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Aachener Sagen & Legenden

Inhalt

Aachener

 

 

Sagen Legenden

 

 

 

nacherzählt

 

von

 

Ronald Thiel

 

 

 

 

 

Copyright für Text und Bilder: © Ronald Thiel 2013

 

Alle Rechte vorbehalten.

 

Coverbild: Karlsbrunnen auf dem Markt (Ausschnitt)

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Der Ring der Fastrada

Die Entstehung Aachens

Der Dombau zu Aachen

Wie die Klappergasse zu Ihrem Namen kam

Die Entstehung des Lousbergs

Die Glocke des Doms zu Aachen

Die Legende von Emma und Einhard

Kaiser Karl heilt die Pest

Ludwig der Fromme im Lousberg

Die Gräfin Mobesin

Die Heinzenmännchen

Das Bahkauv

Die Legende vom wehrhaften Schmied

Die Legende vom schwarzen Baumeister

Die buckligen Musikanten

Wie die Aachener Printen entstanden

Quellen

Der Ring der Fastrada

Kaiser Karl der Große herrschte über ein riesiges Reich, und so hielt er auch Hof in Helvetien. Hier stand seine kaiserliche Pfalz an den Ufern des Züricher Sees.

Kaiser Karl war stets um Gerechtigkeit bemüht und hatte daher immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Untertanen. Sooft er in Zürich Hof hielt, hörte er höchstselbst sich das Begehr der Bürger an.

Zu diesem Zwecke hatte er eine Säule errichten lassen, woran ein Glöckchen hing, und wer ein Begehr hatte, konnte an dem Seile der Glocke ziehen. Ihm ward stets Gehör, sei es durch den Kaiser höchstselbst, sei es durch seinen Stellvertreter.

Eines Tages, als um die Mittagszeit der Ton des Glöckchens erklang, trat der Kaiser hinaus und war erstaunt, niemanden vorzufinden. Am folgenden Tag geschah das Gleiche: Die Glocke läutete wieder gegen Mittag, doch kein Bittsteller war zu sehen. Da befahl Kaiser Karl einem Edelknaben, sich in einem Strauch hinter der Säule zu verstecken, um zu beobachten, was sich hinter diesem mysteriösen Vorgang verberge. Der Mittag des nächsten Tages brach an, und da sah der Knabe, wie eine Schlange vom Ufer des Sees aus sich der Säule näherte, sich zum Seil aufreckte und das Glöckchen in Schwingung versetzte. Dem Kaiser wurde unverzüglich davon berichtet, und so begab er sich am nächsten Tage um die Mittagszeit hin zu der Säule. Als er der Schlange gewahr wurde, sprach er in feierlichem Ton zu ihr: "Jedem werde Gerechtigkeit, der mich darum bittet, sei es Mensch oder Tier."

Daraufhin verneigte die Schlange sich vor dem Kaiser, wendete sich ab und kroch zurück in ihre Höhle. Karl konnte sich keinerlei Reim auf diesen Vorgang machen, war jedoch begierig, das Geheimnis dahinter zu lüften. So also folgte er der Schlange bis hin zu ihrem Nest in der Höhle, wo er zu seinem größten Erstaunen eine riesige Kröte auf den Eiern der Schlange sitzen sah. Der Schlange aber war somit der Zugang zu ihrem Gelege versperrt. Kaiser Karl erkannte auf der Stelle die Not der Schlange und befahl seinen Begleitern, die Kröte zu töten.

Etliche Tage waren seit diesem seltsamen Ereignisse verflossen, und bald hatte Karl es gänzlich vergessen. Da aber kroch eines Tages, als der Kaiser gerade beim Mahl saß, plötzlich die Schlange in den Saal, wand sich zu des Kaisers Sitz empor, verneigte sich dreimal vor ihm und ließ hernach einen Edelstein in dessen Weinpokal gleiten. So rasch, wie sie erschienen war, so rasch entschwand sie wieder.

Kaiser Karl, noch ganz verwirrt ob des Geschehens, nahm den Stein aus seinem Weinpokal und bestaunte den schönsten Diamanten, den er je zu Gesicht bekommen hatte. Er ließ den Edelstein in einen Fingerreif aus purem Golde fassen und schenkte diesen seiner über alles geliebten Gemahlin Fastrada.

Dieser Ring aber besaß wundersame Kräfte.

Die schöne Fastrada hatte sich stets der Verehrung ihres Gemahls Kaiser Karl erfreut; jedoch seitdem der Ring ihre zarte Hand schmückte, schien der Kaiser ihr noch hingebungsvoller zugetan zu sein, sie noch glühender zu verehren und zu begehren. Ja, beinahe krankhaft erschien die unermessliche Liebe des Kaisers zu seiner Gemahlin den Menschen in seiner Entourage zu sein.

Als die schöne Fastrada eines Tages schwer erkrankte, war Kaiser Karl untröstlich. Seine Gemahlin siechte dahin, bis der Tod sie endlich von all ihren Leiden erlöste. Karl ließ seine geliebte Gemahlin einbalsamieren und verbrachte Tage und Nächte voller Schmerz und Trauer an ihrer Seite. Die Menschen um ihn herum waren zutiefst besorgt, da es keinerlei Anzeichen dafür gab, dass Karl den toten Leib seiner Gemahlin der Erde zu übergeben gedachte. Es schien, als wolle Karl auch über den Tod Fastradas hinaus für immer mit ihr verbunden sein.

Als Turpin, dem Erzbischof von Reims, die traurige Geschichte zu Ohren kam, betete er zu Gott, dass dieser Kaiser Karl von seinem Kummer erlösen möge. Und siehe da, ein Traum ward dem Erzbischof zuteil, in welchem er den Ring der Fastrada in den schillerndsten Farben leuchten und diesen Glanz Kaiser Karl umschlingen sah. Da erkannte Turpin, dass jener Edelstein, den Karl einst durch die Schlange erhalten hatte, den Kaiser an jenen fesselte, der ihn besaß.

Am frühen Morgen des nächsten Tages betrat Turpin das Gemach, in welchem Kaiser Karl neben der einbalsamierten Fastrada trauerte. Er grüßte Karl ehrerbietig, wandte sich dann der Toten zu und segnete sie. Von Karl unbemerkt ergriff er Fastradas kalte Hand, streifte ihr den Ring ab und verbarg in schnell in seinem Gewande.

Wie plötzlich erlöst, wandte sich Kaiser Karl von seiner toten Gemahlin ab, ergriff die Hand des Erzbischofs, küsste diese und bat ihn, seine geliebte Gemahlin ehrwürdig zu bestatten.

Und so geschah es. Fastrada wurde in der Kirche Sankt Alban zu Mainz feierlich beigesetzt.

Der Bann, der Kaiser Karl mit seiner verstorbenen Gemahlin lange nach deren Tod noch so inniglich verbunden hatte, war gebrochen.

Tatsächlich aber war dieser Bann lediglich von Fastrada auf den Erzbischof Turpin übergegangen, welcher nun den Ring besaß. Und so machte Kaiser Karl Turpin zu seinem engsten Freund und Berater. Stets wünschte er, ihn in seiner Nähe zu sehen. Zu seiner Ehre sei gesagt, dass Turpin seine Machtstellung als bevorzugter Günstling des Kaisers nie für persönliche Zwecke nutzte, sondern sie stets für das Wohl des ...

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