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10.357 gelebte Tage! 26.552 ungelebte Tage!

10 357 gelebte Tage!
26 552 ungelebte Tage!

Das kurze Leben des
Obersteuermanns
Willy Meyer

Die Fotodokumentation
von Wolfgang Meyer

10.357 gelebte Tage!

26.552 ungelebte Tage!

Das ist schon ein ungewöhnlicher Titel!

Er beschreibt aber treffend das Drama der U-Bootwaffe der Deutschen Kriegsmarine; junge Männer wurden zum Ende des 2. Weltkrieges wissentlich verheizt. Sie hatten in den letzten Kriegsmonaten eine Lebenserwartung von nur einem Monat. Zu diesen jungen Marinesoldaten gehörte auch mein Onkel Willy Meyer. Ich will an dieser Stelle noch einmal den Kriegsberichter und Autor des Buches „DAS BOOT“ Lothar-Günther Buchheim zitieren:

Die U-Boote wurden „Eiserne Särge“ genannt. Was man damals als Blutzoll bezeichnete, die Verlustquote also, war bei den U-Bootmännern so hoch wie bei keiner anderen Waffe. Von den 40.000 U-Bootmännern sind 30.000 im Atlantik geblieben. Viele von ihnen waren noch nicht einmal Männer – in Wirklichkeit waren es halbe Kinder: Der gesamte U-Boot-Orlog war ein riesiger Kinderkreuzzug. Wir hatten 16jährige an Bord, gegen Kriegsende gab es 19jährige Leitende Ingenieure und 20jährige Kommandanten, die in einer Art Schnellbrütverfahren frontreif gemacht, um auf eine der fürchterlichsten Weisen vom Leben zum Tode befördert zu werden. Ich habe mich immer dagegen gewehrt, dass es in Todesnachrichten von U-Boot-Fahrern hieß, sie seien gefallen. Sie sind abgesoffen, ersäuft wie überzählige Katzen im Sack“.

Von allen Wehrmachtsteilen war die Marine am schlechtesten auf den bevorstehenden Krieg vorbereitet. Schon gar nicht auf eine Auseinandersetzung mit der Seemacht Großbritannien als übermächtigem Gegner. Im Blick auf die gewaltige Überlegenheit der alliierten Flotten schien die Kriegsmarine keine andere Wahl zu haben, als – wie ihr Oberbefehlshaber Großadmiral Dr. Erich Raeder, bei Kriegsausbruch notierte – „mit Anstand zu sterben“.

Deshalb legte die Marineführung aufgrund der eigenen bescheidenen Überwasserstreitkräfte den Focus auf den Einsatz im Handelskrieg gegen England. Die Versorgung Großbritanniens mit kriegswichtigen Gütern sollte unterbrochen werden. Im Rahmen dieser Zielsetzung blieb den Überwasserstreitkräften allerdings ein durchschlagender Erfolg versagt, so daß Hitler mehr und mehr seine Aufmerksamkeit der U-Bootwaffe zuwandte. Im Frühjahr 1942 standen bis zu 110 U-Boote im Fronteinsatz. Die U-Boote erzielten auf den wichtigsten alliierten Seewegen im Atlantik und dem Nordpolarmeer große Erfolge, so daß die alliierten Seestreitkräfte und weitreichende Aufklärungsflugzeuge sich auf die Sicherung der Konvois der Handelsschiffe konzentrieren mussten. Im weiteren Kriegsverlauf verlor die Kriegsmarine jedoch den Wettlauf mit der alliierten U-Boot-Abwehr sowohl in quantitativer als auch in technischer Hinsicht.

Die Wirksamkeit der U-Boot-Angriffe ließ immer mehr nach und die daraus resultierenden Verluste stiegen dramatisch an. Dennoch kämpften die U-Boot-Besatzungen – allerdings auf verlorenem Posten – bis in die letzten Kriegstage. Zu bedenken ist allerdings, dass nicht die U-Boote den „Atlantischen Zufuhrkrieg“ verloren haben. Denn es war den Alliierten schon im Jahre 1943 in Bletchley-Park in der Nähe von London gelungen die Funksprüche der U-Boote mit dem BdU zu entschlüsseln. Erst zum Ende der 1970er Jahre wurde bekannt, dass die Alliierten unter dem Tarnnamen „Ultra“ nachrichtendienstliche Informationen durch Entzifferung und Auswertung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs gewinnen konnten.

Die „ENIGMA“ ist eine Rotor-Schlüsselmaschine, die im Zweiten Weltkrieg zur Verschlüsselung des Nachrichtenverkehrs des deutschen Militärs verwendet wurde. Aber auch andere Dienste, wie Polizei, Geheimdienste, diplomatische Dienste, SD, SS, Reichspost und Reichsbahn, setzten sie zur geheimen Kommunikation ein.

Trotz mannigfacher Verbesserungen der Verschlüsselungsqualität der Maschine vor und während des Krieges gelang es den Alliierten, mit hohem personellen und maschinellem Aufwand, die deutschen Funksprüche nahezu zeitnah zu entziffern.

Diese Dokumentation habe ich aus der Sicht des Nachkommen eines Soldaten der Deutschen Kriegsmarine geschrieben. Es sind vier Bücher geworden über einen jungen Mann aus dem dörflichen Kirchweyhe als Sohn eines Eisenbahners, seine Entwicklung von der Jugendzeit bis hin zu seinem frühen Tod mit nur 28 Jahren nordöstlich von Madeira.

In unserer Familie haben wir leider nur wenige Fotos von Willy aus seiner Jugendzeit, seiner Ausbildung und dem Eintritt in die Reichsmarine archiviert. Das konnte nun mit der Sammlung von weiteren Dokumenten, Informationen und natürlich von neuen Fotos die mir überlassen wurden, behoben werden.

Sein Lebenslauf ist für die Jugendzeit ist durch die Erzählungen meines Vaters dokumentiert. Ab 1934, mit dem Eintritt in die Deutsche Reichsmarine sind exakte Aufzeichnungen bei der WASt, Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht archiviert.

Im Laufe der Recherchen habe ich interessante Kontakte zu Familienangehörigen von ehemaligen Besatzungsmitgliedern der beiden U-Boote U-47 und U-509 knüpfen können.

Ich habe mich in diesem Ergänzungsbildband darauf beschränkt, die Datenblätter der beschädigten oder versenkten Handels- und Kriegsschiffe nicht abzubilden. Die genauen Daten mit den jeweiligen Fotos sind ja ausreichend in den beiden Büchern „Feindfahrten auf U-47; Der Stier von Scapa Flow“ und „280 Seetage auf U-509; U-Seewolf“ beschrieben. Den Platz dafür habe ich für neue Bilder und Informationen genutzt.

Meiner Frau Brigitte danke ich für Ihre Geduld, die sie während meiner zeitaufwändigen Recherchen aufbrachte und vor allem für ihre fundierte Kritik an dem dann Geschriebenen, die mich sehr oft zu neuen Überlegungen anregte. Meinem Vater Karl-Heinz ist ein ganz besonderer Dank gewiss für die intensiven Gespräche, bei denen er als Zeitzeuge weit in die Vergangenheit zurückgehen musste.

Mein Sohn Claas hat sich wie bei den vorhergehenden Büchern vortrefflich um das Layout gekümmert und im U-Boot-Ehrenmal etliche aussagekräftige Fotos geschossen. Bei Alexandra Decker habe ich mich für die Gestaltung des Umschlages zu bedanken. Sandra Hellmers hat die Herstellung des Werkes übernommen und sichergestellt, dass der Inhalt und der Umschlag druckbar sind. Meine Schwester Hilkea hat Korrektur gelesen und natürlich etliche Fehler gefunden. Hermann Greve, Archivar der Gemeinde Weyhe, hat die Transkription der „Ebberfeldbriefe“ mit Bravur gemeistert; das war schon eine Meisterleistung, den Text lesen zu können wenn Sütterlin und Arzt-Handschrift aufeinander treffen.

Horst Gärtner, Sohn des Maschinenmaates von U-509, Karl Gärtner, hat mir Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt, von denen ich nicht einmal wusste, das es solche überhaupt gab. Ich werde ihn demnächst in Lauchhammer besuchen. Wulf-Werner Witte, Sohn des Kommandanten von U-509, Werner Witte, hat mir etliche Informationen über seinen Vater zur Verfügung gestellt und mir erlaubt diese auch zu veröffentlichen.

DER AUTOR

Wolfgang Meyer, 1946 in Kirchweyhe bei Bremen geboren, Ausbildung als Schriftsetzer und Druckereikaufmann, Arbeit als Produktions- und Herstellungsleiter in einem internationalen Buch- und Fachzeitschriftenverlag, als Projektleiter für Sonderprojekte bei einem großen Regional-Zeitungsverlag in Bayern, sowie als Projektleiter in einer bekannten deutschen Unternehmensberatung, gewährt in den drei Bänden der Dokumentation und dem aktuellen Ergänzungsband, der als Bilddokumentation angelegt ist, Einblick in den kurzen Lebensweg seines Patenonkels Willy Meyer. Die einzigartigen privaten Fotos und Dokumente wurden über viele Jahre sorgfältig archiviert und werden jetzt im Kontext mit den Unterlagen anderer, auch internationaler Archive erstmals veröffentlicht.

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Nach dem Erscheinen der ersten drei Bände kamen etliche Fotos und Dokumente von Angehörigen der Besatzungen der beiden UBoote U-47 und U-509 hinzu.

In diesem Rahmen wurden in dem jetzt vorliegenden Ergänzungsband weitere bislang noch nicht veröffentlichte offizielle Dokumente und private Unterlagen aus der Zeit des U-Bootkrieges im II. Weltkrieg zusammengefasst und einer interessierten Öffentlichkeit erstmals präsentiert.

Der Unternehmensberater sichtet und strukturiert akribisch die Dokumente und Fotos, kommentiert und bewertet diese unter Berücksichtigung der historischen Gegebenheiten.

Nach langjährigen beratenden Tätigkeiten im Bereich der Print- sowie der elektronischen Medien in München, Würzburg, Frankfurt, Berlin und Wien lebt er nun mit seiner Frau Brigitte wieder in Weyhe bei Bremen.

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Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© 2016 Wolfgang Meyer
 
Verlag: tredition GmbH
www.tredition.de
 
ISBN: 978-3-7345-5558-9 Paperback
ISBN: 978-3-7345-5559-6 Hardcover
ISBN: 978-3-7345-5560-2 e-Book

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

VORWORT

Warum habe ich diesen Bildband erst jetzt aufgelegt?

Nun, zunächst will ich mein Versprechen einlösen, das ich in den bisher veröffentlichten drei Bänden über den kurzen Lebensweg meines Onkels Willy Meyer gegeben habe, nämlich die Klärung von offenen Fragen und die Dokumentation der Ergebnisse. Des Weiteren wollte ich den noch lebenden Wegbegleitern meines Onkels oder deren Nachkommen ein Forum geben. Einige der in den Büchern gestellten Fragen konnte ich erst jetzt entsprechend beantworten, da sich natürlich erst nach dem Erscheinen der Bücher die hinterbliebenen Angehörige, Freunde oder Kameraden zu Wort melden konnten.

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Um die über fünfjährige Recherche zu den drei Büchern vollständig zu machen, müssen die Ergebnisse der Gespräche mit dem Sohn des Kommandanten von U-509, Werner Witte, Wulf-Werner Witte, sowie dem Sohn des Maschinenmaates von U-509, Karl Gärtner, Horst Gärtner dokumentiert werden.

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Horst Gärtner, Rudolf Kronacker, Dr. Wolf Ackermann, Prof. Dr. Ing. Herbert Schneekluth, Hellmut Weyershausen

Wulf-Werner Witte hatte durch die Bombardierung des Wohnhauses der Familie keinerlei Unterlagen, Briefe, Fotos etc. von seinem Vater mehr in seinem Besitz und konnte deswegen seinen Nachkommen keine Bilddokumente zeigen. Nach einem ersten Telefonat konnte ich ihm einige Fotos zusenden. Wir werden uns hier bei mir in Kirchweyhe treffen. Dann will er mir über seine Erinnerungen an seinen Vater berichten und auch über das, was nach dem Kriege im Zusammenhang mit seinem Vater passierte.

Horst Gärtner konnte mir zu meiner großen Überraschung von einem Ehemaligen-Treffen der vier verbliebenen Kameraden von U-509 im Mai des Jahres 2002 in Aachen im Hause von Professor Schneekluth berichten. Teilnehmer waren Dr. jur. Wolf Ackermann, I. WO Oblt. z. See, Prof. Dr.-Ing. Herbert Schneekluth, Fähnrich zur See, der Funkmaat Rudolf Kronacker sowie der Torpedo-Mechanikergefreite Hellmut Weyershausen. Horst Gärtner wurde während des Treffens zum Ehren-Crewmitglied des U-Bootes U-509 ernannt. Ein Ergebnis dieses Treffens war die Übergabe von bislang nicht bekannten Unterlagen und Fotos der Mannschaft von U-509. Die Fotos waren unter anderem aus dem Bestand von Wolf Ackermann, die auch das U-Boot-Museum in CuxhavenAltenbruch im Archivbestand hat. Doch die Bilder, die die anderen Teilnehmer mitbrachten, waren für mich absolut neu. Von Horst Gärtner habe ich die Genehmigung bekommen, die Fotos und Unterlagen in diesem vierten Band zu veröffentlichen.

Im Jahre 2002 bekam das U-Boot-Museum in Cuxhaven-Altenbruch etliche Exponate aus meiner Sammlung „Willy Meyer“ als Leihgabe zur Präsentation in ihren Ausstellungsräumen. Um die Exponate für die Dokumentation professionell fotografieren zu lassen, wollte ich 2014 die Exponate dort abholen.

Von Frau Bredow, Vorsitzende der Stiftung „U-Bootarchiv“ bekam ich die Aussage, dass die Sachen nicht wiederzufinden seien. Daraufhin habe ich persönlich mit einem Mitarbeiter des Museums in drei Häusern meine Exponate gesucht und bis auf zwei auch alle wiedergefunden.

Ein großes Bild von der Verleihung des Ritterkreuzes an Kapitänleutnant Günther Prien und der Ehrenbecher der Marinestadt Kiel fehlten.

Das Bild habe ich in verändertem Zustand (ohne Originalrahmen) später zurückbekommen. Aber der wertvolle Becher fehlt auch weiterhin. Der Becher wurde im Museum gestohlen. Daraufhin hatte ich mir dann zur Aufgabe gemacht, den Becher eventuell bei ebay zu finden. Ergebnis bislang negativ.

Siehe auch den Blog auf meiner Website www.meyer-partner.me/category/blog

Aber im Zuge der Recherchen fand ich die Korrespondenz des Bordarztes von U-509, Hans-Bernhard Ebberfeld. Leider wurde ich erheblich überboten und konnte die Feldpostbriefe nicht ersteigern. Dann kam aber der Kontakt mit dem Anbieter zustande und ich konnte andere Briefe und Fotos der Ebberfelds direkt kaufen. Auch diese Unterlagen finden Sie in diesem Buch.

Leider ist die Handschrift von Dr. Ebberfeld nur sehr schwer zu lesen. Unser Gemeindearchivar Hermann Greve transkribierte die Briefe, die aus einer Mischung aus Sütterlin und Arzthandschrift bestehen, bis auf einige wenige nicht lesbare Worte komplett. Großartige Leistung!

Ebenfalls bei ebay konnte ich Fotos des Aircraft-Carriers US „SANTEE“ ersteigern. Zu meiner großen Überraschung waren die Mannschaftsaufnahmen der Squadron VC-29 mit den Piloten Barton und Anderson sogar namentlich gekennzeichnet.

Bei den dann folgenden Nachforschungen habe ich den Lebenslauf des Kommandanten des Carriers, Harold Foster Fick, die Fotos der Piloten der „Wildcat“ Jack D. Anderson und der „Avenger“ Claude Norton Barton und ihre Grabsteine gefunden. Das alles ist in diesem Bildband dokumentiert.

Über das Treffen der vier Überlebenden von U-509 im Mai 2002 will ich die Herren ebenfalls in diesem Buch berichten lassen.

Einzelheiten, wie u.a. die in den Kriegstagebüchern dokumentierten Tagesberichte der U-Bootkommandanten oder die Darstellung der versenkten und beschädigten Handels- und Kriegsschiffe findet der Leser in den ersten drei Bänden der Trilogie. Im vorliegenden Ergänzungsband werden die nach dem Erscheinen der ersten drei Bände bei mir eingegangenen Informationen, Fotos und Dokumente zusammengefasst und dem Leser präsentiert.

INHALTSVERZEICHNIS

10.357 GELEBTE TAGE! 26.552 UNGELEBTE TAGE!

DER AUTOR

VORWORT

DIE JUGENDZEIT IN KIRCHWEYHE BEI BREMEN AUF DEM MOORDAMM

AUSBILDUNG ZUM FRISEUR BEI FRANZ-LOUIS BORCHERS IN SYKE

VORBEREITUNG ZUM EINTRITT IN DIE DEUTSCHE REICHSMARINE

INFANTERIE-GRUNDAUSBILDUNG

AUSBILDUNG AN DER 2. TECHNISCHEN HOCHSCHULE DER REICHSMARINE

DIENSTZEIT AN DER U-SCHULE IN KIEL

DIENSTZEIT AUF DEM HOCHSEE-TORPEDOBOOT „LEOPARD“

AUSBILDUNG ZUM BOOTSMANN AUF DEM SEGELSCHULSCHIFF „GORCH FOCK“

BESCHRÄNKUNGEN DES U-BOOTBAUES IN ZEITEN DES VERSAILLER VERTRAGES

U-47 UND DAS EINDRINGEN IN DEN BRITISCHEN MARINEHAFEN SCAPA FLOW

U-47 2. FEINDFAHRT

EMPFANG DER SIEGREICHEN BESATZUNG VON U-47 IN DER REICHSKANZLEI IN BERLIN

TORPEDOSCHÜSSE UND IHR ECHO IN DER WELT

PROF. DR.-ING. HERBERT SCHNEEKLUTH, ERINNERUNGEN AN SEINE DIENSTZEIT AUF U-509

U-509 DAS MONSUNBOOT

AIRCRAFT-CARRIER USS „SANTEE“

MARINEOBERSTABSARZT DR. HANS-EBERHARD EBBERFELD

LEBENSDATEN EINIGER BESATZUNGSMITGLIEDER

ULTRA / ENIGMA

VERLUSTE DEUTSCHER U-BOOTE IM JAHRE 1943 AUF GRUND ENTSCHLÜSSELTER FUNKSPRÜCHE DURCH ULTRA

WIEDERSEHEN VON VIER VETERANEN DES MONSUN-BOOTES U-509 2002 IN AACHEN

ANHANG

Die Jugendzeit

in Kirchweyhe bei Bremen
auf dem Moordamm

Lass dir von der Vergangenheit
nicht das Leben diktieren,

aber lass sie dir für die Zukunft
ein guter Ratgeber sein.

Chinesische Weisheit

 

DIE GEMEINDE KIRCHWEYHE.

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Kupferstich von Matthäus Merian dem Älteren, 1654
Edition Topographia Saxoniae Inferioris 1

Karl der Große hatte im Jahre 787 den aus England stammenden Willehad zum Bischof mit dem Sitz in Bremen ernannt. Nach seinem bereits zwei Jahre später erfolgten Tod war er heiliggesprochen worden. Am Orte seines Begräbnisses im Dom zu Bremen, wurde in der Folgezeit besondere Zeichen vernommen, die, wie sein Leben, in einer Handschrift aufgezeichnet worden sind.

Der Ortsname Weyhe tauchte schon um 860 auf. Grund war ein Bericht über die Wunderheilungen am Grab Willehads. Erzählt wird im 17. Kapitel der Handschrift von einem Mädchen aus „Wege“ („Wege villa publica“) (Kirch- oder Sudweyhe), das seit langem keine Kraft mehr in ihrem Körper hatte.

„Porro de Wege villa publica, quaedam puella multo tempore omnibus infirmata membris, nihil omnio virium in proprio retinebat corpore. Ad confessionem itaque deducta Sancti, divinae largitatis munificentia et virium possibilitatem et totius corporis recepit sanitatem.“

„Ferner war im Dorfe Weyhe ein Mädchen, welches lange Zeit an allen Gliedern geschwächt, in seinem ganzen Körper keine Kraft mehr hatte. Dieses wurde dann an das Grab des Heiligen gebracht und erhielt durch Gottes reiche Güte den Gebrauch seiner Kräfte und die Gesundheit seines Körpers zurück.“

Etwa 400 Jahre später ist in der sogenannten Weserbrückenliste von „zwei Dörfern“ die Rede. Man kann ziemlich genau sagen, dass es sich um Kirchweyhe und Sudweyhe handelte.

Kirchweyhe und Sudweyhe sind bald darauf in anderen historischen Quellen als „Kerckwege“ (1277) und „Suthweige“ (um 1300) zu finden.

In der Westhälfte der heutigen Gemeinde Weyhe erstreckten sich die Ortsteile Angelse, Erichshof, Hagen, Hörden und Melchiorshausen, die der damaligen Gemeinde Leeste angehörten. Früheste schriftliche Hinweise stammen aus der Zeit um 1185. Erwähnt wird dabei unter anderem der Verwalter des erzbischöflich-bremischen Meierhofes in „Leste“ (Leeste).

Um 1800 fand ein reger Warenaustausch zwischen Bremen und Weyhe statt. Nicht nur landwirtschaftliche Produkte, sondern auch gewerbliche Erzeugnisse wurden in der Weserstadt getauscht oder zum Verkauf geboten. 1873 eröffnete die über Kirchweyhe führende Eisenbahnstrecke Bremen–Osnabrück. In der Folge entstand in Kirchweyhe ein sechs Kilometer langer, südwärts bis zum benachbarten Weiler Barrien reichender Rangierbahnhof mit vielen Gleisen. Eisenbahner zogen mit ihren Familien nach Kirchweyhe und sorgten für einen rapiden Bevölkerungsanstieg in der Wesergemeinde.

Der 2. August 1914 war für das deutsche Heer der 1. Mobilmachungstag. Der Aufmarsch der deutschen Streitkräfte konnte, durch eine mustergültige Planung und Organisation in allen Einzelheiten reibungslos durchgeführt werden. Auch die großen Gleisanlagen des Bahnhofes Kirchweyhe spielten hier eine sehr beachtenswerte Rolle. Bis zum 9. August fuhr auf dem Bahnhof Kirchweyhe fast alle halbe Stunde ein Militärzug ein und später in Richtung Osnabrück wieder aus.

Früh am 1. Mobilmachungstag wurden auf dem Bahnhof (Westseite) sieben große Baracken (mit Kücheneinrichtungen und Speiseräumen etc.) für die Verpflegung der Truppen errichtet. Damit erhielt der Ort die Aufgabe einer bedeutenden Kriegsverpflegungsanstalt für die gesamte Dauer des Krieges zugewiesen. Alle Truppentransporte erreichten ohne Verzögerung den befohlen Einsatzort.

Noch um 1925 ernährte die Eisenbahn rund zwei Drittel aller Einwohner in Kirchweyhe, außerdem viele Familien aus den damaligen Nachbargemeinden. Der Rangierbahnhof ist nach seiner Stilllegung 1968 verkleinert worden, ein Teil der alten Gleisanlage und Reste des Nordschuppens werden auch heute noch von einem Waggon-Reinigungsunternehmen genutzt. 2

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Der Kegelverein „FAHRWOHL“ der Eisenbahner in Kirchweyhe im Jahre 1909.

Dieses Bild zeigt gleich zwei Redewendungen: 1. Mit Schlips und Kragen; meint komplett angezogen und 2. Er „hat eine weiße Weste“. Die Kegler haben sich für das historische Foto vor dem Gasthaus von Heinrich Koch aufgestellt.

Mittlere Reihe 2. von rechts Wilhelm Meyer, Willy’s Vater. In der Mitte am Tisch, der Herr mit den Orden am Revers ist der Pastor der evangelischen Kirche, Superintendent Wilhelm Goßmann. 3