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Alisha, die sechste Stute

Über die Autorin

Dr. Christiane Gohl wurde 1958 in Bochum geboren. Nach dem Studium der Psychologie und Pädagogik arbeitete sie zunächst als Werbetexterin und Reiseleiterin, dann als freie Autorin und Fachjournalistin. Seit ihrem zehnten Lebensjahr beschäftigt sie sich mit Pferden und reitet in verschiedenen Disziplinen. Pferdefreundliches Reiten und artgerechte Haltung sind ihr dabei besonders wichtig. Mit ihren fundierten Sachbüchern und Romanen avancierte sie in kurzer Zeit zu einer Bestseller-Autorin der Pferdebuchszene. Christiane Gohl lebt heute in Spanien.

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Inhalt
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Zitat
  7. Vorwort
  8. Kapitel 1
  9. Kapitel 2
  10. Kapitel 3
  11. Kapitel 4
  12. Kapitel 5
  13. Kleines Lexikon
  14. Zeittafel

So sprach Allah zum Südwind:

Ich will aus dir ein Wesen schaffen.

Es soll sein:

ein Glück für den Guten

und ein Unheil für den Bösen!

Gnade soll walten auf seiner Stirn

und Glück auf seinem Rücken.

Es soll fliegen ohne Flügel

und siegen ohne Schwert! –

So schuf Allah die Stute.

Vorwort

Nach einer Schlacht, so sagt die Legende, ließ Mohammed, der Prophet, alle Pferde seines Heeres frei. Halb verdurstet liefen sie zu einem Wasserlauf, um sich zu erfrischen, aber noch bevor sie ihn erreichten, rief er sie erneut zum Kampf. Nur fünf Stuten folgten seinem Ruf, und er machte sie zu den Stammmüttern der arabischen Pferdezucht.

Fast 1500 Jahre später machte ich die Bekanntschaft einer schönen arabischen Stute namens Gersemi, das heißt »Kostbarkeit«. Von ihr und vielen anderen Pferden, die arabisches Blut führen, ließ ich mich überzeugen, dass damals alles ein bisschen anders gewesen sein muss, als die Überlieferung besagt.

Ich schreibe diese Geschichte für alle diese selbstbewussten Stuten, vor allem für Shanna, Tochter der Nasbah, die mein Vorbild für die junge Alisha war, und für Piroschka, deren kluges Gesicht ich vor mir hatte, wenn ich die erwachsene Alisha erzählen ließ, und für meine Hrifla.

Außerdem widme ich diese Geschichte Nadr ibn al-Harith und all den anderen Geschichtenerzählern, denen wir die wundervollen Legenden rund um das arabische Pferd verdanken.

Für alle, die mehr über den historischen Hintergrund dieser Geschichte wissen möchten, habe ich ein kleines Lexikon zusammengestellt.

Christiane Gohl

So viele Körner Gerste du deinem Pferde gibst, so viele Sünden seien dir vergeben!«, spricht Mohammed, der Prophet. Darum fülle meine Krippe, Ali, mein Herr, denn ich bin hungrig, und deine Sünden sind verzeihlich. Und füttere auch Bilgi, die Eselin, denn wer weiß, wer es ist, der die Sünden vergibt, der kriegerische Gott des Propheten oder der dienende Gott der Knechte, der triumphierende Gott der Pferde oder der demütige Herr der Maultiere.

Es gibt genügend Gerste für alle in den Truhen Alis, meines Herrn, und genügend Früchte und Brot in den Körben Saidas, meiner Herrin. Wohlstand herrscht in diesem Haus und seinen Höfen; die Menschen sagen, Allah habe meinen Herrn gesegnet. Und doch verdanken wir all das nur unseren Sünden, den kleinen, verzeihlichen meines Herrn Ali, und meiner großen, nie vergessenen, von der ich bis heute nicht weiß, ob sie wirklich sträflich ist in den Augen Allahs, Spender des Lebens.

Ich bin Alisha bint Sabah, und vor Jahren, als mein Fell noch nicht weiß war, sondern durchzogen mit roten Strähnen, als meine Mähne mich einhüllte in einen Purpurmantel, der jedem König des Abendlandes zur Ehre gereicht hätte, und als der Reiter auf meinem Rücken sich fühlte wie ein Sohn des Windes, da galt ich als der Stolz der Stutenherde Mohammeds, des Propheten … aber ich will von Anfang an erzählen, von der Zeit an, als Abu Jezid, der Scheich der Asharim, mich seine Tochter nannte …

***

»Nicht meine Pferde sollt ihr sie heißen, sondern meine Kinder!«, sagte Abu Jezid, wenn er von seinen Stuten sprach, und er sprach gern von ihnen, denn sie waren sein ganzer Stolz. Alle anderen Stämme der Wüste beneideten das Volk der Asharim um seine Pferde, ihre Schönheit und Schnelligkeit und ihren Mut im Kampf.

Meine Mutter, Sabah bint Roseyna, war Abu Jezid das liebste unter seinen Pferden. Ihre Treue und Sanftmut waren unübertroffen, und die Leute sagten von ihr, sie sei so schnell, dass sie einen Pfeil im Flug überholen könne. Einmal, so erzählte man sich, hätten Abu Jezids Feinde ihn gefangen genommen. Sie hätten ihm die Hände gebunden und führten ihn zu ihren Zelten. Da aber gelang es ihm, sich loszureißen, und er rannte zu Sabah, die unter den Beutepferden stand. Abu Jezid sprang auf ihren Rücken und flüsterte ihr ihren Namen zu, und die Stute befreite sich und jagte mit ihm davon. Ohne Zaum und Zügel führte er sie durch den Pfeilhagel der Feinde, und seine Hände waren noch gebunden, als er im Lager der Asharim einritt.

Wenn Abu Jezid ein Sohn geboren wurde, so brachte er das Kind als Erstes zu seinen Pferden, die mit ihm das Zelt teilten, damit es die Wärme des Atems einer edlen Stute fühlte, und er empfahl es der Liebe und Treue der Pferde, ebenso wie er es später der Obhut der Stammesgötter empfahl. Und wenn ihm ein Mädchen geboren wurde, so machte er ihm ein Amulett aus dem Haar seiner liebsten Stute, auf dass es ebenso schön, so freundlich und so fruchtbar werde wie Sabah bint Roseyna oder Badiah bint Dalal.

Jedes neugeborene Fohlen begrüßte Abu Jezid mit Lobpreisungen und flocht bunte Perlen in seine Mähne, um böse Geister von ihm fernzuhalten. Wenn es ein Stutfohlen war und so edel zu werden versprach wie seine Mutter, so rief er seine Freunde zusammen und versammelte seine Frauen und Kinder zu einem Fest. Die ersten Worte, die ich hörte, waren die preisenden Worte Allahs über die Erschaffung des Pferdes aus dem Wind der Wüste. Und Salina, Jezids erste Gemahlin, nannte mich einen fleischgewordenen Kuss der Sonnengöttin, war doch mein Fell so rot wie die Glut des Feuers. So kam ich in eine Welt, erfüllt von Liebe. Vom ersten Tage an waren die Menschen mir Freunde und Gefährten, und mein Leben lang würde ich auf den Namen hören, den Jezid mir in der Stunde meiner Geburt ins Ohr flüsterte.

Die Asharim führten ein freies Leben. Niemand anders als die Götter, die ihren Weg bestimmten, indem sie die Wüste einmal hier und einmal dort ergrünen ließen, konnte ihnen befehlen. Mit ihren Reittieren und den Packkamelen, die ihre Zelte und den gesamten Hausrat trugen, folgten sie ihren Herden von einem Weidegrund zum anderen. Ihre Kamele gaben ihnen Milch und oft auch Fleisch, und die Ziegen lieferten das Haar, aus dem sie die Bahnen ihrer Zelte webten. Wir Pferde aber galten als Mitglieder ihrer Familien. Wir schliefen in den Zelten unserer Herren, und oft weckte mich Jamil, Abu Jezids jüngster Sohn, weil er spielen wollte, und Adla, seine kleine Tochter, lernte laufen, indem sie sich am Schweif meiner Mutter hochzog.

Die Asharim lebten von ihrer Kamelzucht, die nicht minder berühmt war als die ihrer Pferde. Zogen sie aber entlang der Handelsstraßen zwischen Tebuk und Thomalia, so überfielen sie meist Karawanen und holten sich, was sie brauchten. Sie empfanden dabei kein Unrecht, befiehlt doch Allah den Männern, ihre Sippe und ihren Stamm zu erhalten. Allah will keine Ungerechtigkeit in der Welt, und wenn er den Menschen der Wüste keinen fruchtbaren Boden gab, so schenkte er ihnen doch das Pferd und den Dolch sowie den Mut, beides so sicher zu beherrschen, dass sie sich von reichen Wüstenwanderern holen konnten, was sie brauchten. So jedenfalls sah es Abu Jezid, und sein Stamm und seine Pferde folgten ihm, obwohl meine Mutter und die anderen Pferde es vorgezogen hätten, auf abgelegenen Pfaden durch die Wüste zu ziehen und von dem zu leben, was der Boden ihnen gab. Die Männer schienen den Krieg und den Kampf zu genießen, aber wir Pferde liebten ihn nie.

Dabei standen wir oft in seinem Zentrum, nicht nur als Kämpfende, auch als Umkämpfte. Abu Jezid gab nie ein Pferd her für Gold oder andere Reichtümer. Nur verdiente Männer seines Stammes durften seine Lieblinge reiten, und begehrte ein Vertreter anderer Stämme eine Stute oder einen Hengst aus seiner Zucht, so blieb ihm nur der Raub. So verschwand Badiah bint Dalal drei Monde vor dem Landfrieden, der mich zum ersten Mal nach Mekka führte. Abu Jezid schrie und tobte und beschwor die ewige Rache der Götter auf die Häupter der Diebe und ihrer Nachkommen. Am liebsten wäre er sofort aufgebrochen, die Stute zurückzuerobern, aber die Diebe waren so geschickt gewesen, dass die Asharim nicht sofort erkannten, welcher Stamm den Frevel beging. Also mussten sie sich bis zu unserer jährlichen Wallfahrt nach Mekka bezähmen, wo sie Badiahs Verbleib herauszufinden hofften. Im Mond der Wallfahrt bestand nämlich ein Landfrieden in der Stadt Mekka. Streitigkeiten und Racheakte waren verboten, und im Schutz dieser Gesetze würden sich die Diebe sicher lachend zu ihrem Streich bekennen. Jezids Rache würde ja warten müssen, bis der Mond der Götter wieder dem Gesetz der Wüste wich.

***

Meine Mutter und die anderen Pferde lenkten ihre Schritte gern nach Mekka, denn die Wallfahrt zur Kaaba und zu den Märkten und Vergnügungen der großen Stadt barg für sie keine Gefahr, aber viele Freuden. Abu Jezid und sein Stamm waren reich, und wenn sie den Göttern geopfert hatten und sich nun selbst mit Dattelwein und städtischen Köstlichkeiten verwöhnten, kamen auch wir Pferde in den reichen Genuss von Gerste und Früchten. Statt uns in den Kampf zu reiten, schmückten uns unsere Herren mit bunt besticktem Kopfschmuck und Sattelkissen aus Seide und Goldbrokat. Sie umrandeten unsere Augen mit Khol und ließen uns durch die Straßen der Stadt tänzeln, stolz auf unsere Schönheit und Eleganz. Gelegentlich nahmen sie uns auch mit zu Rennen vor der Stadt oder zu wilden Spielen, um anderen Stämmen zu zeigen, wie gehorsam, schnell und wendig wir waren.

Ich war damals noch ein Fohlen und hielt mich dicht an der Flanke meiner Mutter, die Abu Jezid in die Stadt trug. Sein Sohn Hakam, der edelste Krieger unseres Stammes, ritt meine Schwester Samiha. So begleiteten wir Jezid und seine Familie zum Heiligtum des schwarzen Steines, den der Erzengel Gabriel selbst vom Gipfel der Berge oder gar vom Paradies herabgetragen haben soll. Die Männer unseres Stammes opferten Allah und Al-Uzza, der Göttin der Macht, und die Frauen opferten Al-Lat, der Sonnengöttin, und alle gemeinsam opferten den Stammesgöttern, denen Abu Jezid einen kleinen Schrein in der Nähe der Kaaba hatte aufstellen lassen, und Manat, der Göttin des Schicksals. Nachdem diesen Pflichten Genüge getan war, zogen wir alle in die Stadt und sahen uns die Märkte an, die erfüllt waren vom Wohlgeruch der Gewürze und der duftenden Essenzen aus fernen Ländern. Im Mond des Landfriedens war die ganze Stadt voller Stände und Garküchen, und von jeder Ecke aus riefen uns Händler an, die Abu Jezid und Hakam aufforderten, ihren Fuß auf einen ihrer edlen Teppiche zu setzen oder diesen oder jenen Schmuck für ihre Frauen zu erstehen. Mein Herr kaufte sieben Schleier für Salina, die den Schleiertanz wohl beherrschte, und eine Lampe mit duftenden Ölen für seine zweite Frau Fatma. Hakam erstand eine Decke aus dem seltsam glänzenden Stoff, den man Seide nannte, für seine geliebte Gattin Alia, und er verwöhnte sie mit kandierten Früchten, bis sie lachend sagte, sie werde zu dick, um ihrem Herrn zu gefallen. Ein schmächtiger dunkler Junge von vielleicht fünfzehn Sommern, den der Händler Ali nannte, hielt mir eine Frucht hin und lockte mich mit sanften Worten. Er wirkte so freundlich und so ruhig inmitten all des Trubels, dass ich mich von der Seite meiner Mutter fortwagte und den Leckerbissen von seiner Hand nahm. Abu Jezid wandte sich daraufhin dem Jungen zu, aber bevor er noch etwas sagen konnte, hatte sich der Händler, zu dem der Knabe gehörte, schon vor ihm auf den Boden geworfen. »Verzeiht, Herr, die Vermessenheit meines jungen Gehilfen! Dieses nichtsnutzige Kind einer nichtsnutzigen Mutter durfte nicht wagen, Euer edles Pferd zu berühren! Dieser Sohn eines Schakals ist es nicht wert, auf demselben Boden zu wandeln wie eine der Stuten der Asharim, nicht wert ist er es, aufzublicken, wenn ein Sohn der Wüste vorbeireitet, nicht wert ist er es …«

»Schon gut«, wehrte Abu Jezid ab. »Er hat dem Fohlen nichts Böses getan. Doch wundert es mich, dass eine Tochter der Asharim zu ihm trat und Futter aus seiner Hand nahm. Gewöhnlich lassen die Töchter des Windes sich nur von vertrauten Menschen berühren.«

»Man sagt, ich sei den Tieren besonders verbunden!«, rief der Junge vorwitzig, als wäre er nicht eben schon für seine Vermessenheit gerügt worden.

Mein Herr Jezid lächelte, denn die Söhne der Wüste lieben die Wagemutigen.

»Ist es so, dann bist du von den Göttern gesegnet«, sagte er und warf Ali ein paar Münzen zu. Er führte uns schon weiter, während Ali sie aufhob und wortreich den Segen aller Götter und Engel auf sein Haupt und die Häupter seiner Kinder und Kindeskinder beschwor, und ich war die Einzige, die sich umsah und beobachtete, wie der Händler ihm das Geld aus der Hand riss und ihn in rascher Folge dreimal ohrfeigte. »Dies ist für deine Vermessenheit, einen Scheich anzusprechen! Dies ist dafür, dass du mein Hab und Gut verschenkst, und dies für deine heidnischen Reden! Merk es dir endlich: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet!«

Damals hörte ich zum ersten Mal das Bekenntnis, für das ich später in den Krieg ziehen sollte.

***

Der Monat der Wallfahrt bot den Stämmen die einzige Möglichkeit, sich in Frieden zu treffen, zu reden und miteinander zu handeln. Während des restlichen Jahres verhinderten die vielen verschiedenen Stammesfehden jeden friedlichen Kontakt. Die Söhne der Wüste nutzten diesen Monat, Geschichten und Neuigkeiten auszutauschen. Nächtelang erzählten sie einander von den Wundertaten ihrer Pferde, der Tapferkeit ihrer Söhne und der Schönheit ihrer Töchter. Dichter schlugen die Saiten der Rhubaba-Laute und sangen von den Wanderungen der Wüstensöhne und der Kinder des Windes. Alle bewunderten die Pferde des Abu Jezid – ich spürte seine Zufriedenheit, als Abu Masr, Scheich der Faraish, von mir sagte, auf meinem Fell spiegele sich das Lächeln der Sonnengöttin – und hörten ihm zu, wenn er stundenlang meinen Stammbaum und den meiner Schwestern rezitierte: »Alisha aus der Sabah bint Roseyna, Tochter des Zaid, Sohn des Kasym, Sohn der Aminah, Tochter der Rianna …«

Die Asharim tranken Dattelwein und lauschten den berühmten Geschichtenerzählern wie dem Kaufmann Nadr ibn al-Harith, oder sie bewunderten die Künste der Gaukler und Magier. Aber die jungen, hitzköpfigen Söhne der Wüste würfelten auch, spielten Maisir und warfen Pfeile, und fühlte sich einer von ihnen betrogen, so war das oft Grund für eine neue, blutige Stammesfehde, die ausbrach, kaum dass die Sonnengöttin ihr Licht vom Mond des Friedens abgewandt hatte.

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Mekka sahen wir Badiah wieder. Prächtig gezäumt und wohlbewacht, das schwarze Fell leuchtend im Licht der Sonne lief sie im Zug der Baresh. Othman, der älteste Sohn ihres Scheichs, ritt sie und grüßte uns spöttisch von ihrem Rücken. Ich spürte, dass Abu Jezid mit Wut erfüllt war und dass Hakam in Hitze nach seinem Schwert griff, aber beide beherrschten sich eisern, und am Abend bat Jezid Abu Muchtar, das Oberhaupt der Baresh, in sein Zelt. Unter dem Schutz der Gastfreundschaft und des Landfriedens aßen und tranken die Scheichs miteinander, und Abu Jezid rezitierte Muchtar den Stammbaum der Badiah bint Dalal, denn er beabsichtigte zwar, sie wiederzuerobern, aber er wollte doch sichergehen, dass das Wissen über ihre Abstammung nicht verloren ging, falls es ihm nicht gelänge. Abu Muchtar sog an der Wasserpfeife und versicherte Jezid seine Ehrerbietung gegenüber dem Blut der Stute. Er pries ihre Schönheit und Schnelligkeit und erklärte, nie ein vergleichbares Pferd besessen zu haben. So verlief das Treffen der beiden Alten friedlich.

Nicht ganz so ruhig war der Abend ihrer Söhne, Hakam und Othman, die miteinander vor dem Zelt am Feuer saßen und sich mit unversöhnlichem Hass musterten. Badiah war Hakams Lieblingspferd, und nur seine Unachtsamkeit hatte ihren Raub ermöglicht. Der Brauch hätte nun erfordert, dass Othman versucht hätte, ihn zu besänftigen, indem er die Schönheit und Wendigkeit seiner Beute lobte und den Mann pries, der sie gezogen und zugeritten hatte. Othman lagen solche Höflichkeiten jedoch fern. Statt Hakam zu beruhigen, verärgerte er ihn noch mehr, indem er ihn vor den anderen Kriegern der Stämme verspottete, weil er auf seine List hereingefallen war.

»Auf den Spuren eines weißen Kamels wanderte der edelste Sohn der Asharim, nicht ahnend, dass das Tier geführt wurde durch die Hand der Baresh. Ein Kamel suchte er, eine Stute verlor er bei den Höhlen von Ta’if! Was für ein Tausch, eine Stute für ein Wunschbild! Und keiner seiner Pfeile traf, als der Herr der Baresh mit der schnellsten Stute der Asharim davonritt! Wie lang muss euch der Rückweg zu den Zelten erschienen sein, Sohn der Rossbändiger!«

Hakam knirschte mit den Zähnen, aber er beherrschte sich und blieb ruhig. »Du entführtest den Asharim eine Stute, Othman ibn Muchtar, das mag wahr sein. Aber du nahmst nicht die schnellste der Töchter des Windes! Badiah bint Dalal ist wendig und gut gezogen. Wie ihr alle seht, kann selbst ein Sohn der Baresh sie beherrschen, der doch sonst nur den Kamelrücken kennt, aber schnell ist sie nicht. Das schnellste Pferd unseres Stammes ist nach wie vor Sabah, Tochter der Roseyna, Tochter des Zaid. Und ihre Tochter Alisha wird eines Tages noch schneller sein!«

»Du räudiger …«

»Nicht im Mond des Landfriedens!« Die Männer der Baresh hielten ihren hitzköpfigen Prinzen zurück, der sich eben hatte auf Hakam stürzen wollen.

»Mit dem Mund waren die Baresh schon immer gute Krieger«, sagte Hakam gelassen, »und im Sattel eines Esels halten sie sich wohl auch ein paar Stunden, aber wenn es um den Wert eines Pferdes geht, so haben sie noch viel zu lernen …«

»Es ist jetzt genug der Beleidigungen, Hakam!«, sagte Abu Abbas, einer der Ältesten der Asharim, der für seine Listen bekannt war. »Wenn der Prinz der Baresh meint, er habe das schnellste Pferd der Stämme, so biete ihm doch ein Rennen an. Seine Badiah gegen unsere Sabah …«

»Und der Preis ist das Fohlen!«, rief Othman und wies auf mich, die ich mich ängstlich hinter meiner Mutter verbarg.

»Über das Fohlen kann ich nicht bestimmen!«, erklärte Hakam, »aber Samiha, die ältere Tochter der Sabah, gehört mir. Wenn du Badiah dagegen setzt, können wir morgen reiten!«

In den Reihen der Baresh wurde Unruhe laut. Im Grunde wussten alle Beteiligten, dass Othman auf diesen Handel nicht eingehen dürfte, ohne mit seinem Vater zu sprechen, und jeder hatte auch schon von der sagenhaften Schnelligkeit der Sabah bint Roseyna gehört, aber keiner wagte, auf den Prinzen einzuwirken.

»So sei es!«, rief Othman, der Hitzköpfige. »Du wirst sehen, morgen reite ich deine Stute aus der Stadt!«

»Eine Kamelstute will ich dir dazu gern verkaufen!«, höhnte Hakam. »Schließlich wirst du ein Reittier brauchen, wenn Badiah morgen mit uns zieht!«

»Still, Hakam!«, begütigte Abu Abbas. »Lass uns lieber die Bedingungen für das Rennen festlegen. Morgen, vor der Stadt?«

»M

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