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Aller Abgang ist schwer

Über den Autor

Sigi Kube schreibt als Journalistin für verschiedene Frauen- und Wirtschaftszeitschriften. Sie war außerdem Redaktionsleiterin und Autorin der bekannten Hörfunkserie »Die wahre Geschichte« bei Klassik Radio, in der über viele Jahre hinweg interessante Rätselgeschichten aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten sowie von fast vergessenen Ereignissen der Weltgeschichte erzählt wurden. Sie hat zudem bereits einige Bücher über die Herkunft alltäglicher Redewendungen veröffentlicht.

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Runter kommt man letztlich immer
    1. D. B. Cooper – Alles oder nichts
    2. Amelia Earhart – Ihr längster Flug
    3. Enrico Mattei – Signore Agip
    4. Glenn Miller – Absturz eines Stars
    5. Camille Muffat – Letzte Herausforderung
    6. Manfred von Richthofen – Der tote Baron
    7. Antoine de Saint-Exupéry – Flug ohne Wiederkehr
    8. Payne Stewart – Geisterflug
  3. Blut ist ein besonderer Saft
    1. Jean-Baptiste Lully – Tod durch den Taktstock
    2. Rainer Maria Rilke – Keine Rose ohne Dornen
    3. Egon Schiele – Spanische Grippe
  4. Verirrte Geschosse
    1. Alfonsito de Borbón – Mysteriöser Todesschuss
    2. Carel Fabritius – Delfter Donnerschlag
    3. Marvin Gaye – Tödlicher Vater-Sohn-Konflikt
    4. Jon-Erik Hexum – Tödliche Langeweile
    5. Brandon Lee – Auferstehung
    6. Anton Webern – Rauchen gefährdet das Leben
  5. Der letzte Stich
    1. Francesco Borromini – Gereizte Stimmung
    2. Stephen »Steve« Irwin – Krokodiljäger leben gefährlich
    3. Christopher Marlowe – Dunkle Ehrenmänner
    4. Sisi, Kaiserin von Österreich – Tod im Hotel
    5. Adalbert Stifter – Ein scharfer Schnitt
  6. Neptuns Beute
    1. Barbarossa – Spruch des Sterndeuters
    2. Rudolf Diesel – Keine Ankunft in Harwich
    3. Isabelle Eberhardt – In der Wüste ertrunken
    4. Gorch Fock – Roman seines Lebens
    5. Carl Philipp Fohr – Bad im Tiber
    6. Robert Maxwell – Mann über Bord
    7. Tita Piaz – Bad im Brunnentrog
    8. Natalie Wood – Verhängnisvolle Reise
  7. Gefahren der Schwerkraft
    1. Charles-Valentin Alkan – Die Wucht der Bücher
    2. Oliver Cromwell – Kopflos
    3. David-Christopher Haubenstock – Stich in Romy Schneiders Herz
    4. Ödön von Horváth – Unheil von oben
  8. Vorsicht im Straßenverkehr
    1. Otl Aicher – Rasenmäher-Unfall
    2. Jean Bugatti – Tödliche Testfahrt
    3. Albert Camus – Verhängnisvolle Wahl
    4. Isadora Duncan – Strangulation durch ein Fahrzeug
    5. Falco – Kein Weg zurück
    6. Antoni Gaudí – Unterlassene Hilfeleistung
    7. Monti Lüftner – Tod auf dem Recyclinghof
    8. Jayne Mansfield – Kopflos wider Willen
    9. Margaret Mitchell – Morgen ist kein neuer Tag
    10. Helmut Newton – Gegen die Wand
  9. Sport ist Mord
    1. Sonny Bono – Gefährliches Vergnügen im Schnee
    2. Michael LeMoyne Kennedy – Tragische Weihnachten
  10. Das letzte Mahl
    1. Sherwood Anderson – Verschluckte Olive
    2. Lya de Putti – Gefährliches Hühnchen
    3. Alan Turing – Der giftige Apfel
    4. Tennessee Williams – Endstation New York
  11. Schicksalhafte Wendungen
    1. Aischylos – Von oben nichts Gutes
    2. Dan Andersson – Ungezieferbekämpfung
    3. Archimedes – Kurzer Prozess
    4. Mustafa Kemal Atatürk – Der indische Paravent
    5. Johann Sebastian Bach – Tödlicher Starstich
    6. Claude François – Stromschlag
    7. Maximilian von Mexiko – Tragödie eines Kaisers
    8. Rasputin – Vergiftet, erschossen, ertrunken
    9. Kondrati Rylejew – Nach Begnadigung gehängt
    10. Mark Twain – Der Halleysche Komet
    11. Fritz Wunderlich – Letaler Ausrutscher
    12. Émile Zola – Schwelende Gefahr
  12. Opfer ihrer Leidenschaft
    1. David Carradine – Tod im Kleiderschrank
    2. Carolin Wosnitza alias »Sexy Cora« – Tod durch Größenwahn
  13. Unsichtbare Gefahren
    1. Francis Bacon – Das Schneehuhn
    2. Giangiacomo Feltrinelli – Unter Hochspannung
    3. Francesco Francia – Im Bann der heiligen Cäcilia
    4. Jimi Heselden – Lautlos schwebend
  14. Sackgasse
    1. Jim Thompson – Osterspaziergang im Dschungel
    2. Leo Trotzki – Vergebliche Flucht
  15. Einsames Ende
    1. Ingeborg Bachmann – Dunkle Schicksalsmächte
    2. Hermann Buhl – Sein letzter Gipfel
    3. Kurt Gödel – Eigene Gespenster
    4. William Holden – Trostloses Ende
    5. Edgar Allan Poe – Endstation Gosse
    6. Yvette Vickers – Mumiengeheimnis
  16. Vor aller Augen
    1. Mahmud al-Sawalka – Wie im richtigen Leben
    2. Bernhard Grzimek – Tierprofessor
    3. Vic Morrow – Der wahre Horror

Einleitung

Eine der beliebtesten Rubriken des Wochenmagazins Der Spiegel heißt »Nachrufe«. Jede Woche wird von vielen als Erstes diese Seite ganz hinten im Heft aufgeschlagen, um die traurigen Nachrichten über den Tod der vermeintlich »Unsterblichen« zu lesen. Die Faszination durch den finalen Abgang gerade von Berühmtheiten ist indes keine Besonderheit unserer Gegenwart, sondern sie gab es schon immer.

Auch die Lebensgeschichten so mancher Legenden und Idole sind natürlich spannend, denn sie enthüllen stets einiges von den Geheimnissen des Erfolgs außergewöhnlicher Persönlichkeiten, der häufig begleitet wird von gesteigertem Selbstbewusstsein, aber auch von Überheblichkeit – und manchmal sogar von rücksichtsloser Egomanie. Ihren ganz eigenen Reiz beziehen zahlreiche Biographien aber erst von ihrem Ende her. Erstaunlich ist dabei, dass viele dieser Stars und Sternchen, die so hell geleuchtet haben, auf ganz besondere Weise verglüht sind.

Es mag oft tragisch sein – aber durchaus nicht ungewöhnlich –, dass manch spannende Vita durch ein spektakuläres Ende dramatisiert, ja buchstäblich ihrem Höhepunkt zugeführt wird und uns dadurch umso intensiver in Erinnerung bleibt.

Als »ungewollte Strangulation durch ein Fahrzeug« etwa ist der Tod der Tänzerin und Choreographin Isadora Duncan in die medizinische Fachliteratur eingegangen: Ihr überlanger wehender Seidenschal hatte sich beim Anfahren in den Radspeichen ihres Sportwagens verfangen und sie erwürgt. Vor allem dieses aufsehenerregende Ende der Tänzerin hat dazu geführt, dass ihr Name bis heute bekannt ist. Die Duncan war das erste berühmte Opfer des Automobils – aber bei weitem nicht das letzte. So verlor das sogenannte Busenwunder Jayne Mansfield bei einem Autounfall tatsächlich ihren Kopf …

Wie ein nicht enden wollender Horrorfilm wiederum mutete am 25. Oktober 1999 eine Übertragung des amerikanischen Fernsehens an: Stundenlang filmte eine Kamera den Irrflug und schließlich Absturz eines Learjets. Man sah die offensichtlich bewusstlosen Menschen an Bord der kleinen Maschine, bis schließlich Benzinmangel dem Drama ein Ende setzte. Live im Fernsehen und starr vor Entsetzen erlebte auch Tracey Stewart die letzte Reise ihres Mannes, des US-Golf-Champions Payne Stewart.

Eine Blutvergiftung galt einst als eine der häufigsten Todesursachen. Und auf jede erdenkliche Art wurden über die Jahrhunderte auch Celebrities Opfer der tödlichen Infektionskrankheit: Jean-Baptiste Lully etwa, der Hofkomponist und Kapellmeister des Sonnenkönigs, traf beim Stampfen mit seinem Taktstock den großen Zeh, und selbst die Ärzte Ludwig XIV. bekamen die tödliche Entzündung mit all ihrer Heilkunst nicht mehr in den Griff.

Ein späterer Komponist, der »Zwölftöner« Anton Webern, erlitt ein anderes Schicksal: Am 15. September 1945 ging er während der nächtlichen Ausgangssperre vor die Türe, um eine Zigarre zu rauchen, und wurde von einem amerikanischen GI erschossen. Schon damals galt: Rauchen kann tödlich sein!

Fest steht, dass der Tod keine Ausnahmen macht, ihn kümmern weder Zeit noch Ort noch Name, wobei er für manch böse Überraschung sorgen kann. Und nicht zuletzt eben aus Anlass ihres Ablebens blicken wir bei berühmten Menschen gerne hinter die Kulissen, scheint ihr Leben doch bunter und aufregender zu sein als unseres, faszinierend und fremd zugleich. Zumindest der Tod jedoch macht alle, die er ereilt, sehr menschlich, wobei die Begleitumstände der letzten Stunden durchaus seltsam und grotesk sein können. Manche Künstler, wie Charles Valentin Alkan, die zu Lebzeiten in Vergessenheit geraten waren, verdanken es ihrem außergewöhnlichen Abgang, dass man sich bis heute an sie erinnert.

Vielleicht wird unsere Phantasie durch die Vorstellung angeregt, was unsere Helden alles noch erlebt und geschaffen hätten, wenn sie nicht plötzlich aus dem Leben gerissen worden wären. Vielleicht empfinden wir es ja aber auch als Erleichterung, dass die Menschen, die wir eigentlich beneidet haben, wegen ihres Unglücks nun unser Mitleid erregen …

1.

Runter kommt man letztlich immer

D. B. Cooper – Alles oder nichts

Seit Jahrzehnten werden die Einzelheiten von D. B. Coopers krimineller Luftnummer und seiner waghalsigen Flucht von allen Seiten immer wieder überprüft: Im Jahr 1971 hatte er von der amerikanischen Northwest Orient-Fluggesellschaft 200 000 Dollar erpresst und war dann aus einer Boeing 727 abgesprungen. Seitdem ist er spurlos verschwunden.

Der Fall D. B. Cooper beginnt 1971 am Abend vor Allerheiligen in Portland, Oregon. Ein scheinbar ganz gewöhnlicher Geschäftsmann erscheint am Schalter der Northwest Orient. Er kauft auf den Namen Mr. Cooper ein Einfach-Ticket für den Flug 305 nach Seattle. Im Flugzeug nimmt er in der letzten Reihe Platz. Er zündet sich eine Zigarette an, und während er einen Bourbon mit Soda bestellt, steckt er der Stewardess einen Zettel zu.

Die Stewardess glaubt zunächst an eines der üblichen Anmach-Spielchen, aber als sie die Nachricht liest, erkennt sie den Ernst der Lage und informiert sofort den Flugkapitän. Die Flugkontrolle sowie die Seattle Police werden informiert, auch das FBI wird eingeschaltet. Man ist bereit, alle Forderungen Coopers zu erfüllen, denn es ist wirklich nicht viel, was der Erpresser verlangt: 200 000 Dollar in 20-Dollar-Scheinen sowie ein Fallschirm und ein Reserve-Schirm sollen nach der Landung zum Flugzeug gebracht werden, andernfalls werde er das Flugzeug in die Luft sprengen. Davon, dass diese Drohung ernst gemeint ist, kann sich die Stewardess selbst überzeugen. Cooper hat für sie seine Aktentasche geöffnet, in der ein Gewirr von Kabeln und Metallteilen zu sehen war.

Dem Krisenstab am Boden bleiben 30 Minuten Zeit, um alle Forderungen zu erfüllen. Nachdem das Geld und die Fallschirme von einem Angestellten der Fluggesellschaft an Bord gebracht worden sind, dürfen alle 36 Passagiere das Flugzeug verlassen. An Bord bleiben die Besatzung des Cockpits und eine Stewardess.

Nachdem aufgetankt worden ist, startet die Maschine auf Befehl des Entführers in Richtung Mexico City. Die genauen Anweisungen hinsichtlich Flughöhe, damit verbundener Geschwindigkeit sowie Stellung der Klappen machen deutlich, dass sich Cooper mit der Flugtechnik gut auskennt. Als das Flugzeug den Lewis River nördlich von Portland überfliegt, wird im Cockpit durch ein rotes Alarmlicht die Entsicherung der hinteren Türe und der ausklappbaren Treppe angezeigt. Auf die Frage des Kapitäns, ob Cooper Hilfe brauche, bekommt er von diesem nur ein kurzes »No!« zur Antwort.

Nachdem die Maschine in Reno gelandet ist, wartet die Besatzung noch einige Minuten im Cockpit. Als man sich sicher fühlt, wird die Tür geöffnet und festgestellt, dass der Entführer samt Hut, Mantel und Handgepäck mit Bombe verschwunden ist. Auch Geld und Fallschirm samt Not-Schirm sind weg.

Tage- und wochenlang wird nach Cooper oder irgendwelchen Anzeichen zu seinem Verbleib gesucht, ohne Erfolg. Bis heute ist dies die einzige ungelöste Flugzeugentführung der US-Geschichte. D. B. Cooper ist inzwischen zur Legende geworden. Im Bundesstaat Washington gibt es sogar einen »D. B. Cooper Day«, an dem der Entführer wie ein Held gefeiert wird.

Amelia Earhart – Ihr längster Flug

Im Jahr 1920 ist der Himmel über Kalifornien noch leer und frei, Luftfahrt-Reglementierungen gibt es nicht, wer fliegen kann, fliegt. Als flugtauglich gelten selbstverständlich nur Personen männlichen Geschlechts, Pilotinnen wird jegliches Talent für die Beherrschung von Flugmaschinen abgesprochen. Ein paar wagemutige Frauen, die es schaffen, in diese Männerdomäne einzubrechen, werden scherzhaft »Petticoat-Piloten« genannt. Besonders in den besseren Kreisen gilt der Flugsport als schick, die Fliegerei ist nicht billig, nur wirklich steinreiche Ladys können sich die Ausbildung leisten.

Amelia Earhart ist keine reiche Lady, aber sie will fliegen. An ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag hat sie nicht nur den Pilotenschein in der Hand, sie ist auch Besitzerin eines gebrauchten quietschgelben Doppeldeckers, den sie »Kanarienvogel« nennt.

Amelia Earhart ist fest entschlossen, ihre Flugkunst in bare Münze umzuwandeln. Seit Lindberghs historischem Alleinflug nach Paris im Mai 1927 ist der Atlantik zwar schon mehrfach überflogen worden, aber noch nie von einer Frau – und Amelia ist genau die Richtige. Sie ist hübsch und burschikos, also das typische »All American Girl«, dazu blitzgescheit, mit ausreichend Flugerfahrung. Obendrein sieht sie dem amerikanischen Helden der Lüfte, Colonel Charles Lindbergh, verblüffend ähnlich.

Amelias Pionierflug und die zu erwartende Sensationsstory werden vom einflussreichen amerikanischen Verleger George P. Putnam organisiert. Amelia darf bei diesem Flug den Steuerknüppel nicht bedienen, sie ist sozusagen die erste weibliche Luftfracht, die über den Atlantik befördert wird. Dennoch gilt sie nach dem gelungenen Abenteuer als »Nationalheiligtum« und wird überall in Amerika gefeiert. Ihre Vorträge sind Straßenfeger, und ihr Buch über den Atlantikflug »20 Stunden, 40 Minuten« wird zum Bestseller. Sie gründet die erste Pilotinnenorganisation, vergibt Stipendien und richtet 1929 das Cleveland Women’s Air Derby aus, das als »Puderquastenrennen« bekannt gewordene, weltweit erste Luft-Derby für weibliche Piloten.

Obwohl Amelia Mary Earhart ihre Unabhängigkeit liebt, heiratet sie 1931 ihren Manager George P. Putnam, der ihr jedoch versichern muss, sich weder in ihre Karriere einzumischen noch ihre persönliche Freiheit einzuschränken. So oft es geht, setzt sie sich ins Cockpit und bricht einen Rekord nach dem anderen. Ein Ziel liegt Amelia aber besonders am Herzen, der Alleinflug über den Atlantik. Am 20. Mai 1932, dem fünften Jahrestag des Lindbergh-Fluges, will sie allein am Steuerknüppel nach Paris fliegen.

Start ist in Harbour Grace, Neufundland, doch schon bald gibt es die ersten Probleme, der Höhenmesser fällt aus, sie gerät in einen Sturm, der Auspuff spuckt Feuer, und der Reservetank hat offenbar ein Leck. Als endlich Land in Sicht kommt, jubelt Amelia vor Glück. Nach 15 Stunden hat sie es geschafft. Es ist der erste Alleinflug einer Frau über den Atlantik und darüber hinaus die bisher schnellste Atlantik-Überquerung. Amelia ist auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes, es regnet Konfetti in New York, dazu gibt es jede Menge Ehrungen. Doch die Lady der Lüfte bricht weitere Rekorde, und schließlich gibt es nur noch eine Herausforderung, den Flug um die Welt.

Angesichts der konfliktgeladenen politischen Lage Ende der 1930er Jahre findet auch das US-Militär Gefallen an Amelias Idee, die Welt einmal entlang des Äquators zu umrunden. Eine abenteuerlustige Pilotin würde kaum verdächtigt werden, auf ihrem Flug Informationen über Landemöglichkeiten, Benzinversorgung, lokale Wetterbedingungen und insbesondere über japanische Flottenbewegungen auszuspionieren. Fliegen soll Amelia mit einer Lockheed Electra, dem damals modernsten Zivilflugzeug. Rund um den Globus werden Ersatzteillager und Benzindepots eingerichtet, Genehmigungen eingeholt und Nachrichtenstationen organisiert.

Das Abenteuer beginnt am 20. Mai 1937. Am 29. Juni erreichen Earhart und ihr Navigator Fred Noonan Neuguinea. Jetzt folgt die längste und schwierigste Etappe, der Flug über den Pazifik. Es gilt Howland Island zu finden, einen winzigen Punkt im Pazifischen Ozean. Am 2. Juli startet die Electra in Richtung des kleinen Eilands zum Flug über die Datumsgrenze ins Gestern. Gegen drei Uhr morgens empfängt ein Funkschiff der US-Küstenwache die Funkkennung der Electra. Allerdings kann die Position des Flugzeugs nicht bestimmt werden, die Signale sind zu schwach.

Plötzlich, kurz vor acht, ist auf Howland Amelias Stimme laut und deutlich zu hören, sie klingt aufgeregt: »… wir müssen über euch sein, aber können euch nicht sehen … nur noch wenig Sprit … Flughöhe 350 Meter …« Es folgen weitere Funksprüche, die immer panischer werden. Bei der letzten Nachricht überschlägt sich Amelias Stimme: »… wir sind auf Positionslinie 157–337 … wir wiederholen diese Information auf 6210 Kilohertz … wartet … wir fliegen Suchschleifen nach Nord und Süd …« Danach verschwindet die Electra spurlos.

Zwei Stunden nach dem letzten Kontakt wird eine beispiellose Rettungsaktion gestartet. Auf Befehl von Präsident Roosevelt kreuzen Dutzende von Kriegsschiffen vor Ort, um das verschollene Flugzeug im Pazifik zu finden. Gleichzeitig überfliegen 60 Flugzeuge ein Gebiet fast so groß wie Belgien, alles ohne Erfolg.

Am 5. Januar 1939 wird Amelia Earhart für tot erklärt und ihre Akte für immer geschlossen.

Enrico Mattei – Signore Agip

Wer in den 50er oder 60er Jahren vom Italienurlaub schwärmte, dachte nicht nur an Sonne, Sand und Meer, Pizza und Pasta, sondern vielleicht auch an den schwarzen Hund mit den sechs Beinen und dem Spruch: »Agip Supercortemaggiore – la potente benzina italiana.« In Wirklichkeit gab es aber überhaupt kein »benzina italiana«, denn auf dem einzigen Bohrfeld Italiens in Cortemaggiore in der Po-Ebene wurde kein Tropfen Öl gefunden. Doch der smarte Manager Enrico Mattei glaubte fest daran, das marode Unternehmen Agip durch Erschließung italienischer Erdölvorkommen, die angeblich in den Tiefen der Po-Ebene schlummerten, zu retten. Als endgültig klar war, dass es dort kein Öl gibt, wurde Mattei als »petroliere senza petrolio«, als »Ölbaron ohne Öl«, verspottet.

Doch an Stelle von Öl finden die Italiener Erdgas. Über Nacht werden Millionen Haushalte und Fabriken mit konkurrenzlos billigem Gas versorgt, wobei »Nacht« durchaus wörtlich zu verstehen ist. Die Leitungen werden möglichst im Schutz der Dunkelheit verlegt, um Sabotage durch Störtrupps amerikanischer Konkurrenten zu vermeiden.

Letztlich wird Agip eine Erfolgsgeschichte. Jeder kennt das Firmenlogo, das sechsbeinige, feuerspeiende Wesen, halb Hund, halb Drache. Stromlinienförmig faucht es aus dem aufgerissenen Maul nach hinten. Der zunächst vierbeinigen Version waren noch zwei weitere flinke Pfoten hinzugefügt worden. Die sechs Beine symbolisieren nach Meinung des Firmenchefs Enrico Mattei übrigens die vier Räder des Autos plus die zwei Beine des Fahrers. Es handelt sich also um ein modernes Fabelwesen, bei dem das Auto den Hund als besten Freund des Menschen ersetzt.

Agip wird 1953 in den neugegründeten staatlichen Energiekonzern ENI eingegliedert. Agip-Präsident Enrico Mattei ist nun staatlicher Unternehmer und eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Nachkriegszeit.

Geboren wurde er 1906 in einem kleinen Dorf in Mittelitalien als Sohn eines Carabiniere. Ohne höhere Schulbildung beginnt er eine steile Karriere als Selfmademan. Während des Krieges ist er im antifaschistischen Widerstand engagiert, danach beginnt sein kometenhafter Aufstieg in der italienischen Energieindustrie. Er mischt sich aktiv in die Politik ein, auch gegen die herrschenden Mächtigen.

In den 50er Jahren gerät Mattei in Konflikt mit dem Kartell der »Sieben Schwestern«. Die »Sieben Schwestern«, das sind die mächtigen US-amerikanischen Konzerne Gulf Oil, Mobil Oil, Standard Oil of New Jersey, Standard Oil of California, die Texas Company sowie der englische Konzern BP und die britisch-holländische Royal Dutch Shell. Diese sieben beherrschen über die Hälfte des damaligen Weltmarktes, in dem sie schalten und walten, als gehöre die Welt ihnen alleine. In diesen Kreisen gibt es keinen Platz für einen Idealisten wie Enrico Mattei. Von den Konzernbossen wird er zunächst überhaupt nicht wahrgenommen. Überrascht müssen sie aber plötzlich zur Kenntnis nehmen, dass ein kleiner charismatischer Italiener ungeniert die geltenden Tabus bricht und sich Zugang zu den Erdölvorkommen im Nahen Osten und in Afrika verschafft.

Um für seine Erdölgesellschaft einen Partner zu finden, schlägt die ENI der bayerischen Regierung ein gigantisches Projekt vor: eine Pipeline von Genua bis nach Ingolstadt. Bayern ist weit weg von den internationalen Importhäfen für Rohöl, deshalb musste damals jeder Liter Benzin aufwändig mit Tanklastwagen in den Freistaat gebracht werden.

Der Bau der Pipeline geht zügig voran, trotz vieler technischer Schwierigkeiten bei der Alpenüberquerung. Mit ihrer Fertigstellung beginnt in Bayern die Entwicklung hin zu einem modernen Industriestaat.

Die Eröffnung der Ingolstädter Raffinerie im Jahr 1965 erlebt Enrico Mattei indes nicht mehr. Sein Leben endet 1962 bei einem Flugzeugabsturz, dessen geheimnisumwitterte Ursache lange äußerst rätselhaft bleibt.

Am 27. Oktober 1962 um 18:50 Uhr befindet sich das zweimotorige Flugzeug im Anflug auf den Mailänder Flughafen Linate. An Bord der kleinen Maschine sind Enrico Mattei, ein amerikanischer Journalist und der Pilot. Plötzlich eine Explosion in der Luft, Teile fallen zu Boden, wenige Sekunden später schlägt die Maschine am Boden auf – so schildert der Bauer Ronchi noch in derselben Nacht seine Beobachtungen, die ein Reporter auf Tonband aufnimmt. Am nächsten Tag ist der Tonbandmitschnitt verschwunden, und der Augenzeuge will keine Explosion am Himmel mehr beobachtet haben, das Flugzeug sei am Boden zerschellt. Eine Aussage, die sich offensichtlich gelohnt hat, denn das Leben des Mailänder Bauern ändert sich schlagartig. Der Hof bekommt Strom, die Tochter einen Job bei der ENI, und der Bauer selbst macht Schluss mit Ackerbau und Viehzucht und pflegt fortan den Rasen der abgesperrten Absturzstelle.

30 Jahre nach dem Absturz taucht der Tonbandmitschnitt wieder auf, doch die wichtigsten Passagen der Aussage von Bauer Ronchi sind gelöscht. Nur der Reporter erinnert sich noch genau an dessen Schilderung vor Ort und wie er die Explosion am Himmel gesehen habe. Als drei weitere Jahre später die exhumierte Leiche Enrico Matteis untersucht wird, findet man tatsächlich Spuren von Sprengstoff. Es vergehen allerdings noch einmal zehn Jahre, bis mit neuen technischen Prüfungen an den Bruchstücken des Flugzeugs eindeutig Sabotage nachgewiesen werden kann. Es war also Mord. Trotz aller Manipulationen, um weitere Ermittlungen zu verhindern, werden gewisse Zusammenhänge und Verstrickungen aufgedeckt, aber weder der Mörder noch seine Auftraggeber können überführt werden.

Der Tod des schillernden italienischen Ölbarons Enrico Mattei, des für die New York Times »mächtigsten Italieners seit Kaiser Augustus«, bleibt nach wie vor mysteriös.

Glenn Miller – Absturz eines Stars

Es gibt mindestens drei Versionen zum Tod des legendären Musikers Glenn Miller. Gemäß der offiziellen Version hat sich der 40-jährige Swing-Posaunist am 15. Dezember 1944, zehn Tage vor Weihnachten, auf eine Reise in das von den Alliierten schon befreite Paris begeben und ist spurlos verschwunden. Er soll auf dem kleinen Fliegerhorst Twinwood, in der Nähe Londons, ein einmotoriges Flugzeug vom Typ Norseman C64 bestiegen haben, doch während der Überquerung des Ärmelkanals sei die Funkverbindung abgerissen. Angeblich habe sich auf den Tragflächen der Maschine Eis gebildet, weshalb das Flugzeug abgestürzt sei. Flugzeugtrümmer wurden keine gefunden.

In einer zweiten, nicht-amtlichen Version, ist Glenn Miller ebenfalls nach Paris aufgebrochen und in einem Flugzeug über dem Kanal abgestürzt. Die Absturzursache ist nach Meinung der Militärhistoriker aber nicht die Vereisung der Tragflächen. Die Maschine des Bandleaders soll versehentlich von einer Bombe getroffen worden sein. Es war üblich, dass die englischen Lancaster-Bomber, die unverrichteter Dinge von einem Angriff aus Deutschland zurückkehrten, ihre restlichen Bomben vor der Landung über dem Kanal abwarfen. Und tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass eine Bomberformation Mitte Dezember 1944 unverrichteter Dinge zurückkehrte, ihre Ladung über dem Kanal abwarf – und Glenn Millers Flugzeug, das unter ihnen flog, traf.

Nach einer dritten Fassung ist Glenn Miller wiederum in Richtung Paris gestartet und dort durchaus wohlbehalten angekommen. Während eines heimlichen Bordellbesuchs habe er jedoch einen Herzinfarkt erlitten und sei in den Armen einer Pariser Prostituierten gestorben. Eine pikante Geschichte. Um die Moral der Truppe nicht zu gefährden, sei offiziell über die Todesursache Stillschweigen vereinbart worden. Um das Verschwinden Millers zu erklären, habe man sich wiederum der Geschichte vom Absturz über dem Kanal bedient.

Licht ins Dunkel des Geheimnisses könnte die im Washingtoner Nationalarchiv lagernde Miller-Akte bringen. Doch die trägt den Stempel »darf nie freigegeben werden«, selbst der amerikanische Präsident darf diese hochgeheime Akte nicht einsehen. Im Lauf der Zeit sind allerdings immer wieder Indizien entdeckt worden, die zumindest einen Hinweis darauf geben könnten, was wirklich passiert ist.

Die geheimen Verhandlungen zwischen den Deutschen und den Alliierten gegen Ende des Krieges, um an der Westfront einen Waffenstillstand zu erreichen, liefern genug Stoff für Spionage-Thriller und Verschwörungstheorien: Angeblich habe man nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 auf Geheimdienstebene vereinbart, Hitler endgültig zu entmachten und einen Waffenstillstand auszuhandeln. Es sollte dann Glenn Millers Aufgabe sein, die Nachricht vom Schweigen der Waffen über den Deutschlandsender in Berlin zu verkünden. Der Musiker und seine Stimme waren den Deutschen durch die Ausstrahlung des Programmteils »Musik für die Wehrmacht« des amerikanischen Propagandasenders ABSiE vertraut und dementsprechend glaubwürdig.

Um die putschbereiten deutschen Offiziere zu treffen, habe Miller zunächst nach Krefeld fliegen sollen, von wo es mit einem deutschen Flugzeug nach Berlin-Tempelhof weitergehen sollte. Doch der Plan sei den Hitler-treuen Nazis verraten, Miller selbst verschleppt worden. Er habe den Aufenthaltsort General Eisenhowers verraten sollen. Als er sich auch unter brutalster Folter geweigert habe, habe man den tödlich Verletzten vor einem Edelbordell in Pigalle auf die Straße geworfen. Dort sei er von den Amerikanern gefunden worden.

Damit Hitler und seine Schergen nicht hätten verkünden können, den berühmten Bandleader Glenn Miller gefangen und getötet zu haben, sei auch in diesem Fall umgehend die Legende vom Flugzeugabsturz veröffentlicht worden.

Camille Muffat – Letzte Herausforderung

»Dropped« heißt eine neue französische Reality-Show, in der zwei Teams in einer unbekannten, unwirtlichen Gegend 72 Stunden allein, ohne Essen, ohne Landkarte und ohne Hilfe ausgesetzt werden. Ähnlich wie im sogenannten »Dschungelcamp« müssen sich die prominenten Teammitglieder, unter ständiger Beobachtung durch Fernsehkameras, ihren Weg zurück in die Zivilisation suchen. Ab Sommer 2015 sollte die Reihe zur besten Sendezeit im französischen Fernsehkanal TF1 ausgestrahlt werden.

Die Dreharbeiten hatten Ende Februar 2015 in Ushuaia, im äußersten Süden Patagoniens, einer argentinischen Provinz, begonnen. Nachdem die erste Episode abgedreht war und der erste Kandidat nach Paris zurückkehren musste, zog der Filmtross für ein neues Abenteuer weiter nach La Rioja im Westen Argentiniens.

Insgesamt acht Spitzensportler sollten in der Reality-Show gegeneinander antreten. Eine der prominentesten Teilnehmerinnen ist Camille Muffat, Frankreichs Top-Schwimmerin. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 war ihr großer Traum vom Olympiagold über 400 Meter Freistil in Erfüllung gegangen. Außerdem erschwamm sie sich eine Silbermedaille über 200 Meter Freistil und wurde mit der 4-mal-200-Meter-Freistilstaffel Dritte. Es war der Lohn für jahrelange Schinderei im Schwimmbecken, begleitet von der ständigen Angst, dass sich irgendeine unzulässige Substanz im Essen befinden und anschließend der Dopingtest positiv ausfallen könnte.

Eigentlich will Camille Muffat die Europameisterschaften in Berlin noch als letzte große Herausforderung annehmen, doch ein Streit mit dem Trainer Fabrice Pellerin wird so heftig, dass sie mit 24 Jahren die Schwimmbrille endgültig an den Nagel hängt und fünf Wochen vor Beginn der Europameisterschaften ihren Rücktritt vom Schwimmsport öffentlich bekanntgibt.

Ohne die Strapazen des täglichen Trainings und abseits des Schwimmsports will sie ein neues Leben beginnen. Da kommt das Angebot, in der spektakulären Reality-Show »Dropped« mitzuwirken, gerade recht.

Die erste Herausforderung in Patagonien hat Camille bereits überstanden, als es zur Katastrophe kommt: Zwei Hubschrauber vom Typ Eurocopter AS350B3 »Écureuil« sind samt Piloten jeweils von der Provinzregierung von La Rioja sowie Santiago del Estero zur Verfügung gestellt worden. Das Wetter ist perfekt, jeweils vier Personen klettern in einen Hubschrauber. Die Helikopter heben nacheinander ab und fliegen in einem Abstand von wenigen Metern. Nur 400 Meter vom Startplatz entfernt stoßen sie plötzlich zusammen, stürzen ab und explodieren am Boden.

»Dropped«, der Name der TV-Serie, wird für die französische Olympiasiegerin Camille Muffat und sieben weitere Menschen todbringende Wirklichkeit …

Manfred von Richthofen – Der tote Baron

Im Gegensatz zu den anonymen Infanteristen, die in den Schützengräben liegen und zu Tausenden von Granaten zerfetzt werden, gelten die Flieger in ihren Propellermaschinen als Ritter der Lüfte. Eine Aura von Abenteuer und Dandytum umweht diese Individualisten. Selbst wenn einer dieser »Adler« abgeschossen wird und die Maschine wie ein Komet vom Himmel fällt, wird der Pilot als Held verehrt.

Einer von ihnen ist sogar unsterblich geworden: Manfred von Richthofen, der legendäre »Rote Baron«. Er ist der Medienstar des Ersten Weltkriegs. 80 Luftkämpfe, bei denen 75 gegnerische Piloten sterben, kann der Flieger für sich entscheiden.

Manfred Freiherr von Richthofen ist ein typischer Vertreter des preußisch-wilhelminischen Militär-Drills. Er wird 1892 in Breslau als Sohn eines Kavallerie-Offiziers geboren. Standesgemäß absolviert er die Ausbildung an einer Kadettenanstalt, nach Ausbruch des Weltkriegs im Jahr 1914 ist er zunächst Patrouillenführer, dann lässt sich der junge Leutnant zur Fliegertruppe versetzen.

Anfangs ist die Militärfliegerei wenig heroisch. Die Flugzeuge haben keine Bewaffnung, die Piloten sollen die feindlichen Frontlinien beobachten. Erst Anfang 1915, nachdem die ersten Flugzeuge mit starr montierten Maschinengewehren ausgerüstet sind, beginnt der legendäre Luftkampf.

Schnell lernt von Richthofen, dass es mit der »Ritterlichkeit« der Jagdflieger nicht weit her ist. Ernüchtert erkennt er, dass mindestens die Hälfte der abgeschossenen Piloten ihren Angreifer gar nicht gesehen hat.

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