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Gier und Habsucht

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„Ach, was muss man oft von bösen, ehrenwerten Leuten lesen!“. So beginnt diese satirische „Max & Moritz“-Nachdichtung, in der die beiden bösen Buben erwachsen geworden sind! Jetzt treiben sie als Erzkapitalisten namens „Gier & Habsucht“ ihre üblen Streiche. Vom Vorwort bis zum Schluss entfaltet sich die Geschichte auf Grundlage der Original-Dichtung. Die Giftpfeile, die auf den gegenwärtigen amoklaufenden Kapitalismus abgeschossen werden, sind mit gelegentlichen Busch-Zitaten garniert, sämtliche Charaktere orientieren sich an der klassischen Vorlage.

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Ach, was muss man oft von bösen …

Helge Großklaus entdeckt Max und Moritz neu

Es ist erst ein paar Wochen her, da präsentierte Hinterhofdichter Helge Großklaus seinen letzten literarischen Streich – doch der nächste folgt sogleich. In diesem Fall ist das Zitat aus »Max und Moritz nicht nur angebracht, sondern nachgerade große Notwendigkeit. Die beiden Herren mittleren Alters, die einem von dem Cover sardonisch entgegenlächeln, kommen einem seltsam bekannt vor. Wären Max und Moritz nicht vor 150 Jahren am Ende ihrer bösen Streiche geschrotet und an die Gänse verfüttert worden, dann könnten sie heute vielleicht genauso aussehen wie die Herren Gier und Habsucht. Schon seit einigen Jahren hat Helge Großklaus daran gearbeitet, die Streiche der beiden bitterbösen Buben ins 21. Jahrhundert hinüber zu dichten. Freunde und Bekannte, aber auch Open Stages und Lesebühnen dienten ihm immer wieder als Experimentierfeld. Am Ende hat sich all die Mühe wirklich gelohnt, denn Gier und Habsucht von 2017 stehen Max und Moritz von 1865 in Bosheit an nichts nach. Die sieben Streiche sind natürlich an die Zeit angepasst. Spielte mit Witwe Bolte bei Wilhelm Busch gerade mal eine Frau eine Rolle, so muss das vergleichbare Werk heute gendermäßig schon einigermaßen ausgeglichen sein. Und da würfelt Helge schon mal alles kräftig durcheinander. Aus Witwe Bolte wird der Bio-Hühnerbauer Bolte, aus Schneider Böck die Mode-Designerin Böck und Onkel Fritz ist nun eine Tante. Im Bäckerstreich schickt der Hinterhofdichter dann gleich ein Ehepaar ins Rennen. »Gier und Habsucht« ist nicht einmal nur eine Max und Moritz-Adaption, es ist vor allem eine geballte Kapitalismus-Kritik. Bauer Boltes Hühner ersticken nicht an Brotstücken, sondern werden ziemlich heimtückisch vergiftet. Die Mode-Designerin stürzt nicht durch eine angesägte Brücke. Sie wird von Gier und Habsucht ruiniert, die sich erst ihre Entwürfe aneignen, um die Kleider dann billig in Bangladesh produzieren zu lassen. Lehrer Lämpel schließlich wird angefixt und endet in einer Drogen-Hölle. Vieles funktioniert erstaunlich und erschreckend gut. Marc Müller hat das Buch kongenial illustriert und Helge auch noch einen Cameo-Auftritt als – bei Wilhelm Busch nicht vorgesehenen – Pfarrer Pax verpasst. Fazit: Das macht viel Spaß. psk

»Gier und Habsucht« Helge Großklaus, Verlag Tredition, 9,90 Euro. ISBN 978-3-74394106-9

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Helge Großklaus, 1965 in Bad Segeberg geboren, zog 1984 nach Berlin, um eine Ausbildung als Maskenbildner in den Sand zu setzen. Seit 1986 hat er als Barkeeper, Verkäufer, Altenpfleger, Filmemacher, Grafiker, Lokführer und Autor gearbeitet. Er selbst bezeichnet sich als staatlich geprüften Universaldilettanten. Als „Helge, der Hinterhofdichter“ trägt er seine Gedichte regelmäßig vor Publikum vor.

 
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Vergammelte Werke

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Seit 2004 steht Helge Großklaus als „Helge, der Hinterhofdichter“ regelmäßig auf den Bühnen verschiedener Kreuzberger Künstlerkneipen. Er unterhält das Publikum mit gereimten Absurditäten, doppeldeutigen Sprachspielereien, satirischen Anmerkungen und allerfinsterstem Liebesleid. Seine Werke wurden oft mit viel Vergnügen gehört, aber nie gelesen. Nach dem Vortrag verschwanden sie immer wieder in der Schublade, bis der Autor sich eines Tages dachte: „Oha! Langsam setzen die Schimmel an!“ So kam er auf die Idee, seine schönsten und beliebtesten Gedichte in dem Band „Vergammelte Werke“ zusammenzufassen. In zehn Kapiteln macht sich Helge Großklaus Gedanken über Politik und Gesellschaft, die Liebe, das Älterwerden und sein eigenes Seelenheil. Er stellt sein Tierreich vor, lässt sich über das Dichten aus und nimmt den Leser mit auf eine gereimte Reise um die Welt. Schließlich wird der Lesespaß mit einigen Nachdichtungen sowie einer Verneigung vor Altmeister Robert Gernhardt im Kapitel „Bilden Sie mal einen Satz mit ...“ abgerundet.

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Helge Großklaus, 1965 in Bad Segeberg geboren, zog 1984 nach Berlin, um eine Ausbildung als Maskenbildner in den Sand zu setzen. Seit 1986 hat er als Barkeeper, Verkäufer, Altenpfleger, Filmemacher, Grafiker, Lokführer und Autor gearbeitet. Er selbst bezeichnet sich als staatlich geprüften Universaldilettanten. Als „Helge, der Hinterhofdichter“ trägt er seine Gedichte regelmäßig vor Publikum vor.

 
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