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13 Montana Top Western Oktober 2017

13 Montana Top Western Oktober 2017

Alfred Bekker et al.

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2017.

Inhaltsverzeichnis

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13 Montana Top Western Oktober 2017

Die Rückkehr des Leslie Morgan | Western-Roman | von Alfred Bekker

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Die Rose von Nevada

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Menschenjagd in New Mexico

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Sie kassierten rau

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Raue Sattelgefährten – 9 Western Romane

Hass, der in die Hölle führt

Im Banne des Hasses

Die Aasgeier von Junction City

Das Gesetz des Stärkeren

Das blutige Gesetz der Colts

Die Höllenhunde von Anaconda

Partner bis in den Tod

Männerhass

Trag den Stern für Wichita

Further Reading: 10 Marshal Western August 2016

Also By Alfred Bekker

Also By Pete Hackett

Also By John F. Beck

Also By Glenn P. Webster

About the Author

About the Publisher

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13 Montana Top Western Oktober 2017

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Männer im Kampf um Recht und Rache – dramatische Western-Erzählungen aus einer beispiellos harten Zeit.

Dieses Buch enthält folgende Western:

––––––––

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ALFRED BEKKER: DIE Rückkehr des Leslie Morgan

Glenn P. Webster: Die Rose von Nevada

John F. Beck: Menschenjagd in New Mexico

John F. Beck: Sie kassierten rau

Pete Hackett Hass, der in die Hölle führt

Pete Hackett: Im Banne des Hasses

Pete Hackett: Die Aasgeier von Junction City

Pete Hackett: Das Gesetz des Stärkeren

Pete Hackett: Das blutige Gesetz der Colts

Pete Hackett: Die Höllenhunde von Anaconda

Pete Hackett: Partner bis in den Tod

Pete Hackett: Männerhass

Pete Hackett: Trag den Stern für Wichita

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Die Rückkehr des Leslie Morgan

Western-Roman

von Alfred Bekker

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Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

Dieser Roman erzählt die Geschichte des einsamen Kampfes eines aufrechten Mannes. 

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Sie kommen!“, knirschte Leslie Morgan grimmig zwischen den Zähnen hindurch.

Instinktiv war ihm klar, dass es nichts anderes als der Tod war, der da über den Horizont kroch. Und es gab kein Entrinnen... Leslie kniff die Augen zusammen und sah in der Ferne eine Reiterschar über die Hügelkette herannahen.

Fast zwei Dutzend Männer waren es, alle bis auf die Zähne bewaffnet. Einige von ihnen hatten die Gewehre bereits aus den ledernen Futteralen geholt, die sie an den Sätteln befestigt hatten.

Sie können es nicht erwarten, uns über den Haufen zu schießen, ging es Leslie Morgan bitter durch den Kopf. Seine Hand ging unwillkürlich in Richtung des Revolvers, der in dem tiefgeschnallten Holster an seiner Seite hing.

„Wenn ich das richtig sehe, dann ist das da vorne Dan Garth persönlich!“, hörte Leslie die Stimme seines jüngeren Bruders Ray, der sein Gewehr fest umklammert hielt.

Leslie Morgan nickte.

„Ja, du hast recht. Und Jesse Shaws feistes Gesicht sehe ich auch.“

„Ich sage Mum und Dad Bescheid“, meinte Ray.

Leslie nickte.

„Mach das.“

Ray zögerte noch und Leslie Morgan wandte leicht den Kopf.

„Was ist noch?“

„Glaubst du, es kommt diesmal zum Kampf, Les?“

„Es sieht ganz so aus.“

Von Anfang an hatten Garth und Shaw versucht, die Morgans aus der Gegend um Amarillo zu vertreiben, aber die waren zäh und hatten bislang allem widerstanden, womit man sie schikaniert hatte.

Die Leute von Garth und Shaw hatten das Vieh der Morgan-Ranch zerstreut, sie hatten die Männer der Umgebung so eingeschüchtert, sodass es keiner von ihnen gewagt hätte, bei den Morgans als Cowboy anzufangen und sie hatten die Geschäftsleute von Amarillo angewiesen, den Morgans kein Werkzeug zu verkaufen. Aber Caleb Morgan, seine Frau Betsy und die Söhne Leslie und Ray waren geblieben.

„Sie wollen uns aus dem Weg räumen wollen, Ray. Endgültig“, murmelte Leslie.

„Diese Schweine!“

„Wir werden es Ihnen nicht leichter machen, als unbedingt nötig!“

„Glaubst du, wir haben eine Chance, wenn es wirklich hart auf hart kommt, Les?“

Leslie Morgan schwieg und sah der herannahenden Meute mit schmalen Augen entgegen

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Die Morgans verschanzten sich im Wohnhaus der Ranch. Leslie postierte sich am Fenster und beobachtete, wie die Reiter herannahten.

Seine Mutter lud eifrig Gewehre, während Caleb Morgan sich gerade den Revolvergurt umschnallte.

Ray hatte sich neben der Tür verschanzt, das Gewehr im Anschlag und den Blick starr hinaus gerichtet.

„Wir sollten gleich losballern!“, meinte Ray.

Aber sein Vater war anderer Ansicht.

„Nein“, bestimmte er. „Ich werde mit Dan Garth reden. Wir schießen erst, wenn es nicht anders geht!“

„Dad! Glaubst du, die sind hier mit einer solchen Streitmacht herausgeritten, um sich zu unterhalten?“

„Du tust, was ich sage, Ray!“, versetzte Caleb unmissverständlich.

Indessen hatte sich auch die Mutter der Morgan-Söhne ein Gewehr genommen und sich bei einem der Fenster postiert. Betsy Morgan war eine gute Schützin, die es mit den meisten Männern der Umgebung in dieser Hinsicht ohne weiteres aufnehmen konnte.

Dann waren die Reiter heran.

Grimmige Gestalten, bis auf die Zähne bewaffnet und zu allem entschlossen.

Staub wurde durch die Hufe von fast zwei Dutzend Pferden aufgewirbelt. Einige der Kerle sprangen aus den Sätteln und verschanzten sich in der Umgebung. Einen sah Leslie hinter der Scheune lauern, ein anderer versteckte sich hinter hinter einem Wagen.

Aber Dan Garth blieb im Sattel und kam etwas näher, umringt von seinen Leuten.

Garth hatte schon deutlich angegrautes Haar und ein hageres, lederhäutiges Gesicht. Seine Züge waren hart und in den tiefen Höhlen blitzten zwei eisgraue Augen.

Garth war der größte Rancher in der Gegend um Amarillo. Keiner konnte ihm im ganzen County auch nur entfernt das Wasser reichen.

Dan Garth war so etwas wie der ungekrönte König im County und wer immer es wagte, ihm in die Quere zu kommen, musste mit dem Schlimmsten rechnen...

Neben ihm ritt Jesse Shaw, ein Mann, der ein wenig aufgedunsen wirkte.

Seine Ranch war ein paar Nummern bescheidener, als die von Garth, aber immer noch um einiges größer als das, was die Morgans in den letzten, harten Jahren hier aus dem Nichts aufgebaut hatten.

Jedenfalls war Shaw immer noch mächtig genug, sodass ein Mann wie Dan Garth es sich nicht erlauben konnte, ihn einfach davonzujagen. Zwischen den beiden herrschte ein gespannter Frieden. Um im Moment waren sie sogar Verbündete. Beide Garth und Shaw - waren nämlich der Meinung, dass für einen dritten in diesem Land kein Platz war. In diesem Punkt waren sie einer Meinung

„Caleb Morgan! Bist du zu Hause?“, brüllte Dan Garth' heisere Stimme. Als er dann fortfuhr, klang Hohn in seinen Worten mit.

„Komm raus! Oder willst du lieber deine Frau vorschicken?“

„Ich knall ihn über den Haufen!“, knirschte Ray unterdessen.

„So darf er mit dir nicht reden, Dad!“

„Nein!“, bestimmte Caleb Morgan. In seiner Stimme lag eine Art von Autorität, die keinen Widerspruch duldete. „Ich werde mit Garth reden!“

„Trau diesem Hundesohn nicht“, mischte sich Leslie ein.

„Dieser Mann denkt, dass er sich hier alles erlauben kann. Außerdem hat er keine Skrupel... Und er hat die Wölfe dort sicher nicht mit hier hergebracht, um mit dir einen Plausch zu halten!“

Caleb schüttelte energisch den Kopf.

Er schien sich seiner Sache ganz sicher zu sein.

„Ich muss mit ihm reden, Les“, erwiderte er, während er seinem ältesten Sohn einen kurzen Blick zuwandte. „Du kannst dir selbst ausrechnen, wie unsere Chancen stehen, wenn Garth seine Meute wirklich loslässt!“ Caleb machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ich nehme an, er will uns nur einschüchtern. So war es bislang immer! Aber bei mir ist Garth da an den Falschen geraten!“

„Diesmal sieht anders aus, Dad“, knurrte Leslie Morgan düster. „Sie meinen es ernst. Ich hab's im Gefühl...“

Caleb lachte heiser.

„Du bist ein Schwarzseher, Les!“

„Geh nicht hinaus, Dad!“

„Ich weiß schon, was ich tue!“

„Dad!“

Aber Leslie wusste, dass er dem Willen seines Vaters in dieser Sekunde nichts Ebenbürtiges entgegensetzen konnte. Und so trat Caleb Morgan hinaus, der Schar von Garth' hungrigen Hyänen entgegen.

Aber Caleb schien das wenig zu beeindrucken.

„Was wollen Sie, Garth?“

„Ich will, dass Sie verschwinden, Morgan!“, bellte der Großrancher heiser. „Sie haben genügend Warnungen bekommen! Jetzt ist meine Geduld zu Ende!“

Calebs Stimme klang fest und entschlossen, als er antwortete: „Ich habe dasselbe Recht wie Sie, meine Rinder auf diesem Land weiden zu lassen. Dasselbe Recht, haben Sie gehört? Und es gibt nichts, was Sie dagegen tun können!“

Garth' Gesicht blieb regungslos.

„Ach, nein?“, fragte er mit einem Unterton, der vor Zynismus nur so troff. „Mir scheint, Sie übersehen, wie hier im County die Kräfteverhältnisse stehen...“

Caleb Morgan spuckte aus.

„Sie können sich aufblasen wie Sie wollen! Mich beeindrucken Ihre Mätzchen schon lange nicht mehr!“

In Garth' Gesichtszügen zeigte sich deutlich der Ärger, der in ihm aufstieg.

„Sie werden schon, was Sie davon haben!“, knurrte er wütend.

„Ich habe Ihnen die Chance gelassen, abzuziehen...“

Caleb Morgan ließ sich nicht so einfach einschüchtern.

„Es gilt das Gesetz der freien Weide, Garth!“

„Hier gilt nur mein Gesetz, Caleb Morgan! Und sonst gar nichts!“

„Hier ist kein Platz für einen Dritten!“, mischte sich jetzt der feiste Shaw ein. „Das sollten Sie endlich begreifen, Morgan!“

Sein schwammiges Gesicht verzog sich zu einem höhnischen Grinsen.

Die Tatsache, dass er mit fast zwei Dutzend Bewaffneten hier her gekommen war, verlieh ihm offenbar ein Gefühl von Überlegenheit, dass er jetzt genüsslich auskostete.

„Sie werden sich damit abfinden müssen, dass es einen dritten Rancher in der Gegend gibt“, erwiderte Caleb Morgan. „Die Weide ist frei!“

Dafür hatte Dan Garth nur ein zynisches Lachen. Dann beugte er sich im Sattel ein wenig vor und zischte: „Entweder, Sie nehmen Ihre Rinder und Ihren sonstigen Plunder und verschwinden so schnell Ihre Pferde Sie tragen, oder ich werde Ihnen Beine machen müssen! Und das wird nicht angenehm für Sie!“

„Sie können mit ihren Leuten ruhig wieder abziehen, Garth! Meine Meinung werden Sie nicht ändern!“

„Ist das Ihr letztes Wort, Morgan?“

„Ja.“

Garth zuckte die Achseln und ließ seinen gutdressierten Gaul ein paar Yards rückwärts gehen.

„Wie Sie wollen...“, murmelte er, wobei er die dünnen, aufgesprungenen Lippen kaum bewegte. „Alles, was jetzt geschieht, haben Sie sich selbst zuzuschreiben, Morgan! Ich habe Sie gewarnt!“

„Falls Sie jetzt Ihre Meute loslassen wollen, um hier alles in Schutt und Asche zu legen, kann ich nur sagen, dass Sie das bereuen würden!“, versprach Caleb.

Garth lachte.

„Ach, ja? Was sollte mich daran hindern?“

„Meine Söhne haben auf Ihren Kopf angelegt, Garth! Wenn Sie hier den wilden Mann spielen wollen, sind Sie der erste, der dran glauben wird!“

Einen Moment lang floh die Farbe aus Garth' Gesicht. Er blickte zu der Fensterfront des Ranchhauses hin und sah einen später Rays Winchesterlauf in seine Richtung deuten. Dan Garth schluckte.

Unterhalb seines linken Auges zuckte es nervös.

„Wir werden sehen!“, knurrte er düster. „Aber Sie sollten nicht denken, dass Sie so davonkommen, Morgan!“

Damit riss er seinen Gaul herum und stob davon. Seine Leute folgten ihm und auch diejenigen, die sich hinter der Scheune und beim Wagen versteckt hatten, sprangen in die Sättel und ritten davon.

Caleb atmete erleichtert auf, als er die Meute mit ihrer riesigen Staubwolke davonpreschen sah.

Leslie Morgan kam jetzt aus dem Haus und trat neben seinen Vater.

Caleb Morgan klopfte seinem Sohn auf die Schulter und meinte: „Siehst du, Les! Hab ich's doch gesagt! Ein aufgeblasener Gockel ist dieser Garth! Aber sobald man ihn von seinem Misthaufen herunterstürzt, ist ein Winzling!“

Aber der ältere der Morgan-Söhne blieb skeptisch.

„Die Sache ist noch nicht ausgestanden“, war Leslie sich sicher.

Sein Vater zuckte die Achseln.

„Mal den Teufel nicht an die Wand, mein Sohn!“

„Und wenn er Ernst macht?“

„Bislang hat er nur geblufft, Les!“, gab er zu bedenken. „So, wie ich vermutet hatte!“

Aber Leslie Morgan schüttelte leicht den Kopf. Dann deutete er auf die Reiterschar, die sich schon ganzes Stück entfernt hatte. Die Garth-Mannschaft sammelte sich. Dan Garth schien einige Anweisungen zu geben.

Einen Augenblick später teilte sich der Reiter-Pulk in kleine Gruppen auf, von denen einige eine Art Bogen ritten. Man brauchte nicht rätseln, um zu erkennen, was da vor sich ging!

Ein Angriff!

„Sie kommen zurück, Dad!“, stellte Leslie tonlos fest. „Jetzt wird es ernst!“

Er wechselte mit seinem Vater einen kurzen Blick. Caleb stand mit fassungslosem Gesicht da und konnte nichts sagen. Der Schrecken stand ihm in den Augen.

„Diese Bastarde“, flüsterte Caleb dann und riss den Revolver aus dem Holster.

Wenig später peitschten die ersten Schüsse.

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Caleb und Leslie Morgan waren zurück ins Wohnhaus gelaufen, um sich dort zu verschanzen.

Die Angreifer preschten wild um sich schießend von allen Seiten heran. Ein wahrer Geschosshagel prasselte auf die Morgans hernieder, die sich in ihrem Haus verbarrikadiert hatten. Jetzt ging es ums Überleben.

Ein oder zwei der Reiter wurden aus den Sätteln geholt und lagen einen Augenblick später reglos im Staub. Der Angriff hatte kaum eine Minute gedauert, da gingen bereits die Scheune und der Pferdestall in Flammen auf.

Die Pferde wieherten markerschütternd. Einige der Tiere konnten sich befreien, rissen das Gatter nieder und stoben in heller Panik davon. Andere hatten weniger Glück und starben einen qualvollen Tod.

Leslie hatte sich inzwischen ein Winchester-Gewehr genommen und war zur Rückfront des Ranchhauses gestürmt. Durch den den engen Flur gelangte er in das Schlafzimmer seiner Eltern.

Ein Hagel von Blei ließ das Fensterglas zerspringen. Leslie Morgan pirschte sich bis zur Außenwand vor und postierte sich neben dem Fenster.

Dann tauchte er blitzartig aus seiner Deckung hervor und ließ kurz hintereinander mehrere Schüsse aus seiner Winchester krachen.

Einen der Reiter holte Leslie aus dem Sattel. Mit einem gellenden Schrei wurde er nach hinten gerissen, das Gewehr segelte im hohen Bogen davon und landete auf dem Boden. Der Mann war bereits tot, als er dumpf aufschlug. Sein Fuß verfing sich im Steigbügel, sodass die Leiche von dem durchgehenden Pferd noch ein ganzes Stück über den Boden geschleift wurde.

Einem anderen der Kerle holte Leslie den Gaul unter dem Hintern weg und einen Dritten traf er am Waffenarm. Der Mann fluchte lauthals, als ihm der Revolver entglitt. Als der nächste Bleihagel in seine Richtung ging, war Leslie Morgan bereits wieder in Deckung gegangen. Die Geschosse peitschten durch das Fenster und zerfetzten das Holz, aus dem der Kleiderschrank auf der gegenüberliegenden Seite des Schlafzimmers gemacht war.

Manche der Kugeln gingen sogar durch die Hauswand. Sie schlugen glatt durch das dünne Holz der Wände.

Leslie hatte ziemlich großes Glück, bislang ungeschoren davongekommen zu sein.

Er hörte das Geräusch eines galoppierenden Pferdes. Einer der Kerle schien sich ziemlich nahe heranzutrauen, aber Leslie konnte im Moment nichts dagegen tun. Zu stark stand er unter Beschuss.

Dann segelte irgendetwas Schweres, Langsames durch das Fenster...

Es war eine Fackel.

Sie landete direkt auf dem breiten Ehebett von Caleb und Betsy Morgan.

Leslie wollte aufspringen, um die Fackel zu ergreifen und wieder hinauszuwerfen.

Ein Schuss, der dicht an seinem Kopf vorbeistrich ließ ihn in der Bewegung innehalten.

Es dauerte nur Sekunden, und das Bett hatte Feuer gefangen. Es war zu spät.

In seinem Inneren wusste Leslie dies, aber er wusste auch, dass

dieser Kampf so gut wie verloren war, wenn sich das Feuer im Wohnhaus ausbreitete. Und so schnellte vor, warf die Winchester zur Seite und versuchte, die Decke zusammenzurollen und das Feuer zu ersticken.

Schüsse sirrten von draußen herein, aber darauf nahm Leslie in diesem Moment keine Rücksicht.

Er musste es versuchen.

Aber es war aussichtslos. Das Feuer kroch bereits die Wand empor. Wie ein hungriges Ungeheuer fraß es sich voran, unersättlich und rasend schnell.

Das Holz, aus dem dieses Haus erbaut war, war staubtrocken. Eine ideale Beute der Flammen. Seit Monaten hatte es keinen Regen gegeben.

Leslie sah aus den Augenwinkel heraus eine Gestalt vor dem Fenster.

Ein Reiter. Einer von Garth' Männern.

Leslie kannte ihn. Es war der blonde Bill Wheaton, seines Zeichens Vormann auf der Garth-Ranch.

Wheaton hatte seinen langen Peacemaker-Colt in der Rechten und zielte damit direkt auf Leslie, dessen Hand sofort zur Hüfte ging.

Leslie ließ sich instinktiv seitwärts fallen und riss den Colt aus dem Holster. Er tat dies, obwohl er wusste, dass es aussichtslos war, denn er hatte kaum eine Chance, seine eigene Waffe noch rechtzeitig in Anschlag zu bringen.

Jedenfalls nicht, bevor der Vormann der Garth-Ranch abgedrückt hatte.

Und Wheaton war in der Gegend ein gefürchteter Schütze. dass er auf diese Entfernung sein Ziel verfehlte war unwahrscheinlich.

Leslie hatte sein Eisen kaum zur Hälfte aus dem Holster gerissen, da krachte bereits Wheatons Schuss.

Aber annähernd gleichzeitig feuerte noch jemand anderes. Ray stand in der Schlafzimmertür und ließ sein Repetiergewehr sprechen. Sein erster Schuss ging Wheaton in die Schulter.

Der Coltarm des Vormanns zuckte unwillkürlich nach oben, sodass die Kugel, die eigentlich für Leslie bestimmt war, ins Nichts ging.

Aber Wheaton reagierte blitzartig.

Er feuerte sofort ein zweites Mal und dieser Schuss traf Ray Morgan mitten in der Stirn. Ray blieb wie erstarrt stehen. Seine Augen blickten ins Nichts, während sich auf seiner Stirn ein rotes Loch gebildet hatte.

Auch Leslie feuerte.

Dreimal kurz hintereinander.

Der Vormann schrie getroffen auf, der Revolver entfiel ihm.Er klammerte sich verzweifelt an seinem Gaul fest, der in vollem Galopp davonstob. Nach ein paar Dutzend Yards wurde das Pferd langsamer. Leslie sah, wie der getroffene Vormann aus dem Sattel rutschte und reglos im Präriegras liegenblieb. Er hat es nicht besser verdient, ging es Leslie grimmig durch den Kopf.

Leslie Morgan beugte sich kurz über seinen Bruder. Aber dem konnte er nicht mehr helfen.

„Verdammt!“

Tränen des Zorns stiegen Leslie Morgan in die Augen. Ray hatte ihm das Leben gerettet und jetzt lag er hier mit einer Kugel im Kopf.

Diese Hunde!, dachte er verzweifelt und ballte dabei unwillkürlich die Hände zu Fäusten. Ohnmächtige Wut hatte ihn erfasst. Dafür würden Garth und seine Meute bezahlen!, schwor sich Leslie.

Und wenn es das Letzte war, was er tat...

Ein bedrohliches Knistern drang an seine Ohren. Die Flammen fraßen sich voran. Und wahrscheinlich gab es im Moment nichts, das sie noch aufhalten konnte... Es wurde heiß, verdammt heiß.

Leslie Morgan erhob sich.

Er ging durch den engen Flur und erreichte schließlich die Vorderfront des Ranchhauses. Sein Vater und seine Mutter hatten sich dort verschanzt und feuerten Schuss um Schuss hinaus. Aber die Lage war verzweifelt.

Leslie schnellte in geduckter Haltung voran und ging bei einem Fenster in Deckung, in dem kaum noch ein Stück Glas war. Jemand von den Bluthunden da draußen schien die Bewegung gesehen zu haben und ließ ein paar Bleikugeln dicht über ihn hinwegpfeifen.

Dann verebbte der Beschuss ein wenig und Leslie nutzte die Gelegenheit dazu, seinen Revolver nachzuladen.

„Hier!“

Sein Vater warf ihm eine Winchester zu und Leslie fing sie sicher mit der Linken.

„Danke, Dad!“

„Ist Ray noch da hinten?“ Caleb deutete mit der Hand in Richtung der Rückfront des Wohnhauses.

Leslie zögerte eine Sekunde.

Dann sagte er: „Ja.“

Es war besser, wenn sie die schlimme Nachricht erst später erfuhren, denn jetzt mussten sie alle Kräfte darauf konzentrieren, selbst zu überleben.

Leslie tauschte mit seinem Vater einen kurzen Blick. In Calebs Gesicht zuckte es kaum merklich.

„Im Schlafzimmer ist Feuer!“, sagte Leslie.

„Verdammt, was machst du dann hier!“

„Es ist zu spät, Dad! Eine Mannschaft von mindestens einem Dutzend Männern und ein freier Zugang zu unserem Brunnen da drüben - vielleicht wäre das Haus noch zu retten. Aber so wird es uns über den Köpfen wegbrennen, Dad! Ohne, dass wir etwas tun können.“

Und dann war plötzlich Hufschlag zu zu hören. Leslie tauchte aus seiner Deckung heraus und wurde sofort von einer Gewehrsalve empfangen.

Das Blei zischte ihm nur so um die Ohren, aber auch Leslie feuerte.

Zwei Schüsse aus seiner Winchester konnte er in Richtung des Reiters abgeben, der da mit einer brennenden Fackel in der Hand herangeprescht kam.

Dieser konnte noch die Fackel durch eines der Fenster schleudern, da holte Leslies Kugel ihn aus dem Sattel, während das Pferd sich wiehernd auf die Hinterhand stellte. Der Kerl fiel mit einem dumpfen Geräusch in den Staub. Die Fackel war indessen auf dem blanken Holzboden des Ranchhauses gelandet.

Caleb Morgan hatte das gesehen und verließ seine Deckung, um zu verhindern, dass es auch hier an zu brennen fing.

„Gebt mir Feuerschutz!“, rief er heiser seiner Frau und seinem Sohn zu, die verzweifelt versuchten, dem grausamen Kugelhagel, der von draußen hereinschlug, irgendetwas entgegenzusetzen.

„Nein!“, rief Leslie, der ahnte, dass das nicht gut gehen konnte. Sein Vater hechtete zu der Fackel, ergriff sie und wollte sie gerade zurückschleudern, als ihn kurz hintereinander drei Kugeln erwischten.

Die Wucht der Geschosse ließ Caleb Morgan der Länge nach auf den harten Holzboden schlagen. Vergeblich versuchte er noch, die Fackel durch das Fenster zu schleudern. Aber seine Arme gehorchten ihm schon nicht mehr.

Sein Blick war starr geworden und ging ins Nichts. Die Fackel kam die Tischdecke, die sofort Feuer fing. Leslie schluckte.

Einen Sekundenbruchteil war er wie gelähmt. Sein Vater war tot und es gab nichts, was er noch für ihn tun konnte. Wütend lud er das Winchester-Gewehr durch und feuerte ein paar Kugeln nach draußen. Vorn irgendwoher gellte ein unterdrückter Schrei - halb vor Schmerz, halb vor Wut. Offenbar hatte es einen der Schufte erwischt.

Leslie feuerte Schuss um Schuss.

Bezahlen sollen sie, diese Hunde!, ging es ihm grimmig durch den Kopf. Einen der Kerle erwischte er noch, dann fühlte Leslie plötzlich, wie er nach hinten gerissen wurde. Noch ein Schuss löste sich aus der Winchester, aber der ging ins Nichts. Noch in derselben Sekunde ahnte Leslie, was geschehen war. Es hatte ihn erwischt.

An der linken Schulter wurde es blutrot. Das Hemd war zerfetzt.

Die Wucht des Geschosses ließ Leslie Morgan rückwärts taumeln, sodass er für einen winzigen Augenblick ohne Deckung dastand. Eine zweite Kugel fraß sich in seinen Oberkörper und so sank Leslie kraftlos in sich zusammen.

Verzweifelt hielt er die Winchester umklammert. Er atmete heftig und versuchte, sich auf dem Gewehrlauf aufzustützen. Sein Blick ging dabei zur Seite. Er sah seine Mutter starr auf dem Boden neben dem Fenster sitzen, an dem sie ihren Posten bezogen hatte.

„Nein...“, flüsterte er.

Leslie Morgan starrte sie mit dem Ausdruck ungläubigen Entsetzens an. Auf den ersten Blick hätte man denken können, dass Betsy Morgan noch lebte.

Aber ihr Blick war starr.

Und ihr Kleid rot.

Ein dickes Kaliber war glatt durch die Außenwand des Ranchhauses geschlagen und hatte sie getötet. Verzweiflung und kalte Wut erfassten Leslie Morgan. Aber er spürte, wie die Kraft aus seinem Körper floh. Er versuchte, sich aufzurichten, aber vor seinen Augen begann sich alles zu drehen. Und dann war da dieser furchtbare, pulsierende Schmerz, der ihn ergriffen hatte.

Es ist zu Ende!, dachte er.

Und im Hintergrund hörte er es knistern. Das Feuer heulte sich seine Beute.

Nichts würde übrigbleiben von der Morgan-Ranch. Nichts, als ein paar verkohlte Balken und ein bisschen Asche, die der Wind zerstreuen würde...

Leslie Morgan sank auf den rohen Holzboden des Ranchhauses. Schweiß trat auf seine Stirn. Er fühlte die Hitze. Beißender Qualm stieg ihm in die Nase und ließ ihn husten. Es wurde kaum mehr als ein erbärmliches Röcheln. Nein, das durfte nicht das Ende sein!, schrie es in ihm. Aber es schien nichts zu geben, was er noch tun konnte. Ein letztes Mal versuchte er, die Muskeln und Sehnen seines Körpers anzuspannen. Vergebens.

Vor seinen Augen wurde es schwarz.

Tiefe Nacht umgab ihn dann und er rechnete nicht damit, dass diese Nacht je enden würde...

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Dan Garth trat mit gezogenem Revolver in das Ranchhaus der Morgans. Die Gegenwehr war verebbt. Das konnte wohl nur bedeuten, dass es alle Morgans erwischt hatte.

„Passen Sie auf, Boss“, hörte Garth eine heisere Stimme in seinem Rücken.

Sie gehörte einem blassgesichtigen Mann namens Carter, der für Garth arbeitete. Carter hustete. Der Qualm biss in der Lunge. Garth lachte zynisch.

„Hast du etwa Angst?“

„Man kann nie wissen, Boss! Die Morgans haben sich zäh gewehrt. Ich traue ihnen alles zu...“

Ein Knarren ließ die beiden Männer herumfahren. Carter riss sein Gewehr hoch. Ein brennender Balken ging zu Boden und ließ ein Funkenmeer umhersprühen.

Dann entspannten sich Garth' harte Züge, als er Caleb Morgans Leiche sah.

„Da liegt er also“, murmelte er rau. „Er hat es nicht anders gewollt, dieser verdammte Bastard...“ Er deutete mit dem langen Lauf seines Peacemaker-Colts auf einen anderen Körper, der reglos dalag. „Das ist Leslie, nicht wahr?“

„Ja“, nickte Carter.

„Wo ist der andere Morgan-Sohn?“

„Es hat ihn bestimmt auch erwischt.“

Dan Garth atmete tief durch.

Ja, das war wahrscheinlich.

Aus dem brennenden Haus hätte niemand unbemerkt hinausgelangen können...

„Ich hoffe, dass das allen eine Warnung ist, die in Zukunft sich einbilden, einem Dan Garth auf der Nase herumtanzen zu können!“

„So schnell wird das keiner mehr wagen, Boss“, murmelte Carter düster. Einen Augenblick später fuhr er dann fort: „Kommen Sie, Mister Garth! Es ist verdammt heiß hier! Und ich wette, es dauert nicht mehr allzu lange, bis hier alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt...“

Einen Moment noch glitt Garth' Blick über das lodernde Chaos. Dann nickte er leicht und wandte sich zum Gehen. Draußen sah er Jesse Shaw, der hoch zu Ross geblieben war. Der feiste Mann verzog das Gesicht, als ihm der Rauch in die Nase stieg.

„Was ist?“, fragte er, obwohl es da eigentlich nur eine Antwort geben konnte.

„Sie werden uns nie wieder in die Quere kommen, die Morgans!“, meinte Garth und verzog dabei das Gesicht zu einem schiefen Grinsen.

Dabei entblößte er zwei Reihen blitzender Zähne, die ihm etwas Raubtierhaftes gaben.

Jesse Shaw schob sich den Hut ein wenig in den Nacken und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Garth lachte indessen rau und meinte: „Dafür, dass du zu den Siegern gehörst, machst du ein ziemlich merkwürdiges Gesicht, Jesse!“

„Nun, ich überlege nur so...“, knurrte Shaw, der sich in einer Haut irgendwie nicht so recht wohl zu fühlen schien. Garth und Carter stiegen in die Sättel.

„Worüber denkst du nach, Jesse?“, fragte Garth dann, während er sein Pferd herumriss.

„Darüber, ob das hier nicht ein bisschen zu hart war“, erwiderte Shaw und deutete dabei auf das brennende Ranchhaus. „Hätte es nicht genügt, den Morgans einen Schrecken einzujagen?“

„Das haben wir doch mehrfach probiert. Dazu waren sie einfach zu zäh. Nein, wir hatten keine andere Wahl“, war Garth überzeugt.

„Trotzdem...“

„Mach dir nicht in die Hosen, Jesse!“

„Ich hoffe nur, dass das keinen Ärger gibt! Es sind schließlich ein paar Menschen draufgegangen!“

Jesse Shaw hatte bei seinen letzten Worten sehr leise gesprochen. Und er wandte sofort den Blick zur Seite, als ihn die eisgrauen Augen von Dan Garth zu fixieren begannen. Aus Garth Blick sprach eine Mischung aus unverhohlener Verachtung und Wut.

Der Rancher ballte grimmig die Faust.

„Hör zu, Jesse! Dies ist mein Land! Der ganze County! Die Stadt Amarillo! Nichts geschieht hier, wenn ich es nicht will! Ich dachte, dass du das inzwischen begriffen hättest!“

„Sicher...“

„Solange du auf meiner Seite bist, Jesse, kann dir nichts passieren!“

Damit gab Garth seinem Gaul die Sporen und ließ ihn voranpreschen.

Aus Jesse Shaws schwammigen Gesicht floh der letzte Rest von Farbe. Er schluckte.

Shaw hatte die Drohung, die in Garth' letzten Worten lag sofort gespürt. Und irgendwie war ihm auf einmal nicht nicht wohl dabei, an der Seite eines Mannes zu reiten, der seine Freunde kaum besser zu behandeln schien, als andere Leute ihre Feinde.

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Das erste, was Leslie Morgan spürte war, dass irgendeine Kraft ihn in die Höhe riss. Er hörte ein Krachen, offenbar das Bersten eines Balkens. Und dazwischen - ganz leise - das Keuchen eines Menschen, der immer wieder leise vor sich hin fluchte...

Leslie Morgan versuchte die Augen zu öffnen. Alles schmerzte. Seine Seite, sein Oberkörper. Und als er die Augen öffnete schmerzte auch das. Es kam ihm grell und heiß entgegen und so kniff er die Augen sofort wieder zu.

Überall schienen Flammen zu sein. Die Hitze war schier unerträglich...

Leslie hustete und erschrak dabei. Es klang entsetzlich schwach.

Zwei kräftige Hände hatten ihn unter den Achseln gepackt und zogen Leslie mit sich.

Dann ging es nach draußen, wo die Luft besser war. Leslie rang nach Atem. Er wurde noch ein Stück mitgeschleift und dann auf dem Boden liegengelassen.

Leslie versuchte sich zu erheben, kam aber nicht weit. Dann sah er über sich ein Gesicht.

Es war ein schwarzes Gesicht. Schwarz, runzelig und alt. Das Haupthaar und der dünne Bart waren grau.

Leslie kannte den Mann.

Er hieß McGhee, war bis zum Sieg der Union Sklave gewesen und bewirtschaftete jetzt mit seiner Frau eine kleine Farm in der Nähe. Einmal hatte Leslie ihm aus der Klemme geholfen, als Garth sich einen Spaß daraus gemacht hatte, den alten Mann mit dicht neben die Füße gezielten Schüssen über sein Feld zu treiben.

„Hier!“, sagte der Schwarze, während er sich zu Leslie niederbeugte.

McGhee hielt Leslie seine Feldflasche an den Mund und dieser sog begierig das Wasser in sich hinein. Seine Kehle war wie ausgedörrt.

Unterdessen sagte McGhee: „Die Rauchfahne ist meilenweit zu sehen... Ich habe meinen Wagen mitgebracht!“

Leslie versuchte, etwas zu sagen, aber es kam nichts über seine Lippen.

„Das war Dan Garth, nicht wahr?“, erkundigte sich der Schwarze in Richtung des brennenden Hauses. Es war keine Frage.

Leslie Morgan nickte leicht.

„Ja“, flüsterte er. „Dieser Hund! Er hat sie alle umbringen lassen! Dad, Mum, Ray...“

„Ich hatte ihrem Vater gesagt, dass es besser ist, von hier zu verschwinden“, meinte der Schwarze. „Gegen Dan Garth kommt keiner an!“

„Garth wird für das bezahlen, was er getan hat“, krächzte Leslie und verzog dabei das Gesicht vor Schmerz.

„Ich werde mich um Ihre Wunde kümmern“, versprach der Schwarze. „Und dann bringe ich Sie hier weg!“

„Warum tun Sie das, McGhee?“, fragte Leslie. „Sie bringen sich damit nur in Gefahr! Schließlich hatten Sie bereits Ärger mit Garth!“

Auf McGhees Gesicht erschien ein dünnes, abgeklärtes Lächeln, das einer erst dann bekommt, wenn er schon viel gesehen hat.

„Ich werde es nie schaffen, einer von Garth Lieblingen zu werden“, meinte er. „Schon wegen meiner Hautfarbe nicht! Sein Sohn ist im Bürgerkrieg gefallen und dafür macht er die 'Nigger aus dem Norden' - so drückt er sich aus - verantwortlich!“, Er zuckte die Achseln. „Wenn ich jünger wäre, wäre ich schon längst verschwunden. Aber in meinem Alter überlegt man es sich dreimal, ob man seine sieben Sachen packt und ganz woanders noch einmal von vorne beginnt. Dazu muss man wohl ein paar Jahre weniger auf dem Buckel haben, schätze ich!“

„Vielleicht...“, murmelte Leslie halblaut.

Währenddessen gab es beim Ranchhaus einen Riesenkrach. Wände stürzten um, Balken brachen.

„Ich werde Sie zu mir nach Hause bringen“, erklärte McGhee.

„Ich weiß nicht, ob Sie sich damit einen Gefallen tun, McGhee!“

„Ich bin es Ihnen schuldig, Morgan! Außerdem - wenn ich es nicht täte, dann hätte ich Sie gar nicht erst zu retten brauchen. Allein haben Sie nämlich keine Überlebenschance.“

Leslie atmete schwer.

Er wusste, dass McGhee recht hatte.

Der Schwarze ging davon, um seinen Wagen zu holen. Es war ein einfacher Zweispänner, hinten mit einer Ladefläche. Leslie Morgan versuchte vergeblich, sich aufzurichten. McGhee kam herbei und packte ihn unter den Armen. Schließlich gelang es dem alten Mann, Leslie auf den Wagen zu hieven.

„Nicht schlecht für einen, der nun wirklich nicht mehr der jüngste ist, was?“, rief er.

Vor Leslies Augen drehte sich alles.

Er konnte sich nicht erinnern, sich je dermaßen schwach gefühlt zu haben. Er presste die Hand gegen den Oberkörper und spürte, wie das Blut zwischen seinen Fingern hindurchsickerte... Es musste schnell gehen, war Leslie klar.

Sonst würde er sein Leben aushauchen, noch ehe McGhees Wagen irgendwo angekommen war. Anscheinend war diesem das aber ebenfalls klar, denn er schwang sich mit einem Satz auf den Bock und trieb dann die Pferde unbarmherzig voran.

„Heya! Vorwärts, ihr lahmen Gäule!“

McGhee fuhr wie der Teufel und nahm dabei auf nichts und niemanden Rücksicht. Nicht auf sich selbst oder den Wagen, noch auf die Pferde, die ihr Letztes geben mussten... Das Gefährt humpelte über den unebenen Boden. Jede Erschütterung bedeutete unsagbare Schmerzen für Leslie. Aber da war etwas, das den jungen Mann das alles durchstehen ließ, ohne dass ein Laut über seine Lippen kam. Es war der Gedanke an Rache, der in Leslie brannte!

Ein Feuer, das gelöscht werden musste.

Irgendwann!

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Das Bett, in dem Leslie Morgan lag, war ein bisschen zu kurz für ihn, aber das war im Moment das geringste Problem. Mrs. McGhee hatte ihm einen provisorischen Verband angelegt, nachdem ihr Mann seinen Whiskey-Vorrat geopfert hatte, um die Wunde zu desinfizieren.

„Es ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas mache“, sagte er.

„Allerdings sah es bei keinem schlimm aus wie bei Ihnen, Mister Morgan!“

Leslie war unfähig, etwas zu erwidern.

Er fühlte den kalten Schweiß auf seiner Stirn. Gut möglich, dass sich die Wunde trotz des Whiskeys entzündete und ihn hinwegraffte...

Aber er wollte leben!

„Er braucht einen Arzt“, hörte er Mrs. McGhee sagen. Sie glaubte wohl, dass er schlief oder ohnmächtig war. „Sonst schafft er es nicht, John!“

„Ich weiß“, erwiderte McGhee und seufzte. „Aber ich kann nicht nach Amarillo fahren und Doc Kelly holen!“

„Warum nicht, John?“

„Weil der Kerl seinen Mund nicht halten kann und sich wie ein Lauffeuer verbreiten würde, wo der letzte der Morgan-Familie sich aufhält. Was glaubst du, wie schnell wir hier Besuch bekämen.“

Mrs. McGhee atmete tief durch. „Das ist wahr. Aber ohne Doc ist er so gut wie tot...“

„Ich hole einen aus Lockwood!“

„Dann bist du zwei Tage unterwegs! Ob er es bis dahin schafft?“

McGhee zuckte die Achseln.

„Wenn Dan Garth oder einer seiner Spießgesellen ihm den Rest gibt, wird seine Chance dadurch auch nicht besser, oder?“

John McGhees Schritte, als er den Raum verließ - das war das letzte, was Leslie Morgan hörte. Dann umgab ihn tiefe Dunkelheit. Schwarze Bewusstlosigkeit senkte sich über ihn und erlöste ihn für eine Weile von seinen Qualen.

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Die folgenden zwei Tage verbrachte Leslie Morgan in einem Dämmerzustand zwischen Fiebertraum und Bewusstlosigkeit. Ab und zu tauchte er aus diesem Zustand auf und sah in das Gesicht von Mrs. McGhee, die ihm kalte Tücher auf die Stirn gelegt hatte, um das Fieber zu dämpfen.

„Ist Ihr Mann noch nicht zurück?“, hauchte Leslie in einem einer wenigen Wachmomente.

Mrs. McGhee schüttelte den Kopf.

„Ich bete darum, dass er einen Doc gefunden hat!“

Es war gegen Mittag des dritten Tages, als John McGhee endlich zurückkehrte.

Und mit ihm kam ein hagerer, hoch aufgeschossener Mann in einem abgeschabten dunklen Anzug. Der Staub von der Fahrt durch das trockene Brassada-Land war unverkennbar.

„Das ist Doc Linklater aus Lockwood“, stellte McGhee ihn vor.

Linklater verzog keine Miene.

Der Doc wandte sich sofort seinem Patienten zu, stellte seine Tasche auf einen Stuhl und zog sich die Jacke aus.

„Er hat Fieber“, sagte Mrs. McGhee.

Aber das sah der Doc sicher auch selbst.

Er krempelte die Ärmel hoch. „Machen Sie heißes Wasser!“

„Ja.“

Der Doc untersuchte kurz die Wunde

„Ich muss operieren“, murmelte er dann.

Und in der nächsten Stunde holte er zwei Kugeln aus Leslie Morgans Körper.

Als er fertig war, packte er seine Sachen und wandte sich zum Gehen.

„Sie können sich nicht einfach davonmachen“, sagte McGhee.

„Jetzt nicht!“

„Ich kann nichts mehr tun“, sagte der Doc. „Alles, was getan werden konnte, habe ich getan. Vielleicht kommt er durch. Er sieht kräftig aus. Und er hat viel Lebenswillen. Das sind gute Voraussetzungen.“ Bevor Doc Linklater ging, wandte er sich noch einmal an McGhee. „Wer bezahlt übrigens meine Auslagen?“

„Warten Sie“, sagte McGhee. „Wie viel bekommen Sie?“

Der Doc nannte seinen Preis. Und McGhee ging an Leslies Tasche und nahm die letzten Dollars heraus, die sich darin befanden. Er musste selbst noch ein paar Cent dazulegen, damit es stimmte.

Dann ging der Doc wortlos hinaus, bestieg seinen Gaul und preschte davon.

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Die Tage gingen dahin und Leslie Morgans Zustand besserte sich zusehends.

Das Fieber ging zurück, die Wunde begann zu heilen, aber Leslie war immer noch sehr schwach.

Stundenweise stand er auf, lief etwas herum und wirkte wie ein gefangenes Tier, das nur darauf brannte, in die Freiheit entlassen zu werden.

„Können Sie mir irgendwie ein Pferd überlassen, McGhee?“, fragte er den Schwarzen eines Tages.

„Sie sind noch nicht gut genug beieinander, um aufzubrechen zu können“, erwiderte der alte Mann.

Leslie lächelte dünn.

„Je eher, desto besser!“

„Damit Sie in der Brassada verrecken?“

„Ich bin ein harter Brocken, McGhee.“

„Das schon...“

„Also, was ist? Ich habe keine Lust zu Fuß zu laufen...“

„Und keinen Dollar mehr!“

„Sie werden es von mir zurückbekommen, McGhee! Alles, was Sie für mich getan haben! Sobald ich ein paar Dollar habe...“

McGhee legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Damit lassen Sie sich ruhig Zeit! Ich weiß, dass Sie nichts schuldig bleiben!“

„Ich werde zurückkehren. Eines Tages!“

„Sicher...“

Am nächsten Tag ritt Leslie Morgan los. McGhee überließ ihm zu dem Pferd einen alten Sattel und Leslie schaffte es mit einiger Mühe, in die Steigbügel zu steigen und oben zu bleiben.

„Das Hemd meines Mannes steht Ihnen nicht schlecht“, meinte McGhees Frau.

„Ich danke Ihnen für alles“, sagte Leslie.

„Gegen die Wölfe müssen die Schafe zusammenhalten“, sagte John McGhee. „Sonst haben sie überhaupt keine Chance!“

Leslie Morgan schwieg.

Nein, dachte er. Er gehörte keineswegs zu den Schafen. Und dieser Kampf war auch noch nicht zu Ende...

Leslie winkte den McGhees kurz zu und ließ den Gaul dann über das weite Grasland laufen.

Einmal drehte Leslie sich kurz im Sattel herum, kurz bevor er hinter dem Horizont verschwand.

„Ich frage mich, ob wir ihn je wiedersehen“, meinte Mrs.McGhee.

Drei Monate später ging auf der Bank von Amarillo eine Überweisung für John McGhee ein. Anonym, nur mit dem Vermerk versehen: Für den Gaul!

Das war für lange Zeit das letzte Lebenszeichen von Leslie Morgan.

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Drei Jahre waren vergangen...

Dan Garth stand auf der Veranda seines Ranch-Hauses und blickte über das weiße Grasland, als dessen Herr er sich fühlte. Hinter den Hügeln lag irgendwo Amarillo, eine Stadt, die in den letzten Jahren stark gewachsen war

Und auch dort war sein Wort nach wie vor maßgebend. Mit seinem Geld waren die Kirche und das Rathaus gebaut worden. Zwei von drei Saloons gehörten ihm und beim Drugstore war er Teilhaber.

Und wenn das alles nicht genug war, um Einfluss zu nehmen und etwas so hinzubiegen, wie es Dan Garth in den Kram passte, dann blieb ihm immer noch seine knochenharte Ranchmannschaft. Viele der Männer, die Garth angeheuert hatte, waren keine gewöhnlichen Cowboys, sondern Männer mit dunkler Vergangenheit und einem lockeren Schießeisen. Männer, die bereit waren, für ein Trinkgeld zu töten... Dan Garth führte langsam die Blechtasse mit dem heißen Kaffee zum Mund und beobachtete einige seiner Leute dabei, wie sie Pferde einritten.

Dann ging sein Blick zum Horizont.

Einige Reiter kamen über die sanften Hügel. Ihre Gestalten wurden rasch größer und es dauerte nicht lange, da war Garth klar, dass das nicht seine eigenen Leute waren.

„Carter!“, rief er nach seinem neuen Vormann. Und schon einen Augenblick später kam dessen blasse Gestalt aus einem der Nebengebäude heraus, in dem die Mannschaft ihre Unterkünfte hatten.

Carter kam zur Veranda.

„Was gibt's, Boss?“

„Dahinten!“ Dan Garth deutete mit der Blechtasse auf die Reiter. „Das sind Jesse Shaw und seine Leute! Es wird Ärger geben!“

„Shaw ist ein Feigling, Mister Garth. Er wird es nicht wagen, sich gegen Sie zu erheben!“

„Nein, aber kann mir Schwierigkeiten machen“, knurrte Garth grimmig.

Carter überprüfte indessen den Sitz seines Revolvers. Sicher war sicher.

Auch die anderen Männer waren auf die Ankömmlinge aufmerksam geworden.

Als die Reiter bis zur Veranda des Ranchhauses herangekommen waren, hob Jesse Shaw die Hand. Der Trupp kam zum Stehen, während Garth Leute sich nicht weiter um die Mustangs hinter dem Gatter scherten, sondern näherkamen und die Neuankömmlinge interessiert musterten.

Dan Garth blieb sehr ruhig.

Er trug im Moment keinen Revolver an der Seite, aber das war nicht weiter schlimm.

Wenn es hart auf hart ging und ein Schießeisen benutzt werden musste, dann würde er sich auf seinen Vormann Carter verlassen können.

„Was ist los, Shaw?“, rief Garth. „Sie haben ja eine ganze Armee mitgebracht! Trauen Sie sich nicht mehr allein hier her!“

Jesse Shaws feistes Gesicht verzog sich ärgerlich.

„Ich muss mit Ihnen reden, Garth!“

„Kommen Sie ins Haus, Shaw!“

„Nein!“

Garth hob die Augenbrauen. Aber seine kantigen Züge zeigten keinerlei Regung. „Wie Sie wollen!“

„Die Sache lässt sich schnell regeln, wenn Sie vernünftig sind! Es geht um die Nordweide...“

„Was ist damit?“

„Tun Sie nicht so! Seit Jahren schon nutzen meine Cowboys sie...“

„Damit ist nun Schluss“, erwiderte Garth kalt und schnitt Shaw damit das Wort ab.

Shaw war außer sich.

„Ich konnte es erst kaum glauben! Sie haben Ihre Bastarde losgeschickt und meine Tiere zerstreut...“

„Schon möglich“, zischte Garth und dabei fixierte sein kalter Blick den anderen Rancher. „Ich brauche die Weide jetzt! Und die beiden Cowboys von Ihnen, die meine Leute auf der Nordweide antrafen, waren klug genug, um zu erkennen, wie hier die Kräfteverhältnisse sind. Ich hoffe, Sie sind es auch, Shaw!“

„Sie haben kein Recht dazu!“

„Ach, nein?“

„Ich brauche die Weide!“

„Sehen Sie zu, dass Ihre Tiere und Ihre Cowboys sich dort in Zukunft nicht mehr blicken lassen. Habe ich mich klar ausgedrückt?“

Shaws Nasenflügel bebten vor zorniger Erregung. Die Hand wurde unwillkürlich zur Faust.

„Damit kommen Sie nicht durch, Garth!“

Garth lachte rau.

„Was Sie nicht sagen...“

Der Rancher drehte sich halb herum und trank den Kaffee aus. Er schien keine Lust mehr zu haben, sich weiter mit Shaw zu streiten.

„Sehen Sie mich an, Garth!“

„Es ist alles gesagt!“

„Sie arroganter Kerl! Sie glauben wohl, Sie könnten sich alles erlauben, aber irgendwann werden Sie einen Schritt zu weit gehen! Irgendwann...“

Shaw war rot angelaufen. Er wirkte wie eine Dynamitstange kurz vor der Explosion.

„Seien Sie vernünftig, Shaw!“

„Sie meinen, ich soll den Schwanz vor Ihnen einziehen!

Aber...“

Garth hörte nicht weiter zu, sondern ging in Richtung Tür und ließ Shaw wie einen begossenen Pudel stehen.

Das brachte das Fass zum Überlaufen!

„Verdammt, sehen Sie mich an, Garth!“

Und dann ging Shaws Hand zur Hüfte. Er hatte den Griff seines 45er Colts kaum berührt, da hatte Carter, der neue Vormann der Garth-Ranch bereits sein Eisen herausgebracht und abgefeuert.

Shaw schrie auf, als ihm die Kugel in den Körtper vor. Die Wucht des Geschosses riss ihn nach hinten und streckte ihn zu Boden. Irgendwo im Bereich der Schulter musste es ihn erwischt haben, denn sein Hemd färbte sich dort blutrot. Sein Revolver steckte noch immer im Holster und im Moment war er auch gar nicht in der Lage, ihn noch zu erreichen. Sein rechter Arm schien ihm nämlich nicht mehr zu gehorchen. Einige aus der Shaw-Mannschaft waren zusammengezuckt und hatten die Hände zu den Revolvern gleiten lassen. Aber sie waren sofort zu Salzsäulen erstarrt, als sie in die offenen Revolvermündungen blickten, die von allen Seiten auf sie gerichtet waren.

Garth' Leute hatten eine Art Halbkreis um den Reitertrupp gebildet.

Shaws Leue waren klug genug, nichts zu unternehmen. Ihr Boss wand sich indessen im Staub und stöhnte vor Schmerz.

Dan Garth drehte sich langsam herum und knurrte dann: „Was ist? Wollt ihr euren Boss hier liegenlassen?“

Zwei der Reiter sprangen nach einigem Zögern aus dem Sattel. Die Angst steckte ihnen im Nacken, das war ihnen deutlich anzusehen. Sie beugten sich über Shaw, halfen ihm auf und hievten ih auf seinen Gaul.

„Ihr Tag wird auch noch kommen, Garth!“, krächzte Shaw. Garth konnte dafür nur ein müdes Lächeln erübrigen.„Das, was Sie heute versucht haben, sollten Sie nie wieder versuchen, Shaw! Ich habe Männer schon aus viel nichtigeren Anlässen ins Jenseits geschickt, wenn es nötig war...“

Jesse Shaw lenkte mühsam sein Pferd herum und gab ihm die Sporen. Seine Männer folgten ihm, verängstigt wie ein Schar Hasen.

Shaw und seine Leute schienen es eilig zu haben, diesen Ort zu verlassen.

Nicht lange und die Reitergruppe war hinter den nächsten Hügeln verschwunden.

Dan Garth wandte sich an seinen Vormann Carter.

„Danke, Roy!“

„Sie wissen doch, dass Sie sich auf mich verlassen können, Boss!“

Garth nickte. „Sicher.“

Auf Roy Carters bleichem Gesicht zeigte sich die Ahnung eines Lächelns. Es wirkte mehr wie eine Grimasse. Er strich sich den dünnen Oberlippenbart glatt und meinte dann: „Sie haben jetzt einen weiteren Feind, Garth!“

„Sprichst du von Shaw, diesem feigen Hund?“

„Er hasst Sie, Mister Garth! Und wenn sich eine Gelegenheit ergibt, wird er gegen Sie vorgehen!“

Garth lachte schallend und schüttelte energisch den Kopf.

„Er ist ein Feigling, Roy! Er wird es nicht wagen, die Hand gegen mich zu erheben, so sehr ihn das mit der Nordweide auch wurmt!“

„Ich hoffe, Sie haben recht, Mister Garth!“

Garth hob die Augenbrauen und musterte seinen Vormann eine Weile. Dann fragte der Rancher: „Was würdest du vorschlagen?“

Roy Carters Gesicht blieb völlig unbewegt.

Dann machte er eine eindeutige Geste, indem er seine Handkante am hervorstehenden Adamsapfel vorbeischnellen ließ.

„Wenn's nach mir ginge: Kurzer Prozess, Boss! Wie damals, bei diesem widerspenstigen Caleb Morgan und seinen nichtsnutzigen Söhnen!“

„Die hatten auch nicht ein Dutzend Cowboys auf ihrer Seite“, gab Dan Garth zu bedenken. Er hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, scheute aber das Risiko.

Ein hässliches schiefes Grinsen spielte um Roy Carters Mundwinkel.

„Zahlen Sie jedem der Männer einen Jahresverdienst. Was glauben Sie, wie schnell die über alle Berge sind!“

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Es war bereits dunkel, als der einsame Reiter die Stadt Amarillo erreichte.

Er war tagelang geritten. Den dunklen Hut trug er tief ins Gesicht gezogen, den Kragen seiner Jacke hatte er hochgeschlagen. An der Seite blitzte der Revolver hervor, den er im tiefgeschnallten Holster stecken hatte.

Der Reiter hielt geradewegs auf den Dead Indian-Saloon zu, in dessen Räumen sich Hotelzimmer befanden.

Sein Pferd machte er an der Querstange neben den anderen Gäulen fest, dann hängte er sich die Satteltaschen über die linke Schulter und nahm die Winchester aus dem Sattelschuh. So ging er durch die Schwingtüren.

Drinnen herrschte ausgelassene Stimmung. Ein paar Männer standen an der Theke, an den Tischen wurde Karten gespielt. Der Fremde blieb einen Augenblick in der Tür stehen und ließ den Blick über die Männer schweifen. Dann ging er gerade durch den Raum und legte seine Sachen auf die Theke.

„Ich will ein Zimmer mit Blick zur Straße“, sagte er zu der der schönen Saloonerin mit den hellblonden Haaren, die zusammen mit einem langen, dürren Kerl hier den Laden zu schmeißen schien.

Sie war ziemlich jung und außerordentlich hübsch. Wahrscheinlich kam ein Teil der Männer nur ihretwegen hier her, denn der Whiskey war teurer als in den anderen drei Saloons von Amarillo.

Die Blonde schenkte dem Fremden ein reizendes Lächeln und meinte: „Kein Problem!“

Plötzlich kam einer der anderen Kerle herbei. Seiner Kleidung nach war ein Cowboy. Er trug die ledernen Chaps noch um die Beine.

Er packte den Fremden an der Schulter und riss ihn herum. Er blickte ihm direkt in die dunklen Augen. Ein Drei-Tage-Bart stand in dessen Gesicht.

Aber der Cowboy erkannte ihn dennoch und erbleichte.

„Leslie Morgan“, flüsterte er und schüttelte fassungslos den Kopf. Der Cowboy wich ein paar Schritte zurück und stierte den Fremden an, als hätte er ein Gespenst vor sich. „Das ist unmöglich...“

Mit einem Mal herrschte Totenstille im Schankraum. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

„Ich kenne dich“, sagte Leslie Morgan mit ruhiger, tiefer Stimme an den Cowboy gewandt. „Du bist Haines - einer von Dan Garth' Männern!“

Der Cowboy sagte gar nichts.

Er stand mit offenem Mund da und schüttelte nur stumm den Kopf. Leslie Morgans Gesicht blieb regungslos. Seine dunklen Augen musterten Haines abschätzig.

„Du wunderst dich, dass noch einer der Morgans am Leben ist, nicht wahr?“

„Ich...“

„Ja, es war wirklich großes Glück dabei! Und es hat eine Weile gedauert, bis ich wieder einigermaßen auf den Beinen war. Aber ich habe es geschafft!“

„Hören Sie...“, flüsterte Haines, brach dann aber ab. Er schien selbst nicht so recht zu wissen, was er sagen sollte und deshalb stammelte er nur irgendetwas vor sich hin. Er hatte Angst. Vielleicht war es auch so etwas wie ein Gewissen, was sich bei ihm meldete. Die Gespenster der Vergangenheit waren zurückgekehrt und verlangten nach Gerechtigkeit... Haines wich noch zwei Schritte zurück.

Leslie Morgan bemerkte sehr wohl, wie sich die Hand des Cowboys immer weiter in Richtung des Revolverholsters stahl, dass er an der Seite trug...

„Drei Jahre ist es jetzt her, seit meine Eltern und mein Bruder umgebracht und unsere Ranch niedergebrannt wurde!“, fuhr Leslie indessen fort. Dabei ließ der den Blick nicht von Haines, der noch immer nicht so recht verdaut zu haben schien, was vor sich sah. „Drei Jahre!“, sagte Leslie und die ganze Bitterkeit kam in ihm wieder hoch. „Und du warst dabei, Haines! Ich habe dich unter den Reitern gesehen!“

Haines atmete tief durch.

Er hörte, wie die anderen Männer zu tuscheln begannen.

„Er ist es!“

„Kein Zweifel, er ist es!“

„Hieß es nicht, alle Morgans wären umgekommen!“

Haines war schon fast bei der Schwingtür.

Er schien sich noch nicht entschieden zu haben, ob er den Revolver ziehen oder sich davonmachen sollte.

„Du bist hier, um Ärger zu machen, nicht wahr?“, fauchte er Leslie dann an, nachdem er einigermaßen Luft geschnappt hatte.

„Ich bin hier, um die Morgan-Ranch wieder aufzubauen“, erklärte Leslie kühl und setzte dann noch hinzu: „Und um Gerechtigkeit zu fordern! Du kannst meinetwegen gleich zu deinem Boss rennen, um ihm das zu sagen!“

„Du musst wahnsinnig sein, Morgan!“, zischte Haines.

„Das wird sich zeigen!“

Damit wandte Leslie sich zum Schanktisch um und sagte zu der blonden Saloonerin: „Geben Sie mir das Gästebuch, Miss, damit ich mich eintragen kann. Außerdem brauche ich eine Mahlzeit, die unter die Rippen geht und ein Bad. Ich habe die letzten vier Tage im Sattel verbracht!“

Erst hatte es so ausgesehen, als wollte Haines durch die Schwingtüren ins Freie.

Aber urplötzlich überlegte er es sich anders. Haines' Rechte ging griff blitzartig zum Revolver. Nur den Bruchteil einer Sekunde später krachte bereits der erste Schuss. Aber Haines hatte überhastet losgeballert.

Die Kugel durchschlug dicht neben Leslie den Schanktisch und ließ dessen Holz splittern. Gleichzeitig waren die Salooner in Deckung gegangen.

Leslie Morgan reagierte blitzschnell, duckte sich, riss den Colt heraus und feuerte gerade noch rechtzeitig zurück, um Haines am zweiten Schuss zu hindern.

Haines hatte die Kugel mitten in den Oberkörper bekommen. Die Wucht des Geschosses ließ ihn rückwärts durch die Schwingtüren taumeln.

Draußen fiel er schwer auf den Boden und schien sich nicht mehr zu rühren.

Einer der anwesenden Zecher erhob sich von seinem Platz beim Kartenspiel und rannte hinaus. Einige andere folgten ihm.

„Er ist tot!“, hörte Leslie einen von ihnen feststellen. Die Männer kamen wieder herein. Keiner sprach ein Wort. Und Leslie Morgan wusste, weshalb.

Sie empfanden so etwas wie Scham.

Sie alle hatten sich viel zu lange vor Dan Garth geduckt. Sie hatten weggeschaut, wenn Garth sich einen von ihnen vorknöpfte.

So wie damals, vor drei Jahren. Niemandem aus Amarillo wäre es eingefallen, Dan Garth wegen der Sache anzuklagen. Unruhige Zeiten kamen auf Amarillo zu und allen im Raum war das instinktiv klar.

„Bringen Sie mir das Essen auf''s Zimmer“, sagte Leslie Morgan zu der blonden Saloonerin, nachdem er bezahlt und einen Schlüssel mit der Nummer 7 erhalten hatte.

„Soll ich Ihnen das Zimmer zeigen?“

„Ich werd's schon finden.“

Damit nahm er seine Sachen vom Schanktisch und ging in Richtung Treppe.

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Leslie brauchte nicht lange zu warten, bis das Essen kam.

„Wo soll ich es Ihnen hinstellen?“, fragte die junge blonde Frau, während sie mit dem Tablett in der Hand im Türrahmen stand.

„Da, drüben, auf den Tisch!“

Sie nickte und ging an ihm vorbei, um das Tablett abzustellen.

„Ich hoffe, es ist Ihnen recht: Kaffee, Schinken, Speck, Eier...“

„Es ist großartig!“

„Sie sind ein bisschen spät dran für eine warme Mahlzeit. Sonst ist unsere Auswahl etwas größer!“

„Ich sagte doch: Es ist okay, Ma'am!“

Sie kam zurück zur Tür und blieb dicht Leslie stehen. Ihre blauen Augen musterten ihn aufmerksam. Dann sagte sie: „Ich will Ihnen nicht vorschreiben, was Sie zu tun haben, Mister Morgan! Aber vielleicht wäre es das Klügste, wenn Sie verschwinden, solange Dan Garth noch nicht seine Meute von Bluthunden zusammengetrommelt hat, um Sie zu erledigen!“

„Ich danke Ihnen für die Warnung, Miss...“

„Casey.“

Ein kurzes Lächeln ging über Leslie Morgans Züge, die in den vergangenen drei Jahren etwas Hartes bekommen hatten.

„Ich kann schon auf mich aufpassen, Miss Casey!“

„Sie haben einen von Garth' Männern erschossen.“

„Notwehr.“

„Was auch immer. Für Garth sind solche Dinge unerheblich.“

„Sorgen Sie dafür, dass ich morgen früh um sechs geweckt werde.“

„Das geht in Ordnung.“

Er sah ihr nach, als sie die Treppe hinunterging. Und dabei dachte er: Wenn sie vor drei Jahren schon hier in Amarillo gewesen wäre, wäre sie mir sicherlich aufgefallen... Sie musste danach gekommen sein.

Sie blickte noch einmal kurz um.

Dann drehte Leslie sich um und ging in sein Zimmer. Sorgfältig verschloss er die Tür hinter sich.

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Es dauerte keine zehn Minuten, da klopfte es wild an der Zimmertür.

„Wer ist da?“, fragte Leslie.

„Ich. Miss Casey!“

Leslie hatte gerade die letzten Bissen von der Mahlzeit hinuntergeschlungen, die Miss Casey ihm bereitet hatte. Er erhob sich von dem groben Holzstuhl, den er im Zimmer hatte und trat zur Tür.

„Was ist noch?“

„Ich muss Ihnen noch frische Bettwäsche bringen.“

Leslie schloß die Tür auf und blickte in der nächsten Sekunde in die blanke Mündung eines Revolverlaufs.

„Schön ruhig“, zischte eine heisere Stimme und Leslie erstarrte zur Salzsäule.

„Wheaton“, flüsterte er.

„Er hat mich dazu gezwungen“, war Miss Carey zu hören, deren Arm nach hinten gebogen war und sich im eisernen Griff einer behaarten Pranke befand.

Der Mann, der Miss Carey jetzt grob von sich stieß, sodass sie fast die Treppe hinunterfiel, musste von den Toten auferstanden sein.

„Verschwinde!“, knurrte er der Blonden hinterher, die ihn anstierte wie ein Ungeheuer.

Ihm fehlte ein Auge. Die leere Höhle war von einer dunklen Filzkappe bedeckt. Außerdem trug er jetzt einen Bart. Aber er war es, daran konnte es für Leslie Morgan nicht den geringsten Zweifel geben.

Bill Wheaton, vor drei Jahren noch Vormann der Garth-Mannschaft. Unvorstellbar, dass er noch auf zwei Beinen steht, ging es Leslie durch den Kopf.

Schließlich hatte er doch mit eigenen Augen gesehen, wie der Vormann der Garth-Mannschaft getroffen wurde...

„Ich hatte gedacht, Sie wären tot“, stellte Leslie kühl fest, nachdem er den ersten Schrecken verdaut hatte. Wheaton verzog sein entstelltes Gesicht.

„Dasselbe hatte ich von Ihnen gedacht, Morgan! Aber wie Sie sehen, habe ich überlebt! Auch wenn ich jetzt ein Krüppel bin...“

Er wandte kurz den Kopf und bellte zu Miss Casey hinab: „Verschwinde endlich!“

Sie gehorchte und ging hinab, Richtung Schankraum. Dann machte Wheaton eine Bewegung mit seinem 45er. Leslie ging ein paar Schritte zurück. Wheaton betrat humpelnd den Raum und schloss die Tür hinter sich.

Die ganze Zeit über hielt er den Revolver in Leslies Richtung.

„Gürtel abschnallen!“, knurrte er. „Aber schön vorsichtig. Eine dumme Bewegung und Sie sind tot!“

„Ein weiterer Mord?“, meinte Leslie. „Sie nehmen das nicht so genau, was? Und dass unten im Schankraum jede Menge Zeugen sind, die einen Schuss hören würden, macht Ihnen wohl auch nichts!“

„Wer spricht denn von Mord?“, lachte Wheaton.

Er zog seine Jacke zur Seite.

Zum Vorschein kam etwas metallisch blinkendes. Leslie Morgan glaubte, seinen Augen nicht zu trauen. Ein Sheriff-Stern an der Brust des Mannes, der seinen Bruder erschossen hatte!

Das hat Garth sich schlau ausgedacht, schoss es Leslie bitter durch den Kopf. Vor drei Jahren hatte es noch keinen Sheriff in Amarillo gegeben, aber auf die Dauer war das wohl nicht zu verhindern gewesen. Und so hatte Garth den Posten mit einem seiner Männer besetzt. Vermutlich wäre Wheaton nach den Verletzungen, die er davongetragen hatte, auch gar nicht mehr in der Lage gewesen, als Vormann auf einer Ranch zu arbeiten. Aber um für Dan Garth in Amarillo den Stern herumzutragen, reichte es immer noch!

„Alle Achtung“, meinte Leslie ironisch und pfiff durch die Zähne.

Leslie blieb nichts anderes übrig, als zu gehorchen und den Revolvergurt abzuschnallen. Die Waffe krachte schwer auf den Boden. „Wer hätte das gedacht...“

„Sie hätten nicht zurückkehren sollen, Morgan! Das war ein Fehler!“

Leslie musterte sein Gegenüber abschätzig.

Und dabei überlegte er fieberhaft, wie er sich aus dieser Klemme befreien konnte...

Er musste Zeit gewinnen.

„Und jetzt?“, fragte er. „Eine Kugel in den Kopf? Oder bringen Sie mich aus der Stadt und überlassen die eigentliche Arbeit anderen?“

„Wo denken Sie hin! Bei uns herrscht jetzt das Gesetz!“, erklärte Wheaton in einem Tonfall, der vor Zynismus troff. „Ich werde Sie erstmal in ein anderes, nicht ganz so luxuriöses Zimmer umquartieren! Und dann sehen wir weiter. Schließlich haben Sie einen Mann erschossen, das hat der ganze Saloon gesehen! Dafür sind schon Männer aufgeknüpft worden...“

„Es war Notwehr!“

„Wird sich zeigen...“

„Haben Sie was dagegen, wenn ich meinen Kaffee noch zu Ende trinke? Ich war gerade beim Essen...“ Leslie machte einen vorsichtigen Schritt in Richtung Tisch.

„Nochmal so eine Bewegung und du siehst so löchrig wie ein Waschbrett aus!“, zischte Wheaton.

Der Einäugige kam etwas näher.

Sein Gesicht hatte sich zu etwas verzogen, das er vielleicht für ein Lächeln hielt. Es gefiel ihm, den Mann in seiner Gewalt zu haben, den er dafür verantwortlich machte, dass er ein Krüppel war.

„Gehen wir!“, zischte er.

Leslie Morgan nickte und machte vorsichtig einen Schritt. Er tat so, als wollte er sich in Richtung Tür wenden. Dann ließ Leslie blitzschnell seine Linke vorschnellen. Mit traumwandlerischer Sicherheit packte er zu. Sein eiserner Griff ging um Wheatons Handgelenk und bog den Waffenarm zur Seite.

Ein Schuss krachte und ging in den Holzboden.

Und dann erstarrte der Mann mit dem Blechstern auf einmal. Sein Mund ging vor Schrecken einige Augenblicke lang nicht mehr zu.

Wheaton blickte direkt in die kleine, blanke Mündung des Derringers, den Leslie blitzschnell aus seiner Jackentasche gefingert hatte.

Leslie brauchte nichts weiter zu sagen. Er nahm Wheaton den 45er aus der Hand.

„Wen Sie mich erschießen, ist das Ihr Todesurteil“, sagte Wheaton. „Polizistenmord ist ein schweres Verbrechen!“

„Ich habe nicht vor, Sie zu erschießen!“

Wheatons Körperhaltung entspannte sich sichtlich.

„Was hält Sie davon ab?“

„Die Versuchung ist groß. Aber ich bin im Gegensatz zu Ihnen kein dahergelaufener Mörder!“ Leslie spuckte aus. „Auch der Stern an ihrem Hemd wird aus Ihnen nichts anderes machen! Und nun scheren Sie sich hinaus! Und wenn Sie das nächste mal etwas von mir wollen, dann melden Sie sich besser an!“

Er humpelte zur Tür.

Er wollte etwas sagen, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken.

Er riss die Tür auf und hinkte auf den Flur.

In der Zwischenzeit ließ Leslie Morgan die Patronen aus Wheatons Revolver herausfallen. Sie klackerten eine nach der anderen auf den Boden.

„Hier!“, rief Leslie dann und warf Wheaton die entleerte Waffe zu. Im letzten Moment fing dieser sie auf und steckte sie ins Holster zurück.

Einen Moment später hörte Leslie ihn die Treppe hinunterhumpeln

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Wenig später kam Miss Casey noch einmal die Treppe hinauf zu Leslies Zimmer.

„Ihnen ist nichts passiert, Mister Morgan?“

Leslie grinste matt.

„Nein.“

„Gott sei dank. Wir alle da unten haben den Schuss gehört und als Wheaton dann zurückkehrte...“

„Ich habe nichts abbekommen.“

Miss Casey lächelte.

„Es tut mir leid, dass ich Sie nicht warnen konnte.“

„Schon gut, was hätten Sie schon tun sollen!“

Sie zuckte mit ihren schmalen Schultern.

„Ich weiß es nicht.“

„Na, sehen Sie!“

Sie sah ihn mit ihren blauen Augen an und sagte dann nach einer kurzen Pause: „Sie sind ein mutiger Mann, Leslie Morgan!“

„Danke.“

„Es gehört schon eine ganze Menge dazu, sich gegen Dan Garth und seine Schergen zu erheben.“

„Nun...“

Sie fasste ihn am Arm und ihre Stimme klang nun fast beschwörend.

„Trotzdem! Sie sollten verschwinden, solange man Sie noch lässt, Les!“

Er schüttelte den Kopf.

„Nein, ich habe vor, mich hier niederzulassen. Das Gesetz ist auf meiner Seite und es gibt nichts und niemanden, der mich daran zu hindern vermag!“

Sie stemmte ihre schlanken Arme in die Hüften und meinte dann: „Glauben Sie, Sie wären der erste, der einen Grund hätte, sich an Dan Garth und der Bande von Halunken, die mit ihm reitet und seine Drecksarbeit macht, zu rächen! Glauben Sie das wirklich? Wenn ich eine Chance sehen würde, gegen ihn vorzugehen, dann hätte ich sie schon genutzt! Aber dieser Mann sitzt hier in der Gegend einfach zu sicher im Sattel. Wenn Sie einen Prozess führen wollen, dann bestellt er gekaufte Zeugen. Und wer aufmuckt, der hat schneller eine Kugel im Kopf, als er für möglich hält und kein Hahn kräht mehr nach ihm!“

Der Ton der jungen Frau war bitter geworden.

Leslie horchte auf.

Seine Augen wurden schmal.

„Erzählen Sie weiter!“

Da war etwas Glitzerndes in ihren blauen Augen. Tränen.

„Was glauben Sie wohl, warum ich im Dead Indian arbeite? Es ist der kleinste Saloon von Amarillo, aber der einzige, der nicht Dan Garth gehört!“

„Was hat Garth Ihnen getan?“

Sie atmete tief durch. Ihr Blick ging nach innen. Schließlich sagte sie: „Er hat meinen Bruder Rick erschossen. Rick und ich kamen vor zwei Jahren nach Amarillo. Wir arbeiteten in einem einem von Garth' Saloons. Rick war Klavierspieler...“

Sie hielt inne.

Unsagbare Traurigkeit stand in ihrem Gesicht und Leslie legte sanft den Arm um ihre Schulter. Und dabei fragte er sich, was ein Mann wie Dan Garth wohl gegen Klavierspieler haben konnte.

„Was ist passiert, Miss Casey?“

„Garth war betrunken. Er torkelte durch den Saloon und ballerte mit seinem Revolver herum. Nur so zum Vergnügen. Aber eine verirrte Kugel traf Rick in den Rücken. Drei Tage später war er tot...“

Leslie strich der jungen Frau über das dichte blonde Haar und sagte: „Auch Dan Garth wird eines Tages eine Rechnung präsentiert bekommen, Miss Casey...“

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Am Morgen wurde Leslie durch ein barsches Klopfen an der Zimmertür geweckt.

Seine Hand griff instinktiv zum Derringer, den er unter den Kopfkissen liegen hatte.

„Wer ist da?“, fragte er.

„Ich bin's. Miss Casey! Ich sollte Sie um sechs Uhr wecken!“

Es dauerte nicht lange und Leslie Morgan tauchte vollständig angezogen im Schankraum auf.

Miss Casey hatte ihm ein Frühstück gemacht.

Nachdem sie es ihm auf einen der rohen Holztische gestellt hatte, setzte sie sich zu ihm.

Sie waren allein im Schankraum.

„Was haben Sie vor, Les?“

„Die Ranch meiner Eltern wieder aufbauen.“

„Wie wollen Sie das machen? Sie haben keine Rinder und keine Mannschaft.“

„Ich werde Rinder kaufen, sobald es dafür an der Zeit ist. In den drei Jahren, die ich weg war, habe ich hart gearbeitet und etwas gespart...“

„Rinder kann man kaufen, Les. Aber eine Mannschaft werden Sie nicht bekommen. Kein Mann im Umkreis von dreißig Meilen wird so dumm sein, für Sie zu arbeiten...“

„Nach und nach wird sich das schon ändern...“

„Sie sind wahnsinnig, Les!“

Leslie lachte.

„Sie unterschätzen mich gewaltig, Ma'am.“

„So?“

„Warten Sie es ab!“

„Und Garth? Glauben Sie, er wird ruhig zusehen, wie Sie hier Unruhe stiften?“

Ein Lächeln ging über Leslie Morgans Gesicht. Ein Lächeln, das Miss Casey nicht verstand, denn es hatte etwas Triumphierendes. Und von einem Triumph war dieser einsame Reiter doch weit entfernt.

Er hatte nicht einmal eine Chance.

„Sagen Sie bloß, Sie haben noch ein Ass unter Ihren Karten, Les!“

„Habe ich!“

„Verraten Sie es mir?“

Der Blick ihrer blauen Augen war warm. Leslie Morgan hatte so etwas lange nicht gesehen...

„Es gibt ein neues Gesetz“, erklärte er dann. „Die Zeit der freien Weide ist vorbei, auch wenn sich das noch nicht überall herumgesprochen hat und viele Rancher es einfach nicht wahrhaben wollen. Jeder kann jetzt das Land von der Regierung erwerben, es einzäunen und anschließend damit machen, was er will. Und ich habe mir einen Besitztitel besorgt. Mir gehört jetzt alles Land bis hinunter zum Bear Creek...“

Miss Casey hob die Augenbrauen.

„Ein Schlag in das Gesicht von Dan Garth!

„Es ist der Anfang von seinem Ende! Er braucht dieses Land, um seine Tiere hinüberzutreiben, wenn er nicht einen riesigen Umweg machen will. Und er braucht das Wasser des Bear Creek...“

„Er wird Sie dafür umbringen.“

„Er wird es versuchen“, korrigierte Leslie.

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Mit der Winchester über der Schulter ging Leslie Morgan die paar Schritte zum Mietstall von Doug Garrison, wo er sein Pferd für die Nacht untergestellt hatte.

Es war noch niemand wach.

Leslie ging in den Stall, nahm seinen Sattel und setzte ihm seinem Gaul auf den Rücken.

Dann bemerkte er eine Bewegung, irgendwo in einer der der Boxen. Eines der Tiere schnaubte und trat einen Schritt zurück. Im ersten Moment hatte Leslie an eine Ratte gedacht, aber dann sah er eine menschliche Gestalt aus dem Stroh auftauchen und sich die Augen reiben.

Der Mann war schwarz, seine Haare schon deutlich ergraut. Er starrte Leslie mit gerunzelter Stirn an und schüttelte dann stumm den Kopf.

„Mister Morgan!“

„McGhee!“

„So stimmt es also! Sie sind wieder da!“

„Ja. Und ich habe vor, zu bleiben!“

John McGhee kam aus der Box heraus, ging auf Leslie Morgan zu und fasste ihn bei den Schultern.

„Es freut mich, Sie zu sehen!“

„Das Geld für den Gaul haben Sie hoffentlich erhalten!“

„Habe ich.“

Als die erste Wiedersehensfreude verflogen war, musterte Leslie sein Gegenüber nachdenklich. „Was machen Sie um diese Zeit hier im Stall, McGhee?“

„Doug Garrison ist so nett und hat mir gestattet, hier zu schlafen!“ McGhee zuckte die Achseln.

„Was ist mit Ihrer Farm?“

„Dan Garth hat in den letzten Jahren seine Herde stark vergrößert. Und meine Farm war ihm im Weg. Er wollte, dass meine Frau und ich verschwinden. Aber das wollten wir nicht. Anderswo nochmal von vorne anfangen, dazu bin ich zu alt!“

Seine Stimme wurde brüchig.

Leslie legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Was ist geschehen?“

„Eines Tages hat er einige hundert Longhorns über mein Land gehetzt, die haben meine Farm in Grund und Boden getrampelt! Meine Frau und ich konnten kaum mehr als das nackte Leben retten. Sie ist dann kurze Zeit später gestorben. War wohl einfach zuviel für sie...“

„Das tut mir leid!“

„Das war vor einem halben Jahr“, fuhr McGhee fort. „Und ich schlage mich seitdem mit Gelegenheitsjobs so durch. Aber wer will ein paar alte Knochen schon einstellen und dafür bezahlen?“

Leslie steckte seine Winchester in den Sattelschuh und überlegte einen Augenblick. Dann sagte er: „Ich kann einen Mann gebrauchen. Aber es wird nicht ungefährlich, denn was ich vorhabe, wird Dan Garth nicht gefallen!“

McGhee ballte unwillkürlich die Hand zu Faust.

„Dann bin ich auf jeden Fall dabei“, meinte er. „Fragt sich nur, ob Sie einen alten Mann wie mich überhaupt gebrauchen können!“

Ein mattes Lächeln ging über Leslies Gesicht.

„Wie man Zäune aufstellt, wissen Sie doch noch, oder?“

„Sicher.“ McGhee atmete tief durch und fuhr schließlich fort: „Ich habe nicht einmal eine Waffe, Mister Morgan!“

„Ich besorge eine. Bevor es losgeht, muss ich ohnehin noch einkaufen! Und einen Gaul können wir sicher im Mietstall bekommen.“

McGhee nickte langsam.

„Worum geht es? Was haben Sie genau vor, Mister Morgan?“

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Leslie Morgan hatte Werkzeug und eine Winchester gekauft. Die Waffe gab er McGhee.

Als die beiden Männer dann auf ihren Pferden saßen und die Main Street von Amarillo entlangritten, standen schon einige der Städter am Straßenrand und begafften sie.

Eine Mischung aus Bewunderung und Unverständnis stand auf den Gesichtern dieser Leute.

„Ich schätze, die haben schon Wetten darauf abgeschlossen, wie lange wir am Leben bleiben“, raunte McGhee. „Wahrscheinlich hat keine Seele auch nur einen Cent auf uns gesetzt!“

Leslie lächelte dünn.

„Schon möglich. Aber die meisten von ihnen werden ihr Geld dabei verlieren...“

„Sie haben eine Menge Vertrauen in die Zukunft“, brummte McGhee.

„Warum auch nicht?“, erwiderte Leslie. „Ich habe einen guten Plan und den Willen, ihn durchzusetzen.“ Leslie Morgan blickte McGhee einen Augenblick lang prüfend an. „Wenn Ihnen die Sache jetzt doch zu heiß ist, McGhee, dann können Sie immer noch umkehren.“

„Ich soll Sie im Stich lassen? Sie kennen mich aber schlecht!“

„Ich wollte es nur gesagt haben.“

„Das haben Sie ja jetzt. Und fangen Sie nie wieder davon an!“

„Wie Sie wollen, McGhee!“

„Ich war innerlich schon so gut wie tot. Aber jetzt lebe ich wieder!“

Sie ritten völlig unbehelligt die Main Street entlang. Insgeheim hatte Leslie damit gerechnet, dass Bill Wheaton, der einäugige Sheriff, ihnen vielleicht noch einmal in den Weg treten würde.

Aber der Sternträger zog es vor, in seinem Office zu bleiben. Leslie ritt mit McGhee zunächst in Richtung der alten Morgan Ranch. Vielleicht waren noch Dinge zurückgeblieben, die man verwenden konnte. Ein Pferdewagen zum Beispiel. Aber es war genauso gut möglich, dass alles nach und nach ausgeplündert worden war.

Die Tiere der Ranch, die aus dem brennenden Stall geflohenen Pferde und die Rinder waren sicher in den Beständen von Garth und Shaw aufgegangen...

Ein beklemmendes Gefühl machte sich bei Leslie bemerkbar, als sie jenen Hügel endlich erreichten, auf dem einst die Morgan-Ranch gestanden hatte.

Verkohlte Ruinen, mehr war nicht geblieben. Und die Asche hatte der Wind weit in die Umgebung gestreut. Eine gespenstische Stille lag über diesem Ort und McGhee bemerkte sehr wohl, wie sehr Leslie das alles mitnahm. Leslie stieg von seinem Pferd und stand eine Weile lang einfach nur stumm da. Ein kühler Wind pfiff von Nordwesten her über das Grasland. Die schrecklichen Bilder stiegen in ihm wieder auf, jene Bilder die er nie vergessen würde. Das Feuer, die Schüsse...

„Ich verstehe, was Sie empfinden“, sagte McGhee, der neben ihn getreten war und ihm eine Hand auf die Schulter gelegt hatte. Leslie schwieg.

Vielleicht verstand McGhee es wirklich. Schließlich hatte er auch alles verloren. Durch Garth.

„Ich werde alles wieder aufbauen“, versprach Leslie schließlich. Dann deutete er auf einem umgestürzten Pferdewagen mit gebrochener Achse, der etwas abseits vom Ranchhaus lag.

„Was glauben Sie, bekommen wir den wieder flott, McGhee?“

„Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir das nicht schaffen!“, erwiderte der Schwarze.

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Sie arbeiteten den ganzen Vormittag an dem Wagen und hatten ihn schließlich auch so gut wie fertig. Um Zäune zu ziehen, musste man die Pflöcke irgendwie transportieren und das ging mit einem Wagen einfach entschieden besser, als zu Pferd. McGhees Gaul sollte das Gefährt ziehen.

Dann tauchten am Horizont plötzlich dunkle Punkte auf, die sich rasch bewegten und größer wurden.

Reiter.

Mindestens ein Dutzend.

„Das wird Dan Garth's Meute sein“, flüsterte McGhee. Und bei aller Entschlossenheit klang in seiner Stimme Furcht mit. Er zog die Winchester aus dem Sattelschuh und lud das Gewehr mit einer energischen Bewegung durch.

Leslie pfiff durch die Zähne, als er die Ankömmlinge sah.

„Hat sich schnell herumgesprochen“, murmelte er. „Ich bin kaum hier und Dan Garth wird schon nervös...“

„Aber jetzt wird es ernst“, erklärte McGhee. „Am besten, ich hole gleich ein paar von denen aus dem Sattel, dann wissen sie, woran sie sind!“

Der Schwarze hob grimmig die Winchester, aber Leslie hielt ihn zurück.

„Nein, McGhee! Wir werden erst einmal abwarten, was sie wollen!“

Indessen war die Meute herangekommen.

Dan Garth' hagere Gestalt war deutlich zu erkennen. Der Rancher zügelte in einiger Entfernung sein Pferd und schob sich den Hut in den Nacken.

Seine Augen glitzerten kalt.

Das Erstaunen darüber, Leslie Morgan tatsächlich lebend vor sich zu sehen, konnte einigermaßen verbergen. Anders dagegen Carter, sein neuer Vormann.

„Wie ist das möglich, Boss? Wir haben ihn doch da liegen sehen, den Bastard“, raunte er Garth zu. „Verdammt, ich kann es nicht glauben!“

„Halt's Maul!“, zischte Garth.

Leslie und McGhee standen hinter dem Wagen, der aber nur notdürftige Deckung bot, falls es zum Kampf kam. Der Schwarze hielt die Winchester fest umklammert. Leslie ließ den Blick über die Garth-Mannschaft streifen und stellte fest, dass die Hände bei den Colts waren. Ein oder zwei der Kerle hatte ihre Gewehre aus den Sätteln gezogen und hielten sie im Anschlag.

Kein Zweifel, Garth und seine Meute hatten sich nicht nur aus reiner Neugier herbemüht.

„Sieh da, so sieht man sich wieder“, eröffnete Leslie ruhig.

„Es wundert mich, Sie hier zu sehen, Morgan“, erwiderte Garth. Seine Stimme klirrte wie Eis.

Leslie hob die Augenbrauen.

„Ich hatte Glück.“

„Sie sollten es nicht überstrapazieren. Wie auch immer Sie es geschafft haben, am Leben zu bleiben - es war ein Fehler, in dieses Land zurückzukehren...“

„Ich kann schon verstehen, dass ich Sie nervös mache, Garth!

Und Sie sollten nicht glauben, dass der Mord an meinen Eltern und meinem Bruder vergessen ist! Dafür werden Sie schon noch bezahlen!“

Garth verzog das Gesicht zu einem hämischen Grinsen.

„Wie Sie vielleicht gemerkt haben, haben wir inzwischen sogar einen Sheriff in Amarillo. Wenn Sie etwas vorzubringen haben, dann wenden Sie sich doch an ihn lassen mich verhaften!“

Einige der Kerle lachten hässlich.

„Solange einer Ihrer Bluthunde hier den Stern trägt dürfte das wohl wenig Sinn haben“, erwiderte Leslie kühl.

„Sehr richtig“, nickte Garth. „Und auch sonst könnte ich jederzeit ein Dutzend Zeugen aufbieten, die...“

„Was wollen Sie eigentlich von mir, Garth?“, unterbrach Leslie Morgan hart. Und der Rancher sah ihn einen Moment lang verwundert an.

„Verschwinden Sie, Morgan! Hier ist kein Platz für Sie!“

„Nur, um mir das zu sagen, Sind Sie hier hergekommen? Die Mühe hätten Sie sich sparen können!“

Leslie Morgan trat hinter dem Wagen hervor, direkt auf Dan Garth zu, der ihn mit zusammengekniffenen Augen anstarrte. Kurz vor Garth' Pferd blieb Leslie stehen.

Die Männer des Ranchers hatten sich indessen etwas verteilt und McGhee blickte sich hilfesuchend um. Die Winchester würde ihm kaum etwas helfen, wenn es zum Kampf kam. Ein Hagel von Geschossen würde auf Leslie und McGhee niederprasseln und die beiden Männer zerfetzen. Leslie Morgan sah Garth direkt in die Augen. „Ich habe vor, die Ranch meiner Eltern wieder aufzubauen, Garth!“

„Schlagen Sie sich das aus dem Kopf.“

„...und da Sie schon einmal hier sind, kann ich Ihnen auch gleich folgendes mitteilen: Ich habe das Land bis zum Bear Creek gekauft!“ Leslie holte aus der Innentasche seiner Jacke ein Papier heraus und hielt es Garth unter die Nase. Der Rancher warf nur einen flüchtigen Blick darauf und spuckte dann aus.

„Was kümmert mich dieser Wisch! Hier galt immer die freie Weide!“

„Mag sein. Das ist aber nun vorbei! Vielleicht kümmert Sie dieser Wisch nicht, aber fest steht, dass ich als Eigentümer dieses Landes eingetragen bin, während Sie wahrscheinlich noch nicht einmal einen Besitztitel über den Grund haben, auf dem Ihre Ranch steht!“

Dan Garth' Gesicht wurde puterrot.

Man konnte förmlich sehen, wie es in dem Rancher zu kochen begann. Dieser einsame Reiter war nicht so verrückt, wie es zunächst den Anschein gehabt hatte. Er hatte ein paar Trümpfe im Ärmel und verstand sie auszuspielen.

„Sie sind ein toter Mann, Leslie Morgan!“, zischte Dan Garth düster.

Leslie packte die Urkunde wieder weg. „Ich werde Zäune ziehen, Garth! Und ich habe das Gesetz dabei auf meiner Seite! Jeder Richter wird das anerkennen!“

„Ich kann auf das Wasser vom Bear Creek nicht verzichten“, knurrte Garth. „Aber das weißt du kleine Ratte wohl! Ein genialer Plan, um mich fertzigzumachen!“ Garth lachte plötzlich rau und schlug sich auf die Schenkel. „Er hat nur einen Fehler! Du wirst tot sein, ehe du ihn verwirklichen kannst!“

Dan Garth griff zur Seite, um den Revolver herauszureißen. Und auch seine Männer griffen zu den Eisen.

Für sie war das Verhalten des Ranchers das Signal gewesen, auf dass sie lange gewartet hatten.

Sekundenbruchteile später blickten McGhee und Leslie in ein Meer von Mündungen.

Aber Dan Garth feuerte nicht.

Er hatte die Waffe noch nicht einmal ganz hochgerissen, da spürte er einen leichten Druck an seinem Bauch. Es war Leslies Linke, in der sich sein Derringer befand. Wahrscheinlich hatte er er die kleine Waffe die ganze Zeit über in seiner großen Pranke verborgen.

Jedenfalls war Dan Garth klar, dass er weder McGhee noch Leslie Morgan töten konnte, ohne selbst dran glauben zu müssen.

„Sagen Sie Ihren Leuten, dass sie die Eisen einstecken sollen“, sagte Leslie leise.

„Steckt die Waffen weg!“

„Aber, Boss!“

„Tut, was ich sage! Sonst drückt er seinen Derringer ab!“ Dan Garth war zweifellos ein harter Mann, aber im Moment schwang ein Anflug von Panik in seiner Stimme mit. Die Männer steckten die Waffen weg.

Leslie nahm Garth den Colt aus der Hand.

„Absteigen!“, zischte er dann. „Aber ganz langsam!“

Dan Garth wusste, dass er keine andere Wahl hatte, als zu gehorchen.

Leslie steckte den Derringer ein, packte Garth beim Kragen und zog ihn vom Pferd herunter. Garth spürte die Revolvermündung im Rücken und wusste, dass jeder Widerstand zwecklos war.

„Na, worauf warten Sie noch, Morgan! Warum drücken Sie nicht einfach ab? Das würden Sie doch am liebsten, oder?“

„Sagen Sie Ihren Männern, dass sie verschwinden sollen! Sie sollen zur Ranch zurückreiten!“

Garth atmete tief durch.

Dann rief er: „Verschwindet!“

Carter meldete sich zu Wort.

„Ist das Ihr Ernst, Boss?“„

„Nun macht schon! Reitet zurück zur Ranch! Dieser Wahnsinnige jagt mir sonst eine Kugel in den Rücken!“

Man konnte Carter ansehen, wie sehr er das hasste, was er jetzt zu tun hatte. Er knurrte etwas Unverständliches vor sich hin, dann riss er seinen Gaul herum und gab den Männern das Zeichen zum Aufbruch. Sie gehorchten.

Es dauerte nicht lange und die ganze Meute war hinter dem Horizont verschwunden.

„Wenn Sie mich töten, werden meine Leute Sie wie einen Hasen jagen, Mister Morgan!“, zischte Garth in ohnmächtiger Wut.

Auf Leslies Gesicht zeigte sich daraufhin nur ein müdes Lächeln.

„Glauben Sie wirklich?

„Sie können sich darauf verlassen!“

„Ich werde Sie nicht töten, Garth! Aber ich werde dafür sorgen, dass Ihre Herrschaft über dieses Land zu Ende geht! Und Sie werden nichts dagegen tun können!“

„Nehmen Sie den Mund nicht reichlich voll?“

Leslie ließ Garth einfach stehen und wandte sich dem Pferd zu, mit dem der Rancher gekommen war.

McGhee richtete indessen seine Winchester auf den Rancher und hielt ihn in Schach.

Leslie klopfte dem Tier den Hals ab.

Es war ein edles Tier.

Auf der Stirn hatte es eine eigentümliche, schwarz-weiße Zeichnung, die es unverwechselbar machte. „Ein Pferdedieb sind Sie inzwischen also auch schon...“, murmelte Leslie bitter, denn er hatte das Tier sofort wiedererkannt.

Es war das Pferd seines Vaters gewesen.

Leslie hatte noch gut in Erinnerung, wie schwer es gewesen war, den Mustang zuzureiten. Eine ganze Woche hatte Caleb Morgan dafür gebraucht.

Offenbar hatte das Tier bei dem Überfall aus dem brennenden Stall entkommen können.

„Das Tier trägt mein Brandzeichen!“, knirschte Dan Garth zwischen den Zähnen hindurch.

Leslies Augen wurden schmal, als er einen Blick auf das Hinterteil des Tieres warf.

„Das sieht doch ein Blinder, dass daran herumgepfuscht wurde“, stellte er kalt fest.

Dann schnallte er dem Tier den Sattel ab, nahm die Winchester aus dem Futteral und warf ihn Dan Garth anschließend vor die Füße.

„Was soll das, Morgan?“

„Im Gegensatz zu Ihnen ist mir fremdes Eigentum heilig. Nehmen Sie Ihren Sattel und verschwinden Sie...“

Garth stand mit offenem Mund da.

„Na, los, hören Sie schwer!“, mischte sich McGhee ein. „Sehen Sie zu, dass Sie wegkommen, ehe Mister Morgan es sich anders überlegt und Sie doch noch über den Haufen schießt! Grund genug hätte er dazu ja wohl!“

Dan Garth schluckte.

So schlimm war er noch nie gedemütigt worden. Aber diesem dahergelaufenen Paar würde er es schon zeigen!

Der Rancher schulterte also knurrend den Sattel und zog davon.

Als er ein paar Dutzend Yards zwischen sich und Leslie Morgan gelegt hatte, schrie er noch: „Das werden Sie bereuen, Morgan! Das werden Sie bitter bereuen!“

„Puh!“, meinte McGhee indessen an Leslie gewandt. „Ich habe ganz schön gezittert. Dann lachte er rau. „Aber Dan Garth auch - und das war es wert!“

„Es wird hart werden“, versprach Leslie Morgan düster. „Sehr hart...“

„Allein werden wir es schwer haben! Wäre nicht schlecht, wenn wir noch ein paar Verbündete hätten!“, gab John McGhee seiner Überzeugung Ausdruck.

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Ich bringe ihn um!“, schrie Dan Garth, noch immer außer sich vor Wut. Er befand sich inzwischen wieder auf seiner Ranch. Einer seiner Cowboys hatte den Rancher aufgelesen und nach Hause gebracht.

Zusammen mit Carter saß er in der Wohnstube.

„Sie hatten uns befohlen, nichts zu unternehmen“, erwiderte der Vormann schwach.

„Sicher“, knurrte der Rancher und ließ erneut die Faust auf den Tisch sausen.

„Sie währen nicht unverletzt davongekommen, wenn wir uns geregt hätten“, erklärte Carter kühl. „Das sollten Sie bedenken.“

Dan Garth atmete tief durch.

Sein Koch ziemlich beleibter und fast zwei Metzer große Koch stellte ihm indessen sein Essen hin. Aber Garth schien nicht besonders viel Appetit zu haben. Nach ein paar Bissen schob er den Teller bei Seite.

Carter strich sich unterdessen über den dünnen Oberlippenbart und lehnte sich zurück.

„Sie sollten sich so schnell wie möglich auch eine Besitzurkunde über Ihr Land besorgen, Mister Garth!“

„Was redest du da! Ich habe diese Ranch aufgebaut, meine Rinder grasen hier seid zwanzig Jahren! Verdammt nochmal, ich denke nicht daran!“

„Das sollten Sie aber, Boss! Ich habe auch schon von diesem neuen Gesetz gehört. Gerüchteweise, aber immerhin. Und es werden andere kommen, um sich hier festzusetzen. Genau wie Garth werden sie ein Papier in der Tasche tragen, das Ihnen jedes Recht dazu gibt! Und da wird Ihnen auf die Dauer auch Sheriff Wheaton nicht helfen können!“

Garth blickte seinen Vormann wütend an.

Aber dann nickte der Rancher.

Carter hatte recht.

„Ich werde mich darum kümmern“, brummte er.

„Und zwar so schnell wie möglich, Boss!“

„Sicher.“

„Aber zuerst werde ich dafür sorgen, dass dieser Leslie Morgan mir hier nicht mehr auf der Nase herumtanzt!“

Carter machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Der wird eine Weile brauchen, um seine Zäune zu ziehen. Schließlich hat er nur diesen alten Schwarzen als Hilfe!“

„Trotzdem“, erwiderte Garth. „Wenn ich hier nicht sofort hart durchgreife, werden andere in der Gegend ebenfalls versuchen, sich gegen mich zu erheben.“

„Was schlagen Sie vor, Boss?“

„Er bekommt eine Kugel in den Kopf. Wie viel Männer brauchst du, um das zu erledigen, Carter?“

Ein zynisches Grinsen ging über Carters Gesicht.

„Ich suche mir ein paar gute Schützen aus, okay?“

In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen.

Ein Mann kam herein. Es war Kendall, einer von Garth' Cowboys. Er hielt sich die Schulter und als er sich herumdrehte, war zu sehen, dass sie blutrot war...

Carter pfiff durch die Zähne.

„Scheint, als gäbe es noch mehr Ärger“, meinte er, während der Cowboy sich auf einen der Stühle fallenließ.

„Was ist passiert?“, fragte Dan Garth mit einem Gesicht, das wirkte, als wäre es zu Granit erstarrt.

„Es war auf der Nordweide“, berichtete Kendall. Er keuchte. Seine Wunde sah schlimm aus, aber dafür hatte Garth kein Auge.

„Weiter!“, forderte er.

„Shaw tauchte mit seinen Leuten auf. Ehe wir uns versahen waren fünf von uns tot!“

Inzwischen kam der riesige Koch herbei und stellte Kendall eine Whiskeyflasche hin. Dieser nahm einen ausgiebigen Schluck, ehe er fortfuhr.

„Es kam zur Schießerei“, raunte er. „Ich bin der einzige, der überlebt hat!“

„Verdammt!“

Garth' flache Hand knallte auf den Tisch.

Das hatte ihm gerade noch gefehlt!

„Nicht genug, dass dieser größenwahnsinnige Leslie Morgan aus der Versenkung auftaucht - jetzt haben wir auch noch einen handfesten Weidekrieg am Hals!“

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Wir haben eine Menge Glück gehabt und ich frage mich, ob wir uns dauernd darauf verlassen sollten“, meinte McGhee, als sie am Abend zur Stadt zurückkehrten. Er saß auf dem Kutschbock des Pferdewagens, den sie zuvor flottgemacht hatten. Leslie Morgan hob die Augenbrauen

„Bis jetzt läuft es doch nicht schlecht“, meinte er. „Ich weiß gar nicht, was Sie so herumjammern, McGhee!“

„Liegt vielleicht an dem riesigen Loch, das sich in meinem Magen befindet!“

Sie hatten damit angefangen, einen Zaun zu ziehen und und den ganzen Tag hart gearbeitet.

Weder die Leute von Garth noch Shaws Mannschaft hatten sie dabei behelligt.

Es war schon fast etwas zu glatt gegangen.

Von Amarillo her kam jemand auf sie zugeritten. Leslie Morgan zügelte sein Pferd und zog sich den Hut etwas ins Gesicht, um besser gegen die tiefstehende Abendsonne blicken zu können.

Er sah die lange blonde Mähne im Wind sehen und dann wusste er, wer da kam.

Miss Casey.

Sie war eine passable Reiterin, auch wenn das tief ausgeschnittene Kleid mit den bauschigen Röcken, das sie im Saloon trug, nicht unbedingt als Reitkleidung taugte. Als sie Leslie und McGhee erreicht hatte, zügelte sie ihren Gaul.

„Was gibt es? Sie reiten ja wie der Teufel!“, sagte Leslie.

„Im Dead Indian warten ein paar üble Kerle auf Sie, Les! Reiten Sie nicht weiter!“

„Was sind das für Kerle?“

„Leute von Dan Garth natürlich. Sie sind in den Saloon gekommen, haben die Gäste verjagt und jetzt warten Sie dort auf Ihre Rückkehr. Ich konnte mich unter einem Vorwand davonmachen...“

„Dan Garth hat nicht lange gewartet“, kommentierte John McGhee grimmig.

Leslies Blick hing indessen an Miss Caseys wunderschönen blauen Augen. Er mochte diese Augen. Es war unmöglich zu sagen, warum, aber fühlte sich von ihnen magisch angezogen.

„Ich danke Ihnen für die Warnung“, sagte er dann sehr ruhig. Sie strich sich die Strähnen aus dem Gesicht und rief: „Es geht um Ihr Leben, Les! Um Ihres und das von Ihrem schwarzen Freund! Verschwinden Sie so schnell wie möglich! Für die Nacht werden Sie sicher irgendwo ein Versteck finden können!“

Aber Leslie schüttelte energisch den Kopf. „Ich bin einmal davongelaufen. Damals, vor drei Jahren. Aber da hatte ich keine andere Wahl und außerdem ein paar Kugeln im Körper...“

„Les...“

„Wie viele Männer sind es?“

„Fünf oder sechs.“

„Haben Sie eine Ahnung, wo sie ungefähr stecken?“

„Es ist sicher jemand in Ihrem Zimmer, denn sie haben sich die Zweitschlüssel genommen.“

„Gut, dass ich das weiß, Ma'am!“

„Zwei gegen sechs. Das werden wir schon schaffen!“, erklärte McGhee zuversichtlich.

Und Miss Casey ergänzte: „Wir sind zu dritt! Ich kann sehr wohl mit einer Winchester umgehen!“

Aber davon wollte Leslie Morgan nichts wissen. Er wusste es wohl zu schätzen, dass Miss Casey und McGhee auf seiner Seite standen.

Aber gegen Dan Garth' eisenharte Bluthunde hatten die beiden keine Chance. Sie würden ihnen nur ins offene Messer rennen. Und das wolle Leslie auf keinen Fall zulassen.

„Nein“, sagte er. „Das werde ich allein erledigen...“

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Es war kaum etwas los in Amarillo und das war für die Tageszeit schon recht merkwürdig.

Aber Leslie Morgan spürte die Blicke, die auf ihn gerichtet waren.

Die Städter saßen an den Fenstern und lauerten. Und sie hätten seelenruhig zugesehen, wie Leslie Morgan in seinen Tod ritt. Sie hatten das kommende Unheil gespürt wie ein aufziehendes Gewitter und sich verkrochen, um nichts abzubekommen. Man konnte es ihnen nicht verdenken.

Kurz bevor jener Teil der Main Street begann, an dem der Dead Indian-Saloon lag, bog Leslie in eine Seitenstraße ein. Er hatte nicht die geringste Lust, der Meute direkt in die Arme zu laufen.

Er ritt die Seitenstraße ein Stück entlang, zügelte dann sein Pferd und machte es irgendwo fest. Dann überprüfte die Ladung seines 45er Colts und ging weiter, bis er die Rückfront des Dead Indian zu sehen bekam.

Leslie blickte sich um.

Nirgends war eine Menschenseele zu sehen.

Aber wenn sie schon mit sechs Mann ankamen, um ihn zur Strecke zu bringen, dann war es ziemlich wahrscheinlich, dass einer der Kerle den Auftrag hatte, dafür zu sorgen, dass er sich nicht von hinten in den Saloon schlich.

Vor dem Saloon befand sich ein unansehnliches Lagerhaus, von dessen Dach aus man in die Zimmer des Obergeschosses vom Dead Indian gelangen konnte.

Leslie fackelte nicht lange, sondern begann hinaufzuklettern. Von einem herumstehenden Pferdewagen aus bekam er einen überhängenden Balken zu fassen. Von dort aus war es eine Kleinigkeit.

Leslie stand auf dem zum Glück nicht allzu schrägen Dach des Lagerhauses und ging dann vorsichtig in Richtung Saloon. Zum Glück gab es im Dead Indian kein Fenster, von dem aus man ihn im Moment sehen konnte.

Dann setzte Leslie zum Sprung über die vielleicht zwei Meter an, die zwischen Saloon und Lagerhaus lagen. Er landete auf dem Dach der hinteren Veranda und rutschte beinahe ab. Aber nur beinahe.

Er krallte sich irgendwo fest und und presste sich an das Holz. Einige Augenblicke lang verhielt er sich dann ganz ruhig, denn er hatte jetzt eine Menge Krach gemacht und konnte nur hoffen, dass die Kerle, die da drinnen auf ihn warteten, die Geräusche für etwas Harmloses hielten.

Dann ging es weiter.

Leslie erhob sich.

Vor ihm lagen die Fenster der Rückfront-Zimmer. Eine Kleinigkeit, eins davon hochzuschieben und einzusteigen. Aber wenn es das falsche war, dann war er tot. Leslie nahm den Revolver in die Rechte, schob eines der Fenster hoch und stieg vorsichtig ein.

Drinnen herrschte Halbdunkel

Aber es war niemand dort.

Leslie hörte aus den anderen Räumen Stimmen.

„Hey, Bud, war da nicht etwas?“

„Du hörst Gespenster!“

„Der verdammte Bastard lässt sich aber 'ne Menge Zeit!“

„Er wird schon kommen! Pass lieber auf, dass du den Moment nicht verpasst! Du hast ja gesehen, wie gefährlich und schnell er ist. Der erste Schuss muss sitzen. Wir werden ihm keine Chance lassen!“

Jemand ging mit schweren Schritten den Flur entlang und dann die Treppe hinunter.

Er pfiff dabei vor sich hin.

Leslie wartete noch einen Moment, dann öffnete er vorsichtig die Zimmertür.

Durch den Spalt konnte er niemanden sehen. Die Luft schien rein zu sein.

Also öffnete er die Tür ganz und trat hinaus. Sein Blick ging hinüber zu seiner eigenen Zimmertür, der Nummer 7.  Miss Casey hatte gesagt, dass dort einer der Kerle zu finden war.

Den würde er sich zuerst vornehmen.

Er schlich sich heran und spannte den Hahn des 45ers in seiner Rechten.

Die Tür stand sogar einen Spalt offen, durch den man allerdings nichts sehen konnte. Mit einer schnellen Bewegung riss Leslie die Tür auf.

Vor ihm tauchte ein völlig verdutzter dunkelhaariger Mann auf, der sich auf Leslies Bett gelegt hatte und gerade damit beschäftigt war, Patronen in das Magazin einer Winchester hineinzuschieben.

Leslie kannte den Kerl.

Er hieß Bates und war schon ziemlich lange bei Garth' Mannschaft. Einer von denen, der sich nicht zu fein für die Drecksarbeit waren.

Auch, wenn es um besonders dreckige Arbeit ging. Der Dunkelhaarige hielt mitten in der Bewegung inne, als er die Revolvermündung erblickte.

Alles hing einen Moment lang in der Schwebe.

„Ein Laut und du bist tot!“, zischte Leslie Morgan, während er hinter sich die Tür schloß. Ein dünnes Lächeln ging über sein Gesicht. „So schnell hast du nicht mit mir gerechnet, was?“

Bates wagte es nicht, auch nur einen einzigen Muskel zucken zu lassen.

Und das war gut so.

Leslie Morgan ging zu ihm hin, nahm ihm die Winchester aus der Hand und zog ihm den Colt aus dem Holster. Leslie öffnete den Revolver und ließ die Patronen auf den Boden klackern. Dann warf er dem dunkelhaarigen Bates die Waffe wieder hin.

Dasselbe machte er mit der Winchester.

Bates runzelte die Stirn.

„Was soll das?“, fragte er.

„Abwarten.“

„Wenn du jetzt abdrückst, werden die anderen es hören. Dann bist du ein toter Mann, Morgan!“

„Du allerdings auch.“

Bates machte die Augen schmal. In seinem Gesicht stand Verwunderung. Verwunderung darüber, dass Leslie Morgan ihn nicht gleich umgebracht hatte.

„Was... was hast du vor?“

„Steh auf!“, befahl Leslie.

Bates gehorchte.

„Und dann?“

„Zur Tür. Und dann den Flur entlang und die Treppe hinunter. Wo sind die anderen?“

„Im Schankraum. Unten.“

„Alle?“

„Ja.“

„Wir gehen zusammen nach unten in den Schankraum, wo deine Freunde warten!“

„Du bist wahnsinnig!“

Leslie lachte rau.

„Sie werden mir schon nichts tun. Schließlich wirst du vorangehen, Bates!“

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Bates, was zum Teu...“

Die Kerle wirbelten herum und erstarrten mitten in der Bewegung, als Leslie mit Bates die Treppe hinunterkam. Carter, der Vormann saß an einem der Tische und hatte sich gerade ein Glas Whiskey eingegossen.

Zwei finstere Kerle saßen bei ihm, beide mit einer Winchester auf den Knien.

Ein hochgewachsener Rotschopf stand beim Schanktisch und starrte Leslie an, als stünde der Leibhaftige vor ihm. Einer kam von draußen herein und erstarrte dann ebenfalls. Er hatte wohl auf der Straße Posten bezogen, um rechtzeitig Bescheid zu geben, wenn der Mann, den sie umbringen wollten, herannahte.

„Keiner bewegt sich!“, sagte Leslie ruhig.

Einen Moment lang hing alles in einer gefährlichen Schwebe. Die Wölfe blickten zu Carter hinüber. Leslie wusste nur zu gut, dass es auf den Vormann ankommen würde.

Zog er, würden sie alle ziehen.

„Was soll das werden, Morgan?“, zischte Carter gallig und strich sich dabei über den dünnen Oberlippenbart. In dem bleichen Gesicht zuckte es. Die Augen blitzten gefährlich. Er tat, als wollte er zum Whiskeyglas greifen, aber seine Hand ging zum Revolver.

Er riss das Eisen heraus und ballerte los.

„Nein!“, gellte ein Schrei. Das war Bates, der in Panik geriet. Carter war unglaublich schnell, aber sein erster Schuss traf nicht Leslie Morgan, sondern Bates, der getroffen zusammensackte und die Treppe hinunterrutschte. Zu einem zweiten Schuss kam der Vormann der Garth-Mannschaft nicht mehr. Leslie hatte seinen 45er Colt abgefeuert und ein Sekundenbruchteil später war mitten auf Carters Stirn ein roter Punkt zu sehen, der rasch größer wurde. Carters Gesichtszüge erstarrten. Die Wucht des Geschosses drückte ihn gegen die Stuhllehne, sodass er anschließend schlaff und leblos dasaß. Carters Schuss war das Signal für anderen gewesen. Die Kerle am Tisch hatten die Winchester-Gewehre emporgerissen und ließen ein wahres Feuerwerk los. Ein mörderischer Geschosshagel prasselte in Leslies Richtung, der sich nur mit einem verzweifelten Sprung zur Seite retten konnte. Das Treppengeländer brach.

Holz splitterte, während Leslie die Kugeln nur so um die Ohren flogen. Eines der Geschosse riss ihm den Hut vom Kopf. Ziemlich unsanft landete Leslie hinter dem Schanktisch. Seine Schulter schmerzte ziemlich von dem Aufprall, aber er hatte keine Zeit, sich darum zu kümmern.

Eine Salve von Gewehrschüssen räumte die Flaschen aus den Regalen und ließen einen Scherbenregen über Leslie niedergehen. Dann tauchte Leslie aus seiner Deckung hervor und feuerte blitzschnell hintereinander zwei Schüsse über den Schanktisch. Einen der Kerle erwischte er mit einem Bauchschuss. Einen zweiten am Bein.

Der Mann schrie auf und ballerte wie wild mit seiner Winchester herum.

Leslie musste sich ducken, tauchte einen Augenaufschlag später wieder hervor und streckte seinen Gegner mit einem Schuss in die Herzgegend nieder. Die Winchester fiel dem Kerl aus der Hand und er schlug mit einen hässlichen Geräusch der Länge nach hin.

Jetzt schoss niemand mehr.

Leslie erhob sich und ließ den Blick umherschweifen. Der Rothaarige fehlte.

Einen Augenblick später hörte man ein Pferd wiehern, so als ob ihm jemand die Sporen in die Weichen trieb. Leslie rannte hinaus.

Als er den Gaul ohne Reiter die Main Street entlangpreschen sah, wusste er, dass der Rotschopf ihn in eine Falle hatte laufen lassen.

Alles, was dann geschah, ging unglaublich schnell. Leslie wirbelte instinktiv herum.

Das nächste, was er sah, war das giftig aufblitzende Mündungsfeuer eines Revolvers...

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Das Gesicht des Rothaarigen war eine grimmige Maske, während er seinen 45er abfeuerte.

In seinen Augen leuchtete der Tod.

Zwei Schüsse krachten kurz hintereinander und Leslie Morgan wusste in dieser Sekunde, dass sein Leben an einem hauchdünnen Faden hing.

Katzengleich hatte Leslie sich zur Seite fallen lassen, sodass die Bleikugeln des Rothaarigen millimeterscharf an seinem Kopf und seinem Oberkörper vorbeijagten.

Leslie rollte sich auf dem Boden ab, während dicht neben ihm ein Geschoss den Staub der Straße zu einer kleinen Fontäne werden ließ.

Dann riss er seinen Colt hoch und feuerte.

Es war nur ein einziger Schuss, den Leslie Morgan abgab, aber der saß und traf den Rotschopf mitten in die Brust. Eine Sekunde lang stand dieser schwankend da, während sein Hemd rot wurde.

Dann fiel er schwer zu Boden.

Mit dem Gesicht nach unten.

Leslie erhob sich indessen und steckte den Revolver zurück ins Holster. Er klopfte sich den Staub von den Sachen und ließ den Blick die Main Street entlangschweifen.

Es dauerte nicht lange und ein Pferdewagen und ein Reiter kamen die Main Street entlang.

Leslie sah Miss Caseys blonde Mähne hinter ihr herwehen. Die junge Saloonerin sprang aus dem Sattel und lief zu Leslie hin. „Ich bin froh, dass Ihnen nichts passiert ist, Les!“

„Es war knapp.“

Unterdessen deutete McGhee auf den Toten und fragte: „Was ist mit den anderen Bluthunden?“

„Sie leben nicht mehr“, sagte Leslie düster.

Und dann regte sich bald auch wieder etwas auf der Main Street von Amarillo. Die Städter kamen aus ihren Häusern heraus und es dauerte nicht lange, bis sich eine Menschentraube gebildet hatte.

Einige liefen in den Saloon und sahen, was dort geschehen war.

„Diese Mörder haben es nicht besser verdient!“, meinte einer der Männer.

Und ein anderer meldete sich zu Wort: „Es wurde Zeit, dass mal einer Dan Garth und seiner Höllenmeute die Grenzen zeigt! Von unserem Sheriff kann man das ja wohl kaum erwarten!“

Dann gab ein Wort das andere.

„Machen wir ihn dch zum Sheriff!“

„Ja, setzen wir Wheaton, diesen Handlanger von Dan Garth, endlich ab!“

„Schließlich sind wir die Bürger von Amarillo und haben das Recht, unseren Sheriff zu wählen!“

Ein dicker Mann in einem für die Gegend entschieden zu feinen Anzug wandte sich an Leslie Morgan.

Leslie kannte ihn.

Es war Grant Collins, der Besitzer der einzigen Frachtlinie in Amarillo. In den Saloons erzählte man sich schon seit Jahren, dass er einen Teil seines Gewinnes an Dan Garth abführte, damit der seine Wagen passieren ließ.

„Wie wär's, Mister Morgan? Sie sind der einzige weit und breit, der hier endlich dafür sorgen könnte, dass endlich Gesetz und Ordnung in Amarillo und Umgebung herrschen - und nicht die Launen von Dan Garth!“

„Ihr habt doch einen Sheriff“, erwiderte Leslie Morgan ironisch.

Seine Stimme hatte einen abweisenden Tonfall, der Grant Collins schlucken ließ.

„Sie wissen doch, dass Wheaton Garth' Mann ist...“

„Gehen wir zum Office und setzen den Kerl ab!“, rief jemand anderes.

„Ja, los!“

Leslie Morgans Augen wurden zu schmalen Schlitzen, während er den Blick über die Leute schweifen ließ. Jetzt war ihnen Recht und Ordnung plötzlich wichtig, aber damals, vor drei Jahren, hatte keiner von ihnen auch nur einen Muck gesagt...

Leslie hatte nicht die geringste Lust, für diese Leute seinen Kopf hinzuhalten.

Trotzdem nickte er Collins zu.

„Ich nehme den Job“, knurrte er, obwohl er wusste, dass es ein Höllenjob war.

Aber da er sowieso auf Dan Garth' Todesliste an erster Stelle stand, spielte das für ihn keine Rolle.

Mit dem Stern an der Brust hatte er die Chance, sein Ziel noch schneller zu erreichen, als mit seinem ursprünglichen Plan. Dan Garth und Jesse Shaw würden für das, was vor drei Jahren passiert war zur Rechenschaft gezogen werden!

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Mit Leslie Morgan an der Spitze zog die Menge zum Sheriff Office.

„Kommen Sie raus, Wheaton!“, rief Collins.

Und ein paar andere fielen ein: „Aufmachen!“

Es rührte sich nichts.

Fast so, als wäre Wheaton gar nicht dagewesen. Mit einem Tritt öffnete Leslie Morgan die Tür. Bill Wheaton stand in einer Ecke wie ein wildes Tier, das man in die Enge getrieben hatte. Er musste durchs Fenster mitbekommen haben, was sich da gegen ihn zusammengebraut hatte. Jetzt hielt er in der einen Hand seinen Colt und in der anderen eine Shotgun.

Und zu allem Überfluss wirkte er ziemlich nervös.

„Zurück!“, fauchte er.

„Sehen Sie die Leute da draußen?“, fragte Leslie, dessen Hand unmerklich zur Hüfte gewandert war. „Die wollen einen neuen Sheriff!“

„Sie sind abgesetzt, Wheaton!“, erklärte Grant Collins nun, nachdem er endlich seine Sprache wiedergefunden hatte. „Die Bürger von Amarillo wollen, dass Leslie Morgan ihr neuer Sheriff wird!“

Wheaton verzog das Gesicht. In seinem einzigen Auge flackerte es unruhig. Er lachte wie irre.

„Das habt ihr euch ja fein ausgedacht!“, zischte es zwischen seinen dünnen Lippen hindurch.

„Machen Sie keine Schwierigkeiten“, sagte Grant Collins. Bill Wheatons einäugiges Gesicht verzog sich zu einer hasserfüllten Maske.

„So mutig geworden, Collins?“

„Ihre Zeit ist um, Wheaton! Die Leute wollen es so. Nehmen Sie Ihre Shotgun, setzen Sie sich auf Ihren Gaul und verschwinden Sie!“

Wheatons Blick hing an Leslies dunklen Augen. Der Einäugige schien zu ahnen, dass Leslie ihn nicht einfach ziehen lassen würde... Schließlich war er der Mörder von Ray Morgan...

Und dann feuerte Wheaton seine Shotgun und den Revolver gleichzeitig ab.

Aber Leslie hatte das vorausgeahnt.

Blitzschnell hatte er den Colt aus dem Holster gerissen und gefeuert. Sein Schuss traf Wheaton in die Schulter und riss ihn nach hinten, sodass die Ladung der Shotgun in die Decke ging, während die Revolverkugel dicht über Leslies Kopf pfiff und den Türsturz ankratzte.

Es machte klick! als Leslie den Revolverhahn dann erneut spannte.

Wheaton stöhnte.

Er wusste, dass er verspielt hatte.

„Waffen fallenlassen!“, rief Leslie. Wheaton gehorchte. Es war seine einzige Chance.

„Das wirst du bereuen, Morgan!“, krächzte Wheaton. Leslie sah ihn mit regungslosem Gesicht an. „Du hast meinen Bruder ermordet, Wheaton! Ich war dabei und habe es mit angesehen!“

„Pah!“, machte Bill Wheaton und hielt sich die blutende Schulter.

Leslie schluckte und fuhr dann fort: „Meine erste Amtshandlung als Sheriff von Amarillo wird darin besten, dich in eine Zelle zu stecken! Irgendwann wird dann ein Richter und eine Geschworenen-Jury entscheiden, was mit dir geschieht. Ein fairer Prozess - das ist sehr viel mehr, als mein Bruder und meine Eltern bekommen haben!“

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Du hättest dich nicht mit Dan Garth anlegen sollen, Jesse!“

Jesse Shaw stand am Fenster und blickte in die Nacht hinaus. Jetzt wirbelte er herum. Sein feistes Gesicht hatte sich ärgerlich verzogen.

Vor ihm stand Glenda, ein ehemaliges Saloon-Girl, dass seit einiger Zeit bei ihm auf der Ranch wohnte.

„Misch dich nicht in meine Angelegenheiten“, zischte er wütend.

„Wenn hier alles den Bach runtergeht, ist das auch meine Angelegenheit!“, sagte die dunkelhaarige Glenda, die wohl immer noch darauf hoffte, dass Jesse Shaw sie eines Tages heiratete und zur Ranchersfrau machte.

Aber im Moment hatte Shaw andere Sorgen.

Er wandte sich an Glenda.

„Meine Leute haben Garth' Leute von der Nordweide vertrieben. Was willst du mehr?“

„Sie haben fünf seiner Leute erschossen! Das bedeutet Krieg, Jesse! Dan Garth wird dich zerquetschen, denn auf die Dauer hat er die besseren Karten!“

Shaw machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Du bist eine Frau und hast von solchen Dingen keine Ahnung!“

Glendas Gesicht lief puterrot an. So etwas ließ sie sich nicht sagen. Sie stemmte ihre schlanken Arme in die geschwungenen Hüften und sagte: „Ich habe mehr Verstand im Kopf, als du, Jesse! Zumindest wäre ich nicht so dumm gewesen und hätte jetzt schon einen Kampf mit Garth vom Zaun gebrochen. Du hättest warten können...“

„Warten?“, lachte Shaw. „Worauf? Ich musste handeln! Früher oder später wäre Garth sonst damit angefangen! Er hat zusätzliche Rinder gekauft und seine Herde vergrößert! Bald wäre auch für mich kein Platz mehr gewesen!“

„Du hättest warten sollen, bis er sich an diesem Leslie Morgan die Zähne ausgebissen hat!“

Ein Pferd preschte draußen vor das Ranchhaus. Das Geräusch der Hufen war deutlich zu hören. Ein Mann sprang ab und und stürmte ohne anzuklopfen in das Ranchhaus hinein. Es war Barry, einer der Cowboys.

„Was ist los?“, knurrte Shaw.

Barry war ziemlich außer Atem. „Ich komme aus der Stadt!“, rief er. „Dort haben sie Leslie Morgan zum Sheriff gemacht!“

„Das ist nicht wahr!“

„Er ist mit einem halben Dutzend Killern fertiggeworden, die Dan Garth ihm auf den Hals gehetzt hatte. Und da dachten die Leute...“

„Verdammt!“, schimpfte Shaw. Seine Hände ballten sich grimmig zu Fäusten.

Barry berichtete indessen in knappen Worten von dem, was er in der Stadt gehört hatte.

Leslie Morgan wird auch mit mir abrechnen wollen, ging es dem Rancher durch den Kopf. Und jetzt hatte er sogar einen Stern an seiner Brust...

In diesem Moment verwünschte er sich dafür, damals an der Seite von Garth und seinen Leuten mitgeritten zu sein, um die Morgans zu vertreiben.

Aber es war nicht mehr zu ändern.

Jetzt nicht mehr.

Was geschehen war, war geschehen und die Toten konnte kein Mensch wieder zurückholen.

Plötzlich von draußen her Geräusche zu hören. Reiter.

Mindestens ein Dutzend.

Jesse Shaw war sofort klar, dass das nicht seine eigenen Leute sein konnten, denn die meisten von ihnen bewachten jetzt die Herden, um zu verhindern, dass Garth' Leute sich irgendeine Gemeinheit damit ausdachten.

Nur einen Augenblick später fielen ein paar Schüsse. Ein Todesschrei gellte. Offenbar hatte es einen der Wachtposten erwischt.

„Garth, dieser Hund!“, zischte der Rancher finster. Jesse Shaw riss eine Winchester aus dem Gewehrständer, lud die Waffe mit einer energischen Bewegung durch und lief vor die Tür. Barry folgte ihm mit gezogenem Revolver. Dunkle Gestalten hoben sich gegen das fahle Mondlicht ab. Reiter mit fackeln preschten durch die finstere Nacht. Shaw riss sofort die Winchester hoch und feuerte wild drauflos. Einer der schattenhaften Reiter schrie auf.

Sein Gaul stellte sich auf die Hinterhand und ließ den Mann schwer in den Staub fallen.

Einen zweiten holte Shaw noch aus dem Sattel und hörte er, wie es knisterte. Nicht lange und bei den Stallungen und den Baracken der Cowboys loderten die Flammen hell empor. Das Holz, aus dem sie errichtet waren, war staubtrocken. Monatelang hatte es nicht geregnet.

„Feuer!“, rief jemand.

Die Reiter waren so schnell wieder weg, wie sie gekommen waren. Shaw sah ihre schemenhaften Gestalten über das nächtliche Grasland reiten. Der Rancher rannte ein Stück hinter ihnen her.

Zwei seiner Cowboys sah er tot im Staub liegen, ein dritter schien verletzt.

Ohnmächtige Wut hatte Shaw erfasst.

Er feuerte hinter den Davonreitenden her, bis sein Winchestermagazin leergeschossen war.

Sie waren kaum noch zu sehen und nach wenigen Augenblicke hatte die Schwärze der Nacht sie verschluckt.

„Los!“, rief Barry. „Wir müssen verhindern, dass das Feuer auf das Wohnhaus übergreift!“

Shaw stand wie angewurzelt da. Er rührte sich nicht von der Stelle. Dann spürte er von hinten Glendas Berührung.

„Dan Garth macht ernst!“, sagte sie.

„Ja“, knurrte er düster. Vielleicht hatte sie wirklich recht gehabt und es war zu früh gewesen, sich gegen Garth aufzulehnen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr, sondern nur noch einen Kampf auf Leben und Tod.

„Du musst dich mit Leslie Morgan zusammentun, Jesse!“, meinte Glenda.

Shaw lachte rau.

„Morgan wird mich umbringen oder ins Loch stecken - aber er wird den Teufel tun, mir zu helfen!“

„Wenn er klug ist, wird er! Schließlich habt ihr einen gemeinsamen Feind!“

„Du weißt doch genauso gut, wie jeder anderer hier, dass ich damals vor drei Jahren...“ Er sprach nicht weiter. Shaw wurde plötzlich ruhig.

Er sah in Glendas Augen

Dann murmelte er: „Vielleicht hast du recht!“

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Leslie Morgan hatte McGhee zum Deputy gemacht und keiner der Bürger hatte dagegen etwas einzuwenden gehabt.

„Was werden wir jetzt tun?“, fragte der Schwarze, während sie im Dead Indian saßen und sich von Miss Casey das Frühstück servieren ließen. „Ich schätze, Sie haben nicht vor, heute Zäune zu setzen?“

„Nein, das kann erstmal warten“, erwiderte Leslie. „Ich schätze, dass Garth bald die Entscheidung suchen wird... Wir werden nicht mehr allzu lange auf ihn warten müssen...“

Leslie nippte an dem heißen Kaffee.

„Was ist denn mit dem Gefangenen?“, erkundigte sich Miss Casey.

„Er wird uns kaum weglaufen, selbst wenn wir die Tür offenließen“, meinte Leslie. „Der Arzt war bei ihm. Der Kerl kann froh sein, wenn er überlebt.“

„Damit er dann an den Galgen kommt?“, fragte McGhee. Leslie zuckte die Achseln.

„So ist das Gesetz.“

In diesem Moment kam einer der Städter durch die Schwingtür.

„Da kommen sieben oder acht Reiter in die Stadt, Sheriff! Die haben schon nach ihnen gefragt!“

„Garth!“, zischt es zwischen McGhees Lippen hindurch. Aber der Mann schüttelte den Kopf.

„Nein. Das ist Jesse Shaw mit seinen Leuten!“

„Ich bin sowieso mit dem Essen fertig“, sagte Leslie und ging durch die Schwingtüren hinaus auf die staubige Main Street von Amarillo.

McGhee folgte ihm, nicht ohne die Winchester mitzunehmen. Shaws Leute ritten in einer Reihe nebeneinander, ihr Boss in der Mitte. Und eine Frau war auch dabei - Glenda, das ehemalige Saloon-Girl. Leslie kannte sie noch aus jener Zeit, als sie noch Cowboys zum Whiskey-Trinken animiert hatte... In einiger Entfernung zügelten sie die Pferde. Leslie Morgans Augen wurden indessen schmal, seine Hand ging unwillkürlich in die Nähe des Revolvers. Nur zu gut erinnerte er sich an dieses feiste Gesicht - damals an jenem Tag vor drei Jahren, der unlöschbar in sein Gedächtnis eingebrannt war.

„Ich frage mich, was dieser Bastard hier will“, knirschte der Sheriff kaum hörbar zwischen den Lippen hindurch und trat ein paar Schritte vor.

„Leslie Morgan, ich will mit Ihnen reden!“, rief Shaw herüber. Der Rancher schob sich den Hut in den Nacken und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Reden Sie!“, knurrte Leslie.

„Dan Garth' Männer haben mir gestern die Ranch angezündet! Es ist alles niedergebrannt. Die Flammen sind auch auf das Wohnhaus übergesprungen, obwohl wir die ganze Nacht alles versucht haben...“

„Mein Mitleid hält sich in Grenzen“, erwiderte Leslie Morgan kalt.

„Ich weiß, was Sie über mich denken. Morgan...“

„Sie gehören zu denen., die meine Eltern und meinen Bruder getötet haben! Ihr Platz ist am Galgen, Shaw!“

„Es war damals nicht meine Idee, die Ranch niederzubrennen und alle zu erschießen!“

„Ach, nein?“

„Ich wusste nichts davon, als wir aufbrachen. Es hieß, dass euch Morgans kräftig eingeheizt werden sollte, damit ihr endlich aus dieser Gegend verschwinden würdet... Von Mord war nicht die Rede!“

Leslie musste tief durchatmen bevor er sprach. Es fiel ihm nicht Leicht, die Fassung zu bewahren.

„Genau das ist aber passiert, Shaw!“

„Dan Garth hatte es befohlen!“

„Und Sie sind mitgeritten, Shaw!“

„Ja, das bin ich. Es war ein Fehler!“

Leslie lachte rau und freudlos. „Ein bisschen einfach machen Sie es sich da, finden Sie nicht, Shaw?“

Shaw hob die Hände.

„Was sollte ich denn machen? Mich gegen Dan Garth und seine Meute auflehnen? Ich habe es jetzt versucht und mir eine blutige Schnauze dabei geholt! Vielleicht war ich damals ein verdammter Feigling, aber jetzt müssen wir nach vorne blicken, Morgan!“

Leslie hob die Augenbrauen.

„So? Wie soll das aussehen?“

„Wir sollten uns zusammentun gegen Garth! Er ist unser beider Feind. Warum also nicht?“

Blitzschnell ging Leslie Morgans Rechte Hand zum Revolvergriff. Mit katzengleicher Eleganz brachte er die Waffe in Anschlag und spannte den Hahn.

Der Lauf deutete auf Shaw.

Das Ganze dauerte nicht länger als einen Augenaufschlag.

„Steigen Sie ab, Shaw!“

„Verflucht, was soll das?“, rief der Rancher unwirsch. „Wollen Sie sich von meinen Männer durchlöchern lassen, damit Dan Garth am Ende triumphiert, wenn wir uns gegenseitig umgebracht haben?“

„Ich habe gesagt absteigen - und ich werde es nicht einmal sagen!“, rief Leslie.

Shaw stieg langsam aus dem Sattel.

Und zur gleichen Zeit spürte Leslie die Hand von McGhee auf seiner Schulter.

„Er hat recht!“, meinte er.

„Was?“

„Sie müssen über Ihren Schatten springen, Mister Morgan. So schwer das vielleicht auch fällt.

„McGhee!“

„Vielleicht war Shaw ja wirklich nur feige... Ich weiß es nicht. Sie waren dabei, ich nicht. Aber wir können nicht gegen die ganze Welkt reiten, Morgan! Wir brauchen Shaw, auch wenn Ihnen sein fettes Gesicht nicht gefällt. Ich mag es auch nicht!“

Einen Moment lang hing alles in einer unangenehmen Schwebe. Keiner auf der Main Street rührte sich. Das darf doch nicht wahr sein, hämmerte es grimmig durch Leslies Kopf. Sich mit einem Mann wie Shaw zusammentun zu müssen, um Dan Garth zu besiegen...

Leslie atmete tief durch.

Alles in ihm sträubte sich dagegen und am liebsten hätte er den feisten Shaw in diesem Moment einfach über den Haufen geschossen. Immer wieder sah er die Szenen von vor drei Jahren vor seinem geistigen Auge...

Das Feuer...

Die Todesschreie...

Dann ließ Leslie den Colt sinken und steckte ihn ins Holster zurück.

McGhee hatte recht, auch wenn es Leslie nicht gefallen konnte.

Dan Garth würde jetzt bald die Entscheidung suchen, jegliche Maske fallenlassen und und alles daransetzen, die Herrschaft über dieses Land wiederzuerlangen.

Und Leslie Morgan zu töten.

Er brauchte also Verbündete und sonderlich wählerisch konnte er da nicht sein.

Der neue Sheriff von Amarillo nickte Jesse Shaw zu. „Mein Deputy hier hat mich überzeugt“, erklärte er dann.

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Gegen Mittag ritt Dan Garth mit seinen Leuten dorthin, wo noch am Vortag die Ranch von Jesse Shaw gewesen war. Jetzt war dort nur noch eine verkohlte Ruine.

„Von Shaw ist nirgends eine Spur!“, meinte einer der Männer. Er hieß Curtis und fiel dadurch, dass er immer noch den grauen Hut der Südstaaten-Armee trug, den er bei seinem Dienst in der Konföderierten-Kavallerie getragen hatte.

„Wahrscheinlich ist er auf und davon!“, meinte Dan Garth und verzog dabei das Gesicht zu einem wölfischen Grinsen. „Ähnlich sehen würde es ihm. Er war immer schon ein Feigling. Ich hätte ihn eher davonjagen sollen.“

„Bleibt nur noch dieser Morgan“, brummte Curtis.

„So ist es. Wir reiten gleich nach Amarillo, um ihn zur Strecke zu bringen!“

„Er hat immerhin Carter und fünf von den besten Schützen ins Gras beißen lassen“, gab ein bärtiger Blondschopf zu bedenken und spuckte dabei aus.

Garth wandte halb den Kopf zu dem Sprecher herum.

„Was willst du damit sagen, Jim?“

„Nur, dass ich nicht sonderlich scharf darauf bin, eine weitere Kerbe auf seinem Winchestergriff zu sein, Boss! Dieser Mann muss ein Teufel von einem Kämpfer sein!“

Dan Garth' Augen blitzten gefährlich.

„Bis jetzt hatte er Glück!“, zischte er.

„Er ist jetzt Sheriff!“, sagte der Blondschopf. Garth blickte auf.

„Na, und?“

Der Rancher sah sich um und instinktiv war ihm klar, dass er jetzt etwas tun musste, um seine Leute bei Laune zu halten. Die Tatsache, dass Carter und fünf andere Männer jetzt tot waren, war den Kerlen offensichtlich tiefer in die Knochen gefahren, als sie es jemals offen zugegeben hätten.

Sie brauchten, etwas, das sie anspornte.

Dan Garth wandte er an die Männer. „Hört her, Jungs!“, rief er mit heiserer Stimme. „Derjenige, der Leslie Morgan die tödliche Kugel gibt, bekommt tausend Dollar von mir! Soviel ist es mir wert, ihn endlich unter der Erde zu wissen!“

Der Blonde pfiff durch die Zähne.

„Tausend Dollar sind eine ganze Menge!“

„Verdient sie euch!“, rief Garth und trieb dabei seinem Gaul die Sporen in die Seiten.

Der Rancher ließ das Pferd pfeilschnell in jene Richtung über das Grasland preschen, in der Amarillo lag. Und seine Leute hatten Mühe, ihm zu folgten.

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Eine halbe Stunde später hatten Garth und seiner Männer Amarillo erreicht.

In wildem Galopp kam die Horde auf die Stadt zu. Dan Garth zügelte dann plötzlich seinen Gaul und die anderen folgten seinem Beispiel.

Der Rancher ließ kurz den Blick über die Ansammlung von Häusern streifen, aus der in den letzten Jahren eine richtige kleine Stadt gewachsen war.

Dann nickte er und wandte sich an die Männer.

„Ich hoffe, einer von euch verdient sich die tausend Dollar, die ich auf Leslie Morgans Kopf gesetzt habe!“

Ein zustimmendes Raunen entstand unter seinen Leuten. Er selbst zog mit einer schnellen Bewegung das Winchester Gewehr aus dem Sattelschuh und lud die Waffe durch.

„Kaufen wir uns Leslie Morgan!“, rief einer der Kerle.

„Am besten wir schauen uns zuerst das Sheriff-Office an!“, schlug indessen Curtis vor und zog sich seinen Konföderierten-Hut ins Gesicht, um besser gegen die Sonne blicken zu können.

„Meinetwegen!“, knurrte Garth. „Los! Ihr wisst, was Ihr zu tun habt! Und vergesst nicht, zuerst zu schießen, so fern ihr irgendwo einen Mann seht, der Leslie Morgan auch nur im entferntesten ähnlich sieht!“

Die Reiter kamen über die Main Street von Amarillo, die an diesem Tag wie ausgestorben wirkte.

Niemand war da.

Niemand, der Lust hatte, im Schusshagel eine Ladung Blei abzubekommen...

„Verdammt, das gefällt mir nicht, Boss!“, zischte Curtis Dan Garth zu.

Und auch der Rancher begann, sich unwohl zu fühlen. Die Reiterschar hielt das Sheriff-Ofice zu. Einige der Männer sprangen mit gezogener Waffe aus den Sätteln. Die Tür wurde eingetreten, aber die Revolver wanderten sogleich wieder ins Holster.

„Da ist niemand!“, meinte einer der Männer, nachdem er kurz eingetreten war und sich umgesehen hatte.

„Was?“, rief Garth ungläubig.

„Nur Bill Wheaton! Er liegt verletzt in der Zelle...“

„Dann lass ihn da versauern!“, knurrte Dan Garth und wirbelte herum, als er plötzlich auf den Dächern der Nachbarhäuser Bewegung sah.

Gewehre wurden durchgeladen und in Anschlag gebracht. Sechs oder sieben waren es, und zwar so verteilt, dass die Ankömmlinge mehr oder minder eingekreist waren.

„Keine Bewegung!“, rief dann eine Stimmte, die Dan Garth nur allzu gut kannte.

Es war Leslie Morgan, der sich an der Ecke des gegenüberliegenden Drugstores verschanzt hielt. Dan Garth verzog das Gesicht zu einer grimmigen Maske.

„Ihr seid allesamt verhaftet!“, fuhr Leslie Morgan indessen fort und kam einen Schritt aus seiner Deckung heraus. „Legt die Waffen ab, oder werdet es bitter bereuen!“

Dan Garth' Nasenflügel bebten vor Erregung, als er Jesse Shaw an der Tür eines Lagerhauses lauern sah.

„So, hast du dich also auf Morgans Seite geschlagen, du Ratte!“, zischte er zu ihm hinüber.

„Sie sind einfach zu weit gegangen, Mister Garth!“, erwiderte Jesse Shaw abweisend.

Einen Moment lang geschah gar nichts.

Garth' Männer waren in einer vierfachen Übermacht, aber ihre Gegner hatten eine hervorragende Deckung.

Dan Garth schien darüber nachzudenken, was schwerer wog. Und dann riss Dan Garth blitzschnell den Colt heraus und feuerte wild drauflos.

Der erste Schuss traf Jesse Shaw im Oberkörper, der zweite erwischte den Rancher mitten in der Stirn. Der Länge nach fiel der er in den Staub, ohne auch nur einen Schuss abgegeben zu haben.

Schon in der nächsten Sekunde brach das Chaos los. Leslie Morgan hob seine Winchester und feuerte nur einen Sekundenbruchteil später in Dan Garth' Richtung. Sein Schuss erwischte den Rancher nur an der Schulter. Dann musste Leslie sich zur Seite fallenlassen, um nicht von dem unbarmherzigen Geschosshagel durchgesiebt zu werden, der sich in seine Richtung ergoss.

Der Sheriff von Amarillo rollte sich am Boden herum, während rechts links die Kugeln kleine Staubfontänen aufwarfen. Einen Augenblick später hatte er sich dann zurück in seine Deckung gerettet.

Das Gefecht tobte mit großer Heftigkeit. Drei, vier von Dan Garth' Reitern erwischte es sofort. Mit gellenden Schreien riss es sie aus den Sätteln heraus.

Aber auch einer aus der Shaw-Mannschaft wurde aus seiner Deckung herausgeholt und stürzte vom Dach des Sheriff-Office hinab in den Staub der Main Street.

Dan Garth' Blick ging kurz herum, während er sich die Schulter hielt. Er sah, wie seine Männer zusammengeschossen wurden erkannte, dass sie trotz ihrer Übermacht im Moment nichts ausrichten konnten.

Also gab er seinem Gaul die Sporen und ließ ihn davonpreschen.

Seine Leute folgten ihm.

Leslie kam seiner Deckung heraus und feuerte auf Garth. Denn sobald Dan Garth tot im Staub lag, hatte der ganze Spuk ziemlich schnell ein Ende, das lag auf der Hand.

Garth war der Kopf des Ganzen.

Ohne ihn würde sein wilder Haufen sehr schnell auseinanderfallen. Aber Garth war ein geschickter Reiter. Er hängte sich seitwärts an seinen Gaul, wie es die Indianer taten und ritt im Zickzack die Main Street entlang.

Unter seinen Leuten herrschte das Chaos.

Jeder versuchte zuerst einmal, seine Haut zu retten und so sprengten sie in wilder Flucht davon.

Leslie rannte mitten auf die Main Street, feuerte noch ein paarmal seine Winchester ab und lief dann zu einem gesattelten Pferd, dass irgendjemand am Straßenrand abgestellt hatte. Mit einem Satz schwang er sich hinauf und preschte hinter Garth und seiner wilden Meute her.

Ein Bleihagel zischte in seine Richtung.

Leslie presste sich dicht an den Nachen des Tieres und feuerte zweimal kurz hintereinander seine Winchester ab. Einen der Kerle erwischte er. Die Wucht des Geschosses ließ ihn seitwärts aus dem Sattel rutschen, während sich sein Gaul wiehernd auf die Hinterhand stellte.

Ein wütendes Gegenfeuer aus mindestens einem Dutzend Revolver-und Gewehrmündungen wurde Leslie Morgan entgegengebracht.

Sein Pferd wieherte plötzlich laut auf und Leslie war instinktiv klar, was passiert sein musste.

Der Gaul war getroffen worden.

Das Tier geriet ins Straucheln und ging schließlich schwer zu Boden. Leslie sprang rechtzeitig ab, um nicht von dem massigen Leib begraben und zerquetscht zu werden. Er landete hart auf dem Boden, während der Pferdeleib noch etwas durch den Staub rutschte.

Leslie drehte sich am Boden herum, während rechts und links von ihm die Kugeln einschlugen.

Er riss dann blitzartig die Winchester hoch und feuerte. Einen der Kerle erwischte er in der Herzgegend, worauf hin er aus dem Sattel rutschte. Ein zweiter bekam eine Kugel in den Oberschenkel, woraufhin er lauthals fluchte und seinen Pferd die Sporen gab.

Mit den Augenwinkeln sah er dann McGhee, der ihm gefolgt war. Der Schwarze hatte sich hinter einem abgestellten Pferdewagen verschanzt und gab Leslie zumindest soviel Feuerschutz, dass dieser sich aufrappeln und hinter einer Hausecke in Sicherheit bringen konnte.

Dan Garth' Männer waren indessen zur Stadt hinausgeritten. Es dauerte nicht lange und sie waren außerhalb der Schussweite, sodass es keinen Sin mehr machte, Munition zu verschwenden.

Oben, auf einem Hügel befand sich eine Baumgruppe und dort schien die Meute sich zu sammeln.

Dann waren sie hinter dem Hügel verschwunden.

„Alles okay?“, fragte McGhee, nachdem er aus seiner Deckung herausgekommen war.

Leslie nickte.

„Alles okay“, erwiderte der neue Sheriff von Amarillo.

„Diese Banditen werden zurückkehren!“, prophezeite John McGhee im Brustton der Überzeugung.

Und Leslie Morgan wusste, dass McGhee recht hatte. Sie hatten einen Sieg gegen Dan Garth' übermächtige Meute errungen und ein halbes Dutzend seiner Killer hatten dabei ins Gras beißen müssen.

Aber Dan Garth würde es dabei nicht bewenden lassen. Er konnte gar nicht anders, wenn er die Herrschaft über dieses Land nicht verlieren wollte.

Leslie Morgan schob frische Patronen in das Magazin seiner Winchester und meinte: „Wir werden darauf vorbereitet sein, wenn sie kommen!“

„Diesmal hatten wir die Überraschung auf unserer Seite. Aber beim nächsten Mal wird das nicht mehr so sein“, erwiderte McGhee skeptisch.

„Warten wir es ab!“, knurrte Leslie Morgan.

Dann gingen sie gemeinsam zurück in Richtung Sheriff Office. Die anderen Männer waren indessen aus ihren Deckungen herausgekommen.

Und über den toten Jesse Shaw hatte sich Glenda, das ehemalige Saloon-Girl gebeugt.

In ihren Augen glitzerten Tränen.

Tränen der Trauer und der Wut.

Sie hatte Jesse Shaw die Augen geschlossen und ihm den Colt aus dem Holster genommen.

„Ich habe ihn geliebt!“, sagte sie, als sie Leslie sah. „Und so wahr ich hier stehe, Dan Garth wird dafür bezahlen! Und wenn es das letzte ist, was ich tue!“

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Leslie Morgan wirbelte herum, als er die Reiter herankommen sah.

Es waren Jesse Shaws Männer.

Sie senkten die Köpfe, als sie Leslie Morgan sahen. Aber dieser begriff sofort, was hier vor sich ging. Sie wollten verschwinden.

Ein großer Hagerer mit buschigem Schnauzbart fand als erster seine Sprache wieder und sagte: „Dan Garth und seine Bande von Killern wird zurückkehren! Aber wir werden dann nicht mehr hier sein!“

„Ich verstehe“, meinte Leslie düster.

Und Glenda, die noch immer bei dem toten Jesse Shaw ausharrte, schrie: „Was seid ihr doch für Feiglinge!“

Der Hagere vermied es, zu Glenda und dem toten Shaw hinüberzublicken.

Stattdessen wandte er sich an Leslie Morgan und fuhr schließlich fort: „Wir sind für unseren Boss geritten und für ihn haben wir auch unseren Hals riskiert! Aber wir tun dasselbe nicht für Sie, Morgan!“

„Sie können uns doch nicht einfach im Stich lassen!“, mischte sich McGhee erregt ein.

„Unser Boss ist tot. Die Sache geht uns jetzt nichts mehr an!“, erwiderte der Hagere eisig.

Einige der Männer hatten bereits ihre Hände bei den Eisen und es war Leslie klar, dass er sie kaum würde umstimmen können.

„Ich kann euch nicht daran hindern, jetzt davonzureiten“, erwiderte Leslie kühl.

„Schön, dass Sie das einsehen“, meinte der Hagere.

„Aber ich warne Sie! Dan Garth hat gesehen, auf wessen Seite Sie ihre Schießeisen benutzt haben und wenn Sie seinen Leuten da draußen begegnen, wird er kurzen Prozess mit Ihnen machen!“

„Garth und seine Leute haben die Stadt in südlicher Richtung verlassen und wir werden nach nach Norden reiten!“

Dann gaben sie ihren Gäulen die Sporen und preschten davon. Mit den Augenwinkeln bemerkte Leslie Morgan, wie Glenda sich von Jesse Shaws Leiche erhob und den Revolver auf die Davoneilenden richtete.

Mit beiden Händen hielt sie die Waffe umfasst, ein Daumen zog den Hahn zurück.

Mit einem schnellen Satz war Leslie bei ihr und riss gerade noch rechtzeitig ihren Arm in die Höhe.

Der Schuss ging ins Nichts, während Shaws Leute in den Sätteln herumwirbelten, die Eisen schon in den Händen. Glenda ließ den Revolver sinken und schluchzte, während sie den Kopf an Leslies breite Schulter legte.

„Diese feigen Bastarde!“, wimmerte sie. „Jetzt machen sie sich einfach aus dem Staub und die Leiche ihres Bosses ist noch nicht einmal kalt!“

„So sind sie nun einmal!“, versetzte Leslie kühl. Und in gewisser Weise konnte er diese Cowboys sogar verstehen... Sie hatten einfach keine Lust, sich gegen eine weit überlegene Übermacht blutige Nasen zu holen.

Oder den Tod.

Shaws Männer steckten indessen ihre Waffen wieder ein und machten, dass sie davonkamen.

Hier hatten sie nichts mehr verloren. Und bevor der Sturm erneut über Amarillo hereinbrach, wollten sie auf und davon sein...

„Verdammter Mist!“, fluchte McGhee und warf wütend seinen Hut in den Staub. „Wenn Garth und seine Meute zurückkehrt, werden wir allein dastehen!“

„Wollen Sie sich auch davonmachen, McGhee?“, fragte Leslie Morgan ruhig.

McGhee wandte den Kopf und sah den den Sheriff von Amarillo wütend an. „Für wen halten Sie mich eigentlich?“

„Es war eine Frage, McGhee. Nicht mehr und nicht weniger!“

„Es war eine Beleidigung! Ich bleibe hier! Garth soll bekommen, was er verdient!“

Leslie lächelte matt.

„Gut“, sagte er.

Er sah hinüber zu den Hügeln, draußen vor der Stadt und fragte sich, wie viel Zeit sich Dan Garth und seine Leute ihnen noch geben würden...

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Wenig später waren sie im Dead Indian-Saloon. Leslie Morgan und McGhee hatten sich mit frischer Munition versorgt und waren gerade dabei, ihre Waffen nachzuladen. Miss Casey half ihnen dabei.

„Ich bin froh, dass Ihnen nichts passiert ist, Leslie!“, sagte sie. Sie trug an diesem Tag nicht eines jener Kleider, die sie sonst im Saloon trug, sondern eine praktische Drillich-Hose und ein kariertes Hemd, das ihr viel zu groß war. Sie sah immer noch gut darin aus.

Hinter dem breiten Gürtel, der die Hose festhielt, steckte ein langläufiger Peacemaker-Colt.

„Wenn diese Bastarde das nächste mal hier auftauchen, werde ich mit Ihnen kämpfen, Leslie!“

Leslie sah sie erstaunt an.

„Das kommt nicht in Frage“, erwiderte er.

„Ach, haben Sie etwa so viele Bundesgenossen, dass sie in dieser Beziehung wählerisch sein könnten?“

„Ich möchte nicht, dass Ihnen etwas passiert, Miss Casey!“

„Ich kann mit dem Eisen umgehen, Les! Und wie Sie wissen, habe ich mit Dan Garth eine Rechnung offen. Eine Rechnung, die genauso schwer wiegt, wie die, die Sie mit ihm zu begleichen haben!“

Leslie Morgan wollte noch etwas erwidern, aber das Geräusch eines galoppierenden Pferdes ließ ihn verstummen. Kurz entschlossen packte Leslie seine Winchester und ging durch die Schwingtüren hinaus ins Freie.

Ein Reiter kam die Main Street von Amarillo entlang. Es war einer von Garth Männern. Leslie erkannte ihn wieder. In der Rechten schwenkte der Kerl mit einer weißen Fahne.

„Hey! Ich bin hier um zu reden!“, rief der Fahnenschwenker.

„Es gibt nichts zu reden!“, rief Leslie Morgan grimmig zurück.

„Mit dir vielleicht nicht, Leslie Morgan! Aber mit den Bürgern von Amarillo sehr wohl!“ Der Reiter drehte sich herum. „Ich bin sicher, ihr hört mich! Auch wenn Ihr euch hinter euren Gardinen verschanzt habt und die Ohren anlegt wie die Hasen! Ihr habt die Wahl! Entweder liefert ihr uns Leslie Morgan aus oder sorgt dafür, dass er die Stadt verlässt oder wir werden die ganze Stadt in Schutt und Asche legen! Dann seid ihr alle ruiniert! Außerdem werden wir niemanden lebend aus der Stadt hinaus oder in sie hineinlassen, solange Leslie Morgan unter euch ist!“

Der Reiter ließ sein Pferd ein bisschen seitwärts schreiten. Mit Zufriedenheit registrierte er die Bewegung an dem einen oder anderen Fenster.

Dann fuhr er fort: „Dan Garth setzt tausend Dollar auf Leslie Morgans Kopf!“

Leslie Morgan hob seine Winchester und feuerte. Es war ein gut gezielter Schuss, der den morschen Ast, an dem die weiße Fahne flatterte, zersplittern ließ. Das Pferd ging augenblicklich laut wiehernd auf die Hinterhand und der Reiter hatte alle Mühe, sich zu halten.

Er ließ den Rest des Holzstücks in den Staub fallen, riss seinen Gaul herum und preschte augenblicklich die Main Street in jene Richtung davon, aus der er gekommen war.

„Dieser Teufel!“, hörte Leslie hinter sich die Stimme von McGhee. „Jetzt versucht er, die Städter wieder auf seine Seite zu ziehen!“

Sie gingen zurück in den Saloon.

Und es dauerte keine zehn Minuten, da tauchte Grant Collins, der Fuhrunternehmer zusammen mit einigen anderen Bürgern auf.

Doug Garrison war darunter, der Besitzer des Mietstalls. Insgesamt mehr als ein halbes Dutzend angesehener Leute aus Amarillo.

Sie traten durch die Schwingtüren und ihren verkniffenen Gesichtern war anzusehen, dass sie nichts angenehmes zu sagen hatten.

„Es ist gut, dass Sie kommen“, murmelte Leslie Morgan, bevor einer der Männer etwas sagen konnte. „Wir brauchen jeden Mann, um die Stadt gegen Dan Garth und seine Meute zu verteidigen. Gewehre gibt es genug!“

Eisiges Schweigen schlug Leslie entgegen.

Die Männer blickten mit einer Hartnäckigkeit zu Boden, als gäbe es dort Goldstücke zu finden.

„Die Art und Weise, in der Sie Dan Garth entgegengetreten und hier für Ordnung gesorgt haben, hat uns allen imponiert“, sagte Grant Collins schließlich.

Aber es klang nicht so recht überzeugend.

Leslie hob die Augenbrauen. Der falsche Unterton war ihm nicht entgangen.

„Ach, ja?“, raunte er.

„Wirklich, Sir!“

Leslie verzog das Gesicht zu einem dünnen Lächeln.

„Ihre Lobrede können Sie sich sparen!“, erwiderte er ziemlich kühl.

„Gut“, sagte jetzt Doug Garrison und schob sich dabei den Hut in den Nacken. „Dann können wir ja frei heraus sagen, was uns unter den Nägeln brennt!“

„Sicher“, nickte Leslie, obwohl er es sich inzwischen an den Fingern einer Hand ausrechnen konnte, worauf sie hinauswollten.

Jetzt war es wieder an Grant Collins, weiter zu sprechen Er steckte zwei Finger in die Tasche seiner blauen Samtweste und holte tief Luft.

„Wir respektieren Sie, Mister Morgan. Sonst hätten wir Sie auch nicht zum Sheriff gemacht. Aber jetzt wird die Sache zu heiß!“

„Was Sie nicht sagen!“

„Dan Garth will die Stadt niederbrennen. Sie haben diesen Wahnsinnigen so sehr gereizt, dass das wahrscheinlich keine leere Drohung ist!“

Leslie hob die breiten Schultern.

„Nein, das ist wahr! Eine leere Drohung ist das sicher nicht!“, stimmte er düster zu und verschränkte dabei die Arme vor der Brust.

Grant Collins schnappte noch einmal nach Luft und blies sich förmlich auf, bevor er weiterredete.

„Kurz und gut, wir wollen, dass Sie die Stadt verlassen, Mister Morgan!“, sagte er in deutlich gedämpfterem Tonfall. Er selbst schien sich für seine Worte wohl zu schämen.

Aber nun war es einmal ausgesprochen.

In Leslies dunklen Augen blitzte es wütend. Er wollte etwas erwidern, aber jemand anderes kam ihm zuvor.

Eine Frauenstimme.

„Ach, erst war er gut genug, um für Sie die Kastanien aus dem Feuer zu holen und jetzt wollen Sie ihn in den sicheren Tod schicken!“, fauchte Miss Casey. „Sie sollten sich schämen!“

„So, wie es aussieht können wir das Risiko nicht eingehen!“, war Grant Collins' kalte Erwiderung.

„Und wie wär's, wenn Sie und Ihresgleichen vielleicht auch mal ein Gewehr in die Hand nähmen, um die Stadt zu verteidigen? Was ist mit Ihren Frachtfahrern?“

Collins machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Die sind längst über alle Berge!“

Die Männer wechselten einige Blicke untereinander.

„Wir hatten gehofft, Sie wären vernünftig, Mister Morgan“, war dann Doug Harrison zu vernehmen. Und als dessen Jacke ein Stück zur Seite glitt sah Leslie für den Bruchteil eines Augenblicks etwas Blinkendes.

Einen Colt, der in seinem Hosenbund steckte.

Was dann geschah, ging sehr schnell.

Leslie Morgan hatte vorausgesehen, was geschehen würde. Noch bevor die Hand des Mietstallbesitzers sich so richtig um den Coltgriff gelegt hatte, hatte Leslie bereits sein Eisen herausgerissen und abgefeuert.

Zwei Kugeln brannte der Sheriff von Amarillo seinem Gegenüber kurz vor die Fußspitzen, sodass Doug Garrison einen Satz rückwärts machte und beinahe zu Boden fiel. Garrison kam hart gegen einen der Tische.

Ein unterdrückter Fluch kam über die Lippen des Mietstallbesitzers. Die anderen blickten wie entgeistert auf Leslie Morgans Colt und schluckten.

Wie erstarrt standen sie da und blickten auf den Mann, den sie vor kurzem erst Sheriff gemacht hatten und den sie nun wie einen Hund aus der Stadt jagen wollten - direkt in die Arme seiner Feinde.

Grant Collins hob beschwichtigend seine Arme

„Hören Sie, Morgan!“

„Verschwinden Sie!“, zischte Leslie eisig und brannte noch ein Ding kurz vor ihre Zehenspitzen.

Sie ließen es sich nicht zweimal sagen. Sie stolperten durch die Schwingtüren hinaus auf die Main Street und Leslie steckte den Revolver zurück ins Holster.

„Das wir auf die nicht zählen konnten, war mir von Anfang an klar!“, meinte McGhee. „Aber dass sie sich gegen uns stellen würden, dass überrascht mich doch!“

Leslie Morgan zuckte nur mit den Schultern.

„Sie haben Angst“, stellte er sachlich fest. „So viel Angst, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen können!“

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Irgendwo jenseits der Stadt waren plötzlich Schüsse zu hören. Ein kurzes aber dafür um so heftigeres Feuergefecht war da irgendwo hinter dem Horizonts im Gange.

Kurz und grausam.

Einige Todesschreie wurden durch den Nordwestwind bis nach Amarillo getragen.

Leslie Morgan konnte sich an den Fingern einer Hand ausrechnen, was da geschehen war. Es gehörte nicht viel Fantasie dazu, es sich auszumalen.

Etwa eine halbe Stunde später galoppierten dann einige Pferde die Main Street entlang.

Sie trugen eine ganz besondere Last auf ihren Rücken. McGhee stand mit geballten Fäusten an den Schwingtüren des Dead Indian und blickte hinaus.

„Diese Hunde...“, flüsterte der Schwarze leise vor sich hin und schüttelte dabei den Kopf.

Auf die Rücken der Pferde waren Leichen gebunden.

„Es sind Jesse Shaws Leute“, knurrte McGhee grimmig.

„Scheint, als hätten sie es nicht geschafft! Garth' Leute haben sie niedergemacht!“

Die Gäule mit den Toten auf dem Rücken verlangsamten ihre Geschwindigkeit und hielten schließlich an.

„Ich habe Shaws Männer verflucht, weil sie einfach davongezogen sind, aber das habe ich ihnen nicht gewünscht! Bei Gott!“, zischte McGhee.

Garth und seine Leute hatten die Leichen mit gutem Grund hier her geschickt.

Jedem in Amarillo sollte nun klar sein, dass Dan Garth seine Drohungen ernst meinte.

„Diese Männer hatten gedacht, den leichteren Weg zu wählen“, murmelte Leslie, als er neben McGhee trat und die Pferde mit ihrer makabren Last beobachtete. „Ich hatte sie gewarnt!“

„Wir sitzen wie in einer Mausefalle!“, stellte der Schwarze indessen fest. „Wahrscheinlich können wir jetzt kaum über die Main Street gehen, ohne dass einer dieser sauberen Bürger versuchen wird, uns eine Kugel in den Rücken zu jagen!“

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Dan Garth knurrte laut auf, als Curtis ihm die Wunde an der Schulter mit Whiskey desinfizierte.

„Verdammt, tut das brennt!“, schrie der Rancher unbeherrscht auf.

Curtis schob sich den grauen Hut zurück in den Nacken. Er blieb einigermaßen ruhig und sagte: „Es ist nur ein Streifschuss, Boss. Aber auch so etwas muss gereinigt werden, sonst gibt es eine Entzündung!“

„Mach schon!“

Curtis legte ihm einen vorläufigen Verband an, den er aus dem Ärmel von Garth' Hemd geschnitten hatte.

„Perfekt!“, meinte der Mann mit dem Südstaaten-Hut.

„Ich hoffe, du hast keinen Pfusch gemacht, Curtis!“, bellte Garth ziemlich unfreundlich.

Curtis kniff die Augen zusammen.

„Was glauben Sie, wie oft ich so etwas während des Krieges gemacht habe!“, versetzte der neue Vormann der Garth-Mannschaft kühl. Garth erhob sich wieder und zog sich vorsichtig die Jacke an. Die Verletzung an der Schulter war glücklicherweise links und hinderte ihn nicht beim Schießen.

„Wie geht es jetzt weiter, Boss?“, fragte Curtis. „Sollen wir hier ewig hinter den Hügeln lauern und abwarten, was sich da unten in Amarillo so tut?“

„Warum nicht?“, erwiderte Garth. „Die feigen Städter haben doch so gestrichen voll, dass sie uns Leslie Morgan früher oder später auf dem silbernen Tablett servieren werden!“ Der Rancher lachte heiser. „Irgendwer wird sich schon finden, der ihm von hinten eine Kugel in den Schädel jagt! Verlasst euch drauf!“

„Warum versuchen wir es nicht einfach nochmal?“, fragte jemand anderes.

Es war Jim, der Blondschopf.

Er schob sich den Hut in den Nacken und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Warterei ging ihm auf die Nerven, das war ihm deutlich anzusehen.

Garth verzog das Gesicht.

„Leslie Morgan ist wie eine einsame Raubkatze“, erklärte er finster. „Und ich habe wenig Lust, noch mehr Leute zu verlieren!“ Ein zynisches Grinsen ging über Dan Garth' Gesicht.

„Nein, wir werden hier abwarten. Die ganze Nacht, wenn es sein muss oder auch noch länger!“

Jim ließ nicht locker.

„Ich denke, wir sollten bald losschlagen, Boss! Shaws Leute, diese Verräter, sind tot! Er steht doch jetzt so gut wie alleine da!“

In Garth' hartem Gesicht blitzten jetzt zwei Reihen fast makelloser Zähne. „Ich entscheide hier, oder passt dir das nicht mehr?“

Aus der Ferne kam indessen ein gutes Dutzend Reiter heran.

„Das wird Cody mit dem Rest unserer Leute sein!“, meinte der Rancher. Er hatte jetzt seine gesamte Mannschaft zusammengezogen und ließ dabei seine Ranch seine Tiere unbewacht.

Aber diese Sache hier ging vor.

Niemand sollte Amarillo verlassen können.

Schon gar nicht Leslie Morgan!

„Es wird langsam Abend!“, knurrte der Rancher. „Macht ein Lagerfeuer! Ich hoffe nur, dass Cody uns etwas Stew mitgebracht hat, damit wir hier draußen nicht mit knurrendem Magen warten müssen!“

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Die Stunden krochen dahin, ohne das etwas geschah. Es war zermürbend.

McGhee lief unruhig mit der Winchester im Anschlag auf und ab und schaute immer wieder hinaus auf die Main Street, ob sich dort etwas tat.

Aber es tat sich nichts.

Von den Städtern zeigte sich keiner. Und von Dan Garth Meute ebenfalls nicht.

Leslie Morgan saß indessen ganz ruhig an einem der Tische im Dead Indian, nahm erst einen Drink und tat dann lange Zeit gar nichts.

„Wo ist eigentlich der Kerl, mit dem zusammen Sie hier den Laden führen?“, fragte er schließlich Miss Casey. Sie zuckte mit den Achseln.

„Keine Ahnung.Hat sich wohl verdrückt!“

„Scheint, als hätten Sie sich für die falsche Seite entschieden, Miss!“

„Sie können einem aber Mut machen, Les!“

„Ich sage nur, wie es ist!“

„Diese Warterei geht mir auf die Nerven!“

„Mir auch. Aber im Moment haben wir keine andere Wahl. Erst wenn es dunkel wird, können wir etwas unternehmen.“

Sie sah ihn erstaunt an. Und McGhee war ebenfalls herumgewirbelt und hatte die Augenbrauen hochgezogen.

„Was haben Sie vor, Les?“, fragte Miss Casey.

„Sobald es dunkel ist, werde ich hinausreiten und mir Dan Garth schnappen!“

McGhee lachte laut los. „Einfach so, ja?“ Er schüttelte ungläubig den Kopf. „So verrückt können doch nicht einmal Sie sein!“

„Ich bin nicht verrückt“, behauptete Leslie.

„Ach nein? Und was ist mit Shaws Leiten? Die waren zu sechst und haben es auch nicht geschafft, durchzukommen! Und ich wette, dass Dan Garth inzwischen den Rest seiner Mannschaft auch noch um Amarillo zusammengezogen hat, sodass es noch viel schwieriger werden dürfte!“

Leslie hob beschwichtigend die Hand und erklärte dann: „Shaws Männer wollten auf und davon, aber das habe ich ja gar nicht vor! Ich will mir den Kopf dieser Bande schnappen und hier bringen!“

„Sie sind wahnsinnig!“, erwiderte McGhee.

„Es ist unsere einzige Chance. Der ganze wilde Haufen wird schnell auseinanderfallen, wenn ihm der Kopf fehlt!“

McGhee machte eine ärgerliche Handbewegung und meinte dann: „Ich sehe schon, umzustimmen sind Sie nicht! Dann werde ich zumindest mitkommen.“

„Nein. Ich brauche Sie hier. Außerdem hat ein Mann bessere Chancen durchzukommen als zwei.“

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