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Achtung, heiß und sexy!

1. KAPITEL

„Wie nennt man eigentlich einen weiblichen Spanner?“

Griffin King rechnete nicht wirklich damit, eine Antwort zu bekommen, denn er war gerade allein.

Interessant war es trotzdem.

Griffin hatte es sich im Whirlpool seines Cousins Rafe bequem gemacht und trank nun einen Schluck Bier. Er ließ den Blick über den Zaun zum Nachbarhaus schweifen und nahm Nicole Baxter in Augenschein, die dort ständig zwischen Garten und Garage hin und her lief und anscheinend Tonnen von Gartenerde heranschaffte.

Ehrlich, er hatte noch nie eine Frau gesehen, die sich so auf ihre Arbeit konzentrierte. Die meisten Frauen seiner Bekanntschaft taten allerdings auch nichts Anstrengenderes, als sich auf einer Massageliege auszustrecken. Aber Nicole … sie war anders.

Zum ersten Mal war er ihr vor über einem Jahr begegnet, als sein Cousin Rafe Nicoles Nachbarin Katie Charles geheiratet hatte, die Cookie Queen. Griffin lächelte in sich hinein. Katie führte ihr Keksgeschäft noch immer, hatte ihm für die Zeit, in der er in ihrem Haus wohnte, sogar ein paar Dutzend Kekse hinterlassen.

Obwohl er schon oft bei Rafe gewesen war, hatte er kaum mit Nicole gesprochen. Eigentlich wusste er von ihr nur, dass sie geschieden war, alleinerziehend und anscheinend nie aufhörte zu arbeiten. Und einigen der Kings könnte sie noch Unterricht in Elan und Entschlossenheit geben. Ihn ermüdete es schon, ihr nur zuzusehen.

Doch er konnte sich auch nicht von ihrem Anblick losreißen.

Vielleicht war es das Ding mit der verbotenen Frucht – dass ihn genau die Frau reizte, die er nicht haben konnte. Möglich, dachte er. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass ihm einfach alles an ihr gefiel.

Kopfschüttelnd nahm Griffin die Sonnenbrille ab und legte sie auf den Rand der Poolverkleidung. Die Nachmittagssonne war ziemlich grell, doch die riesige Ulme, die zwischen Nicoles und Rafes Haus stand, spendete Schatten.

Rafe und Katie waren auf einer dreiwöchigen Reise durch Europa, und Griffin hatte ihnen angeboten, auf ihr Haus aufzupassen. Das Angebot war nicht völlig uneigennützig gewesen: Seit seine Eigentumswohnung am Strand zum Verkauf stand, trieb ihn der Strom der Schaulustigen, der sich tagtäglich durch die Räume wälzte, schier in den Wahnsinn. Hier zu wohnen hielt ihn bei Verstand und das Haus in Schuss.

Eine Win-win-Situation, wie sie im Buche stand.

Es sei denn, man berücksichtigte Nicole.

Sein Blick folgte ihr, wie sie über den Hof ging. Sie hatte sich das schulterlange blonde Haar hinter die Ohren gesteckt und trug ein pinkfarbenes Tanktop und abgeschnittene Jeans, von der noch ein paar Fäden auf ihre gebräunten, wirklich umwerfenden Schenkel hingen. Ihr Teint war zart goldbraun, und ihre Figur war gerade so kurvenreich, dass Griffin den Anblick genoss.

Das Bewusstsein, dass sie ihn ebenfalls beobachtete, hätte ihn normalerweise veranlasst, sie zu sich in den Whirlpool einzuladen. Normalerweise. Denn in Nicoles Fall gab es ein paar sehr gute Gründe, warum er ihr nicht näher kommen durfte.

„Mommy!“

„Grund Nummer eins“, murmelte Griffin.

Nicoles beinahe dreijähriger Sohn Connor war ein niedliches Kerlchen, mit großen blauen Augen und blonden Haaren, genau wie seine Mutter. Griffin hatte nichts gegen Kinder. Gott, er hatte mehr Neffen, Nichten und kleine Cousins und Cousinen, als er zählen konnte. Die Kings hauchten dem alten Auftrag „Seid fruchtbar und mehret euch“ buchstäblich neues Leben ein.

Allerdings hatte Griffin ein Problem damit, sich mit einer alleinerziehenden Mutter einzulassen. Er bewunderte Frauen, die ihr Leben voll im Griff hatten, arbeiten gingen und einem Kind Mutter und Vater waren. Doch von festen Beziehungen hielt er nichts, und wenn man in die Welt eines Kindes eintrat, waren Komplikationen vorprogrammiert.

Das hatte er bereits vor Jahren gelernt.

Und so lautete Griffins Hauptregel: Keine Frauen mit Kindern.

Obwohl er zum ersten Mal wirklich in Versuchung war, gegen die Regel zu verstoßen.

„Was ist denn, Connor?“, drang Nicoles Stimme durch die warme Sommerluft. So sehr sie auch immer beschäftigt war, Griffin hatte noch nie gehört, dass sich in ihre Stimme leise Ungeduld gemischt hätte.

„Graben will“, rief der kleine Junge und schwenkte eine giftgrüne Plastikschaufel.

Griffin grinste und dachte daran, wie viele Löcher sein Bruder und er in die Blumenbeete ihrer Mutter gebuddelt hatten. Und wie lange sie für jede verdorrte Rose hatten büßen müssen.

„Bald, mein Schatz“, sagte Nicole zu dem Jungen und warf Griffin über den Zaun hinweg einen raschen Blick zu.

Grüßend hob er die Bierdose.

Sie runzelte die Stirn, schüttelte den Kopf und wandte sich wieder ihrem Sohn zu. „Mommy holt erst noch die Pflanzen aus der Garage, ja?“

„Brauchen Sie Hilfe?“, rief Griffin.

Sie sah ihn an und erwiderte ironisch: „Ich würde Sie nicht aus Ihrem Whirlpool vertreiben wollen.“

Griffin lächelte. Bei ihr klang das, als feierte er eine alkoholselige Orgie. „Ich kann ja jederzeit wieder rein.“

„Scheint mir auch so“, flüsterte sie und sagte dann lauter: „Schon gut, Griffin. Ich komme allein zurecht.“

„Na gut. Sie brauchen nur zu rufen, wenn Sie es sich anders überlegen. Ich bin gleich hier.“

„Wie jeden Tag“, murmelte sie.

„Was haben Sie gerade gesagt?“, fragte er nach, obwohl er sie genau verstanden hatte.

„Nichts“, antwortete sie und ging zur Garage. Ihr Sohn folgte ihr wie ein kleiner Schatten.

Grinsend nahm Griffin noch einen Schluck Bier. Er wusste, was Nicole von ihm hielt. Faul war zweifellos das Wort, das ihr da als Erstes in den Sinn kam, was ihn irgendwie störte – schließlich war dies für ihn seit fünf Jahren der erste Urlaub.

Die Sicherheitsfirma, die ihm und seinem Zwillingsbruder Garrett gehörte, war in ihrer Art die größte weltweit – was hieß, dass die Brüder King immer auf Abruf bereitstanden. Was sie auch taten, bis Garrett vor einigen Monaten Prinzessin Alexis von Cadria geheiratet hatte. Nun kümmerte Garrett sich um den europäischen Ableger, und Griffin leitete das amerikanische Unternehmen.

Aber auch ein Workaholic braucht hin und wieder eine Pause, und Griffin hatte entschieden, dass er seine jetzt nehmen wollte – während ein Immobilienmakler die Leute durch seine Wohnung schleuste. Er hatte noch keine Ahnung, wohin er nun ziehen wollte – jedenfalls wollte er wieder irgendwo in Strandnähe wohnen. Vielleicht in einem Haus wie diesem. Er wusste nur, dass seine Wohnung ihm auf einmal ein wenig zu … steril vorkam. Sie war geschmackvoll eingerichtet von einer Frau, mit der Griffin eine Zeit lang zusammen gewesen war, hatte sich aber nie wie ein Zuhause angefühlt. Jetzt, wo in Garretts Leben so große Veränderungen passiert waren, beschlich Griffin das Gefühl, dass es für ihn vielleicht Zeit wurde, ebenfalls einiges zu ändern.

Er runzelte die Stirn und trank noch einen Schluck Bier.

Seltsam, dass ihm das nicht schon früher aufgefallen war: All die Veränderungen, die sich jüngst in seinem Leben ergeben hatten, waren auf Garretts Heirat zurückzuführen. Nicht dass er es eilig hatte, selbst vor den Altar zu treten. Er wollte sein Leben nur ein bisschen verändern. Umziehen. Urlaub machen.

Letzteres allerdings funktionierte nicht allzu gut. Er „erholte“ sich erst seit ein paar Tagen bei Rafe und Katie, und schon juckte es ihn in den Fingern, etwas zu tun. Er rief so oft im Büro an – nur um mal zu hören, wie es so lief –, dass seine Assistentin tatsächlich mit Kündigung gedroht hatte, wenn er nicht damit aufhörte.

Nicht dass er seinen Leuten nicht vertraut hätte, aber so ganz ohne Beschäftigung, ohne etwas zu tun, stand er kurz davor auszuflippen. Ihm wurde klar, dass er wirklich keine Ahnung hatte, wie man sich entspannte. Er war einfach nicht dazu geschaffen, herumzusitzen und nichts zu tun. Tatsächlich hatte Garrett fünfhundert Dollar mit ihm gewettet, dass Griffins Urlaub keine zehn Tage dauern würde, sein Bruder zurück zur Arbeit eilte und sich in Dienst- und Einsatzplänen vergrub.

Da Griffin nicht vorhatte, absichtlich zu verlieren, stellte die Wette mehr oder weniger sicher, dass er die ganzen drei Wochen absolvierte, und wenn es ihn umbrachte.

Mehr oder weniger.

Was um alles in der Welt taten die Leute nur, wenn sie nicht arbeiteten?

Ich wüsste aber schon, was ich gern tun würde, dachte er und ließ den Blick über Nicoles schlanken, kurvenreichen Körper wandern. Aber es war nicht nur Nicoles Sohn, der seine Begierden zügelte. Es war auch der Umstand, dass Rafes Frau Katie vor etwa einem Jahr allen King-Cousins klargemacht hatte, dass Nicole tabu war. Gott, er konnte sie sogar jetzt noch hören.

„Nicole hat eine Menge durchgemacht, mit ihrem Mistkerl von Exmann“, hatte Katie gesagt und jedem männlichen King einen warnenden Blick zugeworfen. „Keiner von euch macht sie an, okay? Ich will nicht, dass meine beste Freundin von einem Mitglied meiner neuen Familie verletzt wird.“

Und da es auf der Welt Millionen von Frauen gab, die zu haben waren, hatten sich die Kings einverstanden erklärt, sich von Nicole Baxter fernzuhalten. Griffin war das nicht weiter schwergefallen wegen seines Problems mit den alleinerziehenden Müttern. Zumindest bis vor Kurzem. Er hatte nichts zu tun, da war es nur natürlich, dass seine Gedanken zu einer hübschen Frau wanderten. Und sein Körper war nur zu bereit, ihn daran zu erinnern, dass er seit Garretts Hochzeit zu beschäftigt gewesen war, um sich um Dates und Sex zu kümmern.

Natürlich war es in dieser Situation nicht besonders hilfreich, zu wissen, dass Nicole ihn ebenfalls beobachtete. Und ihre Miene verriet weniger Verärgerung als Interesse. Er war kein Dummkopf, er wusste es, wenn sich eine Frau für ihn interessierte. Normalerweise würde er in einer solchen Lage sofort aktiv werden.

Hübsche Frau. Gleich nebenan. Super!

Wenigstens hätte er dann etwas zu tun.

Aber er wusste, dass Langeweile nicht zu Nicoles Problemen gehörte. Die Frau schien ständig in Bewegung zu sein. Als sie aus der Garage kam und sich mit einer riesigen Palette bunter Blumen abschleppte, verfinsterte sich Griffins Miene. Zweifellos würde sie es ihm nicht danken, aber er konnte nicht einfach hier sitzen und zusehen, wie sie unter der schweren Last schwankte. Er stellte sein Bier ab und stieg aus dem Whirlpool. Im nächsten Augenblick war er über die Terrasse und durch das Türchen gelaufen, das die beiden Gärten voneinander trennte.

„Geben Sie her“, forderte er sie auf und nahm ihr die überraschend schwere Palette ab.

Nicole geriet ein wenig ins Wanken, als er ihr die sorgfältig ausbalancierte Last so schnell aus den Händen riss. Doch sie fing sich schnell wieder. Sie schaute ihn an und erklärte: „Ich brauche Ihre Hilfe nicht. Ich komme allein klar.“

„Ja, ich weiß“, erwiderte Griffin liebenswürdig. „Sie sind eine Frau. Sie brauchen keinen Mann. Tun wir doch einfach so, als hätten wir diese Auseinandersetzung bereits hinter uns und Sie haben gewonnen. Also, wohin soll ich die Sachen bringen?“

Er schaute sich im Garten um, entdeckte die Säcke mit Pflanz­erde und setzte sich in Bewegung. Das Gras war warm und weich unter seinen Füßen, und von seiner nassen Badehose lief ihm das Wasser in kleinen Rinnsalen die Beine herunter. Die Sonne fühlte sich gut auf seinem Rücken an, obwohl er Nicoles kalten Blick spürte.

Er setzte die Palette ab, richtete sich auf und drehte sich zu ihr um. Sie stand noch da, wo er sie stehen gelassen hatte, auf der anderen Seite, und hielt Connors Hand. Der kleine Knirps strahlte ihn an, Nicole jedoch nicht. Kopfschüttelnd fragte Griffin: „So schlimm war das jetzt doch nicht, oder?“

„Was denn?“

„Hilfe anzunehmen“, antwortete er.

„Wohl nicht, und ich sollte mich bei Ihnen bedanken, obwohl ich Sie nicht um Hilfe gebeten und Ihre Hilfe auch nicht gebraucht habe“, versicherte Nicole.

„Na, das ist doch mal gnädig. Bitte, gern geschehen.“

Er lachte ein wenig und ging zurück zum Zaun, dem Whirlpool und seinem Bier. Sie hatte ihm ja deutlich zu verstehen gegeben, dass er auf ihrer Seite des Zauns nicht willkommen war.

Er war beinahe am Türchen angelangt, als sie rief: „Griffin, warten Sie.“

Er sah sie über die Schulter an.

„Sie haben recht“, gab sie zu. „Ich habe Ihre Hilfe gebraucht und weiß sie auch zu schätzen.“

„Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder“, gab er zurück.

Sie lachte. Griffin durchzuckte plötzliche Begierde. Er fühlte sich umhüllt von ihrem weichen Lachen. Ihre Augen blitzten vor Erheiterung, und das Misstrauen, das er eben noch dort gesehen hatte, war verschwunden.

„So weit würde ich nicht gehen“, sagte sie nach einem Augenblick. „Ich würde eher sagen, ein Waffenstillstand.“

„Das ist auch gut“, meinte er und stützte sich mit einem Arm auf dem Türchen ab. Er sah zu, wie Connor zu seiner Plastikschaufel eilte, wandte dann den Blick zur Mutter des Jungen. „Und, wollen Sie mir verraten, warum wir einen Waffenstillstand brauchen?“

Eine sanfte Brise wehte ihr eine lange Strähne ins Gesicht, und sie hob die Hand, um sie hinters Ohr zu stecken. „Okay, vielleicht war Waffenstillstand das falsche Wort.“ Sie schaute sich zu Connor um und sah dann wieder zu Griffin. „Es ist nur so, ich kenne Katie und nehme an, dass sie Sie gebeten hat, sich während ihrer Abwesenheit um mich zu kümmern und …“

„Nein“, unterbrach er sie.

„Wirklich nicht?“ Sie klang nicht überzeugt.

Griffin beobachtete, wie die Brise mit ihrem Haar spielte und die blauen Fäden an ihren Shorts zum Tanzen brachte. Ihre Nase war von der Sonne leicht gerötet, ihre Augen waren so tiefblau wie der Himmel über ihnen, und in seinem Inneren verspürte er ein nagendes, quälendes Gefühl – Begierde.

„Okay, ganz stimmt das nicht. Katie hat mich gebeten, ein Auge auf die Nachbarschaft zu haben, und dazu gehören natürlich auch Sie. Aber so direkt?“ Er hielt inne und schüttelte den Kopf. „Im Gegenteil, Katie hat von uns allen verlangt, dass wir Abstand zu Ihnen halten.“

„Von uns allen? Von wem genau?“

„Von uns“, wiederholte er. „Den Kings.“

„Das hat sie nicht.“ In ihren Augen blitzte Überraschung auf, gefolgt von Empörung.

„O doch! Auf der Hochzeit hat Katie uns allen gesagt, dass Sie tabu seien.“

„Wie reizend“, murmelte sie vor sich hin.

Er hob beide Hände. „He, ich kann nichts dafür. Ich sage nur … Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Ich habe nicht die Absicht, die Keksversorgung zu gefährden, indem ich Katies Freundin zu nahe trete.“

Obwohl Griffin zugeben musste, zumindest insgeheim, dass Nicole ihn, so aus der Nähe betrachtet, durchaus dazu hätte bringen können, auf seine Cookie-Connection zu verzichten, wenn er dafür sie zu kosten bekäme. Wenn sie keine alleinstehende Mutter gewesen wäre.

Nicole würde auch nicht auf Kekse verzichten wollen. Schließlich machte Katie die besten Kekse von Kalifornien. Vielleicht sogar der ganzen Welt. Aber gleichzeitig war es auch nicht leicht, damit zurechtzukommen, dass ein Mann ebenso gern einen Schokoladenkeks anknabbern würde wie einen selbst.

Immerhin erklärte das eine ganze Menge. Seit ihre beste Freundin Katie in die King-Familie eingeheiratet hatte, gingen im Nachbarhaus ständig attraktive, reiche, unverheiratete Männer ein und aus. Und jeder dieser Männer hatte Nicole behandelt, als wäre sie die kleine Schwester. Hätte nur noch gefehlt, dass sie ihr den Kopf getätschelt hätten.

Allmählich hatte sie schon geglaubt, dass sie sich in irgendeinen geschlechtslosen, uninteressanten Klops verwandelt hätte. Nicht dass sie auf der Suche nach einem Mann wäre. Zumindest nicht nach einer festen Beziehung. Damit hatte sie es schon probiert und feststellen müssen, dass sich ihr Exmann ebenso lange gehalten hatte wie eine überreife Tomate. Nein, sie wollte keinen Mann, hatte aber nichts gegen einen kleinen Flirt einzuwenden. Das mangelnde Interesse der Kings hatte sie immer verblüfft.

Jetzt wusste sie wenigstens, was gespielt wurde.

Natürlich konnte sie Katies Motive verstehen. Ihre Freundin wollte sie beschützen, und irgendwie wusste sie das auch zu schätzen. Andererseits: Sie war eine erwachsene Frau, hatte einen Sohn, ein eigenes Haus, war selbstständige Unternehmerin. Sie konnte auf sich selbst aufpassen.

„Das hätte sie nicht zu tun brauchen“, sagte Nicole schließlich.

Er zuckte mit den Schultern. „Auf eine Freundin aufpassen? Ist doch verständlich. Vor allem, nachdem mein Cousin Cordell Katie so mies behandelt hat, dass sie Rafe beinahe keine Chance gegeben hätte.“

Nicole erinnerte sich nur zu gut daran. Katie hatte deswegen sämtlichen männlichen Kings abgeschworen. Rafe hatte ihr seinen Nachnamen erst verraten, als er und Katie bereits zusammen waren.

„Ihr Cousin Cordell ist ein mieser Typ.“

„Genau“, bestätigte er freundlich. „War er schon immer. Frauen jedoch scheinen auf ihn zu stehen, was ich überhaupt nicht kapiere. Aber es besteht immer noch Hoffnung, dass er auf eine trifft, die sich ebenso übel aufführt wie er die ganzen letzten Jahre.“

„Eine schöne Vorstellung“, erwiderte Nicole.

„Ja.“ Er hielt inne, erfreute sich offenbar an den Möglichkeiten, was Nicole ein Lächeln entlockte.

„Jedenfalls“, fuhr er fort, „wollte Katie Sie einfach nur beschützen, denke ich. Und mit ihrer Drohung, uns den Kekshahn abzudrehen, hat sie uns auch wirklich erreicht. Wir alle lieben Kekse.“

So ärgerlich es auch sein mochte, dass ihre beste Freundin sich so einmischte, konnte Nicole Katie nicht böse sein, schließlich hatte sie es nur gut gemeint.

„Die Kekse sind wirklich gut“, räumte sie ein.

„Genau“, stimmte Griffin zu und schenkte ihr ein Lächeln, bei dem etwas in ihr zu knistern und Funken zu schlagen begann, als könnte jeden Augenblick eine Sicherung durchbrennen. Es stimmte, jeder männliche King war eine Versuchung für die Frauen.

Doch Griffin … er war von allen der gefährlichste, verführerischste. Er hatte etwas an sich – vielleicht war es sein Lächeln oder die lässige Art –, was Gefühle in ihr weckte, die sie schon seit, oh, ewigen Zeiten nicht mehr verspürt hatte. Nicole hatte ihn die letzten Tage verstohlen beobachtet. Schließlich war er schwer zu übersehen, da er beinahe jeden wachen Moment in diesem verdammten Whirlpool verbrachte, und das quasi nackt. Außerdem hätte sie die Frau sehen wollen, die es fertigbrachte, ihn nicht zu beobachten – das war einfach unmöglich, er sah so umwerfend aus mit seinem dichten schwarzen Haar und den blauen Augen und dem Grübchen. Ganz zu schweigen von dem Waschbrettbauch, der praktisch darum bettelte, gestreichelt und liebkost zu werden …

Okay, sie geriet allmählich aus der Spur. Aber wie hätte ich das auch nicht tun sollen, sagte sie sich. Wenn Griffin King keinen halben Meter entfernt vor ihr stand, tropfnass, die Badeshorts so weit nach unten gerutscht, dass sie sich fragte, was passieren würde, wenn sie ein bisschen daran zupfte und …

Himmel.

„Sind Sie jetzt in Trance oder was?“, fragte Griffin.

„Hm? Was?“ Na super, Nicole. Hat er dich dabei erwischt, wie du ihn in Gedanken angehimmelt hast. Toll. „Nein, alles in Ordnung. Hab nur viel zu tun.“

„Ja, ist mir aufgefallen.“ Er rieb sich die Brust, und ihr Blick folgte seiner Bewegung.

Verdammt! Es war, als würde man von Testosteron hypnotisiert.

„Setzen Sie sich nie einfach nur in den Schatten?“, erkundigte er sich und reckte sich träge. Seine Brustmuskeln bewegten sich, seine Shorts rutschten noch ein Stückchen tiefer.

Nicole schluckte hart, schloss kurz die Augen und erwiderte dann: „Keine Zeit.“ Allein es zu sagen, erinnerte sie daran, wie viel sie zu tun hatte.

Ein eigenes Unternehmen zu führen hieß, dass sie meist morgens arbeitete und am Nachmittag all die vielen Dinge erledigte, die im Haus anfielen. Doch irgendwie hatte sie am Wochenende trotzdem immer alle Hände voll zu tun. Erstaunlich, wie schnell so ein Arbeitsberg wuchs. Und dann war da ja auch noch Connor. Sie schaute zu ihrem wunderschönen Kind und lächelte. Sie war nicht nur mit dem Haus beschäftigt, denn sie verbrachte auch Zeit mit Connor. Ihr Sohn sollte wissen, dass er für sie der wichtigste Mensch der Welt war.

Ihre Tage waren wirklich vollgepackt, im Gegensatz zu irgendwelchen Kings, die in Whirlpools herumlagen.

„Connor gräbt.“

„Natürlich. Das passiert, wenn man einen kleinen Jungen mit einer Schaufel und Dreck zusammenbringt.“

„Sie sind eine gute Mom.“

Überrascht blickte sie ihn an. „Danke. Ich gebe mir Mühe.“

„Das sieht man.“

Sie standen da und sahen sich in die Augen. Ein paar vibrierende Augenblicke vergingen, bis Nicole schließlich als Erste den Blick abwandte.

„Also, ich mache mich besser wieder an die Arbeit.“

„Blumen pflanzen“, vermutete er.

„Ja, aber zuerst will ich die Leuchtstoffröhre in der Küche austauschen.“ Sie drehte sich nach Connor und dann wieder zu dem Mann um, der viel zu dicht neben ihr stand. „Wären Sie so nett, auf ihn aufzupassen, während ich die Leiter aus der Garage hole?“

„Die Leiter?“ Er runzelte die Stirn.

„Küchenlampe? Decke?“

Er nickte. „Sie passen auf Connor auf. Und ich hole die Leiter.“

Im nächsten Moment war er auf dem Weg in die Garage, und sie rief ihm nach: „Sie brauchen das nicht zu tun, ich kann …“

Er hob eine Hand, um zu zeigen, dass er sie gehört hatte, und rief: „Dieses Gespräch hatten wir schon, wissen Sie noch? Es ist kein Problem.“

„Kein Problem“, murmelte sie.

Es war nicht so, dass sie die Hilfe nicht zu schätzen gewusst hätte. Doch Nicole war schon eine ganze Weile auf sich gestellt. Sie war keine zarte Blüte. Sie wusste, wie man verstopfte Toiletten und tropfende Wasserhähne in Ordnung brachte, sie brachte den Müll hinaus und killte ihre Spinnen selbst.

Sie brauchte keine männliche Hilfe.

Doch eine innere Stimme flüsterte ihr zu, ob es wirklich so schlimm war, sie ab und zu bekommen.

„Na, schön.“ Sie sah zu, wie Griffin von der Garage zur Hintertür ging. Er balancierte die alte Holzleiter auf einer Schulter, und diese verflixten Badeshorts waren noch ein Stückchen nach unten gewandert. „Er hilft mir, und dann geht er nach Hause“, versicherte sie sich.

Dann könnte sie ihn wieder beobachten. Aus sicherer Entfernung.

„Wo ist die neue Leuchtstofflampe?“

„Auf der Arbeitsplatte. Griffin …“

Er warf ihr noch einmal dieses rasche, unglaubliche Lächeln zu. „Bin gleich fertig.“

Unwahrscheinlich. Wie der Rest des kleinen Hauses, das ihre Großmutter ihr hinterlassen hatte, war die Küche alt und abgewohnt. Die Leuchtstofflampe war etwa einen Meter lang und schwer aus der uralten Fassung herauszubringen, wenn man nicht die kleinen Tricks kannte. Sie würde ihm helfen müssen.

Sie sah zu ihrem Sohn. Er war vollauf mit seiner Schaufel beschäftigt. Genau wie die Piraten in seinem Lieblingsbuch suchte er vermutlich nach vergrabenen Schätzen. Sie würde ihn von der Küche aus im Blick haben. „Connor, mein Schatz, bleib bitte genau hier, okay?“

„Okay.“

Nicole lief Griffin in die Küche nach. Er hatte die Leiter schon unter der kaputten Leuchtstoffröhre aufgestellt. Als er den Fuß auf die erste Sprosse setzte, schwankte die Leiter, und er sah erstaunt auf Nicole hinunter.

„Sie steigen tatsächlich auf das Ding? Haben Sie Todessehnsucht?“

„Für mich ist sie genau richtig“, erwiderte Nicole. Irgendwie hatte sie das Gefühl, sie müsste die Leiter ihres verstorbenen Großvaters verteidigen. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie so alt wie das Haus war, aber sie war immer noch einwandfrei. „Sie wiegen einfach mehr als ich.“

„Wenn Sie das sagen“, brummte er und stieg noch höher. Wieder schwankte die Leiter. „Ich habe die Röhre im Handumdrehen ausgetauscht.“

„Es ist nicht ganz einfach“, erklärte sie. „Sie müssen links ein wenig rütteln, dann rechts, und dann noch einmal links.“

„Es ist eine Leuchtstoffröhre, kein Zahlenschloss.“

„Das glauben Sie“, entgegnete Nicole und versuchte, den Blick von seinem flachen Bauch loszureißen. Es ist einfach schon viel zu lange her, dachte Nicole, kein Wunder, wenn ich in Griffin Kings Nähe weiche Knie kriege.

Verdammt, sie wusste es besser. Wie alle anderen Kings war auch Griffin ein Frauenheld. Ein Meister im Flirten und Verführen. Klingt interessant, flüsterte eine innere Stimme.

„Ich hab sie“, verkündete er und riss Nicole aus ihren Gedanken, dem Himmel sei Dank.

„Seien Sie vorsichtig.“ Stirnrunzelnd sah sie zu ihm auf, aber er war zu beschäftigt, um sie zu bemerken. „Vergessen Sie nicht, erst ein wenig auf der linken Seite zu rütteln.“

„ ...

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