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2012 - Folge 11

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Menschheitsdämmerung
  4. Leserseite
  5. Vorschau

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Menschheitsdämmerung

von Oliver Fröhlich

Plötzlich überkam Tom Ericson das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Sein Instinkt verriet ihm, dass Maria Luisa und er nicht mehr allein waren.

Das Dröhnen des Föhns brüllte jeden Laut nieder, der jenseits der Badezimmertür im Hotelzimmer erklungen sein mochte, und doch wusste der Archäologe mit einem Mal, dass dort ein Eindringling auf sie wartete.

Die Spanierin schien seine Anspannung zu bemerken und schaltete den Föhn aus. »Was …?«, begann sie. Er legte den Finger auf die Lippen und sie verstummte. Tom lauschte. Nichts zu hören. Spielte ihm seine Phantasie einen Streich?

Behutsam zog er die Tür auf – und starrte in die Mündung einer Pistole.

Er erkannte sie auf Anhieb wieder – die SIG Sauer, die sie diesem Interpol-Polizisten abgenommen hatten. Auch wenn sich Maria Luisa in der Gegenwart von Waffen unwohl fühlte, wollte Tom die Pistole immer griffbereit wissen, falls die Loge sie im MILLENNIO aufspürte. Deshalb hatte der Archäologe sie auf das Nachttischchen gelegt – und dort liegen lassen, als er mit Maria Luisa ins Bad gegangen war. Wie konnte man nur so dämlich sein?

Das erste Gefühl, das ihn überkam, war Wut auf sich selbst. Das zweite war Überraschung – als er den Mann erkannte, der die Waffe auf ihn richtete.

Commissioner Spencer McDevonshire von Interpol!

Krampfhaft überlegte Tom, welchen Fehler sie begangen hatten, dass die Polizei sie in Rieti ausfindig machen konnte. Ihm fiel keiner ein.

»Sie?«, fragte er einsilbig.

»Ich«, bestätigte der hochgewachsene Mann. Mit freundlicher Stimme, die im krassen Gegensatz zu seinem von Kratzern und blauen Flecken geschundenen Gesicht stand, fügte er hinzu: »So schnell sieht man sich wieder. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diesmal nicht so plötzlich verschwänden.«

Damit spielte er auf ihre erste Begegnung in Stonehenge an. Damals waren sie mit Hilfe des Temporators, einer Zeitstopp-Maschine aus dem geheimnisvollen Raum jenseits der Welt, entkommen.

Das zweite Mal war es McDevonshire gelungen, sie außerhalb von Tivoli bei Rom aufzuspüren, als sie den historischen Ballon gelandet hatten, aus dem kurz zuvor Alejandro abgestürzt war.

Die Erinnerung ließ einen eisigen Stich durch sein Herz gehen. Was war nur alles geschehen, seit er sich mit dieser Loge angelegt hatte? Wie viele Menschen hatten ihr Leben lassen müssen? Ihm wurde bewusst, wie müde er sich fühlte.

»Wie haben Sie uns gefunden?«, fragte er matt.

»Wir haben keine Zeit für lange Erklärungen«, sagte McDevonshire. »Auch wenn Sie es im Augenblick nicht glauben wollen: Ich bin nicht Ihr Feind.«

»Sagt der Mann hinter der Pistole«, ließ sich Maria Luisa vernehmen und zitierte damit einen Satz des Commissioners bei ihrer zweiten Begegnung.

McDevonshire lächelte. »Touché. Wenn Sie mir versprechen, dass Sie nicht versuchen, mich noch einmal zu überrumpeln, werde ich sie runternehmen.«

»Warum sollten Sie uns so ein Versprechen abkaufen?«, fragte Tom.

»Wie ich sagte: Ich bin nicht Ihr Feind. Der kann aber jeden Augenblick hier eintreffen.« Mit dem bärtigen Kinn deutete er zum Fenster.

Maria Luisa schob sich an Tom vorbei und spähte durch die Scheibe. »Er hat recht! Da stehen zwei Indios in Anzügen vor dem Internet-Café. Sie -« Die Spanierin zuckte zurück. »Sie haben zu mir hochgesehen!«

»Haben sie dich entdeckt?«

»Ich weiß es nicht. Vielleicht.«

Toms Blick pendelte zwischen Maria Luisa und der Waffenmündung hin und her. »Na schön, ich glaube Ihnen. Stecken Sie das Ding weg!«

McDevonshire schob die SIG Sauer in ein Schulterhalfter unter seiner Jacke. »Ich schlage vor, Sie packen die allernötigsten Sachen zusammen und wir sehen zu, dass wir von hier verschwinden.«

Hastig schlüpfte Tom in seine Hose. Dann raffte er die Tasche mit der Kladde und Diego de Landas Aufzeichnungen zusammen. Die Wörterbücher ließ er liegen; er benötigte sie nicht mehr und sie stellten nur unnötigen Ballast dar.

Sie hasteten hinaus auf den Gang. Stickige Düsternis empfing sie. Das Ergebnis einer Mischung aus ungeputzten Fenstern und dicken Regenwolken, die über Italien hingen und den Tag wenn schon nicht zur Nacht, dann doch wenigstens zum Spätabend machten. Die wenigen funktionierenden Lampen im Gang bemühten sich vergebens, dem entgegenzuwirken.

Tom hatte das MILLENNIO unter anderem deshalb als Unterschlupf gewählt, weil es so heruntergekommen war, dass der Inhaber über jeden Gast froh war und sich nicht damit aufhielt, die Personalien seiner Gäste aufzunehmen. Nun erwies sich die Wahl als unglücklich, denn das Haus verfügte zwar über einen Aufzug, doch selbst das Schild mit der Aufschrift Disabilitato war schon so ausgebleicht, dass Tom sich fragte, in welchem Jahrzehnt der Lift zuletzt funktioniert hatte.

Sie hetzten auf eine Tür zu, über der ein grünes, zur Hälfte beleuchtetes Schild mit einem fliehenden Mann zu sehen war: der Notausgang.

Tom drückte die Klinke und fluchte. »Verschlossen!«

Damit blieb ihnen als Fluchtweg nur noch das Treppenhaus. Und über das würden die Indios kommen.

»Hier entlang! Schnell!« McDevonshires Stimme hatte jede Höflichkeit verloren.

Sie kehrten um, kamen wieder an ihrem Zimmer vorbei und hasteten weiter in Richtung des Hauptaufgangs. Ein paar Meter vor dem Treppenhaus blieb der Commissioner stehen. Tom hörte Schritte die Stufen heraufkommen. Und das unverständliche Flüstern von Männern.

Die Indios? Natürlich, wer sonst? Sie brauchten ein Versteck, und zwar pronto!

Zu seiner Linken ertönte ein leises Klicken.

Zumindest äußerlich ließ sich McDevonshire nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem Dietrich rührte er im Schloss der Tür, vor der sie stehen geblieben waren. Sein Blick verriet höchste Konzentration, während die Schritte auf der Treppe stetig lauter wurden. Ein letztes Klacken und die Tür öffnete sich. Sie huschten hinein. Keinen Augenblick zu früh. Kurz bevor sie wieder zuschwang, sah Tom die Indios die Stufen heraufkommen.

Hatten die Logenmitglieder sie entdeckt?

McDevonshire drückte die Tür nicht ins Schloss. Vermutlich wollte er verräterische Geräusche vermeiden.

Dunkelheit und der Geruch nach Bohnerwachs und Putzmittel umgaben sie. Sie waren in einem Abstellraum für Reinigungsbedarf gelandet. Bei dem Zustand, den das MILLENNIO aufwies, wunderte sich Tom, dass so ein Raum überhaupt existierte.

Die Schritte näherten sich. Unbewusst hielt Tom die Luft an, doch die Indios passierten das Versteck, ohne innezuhalten. Als sie einen Quergang betraten, zog McDevonshire die Tür auf. »Schnell! Sie werden bald merken, dass wir ausgeflogen sind.«

Sie liefen die Treppen hinunter bis ins Erdgeschoss. Maria Luisa wandte sich in Richtung der Rezeption und des danebenliegenden Ausgangs, doch McDevonshire hielt sie zurück.

»Lasst uns besser den Hinterausgang nehmen«, sagte Tom. »Wir wissen nicht, ob draußen noch jemand auf uns wartet.« Und zum Commissioner: »Was machen wir jetzt?«

»Als Erstes sagen Sie mir bitte, wo der Wagen steht, den Sie mir gestohlen haben.«

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Sie rannten zu dem hoteleigenen Parkplatz, auf dem Tom den Fiat 500 abgestellt hatte. Glücklicherweise war er von der Straße aus schlecht einsehbar.

»Schlüssel!«, forderte McDevonshire.

Tom warf ihn ihm zu. Zu seiner Überraschung setzte sich der Commissioner jedoch nicht hinter das Lenkrad, sondern kippte die Lehne des Fahrersitzes nach vorne und beugte sich in den hinteren Fußraum.

»Was tun Sie da?«, verlangte Tom zu wissen. »Lassen Sie uns lieber verschwinden!«

McDevonshire tauchte auf, lächelte den Archäologen an und reckte ihm ein Handy entgegen. »Verschwinden? Sollten wir nicht besser nach dem Stützpunkt dieser Loge suchen?«

»Natürlich, aber …«

»Folgen Sie mir bitte.«

Sie liefen am MILLENNIO vorbei auf die Straße zu, was Tom gar nicht schmeckte, dennoch schluckte er einen Protest herunter. Der Commissioner schien genau zu wissen, was er tat.

Als sie einen anderen Fiat 500 erreichten, blieb McDevonshire stehen und sperrte die Tür auf. »Steigen Sie ein. Ich komme gleich zu Ihnen.«

Maria Luisa kletterte auf den Rücksitz. Tom nahm auf der Beifahrerseite Platz und beobachtete von dort aus den Polizisten. »Was tut der da?«

McDevonshire überquerte die beinahe menschenleere Straße. Trotz der schweren Wolken regnete es nicht, aber ein so warmer Wind fegte zwischen den Häusern entlang, dass die meisten Leute es offenbar vorzogen, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben.

Und das zu Silvester! In den vorangegangenen Jahren hatten die Menschen um diese Zeit schon gefeiert, den Sekt kaltgestellt und die Feuerwerkskörper auf Vollständigkeit geprüft.

In den vorangegangenen Jahren hatte allerdings auch kein Komet gedroht, die Erde zu treffen.

McDevonshire lief auf einen dunklen Mercedes zu.

»Spinnt der?«, ließ Maria Luisa von hinten vernehmen. »Das ist der Wagen der Indios!«

Der Polizist riskierte nur einen kurzen Blick in den Innenraum, dann kniete er sich hinter das Auto und beugte sich unter den Kofferraum. Er zog etwas aus der Jackentasche, das Tom als eine Rolle Klebeband identifizierte. McDevonshire zog ein paar Streifen ab und klebte damit sein Handy unter den Mercedes. Das gleiche Mobiltelefon, das er Tom eben noch entgegengereckt hatte.

»Das gibt’s doch nicht«, entfuhr es dem Archäologen. »Eine solche Gerissenheit hätte ich ihm gar nicht zugetraut.«

»Was meinst du?«

»Erinnerst du dich, wie er in Tivoli unbedingt noch seine Jacke aus dem Wagen holen wollte, nachdem wir ihn überwältigt hatten?«

»Natürlich.«

»Dabei hat er sein Mobiltelefon in den Fußraum des Fiats geschmuggelt. So hat er uns gefunden! Mit einer Handyortung. Und so will er auch den Indios auf die Spur kommen.«

»Können wir ihm trauen?«, fragte Maria Luisa.

Berechtigte Frage. »Ich weiß es nicht. Ich hoffe es. Andererseits bin ich es leid, ständig vor Interpol davonzulaufen. Vielleicht ist es gut, dass er uns gefunden hat.«

Die Fahrertür öffnete sich und McDevonshire stieg ein. Als er die Tür hinter sich zuzog, zuckte ein gewaltiger Blitz über den Himmel und die Wolken öffneten ihre Schleusen. Zuerst prasselte nur Regen auf sie herab, doch bereits nach kurzer Zeit ging er in Hagel über. Draußen wurde es noch finsterer.

»Wie Sie inzwischen hoffentlich bemerkt haben, stehe ich auf Ihrer Seite«, sagte der Commissioner.

»Wodurch der plötzliche Gesinnungswandel?«, fragte Tom.

»So plötzlich kam der nicht.« McDevonshire zog ein Smartphone aus der Innentasche seines Jacketts, auf dem eine Karte und ein blinkender Pfeil zu sehen waren. Er reichte es Tom. »Hier, halten Sie das bitte. Aber seien Sie vorsichtig damit, es gehört einem Kollegen.«

»Hübscher Taschenspielertrick in Tivoli«, sagte Tom. »Ich habe wirklich nicht bemerkt, wie Sie uns Ihr Handy untergeschoben haben. Aber warum hat es so lange gedauert, bis Sie uns gefunden haben?«

McDevonshire wandte sich dem Archäologen zu und musterte ihn. Sekundenlang schwieg er, als müsse er zu einer Entscheidung finden. »Na schön«, sagte er endlich. »Ich erzähle Ihnen meine Geschichte. Und danach will ich Ihre hören. Egal, wie unglaubwürdig Sie klingt. Aber ich muss wissen, womit wir es hier zu tun haben. Einverstanden?«

»Einverstanden.«

Der Commissioner richtete den Blick geradeaus in Richtung des Mercedes. »An den Schwierigkeiten, in denen ich stecke, bin ich selbst schuld. Ich gehe nächstes Jahr in den Ruhestand. Ich hätte gemütlich die letzten Wochen ausklingen lassen können, den Schreibtisch aufräumen, Akten sortieren, Kaffee trinken. Aber nein, ich wollte ja unbedingt noch einen großen Fall lösen.«

»Unseren.«

»Richtig, Ihren. Mein Vorgesetzter war von vornherein dagegen, aber da die Zuteilung über das Interpol-Generalsekretariat in Lyon erfolgte, blieb ihm nichts anderes übrig, als es abzunicken. Leider ging vom ersten Augenblick an alles schief. Der Gendarm auf der Île de Ré ging aus heiterem Himmel auf mich los und ließ sich nicht einmal von gezielten Schüssen bremsen. Er schien völlig schmerzunempfindlich zu sein. Nachdem es mir mit einem Kopfschuss doch gelang, ihn aufzuhalten, habe ich in seiner Brust eine eigentlich tödliche Wunde gefunden. Darüber trug er aber ein unbeschädigtes Hemd.« McDevonshire lachte auf. »Als sei er nach seinem Tod noch einmal aufgestanden, habe sich umgezogen und weiter seinen Dienst verrichtet. Schreiben Sie so was mal in Ihren Bericht! Mein Vorgesetzter zog mich aus dem Außendienst ab und verbannte mich hinter den Schreibtisch.«

Tom dachte an ihre Begegnungen in Stonehenge und Tivoli. »Woran Sie sich aber nicht hielten.«

»Natürlich nicht. Jorgensen hätte vielleicht ein Einsehen gehabt, wenn es mir gelungen wäre, Sie zu schnappen. Stattdessen haben Sie mich zweimal recht dumm dastehen lassen. Konsequenz war die Suspendierung.«

»Aber jetzt sind Sie wieder im Dienst«, folgerte Tom aus der Tatsache, dass der Commissioner die Ermittlungen weiter betrieben hatte. Im gleichen Augenblick wusste er, dass er falsch lag.

»Nein. Allerdings lebt mein Vorgesetzter, der mir daraus einen Strick drehen könnte, nicht mehr. Wenn es sich nicht um einen außerordentlich skurrilen Unfall handelte, was ich nicht glaube, ist er dieser Loge zum Opfer gefallen, die hinter Ihnen her ist.«

»Ihr Vorgesetzter? Warum ausgerechnet der?«

»Ein Versehen, nehme ich an. Sie waren hinter mir her, weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte, Ihre Unschuld zu beweisen.«

McDevonshire erzählte, dass sein Sektionsleiter vor einen Bus gelaufen und sein Büro in Flammen aufgegangen war und wie ihn selbst ein Indio verfolgt hatte, um ihn zu töten. Im letzten Augenblick war es ihm gelungen, sich über einen Hinterhof in ein noch geschlossenes Museum zu retten.

»Doch dann traf mich ein Pfeil im Nacken. Nach ein paar Sekunden begannen die Wahnvorstellungen: von Schleim, der auf mich zukroch, von Neandertalern und Flugsauriern, die mir ans Leder wollten. Ich zertrümmerte einen Schaukasten und holte mir eine altertümliche Waffe, doch die half mir natürlich nicht gegen eingebildete Feinde.« Der Commissioner schauderte. »So müssen sie auch Jorgensen in den Tod getrieben haben. So absurd das heute klingen mag, aber in diesem Augenblick glaubte auch ich, der einzige Ausweg sei ein Selbstmord.«

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Vor wenigen Tagen in dem Londoner Museum

Von der Decke der Halle dröhnte ihm ein schriller Schrei entgegen. McDevonshire sah hoch – und konnte sich im letzten Augenblick zu Boden werfen, bevor der Flugsaurier ihn mit scharfen Krallen aufschlitzte.

Das packst du nicht, alter Mann!, wummerte Jorgensens Stimme durch den Raum.

Der Sektionsleiter hatte recht. Ein Kampf war aussichtslos.

Der Flugsaurier flatterte in die Höhe, um einen weiteren Angriff zu starten. Der Säbelzahntiger kam auch immer näher. Speichel troff ihm aus dem Maul. Und der Neandertaler grinste ihn höhnisch an.

»Es gibt nur einen Ausweg! Nur eine Möglichkeit, dich davor zu retten, von den Bestien getötet zu werden«, behauptete Jorgensen. »Du musst dich selbst umbringen!«

Er hat recht, dachte McDevonshire. Die Widersinnigkeit der Argumentation fiel ihm nicht auf.

Er hat recht.

McDevonshire sank auf die Knie, klemmte sich den Griff der altertümlichen Waffe zwischen die Beine und starrte von oben auf die Klingen herab.

Er war bereit zu sterben.

Da tauchte Jorgensen neben dem Neandertaler auf. Er wirkte ungeduldig. »Nun mach schon, alter Mann!«

Absurderweise fiel McDevonshire der teure Anzug seines Sektionsleiters auf. Und das Gesicht, das für einen Wimpernschlag nicht Jorgensen zu gehören schien, sondern einem Indio.

»Bist du selbst dafür zu blöd?«, ertönte die verhasste Stimme erneut, diesmal von der anderen Seite des Raums. Zum Sprung bereit saß Jorgensen auf einem Pfeiler. Er lachte.

Und da, auf dem Rücken des Säbelzahntigers, hockte noch ein Jorgensen. Sogar der Flugsaurier trug das Gesicht des Sektionsleiters.

»Tu es!«, wisperte der eine.

»Tu es!«, raunte der andere.

Nach und nach fielen sie alle in den Chor ein.

»Tu es, tu es, tu es!«

»Nein!«, brüllte McDevonshire und sprang auf. »Nicht, wenn du es befiehlst!«

Er schwang die Waffe über dem Kopf, wollte der Übermacht an den Kragen, doch die Bestien wichen immer wieder aus.

Bis zu dem Moment, als er mit der Klinge auf Widerstand traf. Ein hohles Geräusch ertönte, danach ohrenbetäubendes Scheppern und Krachen.

Dann wurde es dunkel um den Commissioner.

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»Ich hatte mehr Glück als Verstand«, beendete McDevonshire seinen Bericht. »In meinem Wahn habe ich mit dem Schwert ein riesiges Saurierskelett getroffen und zum Einsturz gebracht. Die Knochen krachten über mir zusammen. Während meiner Ohnmacht baute sich das Nervengift ab und dadurch auch mein Verlangen, Selbstmord zu begehen.«

»Was ist mit dem Indio passiert?«

»Er hat mich offenbar beobachtet, denn als das Skelett zusammenbrach, stand er ganz in meiner Nähe. Der Saurierschädel hat ihn unter sich begraben.«

»Er ist tot?«

McDevonshire nickte. »Als das Museum seine Pforten öffnete, fand man uns und brachte mich ins Krankenhaus. Dort müsste ich eigentlich jetzt noch liegen … aber ich entschied, dass es Wichtigeres zu tun gäbe, als mich auszuruhen. Nun wissen Sie auch, warum es so lange gedauert hat, bis ich Sie aufspürte.« Er deutete auf das Smartphone in Toms Hand. »Das gehört meinem Kollegen Sanderson auf der IT. Er hat eine Software aufgespielt, mit der ich mein Handy orten kann. So setzte ich mich auf Ihre Spur. Ich hatte mich gerade an der Rezeption nach der Zimmernummer erkundigt, als ich draußen den Mercedes mit den Indios vorbeifahren sah. Also lief ich zu Ihrem Zimmer, und als niemand öffnete, verschaffte ich mir Zutritt. Und hier bin ich.«

»Gerade rechtzeitig, wie mir scheint«, sagte Maria Luisa. »Sonst hätte die Loge uns gefunden.«

»Ich frage mich nur, wie!«, warf Tom ein. »Tagelang hatten wir Ruhe vor denen. Wenn sie uns nicht ebenfalls ein Handy untergeschoben haben, kann ich mir nicht erklären, wie sie das geschafft haben.«

»Ich fürchte, Ihr Gegner verfügt über Möglichkeiten, gegen die sogar Sanderson ein kleines Licht ist«, sagte McDevonshire. »Deshalb sind Sie jetzt an der Reihe. Mit wem haben wir es zu tun?«

Also berichtete Tom, was sich zugetragen hatte, seit er auf den Marquesas eine Maya-Stele gefunden hatte. Auch wenn der Commissioner einen Teil der Geschichte schon kannte, hörte er aufmerksam zu.

»Lassen Sie mich das noch einmal zusammenfassen«, sagte er, als Tom geendet hatte. »Nur um sicherzugehen, dass ich richtig verstanden habe. Ein geheimnisvoller ›weißer Gott‹ hat den Maya den Auftrag zum Bau einer Maschine erteilt, die den Weltuntergang herbeiführen soll. Die Maya haben erst mal mitgespielt, doch als ihnen durch eine … Zukunftsschau der Sinn der Konstruktion klar wurde, haben sie die Einzelteile versteckt.

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