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2012 - Folge 07

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Ein Grab im Dschungel
  4. Leserseite
  5. Vorschau

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Ein Grab im Dschungel

von Timothy Stahl

Das Fliegen eines Hubschraubers war Schwerstarbeit – jedenfalls dann, wenn die Maschine sich den Bemühungen des Piloten mit aller Gewalt widersetzte, weil sie sich wie ein waidwundes Tier praktisch nur noch zum Sterben niederlegen wollte.

Mehr als nur eine der Kugeln aus den Maschinenpistolen der Indios hatte die Robinson R44 getroffen, das Metall der Verkleidung durchschlagen und im Motor Schäden angerichtet, die Tom Ericson vom Pilotensitz aus nicht exakt bestimmen konnte. Aber die Warnlämpchen am Armaturenbrett vor ihm blinkten wie die Lichtshow in einem Techno-Club, und Alejandro Suárez vermeldete von hinten auf seine wortkarge Art und in seinem typisch teilnahmslosen Tonfall: »Feuer.«

Synchron mit Jandros schöner Schwester Maria Luisa, die auf dem Copilotensitz des Helikopters saß, warf Tom einen hastigen Blick über die Schulter. Schon zuvor war durch die haarfeinen Ritzen in der Kunststoffwandung beißender schwarzer Rauch in die enge Viersitzer-Kabine gedrungen. Jetzt leckten tatsächlich erste kleine Flammen hervor.

»Scheiße!«, fluchte Tom und wandte den Blick wieder nach vorne.

Unter ihnen erstreckte sich die Wasserfläche des Atlantiks, grau wie hingegossenes Blei und scheinbar ebenso schwer; aus der Höhe schien der Ozean nur träge zu wogen. Die Insel, von der Tom sich ihre Rettung erhoffte – seiner Einschätzung nach musste es sich dabei entweder um die Île de Ré oder die Île d’Oléron vor der französischen Westküste handeln –, war immer noch gute zweihundertfünfzig Meter entfernt. Rechts von einem Leuchtturm erstreckte sich ein langer Sandstrand, der im trüben Licht des bewölkten Tages geradezu unnatürlich weiß schimmerte, regelrecht verlockend.

Eine Verlockung, der Tom nur zu gern verfallen wollte.

Aber das Schicksal schien dagegen zu sein.

Immerhin, verfolgt wurden sie nicht. Wie Tom kurz nach ihrem Start vom Frachter gesehen hatte, war sein Sabotageakt erfolgreich gewesen: Der andere Hubschrauber, in dem die Indios Jagd auf sie machen wollten, war abgeschmiert und hinter dem Containerschiff ins Meer gestürzt.

»Wir stürzen ab«, flüsterte Maria Luisa, aber sie klang nicht panisch, sondern beinahe so passiv wie ihr autistischer Bruder, dessen Blick merkwürdig interessiert über die Fugen der Innenverkleidung wanderte und das Spiel des hervorquellenden Rauchs und der Flämmchen verfolgte, als verberge sich darin ein Muster, das sich nur ihm erschloss. Maria Luisas Finger jedoch krallten sich schmerzhaft fest in Toms Oberschenkel und sprachen eine andere, angsterfüllte Sprache.

»Wir stürzen nicht ab«, behauptete Tom. Er presste die Worte hervor, staunte aber, wie überzeugend er dabei selbst in seinen eigenen Ohren klang.

Schon im Normalflug hatte der Pilot eines Hubschraubers buchstäblich alle Hände – und Füße – voll zu tun, um die Maschine in der Luft zu halten, zumindest bei einer Fluggeschwindigkeit unterhalb hundert Stundenkilometer. Erst darüber verhielt sich ein Helikopter ähnlich wie ein Tragflächenflugzeug und war entsprechend einfach zu steuern.

Ungleich schwieriger war dieses Unterfangen bei einem Hubschrauber, der nur noch eines wollte: runter, am liebsten wie ein Stein!

Tom schüttelte sich mit einer ruckhaften Kopfbewegung den Schweiß aus dem Gesicht, der ihm von der Stirn in die Augen zu laufen drohte. Mit der Hand konnte er ihn nicht wegwischen, er brauchte beide Hände, um der Maschine seinen Willen aufzuzwingen. Seine Linke krampfte sich um den Hebel, der den Auftrieb kontrollierte, die Rechte um den eigentlichen Steuerknüppel. Mit den Füßen bediente er die Pedale, die für den Heckrotor und damit die Links-Rechts-Drehung zuständig waren.

Doch alle Hebel, Knüppel und Pedale reagierten mit geradezu spürbarem Widerwillen, mal zeitverzögert, dann gar nicht …

Noch hundertfünfzig Meter.

Komm schon, komm, schon, komm schon!, fieberte Tom. Er blinzelte, weil ihm nun doch Schweiß in die Augen rann, und er fluchte und hustete, weil ihn der Rauch von schmorendem Kunststoff in Hals und Nase brannte.

Der Motor stotterte. Immer noch fünfzig Meter über dem Wasser, ruckelte die R44 in der Luft wie über die Betonschwellen einer unsichtbaren Straße.

Nein, nein, bitte nicht, bitte nicht!, bettelte Tom in Gedanken, und irgendwer oder -was erhörte ihn. Das Stottern und Ruckeln hörten auf, für den Moment jedenfalls.

Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten, in denen die Insel, das weiß leuchtende Ufer einfach nicht näher zu rücken schienen.

Geh tiefer, geh tiefer, hämmerte es in Tom. Mit der linken Hand veränderte er die Blattstellung des Rotors, mittels eines Griffs am selben Hebel verringerte er die Motorleistung und damit das Drehmoment. Die verkrampften Finger der Hand schmerzten. Tom verkniff sich ein Stöhnen und sog die Luft scharf ein, trotz des Plastikgestanks, der sich abermals in seine Luftröhre hinabfraß.

Um den ätzenden Geruch aus der Kabine zu vertreiben, schob Maria Luisa das Seitenfenster auf, bevor Tom sie daran hindern konnte. Die hereinwehende Luft führte den kleinen Flammen, die über die Innenverkleidung tänzelten, Sauerstoff zu und fachte sie an.

Eine sengende Hitzewolke breitete sich explosionsartig aus. Alejandro schrie auf, aber es hörte sich nicht so an, als stecke tatsächlich Angst dahinter. Er war Autist, und in kaum einer seiner Äußerungen klang durch, was er wirklich empfand. Nur wenn es um seine Schwester ging …

Maria Luisa erkannte ihren Fehler, schloss das Fenster schnell und fasste nach hinten, wo Jandro ihre Hand ergriff und festhielt, als würde allein dadurch alles gut werden.

Die Flammen wurden wieder kleiner, der Rauch war allerdings dichter und schwärzer geworden. Der weiße Strand vor der Kanzel, immer noch hundert Meter weit weg, schimmerte hindurch wie der sprichwörtliche Silberstreif am Horizont.

Tom arbeitete immer noch verbissen und gegen alle Widerstände des krepierenden Motors daran, den Hubschrauber kontrolliert nach unten zu dirigieren.

Es klappte. Die Flughöhe verringerte sich um die Hälfte.

Dann krachte irgendetwas dort, wo der Motor saß. Das Heck des Helikopters brach aus wie das eines Autos, das über Eis schlingerte. Tom wurde nur von seinem Sicherheitsgurt im Sitz gehalten, und plötzlich konnte er durch das Fenster auf seiner Seite das graue Meer sehen, das auf ihn zuzukippen schien.

In Wahrheit war es natürlich genau andersherum – sie kippten dem Atlantik entgegen!

»Wir müssen hier raus!«, schrie Maria Luisa. Ihre Finger tasteten nach dem Schloss ihres Gurtes, um es zu öffnen, und ihr Blick bedeutete Jandro, dasselbe zu tun.

Mit einer Hand bekam Tom die ihre zu fassen. »Nein, angeschnallt bleiben!«, ordnete er an. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Jandro hinter ihm beide Hände hob, zum Zeichen, dass er gehorchte. Maria Luisa nickte nur, zitternd, mit bebenden Lippen, vielleicht stumm betend.

Tom schluckte trocken, dann schaltete er den Motor ab. Der Rotor stoppte mit einem Knirschen, das durch Mark und Bein ging.

Mit der Linken ergriff Tom wieder die Hand von Maria Luisa und hielt sie fest, die Rechte legte er auf den Lederbeutel, den er am Gürtel trug und in dem jenes verdammte Artefakt steckte, von dem langfristig das Schicksal der ganzen Welt abhängen mochte … kurzfristig jedoch erst einmal nur ihr ganz eigenes.

Die letzten Laute der Bordmechanik und -elektronik verstummten. Fast lautlos stürzte der Hubschrauber der Wasseroberfläche entgegen.

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Pauahtun erklomm die letzten Stufen der Strickleiter, stieg über die Reling an Bord des Containerschiffs und schüttelte sich angewidert. Wasser lief in Strömen aus seiner nun nicht mehr ganz so elegant wirkenden Kleidung.

Ebenso wie sein Totemtier, der Jaguar, verabscheute auch der glatzköpfige Indio das feuchte Element. Aber er hatte es bezwungen, er war ihm entkommen.

Seinen beiden Brüdern war dies nicht vergönnt gewesen. Hunapu und Ixbalanque waren mit dem explodierenden und dann ins Wasser stürzenden Hubschrauber versunken und mussten qualvoll ertrunken sein.

Der Anführer der Loge gedachte der Toten einen Moment lang, indem er über die Reling der Sanjita hinabblickte auf die Stelle, wo letzte schaumige Blasen vom untergegangenen Helikopter kündeten.

War es Ironie oder Gnade der Götter oder schiere Bestimmung, dass ausgerechnet Hunapu und Ixbalanque gemeinsam den Tod gefunden hatten? Denn ihren Logennamen nach waren sie engste Brüder, benannt nach den Zwillingssöhnen des Maisgotts Hun-Hunapu, die gemeinsam die Götter der Unterwelt überlistet hatten. Da sie ein nasses Grab gefunden hatten, konnte Pauahtun sie nicht auf jene besondere Weise bestatten, die einen Toten mit Leib und Seele ins Paradies hinübergleiten ließ.

Sein finsterer Blick löste sich vom Grau des Atlantiks und wanderte empor zum Grau des Himmels. Dort suchte und fand er den kleiner werdenden Klecks, der eine schwarze Rauchfahne nach sich ziehend auf die Insel am Horizont zuhielt, schwankend zwar wie ein betrunkenes Insekt, aber doch zielstrebig.

»Ericson!«, knurrte der Indio, fast ohne Kiefer und Lippen zu bewegen. Ein grollender Laut, wie aus der Kehle eines Jaguars.

Bisher war die Gegnerschaft zwischen ihm und dem Archäologen fast rein geschäftlicher Natur gewesen. Zunächst war Ericson als Ersatzmann für Professor Branson ins Spiel gekommen, den die Loge in seiner Eigenschaft als Maya-Experten vor ihren Karren gespannt hatte. Ericson hatte sich jedoch nur anfangs als nützlich erwiesen. Dann war er störrisch geworden und hatte sein eigenes Süppchen gekocht – und das Artefakt an sich gebracht, jenen »Himmelsstein«, das letzte und entscheidende Bauteil der Maschine.

Nichtsdestotrotz ging es Pauahtun zumindest in diesem Augenblick viel weniger um das Artefakt als um Ericson selbst …

Der Indio hoffte, dass der Mann in Weiß nicht jederzeit seine geheimsten Gedanken las. Aber selbst wenn, diesen Gedanken hätte er sich nicht verkneifen können: Tom Ericson hatte die Schwelle übertreten, die für Pauahtun einen bloßen Gegner von einem wahren Feind trennte.

Immer noch hing der Blick des Indios an dem inzwischen noch weiter geschrumpften Punkt am Himmel: dem Hubschrauber, in dem Ericson mit seinen Begleitern geflohen waren, nachdem er die andere Maschine sabotiert hatte. Der Indio starrte darauf, als könnte er den davonfliegenden Helikopter allein mit seinem Blick festhalten – und dann legte sich ein raubtierhafter Zug um seinen Mund.

Ericsons Hubschrauber stürzte ab!

Pauahtuns kahler Schädel ruckte herum. Kulkulcan, Chac und Huracan, seine drei verbliebenen Brüder, die mit an Bord gekommen waren, hatten den Rest der Crew zusammengetrieben und hielten die Männer mit ihren Maschinenpistolen in Schach. Einen Moment lang überlegte er, auch mit den übrigen Matrosen kurzen Prozess zu machen. Seine Gedanken mussten ihm ins Gesicht geschrieben stehen, denn die Mienen der Seeleute verrieten Todesangst.

»Nehmt ihnen die Handys und alles ab, womit sie Ärger machen könnten, dann folgt mir.« Damit machte Pauahtun kehrt und schlug den Weg zum Deckshaus ein, wo die Granate von vorhin hoffentlich nicht alles zerstört hatte.

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Der Hubschrauber schlug mit der Flanke auf die Meeresoberfläche. Durch Maschine und Insassen ging ein brutaler Ruck. Dann versank die R44 zur Hälfte in Schaum und Blasen, bevor sie wieder nach oben schnellte – und das Knacken und Knirschen von brechendem Glas Tom Ericson verriet, dass sein Plan nicht aufging.

Er hatte gehofft, die Kanzel- und Seitenverglasung würde den Aufprall aus der verringerten Höhe aushalten, sodass der Hubschrauber zu einer Rettungsinsel wurde, von der aus sie sich schwimmend auf den Weg zum Ufer machen konnten, das nur noch fünfzig Meter entfernt war.

Aber das Glas barst, kaltes Atlantikwasser brodelte in die Kabine und der Hubschrauber begann augenblicklich wieder zu sinken, und das in einem Tempo, als würde er förmlich in die Tiefe gezerrt.

»Wir müssen hier raus!«, stieß Tom hervor, bevor das Wasser seinen Mund erreichte. Der Helikopter war auf der Pilotenseite aufgekommen, darum verschlang das Meer ihn als Ersten.

»Sag ich doch«, keuchte Maria Luisa, löste ihren Sicherheitsgurt und wollte in der schaukelnden Kabine nach hinten klettern, um ihrem Bruder zu helfen.

Unterdessen hatte Tom sich vergewissert, dass der Lederbeutel mit dem kinderfaustgroßen Artefakt noch an seiner Hüfte hing. In derselben Bewegung öffnete auch er seinen Gurt und richtete sich halb auf. Mit beiden Füßen fand er unter Wasser Halt am Rahmen des geborstenen Seitenfensters, durch das im selben Moment die MPi, die er auf dem Schiff erbeutet hatte, in die Meerestiefe trudelte.

»Bleib hier!«, stieß er prustend hervor, meinte damit aber nicht die verlorene Waffe, sondern Maria Luisa. »Hilf mir, die Tür zu öffnen. Dann steigst du aus, und ich komme mit Jandro nach.«

»Ich lasse meinen Bruder nicht zurück!«, protestierte Maria Luisa.

Alejandro hatte die Augen weit aufgerissen. Nur sein Kopf schaute noch aus dem schäumenden Wasser. Hatte er Probleme mit seinem Gurt?

Verdammt, dachte Tom und herrschte Maria an: »Tu, was ich sage!«

Sie starrte ihn eine halbe Sekunde lang an, eine Mischung aus Trotz, Erschrecken und Angst im Blick, dann gehorchte sie. Tom langte nach oben und entriegelte die Tür, die jetzt zur Kabinendecke geworden war. Mit vereinten Kräften gelang es ihm und Maria Luisa, sie so weit aufzustoßen, dass sie hochkant stehen blieb.

»Los, raus!«, befahl Tom, als die Spanierin abermals Anstalten machte, sich an den Vordersitzen vorbei nach hinten zu zwängen, um Jandro herauszuholen. Tom packte sie, hob sie an und zwang sie praktisch, ins Freie zu klettern.

»Maria Lu-«, hörte er Alejandros Stimme. Der zweite Name seiner Schwester geriet zu einem Blubbern, weil ihm das Wasser übers Gesicht schwappte.

Tom quetschte sich durch den Zwischenraum, der sich vor dem Absturz zwischen den Vordersitzlehnen und der Decke befunden hatte und durch die Seitenlage des Helikopters nun senkrecht stand.

Alejandros Kopf tauchte noch einmal auf. Er spuckte Wasser, seine Augen schienen regelrecht aus ihren Höhlen zu quellen, dann war er wieder verschwunden.

Tom konnte sehen, wie der junge, stämmige Mann unter Wasser mit beiden Händen an seinem Gurt hantierte. Seine Befürchtung hatte sich also bewahrheitet – der Verschluss klemmte.

Welch eine Ironie des Schicksals! Kein Puzzle war Alejandro zu knifflig – und jetzt sollte ihm ein simples Gurtschloss zum Verhängnis werden?

Tom tauchte unter. Hinter den silbrigen Luftblasenvorhängen war Alejandro nur als dunkler Schemen auszumachen. Fast blindlings griff Tom nach den Händen des Jungen, bekam sie beim zweiten Versuch zu fassen und hielt sie fest. Erst eisern, bis der panische Widerstand sich ein wenig legte, dann übte er einen Druck aus, von dem er hoffte, dass Jandro ihn als beruhigend empfand.

Zwei, drei Augenblicke vergingen, in denen der Junge spürbar mit sich kämpfte und um Fassung rang. Funktionierte es?

Tom musste es wagen. Er brauchte selbst beide Hände, um zu versuchen, Alejandros Gurt zu öffnen.

Er ließ den Jungen los. Sah, wie dessen Hände von neuem nach dem Gurt greifen und daran zerren wollten. Aber Toms erhobene Hand genügte, ihn innehalten zu lassen.

Inzwischen zählte jede Sekunde. Der Archäologe musste wegen des schäumenden Wassers und des fehlenden Lichts so gut wie blind arbeiten. Seine Hände ertasteten den Gurtverschluss.

Er schob einen Finger unter die breite Metallzunge, versuchte sie anzuheben, um die Gurthälften voneinander zu lösen. Aber das Teil ließ sich nicht bewegen, hatte sich verkantet.

Tom probierte es mit zwei Fingern, zog mit aller Kraft daran, während die Kälte des Wassers seine Finger bereits taub werden ließ. Und dann:

Offen!

Im selben Moment begann Alejandro wieder in Panik zu geraten, zu zappeln, um sich zu schlagen. Die Atemnot schaltete alle Vernunft aus und sämtliche Reflexe ein.

Tom schnappte sich den kräftigen jungen Spanier, nahm ihn in einen Bergegriff, schaffte es, ihn zwischen Decke und Sitzlehnen nach vorne zu zerren und tauchte mit ihm auf.

Mittlerweile hatte sich die Kabine fast vollständig mit Wasser gefüllt. Maria kniete vor Kälte zitternd auf der schaukelnden provisorischen Insel, als die der Helikopter noch aus dem Atlantik ragte. Sie streckte die Hände aus, um Tom ihren Bruder abzunehmen, hielt Jandro fest und verhinderte, dass er wieder versank, bis der Archäologe ausgestiegen war. Dann zogen sie den jungen Mann gemeinsam aus der gefluteten Kabine.

Auf allen vieren kauerte Alejandro auf der schwankenden Hubschrauberflanke, die wie der glänzende Buckel eines Wals aus dem Meer schaute, und erbrach Salzwasser. Maria Luisa stützte ihren Bruder, strich ihm übers triefende Haar und sprach leise auf ihn ein, in einem Ton, von dem allein schon etwas Tröstliches ausging, das auch auf Tom wirkte.

Sein Atem beruhigte sich – und stockte im nächsten Augenblick! Als er nämlich aufs Meer hinaussah, wo am Horizont der Frachter lag.

Tom fluchte.

Maria Luisa schaute auf. »Was ist?«

Tom blickte nur weiter unverwandt in Richtung Horizont, wo sich ein signalrotes Etwas von dem klobigen Containerschiff löste und auf Landkurs ging. Ein Beiboot!

Maria Luisa schnappte entsetzt nach Luft. »Die kommen her!«

Tom seufzte. »Genau.«

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»Nimm Kurs auf die Rauchspur«,

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