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666 Kyls

Lizenzerklärung

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Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren und würdigen!

 

 

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Inhaltsverzeichnis

666 Kyls

Impressum

Lizenzerklärung

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Entrückt

Prolog

666 Kyls

Der Totenwächter

Evan

666:kyl

Lazze

Entrückt: Die andere Seite

Mary

666 kyls

Im Kreis der Drei

Drei Monate später

Sechs Monate später

Epilog

Neuerscheinungen

Weitere Werke der Autorin

Leseprobe I: Aus dem Kapitel Zwischen neuntem und zehntem Eintrag aus Achtundzwanzig und nicht älter - Marys Tagebuch

Leseprobe II: Aus dem Kapitel Acht Jahre später aus Obvicioun

Leseprobe III: Aus dem Prolog von Sidmawuk

Hinweise zur Aktualisierung

 

Widmung

Für meine Leser.

Danke für Eure Geduld!

Auch wenn es manchmal länger dauert, Nachschub ist garantiert.

 

 

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Entrückt

ImageIch weiß, ich gehöre eigentlich nicht hierher. Unter normalen Umständen würde ich mich hier auch nicht aufhalten. Ich bin nur einem Instinkt gefolgt, und der hat mich hierher geführt.

Es ist dunkel. Von irgendwoher fällt Licht ein. Darum kann ich sie entdecken. Ein langer, abgemagerter, weißer Körper, lediglich mit einem weiten, dunklen Hemd bekleidet, hinter einer Reihe von Gitterstäben. Das hübsche Gesicht kaum zu erkennen unter dem wuscheligen, braunen Haar. Sie liegt mit dem Bauch auf dem Boden, ihr Gesicht ist mir zugewandt. Ihre Augen und ihr Mund stehen offen. Ihre linke Wange ist dunkelblauviolett und angeschwollen, ihre Nase offensichtlich gebrochen. Ob das Blut aus ihrem Mund von der gebrochenen Nase stammt, kann ich nicht beurteilen. Vor ihr steht ein weißes Tetra-Pack ohne Aufschrift. Die Frau erscheint mir in einem Zustand zwischen Leben und Tod. Letzterem näher. Schnell breche ich das Schloss auf, knie mich vor ihrem Gesicht nieder, will den Puls an ihrem Hals fühlen, kann ihn aber nicht finden. Panik erfasst mich. Ich drehe sie vorsichtig auf den Rücken und beginne mit der Mund-zu-Mund-Beatmung. Gottseidank hustet sie bald. Sie würgt, dreht ihr Gesicht zur Seite und beginnt gleich darauf Blut zu spucken. Die Frau versucht sich aufzurichten. Schafft es aber nicht. Sie ist zu schwach, ihr Gesicht leichenblass. Schnell greife ich ihr unter die Arme und helfe ihr dabei sich aufzusetzen. Sie stellt ihre dünnen Beine auf. Mit Sorge betrachte ich die unzähligen Schrammen und Blutergüsse auf dem beängstigend dünnen Körper. Ihre Backenknochen stehen weit hervor, und ihre Augen sind tief in ihre Höhlen zurückgesunken. Beschämt zieht sie die Beine an sich heran, versucht ihr Gesicht vor mir zu verbergen, indem sie die Stirn auf die Knie sinken lässt. Leise beginnt sie zu weinen. Ich schließe meine Arme um sie und drücke sie zärtlich an mich. Sie zittert am ganzen Körper, aber sie lässt es mit sich geschehen. Bald schon sinkt ihr Kopf erschöpft und dankbar an meine Brust. Ich grabe meine Finger in ihr weiches, langes Haar, streichle ihren Kopf, ihre Wange, ihren Hals und küsse sie auf den Kopf. Was für eine bildhübsche, liebe, junge Frau! Doch jetzt ist sie nur ein Schatten ihrer selbst…

 

Der Tod kommt immer schleichend, und er trägt viele Masken. Du musst ihn rechtzeitig entlarven, wenn du das Spiel gewinnen willst. In Wahrheit bist du doch nur eine Spielfigur. Aber für dich ist es ein Leben. Du musst dafür kämpfen, wenn es dir etwas wert ist.

Wir sind im Streit auseinandergegangen, ich und die Welt. Ich habe eine Entscheidung getroffen und die Tür hinter mir zugeschlagen. Sie wollte mich verstümmeln, doch ich habe es nicht zugelassen.

Aber es ist etwas anderes, wenn mit der Welt ein Mensch zusammenfällt, ein Mensch, den du über alles liebst. Ein Mensch, in dessen Gegenwart du dich langsam aufzulösen beginnst, in dessen Angesicht der Schmerz an Bedeutung verliert, bis du dir selbst immer unwichtiger erscheinst. Ein Ziel rückt allmählich in den Vordergrund und beginnt langsam Gestalt anzunehmen. Der Schmerz, seiner ursprünglichen Bedeutung beraubt, ist neu beschrieben worden. Schmerz ist nicht gleich Schmerz, muss ich feststellen, und ich fühle mich wie neugeboren. Wäre ich nicht zurückgekehrt, wäre ich um mein Seelenheil gestorben.

Natürlich hat die Welt gesagt, ich wäre es, die um Einlass bittet. Doch nur allzu bereitwillig hat sie mir die Tür aufgehalten, als ich in Mantel und mit Zepter einmarschiert bin.

„Was gibt’s“, frage ich die Welt. „Ich habe hier nichts mehr zu schaffen.“

„Doch“, antwortet mir die Welt und weist mir die Richtung.

Ich folge dem verdorrten Finger der Welt und erblicke eine junge Frau, die zusammengekauert und weinend auf dem Boden hockt. Ihre Beine hat sie aufgestellt. Ihre Stirn ruht auf den angezogenen Knien. Ich gehe zu ihr, hocke mich vor ihr nieder, hebe ihr Kinn etwas an, dennoch kann ich ihr Gesicht nicht erkennen. Ihre dezente Schminke ist zerlaufen und rinnt ihr über die Wangen. „Es tut so weh“, klagt sie mit weinerlicher Stimme. Ich folge ihrem Blick nach unten. Dunkles Blut ergießt sich in einem Bach zwischen ihren Beinen, und in seiner Lache spiegelt sich mein Gesicht…

Jetzt glaube ich zu wissen, warum es mich an jenen Ort verschlagen hat, mit dem diese Geschichte ihren Anfang genommen hat. Meine, die Bedeutung meiner Vision zu verstehen. Ihr Ausgang aber ist mir ungewiss, und ich hoffe, dass dieses Mal nicht ich es bin, die für den elenden Zustand dieser jungen Frau angeklagt werden muss…

ImageNachdem mich die Sache mit Nevaeh vier Jahre in einer Klinik für geistesabnorme Rechtsbrecher gekostet hat, bin ich nun wieder auf freiem Fuß. Ich stehe in meiner Wohnung im fünfundzwanzigsten Stock vor meinem Panoramafenster und blicke hinab auf die Stadt. Wir haben viel geredet in den vergangenen vier Jahren, die Therapeuten, die Ärzte und ich. Und nun fühlt es sich für mich so an, als habe ich etwas von mir eingetauscht und etwas anderes zurückbekommen. Ob dieses „Andere“ gut ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch dasselbe geblieben. Sollte dies der Fall sein, erkenne ich es aber nicht mehr als das, was es ursprünglich einmal gewesen ist. Alles, was bisher in einer bestimmten Art und Weise funktioniert hat, funktioniert jetzt anders. Ich befinde mich in einem Lernprozess, wurde neu programmiert. Aber ich befinde mich noch in der Testphase. Das ist meine Diagnose. Die Diagnose der Ärzte ist, ich sei geheilt, und ich nehme es ihnen nicht übel, denn ich habe es sie glauben lassen. Doch die Wahrheit ist eine andere. Ich fühle es, doch ich kenne sie selbst noch nicht…

Sie haben mir eine Gehirnwäsche verpasst, aber sie haben Nevaeh nicht aus meinem Kopf gebracht. Ob sich unsere Wege wieder einmal kreuzen werden, frage ich mich. Ganz bestimmt nicht, beharrt die eine Stimme in mir. Ganz bestimmt bald, ermuntert mich die andere. Und das ist es, was mich am Leben erhält. Einzig und allein die Aussicht, Nevaeh wiederzusehen. Nevaeh, beziehungsweise Evie, wie sie mit richtigem Namen heißt, wie ich in dem Prozess erfahren habe. In meiner Fantasie hat sie immer schon existiert, doch nun hat sie eine Gestalt und einen Namen bekommen.

Bestimmt wird sie sich freuen, dich wiederzusehen, bestätigt mir die eine Stimme. Nein, wird sie nicht, sagt die andere. Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Wie wollen die beiden das denn wissen? Es kommt doch nur auf mich darauf an. Und ich bin sicher, dass ich sie wiedersehen werde…

ImageAls ich aus besagter Klinik entlassen wurde, galt mein erster Gedanke meinem Laptop. Meinem Laptop und den darauf installierten Programmen, die mir erlaubt hatten, Unglaubliches zu erschaffen. Doch der Laptop war beschlagnahmt worden. Der Laptop mit all seinen darauf gespielten Programmen und meinen gesammelten Werken. Die Bücher wurden aus den Läden genommen, ihr Inhalt für fragwürdig befunden, Jugendverbot, nicht tragbar zum Teil...

Ein Model hat mich angezeigt. Ich hätte sie gestalkt, meinte sie. Ich hätte Rufmord begangen. Ich hätte Dinge über sie geschrieben, die ich sonst nicht wissen könnte. Ich hätte sie gequält, meine Perversionen ihr gegenüber zum Ausdruck gebracht. So etwas Verrücktes! Die Leute meinten, ich hätte mit dem Buch die Model-Branche auf die Schippe genommen. Ich hätte den Agentur-Boss einem Zuhälter gleichgesetzt. Einem Zuhälter der gehobenen Klasse! Ich habe nicht vorgehabt, die Branche in den Dreck zu ziehen… Doch am meisten schmerzt mich, dass ausgerechnet sie es war, die mich vor den Kadi zerrte, die, die ich am meisten vergöttere von allen. Das einzige, das man mir vorwerfen kann, ist, dass ich ein Bild von ihr mit mir herumtrage. Weil sie mir so gut gefällt. Weil sie mich inspiriert hat zu dieser Geschichte, die mir diesen Schlamassel eingebrockt hat. Doch der Geschichte kann man nicht böse sein...

 

 

****

 

Prolog

ImageEvan lehnt mit dem Rücken an der Wand. Er steht in der Raucherecke, obwohl er nicht raucht. Er wollte lediglich frische Luft schnappen. „Frische Luft“ im Dunst der Glimmstengel…

„Sie sehen nicht gut aus.“

Evan hebt erschrocken den Kopf. Er war ganz in Gedanken versunken und hat den jungen Mann nicht bemerkt, der ihn bereits seit einer Weile beobachtet. Evan lächelt verlegen. „Kennen wir uns“, bringt er lediglich über die Lippen.

„Ich denke nicht. Wir sind erst dabei“, schmunzelt der Fremde skeptisch.

Evan runzelt die Stirn. Ihm ist etwas unwohl. Er fühlt sich unsicher in der Gegenwart dieses Mannes.

„Ich habe Sie beobachtet.“

Noch mehr Sorgenrunzeln sammeln sich auf Evans Stirn. Das wirkt sich nicht unbedingt positiv auf meinen Verfolgungswahn aus…

„Vor wem laufen Sie davon?“

Evans Mund öffnet sich leicht. Sein Gesicht nimmt nun verzweifelte Züge an. Was zum Teufel wollen Sie, scheinen seine Augen zu sagen.

„Sie sind nicht der einzige, der vor jemandem davonläuft… Ich laufe zwar nicht direkt vor jemandem davon, sondern mehr vor mir selbst…“

Nun heben sich Evans Augenbrauen etwas. Jetzt wird er langsam neugierig.

„Wir wissen, warum wir hier sind. Wir müssen nicht auch noch darüber sprechen, nicht?“

Evans Kopf ist dabei rot anzulaufen. Er denkt darüber nach, diesem Mann einfach den Rücken zu kehren und fortzugehen, aber aus irgendeinem Grund tut er das nicht. „Wer sind Sie“, fragt er schließlich.

„Ist das wichtig? Was bringt es Ihnen, wenn Sie wissen, wie ich heiße? Kennen Sie mein Gesicht?“

Evan schüttelt den Kopf.

„Ich sage nur so viel: Mein Metier ist die Modebranche.“

Jetzt wird Evan hellhörig. Sein Mund öffnet sich etwas vor Staunen.

Der Fremde kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Doch schon etwas gehört oder gesehen von mir?“

Doch Evan schüttelt nur den Kopf. „Und was wollen Sie?“

„Wer war es?“

Evans Herzrhythmus, der bereits angestiegen ist, als er den Mann erblickt hat, ist nun dabei sich zu überschlagen. Er schüttelt den Kopf. „Was wollen Sie“, wiederholt er.

„Nicht so voreilig. Langsam, langsam. Schritt für Schritt wollen wir dem großen Ziel näher kommen, nicht wahr? Oder genauer gesagt: das Ziel formen. Wie sagt doch gleich Hannibal Lecter zu Agent Starling in Das Schweigen der Lämmer? Quid pro quo, mein Lieber.“

Evan nickt. „O.k….“ Doch dann stockt er. Dass er von einer Frau vergewaltigt worden ist, will er ungern zugeben. Dazu müsste er erwähnen, dass er zu diesem Zeitpunkt ein Mädchen war, doch das erscheint ihm zu viel fürs Erste. Quid pro quo. „Es war eine schizophrene Person. Sie hat mich in ihre Gewalt gebracht und dann hat sie mich gerettet.“

Der Fremde hebt die Augenbrauen. „Schizophrenie…“ Er klemmt sein Kinn zwischen Daumen- und Zeigefinger. „Das ist ja interessant…“

„Sie sind dran“, meint Evan knapp.

Der Fremde nickt. „Ich hatte einen Mitstreiter. Ich hätte ganz nach oben kommen können, aber er hat unfaire Mittel angewandt, hat mich ausgeschaltet, setzt mich nach wie vor unter Druck. Ich habe es bisher nicht gewagt, ihn anzuzeigen, aus Scham. Das weiß er. Und sollte ich nicht nach seiner Pfeife tanzen, würde er mich bloßstellen, allen davon erzählen und in diesem Fall nicht einmal die Wahrheit. Mir würde keiner glauben, sagt er. Und leider hat er recht. Er dreht die Wahrheit so, wie er sie braucht. Er hat es nie anders gemacht. Ihm wird immer geglaubt. Er ist der Maestro. Er ist der große Boss. Was der große Boss sagt, wird als richtig anerkannt. Das Geheimnis des Erfolges. Nicht wahr? …Und ich bin jetzt lediglich ein weiteres unter seinen vielen kleinen Schäfchen.“

„Er hat Sie…“

Doch der Fremde führt den Zeigefinger vor den Mund. „Schschsch… Es reicht, wenn du weißt, dass ich ihn aus diesem Grund hasse und dass ich ihn am liebsten aus dem Weg räumen wollte, um endlich frei zu sein.“

Evan nickt. „Das verstehe ich…“

„Was verstehst du? Und warum?“

„Es ist nicht so weit hergeholt, dass ich der Person, die mir das angetan hat, dasselbe will. Sie ist verurteilt worden, vor vier Jahren. Sie hat noch zwei Jahre abzusitzen. Ich kann jetzt schon keine Nacht mehr schlafen, weil ich weiß, sie kommt in zwei Jahren wieder raus. Ich kann nirgendwo mehr hingehen. Ich fühle mich nirgends sicher. Ich sehe sie überall. Ich wünschte, sie wäre tot…“, sagt Evan. Sein Blick ist starr auf irgendeinen Punkt hinter dem Fremden gerichtet. Er geht durch den Fremden hindurch.

Den Mund des Fremden umspielt ein Lächeln. Er hat sein Kinn wieder zwischen Daumen- und Zeigefinger geklemmt.

Evans Blick wandert wieder zu dem Fremden. „Und, was wollen Sie denn nun?“

„Ist das wirklich so schwer zu erraten?“

Evan blickt ihn erschrocken und ernst an.

„Wir müssen uns nicht einmal die Finger schmutzig machen.“

Evans Herz beginnt wieder schneller zu schlagen. „Und wer soll der arme Teufel sein?“

„Sein Bruder.“

„Sein Bruder?“

„T.D. ist schwachsinnig, und der große Boss behandelt ihn dementsprechend. T.D. mag vielleicht dumm sein, aber ohne Gefühle ist er nicht…“

Evan nickt.

„Wir spielen lediglich ein bisschen Schicksal. Alles in die richtige Bahn lenken, ein bisschen fokussieren, den Prozess beschleunigen. Der Rest erledigt sich von selbst, beziehungsweise erledigt ihn T.D. für uns. Es wäre ihm bestimmt eine große Freude. Auch er wäre gern frei, weißt du? Drei frustrierte Menschen sind drei frustrierte Menschen zu viel. Weißt du, was ich meine?“

„Ja, aber ein Frustrierter muss den Kopf hinhalten…“

„Wenn die Evolution auf jeden Schwächling Rücksicht nehmen würde, was wäre das dann wohl für ein Ergebnis, hm? Unsere Gesetze unterbinden Evolution. Sie erhalten jeden am Leben. Und was ist das Resultat? Überbevölkerung. Irgendwann werden wir aufeinander hocken. Irgendwann wird die Welt uns nicht mehr tragen.“

Evan nickt in Gedanken versunken. „Wie wollten wir das anstellen“, will er schließlich wissen.

„Zuallererst einmal müsste ich wissen, wer dein Hass-Subjekt ist. Ich brauche Informationen über diese Person. Dann erst kann ich - können wir einen Plan schmieden. Jedes noch so kleine Detail über sie könnte helfen. Erst die Details sind es, die ein Kunstwerk zu einem Kunstwerk werden lassen.“

Evan sieht ihn skeptisch an. „Damit WIR einen Plan schmieden können, muss ich auch etwas über den großen Boss erfahren. Quid pro quo.“

„Also gut. Sein Name ist Cyr…“, meint er nach kurzem Zögern.

Evans Augenbrauen heben sich. Er nickt.

Der Fremde mustert Evan, nickt dann ebenso.

„Sie ist K.Y. Laval.“

„Noch nie gehört. Wer soll das sein?“

„Eine Autorin.“

„Eine SIE also…“

Evan ist wieder dabei rot anzulaufen. „Als es passiert ist, war ich ein Mädchen“, platzt es aus ihm heraus.

Die Augen des Fremden weiten sich.

„Anschließend konnte ich kein normales Leben mehr führen. Ich habe mich operieren lassen.“

Der Fremde ist für einen Moment sprachlos, nickt dann aber vorbehaltlos.

„Ich habe all ihre Bücher gelesen.“

Der Fremde hebt die Augenbrauen. „Und? Steht etwas Interessantes drin?“

„Eines davon handelt von deinem Metier.“

„Von der Modebranche?“

Evan nickt. „Es handelt von einem unglücklichen Model, das misshandelt und vergewaltigt, ja, sogar gefoltert wird von ihrem Agenturchef.“

Der Fremde pfeift verblüfft. „Könnte aus dem Leben von Mary Hayes stammen“, meint er, den Blick gen Himmel gerichtet. „Ich muss mich setzen. Komm, verlassen wir für heute die Gruppe. Wir haben ohnehin bereits die Hälfte davon versäumt. Gehen wir was trinken, ja? Ich brauche jetzt einen Drink.“

Evan nickt.

 

In einer dunklen Kneipe finden sie sich wieder. Der Fremde hat einen doppelten Whiskey bestellt und stürzt ihn in einem Zug hinunter. Evan hat ein dezentes Bier vor sich. „Nun erzähl schon, was an dieser Story hat dich so aus der Fassung gebracht?“

„Cyr. Er hat viele Models. Verteilt auf der ganzen Welt. Hier hat er momentan nur noch eines. Ihr Name ist Mary Hayes.“

Evan überlegt. „Mary Hayes… Ich habe schon mal von ihr gehört.“

„Ein Top-Model, aber sie hat teuer dafür bezahlt. Cyr hat ein verdammt düsteres Geheimnis. Ich lernte Mary als intelligente, hübsche junge Frau kennen. Aber nach einiger Zeit hat sie damit angefangen, geistig abzubauen. Bei ihren Vorgängerinnen fiel es mir nicht ganz so massiv auf, aber bei Mary… Daraufhin habe ich angefangen, Cyr ein wenig hinterher zu spionieren. Mal hier eine kleine Gefälligkeit, mal da. Ich habe viel beobachtet und bin zu seiner Vertrauensperson geworden, was mir eine gehörige Portion Überwindungsvermögen abverlangt hat. Ich bin kein Arschkriecher, und Cyr ist der letzte, dem ich in den Arsch kriechen möchte.

Alle seine Models sind spindeldürr. Und alle essen sie nichts mehr. Ich weiß nicht, wie Cyr das genau anstellt. Er lässt einen Drink herstellen. Illegal natürlich. Seine Models nehmen ausschließlich diesen Drink zu sich. Cyr sagt, sie brauchen nichts anderes. Dieser Drink enthalte alles, was sie brauchen. Er mischt ihm Drogen bei, um die Models von ihm abhängig zu machen und… Wie ich bereits gesagt habe, die Models verblöden mit der Zeit, so als füttere Cyr sie mit Crystal Meth. Allerdings geht der Verfall bei seiner Droge nicht ganz so schnell vonstatten. Aber keines der Models ist bisher älter als achtundzwanzig geworden. Wenn sie damit anfangen, hässlich zu werden, führt Cyr sie an einen Ort, von dem sie nicht wiederkehren. Das Model habe einen anderen Vertrag angenommen, heißt es. Oder das Model habe eine andere Richtung eingeschlagen, weil sie eingesehen hat, dass sie in dieser Branche mit ihrem Aussehen nichts mehr taugt, oder das Model sei abgereist und ward nicht mehr gesehen. Ja, abreisen tun sie alle, aber wohin weiß keiner. Aber ich habe da einen Verdacht. Ich glaube zu wissen, wo er sie verscharrt…“

Evan ist sprachlos.

„Mary ist nicht dumm. Zumindest war sie es nicht. Sie hat bestimmt gemerkt, was der Drink mit ihr anstellt. Aber das Wissen darum hilft nicht. Ich bin mir sicher, sie weiß um die Aussichtslosigkeit ihrer Lage, aber sie ist machtlos dagegen. Mary hat den Kampf bereits verloren. Die Droge ist zu stark. Man kann von ihr nicht loskommen. Sie ergreift Besitz von deinem Körper bereits nach einmaligem Konsum, und dann beginnt sie dich langsam aufzuzehren. Das Gehirn greift sie zuerst an. Sie zersetzt es. Macht es zu Brei. Und dann folgt der Rest. Mary stirbt, wenn sie die Droge nicht mehr bekommt. Sie verhungert, weil ihr Körper nichts anderes mehr zu sich nehmen kann. Sollte sie den Drink verweigern, stirbt sie an den Entzugserscheinungen. Du siehst, alle Wege führen in den Tod. Die armen Models haben keine Chance. Es gibt kein Mittel, das der Droge in irgendeiner Weise entgegenwirken kann. Weil die Droge nicht bekannt ist. Sie braucht die andere Seite nicht zu fürchten, verstehst du, was ich meine? Cyr lässt die Models zu Beginn ihrer Karriere einen Vertrag unterschreiben, in dem er sich absichert, sollte je einmal etwas davon in irgendeiner Form ans Licht kommen. Kein Schadenersatz. Doch es kommt nichts ans Licht. Jeder hält still. Cyr hat alle in seiner Gewalt. Alle fürchten ihn. Niemand wagt es, ihm zu widersprechen. Mit dem Stoff im Kopf macht er seine Models gefügig. Er schlägt sie, er misshandelt und vergewaltigt sie. Möglicherweise lässt er sie den Vertrag erst zu einem späteren Zeitpunkt unterschreiben. Zu einem Zeitpunkt, wo sie die Droge bereits in Form dieses Drinks konsumiert haben. Vielleicht ist sie ja das Willkommensgetränk bei dem Vorstellungsgespräch, was weiß ich! Die Models können ihm nichts mehr entgegensetzen. Die können ja nicht einmal mehr klar denken! Betrachte es einmal so: Wir retten mit dieser Aktion vermutlich unzähligen jungen Frauen das Leben… Nun erzähl schon. Um was geht es in diesem Buch genau?“

„Das habe ich dir bereits gesagt. Lies es selbst. Da hast du mehr davon. Vielleicht inspiriert dich das Buch ja zu deinem Vorhaben.“

„Unserem Vorhaben“, korrigiert ihn der Fremde. Er grinst. „Du lernst schnell, Freundchen.“

Evan erwidert das Grinsen des Fremden zögernd. Wohl ist ihm nicht dabei. Ich muss mich mit diesem Gedanken erst anfreunden…

Image„Wie geht’s dir, Mary?“

Mary sieht ihn mit dunklen Ringen unter den Augen an. „Geht so.“

„Tatsächlich?“

Mary nickt unsicher.

„Warum lässt du dir das gefallen, Mary? Hast du das not?“

Mary zuckt nervös mit den Schultern.

„Du bist sehr hübsch, Mary…“

Mary ist dabei rot anzulaufen.

„Ich möchte dir gerne helfen.“

„Warum?“

„Weil ich dich mag und dich sehr schätze.“

„Niemand tut irgendetwas aus reiner Selbstlosigkeit.“

Dawn überlegt einen Moment. „Ja, da hast du recht.“

Mary lächelt freudlos.

„Du weißt, was zwischen Cyr und mir vorgefallen ist?“

„Ich weiß, dass er sich mit unfairen Mitteln den Posten, den er jetzt innehat, erkämpft hat.“

Dawn nickt mit gesenktem Kopf in sich gekehrt. Dann sieht er sie an. „Ich möchte es ihm heimzahlen und dir da raushelfen. Cyr tut dir nicht gut, Mary. Sieh dich doch nur mal in den Spiegel!“

Mary blickt ihn betroffen an.

„Weißt du eigentlich, warum du sein einziges Model hier bist?“

Mary schüttelt langsam den Kopf.

„Weil er deine Vorgängerinnen verschwinden hat lassen.“

Mary blickt ihn verstört an.

„So wie du jetzt aussiehst, haben deine Kolleginnen auch ausgesehen, kurz bevor sie verschwunden sind. Es ist nur eine Frage der Zeit. Ich weiß noch, wie du ausgesehen hast, bevor du Cyr zugesagt hast.“

Stille Tränen laufen Mary über die Wangen.

„Mich kannst du nicht täuschen mit deiner Sonnenbrille, deinem Schal und mit den anderen Hilfsmitteln, zu denen du gelegentlich greifst...“

Marys Hände haben zu zittern angefangen.

„Er wird dich umbringen, Mary.“

Mary wischt sich die Tränen aus den Augen. Schluchzend stößt sie jetzt hoch.

Dawn streichelt ihre Wange. „Lass dir von mir helfen, Mary. Es ist noch nicht zu spät. Du wirst wieder so schön sein, wie du es warst, bevor du bei Cyr angefangen hast. Ich kann dich auch von diesen Drinks wegbringen“, sagt er, obwohl er weiß, dass sie es ohne nicht schaffen wird. Abgesehen davon ist der Schaden, den die Droge in ihrem Gehirn bereits angerichtet hat, irreparabel.

Mary sieht ihn hoffnungsvoll an. „Was willst du tun“, schnieft sie.

„Nicht ich. Du wirst etwas tun…“, grinst er.

ImageZuerst versetzt er ihr einen Schlag ins Gesicht. Mary taumelt benommen ein paar Schritte rückwärts und hält sich die Nase. Blut quillt zwischen ihren dünnen Knöchel hervor und tropft von ihren Handgelenken und Ellenbogen auf den Boden. Energisch tritt er auf sie zu, packt sie am Haar. Mary wimmert vor Schmerz. „Das hättest du dir vorher überlegen sollen, du dumme Nutte!“ Er hält sie mit seiner linken Hand am Haar fest, versetzt ihr mit der rechten einen harten Schlag gegen den Kopf. Mary schluchzt bitterlich. „T.D., hilf mir!“

Sofort ist T.D. an seiner Seite. Cyr zerrt Mary in Richtung Bett, wirft sie auf die Matratze, setzt sich auf sie, packt sie an den Handgelenken und drückt ihre Arme nach hinten. „Nimm die beiden Handschellen aus der Nachttischschublade und mach sie an den Bettpfosten fest!“

Eifrig macht T.D. sich an die Arbeit. Mary leistet keinen Widerstand. Still hinnehmend, was mit ihr geschieht. Sie stößt lediglich von Zeit zu Zeit schluchzend hoch.

Im Nu ist Mary festgebunden. Mit den Handschellen ist T.D. inzwischen schnell. Artig stellt er sich anschließend an die Wand links vom Bett. Mit großen Augen sieht er dabei zu, wie Cyr seinen angeschwollenen Penis aus der Hose holt, Mary die Beine grob ...

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