Logo weiterlesen.de
Fünf Sterne für die Leidenschaft

Catherine Mann

Fünf Sterne für die Leidenschaft

1. KAPITEL

Mit seinen kräftigen Händen strich er ihr zärtlich über den nackten Rücken.

Bella Hudson biss sich auf die Unterlippe, um nicht laut aufzustöhnen. Dabei kamen ihr ihre Schauspiel-Ausbildung und die Selbstbeherrschung, die sie dabei erlernt hatte, zugute. So gelang es ihr, ruhig zu bleiben, während Henri mit seinen geradezu magischen Händen ihren eingeölten Körper massierte.

Sie spürte, wie sich ihre Muskeln entspannten, während sie mit dem Gesicht nach unten auf der Massageliege ruhte. Der Duft der Aromatherapie-Kerzen stieg ihr in die Nase. Die Klänge französischer Weihnachtslieder vermischten sich mit dem beruhigenden Rauschen des Meers.

Sie fühlte sich unsagbar wohl, entspannt und glücklich. Aber sie wusste, dieser Zustand würde nicht lange andauern.

Die Berührungen dieses Mannes – des zweiundsechzigjährigen Masseurs Henri – waren die einzigen, die sie in absehbarer Zeit von einem Mann erfahren würde, das war ihr klar. Denn ihr Freund, ein Schauspielkollege, hatte gerade erst auf äußerst brutale Weise mit ihr Schluss gemacht. Als sie daran zurückdachte, war Bellas Entspannung augenblicklich dahin.

Nach dieser bitteren Enttäuschung hatte sie sich ihr geliebtes Hündchen Muffin geschnappt und war aus den USA nach Frankreich gereist, ja geradezu geflohen. Im „Garrison-Grandhotel Marseille“ direkt am Mittelmeer wollte sie sich entspannen und ihren inneren Frieden wiederfinden. Schließlich waren Garrison-Hotels dafür bekannt, den besten Service zu bieten.

Hier, weit weg von Hollywood, konnte sie wenigstens sicher sein, nicht zufällig ihrem Exfreund Ridley über den Weg zu laufen. Oder – noch schlimmer – ihrem Onkel David.

Männer! Verbrecher waren sie, allesamt! Na ja, abgesehen von Henri vielleicht, der verheiratet und ohnehin viel zu alt für sie war. Henri mit den magischen Händen, dessen Massage ihr so guttat.

„Henri, seid ihr eigentlich glücklich, du und deine Frau?“

„Mais oui, Mademoiselle Hudson, aber ja. Monique und ich sind sehr glücklich. Und das nach vierzig Jahren Ehe, mit drei Kindern und zehn Enkelkindern. Meine Monique ist immer noch wunderschön.“

Fast bereute sie, ihn nach seiner Ehe gefragt zu haben, denn nun begann er beinah, das Hohelied der Liebe zu singen und seine Frau in den höchsten Tönen zu preisen. Einerseits fand sie das süß und rührend, aber andererseits wurde ihr richtiggehend übel davon.

Ja, sie hatte wirklich geglaubt, Ridley würde sie lieben. Bis er ihr dann plötzlich eröffnet hatte, dass er sich wohl etwas vorgemacht, seine Filmrolle mit dem wahren Leben verwechselt hätte. Denn in dem Film „Ehre“, der die Liebesgeschichte von Isabellas Großeltern während des Zweiten Weltkrieges erzählte, spielten sie das Liebespaar.

Das Ende ihrer Beziehung mit Ridley war allerdings nicht die einzige Enttäuschung gewesen, die sie erfahren hatte. Denn da war auch noch die Sache mit ihren Eltern gewesen. Bella hatte immer geglaubt, die beiden würden sich wirklich lieben. Aber Pustekuchen!

Ihre Mutter war fremdgegangen. Sie hatte mit ihrem Schwager geschlafen – und nun war herausgekommen, dass Bellas Onkel David in Wirklichkeit ihr leiblicher Vater war. Ihre beiden Cousins waren also ihre Halbbrüder. Himmel, welche Abgründe sich da auftaten! Mit der Geschichte könnten sie gut und gern in einer dieser Nachmittagstalkshows auftreten!

Da half auch Henris gefühlvolle Massage nichts mehr.

Plötzlich ertönten draußen Geräusche. Henri bedeckte Bella mit einem Badetuch. „Mademoiselle Hudson, schnell, stehen Sie auf.“

„Was ist denn los?“, fragte sie verwirrt und öffnete die Augen.

Henri war zur Tür geeilt und versuchte, jemandem den Eintritt zu verwehren.

Jemandem mit einer Kamera.

So ein Mist! Isabella sprang auf und hüllte sich in das Badetuch.

„Paparazzi! Laufen Sie, schnell!“ Henris Stimme überschlug sich beinah. „Sie müssen sich in Sicherheit bringen. Monsieur Garrison legt höchsten Wert darauf, dass seine Hotelgäste nicht von der Presse belästigt werden. Wenn das hier rauskommt, wird er mich entlassen. Und dann bringt meine Frau mich um. Wenn sie wütend wird, oh là là, dann habe ich nichts zu lachen!“

So viel also zur glücklichen Ehe von Henri und Monique.

„Aber verflixt, wo soll ich denn hin?“ Bella drehte sich weg von der Tür – und der Kamera – und stellte sicher, dass das Badetuch auch ihren Po bedeckte. Schnell griff sie nach dem Tragekörbchen, in dem ihr Hündchen Muffin sich befand.

Zur Eingangstür konnte sie nicht hinaus. Dort mühte sich Henri, den Fotografen abzuhalten.

„Der Wandschirm“, rief Henri keuchend vor Anstrengung. „Hinter dem Wandschirm befindet sich noch eine Tür. Beeilen Sie sich, Mademoiselle Bella, ich halte solange den Eindringling ab.“

Henri mochte zwar kräftige Hände haben, aber auf Dauer hatte er gegen den Paparazzo keine Chance. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis …

Mit der einen Hand hielt sie das Badetuch, um ihre Blöße zu bedecken, in der anderen Hand trug sie das Hundekörbchen. Hinter dem Wandschirm fand sie die schmale Ausgangstür. In akrobatischer Verrenkung drückte sie mit ihrem Po den Türgriff herunter.

Ein menschenleerer Flur lag vor ihr, der im Gegensatz zum übrigen Hotel nüchtern und schmucklos wirkte. Wahrscheinlich handelte es sich um den Verwaltungstrakt. Links und rechts befanden sich Bürotüren, die allesamt geschlossen waren. Wenn sie Pech hatte, waren hier noch ein paar Angestellte bei der Arbeit, die Überstunden machten. Aber selbst einem von ihnen über den Weg zu laufen war immer noch angenehmer, als durch die belebte Hotellobby zu flüchten.

„Okay, Muffin, drück mir die Pfötchen. Auf geht’s.“

Ihr Schmusehündchen gähnte nur gelangweilt.

Im Flur brannte nur noch die dezente Nachtbeleuchtung. Barfuß ging Bella den dicken Perserteppich entlang, bis sie zur ersten Bürotür kam.

Verflixt. Sie war abgeschlossen.

Verzweifelt probierte sie es an der nächsten Tür, dann an der übernächsten und so weiter. Alle waren versperrt. So ein Mist!

Plötzlich vernahm sie hinter sich ein Geräusch. Sie blickte über die Schulter und …

Klick. Klick. Klick.

Diese Geräusche kamen ihr nur allzu bekannt vor. Es war das Klicken einer Kamera. Der nicht besonders hochgewachsene, aber kräftige Fotograf musste irgendwie an Henri vorbeigekommen sein.

Bella erhöhte ihr Tempo. Muffins Tragekörbchen stieß gegen ihre Beine. Sie war daran gewöhnt, ständig irgendwelchen lästigen Presseleuten entwischen zu müssen. Mit ihren fünfundzwanzig Jahren hatte sie bereits reichlich Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt, denn ihre berühmte Familie stand stets im Mittelpunkt des Interesses.

An den Wänden hingen gerahmte Fotos verdienter Mitarbeiter, die sie anzustarren schienen. Als sie um die Ecke bog, erblickte sie eine Mahagonitür, die leicht offen stand. Gott sei Dank! Im Zimmer brannte kein Licht, wahrscheinlich hatte nur jemand vergessen, es abzuschließen. Darin würde sie sich verkriechen, wenn möglich die Tür von innen verriegeln und telefonisch um Hilfe bitten.

Keuchend rannte sie die letzten Schritte, drängte sich durch die Tür … und prallte geradewegs gegen den muskulösen Brustkorb eines Mannes.

Immerhin kein Paparazzo, aber dennoch ein Mann, ein sehr großer und kräftig gebauter noch dazu. Sie sah hoch und blickte in seine Augen. Sofort erkannte sie ihn, sie hatte sein Foto oft genug in den Zeitungen gesehen. Jeder kannte das Gesicht dieses dunkelhaarigen unverheirateten Milliardärs. Er war vierunddreißig und tauchte ständig in den Listen der begehrtesten Junggesellen auf. Dieser gebürtige Amerikaner, der im Ausland lebte, hatte schon überall auf der Welt zahllose Herzen gebrochen.

Sie war dem Hotelmagnaten Sam Garrison direkt in die Arme gelaufen.

Verdutzt sah Sam die Schauspielerin Isabella Hudson an. In ihren Augen las er blanke Panik.

Warum, zum Teufel, stand sie nackt in seinem Büro, von dem Badetuch einmal abgesehen?

Er hatte ständig berühmte Gäste in seinen Hotels, und an deren oft exzentrisches Verhalten hatte er sich längst gewöhnt. Aber eine Prominente, die halbnackt durch den Verwaltungstrakt rannte? Das war selbst für ihn neu.

Fordernd sah er sie an. Er wartete auf eine Erklärung. Ihren verlockenden Körper brauchte er gar nicht anzuschauen – er spürte ihn nur allzu deutlich an seinen geschmiegt.

„Ein … ein Fotograf“, stotterte sie und drängte sich noch dichter an ihn. „Ein Paparazzo ist hinter mir her.“

Seine sexuelle Erregung wich augenblicklich kühler Sachlichkeit. Wie er diese Paparazzi hasste, diese üblen Auswüchse der Klatschpresse!

Es war ihm das Allerwichtigste, dass die Gäste in seinen Hotels unbehelligt von diesen Schnüfflern blieben. Nur so konnte er die hochkarätige Kundschaft halten, die ihm seinen Reichtum sicherte. Wenn dieser Vorfall bekannt würde, könnte ihn das viel Geld und Ansehen kosten. Sehr viel Geld und Ansehen. Und nichts war ihm wichtiger als der Erfolg seiner Hotels.

Nicht einmal diese wunderschönen Brüste konnten ihn davon ablenken.

Sicher ist sie gerade bei einem heißen Rendezvous mit einem Mann gestört worden, dachte er. Aber wo war der Mann? Er musste ein ganz schöner Feigling sein, wenn er sich davongeschlichen hatte, während sie nackt, ihre Blöße kaum von einem Badetuch bedeckt, vor einem Schmuddelfotografen flüchtete.

Vielleicht war der Typ verheiratet. Oder ein bekannter Politiker, für den das Techtelmechtel das Ende seiner Karriere bedeutet hätte.

Wenn das herauskam … Nun, die Konsequenzen mochte er sich gar nicht ausmalen. Diese heißblütige, temperamentvolle Schauspielerin könnte ihm jede Menge Ärger einbringen!

Sam fasste sie an den Schultern. Der kleine Hundekorb stieß gegen sein Knie. „Bleiben Sie in meinem Büro. Ich kümmere mich um die Angelegenheit.“

„Vielen Dank. Aber bitte beeilen Sie sich.“ Sie flüchtete in sein Büro, und er bemerkte, dass sie an einem Zeh einen goldenen Ring trug. „Er war mir schon ziemlich dicht auf den Fersen …“

Im Flur hörte man Schritte.

In den vergangenen zehn Jahren hatte Sam sich fast ausschließlich um die Verwaltung der Hotels gekümmert, die seine Familie auf der ganzen Welt besaß. Er hatte dafür Sorge getragen, dass die wohlhabenden Gäste im Luxus schwelgten und ihre Privatsphäre gewahrt blieb. Aber auch der Leiter einer Hotelkette musste manchmal die Ärmel hochkrempeln und selber mit anpacken, gelegentlich sogar den Rausschmeißer spielen.

Heute war es mal wieder so weit.

Entschlossen trat er in den Flur und wartete. Er hörte, wie Bella im Büro ihr Hündchen beruhigte, das aufgeregt winselte.

Die Schritte wurden lauter.

Als der Verfolger um die Ecke bog, stürzte Sam sich auf ihn und riss ihn zu Boden. Er erkannte den Mann sofort. Er war freier Mitarbeiter eines großen Klatschblattes, der für seine rüden Methoden berüchtigt war.

Jetzt allerdings konnte er sich einen neuen Job suchen. Gleich am nächsten Morgen würde Sam nämlich dafür sorgen, dass der Typ gefeuert wurde.

Im Büro bellte Bellas Hündchen, als wollte es ihm Beifall zollen.

„Mein Sicherheitsdienst begleitet Sie gleich vor die Tür“, erklärte Sam bedrohlich leise. „Sie sind bei uns im Hause nicht mehr erwünscht. Ihre Zeitschrift wird von sämtlichen Pressekonferenzen in den Garrison-Hotels ausgeschlossen, solange Sie noch für sie arbeiten.“

Das würde der Chefredakteur des Blattes niemals riskieren. Da gab er eher einem bewährten Mitarbeiter den Laufpass.

„Ich … ich habe doch nur meine Arbeit gemacht“, stotterte der Fotograf.

„Und ich die meine.“ Noch immer hielt er den Mann auf den Boden gedrückt.

Der Paparazzo seufzte resigniert. Er hatte verstanden. Sam verminderte den Druck etwas. „Falls Sie je einen anderen Job finden – vielleicht erinnert Sie diese Lektion daran, dass man mit den Gästen meiner Hotels etwas höflicher umgeht.“

Der kleine Hund kam auf den Flur geflitzt und knurrte den Fotografen bedrohlich an. Dabei gab er ein äußerst komisches Bild ab, denn er war so winzig, dass er nicht mal einer Maus Angst eingejagt hätte.

Ist das überhaupt ein Hund?, fragte Sam sich amüsiert. Das Tierchen ähnelte keiner ihm bekannten Rasse. Am ehesten sah es aus wie ein Topfschwamm auf Beinen.

„Muffin!“, schrie Bella auf und lugte hinter der Tür hervor.

Instinktiv griff der Fotograf nach seiner Kamera.

„So weit kommt’s noch“, rief Sam wütend und entriss dem Paparazzo die Kamera. Als der Mann sich aufrichten wollte, drückte Sam ihn erneut zu Boden. Plötzlich trat Muffin in Aktion, sprang los – und landete genau auf dem Gesicht des Fotografen. Der Mann stöhnte auf.

Aus nächster Nähe knurrte Muffin ihn an. Sam öffnete die Kamera und zog den Speicherchip heraus. Nachdenklich hielt er das kleine Plastikteil in der Hand. Dann erhellte sich seine Miene plötzlich.

„Muffin“, rief er und sah den Hund an. „Fass!“

Er warf den Speicherchip – auf dem sich mit Sicherheit Dutzende, wenn nicht Hunderte wertvoller Fotos befanden – Muffin zu, und mit erstaunlicher Geschicklichkeit fing das Hündchen den Chip mit den Zähnen in der Luft auf.

Dann hörte man knackende und mahlende Geräusche.

Die gespeicherten Daten waren unwiderruflich vernichtet. Der Fotograf stöhnte auf.

Von der Tür her ertönte Bellas lautes Lachen.

Sam wandte sich um und sah sie an.

Zwar hielt sie ihre Blöße mit dem Badetuch bedeckt, dennoch bot sie einen umwerfend erotischen Anblick. Das feuerrote Haar fiel ihr auf die Schultern. Mit wem sie wohl gerade eben noch im Bett gewesen ist?, fragte er sich. Sie ist einfach großartig. Zwar war sie ihm früher schon ab und zu aufgefallen, wenn sie sich zufällig auf einer Party über den Weg gelaufen waren, aber sie so zu erleben – das war etwas ganz anderes.

In diesem Moment kamen Masseur Henri und ein Sicherheitsmann angerannt. „Brauchen Sie Hilfe, Monsieur Garrison?“, fragte Henri.

Ach so, sie hat sich eben massieren lassen, schoss es Sam durch den Kopf. Und ich dachte, sie hätte wilden Sex gehabt. Aber kein Wunder – beim Anblick dieser Frau muss man unweigerlich an Sex denken.

„Setzt diesen miesen Schnüffler vor die Tür“, befahl er Henri und dem Sicherheitsmann. „Er hat Hausverbot auf Lebenszeit. In allen meinen Hotels.“ Sam hatte selbst genug Erfahrungen mit Paparazzi sammeln müssen. Er wusste, wie viel Leid Skandaljournalisten über ihre Opfer bringen konnten.

Als der Sicherheitsmann den Fotografen wie ein Häuflein Elend abführte, wandte Sam sich wieder der verführerischen Hollywood-Diva zu.

Sie kniete neben ihrem Hund und streichelte ihn. „Jetzt lass gut sein, Muffin“, beruhigte sie ihn und versuchte den zerbissenen Speicherchip zwischen seinen Zähnen hervorzuziehen. „Das hast du ganz toll gemacht, aber ich möchte nicht, dass du an diesem Plastikdings erstickst.“

Sam schnippte mit den Fingern.

Überrascht wandte das Hündchen den Kopf in seine Richtung – und spuckte den Speicherchip aus.

Bewundernd sah Bella Sam an. Sie nahm Muffin auf den Arm und stand auf, wobei es ihr nur mit Mühe gelang, das Badetuch am Körper festzuhalten.

Das Begehren, das er bei ihrem Anblick sofort verspürt hatte, wurde immer stärker. In diesem Augenblick fasste er einen Entschluss.

Bella Hudson sollte sein Hotel nicht verlassen, bevor er sie besser kennengelernt hatte. Sehr viel besser.

2. KAPITEL

Bella musterte ihren Retter. Verflixt sexy sah er aus.

Er war nicht nur groß und muskulös, sondern strahlte auch eine enorme Autorität aus. Selbst hier auf dem Flur, in dieser Situation – und sicher noch viel mehr in irgendwelchen Vorstandssitzungen. Sein kastanienbraunes Haar war kurz geschnitten, fast wie beim Militär, und sein Blick war fest und sicher. Er war kräftig genug, um es mit jedem aufzunehmen, jederzeit, andererseits vermittelte er den Eindruck, dass er es nicht nötig hatte, sich auf körperliche Auseinandersetzungen einzulassen. Seine teure Kleidung und seine Schuhe zeigten, dass er ein Mann von Welt war – wohlhabend und unabhängig.

„Vielen, vielen Dank für Ihre Hilfe“, sagte sie und reichte ihm die rechte Hand, während sie mit der linken das Badetuch festhielt. „Mein Name ist Bella Hudson.“

Wahrscheinlich wusste er ohnehin, wer sie war. Die meisten Menschen erkannten sie sofort, was auch kein Wunder war, seit die Werbekampagne für den Film „Ehre“ angelaufen war. Plakate mit ihrem Gesicht hingen überall in den USA und Europa. Andererseits schien es ihr überheblich, gleich davon auszugehen, dass jeder sie kennen musste. Ihr war es ohnehin wichtig, ihr Leben so normal wie möglich zu führen.

Falls es normal war, halbnackt vor einem besessenen Reporter davonzulaufen.

„Oh, ich weiß, wer Sie sind“, entgegnete er und erwiderte ihren Händedruck. „Mein Name ist Sam Garrison.“

„Und ich weiß auch, wer Sie sind“, gab sie zurück. Sein fester Händedruck jagte ihr Schauer über den Rücken.

Oh Mann!

Bella konnte nicht leugnen, dass dieser Sam Garrison eine gewisse Wirkung auf sie hatte. Dabei war sie doch nach Frankreich gekommen, um ihre romantischen Gefühle zu begraben. Verflixt noch mal!

„Ich muss gestehen, ich bin überrascht“, sagte sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass ein schwerreicher Mann wie Sie so gut im Nahkampf ist.“

Die Hotelbesitzerfamilie Garrison war als äußerst wohlhabend bekannt; sie besaß sogar mehr Vermögen als Bellas Familie, die Hudsons, die ihren Reichtum im Filmgeschäft gemacht hatte. Bella war nun wirklich nicht in Armut aufgewachsen, aber die Garrisons toppten alles.

„Ach, Sie meinen, reiche Leute sind nicht in der Lage, sich selbst zu verteidigen?“ Er führte sie zurück in sein Büro.

„Dafür hat man doch Bodyguards.“ Sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass sie im Massagesalon des Hotels einen brauchen würde.

„Meine Kämpfe fechte ich lieber selber aus“, erwiderte er lächelnd. „So habe ich es immer gehalten.“

Es ist ein komisches Gefühl, hier so mit ihm allein zu sein, dachte sie. Ich habe doch der Männerwelt gerade erst abgeschworen, und jetzt stehe ich hier mit diesem Mann, der so sexy ist – und ein bekannter Verführer obendrein.

In der Vergangenheit war sie ihm schon ein paar Mal über den Weg gelaufen, weil ihre Familien oft die gleichen Wohltätigkeitsveranstaltungen, Partys und Galas besuchten. Solche Events gehörten einfach dazu, wenn man in einer gewissen Liga mitspielte.

Natürlich war ihr schon früher aufgefallen, was für ein attraktiver Mann er war. Andererseits war er fast zehn Jahre älter als sie und passte daher nicht recht in ihr Beuteschema. Warum fühlte sie sich dann jetzt plötzlich so zu ihm hingezogen? Nur weil er einen lästigen Paparazzo umgehauen hatte?

Ein wohliger Schauer erfasste sie. Doch sie war Schauspielerin genug, sich ihre Aufregung nicht anmerken zu lassen. Wahrscheinlich war sie nur so beeindruckt von ihm, weil die Trennung von ihrem Freund sie so durcheinandergebracht hatte. Ganz zu schweigen von dem Schock, den sie erlitten hatte, als die Affäre ihrer Mutter mit ihrem Onkel an die Öffentlichkeit gekommen war.

Das alles war Grund genug, sich so schnell wie möglich in ihre Hotelsuite zurückzuziehen und ein entspannendes Schaumbad zu nehmen. Weit weg von allen Männern. Bis sie endlich ihr seelisches Gleichgewicht wiedergefunden hatte. „Nochmals vielen Dank für die Rettung. Wenn Sie mir jetzt noch verraten könnten, wie ich in meine Suite komme, ohne dass ich die Hotellobby durchqueren muss …?“

„Es tut mir wirklich leid, dass Sie das durchmachen mussten.“ Er hob Muffin hoch und verstaute das Hündchen wieder in seinem Tragekorb. Hatte er ihre Frage überhaupt gehört? „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Gäste in unseren Häusern abgeschirmt sind und nicht von Paparazzi behelligt werden. Sie können sich darauf verlassen, dass ich der Sache nachgehen werde. Ich finde heraus, wer schuld daran war, dass der Mann sich einschleichen konnte, und werde dann …“

„Ist schon in Ordnung.“ Sie griff nach dem Tragekörbchen. „Natürlich macht es mir keinen Spaß, dass die Presse ständig hinter mir her ist. Aber mir ist schon klar, dass ich das in Kauf nehmen muss – einerseits, weil ich Mitglied einer sehr berühmten Familie bin, andererseits, weil ich diesen Beruf ausübe, den ich ja auch liebe. Meistens macht es mir auch nicht so viel aus.“ Sie räusperte sich. „Es ist nur so, dass ich … na ja, sagen wir, der Monat ist bisher für mich nicht besonders gut gelaufen.“

Er hielt das Körbchen fest, statt es ihr zu übergeben. „Dann erlauben Sie mir, Sie ein wenig aufzuheitern.“

He, ganz langsam, Freundchen! Sie trat einen Schritt zurück. „Wenn Sie mir ein paar Kleider besorgen könnten, wäre mir das schon eine große Hilfe. Nur mit dem Badetuch um den Körper möchte ich nicht mal raus auf den Flur gehen.“

„Im Nebenzimmer habe ich einen eigenen Aufzug, der uns direkt in meine Suite bringt.“ Er kam ihr näher. „Meine Angestellten können Ihre Kleider dorthin bringen. Und auch ein Abendessen.“

„Abendessen?“, fragte sie misstrauisch.

Beruhigend lächelte er sie an. „Unser Küchenchef besitzt internationales Renommee. Ich brauche ihm nur Bescheid zu sagen, und er zaubert Ihnen alles, was Ihr Herz begehrt.“

Wie wär’s mit einem Hamburger zum Mitnehmen?, dachte sie. Denn ich sollte mich schnellstens aus dem Staub machen. Zurück in meine Suite und den Abend wie eine einsame alte Jungfer verbringen – zusammen mit Muffin einen romantischen Frauenfilm anschauen und mir dann vor Rührung die Augen ausheulen. So wie ich es gestern und vorgestern auch gemacht habe.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "5 Sterne für die Leidenschaft" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen