forstwirte«, schloss Marianne.

Sabine schob mit einem zufriedenen Lächeln ihren leeren Teller von sich und widmete sich dann mit Hingabe dem Nachtisch.

»Du hast es erfasst. Ich bringe einfach net deinen Ehrgeiz auf, wenn es ums Berufliche geht. Außerdem wünsche ich mir eine Familie, ganz traditionell. Kinder aufziehen und meiner Kochleidenschaft frönen.« Ihr Lächeln vertiefte sich. »Und ebenfalls meiner Essleidenschaft.«

»Ich verstehe. Dann wünsche ich dir, dass du bald den Förster fürs Herz findest«, meinte Marianne aufrichtig. »Und bei deinem Talent fürs Kochen sollte dir das net schwerfallen.«

»Eile mit Weile«, murmelte Sabine gemütlich. »Das dauert alles seine Zeit. Ich will nix überstürzen, es soll ja der Rechte sein. Und während du in Taufenstein das Forstrevier auf Vordermann bringst, werde ich hier ein paar infrage kommende Kandidaten ausgiebig bekochen. Dazu sind die Semesterferien schließlich da.«

Marianne hätte einwenden können, dass man die freie Zeit auch dazu nutzen konnte, seine schulischen Leistungen zu verbessern, doch sie sparte ihren Atem, denn der wäre verschwendet gewesen. Die Freundin hatte ihre Prioritäten nun mal anders gesetzt.

»Aber weißt du das?«, sinnierte Sabine, als sie noch Kaffee zusammen tranken. »Vielleicht werde ich ja gar net fündig, und du verliebst dich dafür in Taufenstein …«

Marianne lachte. »Keine Sorge, das wird ganz gewiss net geschehen. Ich fahre nämlich ausschließlich zum Arbeiten nach Taufenstein.«

In dem Punkt sollte das Madel sich irren. Aber das ahnte Marianne in diesem Moment noch nicht …

***

Der kleine Ort Taufenstein lag wirklich sehr idyllisch in einem Tal, eingebettet im schönen Berchtesgadener Land. Folgte man der Landstraße von Bischofswiesen aus, die sich schmal und kurvenreich durch die gebirgige Landschaft schlängelte, sah man zu beiden Seiten dichte Föhrenwälder.

Kurz vor Taufenstein öffnete sich der Blick dann auf den Untersberg, den Hausberg des Dorfes, die weiter westlich gelegene Kneifelspitze und im Norden den Hintersee mit seinem klaren, grünen Gebirgswasser. Der See wurde von mehreren Gletscherbächen gespeist und war das ganze Jahr über zu kalt, um darin zu baden.

In Taufenstein lebten die Menschen noch von der Landwirtschaft in einem klimatisch bevorzugten Bereich. Die Winter waren hier nicht so lang wie sonst im Berchtesgadener Land, die Sommer dafür durchwachsen mit regelmäßigen Regengüssen. Ideale Voraussetzungen also, um von dem zu leben, was der fruchtbare Boden hergab. Man fand hier auch zwei Fremdenpensionen, und einige Landwirte boten im Sommer »Ferien auf dem Bauernhof« an.

Alles in allem war es ein ruhiges und beschauliches Leben in Taufenstein. Die Menschen kannten und respektierten sich, kleinere und größere Schwächen waren bekannt und wurden toleriert. Man kam recht gut miteinander aus, denn der hiesige Menschenschlag war bedächtig, neigte nicht zum Streit und war durchaus als phlegmatisch zu bezeichnen.

In diese Idylle war nun vor ein paar Jahren ein Casanova im grünen Loden eingebrochen und hatte die Dorfgemeinschaft ordentlich aufgemischt.

Andreas Hartmann, ein fescher Waidmann, groß und sportlich, mit einem gut geschnittenen Gesicht, dichtem dunklem Haar und klaren, grauen Augen sowie einer fatalen Wirkung aufs andere Geschlecht.

Seit er in Taufenstein der Revierförster war, hatte er im ganzen Umkreis Dutzende Mädchenherzen gebrochen. Es war immer das gleiche Spiel: Begegnete Andreas ein hübsches Madel, dann schien sein Jagdinstinkt wach zu werden. Er umgarnte die Schöne mit allen Tricks und Schlichen, die er auf Lager hatte – und das waren nicht wenige. Und er ruhte nicht eher, bis das Madel in seinen Armen lag. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckte er auch vor glühenden Liebeserklärungen nicht zurück.

Keine hatte ihm bislang widerstehen können. Und immer wenn er sein Ziel erreicht hatte, war sein Interesse schlagartig erloschen. Weder unglückliche Verflossene noch erzürnte Eltern oder zornige Burschen hatten diesem Spiel bislang ein Ende bereiten können. Immer wieder wurde ein Madel schwach. Immer wieder glaubte eine, die Eine zu sein, mit der Andreas es eben doch ehrlich meinte. Und immer wieder schlich sie dann nach einem kurzen Glücksrausch betreten und schamhaft zurück zu ihrem Freund oder Verlobten.

Der fesche Förster dachte sich nichts dabei. Er hatte auch kein schlechtes Gewissen. Immerhin kamen die Madeln freiwillig zu ihm. Niemals hatte er eine zu etwas gezwungen. Wie fadenscheinig diese Behauptung im Grunde war, schien ihn nicht zu kratzen. Dabei war Andreas nicht immer so gewesen.

Es hatte eine Zeit im Leben des jungen Mannes gegeben, da war alles ganz anders gewesen. Und diese Zeit lag nun erst ein paar Jahre zurück …

Damals war Andreas noch in der Ausbildung gewesen, ein eher schüchterner Bursch, der sich auf sein gutes Aussehen nichts einbildete. Er hatte fleißig gelernt, um zeitig seinen Abschluss zu machen und seinen Eltern nicht zu lange auf der Tasche zu liegen. Vom Ausgehen und Poussieren mit hübschen Madeln hatte er nichts gehalten. Bis er einmal einen Spezl auf ein Tanzfest begleitet und dort ein zauberhaftes Madel kennengelernt hatte.

Christel Talhuber hatte Andreas an diesem Abend völlig den Kopf verdreht. Er hatte sich sozusagen auf den ersten Blick in die rassige Schönheit mit dem glänzenden, dunklen Haar und den warmen braunen Augen verliebt. Und er war überglücklich gewesen, als ihm klar geworden war, dass sie ihn auch gern hatte.

Verliebte Wochen waren gefolgt. Der Bursch hatte noch fleißiger gelernt und darauf gedrängt, sich eine Existenz aufzubauen, denn er wollte seine Christel heimführen.

Dass die verwöhnte Schönheit durchaus noch andere Verehrer hatte und von Treue nichts hielt, hatte er lange nicht gemerkt. In seiner Verliebtheit wollte er nur das Positive, das Schöne sehen.

Er baute in Gedanken bereits eine gemeinsame Zukunft für sich und das Madel, das er lieb hatte, auf. Die Ernüchterung war dann plötzlich und völlig unvorbereitet über ihn gekommen. Diesen regnerischen Herbsttag würde Andreas nie vergessen, denn er hatte sein ganzes Leben verändert.

Der angehende Forstwirt hatte sein mühsam Erspartes in einem kostbaren Ring für seine Liebste angelegt. Er wollte ihn ihr als Verlobungsring an den Finger stecken. Immer wieder hatte er sich ausgemalt, wie ihre Augen glänzen würden, wenn er ihr einen Antrag machte.

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