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101 Fragen und Antworten im Vorstellungsgespräch

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweis zum Urheberrecht
  2. Impressum
  3. Einführung
  4. Fragen rund um das Unternehmen
    1. 1. „Warum haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?”
    2. 2. „Was fällt Ihnen zu unseren Produkten ein?”
    3. 3. „Was interessiert Sie an unserer Branche besonders?”
    4. 4. „Was wissen Sie über unsere Mitbewerber?”
    5. 5. „Was unterscheidet uns von unseren Mitbewerbern?”
    6. 6. „Wie finden Sie unseren werblichen Auftritt?”
    7. 7. „Was wissen Sie über die Geschichte unseres Hauses?”
    8. 8. „Was wissen Sie über die Unternehmenskultur?”
    9. 9. „Wie finden Sie unsere Stellenanzeige?”
    10. 10. „Wie gefällt Ihnen der Online-Service auf unserer Homepage?”
  5. Fragen zum Bildungsweg
    1. 11. „Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?”
    2. 12. „Warum haben Sie sich für dieses Studium entschieden?”
    3. 13. „Was unterscheidet ein Fachhochschulstudium aus Ihrer Sicht von einem Universitätsstudium?”
    4. 14. „Was empfiehlt Sie als Geisteswissenschaftler für diese Aufgabe?”
    5. 15. „Welchen Nutzen konnten Sie aus Ihren Praktika ziehen?”
    6. 16. „Halten Sie sich eher für einen Generalisten oder für einen Spezialisten?”
    7. 17. „Entsprechen Ihre Zeugnisse Ihrem tatsächlichen Leistungsvermögen?”
    8. 18. „Was hat Ihnen Ihr Studienaufenthalt im Ausland gebracht?”
    9. 19. „Warum haben Sie an einer Privathochschule studiert?”
    10. 20. „Warum haben Sie sich ausgerechnet für dieses Thema Ihrer Bachelor- bzw. Masterarbeit entschieden?”
    11. 21. „Welche Vorzüge haben die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge?”
    12. 22. „Gab es ein Schlüsselerlebnis für Ihre berufliche Ausrichtung?”
  6. Fragen zum Berufsweg
    1. 23. „Warum möchten Sie sich verändern?”
    2. 24. „Was hat Ihnen an Ihrem letzten Job besonders gut gefallen?”
    3. 25. „Wo möchten Sie beruflich in fünf Jahren stehen?”
    4. 26. „Warum lassen sich Ihre Berufsziele nicht bei Ihrem derzeitigen Arbeitgeber verwirklichen?”
    5. 27. „Wie stellen Sie sich die Einarbeitungszeit vor?”
    6. 28. „Welche Schwierigkeiten könnten sich aus Ihrer langen Betriebszugehörigkeit ergeben?”
  7. Fragen rund um die Persönlichkeit
    1. 29. „Was sind Ihre besonderen Stärken?”
    2. 30. „Was sind Ihre besonderen Schwächen?”
    3. 31. „Wofür arbeiten Sie?”
    4. 32. „Was heißt für Sie Erfolg?”
    5. 33. „Was war in Ihrem Leben die bisher beste Entscheidung?”
    6. 34. „Worauf sind Sie in Ihrem Leben besonders stolz?”
    7. 35. „Wie richten Sie sich nach einem Misserfolg moralisch auf?”
    8. 36. „Wovor haben Sie Angst?”
    9. 37. „Arbeiten Sie lieber allein oder mit anderen?”
    10. 38. „Wo konnten Sie Ihre Kreativität bisher unter Beweis stellen?”
    11. 39. „Was bedeutet für Sie Loyalität?”
    12. 40. „Was verstehen Sie unter Flexibilität?”
    13. 41. „Wie mobil sind Sie?”
    14. 42. „Können Sie sich durchsetzen?”
    15. 43. „Wie konfliktfähig sind Sie?”
    16. 44. „Mit welchen besonderen Belastungen rechnen Sie bei Ihrer möglichen neuen Aufgabe?”
    17. 45. „Wie gehen Sie mit Stress um?”
    18. 46. „Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?”
    19. 47. „Wie wichtig sind für Sie Äußerlichkeiten?”
    20. 48. „Welche Vorbilder haben Sie?”
    21. 49. „Welche Schlüsselqualifikationen werden in Zukunft am wichtigsten sein?”
  8. Fragen zu Unebenheiten im Werdegang
    1. 50. „Warum haben Sie Ihre Ausbildung abgebrochen?”
    2. 51. „Warum haben Sie Ihr Studium abgebrochen?”
    3. 52. „Warum haben Sie Ihr Studienfach gewechselt?”
    4. 53. „Warum haben Sie so lange studiert?”
    5. 54. „Warum haben Sie nicht im Ausland studiert?”
    6. 55. „Warum wollen Sie Ihr Unternehmen bereits während der Probezeit verlassen?”
    7. 56. „Warum wurden Sie nach der Probezeit nicht übernommen?”
    8. 57. „Warum suchen Sie schon so lange nach einer Anstellung?”
    9. 58. „Warum streben Sie nach Jahren der Selbstständigkeit eine Festanstellung an?”
    10. 59. „Warum haben Sie so oft den Job gewechselt?”
    11. 60. „Was haben Sie aus Ihren bisherigen Fehlern gelernt?”
  9. Fragen zum Thema Führung und Zusammenarbeit
    1. 61. „Welchen Stellenwert hat Teamarbeit für Sie persönlich?”
    2. 62. „Woran scheitern Teams am häufigsten?”
    3. 63. „Was tun Sie, wenn Sie sich von Ihrem Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlen?”
    4. 64. „Was würden Sie tun, wenn Ihr Kollege in eine Position befördert wird, für die Sie sich bestens geeignet halten?”
    5. 65. „Was motiviert Sie?”
    6. 66. „Wodurch entstehen in einem Betrieb die größten Reibungsverluste?”
    7. 67. „Wie halten Sie es: Duzen oder Siezen?”
  10. Fragen zur Methodenkompetenz
    1. 68. „Was verstehen Sie unter einem professionellen Projektmanagement?”
    2. 69. „Warum scheitern Projekte?”
    3. 70. „Wie erhöht man die Effizienz von Meetings?”
    4. 71. „Was halten Sie von der Balanced Scorecard?”
    5. 72. „Wie bekommen Sie Zeitprobleme in den Griff?”
    6. 73. „Was verstehen Sie unter Change Management?”
  11. Fragen an Führungs(nachwuchs)kräfte
    1. 74. „Welche Eigenschaften hat der ideale Vorgesetzte?”
    2. 75. „Wie konnten Sie Ihre Führungskompetenz bisher unter Beweis stellen?”
    3. 76. „Welche Instrumente der Personalführung nutzen Sie?”
    4. 77. „Wie wichtig ist es für Sie als Führungskraft, einen breiten Konsens herzustellen?”
    5. 78. „Was verstehen Sie unter einem professionellen Konfliktmanagement?”
    6. 79. „Was tun Sie, wenn ein Mitarbeiter nicht die Leistung bringt, die Sie von ihm erwarten?”
  12. Fragen zum Führungsstil
    1. 80. „Welche Managementtheorie oder welchen Rat für Manager finden Sie besonders hilfreich?”
    2. 81. „Welchen Führungsstil favorisieren Sie?”
    3. 82. „Was halten Sie von Shareholder-Value als Maßstab für gute Unternehmensführung?”
    4. 83. „Was wollen Sie mit einem Job, der Sie mit weit über 50 Wochenstunden auffrisst? Sie haben doch Familie und Kinder.”
  13. Grundsätzliche Fragen zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
    1. 84. „Was ist für Sie ein erfolgreiches Unternehmen?”
    2. 85. „Was bestimmt die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens?”
    3. 86. „Wie stehen Sie zur Globalisierung?”
    4. 87. „Wie sehen Sie die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland?”
  14. Typische Fragen an Frauen
    1. 88. „Wie wichtig ist für Sie eine Familie?”
    2. 89. „Wann möchten Sie eigentlich Kinder haben?”
    3. 90. „Wie können Sie ein Kind mit einer Berufstätigkeit verbinden?”
    4. 91. „Sind Sie sich über die besonderen Erschwernisse einer Außendiensttätigkeit im Klaren?”
  15. Fragwürdige Fragen
    1. 92. „Was ist Ihre Lieblingsfarbe?”
    2. 93. „Würden Sie sich einem grafologischen Gutachten unterziehen?”
  16. Fragen rund um das Entgelt
    1. 94. „Wie wichtig ist Geld für Sie?”
    2. 95. „Welche Gehaltsvorstellung haben Sie?”
    3. 96. „Wie begründen Sie Ihren überdurchschnittlich hohen Gehaltswunsch?”
    4. 97. „Warum sind Sie bereit, Einkommenseinbußen zu akzeptieren?”
  17. Fragen zum Gesprächsabschluss
    1. 98. „Welche Fragen haben Sie abschließend noch?”
    2. 99. „Haben Sie sich noch woanders beworben?”
    3. 100. „Stünden Sie uns im Zweifelsfall auch für eine andere Aufgabe zur Verfügung?”
    4. 101. „Warum sollten wir uns ausgerechnet für Sie entscheiden?”
  18. Wenn Personaler googeln: Was das Netz weiß
    1. „Xing” oder: Was bringt die Visitenkarte im Netz?
    2. Beachten Sie als Bewerber den Knappheitsgrundsatz
    3. Wie das Netz beruflichen Rückenwind vermitteln kann
    4. Wie Sie die Trefferzahl bei Google und Co. erhöhen
  19. Zusage oder Absage?
    1. Die mentale Einstimmung auf das Interview
    2. Sind Sie Beobachter oder Beobachteter?
  20. Unzulässige Fragen und der Umgang damit
    1. Keine Antwort ist auch eine Antwort
      1. Man darf bestimmte Umstände verheimlichen
      2. Bei diesen Fragen dürfen Sie flunkern
    2. Wie Sie unzulässige Fragen elastisch abfedern
      1. „Möchten Sie in absehbarer Zeit eine Familie gründen?”
      2. „Gehören Sie einer Partei an?”
    3. Umgang mit Krankheiten und Behinderungen
  21. Stilsicherheit beim Auftritt im Vorstellungsgespräch
    1. Begrüßung und Smalltalk
    2. Sitzordnung und Gesprächseröffnung
    3. Verhalten an Türen, Treppen und Fahrstühlen
    4. Manieren bei Tisch
  22. Wie sehr darf man seinen Werdegang schönen?
    1. So darf man seinen Lebenslauf optimieren
      1. Lücken im Werdegang
      2. Wenn ein Zeugnis fehlt
  23. Das Antidiskriminierungsgesetz im Bewerbungsprozess
    1. Wer wird geschützt?
    2. Wann sind unterschiedliche Behandlungen erlaubt?
    3. Welche Organisationspflichten hat der Arbeitgeber?
    4. Welche Rechte haben die Beschäftigten?
    5. Wer trägt die Beweislast?
    6. Welche Folgen hat das AGG für Bewerber?
    7. Lohnt es sich, im Zweifelsfall zu klagen?
  24. Der Autor
  25. Stichwortverzeichnis
  26. Arbeitshilfen online

[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Abbildung

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Einführung

„Wer bist du?”, „Was kannst du?”. „Was willst du?”: Diese drei Fragen muss ein Bewerber glaubwürdig und in Hinblick auf die zu vergebende Aufgabe überzeugend beantworten. Das klingt einfach – und ist doch manchmal recht schwer. Es ist schwer, weil die Personalexperten ihr Frageziel aus unterschiedlichen Richtungen kommend ansteuern und deshalb oft für Überraschungen sorgen. Mancher Bewerber wird da auf dem falschen Fuß erwischt, verstrickt sich in Widersprüche oder muss gänzlich passen. Besonders ungemütlich sind jene Fragen, die gut getarnt daherkommen – man erkennt als Kandidat nicht auf Anhieb, worauf der Interviewer überhaupt hinauswill. Nicht zuletzt kann man noch mit Fragen konfrontiert werden, die unerlaubt oder schlicht blödsinnig sind. Aber auch hier gilt es angemessen zu parieren.[2]

Selbstsicherheit, Überzeugungskraft und Schlagfertigkeit sind immer auch eine Frage der Vorbereitung. Wer im Vorstellungsinterview das jeweilige Frageziel durchschaut und inhaltlich aus dem Vollen schöpfen kann, wird elastischer reagieren und damit besser ankommen. Und darum geht es in diesem Buch. Lesen Sie also, wie und warum sich Bewerber im Frage-und-Antwort-Spiel um Kopf und Kragen reden, und erfahren Sie, wie und warum sich andere vorteilhaft positionieren.

Hamburg, im November 2014

Claus Peter Müller-Thurau

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Fragen rund um das Unternehmen

Nach einer Studie des Arbeitsmarktdienstleisters Robert Half aus dem Jahr 2014 fallen 46 Prozent der Berufseinsteiger durch eine mangelhafte Auseinandersetzung mit dem Unternehmen auf, bei dem sie gern anheuern möchten. Selbst bei erfahrenen Bewerbern monieren die befragten HR-Manager, dass sich immerhin 32 Prozent nicht hinreichend über ihren möglichen zukünftigen Arbeitgeber informiert hätten. Deshalb folgt zur Einstimmung eine Liste mit den häufigsten Bewerberfehlern.[3]

Die häufigsten Fehler von Bewerbern im Vorstellungsgespräch
< 5 Jahre Berufserfahrung> 5 Jahre Berufserfahrung
Mangelnde Vorbereitung auf ein Gespräch über Kompetenzen und Erfahrung49 Prozent38 Prozent
Mangelndes Wissen über das Unternehmen46 Prozent32 Prozent
Mangelnde Vorbereitung auf ein Gespräch über Karrierepläne, Ziele39 Prozent32 Prozent
Unpünktlichkeit28 Prozent21 Prozent
Bewerber stellt keine Fragen25 Prozent24 Prozent
Mangelnder Enthusiasmus19 Prozent30 Prozent
Kein Augenkontakt18 Prozent16 Prozent
Zu redselig19 Prozent29 Prozent

Quelle: Robert Half

1. „Warum haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?”

Das Frageziel des Interviewers

Im Idealfall ist eine Bewerbung eine kleine Liebeserklärung. So zumindest sehen und hätten es gern viele Jobanbieter. Man möchte auserwählt sein und verspricht sich davon ein besonderes Engagement. Kein Betrieb ist an neuen Mitarbeitern interessiert, die irgendwo unterkommen möchten – also bei der Jobsuche beliebig vorgehen. Ein wenig Herzblut sollte dabei sein.

Antwort A

„Ich habe mich schon immer für Ihr Unternehmen interessiert. Und als ich dann die Stellenanzeige sah, habe ich sofort die Initiative ergriffen und mich beworben. Ich finde die Produkte einfach toll – und deshalb möchte ich in Ihrem erfolgreichen Team sehr gern mitarbeiten.”

Bewertung

Streichen Sie Satzanfänge wie „Ich habe schon immer …” oder „Ich wollte schon in meiner Kindheit …” und Ähnliches. Das bekommt man als Personaler ständig zu hören und aus diesem Grund klingt es wenig originell – vor allem aber kann es nicht als Argument durchgehen. Wer erklärt, dass er schon immer Zahnarzt werden oder bei Siemens arbeiten wollte, verweigert seinem Gegenüber auf die Frage nach den Motiven die Antwort.[4]

Antwort B

„Nun – zunächst habe ich mir natürlich überlegt, welche Aufgabe beziehungsweise welcher Job zu mir am besten passt. In schwierigen Zeiten kann man sich als Bewerber ja nicht zunächst ein Unternehmen ausgucken und dann warten, bis etwas Passendes angeboten wird. Ihr Stellenangebot hat mich jedenfalls angesprochen und dann hab ich mich informiert und festgestellt: Mit Ihren Produkten kann ich mich gut identifizieren und die Größe des Betriebs entspricht meinen Vorstellungen.

Was mir besonders entgegenkommt, ist Ihr Engagement in den neuen EU-Staaten – ich habe gelesen, dass Sie unter anderem in Posen und Bialystok Verkaufsbüros einrichten werden. Meine Großeltern stammen aus dem ehemaligen Breslau und daher verfolge ich derartige Aktivitäten mit besonderem Interesse.”

Bewertung

Wie hieß es doch eingangs? Im Idealfall ist eine Bewerbung eine kleine Liebeserklärung – das Unternehmen möchte auserwählt sein. Durchschaubare Treueschwüre und Schmeicheleien sind jedoch nicht angesagt. Von einem Bewerber wird erwartet, dass er zunächst prüft, welche Aufgabe zu ihm passt. Erst dann gilt es zu klären, aus welchen Gründen man sich mit einem Unternehmen identifizieren könnte. Genau dies ist mit der Antwortvariante B gelungen. Natürlich lässt sich nicht immer eine persönliche Beziehung zum Unternehmen ins Feld führen, aber wer einen entsprechenden Aufhänger findet, der sollte ihn ruhig benutzen.[5]

Ein erfolgreicher Bewerber hat bei seinem Interviewpartner nicht nur die Hoffnung genährt, dass er aus dem angebotenen Job im Interesse des Unternehmens fachlich etwas Gutes machen wird, sondern dass er im Betrieb auch seine – zumindest vorübergehende – berufliche Heimat finden könnte. Mögliche Gründe oder Argumente hierfür lassen sich auf den folgenden Gebieten finden:

  • Welcher grundsätzliche Geschäftszweck wird verfolgt?

  • Was ist das Besondere an den Produkten?

  • Was ist typisch für die Branche?

  • Welche möglichen Vorzüge hat die Unternehmensgröße?

  • Was gibt die Unternehmensgeschichte her?

  • Handelt es sich um einen Familienbetrieb?

  • Hat das Unternehmen einen besonderen Ruf in Sachen Unternehmenskultur beziehungsweise gibt es Führungsleitsätze?

  • Wie ist die Marktposition? Marktführerschaft? Handelt es sich um einen interessanten Nischenanbieter?

  • Welche Rolle spielen Eigenschaften wie Innovationsstärke, Kundenorientierung und Umweltschutz?

  • Wie ist die Altersstruktur?

  • Ist das Unternehmen national oder international aufgestellt?

  • Orientiert sich das Unternehmen an Werten wie „Fair Trade” oder „Nachhaltigkeit”?

  • Gibt es in der Biografie des Bewerbers einen Bezug zum Unternehmen?

    Weitere gute Antworten

    „Ihr Betrieb ist ja von der Größe her eher überschaubar und da reizen mich besonders die kurzen Informations- und Entscheidungswege.”[6]

    Oder: „Ihr Unternehmen ist ja noch relativ jung und da finde ich es schon sehr spannend, sozusagen in der Pionierphase mit dabei sein zu können.”

    Falls es passt, wäre auch dies ein gutes Argument: „Ich habe im Rahmen meines Studiums ein Praktikum in der Automobilzuliefererindustrie absolviert – Sie haben das in meinen Unterlagen ja gesehen – und deshalb interessiere ich mich besonders für Unternehmen, die in diesem Umfeld aktiv sind.”

2. „Was fällt Ihnen zu unseren Produkten ein?”

Das Frageziel des Interviewers

„Quadratisch – praktisch – gut” wäre eine prima Antwort im Vorstellungsinterview bei einem einschlägig bekannten Schokoladenhersteller. Zu zwei anderen Unternehmen passt wahlweise „Ich bin doch nicht blöd” beziehungsweise „Nichts ist unmöglich”. Auf jeden Fall möchte der Interviewer hier keine Hymne über die Trefflichkeit seiner Produkte hören, sondern wissen, ob und wie diese bei einem Bewerber emotional-assoziativ besetzt sind. Wer gar nichts zu bieten hat, muss damit rechnen, dass er den Eindruck erweckt, nichts mit den Produkten des Unternehmens anfangen zu können.

Antwort A

„Die finde ich toll. Also – ich kann mich sehr gut mit den Produkten Ihres Hauses identifizieren. Und die Preise stimmen ja auch. Ich glaube, dass Sie sehr viele zufriedene Kunden haben. Ja – das fällt mir da so spontan ein.”

Bewertung

Wer sich bei einem Betrieb bewirbt, der Schrauben, Schneckentod oder technische Gase vertreibt, sollte seine Begeisterung beziehungsweise Identifikationsbereitschaft zügeln. Solche Bekundungen wirken aufgesetzt und manchmal sogar albern. Aber Sie haben sicher schon selbst bemerkt, dass das obige Beispiel wenig überzeugend ist.[7]

Antwort B

„Überzeugender Nutzen für den Anwender. Guter Bekanntheitsgrad. Nach meiner Einschätzung liegen die Produkte von den Preisen her eher im oberen Bereich. Sie sind also qualitativ hochwertig!”

Bewertung

Der Bewerber nennt Kriterien, nach denen Produkte und Dienstleistungen bewertet werden. Welcher Nutzen wird gestiftet? Verkauft es/sie sich über den Preis oder die Qualität? Wie hoch ist der Bekanntheitsgrad? Das wirkt überzeugender als eine undifferenzierte Lobhudelei.

Wenn auch Sie auf diese Frage eine gute Antwort geben wollen, befassen Sie sich mit den folgenden Anregungen:

  • Wie sieht die Produktpalette aus? Ist sie breit oder wenig aufgefächert?

  • Gibt es Traditionsprodukte?

  • Welche Produkte sind besonders modern oder innovativ?

  • Wo mögen die Wettbewerbsvorteile liegen? Preis? Qualität? Image? Kundenbindung? Marktführerschaft? Innovationskraft?

  • Wie austauschbar beziehungsweise verwechselbar sind die Produkte?

  • Wo werden die Produkte hergestellt?

  • Wie werden die Produkte beworben? Wie ist der Marktauftritt?

  • Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie gegebenenfalls mit den Produkten gemacht?

3. „Was interessiert Sie an unserer Branche besonders?”

Das Frageziel des Interviewers

Branchen haben eine mehr oder weniger ausgeprägte Identität. Alle, die zumindest einen Teil ihres Berufslebens in einer bestimmten Branche verbracht haben, sind mehr oder weniger durch eine gemeinsame Biografie und ein gemeinsames Lebensgefühl verbunden. Prägend sind hier erlebte, oft auch erlittene technische Revolutionen, spektakuläre Firmenpleiten und -fusionen oder dramatische Veränderungen der Rahmenbedingungen. Denken Sie nur an die Versicherungs-, Banken- oder Pharmabranche, an das Hotelgewerbe oder den Lebensmitteleinzelhandel mit den aggressiven Aktivitäten der Discounter.[8]

Wer in den Branchenkreis aufgenommen werden möchte, muss zeigen, dass seine Persönlichkeit und Einstellung zum Umfeld passt. Bezüglich der Werbebranche sind vor allem bei Nachwuchskräften die größten Missverständnisse und Fehleinschätzungen anzutreffen. Offenbar herrscht bei vielen der Eindruck vor, dass Agenturen und Werbeabteilungen von stets fröhlichen Menschen bevölkert sind, die konsequent ihren Neigungen nachgehen und dafür üppig bezahlt werden. Wer als Bewerber in Verdacht gerät, diese Sicht zu teilen, wird als alltagsuntauglich abgelehnt.

Antwort A

„Versicherungen braucht jeder und wird auch in Zukunft jeder brauchen. Gerade in heutiger Zeit ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes nicht hoch genug einzuschätzen. Wenn ich da an andere Branchen denke – ständig hört man von Personalabbau oder Verlagerungen ins Ausland …”

Bewertung

Es ist keine gute Idee, eine Bewerbung mit dem Bedürfnis nach Sicherheit zu begründen. Wer kein Risiko eingehen will, geht das größte Risiko ein. Im Zweifelsfall ist ein Bewerber mit diesem Argument aus dem Rennen, weil in unseren Zeiten nichts beständiger als der Wandel ist. Firmen suchen Mitarbeiter, die mit diesen unsicheren Verhältnissen gut leben können.[9]

Antwort B

„Wie Sie meinen Unterlagen entnommen haben, habe ich vor meinem Studium eine Ausbildung zum Speditionskaufmann absolviert. Ich habe mich bereits recht früh für die Logistikbranche interessiert und sehe hier gute Entwicklungsmöglichkeiten – nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Globalisierung. Ich bin mir sicher, dass sich hier viele Prozesse optimieren lassen, da wäre ich gern mit dabei.”

Bewertung

Die Antwort passt. Der Bewerber hat natürlich den Vorteil, durch seine einschlägige Ausbildung seine Nähe zur Branche bekunden zu können, aber die Argumentation über Stichwörter wie „Globalisierung” und „Prozessoptimierung” ist überzeugend.

Sie bewerben sich in einem Unternehmen des Einzelhandels? Schauen Sie nach unter www.hde.de (Hauptverband des deutschen Einzelhandels). Dort finden Sie jede Menge Informationen über die Branche. Mit Sicherheit ist etwas dabei, das Sie im Vorstellungsinterview nutzen können. Darüber hinaus gibt es für nahezu jede Branche ein Branchenportal im Internet:

4. „Was wissen Sie über unsere Mitbewerber?”

Das Frageziel des Interviewers

Es gibt Bewerber, die sich zwar hervorragend über den potenziellen Arbeitgeber informieren, aber dabei das Umfeld, in dem sich dieses Unternehmen bewegt, voll und ganz vergessen. Von den Arbeitgebern werden aber Mitarbeiter gesucht, die in der Lage sind, im Gesamtzusammenhang zu denken. Ein Bewerber zeigt diese Fähigkeit, indem er über die anderen Marktteilnehmer beziehungsweise Mitbewerber Informationen recherchiert und sich sachkundig macht.

Antwort A

„Ihr Unternehmen hat für mich eindeutig den besten Ruf in der Branche. Ihre Produkte haben ein super Image – da können andere gar nicht mithalten. Deshalb wäre es für mich ja auch eine tolle Herausforderung, bei Ihnen tätig zu werden.”

Bewertung

Das mag ja alles so sein – aber bei der Frage nach der Konkurrenz geht es nicht darum, das Unternehmen, bei dem man gern einen Job hätte, zu loben. Die Antwort ist zu dürftig.

Antwort B

„Die größeren Konkurrenten in Ihrer Branche sind mir natürlich bekannt. Vom Umsatz her liegen Sie mit dem Unternehmen auf Platz zwei. Aber das sagt natürlich noch nichts über die wirkliche wirtschaftliche Lage aus.

Ihr wohl stärkster Konkurrent – die Firma Beta Laval – ist in Skandinavien besonders aktiv. Und dann hab ich noch gelesen, dass sich zwei etwas kleinere Firmen Ihrer Branche zusammengeschlossen haben.”

Bewertung

Diese Antwort ist in der Regel vollkommen in Ordnung. Das Wissen, das hier vom Interviewten erwartet wird, hängt natürlich von der Position im Unternehmen ab, um die sich jemand bewirbt. Ein Vertriebs- oder Marketingleiter zum Beispiel muss einen deutlich besseren Überblick über den gesamten Markt haben, als von einem zukünftigen Leiter der Debitorenbuchhaltung erwartet wird.[11]

Tipp

Für einen halbwegs qualifizierten Bewerber ist es selbstverständlich, sich im Internet über das Unternehmen zu informieren, bei dem er sich beworben hat oder bewerben will. Eine gute Vorbereitung besteht auch darin, sich die Homepage der Mitbewerber anzusehen. Sie bewerben sich bei einem Hersteller von Gabelstaplern? Verschaffen Sie sich einen Überblick über alle bedeutsamen Hersteller, über deren Produkte, Größe (Marktanteile) und Märkte.

5. „Was unterscheidet uns von unseren Mitbewerbern?”

Das Frageziel des Interviewers

Erfolgreiche Firmen haben Alleinstellungsmerkmale, sogenannte Unique Selling Propositions (USP). Darunter fallen die Eigenschaften, die das Unternehmen und seine Produkte unverwechselbar und damit in diesem Sinne einzigartig machen.

Ein Alleinstellungsmerkmal kann unter anderem der Preis, die Angebotsvielfalt, die Qualität, der Service, die Beratungsqualität und/oder die Schnelligkeit, mit der ein Anbieter auf Kundenwünsche reagiert, sein. Anhand der Unique Selling Proposition, der Firmengeschichte und der Unternehmenskultur ergibt sich in der Regel die Firmenidentität, also so etwas wie ein Wir-Gefühl.

Es kann also niemanden erstaunen, dass man auf Unternehmensseite im Vorstellungsinterview sehr gern erfahren möchte, ob der Bewerber eine Vorstellung von der Einzigartigkeit des Unternehmens hat. Genau das wird mit dieser Frage versucht.[12]

Antwort A

„Im Vergleich zu anderen Unternehmen ist zunächst die breite Produktpalette zu nennen – dann die unschlagbaren Preise und der Service. Und dann ist da die Qualität natürlich nicht zu vergessen – die Produkte Ihres Unternehmens sind bekanntlich qualitativ besonders hochwertige Markenartikel.”

Bewertung

Was hier recht gut klingt, ist in Wirklichkeit grober Unfug. Die Unique Selling Proposition eines Unternehmens kann unmöglich darin bestehen, bei allen Wettbewerbsparametern vorne zu liegen. Kein Unternehmen kann langfristig die höchste Qualität, die niedrigsten Preise, die größte Produktvielfalt, den besten Service, die umfangreichste Beratung bieten – und dies alles wohlmöglich auch noch ganz schnell.

Antwort B

„Ihr Unternehmen ist in der dritten Generation im Familienbesitz. Ich bin überzeugt davon, dass dies prägend für die Art und Weise der Zusammenarbeit ist – also für das Betriebsklima. In einem Familienbetrieb spielt die Identifikation ja immer eine besondere Rolle – zu Recht, wie ich meine. Das ist ja ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.”

Bewertung

Hier wurde vom Bewerber erkannt, was die Einmaligkeit des Unternehmens ausmacht – es befindet sich im Familienbesitz. Das ist heutzutage eher die Ausnahme und deshalb ein nicht unwichtiges Unterscheidungsmerkmal. Gesprächspartner, die Eigentümer sind beziehungsweise zur Eigentümerfamilie gehören, horchen bei dieser Argumentation sicher wohlwollend auf.[13]

Tipp

„Setzen Sie auf Kompetenz und Wachstum. Wir gehören zu den weltweit erfolgreichsten Anbietern von … Unsere Vision ist es … Es erwartet Sie ein junges Team, eine gute Arbeitsatmosphäre mit kurzen Entscheidungswegen und …” Im Stellenangebot findet man genau die Eigenschaften, auf die das Unternehmen besonders stolz ist und mit denen es sich gegenüber den Mitbewerbern abzuheben versucht. Achten Sie auf die eigenen Formulierungen der Unternehmen.

6. „Wie finden Sie unseren werblichen Auftritt?”

Das Frageziel des Interviewers

Der Gesprächspartner will wissen, ob der Bewerber von den werblichen Aktivitäten beziehungsweise der werblichen Optik des Unternehmens überhaupt etwas mitbekommen hat und ob er zu einer Stellungnahme in der Lage ist. Mit Äußerungen wie „Finde ich gut!” oder „Überzeugend!” ist man keineswegs aus dem Schneider.

Antwort A

„Sie meinen Werbekampagnen? Mir ist da leider nichts aufgefallen, weder Plakate noch Funk- oder Fernsehspots. Vielleicht habe ich etwas übersehen …”

Bewertung

Wenn keine Werbekampagnen gelaufen sind, kann einem auch nichts aufgefallen sein. Aufgefallen sein muss einem in diesem Fall aber das Logo des Unternehmens beziehungsweise alles das, was unter dem Begriff „Corporate Design” zusammengefasst wird. Wie schaut das Briefpapier aus? Gibt es eine typische „Hausfarbe”? Wie sind die Prospekte aufgemacht? Wie präsentiert sich das Unternehmen im Stellenangebot? Und vor allen: Wie präsentiert sich das Unternehmen im Internet? Wie sieht das Webdesign aus? Antwort A geht an der Sache völlig vorbei.[14]

Antwort B

„Besonders gelungen finde ich den Slogan ‚Rechnen Sie mit allem’. Ich denke, das kommt in diesen Zeiten bestimmt gut an. Na ja, und Ihre Hausfarbe Gelb hat sicher inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, bewerben Sie Ihre Produkte ja vorrangig in Tageszeitungen.”

Bewertung

Dies ist eine überzeugende Antwort, sofern man sich nicht für eine Aufgabe im Marketing oder in der Werbung interessiert.

Tipp

In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, sich ausführlich mit den folgenden Fragen zu befassen, um den werblichen Marktauftritt des Zielunternehmens zu analysieren:

  • Welche Werbekampagnen laufen gerade beziehungsweise liefen kürzlich?

  • Welches sind die Werbeträger oder Werbemittel dieser Kampagnen? Fernsehen? Funk? Plakate? Zeitungen? Zeitschriften? Beilagen und Prospekte? Mailings? Schaufenstergestaltung? Dekorationen im Ladengeschäft?

  • Wie ist der Online-Auftritt bzw. die Website gestaltet?

  • Wie sind die Firmenprospekte aufgemacht?

  • Wie ist der Eingangs- und Empfangsbereich des Unternehmens gestaltet?

  • Bei Ladengeschäften: Wie ist die werbliche Optik der Einrichtung und Warenpräsentation? Wie sind die Mitarbeiter gekleidet? Wie ist die Beschilderung der Warengruppen? Wie die Beleuchtung?

  • Welche Farben werden bevorzugt? Gibt es eine Hausfarbe?

7. „Was wissen Sie über die Geschichte unseres Hauses?”

[15]
Das Frageziel des Interviewers

Die Identität beziehungsweise Unverwechselbarkeit eines Unternehmens ist auch durch seine Geschichte bestimmt. Man kann davon ausgehen, dass die meisten Firmen auf ihre Geschichte stolz sind und ein Bewerber deshalb mit den entsprechenden Kenntnissen punkten kann.

Antwort A

„Ihr Unternehmen wurde 1865 gegründet – als Hersteller von Papier und später auch Gummiprodukten. Als sich die Elektrizität verbreitete, wurden die Finish Rubber Works gegründet, die sich auf die Produktion von Kabeln für die sich rasant entwickelnde Telegrafenindustrie spezialisierten. 1967 entstand durch den Zusammenschluss der ursprünglichen Papierfabrik mit den Gummi- und Kabelwerken das jetzige Unternehmen.

Ihr Haus war übrigens in seiner Geschichte immer ganz vorn im Trend. So entstand beispielsweise in den 1960er Jahren die Idee, knallbunte Gummistiefel zu produzieren. Bis heute spielt bei Ihren Produkten neben dem hohen technischen Standard das Design eine wichtige Rolle.”

Bewertung

Sie haben es sicher bemerkt – dies ist der Ausschnitt eines Vorstellungsgesprächs bei der Firma Nokia. Der Interessent hat sich behauptet. „Connecting People” – diesen Anspruch dürfte er in eigener Sache eingelöst haben.

Antwort B

„Sie sind ja ein sehr junges Unternehmen, die Geschichte gibt also noch nicht viel her. Auf Ihrer Homepage habe ich gelesen, dass Sie sich im Jahr 1990 mit zwei ...

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