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Abenteuer im Oak – Park

© 2017 Bertie Fox

www.bertie-fox.de

Umschlag /Illustrationen:     C. Schorr

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
978-3-7439-0280-0 (Hardcover)
978-3-7439-1908-2 (Paperback)
978-3-7439-1909-9 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

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Steinweitschlag

Ein Heim aus Stein

Tauben und andere Gefahren

In letzter Minute

Abenteuerlust

Das Schuh-Boot

Jungfernfahrt

Am Froschtümpel

Die Wette

Gegen die Zeit

Einer für Alle

Verwandlung

Blitzentscheidung

Schlammbomben

Der lautlose Angriff

Schutzreflex

Heimweg

Echse oder Frosch

Wo es am Schönsten ist

Das Echsen-Trio

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»Treffer!«, brüllte Rocco aus voller Kehle. »Habt ihr das gesehen … hah! Ich hab’s euch gesagt!«

»Der fliegt ja weit … unglaublich!«, bestätigte Willi, der eigentlich gehofft hatte, Rocco würde heute mal einen schlechten Tag haben.

Im Steinweitschlag war Rocco der Beste unter den Mauereidechsen im Oak-Park. Er schaffte es als einziger die ausgewählten Steine mit seinem muskulösen und besonders langen Schwanz über den kleinen Bach auf die andere Uferseite zu schlagen. Mit diesem Spiel vertrieben sich die drei Mauereidechsen-Freunde Rocco, Henry und Willi oft ihre Langeweile. Der schmale und flache Bachlauf im Oak-Park war dafür der ideale Ort. Vor allem an warmen und sonnigen Tagen zog es die drei Eidechsen zum Bach. Denn außer sich im Steinweitschlag zu messen, ließ es sich im Sand wunderbar Sonnenbaden. Und Sonnenbaden zählt zu den Lieblingsbeschäftigungen einer Eidechse.

»Das war nur Glück!«, meinte Henry, der sich nun an die Startlinie begab.

Nacheinander hob er hochkonzentriert seine vier Eidechsenbeinchen nacheinander an, um sie richtig auf den warmen sandigen Boden am Bachufer aufzustellen. Anschließend drehte er seinen Körper zur Seite. Henry vergewisserte sich, dass der Stein an der richtigen Stelle im Sand lag. Er sah zum gegenüberliegenden Ufer, dann wieder zu dem Stein. Dieses Mal musste er es schaffen, den Stein bis auf die andere Seite zu schlagen. »Jetzt passt mal gut auf, das wird der Jahrhundertschlag!«

Henry hob seinen Schwanz in die Höhe, schleuderte ihn nach hinten, zählte leise bis drei und schlug mit voller Kraft nach dem vorher gut auf der Startlinie platzierten Stein.

»Flieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeg!«, riefen Willi und Henry gleichzeitig und hofften so, dem Stein den nötigen Rückenwind mitgeben zu können. Die drei Freunde blickten dem Stein hinterher. Er hatte eine erstaunliche Höhe erreicht. Die Chancen standen gut, dass er tatsächlich die Uferseite erreichte.

»Das wird nichts, das sehe ich schon!«, sagte Rocco angeberisch, aber diesmal hatte er ein wenig Bedenken. Er musste zugeben, dass der hohe Bogen, in dem der Stein wegflog, beeindruckend war. Das war Henrys bester Schlag seit langem.

Alle drei schauten gespannt dem Stein hinterher, der den kleinen Bach nun überquert hatte und tatsächlich auf der anderen Seite landete. Leider schlug der Stein aber ein wenig zu nah am Wasser auf. Mit einem leisen »Platsch« landete er im Bach. Ziel des Spieles war es, den Stein so auf die andere Uferseite zu schlagen, dass er dort sichtbar im Sand landete. Weil Henrys Stein jetzt doch noch im Wasser gelandet war, zählte er zu den Verlierern dieser Runde.

»Nein!!!!«, schrie Henry verärgert.

»Immerhin ist dein Stein drüben aufgekommen!«, meinte Willi beleidigt. Sein Stein hatte gerade so die Mitte des Baches erreicht. Steinweitschlag war nicht sein Ding. Als Eidechse war er ein wenig zu pummelig geraten und sein Schwanz war irgendwie zu kurz. Damit konnte er nicht so weit ausholen. Alle Versuche, die Steine in die Nähe des anderen Bachufers zu schlagen, scheiterten immer wieder aufs Neue. Dabei wählte Willi extra kleine und leichte Steinchen aus, wenn er an der Reihe war. Aber allesamt landeten sie ungefähr an derselben Stelle im Bach. Willi stellte sich vor, dass sich dort unter Wasser mittlerweile ein ganzer Steinhaufen angesammelt hatte. So oft wie sie dieses Spiel spielten!

Rocco hingegen, der bequem in der wärmenden Sonne lag, sprang voller Schadenfreude auf. »Und der Sieger heißt…!«

Er stellte sich demonstrativ auf seine für Eidechsen ziemlich kräftigen Hinterbeine und zeigte mit den Vorderbeinchen auf sich selbst. Es war seine Siegerpose, die Rocco jedes Mal vorführen musste. Er konnte nicht anders!

»Fast hättest du es geschafft, Henry – aber nur fast«, grinste Rocco seine beiden Kumpels an.

Henry und Willi ließen die Köpfe hängen. Als Kumpel war Rocco eigentlich ganz in Ordnung. Sie kannten sich schon von klein auf. Eigentlich seitdem sie aus ihren Eiern geschlüpft waren. Ihre Eltern hatten die Gelege in dieselben Felsspalten gelegt und somit waren sie Nachbarskinder.

Seit damals waren Willi, Rocco und Henry immer zusammen im Oak-Park unterwegs und heckten alles Mögliche zusammen aus.

Nur anlegen brauchte man sich mit Rocco nicht. Er war kein Verlierer-Typ. Eigentlich verlor er nie und das ließ er jeden wissen. Aber abgesehen davon konnte man mit Rocco auch eine Menge Spaß haben.

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So ein Mauereidechsenleben war bis auf einige wenige Nachteile ganz schön.

Am schönsten, fand Willi, war es faulenzend in der Sonne auf einem Felsvorsprung zu liegen oder im warmen Sand sonnenzubaden. Er streckte dann alle vier Beine von sich und versuchte an nichts Bestimmtes zu denken, sondern sich ganz auf die Wärme zu konzentrieren. Wenn die Wärme sich langsam auf seinem Rücken ausbreitete, kribbelte es am ganzen Eidechsenkörper entlang. Wunderbar! Wenn ihn nichts und niemand störte, konnte er stundenlang in dieser Position verharren.

Einer der Nachteile war es, dass Eidechsen – vor allem beim Sonnenbaden – besonders aufmerksam sein mussten.

Als Mauereidechse war man nicht besonders groß und stand leider auf der Speisekarte von Greifvögeln, Schlangen und Füchsen. Obwohl ihre braun-grüne Schuppenfärbung Eidechsen auf fast allen Bodenarten eine gute Tarnung bot und sie sehr geschickte und flinke Kletterer waren, mussten Henry, Rocco und Willi immer und überall auf der Hut sein. Immer vorher „die Lage checken” , wie es Rocco betont lässig ausdrücken würde.

»Hey Willi, träumst du? Was ist es diesmal? Lass mich raten: Essen?«, rief Henry ihm zu. »Wobei mir knurrt auch ein bisschen der Magen, lasst uns nach Hause gehen, okay?«

Rocco und Willi nickten ihm zustimmend zu und sie verließen die Uferböschung und kletterten flink an den kleinen Steinen zur Wiese nach oben. An dieser Stelle mussten sie immer besonders wachsam sein, denn obwohl die Rasenfläche nicht besonders groß war, durften sie die möglichen Gefahren nicht unterschätzen. Bis auf die wenigen kleinen Hecken und die Blumenarrangements auf der Wiese bot ihnen gar nichts Schutz.

Waren die Gefahren aus der Luft erst mal gebannt, mussten sie den herumlaufenden Hunden, ausgebreiteten Picknickdecken, Fußball oder Frisbee spielenden Kindern, ausweichen. Aber normalerweise hielt sich die Menschenmenge in Grenzen. Denn wenn Rocco, Henry und Willi morgens zum Bach liefen und am späten Nachmittag heimkehrten, war der größte Andrang im Oak-Park vorbei.

Nur an den Wochenenden und bei gutem Wetter, wie gerade, war der Park um diese Zeit noch zum Platzen voll. Leute aus der gesamten Umgebung verbrachten ihre Freizeit gerne im Oak-Park. Den ganzen Tag lagen sie dann auf karierten Decken, aßen, dösten, spielten und unterhielten sich stundenlang. Das Denkmal im Zentrum des Parks und der Waldspielplatz waren nur einige von mehreren Orten, die gerne von den Parkbesuchern aufgesucht wurden.

»Okay Jungs, höchste Konzentration ist angesagt!«, sagte Rocco zu den beiden anderen, während sie Schutz unter einem Abfallkorb suchten. »Lasst mich erst mal die Lage checken!«

Rocco schob vorsichtig seinen Kopf unter dem Metallkorb vor, um besser sehen zu können. Am Himmel sah er nichts – das war gut. Aber weiter vorne links, einen Meter vor der nächsten Hecke, zu der sie kriechen mussten, war eine rot-weiß karierte Decke ausgebreitet. Mitten drauf stand ein halbgeöffneter Korb. Die dazugehörigen Menschen spielten zum Glück gerade weiter hinten Federball. Also konnten sie gefahrlos bis zur Hecke gelangen. Rocco deutete in deren Richtung.

»Sieht gut aus! Wir laufen bis zur linken Hecke da drüben!«

»Auf los – geht’s los!«, rief er dann. Willi und Henry folgten ihm, so schnell sie konnten. Ihr Herz schlug schneller. Grashalme strichen an ihren Eidechsenköpfen vorbei, während sie sich ihren Weg zur schützenden Hecke bahnten.

»Erster!«, rief Rocco, der bereits einige Sekunden vor ihnen die Hecke erreicht hatte.

»Kannst du das mal lassen, du Angeber?«, schnauzte Henry ihn an, als er wenig später mit dem keuchenden Willi im Schatten Schutz fand.

»Was meinst du denn?«, entgegnete Rocco scheinheilig.

»Jeden Tag das gleiche! Wir wissen, dass du immer der Erste bist, in allem. Bind’ uns das nicht immer auf die Nase!«, fauchte Henry ihn an. Willi, der immer noch schwer atmete, nickte nur.

»Wenn es doch stimmt!«, entgegnete Rocco, der ihnen mittlerweile den Rücken zukehrte.

Die nächste Etappe war die Rosenhecke, die das Rondell von der Rasenfläche abgrenzte. Hatten sie es bis dorthin geschafft, waren sie eigentlich in Sicherheit, denn dahinter befanden sich mit Blumen und kleinen Buchsbaumsträuchern bewachsene Beete. In der Mitte befand sich ein aus grau-weißem Marmor und Stein gehauenes Denkmal.

Henry, Rocco und Willi waren sich immer noch uneinig, was das große Steinungetüm überhaupt darstellen sollte. Der Grund, weshalb sie es als Hauptunterschlupf ausgesucht hatten, war aber nicht sein Aussehen, sondern dass dieses große Menschending ihnen herrlich viele Versteckmöglichkeiten bot. Größere und kleinere Ritzen, Löcher und unzählig viele Vorsprünge, die, je nach Sonnenstand, beschattet waren oder zum Sonnenbaden einluden. Und bei schlechtem Wetter oder Vogelangriffen fanden sie jederzeit Schutz im Inneren.

Die drei Echsen freuten sich schon auf ihre Lieblingsschlafplätze.

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Während Willi und Henry kurz verschnauften und ihre Kräfte sammelten, um den letzten Spurt zu wagen, blickte Rocco sich um. Etwas schien ihn nervös zu machen, denn seine braun-grüne Schwanzspitze zuckte.

»Hey, seht ihr das da hinten?«, zischte er Willi und Henry zu, die nun neben ihn gekrochen waren und ebenfalls Ausschau hielten.

»Was meinst du?«, fragten beide gleichzeitig.

»Na, die da hinten, die Zweibeiner, die füttern schon wieder Tauben!«, antwortete Rocco wütend.

»Das ist doch verboten! Können die keine Schilder lesen?«, rief Henry.

»Genau! Und für die Kinder wurden sogar extra Abbildungen aufgemalt. Das verstehe sogar ich!«, meinte Willi stolz. »Eine Hand füttert eine Taube und dann ist der dicke rote Balken darüber, der das durchstreicht, also v-e-r-b-o-t-e-n!«, buchstabierte er laut. Er hoffte, Rocco und Henry würden diese Fähigkeit bemerken.

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Viel Spaß!



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