Logo weiterlesen.de
7 Tage C.

Weil es Alternativen gibt.

IMMER. JEDEN TAG.

Sich DAFÜR entscheiden

können wir ALLE.

Und zwar HEUTE!

Inhalt

Vorwort

Donnerstag – Consciousness

Freitag – Culture

Samstag – Community

Sonntag – Choice

Montag – Creativity

Dienstag – Celebration

Mittwoch – Challenge

Dank

Inspirationen

C-Theke

C-Wortwolke

C-Zitate

Balance Konzepte

Das-C-Shirt

Vorwort

Zutiefst von der Wucht der Pandemiekrise beeindruckt fühlte ich mich plötzlich dazu berufen, eine abgefahrene Vision der Zukunft zu erdenken und hoffe damit, meinen Leser*innen neue Impulse für die täglichen Prioritäten und Lebensweisen zu geben.

In jeder Krise lauert die Chance, den Neustart besser zu gestalten und die Richtung anzupassen. Dafür gilt es kurz innezuhalten, ehrlich eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen und erste Schritte zur eigenen Transformation zu wagen.

Auch wenn es lediglich ein wenig divertiert, hoffe ich im tiefsten Herzen, dass ihr danach nicht gleich ins nächste Wettrennen übergeht (wenn die Zeichen auf Go wieder schalten oder ihr das Buch zuschlagt), sondern bewusst öfters auf Brücken geht - sei es um sie zu überqueren, darauf zu tanzen, den eigenen Lebensfluss zu reflektieren oder in sich nachzuhorchen, was nun wirklich sein darf.

In diesem Sinne wünsche ich gute Unterhaltung, nach dem Motto ‚weniger ist mehr‘. Starte durch! Balance Your Life! Es lohnt sich… Denn Ruhe, Bewusstheit und Vertrauen entfalten eine unendliche Schöpferkraft.

I.M.

Donnerstag – Consciousness

Collaborate – Compute – Converge
Concentrate – Cool down – Come together

Kurz nach sieben wird sie wach. Es ist zwar draußen zu dieser Jahreszeit noch dunkel aber sie fühlt sich nach ihrem tollen C-Tag gestern wunderbar. Sie bleibt noch ein paar Minuten liegen und visualisiert die Erlebnisse und die Gefühle, die sie heute zulassen möchte. Seit ihrer Kindheit ist es ein festes Ritual, das sie für keinen Preis missen würde. Diese Minuten, in denen sie schon die Geräusche der Welt wahrnimmt, sich aber noch in einer Art Energietunnel befindet, in dem ihr Körper und ihre Seele sich in einem vollkommenen Entspannungszustand für den Tag auftanken. Zwischen Schlaf und Wachsein wandelnd wird eine Art Floating-Zustand erreicht, wobei das innere Licht ihren präfrontalen Cortex mit voller Kraft anstrahlt, der diese warme Energie an all ihre Zellen weiterleitet: es sprudelt innere Sonne.

Nach dem Aufstehen schaltet C. ihr Armband in den Wachmodus um und geht sanft aber entschieden zu ihrer Morgenroutine über. Sie betritt ihre Übungsdecke am Balkonfenster wie immer zuerst mit dem linken Fuß und atmet bewusst tief ein. Das Zwielicht flutet langsam die Wohnung mit einem mystischen grau-blauen Licht. C. hat sich schon vor Jahren einige Übungsreihen zusammengestellt und bedient sich dieser nach Belieben und Laune. Mal mehr, mal weniger Krafttraining, mal mehr, mal weniger Gymnastik-Übungen. Auf alle Fälle sind ein paar aus dem Yoga abgeleitete Bewegungen dabei, die ihre Muskeln dehnen, ihre Nerven entspannen und ihren Körper für die Aufgaben des Tages vorbereiten. Diese Gewohnheiten sind so fest verankert, dass sie ganz selten und nur aus triftigem Grund ohne sie in die Welt hinausgeht. Meist muss C. dann fasziniert feststellen, dass ihre Achtsamkeit an diesen Tagen darunter leidet. Manche Morgen genießt sie diese Zeit allein im Stillen - wie heute - während an anderen Tagen die Playlist sie begleitet, die ihr Herz in jenem Moment aussucht. Einmal in der Woche klickt sie sich in eine der vielen E-Morning-Routine-Gruppen ein, die es mittlerweile gibt und erfreut sich der Gesellschaft Gleichgesinnter, während sie das Kommando abgeben darf.

Diese E-Morning-Stunde ist mittlerweile sehr populär, denn die meisten Leute sind zur Erkenntnis gekommen, dass der Ausgleich von Körper und Seele stets mit körperlicher Aktivität und Beweglichkeit sowie mit Meditation und/oder Achtsamkeit zusammenhängt. Kaum einer kann sich noch vorstellen, wie so viele Menschen es Anfang des neuen Jahrtausends zunehmend vergessen haben konnten. Aber durch etliche Shutdown-Perioden wegen der weitreichendsten Pandemie der Menschheitsgeschichte hatten sich die meisten besonnen. Sie hatten plötzlich begonnen, ihre Schöpferkräfte wahrzunehmen und die Eigenverantwortung für ihr Leben mit vollem Bewusstsein wieder zu übernehmen. Als beim ersten Lockdown die Zeit plötzlich stillgestanden hatte, hatten sich alle Ausreden von heute auf morgen einfach erledigt. Wichtige Termine, Besuche oder Zusammenkünfte hatten als Alibi für die eigene Untätigkeit allesamt nicht mehr gegolten. Damals, als viele Menschen in der Welt aufgrund ihrer anfänglichen Unvernunft, Wichtigtuerei beziehungsweise Selbstsucht zum ersten Mal für acht ganze Wochen hatten zuhause bleiben müssen. Fast zwei Jahre hatte sich dann das gebremste Leben hingezogen. Natürlich hatten die Regierungen zunächst viel zu langsam reagiert, aber als die Infektionszahlen immer weiter angestiegen waren, hatte trotzdem kaum einer auf irgendetwas verzichten wollen. Alle waren wichtig, alle waren in ständiger Bewegung, alle rannten Terminen und Waren hinterher, alle hatten immer etwas zu erledigen, jemanden zu treffen, irgendwas ganz Wichtiges zu erleben. Und alle dachten immer, dies alles sei alternativlos - bis alles einfach abgesagt, beziehungsweise abgesperrt oder zugemacht wurde. Kaum einer hatte sich freiwillig von Anfang an selbst limitieren wollen.

Und so war es mit voller Wucht gekommen, wie ein Schalter, den man umlegt, wenn der Point-of-no-return erreicht ist. Die Politik hatte es berechnend hingenommen, dass viele Menschen den Egoismus anderer mit ihrem Leben bezahlen mussten. In einer Zeit, in der die Welt sich immer schneller drehte, drohte jeder das richtige Maß aus den Augen zu verlieren. Viele waren dabei den Respekt für die Natur und die Anderen zu vergessen - wenn dies nicht schon lange geschehen war. Zwar hatte der Klimawandel einige Millionen Menschen ein Jahr lang auf die Straßen gebracht aber die anderen Milliarden machten einfach weiter. Es war wohl doch richtig gekommen: ein Weckruf, ein knackiger Schock, gepaart mit ein wenig Angst - und eine Welt, die von heute auf morgen einfach komplett stillgestanden hatte. Da hatten einige Menschen tatsächlich endlich Zeit gehabt, in ihrem Leben und ihren Häusern aufzuräumen. Sie hatten Zeit gehabt, sich und die eigene Lebensweise tief und ehrlich in Frage zu stellen. Während einige der Angst und Unsicherheit Liebe und Vertrauen entgegensetzten, erfuhren andere die Kreativität und Solidarität ihrer Mitmenschen. Dies half manchen aus ihrer Verzweiflung oder existenziellen Notsituation herauszufinden. Viele hatten die eigenen Exzesse und lebensverkürzenden Gewohnheiten nüchtern beleuchten oder gar dank verfeinertem Bewusstsein schlagartig ablegen dürfen. Vor allem aber waren die meisten schließlich dazu gekommen, sich endlich mit sich selbst und ihren Nächsten zu beschäftigen. Sie hatten realisiert, dass ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur doch wertvoller war, als immer alles sofort zu haben. Sie hatten festgestellt, dass die Natur täglich wundervolle Erlebnisse bietet, wenn man nur Augen dafür hat und sich im Jetzt darauf einlässt. ‚Sein‘ war endlich wichtiger als ‚haben‘, Dankbarkeit und Demut wichtiger als Macht und Gier geworden. So war es gekommen, dass einige angefangen hatten, regelmäßig freiwillig Zeit für das Wohlergehen des eigenen Körpers, für die eigene Gelenkigkeit und Gesundheit zu investieren.

C. macht sich immer wieder bewusst, welches Glück es ist, in der heutigen ausgeglichenen und flexiblen Zeit zu leben und täglich Zeuge davon zu sein, wie die Menschheit aus der damaligen Krise ihre Lehre gezogen hat. Nach zwei vollen Gläsern klarem Wasser springt sie kurz unter die kalte Dusche. Wöchentlich mindestens zweimal kalt duschen bewirkt Wunder. Es stärkt die Abwehrkräfte, kurbelt die Durchblutung an und macht dadurch nebenbei hellwach. Der Musiksender läuft im Hintergrund, die Sonne steht gleich auf. Beim Frühstücken schaut sie kurz die Nachrichten auf dem Wandbildschirm durch, und ist dann bereit, in diesen Donnerstag durchzustarten. C. zieht sich hübsch, jedoch bequem an. Nachdem sie Wasserflasche und Rollscreen in ihrer Tasche verstaut hat, springt sie auf ihr E-Bike und düst Richtung Stadtzentrum. Sie kann sich ihre Zeit in ihren dreieinhalb Wochen hier in der Großstadt so zurechtlegen, wie sie es möchte. Die Balance muss aber am Ende stimmen - damit das Grundgeld verdoppelt wird.

Es ist ein einfaches Prinzip, das vor fast 15 Jahren eingeführt wurde und dessen monetärer Anreiz sogar die Undiszipliniertesten davon überzeugt hatte, in der Balance zu bleiben. Was seine Ursprünge in der sogenannten ‚Work-Life-Balance‘ der vorpandemischen Zeit hat, ist heute ein Rundumpaket, das für eine ausgeglichene Lebensweise in allen erdenklichen Bereichen und Ebenen steht. Die Leitsätze der Balance sind vielfältig verflochten und tiefgründig verankert. In der Balance leben und agieren darf jeder und alles - Firmen und Lieferketten, Städte und Staaten, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren aller Herkunftsländer. Natürlich gibt es auch heutzutage immer noch Menschen, die Quantität vor Qualität preisen und weiterhin nur an sich denken. Ihnen ist es egal, wie und wann sie ableben und ob ihre Existenz Wertvolles erschafft. Doch die meisten achten freiwillig auf Gleichgewicht in ihrem Leben und würdigen die vielfältigen Vorteile einer ausbalancierten Umgebung. Ursprünglich haben sie sich der Gamification und finanziellen Motivation wegen in den Rahmen der Balance verschoben. Doch jetzt erfahren sie ihre Vorteile täglich am eigenen Wohlbefinden und tragen zur kollektiven Intelligenz und stetigen Weiterentwicklung der Gesellschaft mit Herz und Seele bei. Die Balance ist heute Teil einer jeden DNA.

Heute hat C. ein paar Termine zu ihren Lieblingsprojekten: das Vorantreiben des Wasserstoff-Einsatzes in den Bereichen Mobilität und Privathaushalten. Im Co-Working Zentrum des westlichen Viertels der Stadt wird sie später am Tag gleich zweimal Besuch bekommen. Zusammen mit einer Delegation des Mobilitätsgremiums werden sie gemütlich im Empfangssalon sitzen und genüsslich einen Cappuccino trinken, während sie auf dem Rollscreen die letzten Zahlen des Wasserstoff-Feldzugs anschauen. In der letzten Dekade hat die rasante Ausbreitung im Lastkraftverkehr sowohl für Erschwinglichkeit als auch sprunghafte Weiterentwicklung dieser Technologie gesorgt. Auf dieser Basis wird heute die Strategie für den Auftakt im Personenverkehr - als effizienter Herausforderer zur reinen batteriebetriebenen Mobilität - angepasst und die nächsten Schritte vereinbart. Zuvor findet jedoch die landesweite Abstimmungskonferenz der Eckpunkte für ihren morgigen Vortrag virtuell statt. Sie arbeitet gern im Co-Working Büro. Sie findet es abwechslungsreich, spannend und inspirierend und freut sich schon auf das Mittagessen mit ihren heutigen Sitznachbarn.

Was für eine Bereicherung, wenn man sich über die jeweiligen Spezialgebiete oder die tollsten Ausstellungen und Events der Stadt persönlich austauschen kann. Jedes Mal sind verschiedene Menschen anwesend, jeder wirkt in einem völlig anderen Bereich, doch alle sind Teil des Ganzen. In den Co-Working Räumlichkeiten findet man schnell Anschluss und lernt ganz einfach die verschiedensten Leute kennen. Zudem hat man stets Zugriff auf Spezialisten aller Art, die einem ungezwungen helfen oder gezielt jemanden weiterempfehlen können. Sehr oft entstehen aus diesen Bekanntschaften neue gemeinsame Ideen, die spannend in sogenannten ‚Co-Creations´ münden. So unkompliziert funktioniert es heute, halb virtuell, halb persönlich, je nach Sinn und Bedarf und nach eigenem Ermessen, meist 20 Stunden die Woche, circa 3 Wochen im Monat - zugunsten der Gesellschaft. Jeder darf und soll sich seinen präferierten Themen und Bereichen annehmen. Es soll lediglich zur Verbesserung der gemeinschaftlichen Intelligenz beitragen und/oder der Wellness der Mitbürger zugutekommen. Manche ihrer Bekannten sind künstlerisch oder spirituell unterwegs, während andere sich als Entwickler, Forscher, Ingenieur, Trainer, Therapeut, Bäcker, Landwirt, Handwerker usw. engagieren. Alles spielt miteinander und ineinander, alles ergibt Sinn. Jede Individualität wird gefördert und gefordert, stets wertgeschätzt und in ihrer Einzigartigkeit uneingeschränkt - im Rahmen der Balance.

Das vegane Buffet des Co-Working Zentrums liebt sie über alles - so vielfältig das Angebot, so kreativ die Mischungen, so liebevoll die Details, so bunt die Auswahl, so appetitanregend die Zusammenstellung, so knackig das Gemüse, so frisch alles.

Das Ernährungsbewusstsein hat in den letzten zwei Dekaden einen bedeutenden Sprung gemacht. Vom Fast Food zum nahrhaften Essen, vom To-Go zurück zum rücksichtsvollen Miteinander, von billiger Menge zur wertvollen Vielfalt. Die jungen Leute wie C. konnten die Geschichten ihrer Eltern kaum glauben, als sie erzählten, wie zerfahren es damals zuging, als Burger und Pizzas die kulinarische Szene der Teenager beherrschten. Welch eine Zumutung für den eigenen Körper, welch eine Ignoranz der wissenschaftlichen Grundregeln einer ausgewogenen Ernährung, welch eine Missachtung der eigenen Verantwortung. Am Ende hatte die globale Pandemie doch etwas Gutes gebracht, als die Glocken der Veränderung für die meisten geläutet hatten. Sie hatten sich ein Herz gefasst und geschworen, dass kein Virus je wieder so viele Opfer fordern sollte - und dass keiner sich je wieder so einschüchtern lassen würde. Dafür hatte sich so einiges in den Gewohnheiten ändern müssen, auch in der Ernährung. Der Mensch war als Individuum zwar fähig, den Willen zu haben. Doch die Massenbewegung als soziale Motivation zur individuellen Verpflichtung war der entscheidende Faktor gewesen.

Heute war das Kurkuma-Gemüse fabelhalft lecker gewesen. Dabei war es im Gespräch um Kunst und Kultur gegangen. Daran mangelt es in der Stadt nicht und alle sind der Meinung, dass auch die neue Capital Lightshow gigantisch sei. C. hat die Absicht gefasst, morgen Abend da rein zu schnuppern. Bevor sie zu ihrem heutigen Platz zurückkehrt, biegt sie in die Meditationsecke ein. Dieser Saal ist einmalig eingerichtet. Sie genießt es jedes Mal, auf einem der bequemen Ledersessel für eine kurze Auszeit Platz zu nehmen. Meditation ist seit einigen Jahren bei den meisten Teil des Alltags geworden, ein wichtiger Baustein im Balance-Lebensmodus. Sie nimmt Platz, nimmt ihre Haltung wahr und taucht peu-à-peu in die Zwischenwelt, wo der Atem und das Jetzt als Einzige eine Rolle spielen. Sie verliert jegliches Zeitgefühl… Sie entspannt vollkommen alle Körperteile, spürt wie die Energie durch sie fließt, während die winterliche Mittagssonne hinter der Scheibe ihr Gesicht wärmt und ihren Geist aufleben lässt…

Die Lebenshaltung der Balance lädt ein, sich regelmäßig kleine Ruhezeiten zu gönnen. Das bewusste Steuern der Aufmerksamkeit bei gleichzeitigem Herunterfahren des eigenen Körpers führt nachhaltig zu positiven - wissenschaftlich belegten - Effekten auf Kognition, Hirnfunktion, Affekt, Immunsystem und sogar Epigenetik. Die Wirkung solcher kurzen Auflade-Pausen ist einmalig: Körper, Geist und Seele werden im Nu belebt. Durch den ganzheitlichen Einklang, der dabei entsteht, schöpft man unglaubliche Kraft und Energie.

Wie passend, dass nun ihr wichtigster Termin des Tages auf der Agenda steht: Mit ihrem Arbeitskreis möchte sie an ihrer Präsentation feilen: nach ersten Einsätzen als Hauptheizsystem im Neubaubereich - stets gekoppelt mit Solaranlagen und Batteriespeichern - ist die Wasserstofftechnik nun auch für den breiten Einzug in die restlichen Privathaushalte reif. Moderne Nachrüstlösungen sind nachweislich einsatzbereit, die Ergebnisse der vielzähligen Tests übersichtlich und anspruchsvoll aufbereitet. Daran hat sie sogar in ihrer Freizeit gearbeitet, so begeistert ist sie über die unzähligen Möglichkeiten und positiven Auswirkungen - Schritt für Schritt wird alles sauberer, alles ruhiger.

Das merkt man vor allem in den Städten. Es ist so schön grün und entspannend ruhig. Seltene Vögeln haben sich wieder angesiedelt, Bäume und Grünflächen sind allgegenwärtig, entspannte und zufriedene Menschen fahren oder flanieren auf ihren Rädern. Sie kann sich überhaupt nicht mehr an den Rummel erinnern, als laute Autos und Busse noch in Innenstädten wuselten. Lediglich Bilder bezeugen noch vom einstigen Chaos und den Dauerstaus, die mit unterschwelliger Aggressivität einhergingen. Bald war aber der Lärmpegel, der damals herrschte weitgehend aus dem Gedächtnis gelöscht worden. Jeder erfreut sich heute der neuen Lebensqualität. Wer nicht radeln oder gehen will oder kann, bedient sich der selbstfahrenden Kleinbusse - natürlich elektrisch oder auf Wasserstoffbasis und wird gemütlich und kostenlos zum gewünschten Ziel befördert. Während der Reise kann man einfach die Seele baumeln lassen, die Menschen beobachten oder kurz das nächste Kapitel eines spannenden Buches lesen.

Die Zeit, die jeder Einzelne in den sogenannten Sozialen Netzwerken verbringt, hat sich um einiges reduziert, vor allem in der Balance-Community. Die meisten nutzen die Vernetzungsmöglichkeiten viel bewusster. Sie schätzen zwar nach wie vor den schnellen Zugang zu unabhängigen Informationen und den informellen Meinungsaustausch, legen aber den Fokus auf das Erweitern des eigenen Gesichtskreises. Aktionen und Kontakte dienen in erster Linie den persönlichen Zielen oder Projekten, der Bildung des eigenen Weltbilds und der Kommunikation mit Bekannten, Freunden oder Gleichgesinnten. Neidisches ‚Folgen’, übertriebenes ‚Prahlen‘ und respektloses ‚Kommentieren’ gelten eher als sinnloser Zeitvertreib, ja gar als Zeitverschwendung. Kommerzielle Meinungsmacher haben ohnehin den Großteil ihrer Anhänger verloren, seitdem Konsum nicht mehr so sexy ist. Zudem sorgt der clevere Check-the-Facts Algorithmus (CtF) stets für Klarheit, indem er einem in Sekunden alle Informationen und Fakten über ein bestimmtes Thema besorgt und so alle Widersprüche unverblümt darlegt.

Der Termin ist gut gelaufen. Erfreut über ihren Fortschritt verlässt C. kurz darauf das Co-Working Zentrum. Sie will sich aber heute nicht allzu lange im Zentrum aufhalten. Zum einen ist das Wetter zu der Jahreszeit zwar trocken aber schon sehr kühl, zum anderen hat sie ja noch einiges vor. So steuert sie bewusst aber entschlossen ihr Rad durch ruhige Gassen der Stadt und erreicht bald ihre Wohnung. Die Dauer der Rückfahrt war genau richtig, um abzuschalten. Daheim angekommen, gönnt sie sich zuerst einen wundersamen Kräutertee und geht noch schnell ihre Privatnachrichten durch. Der Abendtreff mit der Clique ist bestätigt, sie freut sich ungemein darauf. Nach der kurzen Pause möchte sie sich Zeit für den E-Kurs nehmen, den sie schon lang auf ihrer Zielliste hat. Sie will sich unbedingt noch einiges im Bereich Gesundheit aneignen. Als Kind hatte sie sich stets auf ihre Talente - Energie und Organisation, sowie auf ihre Herzensangelegenheiten, wie Schmuckbasteln und Sport fokussiert. Aber jetzt werden ihre vier EuroFlex Jahre nächsten Sommer zu Ende sein. Die vergangenen Jahre waren wirklich bereichernd und sie ist dafür unendlich dankbar - für all das, was sie in all den Städten erleben durfte. Doch C. hat vor zu entschleunigen und die Vorteile eines ländlicheren Lebens wiederzuentdecken, einfach noch näher an der Natur. Im Hinblick darauf, will sie sich den Nutzpflanzen und der Gesundheit näher annehmen und ihre Kenntnisse in diesen Bereichen erweitern.

Der Kurs befasst sich mit dem menschlichen Körper. Im heutigen Kursabschnitt geht es um die Funktionen von Leber und Darm und die Wichtigkeit, diese stets in ihrer Balance zu halten. Tipps und Tricks gehören genauso dazu wie eine Liste einiger Wundermittel aus der Natur. Welch ein Glück, dass sie in dieser Zeit lebt und solche Themen immer wieder nach Belieben und momentanem Interesse wählen darf. Eigenständig dirigiert sie ihre persönliche Entwicklung und wird auch noch dafür belohnt. Ihre Eltern hatten immer bemängelt, dass die Massenbildung von damals hauptsächlich einer systematischen Selektion für die Industrie gedient hatte und kaum ein Schüler ein Jahr später noch irgendetwas vom Unterrichtsstoff wusste, weil er hatte lernen müssen - aber nicht wirklich wollen.

Das gegenwärtige System basiert auf Individualisierung. Zwar hat der Bildungspakt auch feste Regeln und man darf die Aneignung seiner Kenntnisse immer wieder in der Praxis nachweisen. Doch durch die eigenständige Auswahl an Themen und die freie Zeiteinteilung macht das Lernen quasi immer Spaß. Nach dem Motto: Lernen fürs Leben - personalisiert, freiwillig, ein Leben lang. Überhaupt ist es bei ihr schon immer so gewesen: Sogar als sie zwischen sieben und 14 war, war die Schule schon flexibel gewesen. Ihre Generation hatte als erste von der Individualisierung des Unterrichtsstoffs profitiert. Die spannenden Abenteuerstunden in Kleingruppen mit der geliebten Lehrerin hatten sowohl Vertrauen und Sicherheit vermittelt als auch Neugier und Lernspaß geweckt. Die Entwicklungen in den familiären und gesellschaftlichen Strukturen hatten Selbstdisziplin aufleben lassen und Selbstmotivation zu einer täglich gelebten Realität gemacht. Mit einem vielfältigen Mix aus E-Lerninhalten, lebendigen Klassendiskussionen, Online-Videoinhalten, personalisierter Betreuung, spielerischen Wissens-Checks, Online Gruppenprojekten und örtlichen Diskussionsrunden, beziehungsweise durch Experten geleiteten Praxisstunden, hatte der Bildungsbereich sich selbst, infolge der vielen wiederholten Schließungen, revolutioniert. Durch gezielten Einsatz moderner Technologie war der Spagat zwischen Individualisierung, Disziplin und Begeisterung gelungen. Sogar ein ursprünglich so konservativer Bereich hatte diese Chance ergriffen und gleichzeitig den allgegenwärtigen Lehrermangel bewältigt.

C.’s Weiterbildungskurse laufen im Videoformat ab – immer in 70-Minuten-Blöcke. Danach hat man 20 bis 30 Minuten, um sich bei Bedarf Notizen oder einen digitalen Download zu machen, ein paar Sachen nachzuschlagen und/oder Fragen an den Spezialisten zu stellen. Nach dieser lehrreichen Stunde springt C. in ihre Sportklamotten, schaltet ihr Armband auf Joggen um und schaut, ob jemand in der Nähe sich auch gerade auf dem Weg macht. Diese Interessengruppen sind wirklich eine wunderbare Sache. Man kann in Echtzeit nach Aktivität und Lokalität abprüfen und spontan kleine Gruppen bilden, wenn einem danach ist und/oder es einem hilft, sich selber ein wenig herauszufordern. Gerade ist aber keiner startbereit. Sie springt auf die Straße, die App wird sie für heute genug herausfordern.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "7 Tage C." sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen