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Zwei Häuslein am Bach

Zwei Häuslein am Bach

Da, wo das große Dorf zu Ende geht, standen nicht weit vom Waldesrand zwei kleine Häuser, jedes mit einem Gärtchen und etwas Weideland umgeben, und zwischen ihnen floss der rauschende Bach dahin, über den eine schmale hölzerne Brücke führte.

In einem der Häuslein wohnte der Weber Hofmann mit seiner Frau und einer munteren Kinderschar; das andere stand schon längere Zeit leer, denn die stillen, alten Leute, denen es gehört hatte, waren schnell hintereinander gestorben.

Im Weberhäuschen herrschten Glück und Frieden, denn die Eltern waren fromm und fleißig, hatten einander herzlich lieb und erzogen ihre Kinder einmütig zu Gottes Ehre.

Der Verdienst durch die Weberei war manchmal recht knapp, und die fertige Ware musste weit fort in die Stadt gebracht werden, was im Winter gar beschwerlich war.

Zum Glück war man nicht allein darauf angewiesen; zwei kleine Felder gaben Korn und Kartoffeln, und den Garten hielt die Mutter mit großem Fleiß instand, sodass er manchen Korb Gemüse und Blumen zum Verkauf hergab.

Die Kinder halfen mit Eifer bei der Gartenarbeit, jäteten Unkraut aus und schleppten Wasser zum Begießen aus dem Bache.

Zum Lohn dafür durften sie ein kleines Beet für sich bearbeiten, und nichts schmeckte köstlicher als die Radieschen und der Salat, den sie darauf zogen, und die Johannisbeeren von dem einzigen Busch, der ihnen überlassen war.

Die Mutter sah es nicht gern, dass die Kinder sich viel im Dorfe umhertrieben, sie mochte sie lieber um sich haben und ward bald unruhig, wenn eins fehlte. Sobald sie nur ein wenig Verstand bekamen und die Händlein rühren konnten, stellte sie sie zu allerlei kleinen Geschäften an, ward dabei nie ungeduldig und lobte ihren Fleiß, sodass sie alles mit Lust taten.

Sie konnte auch gar munter und lustig mit ihnen scherzen, wenn sie sich auf dem kleinen Grasplatz tummelten; saß sie aber des Abends im Stübchen und flickte die ärmlichen Kleider, so hockten gewiss alle rings umher, um die schönen Geschichten zu hören, die sie erzählte.

Der Vater war ebenso gesinnt, wenn er auch ernst und zuweilen sogar streng sein konnte und nicht leicht eine Unart ungestraft ließ.

Sehr viel lag ihm daran, dass die Kinder was Rechtes lernten; er hatte es gern, wenn sie sich mit den Schulbüchern zu ihm neben den Webstuhl setzten, und hörte geduldig die Aufgaben an, bis sie fest in dem kleinen Kopfe saßen.

War er draußen auf dem Felde, so freute er sich die ganze Zeit auf den Abend, denn alle liefen ihm fröhlich entgegen und das Kleinste langte nach ihm, dass er’s auf den Arm nehme und küsse.

Am glücklichsten aber waren die Webersleute am lieben Sonntag.

Lieschen, das älteste Töchterlein, meinte, es könne auf der Welt kein schöneres Stübchen geben als das ihre am Sonntag früh. Der Webstuhl ruhte und alles war nett aufgeräumt, der Fußboden weiß gescheuert, die Fenster blank geputzt.

Wenn dann Eltern und Kinder in sauberen Kleidern um den mit einem Blumenstrauß geschmückten Tische saßen und mit heller Stimme das Morgenlied sangen, war’s da nicht wie im Himmel?

Dann ging’s zur lieben Kirche, und wer etwa daheim bleiben musste, um das Kleine zu hüten, freute sich schon auf den Nachmittag, wo die Reihe an ihn kam.

Und nun blieb noch der schöne Abend, der immer neue Lust brachte. Im Sommer gingen sie zusammen hinaus in Wald und Feld und der Vater zeigte ihnen, wie Gott alles so schön und gut und wunderbar bereitet hatte für seine Menschenkinder. Im Winter gab die Mutter das hübsche Spielzeug heraus, das das Christkind gebracht, und der Vater zeigte eins der Bilderbücher, die er im Schranke verwahrte, und freute sich, wenn die Größeren die biblischen Bilder deutlich erklären konnten.

So wuchsen die Kinder harmlos und fröhlich auf und dünkten sich gar reich, obgleich nur im harten Winter Schuhe an ihre Füße kamen und nur selten was anderes auf ihrem Tische stand als Kartoffeln, die gute Milchsuppe, die sie ihrer Ziege verdankten, und die Waldbeeren, die sie selbst einsammelten.

Von Streit und Zank wussten sie so wenig, dass sie ängstlich heimflüchteten, wenn etwa ein böser Bube auf dem Schulweg anfing zu balgen oder eins ein hässliches Schimpfwort sagte. Das kam jedoch nicht allzu oft vor, denn es herrschte damals noch gute alte Sitte im Dorfe und man hörte noch nicht das Fluchen und Schelten auf allen Gassen wie jetzt.

Da kam aber eines Tages eine große Menge Arbeitsleute angefahren mit der neuen Eisenbahn, die nicht weit vom Dorfe vorbeiging; die machten sich hölzerne Hütten auf einer Wiese, wo bisher das Vieh fette Weide gehabt hatte. Dann gruben sie einen Grund aus, und täglich kamen ganze Wagen voll Steine an, aus denen bauten sie ein hohes langes Haus mit vielen Fenstern und einem Schornstein, der höher war als der Kirchturm. Dann wurden Spinnmaschinen hineingesetzt, und die Fabrik war fertig.

Da war es vorbei mit dem stillen, friedlichen Leben im Dorfe. Viel fremdes Volk kam hergezogen; wer irgendein Stübchen hatte, vermietete es, und eine ganze Anzahl neuer Häuser ward gebaut.

Mehr Leben war nun freilich im Orte und auch schnellerer Verdienst, aber besser wurde es dadurch nicht.

Hatte man mehr, so verbrauchte man auch mehr, und besonders die jungen Leute wurden bald anspruchsvoller und vergnügungssüchtiger. Nur wenige hatten noch Lust, den Eltern bei der Haus- und Feldwirtschaft zu helfen, die Meisten zogen es vor, in der Fabrik zu arbeiten.

In der Dorfschenke, wo sonst die Männer ruhig ein Glas Bier getrunken und über den Stand der Feldfrüchte geplaudert hatten, um dann beizeiten ...

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