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Alle Jahre nie mehr wieder

Über die Autorin

Laurie Notaro begeistert seit mehr als zehn Jahren die Leser des Arizona Republic, wo sie wöchentlich eine Glosse veröffentlicht. Ihre witzigen autobiografischen »Lebensweisheiten« haben mittlerweile Kultstatus erlangt. Bei Bastei Lübbe Taschenbücher ist auch ihr erstes Buch Anleitung zum Zickigsein erschienen.

Sie lebt mit ihrem Mann in Phoenix, Arizona, und hat soeben ihr drittes Buch fertig gestellt.

Laurie Notaro

Alle Jahre
nie mehr wieder

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von
Veronika Dünninger

Inhalt

Was ich mir wirklich zu Weihnachten wünsche

Sechs hilfreiche Tipps, wie man eine unvergessliche Weihnachtsfeier schmeißt und allein stirbt

Nörgelig oder nett

Oh Heilige Nacht oder Das Jahr, in dem ich Weihnachten ruinierte

Irgendwo unter dem Weihnachtsbaum liegt ein Gewehr

Gönn dir Weihnachten im Supermarkt

Kartoffelpüree, Süßkartoffeln und eine Urinprobe

Sturm aufs Einkaufszentrum

Jingle Hell

Wohin kommen brave Bäume, wenn sie sterben?

Weihnachts-Todesfalle

Die witzloseste Weihnachtsfeier-Gastgeberin aller Zeiten

Fröhliche Feiertage von der Idioten-Familie

Danksagung

Was ich mir wirklich zu Weihnachten wünsche

Dieses Jahr sehe ich endlich der Wahrheit ins Auge: Ich bekomme Mist zu Weihnachten. Ich nehme an, ich sollte mich weder darüber aufregen noch darüber wundern. Ich bekomme immer Mist zu Weihnachten. Allerdings bekomme ich nicht so viel Mist wie meine Freundin Kate, wenn sie über die Feiertage nach Hause nach Minnesota fährt, und dann muss sie all den Mist auch noch durch den halben US-amerikanischen Kontinent zurückschleppen.

Um die Enttäuschung zu vermeiden, die es bedeutet, sich eine Lederjacke zu wünschen und stattdessen eine Windjacke mit einem Rentier darauf zu bekommen (die Tragödie des letzten Jahres), hat Kate dieses Jahr beschlossen, ihre Familie mit deren eigenen Waffen zu schlagen. Sie ist ein Genie.

Wir saßen in einem Restaurant beim Abendessen, als sie mir ihren ultimativen, meisterhaften Plan auseinandersetzte. »Gestern Abend hat meine Mom angerufen und mich gefragt, was ich mir zu Weihnachten wünsche«, erzählte Kate. »Und eine Minute lang dachte ich, und ich wollte es wirklich sagen: ›Das ist doch egal, denn du wirst mir sowieso das Erstbeste kaufen, das du im Sonderangebot bei Wal-Mart siehst.‹ Und dann entschied ich. Warum soll ich enttäuscht werden? Ich werde ja doch nie bekommen, was ich mir wünsche, und daher sagte ich zu Mom: ›Was ich mir wirklich wünsche, das sind ein paar Geschirrtücher mit Weihnachtsfiguren drauf, die billigsten Waschlappen, die je hergestellt wurden, und das größte, weißeste Paar Unterwäsche, das man finden kann. Das ist es, was ich mir wünsche.‹«

Kates Worten zufolge kicherte ihre Mutter ganz entzückt. »Ooooh«, säuselte sie. »Das wird einfach!«

Daher schlage ich denselben Weg ein. Dieses Jahr habe ich meinen Wunschzettel geschrieben und bin ihn zweimal durchgegangen. Dieser hier ist nun für dich, Mom, die es nie versäumt, mir genügend weiße Baumwollschlüpfer zu besorgen, um ein Nonnenkloster für ein ganzes Jahr auszustatten, und für die Leute, die bereit sind, mir am angeblich schönsten Tag des Jahres mit allem nur erdenklichen Mist zu kommen. Er ist der Tag aller Tage, aber letztendlich schleppe ich immer irgendwelchen Müll nach Hause, der eigentlich in das Regal eines Ramschladens gehört. Und übrigens: Es ist nicht der Gedanke, der zählt, wenn der Gedanke lautet: »Es fehlt ja nur ein kleines bisschen. Es wird ihr gar nicht auffallen, dass ich es schon einmal benutzt habe.«

Was ich mir wirklich zu Weihnachten wünsche

von Laurie Notaro

Was ich mir wirklich zu Weihnachten wünsche, das sind die singenden Fischfiguren Billy, der Barsch mit der großen Klappe, oder Travis, die singende Forelle. Je mehr, desto besser, vor allem jetzt, wo es sie für neunundneunzig Cent überall zu kaufen gibt, nachdem sie lange Zeit total in waren. Ich könnte sie mir alle zusammen an die Wand hängen, so wie sie im wirklichen Leben in einem See herumschwimmen würden. Sie sind das Witzigste, was ich je gesehen habe, und ich werde es nie leid, sie singen zu hören.

Oder sucht einen schrulligen Hut für mich aus, einen, den ihr noch nie jemand anders habt tragen sehen, einen, der
euch vom Hutständer aus einfach zuwinkt, wenn ihr darauf zeigt und freudig erregt ausruft: »DAS ist Laurie!« Wenn es irgendetwas ähnelt, das eine Figur aus der Zeichentrickserie Fat Albert oder Kapitän Stubing aus Love Boat tragen würde, oder etwas, das ihr einen Zuhälter habt tragen sehen, dann gehört es vermutlich auf meinen Kopf. Wenn es Federn obendrauf hat, umso besser – wer kennt meinen Stil schließlich besser als Leute, die nicht einmal wissen, dass ich von Acryl Ausschlag bekomme, und die erwarten, dass ich ihr Geschenk trage, wenn sie zu Besuch kommen.

Stets auf meinem Wunschzettel steht ein köstlicher Leckerbissen aus der Lieblings-Wachskerzen-Backstube meiner Mutter. Ich weiß nicht, wo sie ein Wachsgeschäft gefunden hat, das sich auf die Herstellung von Kerzen in Gebäck- und Tortenform spezialisiert hat, aber sie hat es gefunden. Gute Arbeit, Mom! Mmmm, stellt euch bloß vor, ein ganzer Karton voller Törtchen – saftiger, schwerer Schokoladentörtchen unter einer wundervollen Buttercremeglasur, die einen köst-lichen, unwiderstehlichen Törtchenduft verbreiten. Und ich meine wirklich verbreiten, die Zimmer des Hauses erfüllend, als hätte man sie eben erst gebacken. Es ist die ideale Diätkost, denn in eines von ihnen zu beißen ist, als würde man bei Madame Tussaud’s in Jennifer Lopez’ ausladenden Hintern beißen, so ähnlich, als würde man seine Zähne in ein dickes, schweres Stück Irischer-Frühling-Seife versenken – nur ohne den Geschmack. Lecker! Denn all diese künstlichen Törtchen, die wie echte Törtchen riechen, jeden Tag im Haus zu haben ist genau das, was eine übergewichtige Frau braucht, damit ihr Möhren-mit-Hüttenkäse-Mittagessen vorhält und vorhält und vorhält, bis es an der Zeit ist, die Lasche von ihrem dampfenden, total verkochten Diät-Fertiggericht abzuziehen. Lecker! Ich kann es gar nicht oft genug sagen: lecker.

Noch etwas, das ich unbedingt haben möchte, sind Haarteile aus dem Einkaufszentrum. Ich will Haarverlängerungen, Ansteckzöpfe und so einen dicken künstlichen Haarknoten. Wie umwerfend würde ich aussehen, wenn ich jeden Tag mit einer neuen Frisur erscheinen würde? An einem Tag kurz, am nächsten lang, dann lockig und dann mit Rasta-Zöpfen? Bitte, macht mich schön (und geheimnisvoll und blond und rothaarig und schwarzhaarig!)! Gebt mir langes, schönes Haar! Strahlendes, schimmerndes, fließendes, flachsartiges, wachsartiges Haar, aber vor allem Haar, das ich nie mehr waschen muss.

Der nächste Wunsch mag vielleicht unmöglich erscheinen, aber ich weiß, dass er es nicht ist! Ich hätte gern jedes Kleidungsstück mit Tweety drauf, das ihr finden könnt und das ihr mir noch nicht geschenkt habt. Ja, alles! Geht zu diesem Schlussverkaufständer bei Warner Bros. und plündert ihn einfach! T-Shirts, Sweatshirts, Socken, ein Mantel, ein Hut, eine Windjacke, Trainingshose, Tragetasche, Untersetzer – alles mit Tweety drauf wäre einfach unglaublich, auch wenn ich nicht diejenige bin, die so fasziniert von Tweety war, dass sie ihn sich auf die Schulter tätowieren ließ. Das war die Ex-Freundin meines Ehemanns.

Natürlich würde ich mich über nichts mehr freuen als über einige Packungen wirklich billiges Badesalz, das ich benutzen könnte, wenn ich dusche, da ich keine Badewanne habe. Wenn ihr welches besorgen könntet, das nach Desinfektionsmittel oder den Zähnen einer alten Frau riecht, wäre ich wirklich entzückt! Was könnte entspannender sein, als eine Handvoll Badesalz in die Luft zu werfen und dann zu warten, bis es auf mich herabprasselt und an mir kleben bleibt?

Oh, und natürlich Weihnachtssocken! Wenn es irgendetwas gibt, auf dem stehen sollte: »Lasst uns den Geburtstag unseres christlichen Herrn feiern«, dann sind es gestrickte Acrylsocken mit Metallfäden und einer verstärkten Zehenkappe. Ich liebe Weihnachtssocken! Ich liebe alle Arten von Weihnachtssocken – Socken mit Schneemännern, Schneeflocken, Weihnachtsmännern, Tannenbäumen – und wenn ich dieses Jahr wirklich brav gewesen bin, dann besorgt mir welche mit dem seitlich aufgestickten Wort: »Glaube!« Ich glaube an Weihnachtssocken! Weihnachtssocken mit Glöckchen! Klingelnd, bimmelnd und mit baumelnden Stechpalmenzweigen! Wenn ihr irgendwo Jesuskindchen-Socken auftreiben könntet, umso besser! Könnte ich von dieser Wolke je wieder herunterkommen? Wenn ihr in der Strumpfwarenabteilung eines Kaufhauses seid und mein Weihnachtsgeschenk kauft, tretet einen Schritt nach links, und schnappt euch auch noch eine Dose Fußdeo, denn diese Socken werde ich so oft tragen wollen, dass ihr mich umbringen müsst, um sie von meinen Füßen zu bekommen, und letztendlich werde ich irgendetwas gegen das Jucken und die Verwesung meiner Zehen tun müssen.

Und vergesst nicht, mir einen Block Acrylharz mit meinem Monogramm zu schenken, vor allem einen, auf dem die Bedeutung meines Namens erklärt wird, um das Geheimnis zu lüften und mir zu helfen, meine Identität zu festigen: »Laurie: weibliche Form des spätlateinischen Namens Laurus, was ›Lorbeer‹ heißt, der verwendet wurde, um den Siegern Kränze zu flechten. Die heilige Laura war eine spanische Märtyrerin des neunten Jahrhunderts, eine Nonne, die von den Mauren in einen Bottich mit geschmolzenem Blei geworfen wurde.« Ha ha ha! Richtig. Nichts steht mehr für Liebe, Luxus und fröhliche Feiertage als ein Stück Plastik zusammen mit meinem Namen und der inspirierenden Legende von einer Nonne, die wie ein Hummer zu Tode gekocht wurde.

Wenn alle Acrylharz-Blöcke bereits ausverkauft sein sollten (ausgefallene Geschenke kann man nicht als selbstverständlich betrachten, wisst ihr), dann tut mir einen Gefallen: Nehmt den Umweg auf euch, und beschenkt mich mit einem Zauberwürfel, von dem mich euer Foto auf allen Seiten anlächelt! Denn was ist besser als ein Foto von euch? Na ja, sechs davon! Was für ein Spaß wäre es, meine Freizeit mit der schwierigen Aufgabe zu verbringen, sechs eurer Köpfe auf sechs der entsprechenden Körper zu setzen! Ein köstlicher Spaß, das kann ich euch sagen. Die einzige Möglichkeit, noch mehr Spaß zu haben, ist, mitten in einem Killerbienen-Schwarm zu stehen, die Arme gegen meinen Körper zu schlagen und zu warten, bis ich in einen anaphylaktischen Schock falle.

Wenn ihr in der Klemme steckt und auf einmal merkt, dass mein Name unerklärlicherweise von eurer Einkaufsliste verschwunden ist und ihr diesen Zauberwürfel mit eurem sechsfachen Antlitz nie bestellt habt, seid unbesorgt, verflucht euch nicht. Irgendetwas, das ihr zu Hause findet, wird den Zweck schon erfüllen, vor allem, wenn es bereits gebraucht ist. Wer hätte schon etwas einzuwenden gegen ein bisschen gebrauchtes Badegel oder Seife, die für euren Geschmack ein wenig zu stark duftet? Um es mit den unvergesslichen Worten von George W. Bush in der Zeit erbitterter Rebellenangriffe in einem feindlichen Land zu sagen: BRINGT’S MIT! Shampoo, das ihr nicht mögt, verwöhnt mich damit! Ich verstehe schon, dass ihr es nur ausprobiert habt, um sicher zu sein, dass es euren Standards entspricht, wenn ihr etwas verschenkt. Ich verstehe das vollkommen. So wie damals, als Vorkoster die Speisen für die Könige probierten, um sicherzustellen, dass sie nicht vergiftet waren, nur dass ihr in diesem Fall ein klein wenig auf den Teller spuckt, das ist alles. Nur ein klein wenig Spucke. Was ist denn schon ein klein wenig Spucke bei einem Weihnachtsgeschenk, das von Herzen kommt? So wenig, dass man fast nicht sagen könnte, dass es überhaupt da ist. Außerdem hätte ich gerne kleine Seifenproben und kleine Fläschchen mit Shampoo und Conditioner aus Hotels. Damit ich mich fühle, als sei ich im Urlaub gewesen – aber ohne die Kosten oder den Stress des Vergnügens.

Kostenlose Zugaben, die ihr dafür bekommen habt, dass ihr irgendetwas für euch gekauft habt, sind immer willkommen in meinem Weihnachtsstrumpf! Wenn ihr etwas gratis bekommt, warum solltet ihr dann noch für mein Geschenk Geld ausgeben? Warum solltet ihr für mein Geschenk bezahlen, nur weil ich für eures bezahlt habe? Der Blick auf unsere Gesichter, wenn wir die wunderbare Wanduhr mit dem Zugmotiv auspacken, die ihr als Dreingabe zur lang ersehnten Modelleisenbahn bekommen habt und die ihr uns soeben eine Stunde lang bis ins letzte Detail gezeigt habt, ist Bezahlung genug. Die Modelleisenbahn haben wir schon viele Male im Fernsehen gesehen, da der Werbespot, der die Uhr als kostenlose Zugabe anpreist, in der Vorweihnachtszeit quasi nonstop ausgestrahlt wird. Tuut tuut! Tuut tuut! Zu jeder viertel, halben und vollen Stunde macht die Uhr tuut tuut! Genug, um einen friedfertigen Mann so weit zu bringen, dass er Schießen zu seinem Hobby macht, oder um zu begreifen, weshalb man ein völlig einwandfreies Geschenk wie dieses weitergibt. Gratisbeigaben sind nicht immer angenehm, lasst uns das nicht vergessen, wie Strafzettel für unerlaubtes Parken oder Geschlechtskrankheiten.

Jetzt kann ich Weihnachten kaum noch erwarten, da ich sicher bin, dass alles auf meinem Wunschzettel gekauft, bestellt oder aus dem muffigen Flurschrank hervorgekramt wird und all meine Träume wahr werden. Bis auf den einen Traum, in dem ich in einer Geschäftsbesprechung einen Doughnut esse, und als ich an mir hinuntersehe, um die Krümel abzuwischen (denn dabei gibt es immer Krümel), ist da nur eine Handvoll Kokosflocken auf meinen riesigen entblößten Brüsten, obwohl ich eine Armbanduhr und einen Hope-Eternal-Diamonique-Anhänger von QVC trage, den meine Mom mir letztes Jahr geschenkt hat. Ich hoffe, dass dieser Traum nicht wahr wird. Das Glitzern der Schmucksteine auf diesem Anhänger könnte Flugzeugen beim Landeanflug den Weg weisen.

Fröhliche Weihnachten!

Laurie

P. S. Oh, eines habe ich noch vergessen: Ich könnte auf jeden Fall noch ein paar weiße Baumwollschlüpfer gebrauchen, je größer, desto besser! Wir haben ein paar aus dem Vorrat vom letzten Jahr benutzt, um beim letzten Frost Büsche damit abzudecken. Nützlich waren sie auch als Bettlaken fürs Gästezimmer. Und schenkt mir gleich noch ein paar Nylonslips dazu, denn wir spielen mit dem Gedanken, im nächsten Jahr mal Fallschirmspringen als Hobby auszuprobieren.

Sechs hilfreiche Tipps, wie man eine unvergessliche Weihnachtsfeier schmeißt und allein stirbt

Letzte Woche kam ich zufällig am Fernseher vorbei, als mir die Episode einer Lifestyle-Show auf einem Lokalsender ins Auge sprang. Die vorgestellten Gäste, zwei Polizisten, erklärten, dass mehrere Faktoren von entscheidender Bedeutung seien, um eine Weihnachtsfeier zu einem Erfolg werden zu lassen. Interessiert zog ich mir einen Stuhl heran, um ungestört zuzusehen.

Oh, gut, dachte ich, sie werden das Rezept für den ultimativen Weihnachts-Cocktail verraten, und hielt mich bereit, um alles zu notieren. Stattdessen hörte ich:

Wichtige Informationen für Party-Gastgeber:

  • Servieren Sie eiweißreiche Kost, und bieten Sie alkoholfreie Getränke an.
  • Bitten Sie die Gäste, einen Fahrer zu bestimmen, oder bieten Sie alternative Transportmöglichkeiten an.
  • Schenken Sie keinen Alkohol an Gäste unter einundzwanzig aus.
  • Lassen Sie die Gäste nicht ihre eigenen Drinks mixen, und »schließen Sie die Bar« neunzig Minuten vor dem Ende der Party.
  • Melden Sie mutmaßlich betrunkene Fahrer sofort der örtlichen Polizei.

Ich weiß nicht, auf wie vielen Feiern diese Cops im Laufe ihres Lebens schon waren, aber meiner Meinung nach sind das keine Tipps dafür, wie man eine erfolgreiche Feier ausrichtet. Es handelt sich eher um eine Anleitung, wie man in »sechs einfachen Schritten aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird und sich einen so einsamen Tod sichert, dass nur der Gestank der eigenen Leiche für irgendjemand anders von Bedeutung sein wird«.

Okay, dem »Servieren-Sie-eiweißreiche-Kost«-Teil kann ich völlig zustimmen, denn wenn Sie mich je auf einer Feier aus den Augen verlieren sollten, dann halten Sie nach der Käseplatte Ausschau. Sicher, ein paar Leute nennen es Füllmasse, aber ich nenne es »kleine Liebesecken«, und was mich betrifft, so gibt es keinen Grund, die Tür zu öffnen, wenn nicht kleine gelbe Würfel, in denen Zahnstocher mit Papierkrausen stecken, dahinter warten.

Der Tipp mit den alternativen Transportmöglichkeiten – sicher, das kann man machen. Wenn Sie alternative Transportmöglichkeiten wollen, mieten Sie eine Limousine, aber das Einzige, was Sie von mir bekommen werden, sind die Nummer der Taxizentrale und mein Telefon. Immerhin schmeiße ich hier eine Party. Ich führe kein FedEx-Büro. Wenn Sie unbedingt auf jeden Fall noch in der Nacht nach Hause müssen, dann suchen Sie sich ein paar Mormonen-Freunde, aber zählen Sie nicht auf mich als Fahrer.

Dann ist da die »Schenken-Sie-keinen-Alkohol-an-Gäste-unter-einundzwanzig-aus«-Regel, der ich, denke ich, zustimmen kann, da ich verheiratet bin. Aber wenn ich mich noch zu Dates verabreden würde, dann wäre dieser Tipp ungefähr so, als würde man das halbe Meer mit richtig duften Fischen ausgießen. Richtig tolles Talent, das einfach ungenutzt bleibt. Aber da ich eine erfolgreiche Party schmeißen und die wichtigen Informationen berücksichtigen will, heißt das offenbar: keine betrunkenen, sexy, maskulinen jungen Heißsporne.

Und dann haben wir da noch die »Lassen-Sie-die-Gäste-nicht-ihre-eigenen-Drinks-mixen-und-›schließen-Sie-die-Bar‹-neunzig-Minuten-vor-dem-Ende-der-Party«-Regel.

Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, was ich dazu sagen soll.

Als ich das letzte Mal eine Party gab, die zu einem festgesetzten Zeitpunkt endete, wurde ich geschlagen, nachdem meine Freunde nach Hause gefahren waren, da Rhonda Legarski den ausgeschnittenen Schwanz für den Papier-Esel an der brandneuen roten Samtvelourstapete meiner Mutter befestigt hatte.

Neunzig Minuten vor dem Ende der Party? Woher soll man denn wissen, wann das ist? Wenn der Gastgeber aus dem Fenster fliegt, gesehen wird, wie er in einer Badewanne das Bewusstsein verliert oder in Handschellen abgeführt wird, dann kann man vermutlich sagen: »Wow, wir hätten vor neunzig Minuten mit dem Trinken aufhören sollen«, aber ich bitte Sie! Habe ich vielleicht eine eigene Fernsehshow, in der ich als Medium Kontakt zu Verstorbenen aufnehme? Ich bin doch keine Hellseherin! Dafür bin ich nicht zur Schule gegangen! Woher soll ich denn wissen, wann die Party zu Ende sein wird? Das ist eine Menge Druck für einen Partygänger! Meistens bin ich mir nicht einmal sicher, ob es noch vor Mitternacht ist, und erst recht nicht in der Lage, mir auszurechnen, wann sich jeder Alkoholiker auf der Party schlagartig in einen Kürbis verwandeln wird!

Aber meine Lieblings-Regel ist natürlich diese: »Melden Sie mutmaßlich betrunkene Fahrer sofort der örtlichen Polizei.« Oh, na klar. Vor allem, wenn ich im nächsten Jahr wieder eine Party geben will. So viel zu fünf Pfund Käsewürfeln in meinen Händen. Ausnahmslos alle werden zu meiner Party kommen, vor allem wenn ich im Jahr davor dafür gesorgt habe, dass sieben Leute in meiner Auffahrt festgenommen wurden. »Lass uns dieses Jahr zu Neils Party gehen, es wird viel witziger sein, als mich selbst freiwillig zu stellen« oder »Weißt du, Sharons Party ist der Ort, an dem du sein musst, wenn du dich je gefragt hast, wie ein polizeilicher Alkoholtest aussieht.« Es ist bestimmt eine großartige Idee, aber nur, wenn man für das Präsidentenamt kandidiert.

Wenn Sie also in diesem Jahr irgendwo eingeladen sind, sollten Sie vielleicht fragen, ob Sie vorher einen Blick in die Party-Regeln werfen dürfen, bevor Sie sich auf einen Abend einlassen, der ungefähr so spaßig ist, wie in einer Zelle eingepfercht im Bezirksgefängnis zu sitzen.

Nun ja, dort könnte man zumindest sagen: »Weißt du, du hättest vor neunzig Minuten mit dem Trinken aufhören sollen.«

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