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Mensch, steh auf

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Band 2 – Mensch, steh auf

Der zweite Teil knüpft nahtlos an Band 1 an. Inzwischen etwas älter geworden, ist Deniz immer noch als erfolgreicher Dealer unterwegs. Sein Drogenkonsum hat sich inzwischen dramatisch erhöht und verstärkt, und so treibt er sich tagtäglich abgemagert und mit deutlichen Einstichstellen an den Armen in Düsseldorf herum. Er mietet ein billiges Hotelzimmer in Bahnhofsnähe an, um nicht ständig zu seiner Mutter nach Neuss zurückfahren zu müssen, wenn er die Drogen verkaufsgerecht verpacken oder das verdiente Schwarzgeld irgendwo bunkern möchte. Zudem nötigen ihn die Kurden, denen sein Bruder noch 30.000 Euro schuldet, sie auszuzahlen. Deniz hat Angst um sich und seine Mutter, denn die Kurden haben diese bereits besucht und bedroht, und verwendet das letzte gebunkerte Schwarzgeld von Barbaros, um dessen Schulden zu begleichen. Gleichzeitig wächst seine Angst vor seinem gewalttätigen Bruder, was dieser mit ihm tun wird, wenn er davon erfährt. Also sieht er sich genötigt, das Geld so schnell wie möglich wiederzubeschaffen, und das soll mithilfe von Drogendealerei geschehen.

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Deniz Camdere, genannt Deniz C, wuchs als Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie in Neuss auf. Schon früh bekommt er Probleme in der Schule, weil sein gewalttätiger Vater und sein ebenso gewalttätiger älterer Bruder Barbaros ihn und den Rest der Familie häufig verletzen und misshandeln. Einige Jahre Entspannung findet er bei einem Aufenthalt in der Türkei, wo er zusammen mit seinem Bruder Oguz bei der Oma aufwächst. Doch diese ist schon bald überfordert mit den beiden Jungs und schickt sie zurück nach Deutschland. Der älteste Bruder, Barbaros, ist in Deutschland bei der Mutter verblieben und zu diesem Zeitpunkt bereits drogensüchtig.

Durch Kontakte zu weiteren Kindern von eingewanderten Gastarbeitern aus der Türkei und Polen gerät er schon früh auf die kriminelle Bahn. Einbrüche in Geschäften und Kiosken sowie Diebstähle stehen auf dem Plan, was bereits sehr früh zu der einen oder anderen Strafanzeige führt. Marihuana steht schon im zarten Alter von 12 Jahren regelmäßig auf dem Programm.

Auch als die Mutter sich von ihrem gewalttätigen Mann trennt, der in die Türkei zurückkehrt, findet die Familie keine Besserung. Deniz‘ ältere Brüder Oguz und Barbaros sind längst in der Drogenszene angekommen und konsumieren nicht nur härtere Drogen, sondern handeln auch damit. Die alleinerziehende Mutter, die sich mit einem Vollzeitjob und einer zusätzlichen Putzstelle quält und versucht, ihre Söhne großzuziehen, ist schon bald überfordert mit den drogensüchtigen Jungs. Auch das eingeschaltete Jugendamt kann nicht viel ausrichten. Weiter bergab geht es, als Deniz mit 14 seine erste große Liebe, Nefes, kennenlernt. An einem Nachmittag verlieren die beiden verliebten Teenager die Beherrschung und es kommt zum Sex. Nefes beichtet ihrer Mutter ängstlich, was sie getan hat, mit der Folge, dass der wütende Vater sie in die Türkei schickt, um sie dort zwangsverheiraten zu lassen. Deniz ist verzweifelt und versucht, Kontakt aufzunehmen, doch bis auf ein kurzes Telefonat, bei dem Nefes ihm unter Tränen gesteht, dass sie an einen älteren Mann verheiratet werden soll, gelingt ihm dies nicht. Er schmiedet einen Plan, in die Türkei zu reisen und Nefes zu retten. Doch es ist zu spät – kurze Zeit später erfährt er durch eine gemeinsame Freundin, dass Nefes sich selbst getötet hat und im dritten Monat schwanger war. Deniz bricht psychisch und emotional zusammen, und sein Bruder Barbaros verführt ihn dazu, ausnahmsweise einmal Heroin zu rauchen, um sich wieder beruhigen zu können.

 
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Mensch, atme

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Als Gastarbeiterkinder der ersten Generation erleben Deniz und seine Brüder hautnah, wie schwierig Integration in einem fremden Land ist. Gewalt und Drogenexzesse durch seinen älteren Bruder sind an der Tagesordnung, als Deniz mit 15 Jahren erstmals in Berührung mit Heroin kommt. Die damalige "Modedroge" beeinflusst sein Leben auf viele Arten, insbesondere die Beschaffungskriminalität bringt ihn und seine Brüder schon bald an ihre Grenzen – und ins Gefängnis. Seinen Leidensweg und seine Drogenkarriere schildert Deniz C. schonungslos offen und brutal ehrlich im ersten Teil seiner Autobiographie.

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Der gebürtige Neusser Deniz Camdere wurde 1978 als drittes Kind eines türkischen Ehepaares geboren. Seine Eltern waren eine der ersten Generationen Gastarbeiter in Deutschland. Bereits nach wenigen Jahren war die Ehe gescheitert und Deniz C. wurde mit seinem Bruder Oguz C. in die Türkei zu ihrer Oma abgeschoben. Nachdem sich die Wege der Eltern 1988 trennten und der Vater in die Türkei zurückkehrte, holte die Mutter ihre Kinder Deniz C. und Oguz C. ein Jahr später zurück nach Deutschland.

Doch was dort auf Deniz C. wartete, konnte er damals mit 10 Jahren nicht wissen. Sein älterer Bruder Barbaros C. nahm schon in jungen Jahren Drogen – erst leichte, dann härtere – und diese regelmäßig auch zu Hause. Deniz C. schmiss die Schule ab der 7. Klasse und wurde ein Teil von der Gang. Seine Bemühungen gegen die Drogen zu kämpfen, scheiterten in dem Moment, als er sie auch ausprobierte. Zu der Zeit, als die C. Brüder aus Neuss dem Heroin, der neuen Droge der 90er, zum Opfer fielen, rutschten hunderttausende Jugendliche in die Abhängigkeit. Viele Betroffene sind mittlerweile über 50 Jahre alt. Neben dem Drogenkonsum geht es den meisten auch gesundheitlich schlecht; sie wurden straffällig, sitzen ein oder leben unter prekären Verhältnissen. Dadurch, dass sich viele Heroinsüchtige die Droge spritzen, kommt es unter ihnen häufiger zu Infektionen mit dem Aids-Erreger HIV, Hepatitis C und zu chronischen Leiden. Verschmutztes und geteiltes Spritzbesteck ist ein Grund dafür. Demzufolge sind viele seiner Freunde von damals gestorben.

Deniz C. war nur einer von hunderttausenden Drogenabhängigen, die in den 90ern in Deutschland der Droge Heroin zu Opfer fielen. Das machte ihn und viele andere zu „Schattenkindern der ersten Generation“ der Gesellschaft und damit verbunden war das Leid, dass einen das ganze Leben wie ein Schatten verfolgte.

 
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