Logo weiterlesen.de
Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Gegenschatz«

Gegenschatz

BookRix


Eine prickelnde Liebesgeschichte voller Emotionen und Gegensätze.  Inhalt

Als die Akademikerin Julia ihre neue Altbauwohnung bezieht, ist ihr zunächst nicht klar, dass nebenan der Sänger einer regionalen Rockband haust. Immer wieder erwacht sie von seinem nächtlichen Liebesspiel mit den Groupies, denn die Wände im Haus sind viel zu dünn...Leseprobe

An der Decke meines Schlafzimmers tanzen die Schatten der Äste im Licht der Straßenlaterne. Ich wälze mich müde von einer auf die andere Seite, aber an Schlaf ist nicht zu denken. Allein der Gedanke an die Birke vorm Haus bringt mich zum Niesen. Verfluchter Heuschnupfen! Ich greife nach dem Stapel Taschentücher neben meinem Bett, putze mir die Nase und stopfe das gebrauchte Tuch zu den anderen in den Eimer. Aber nicht nur die gereizten Schleimhäute tragen die Schuld an meinem Wachzustand. Da ist es schon wieder, dieses Geräusch! Wütend schnaube ich durch die verstopfte Nase. Das Auflachen einer Frau dringt durch die Wand zur Nachbarwohnung. Jemand stöhnt laut und dann höre ich das rhythmische Quietschen der Metallfedern eines antiken Bettrostes. Dieses Mal stöhnen gleich zwei Personen. Warum, verflucht noch mal, habe ich die Wohnung bei der Besichtigung nicht auf Hellhörigkeit überprüft? Ich hatte mich auf Anhieb in diese hohen Zimmer mit dem Stuck an der Decke verliebt und hielt das Angebot für ein absolutes Schnäppchen. Geblendet von dem sanierten Altbau mit seinen großen, hellen Fenstern, dem neu gelegten Parkettboden und dem gemütlichen Erker, konnte ich den Mietvertrag gar nicht schnell genug unterzeichnen. Natürlich hatte mich der Makler nicht darauf hingewiesen, dass mein Nachbar nächtliche Sexorgien abhält und die Innenwände lediglich als Sichtschutz dienen. Zudem bin ich offensichtlich die einzige der vier Parteien, die dies zu stören scheint, denn mit der älteren Dame unter mir kann man sich trotz Hörgerät nur schreiend unterhalten und auch dann ist es fraglich, ob sie den Sinn meiner Sätze versteht. Die andere Wohnung im Erdgeschoss bewohnt eine Stewardess, die die meiste Zeit damit verbringt, um die Welt zu reisen. Außerdem hege ich den Verdacht, dass auch sie gerne mal meinem selbstverliebten Nachbarn nächtliches Vergnügen bereitet. Na gut, das ist reine Spekulation, aber Tatsache ist, dass ihr immer das Blut in die Wangen schießt, wenn sie ihn grüßt. Der Wind fährt durch die Zweige des Baumes vor meinem Fenster und das Schattenspiel an der Decke wirbelt wild durcheinander. Wieder kribbelt es in meiner Nase. Weshalb wirkt dieses blöde Antiallergikum heute Nacht nicht? Angeblich soll es auch noch müde machen, davon merke ich jedoch rein gar nichts. Noch immer fesselt das Stöhnen und Quietschen aus der Nebenwohnung meine Aufmerksamkeit. Erfahrungsgemäß muss ich es noch mindestens eine halbe Stunde ertragen, oft auch länger. Ich drücke mir die Ecken des Kissens auf die Ohren, sodass ich meinen eigenen Atem wie ein rauschendes Echo in meinem Kopf wahrnehme.

Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Empfehlen