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Abgehauen – Ein autobiografischer Jugendroman

INHALT

Über dieses Buch

Vorwort von Matthias

KAPITEL 1 Wie alles anfing

KAPITEL 2 Zur Adoption freigegeben

KAPITEL 3 Nix wie weg

KAPITEL 4 Die Kinderpsychiatrie

KAPITEL 5 Die Zeit im Kinderheim

KAPITEL 6 Ich finde ein Zuhause

KAPITEL 7 Heilt die Zeit alle Wunden? Wie es mir heute so geht …

Über dieses Buch

Ich heiße Annette Weber. Ich bin Kinder- und Jugendbuchautorin. Die Mitarbeiter des Verlags an der Ruhr und ich hatten die Idee, eine neue Jugendbuchreihe zu entwickeln. K.L.A.R. reality heißt diese Reihe.

Das Besondere an K.L.A.R. reality ist, dass junge Menschen, die ein schweres, bewegtes Leben hatten, selbst über ihr Leben berichten. Die Geschichten in den Romanen sind also wirklich passiert. Deshalb sind sie besonders spannend. Damit dir das Lesen der Romane leicht fällt, sind die Texte recht kurz und von den jungen Menschen selbst in ihrer eigenen Sprache geschrieben.

Nachdem der Verlag und ich uns also überlegt hatten, dass wir eine solche Reihe entwickeln wollten, bekam ich die spannende Aufgabe, die Jugendlichen, die über ihr Leben berichten sollten, auszusuchen und sie beim Schreiben ihres Buches zu unterstützen.

Matthias heißt eigentlich ganz anders, genau wie alle anderen Personen in diesem Buch auch. Damit ihn nicht jeder sofort erkennt, haben wir uns entschieden, die Namen zu ändern. Ich erfuhr von Matthias über eine Freundin. Sie wusste, dass er ein bewegtes Leben hatte. Als sie ihn fragte, ob er Lust hätte, gemeinsam mit mir seine Biografie aufzuschreiben, sagte er zu.

Wir verabredeten uns in einem Bistro und unterhielten uns lange. Matthias erzählte seine traurige und bewegende Biografie, und es wurde schon dunkel, als wir uns an dem Tag wieder trennten. Aber da wussten wir schon, dass wir das Buch gemeinsam angehen wollten.

Bei einem nächsten Treffen überlegten wir, wie man so ein Buch aufbauen kann. Wir malten die wichtigsten Lebensstationen auf und planten, wie man die einzelnen Szenen darstellt und aufschreibt. Dann begann Matthias, zu schreiben. Von da an sahen wir uns meist einmal in der Woche. Ich lernte Matthias‘ Wohnung kennen, traf Menschen, die ihm lieb und wichtig sind, und sah die alltäglichen Probleme, mit denen er sich auseinandersetzen musste. Nicht immer war alles einfach. Es gab auch Zeiten, da hatte Matthias weniger Lust, zu schreiben. Dann erzählte er mehr, und ich schrieb die Dinge auf. Er las dann alles noch einmal, ergänzte und verbesserte. Und dann, kurz vor dem Ende, gab es einen richtigen Breakdown, und Matthias war nahe dran, alles hinzuwerfen. Aber dann machte er sich doch noch einmal an die Arbeit und schrieb das Buch zu Ende.

Als es fertig war, waren wir beide stolz und glücklich. Und nebenbei ist zwischen uns eine richtig liebe Freundschaft entstanden.

Möglicherweise wirst du beim Lesen an einigen Stellen Fragen haben oder überlegen, was aus der einen oder anderen Person der Geschichte wohl geworden ist. Nicht immer können diese Fragen im Roman beantwortet werden. Anders als bei einer ausgedachten Geschichte ist das wirkliche Leben nämlich oft viel komplizierter als ein Roman. Und die Geschichte geht natürlich auch noch weiter, denn Matthias erlebt auch jetzt immer wieder neue und nicht immer einfache Stationen seines Lebens. Deshalb ist der Roman nicht abgeschlossen, und es steht noch nicht fest, wie die Geschichte ausgeht und was aus den Personen werden wird. Wir hoffen, du hast dafür Verständnis.

Und nun viel Spaß beim Lesen.

Annette Weber

Vorwort von Matthias

Hallo!

Ehe ich dir meine Geschichte erzähle, möchte ich ein paar Worte zu meinem Namen sagen: In diesem Buch nenne ich mich Matthias. So heiße ich nicht wirklich. Ich möchte anonym bleiben, damit niemand nachvollziehen kann, wer ich bin. Das mache ich nicht, weil ich Angst habe. Eher vielleicht, damit ich geschützt bin. Es wäre nicht so gut für mich, wenn jeder gleich sehen kann: Ah, das ist ja der Matthias, der hatte doch diese schreckliche Lebensgeschichte …

Die Geschichte, die ich hier über mich erzähle, ist aber wirklich passiert. Mit diesem Buch möchte ich sie dir mit ihren Höhen und Tiefen näher bringen. Ich wünsche mir, dass Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind oder waren, sehen, dass sie nicht alleine sind. Und natürlich würde ich mich freuen, wenn du für dich etwas aus meiner Lebensgeschichte lernen kannst.

Vielleicht fällt dir beim Lesen auf, dass ich manchmal sehr ironisch schreibe. Dass ich zum Beispiel sage: meine tolle Mutter oder meine herzallerliebste Schwester und damit eigentlich genau das Gegenteil meine. Diese ironische Art habe ich mir im Laufe meines Lebens angewöhnt, um all die traurigen und schwierigen Situationen ertragen zu können. Manche Menschen finden das befremdlich und kommen damit nicht so gut zurecht. Ich hoffe aber, dass du das verstehen kannst.

Ich würde mich freuen, wenn du meine Autobiografie gerne liest.

Viele Grüße,

Matthias

1

WIE ALLES ANFING

Von der Zeit, als ich ein Baby und später ein Kleinkind war, weiß ich nichts mehr. Ich kenne aber viele Geschichten, und meine Oma besitzt eine ganze Reihe Fotos von mir. Die habe ich mir immer wieder angeschaut, um herauszufinden, wer ich eigentlich bin und wer meine Eltern waren.

Erste Fotos zeigen mich auf einem Bauernhof. Dort, in einem kleinen Dorf, habe ich nach meiner Geburt mit meinen leiblichen Eltern und meiner Schwester Susanne gelebt.

Das Leben dort war wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht. Ich konnte mich dort bestimmt frei bewegen und hatte genug Platz zum Spielen.

Es gibt Bilder von mir, wie ich auf einem Rutschauto durch die Gegend fahre. Da sehe ich sogar ganz vergnügt aus.

Unser Familienleben war auch ganz okay. Aber so richtig glücklich war es wahrscheinlich nicht. Das lag wohl vor allem an meiner Mutter. Meine Oma erzählt mir immer, dass sie Alkoholikerin und starke Raucherin war. Ich selbst kann dazu nicht allzu viel sagen, denn ich erinnere mich nur dunkel an diese erste Zeit mit meinen Eltern.

Meine Mutter bewirtschaftete den Hof, mein Vater war bei der Bundeswehr.

Ich habe ja schon gesagt, dass meine Mutter Alkoholikerin war. Sie trank viel, und dann wurde sie schnell aggressiv. Mit meinem Vater hatte sie sehr viel Streit.

Dabei ging es aber nicht nur um Alkohol, sondern auch um andere Probleme. Denn meine Mutter hatte neben meinem Vater noch einen anderen Freund, der bei uns ein- und ausging. Auch er war Landwirt.

So hatten sich meine Eltern oft in den Haaren.

Wenn solch ein Streit anfing, wollte meine Schwester immer, dass ich das nicht mitbekomme. Sie brachte mich dann in mein Zimmer und spielte so lange mit mir, bis sich einer der beiden Kampfhähne halbwegs beruhigt hatte. Trotzdem merkte ich natürlich, dass etwas los war, denn es war immer schrecklich laut bei diesen Gelegenheiten.

Ich war damals natürlich nicht alt genug, um zu verstehen, warum sich meine Eltern so oft zankten. Aber es war offenbar so bedrohlich für mich, dass ich regelmäßig anfing, zu weinen.

Aber ich hatte ja zum Glück noch meine Schwester Susanne. Sie ist neun Jahre älter als ich. In Wirklichkeit ist sie meine Halbschwester, weil sie einen anderen Vater hat als ich. Aber weil sich meine Mutter oft nicht um mich kümmerte, sorgte Susanne häufig für mich und spielte mit mir.

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So sah also unser Alltag aus, bis eines Tages ein schreckliches Unglück passierte.

Ich war damals fast zwei Jahre alt.

Im Grunde war ich zu klein, um mich an diesen Tag zu erinnern. Trotzdem meine ich, alles noch ziemlich genau zu wissen. Das liegt sicherlich daran, dass meine Schwester und auch meine Oma Lene mir immer wieder von diesem Tag erzählt haben. Was ich tatsächlich noch weiß, vermischt sich bestimmt mit diesen Erzählungen.

So bilde ich mir ein, diese schreckliche Szene noch genau vor Augen zu haben:

Ich spielte gerade mit meiner Schwester Verstecken. Plötzlich tauchte meine Mutter mit einem aschfahlen Gesicht an meiner Zimmertür auf und starrte meine Schwester und mich an, als habe sie eben den Teufel höchstpersönlich gesehen.

„Susanne, komm doch mal ganz schnell“, sagte sie.

Meine Schwester ging zu ihr in die Küche.

Ich war nun alleine in meinem Zimmer und spielte ein bisschen weiter.

Doch dann robbte ich in die Richtung, aus der ich die Stimmen meiner Schwester und meiner Mutter hörte.

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Viel Spaß!



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