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Leseprobe vom

Mummelchen

tredition | Band 1 und 2


Das Besondere an Lisas dargestellter Lebensreise ist, dass sie in der “Jetzt-Zeit“ geschrieben wurde. Selten entsteht ein Buch in dieser Art, weil die Jetzt-Zeit normalerweise den Filmemachern vorbehalten ist. Der Leser kann unmittelbar in Lisas kindliche Erlebniswelt eintauchen, alles miterleben, was sie seelisch verkraften muss, weit über ein gesundes Maß normaler Herausforderungen hinausgehend.

Die dargestellte Weise der manisch-depressiven Mutter, dürfte nicht nur für Psychologen von Interesse sein, denn die relevante Frage, für alle, lautet: wie ist es, wenn ein Mensch, wie die kleine Lisa, mit einer Fülle von Ereignissen konfrontiert wird, die bedrohlich erscheinen, über den Kopf wachsen und man sich dessen nicht erwehren kann? Während des Miterlebens wird nicht so sehr der Verstand angesprochen, sondern das Gefühl. In einer Gesellschaft, die dem trügerischen Verstand den Vorrang gibt, wird das Gefühl oft „unter den Tisch gekehrt“ (Mensch-Maschine).

Lisas unverblümt geschilderte LebensEpisoden, zuerst in Kindheitsperspektive, lassen die besondere Atmosphäre der deutschen Nachkriegszeit aufscheinen, anfangs noch ohne Telefon und TV. Sie erzählt ihr Heranwachsen, lässt Gedanken, Gefühle und ihren Alltag lebendig werden.

Geschichtlich Wichtiges kommt in den Dialogen mit den vom Krieg traumatisierten Eltern zum Ausdruck. Der Vater war bereits als junger Soldat im 1. Weltkrieg und litt massiv unter dem faschistischen Regime, konnte das blinde Mitläufertum kaum ertragen und verarbeitete dies u.a. in einem Gedicht.

Lisas Kindheit ist von einem “Mangel“ geprägt, einem Mangel, der den meisten Menschen auferlegt ist, jedoch eingestreut ins Bewusstsein wie von ferne her rührend, erlebt sie, trotz allem, ein zartes Gefühl von Fülle und Vollkommenheit, das vom täglichen Leben unabhängig scheint. Angesteckt von der fröhlichen Gelassenheit ihrer Mutter, aus ihren gesunden Zeiten, diesem Teil, in dem sie sich weseneins wahrnimmt, findet sie zu einem selbstbewussten Leben.

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Lisa Möller erblickte im Mai 1953 in Dijon/Frankreich das Licht der Welt, eine Welt voller Irritationen, denn ihre Mutter wurde, als Lisa 2 Jahre alt war, nach der Geburt der Schwester, manisch-depressiv. Bald fühlte sie sich, fast noch wackelig auf ihren kurzen Beinen, für die oft hilflose Mutter verantwortlich.

Sie begleitete ihre Mutter (geb. 1913, beendete während der Judenverfolgung 1938 ihre Anstellung als Hortleiterin in Berlin) durch ein von Höhen und Tiefen extrem ausgeprägtes Leben und durch eine - von einer Anzahl von abenteuerlichen aber auch lehrreichen Orts- und Personenwechseln erschwerte – Nachkriegszeit.

Die Stationen ihrer Familie waren ab 1959, nach der Rückkehr aus Frankreich, zunächst ein kleiner Ort in der Nähe von Hamburg, 1962 wurde ein kurzer AuswanderungsZwischenstopp auf Korsika eingelegt, danach folgten Trier, später Kassel.

Lisa bot diesem “Ernst des Lebens“ immer die Stirn, denn das Leben mit einer schwerkranken Mutter, die sehr oft die “Klapsmühlen“ von innen gesehen hatte und einem cholerischen Vater (geb. 1898, Elektroinstallateur) war dermaßen herausfordernd und unberechenbar.

Am liebsten hätte sie, wie ihre Schwester, das Gymnasium besucht; es war ihr nicht vergönnt. Stattdessen wurde sie Technische Zeichnerin.

Hier endet der 1. Band.

Lisas Erwachsenenleben mit ihrer “lebensunfähigen Mutter“ wird im 2. Band weitererzählt. (1. Ehe 10 Jahre, 1 Sohn; 2. Ehe ab 1987, 1 Sohn).

 
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