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XIII - Thriller

Titel

XIII - Thriller

von Thore Holmberg

 

Text Copyright © 2015 Thore Holmberg

Alle Rechte vorbehalten

Fassung: 1.1

Die Geschichte ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und/oder realen Handlungen sind rein zufällig. Sämtliche Äußerungen, insbesondere in Teilen der wörtlichen Rede, dienen lediglich der glaubhaften und realistischen Darstellung des Geschehens. Ich verurteile jegliche Art von politischem oder sonstigem Extremismus, der Gewalt verherrlicht, zu selbiger auffordert oder auch nur dazu ermuntert!

Ein großes Dankeschön geht an diesen Mann:

Lektorat, Korrektorat: worttaten.de – Michael Lohmann

Inhalt:

Kaum aus dem Gefängnis entlassen, wird Ted Palmer sofort von seiner Vergangenheit eingeholt. Alte Rechnungen sind noch immer nicht beglichen. Warum es jedoch ausgerechnet ihm gelingen soll, die mysteriöse Nummer XIII zu finden, bleibt rätselhaft. Auf der Jagd nach alten Widersachern trifft er schnell auch auf neue, die es ihm ebenso wenig leicht machen wollen. Jeder einzelne Tag führt Ted Palmer an seine Grenzen und weit darüber hinaus …

„XIII - Thriller“ ist erst Thore Holmbergs zweiter Roman. Unter weiteren Pseudonymen veröffentlicht der Autor schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich e-Books und konnte eine breite Stammleserschaft sammeln. Danke!

Kontakt/Feedback unter: ThoreHolmberg@online.de

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Außerdem vefügbar:

"Marthas Rache: Thriller"

Thore Holmbergs Thriller-Debut

1

Beim Anblick des klapprigen Betts, das in den nächsten Tagen, Wochen, womöglich sogar Monaten, mein ärmliches Nachtlager darstellen würde, machte sich gründliche Ernüchterung in mir breit. Ich hatte gerade meine paar Habseligkeiten in der Schublade einer staubigen Kommode verstaut, da hörte ich die Türklingel. Kurz darauf auch die eiligen Schritte meines alten Schulfreundes Steve. Einzelne Wortfetzen folgten, die ich, trotz der dünnen Wände, nicht verstehen konnte. Dann ein dumpfes Poltern. Am Ende glaubte ich sogar, einen erstickten Schrei zu hören. Als danach eine ganze Weile nichts mehr geschah, öffnete ich vorsichtig meine Zimmertür und schaute in den Flur hinaus.

»Steve?«, rief ich, weil von meinem Freund nichts zu sehen war.

Keine Reaktion.

»Alles in Ordnung, Steve? Was ist los?«

Jetzt bekam ich meine Antwort. Wobei ich mir die, ehrlich gesagt, anders vorgestellt hatte. Denn vor mir tat sich in diesem Moment die Mündung eines großkalibrigen Revolvers auf. Und der Mann, in dessen riesiger Pranke die Waffe steckte, sah kaum aus, als würden ihn banale Skrupel vom Abfeuern der Kanone abhalten.

»Wer sind Sie und was wollen Sie ... und wo ist Steve?« Das Stakkato meiner Fragen schien den Kleiderschrank nicht zu beeindrucken. Stattdessen fuchtelte er mit dem Revolver direkt vor meiner Nase herum. Eine wortlose, aber dadurch nicht minder dringende Aufforderung, mich zu bewegen. Unsere kurze Reise endete im Wohnzimmer, in dem zwei weitere Männer auf uns warteten. Sie sahen kaum sympathischer aus als ihr Kollege.

»Setzen Sie sich, Mr. Palmer«, forderte mich einer der Typen lächelnd auf. Im Gegensatz zu den beiden Gorillas trug er einen teuren Anzug. Seine Krawatte und das Einstecktuch waren sogar farblich aufeinander abgestimmt. Aus den Ärmeln seines Sakkos ragten goldene Manschettenknöpfe hervor. »Setzen Sie sich. Wir haben einiges zu besprechen.« Sein Lächeln wirkte aufgesetzt, seine Augen musterten mich eiskalt.

Trotz meiner Anspannung versuchte ich, zumindest nach außen, so gelassen wie möglich zu wirken. Ich ließ mich auf Steves altes Sofa fallen und schlug die Beine demonstrativ übereinander. Etwa so, als wartete ich auf eine Tasse Tee. »Worum geht es?«, fragte ich mit relativ fester Stimme. »Warum haben Sie nicht angerufen, bevor Sie sich die Mühe machen herzukommen?«

»Haben Sie denn ein Telefon, Mr. Palmer?« Der Anzugträger grinste mir überheblich entgegen.

»Noch nicht, aber wenn es so weit ist, dann schicke ich Ihnen gern die Nummer. Schauen Sie doch nächste Woche noch mal vorbei.«

»Halten Sie die Klappe und hören Sie zu!« Jetzt war die Fassade vollständig gefallen. Gesicht und Augen des Mannes sprachen endlich dieselbe unmissverständliche Sprache.

Ich atmete geräuschvoll aus und lehnte mich in die abgewetzten Kissen zurück. »Dann fangen Sie mal an. Kommen Sie auf den Punkt und danach verschwinden Sie so schnell wie möglich.«

»Sie haben neun Jahre, vier Monate und einundzwanzig Tage wegen Mordes gesessen.«

»Totschlag!«, korrigierte ich besserwisserisch. »Für einen Mord hätte ich vermutlich lebenslang bekommen, vielleicht sogar mehr. Außerdem war ich es nicht«, gab ich grimmig zurück. Die Reaktion des Anzugträgers sah allerdings anders aus, als ich erwartet hatte.

»Das weiß ich doch, Mr. Palmer.«

»Woher?«

»Weil ich ihn erschossen habe. Zwei Kopfschüsse ... das Schwein lag auf seiner Motorhaube und hat nach dem ersten noch geröchelt. Merkwürdig, dass Sie mich damals nicht gesehen haben. Schließlich waren sie nicht weit weg.«

Ich schüttelte nur den Kopf. Vermutlich sah ich in diesem Moment selten dämlich aus; mein Mund schien nicht bereit zu sein, sich wieder zu schließen. Und weil trotzdem kein artikuliertes Wort über meine Lippen kommen wollte, fuhr der Mann mit der hübschen Krawatte einfach fort: »Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass Sie elf andere Menschen ermordet haben oder zumindest für deren Tod verantwortlich sind. Stellen wir uns also vor, sie hätten deshalb gesessen … nicht ganz zu Unrecht, möchte ich hinzufügen, lieber Mister Palmer.«

Jede mögliche Antwort auf diese Behauptung tröpfelte nur in einzelnen Buchstaben von meinem Gehirn in Richtung Sprachzentrum. Aber, was soll ich sagen? Der Mann hatte recht! Wobei ich die Sache gerne beizeiten erklären würde. Nicht dass jemand einen falschen Eindruck von mir bekommt.

»Sie haben elf erledigt, ich den Zwölften. Fehlt nur noch einer!«

»Und warum kommen Sie mit dieser Geschichte zu mir?« Meine eigene Stimme kam mir fremd vor. Trotzdem war ich froh darüber, dass sie ihre Auszeit beendet hatte. »Sie glauben doch nicht etwa, dass ich dort weitermachen will, wo ich vor zehn Jahren aufgehört habe ...«

»Doch, genau das glaube ich«, unterbrach mich Mr. Krawatte selbstsicher. »Nur Sie können die Nummer 13 finden und ihn erledigen.«

»Und warum sollte ich das wollen – nach so vielen Jahren?«

»Weil er Ihre komplette Familie ausgelöscht hat. Ihre Frau Jenna, Ihren Sohn Timothy und sogar vor dem Bettchen Ihrer kleinen Heather hat er nicht haltgemacht.« Der Krawatten-Mann griff in die Innentasche seines Sakkos. Seine Hand kehrte mit einem prall gefüllten Umschlag zurück. »Ich brauche Ihnen keine Gründe zu liefern, um den Letzten auf Ihrer Liste zu erledigen. Aber was ich Ihnen gerne liefern will, ist Unterstützung.« Er ließ den Umschlag auf Steves schmutzigen Couchtisch fallen. Ein Batzen Hunderter kullerte, fein gerollt, zwischen leere Bierdosen und heruntergebrannte Kerzen. Erst der überquellende Aschenbecher stoppte den Vorwärtsdrang der Scheine. »Unbegrenzte Unterstützung, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

Eine ganze Weile sprach keiner ein Wort. Meine Blicke fokussierten abwechselnd das Geld und dann wieder mein Gegenüber. »Warum glauben Sie, dass ausgerechnet ich ihn erwischen könnte? Einen Mann finden und töten, den vermutlich jeder Polizist und jeder Verbrecher auf der ganzen Welt vor die Flinte bekommen will?« Mittlerweile hatte ich mich an meine neue Stimme gewöhnt; sie kam mir rau vor, irgendwie sogar ein bisschen verwegen.

»Die Antwort können Sie sich selbst geben, Mr. Palmer. Die Nummer 13 ist schließlich Ihr Bruder. Ich wüsste nicht, wer mehr Aussicht auf Erfolg hätte. Überdies sind Sie mit Sicherheit die Nummer 1 auf seiner Liste. Wenn man ihn also keiner Gehirnwäsche unterzogen hat, dann wünscht sich Ihr Bruder nichts sehnlicher als Ihren Tod. Aber diesen Gefallen wollen wir ihm doch beide nicht tun, oder?« Mr. Krawatte erhob sich träge und griff in die andere Innentasche seines Sakkos. Kurz darauf warf er achtlos eine Kreditkarte auf den Umschlag mit dem Geld. »Kein Limit! Holen Sie sich, was Sie brauchen.«

»Nur noch eine Frage …«, presste ich heraus, während die seltsame Truppe schon auf die Tür zusteuerte, »Wo ist Steve?«

»Liegt in der Küche, neben seinem leeren Kühlschrank. In einer Stunde wacht er auf, sein Schädel wird wahrscheinlich dröhnen. Ansonsten sollte er okay sein.« Mr. Krawatte hob die Hand, ließ sie dann aber auch eilig wieder sinken. »Machen Sie’s gut, Mr. Palmer. Ganz gleich, was passiert … wir werden uns vermutlich nicht wiedersehen.«

2

Huntsville, Texas, nur zwei Tage zuvor

Wie an jedem Tag in den letzten fast neuneinhalb Jahren ließ der Schließer die Stahlklappe in der Tür geräuschvoll herunterkrachen. Wenn – was unwahrscheinlich war – in diesem Moment noch einer der Gefangenen geschlafen hätte, dann wäre auch der jetzt garantiert wach. Das aufgeschwemmte Gesicht des Schließers grinste mich durch die kleine Luke an, bevor seine wulstigen Finger das Tablett mit meinem Frühstück hindurchschoben.

»Heute ist dein letzter Tag in unserem schönen Hotel, Palmer. Lass es dir schmecken.« Seine piepsige Stimme passte ideal zu seinem widerwärtigen Äußeren.

Zum hoffentlich letzten Mal betrachtete ich die drei trockenen Brotscheiben, neben denen drei ebenso traurig wirkende Scheiben der Gerade-Woche-Wurst lagen. In ungeraden Wochen bekamen wir eine undefinierbare dunkelrote Dauerwurst, in geraden Wochen eine, die eher grünlich leuchtete. Aber das spielte keine Rolle, denn der Geschmack war ohnehin immer derselbe.

Zwei der Brotscheiben würgte ich hinunter, weil es vermutlich noch bis zum Nachmittag dauern würde, bis ich endlich das erste Stück von meinem heiß ersehnten Steak abschneiden könnte. Auf die Freiheit hätte ich notfalls verzichtet, aber ein anständiges Stück Fleisch kam mir mittlerweile wie ein lang gepflegter, dennoch unerreichbarer Traum vor.

Eine gute halbe Stunde später hörte ich, wie sich ein Schlüssel in meiner Zellentür drehte. Kurz darauf schaute mich ein Mann an, dessen Anzug genauso nichtssagend wirkte wie der Rest seines Äußeren. Ich hatte den durchsichtigen Typen nie zuvor gesehen. Also war das vermutlich der herbeigesehnte Wohltäter, der mich – mit lumpigen zweihundert Dollar, meiner Uhr und meiner abgewetzten Brieftasche – vor die Tür der Haftanstalt setzen würde.

»Sind Ihre Sachen gepackt, Mr. Palmer?« Die graue Maus sprach leise, seine Stimme klang allerdings wie die eines durchgedrehten Massenmörders. »Was ist?«, drängelte er und hielt mir ein Klemmbrett entgegen.

Ich würdigte den Kerl keiner Antwort, sondern nickte stattdessen nur. Danach deutete ich auf einen Stoffbeutel, in dem ich mein bescheidenes Hab und Gut schon am Abend zuvor verstaut hatte.

»Dann brauche ich nur noch ein paar Unterschriften von Ihnen«, fuhr der farblose Typ tonlos fort. »Wenn wir uns beeilen, können Sie schon in zehn Minuten Ihre neue Freiheit genießen.«

Freiheit genießen, wiederholte ich verbittert in meinen Gedanken. Wie diese Freiheit aussehen würde, konnte ich mir bereits vorstellen. Wobei keines der traurigen Details mir Mut machen wollte, geschweige denn Zuversicht in mir schürte.

»Unterschreiben Sie neben den Kreuzen. Es warten noch ein paar andere auf Ihre Entlassung. Machen Sie schon, Mr. Palmer. Na los!«

Der Bus nach Houston fuhr zu jeder vollen Stunde, so stand es zumindest auf dem verwitterten Schild an der Laterne vor der Haltestelle. Der letzte war erst fünf Minuten weg, also durfte ich mich auf fast eine weitere Stunde Warterei einrichten. Aber was war schon eine Stunde? Fast zehn Jahre hatte ich hinter diesen Mauern und Zäunen gewartet. Hatte auf diesen Tag hingefiebert. Es nicht erwarten können, endlich wieder frei zu sein.

Frei!

Frei?

Was half mir diese Freiheit denn? Ehrlich gesagt wusste ich in diesem Moment nicht mal, welches meine erste Station sein würde, wenn mich der Bus irgendwo im Zentrum von Houston ausspuckte.

Doch! Ein Steakhaus ... mein erstes vernünftiges Steak seit über neun Jahren. Was danach käme, würde ich erst entscheiden, wenn das Fleisch, eine Baked Potatoe, Sour Cream und zwei kühle Bierchen meinen Bauch gefüllt hatten.

Es war bereits später Nachmittag, als ich das Steakhaus am Cullen Boulevard hinter mir ließ. Schon auf dem Bürgersteig vor den riesigen Schaufenstern beschlich mich ein seltsames Gefühl. Erneut keimte in mir die alles entscheidende Frage auf: wohin?

Nachdem ich einige Minuten reglos auf dem Bordstein gestanden hatte und mich die ersten Passanten schon komisch anschauten, fasste ich einen Entschluss. Es gab nur eine Person, bei der zumindest die theoretische Möglichkeit bestand, dass sie sich über meine Freilassung freuen könnte: meine Schwester. Auch wenn sie mich im Gefängnis nur ein einziges Mal besucht hatte – gleich im ersten Jahr –, so hatte sie mir doch regelmäßig, also an Weihnachten und an meinem Geburtstag, eine Karte geschickt. Wo, wenn nicht bei meiner kleinen Schwester, konnte ich wenigstens auf ein Bett hoffen? Es war nicht zu erwarten, dass sie vor Freude überschäumen würde, schließlich war sie – vor meiner Verhaftung – zu einem nicht ganz unwesentlichen Teil der Geschehnisse geworden. Aber die Frage war doch, ob sie heute, zehn Jahre später, noch immer nicht damit abgeschlossen hatte und unverändert Groll gegen mich und alle anderen Mitwirkenden von damals hegte.

Langes Überlegen half nicht! Letztendlich könnte ich es nur herausfinden, wenn ich mich zu ihr wagte, in die Höhle der Löwin.

Zwanzig Minuten später setzte mich ein Taxi vor Judys Haustür ab. Dreißig Dollar verlangte der pakistanische Halsabschneider von mir, nachdem er grinsend auf den Knopf an seinem Taxameter gedrückt hatte. Das war – nach meinem Besuch im Steakhaus, ein paar neuen Schuhen und einer neuen Jacke – über die Hälfte meiner verbliebenen kümmerlichen Barschaft. Meine Schwester würde sicher nicht begeistert reagieren, wenn ich sie, fünf Minuten nach unserem Wiedersehen, sofort anzupumpen versuchte.

Mit zitternden Fingern betätigte ich den Klingelknopf. Es verging höchstens eine halbe Minute, bis mir ein kleines Mädchen – sie mochte fünf, vielleicht auch schon sechs sein – fröhlich lachend die Haustür öffnete.

»Wer sind Sie, Mister?« Ihr Lachen wollte gar nicht nachlassen. Jetzt näherte sich von hinten ein Hund, ein plüschiger Welpe, der sich neben sie setzte und mich genauso neugierig musterte.

»Ich bin dein Onkel. Ich …« Etwas Besseres wollte mir nicht einfallen.

»Mama!«, schrie das Mädchen. »Mein Onkel steht vor der Tür. Mama …!«

Ich stand noch immer wie ein begossener Pudel auf der Schwelle. Weiter hinten hörte ich eine Tür klappen. Ein Moment später tauchte Judy am Ende des langen, weiß gefliesten Flurs auf. Als sie mich erkannte, blieb sie zuerst wie angewurzelt stehen. Irgendwann öffnete sich ihr Mund ganz langsam: »Was willst du denn hier?«, war das Einzige, was sie spontan herauspresste. Ihr Gesicht drückte alles aus, abgesehen von Wiedersehensfreude. Stattdessen kam sie mir mit vorsichtigen Schritten entgegen, blieb am Ende allerdings in sicherer Entfernung stehen.

»Du wagst es – nach all den Jahren …« Zwei weitere kleine Schritte. »Nach all dem, was passiert ist, da traust du dich hierher.« Sie stapfte noch ein Stück näher an mich heran. Ich konnte ihren Atem riechen. Kaffee, Zigaretten … wenn ich mich irrte, dann war da auch der Hauch von etwas Schärferem. Wen hätte es gewundert, bei dem, was sie damals alles durchgemacht hatte? Selbst Monate nach dem Prozess hatte sie sich verstecken müssen, auf der Flucht vor dem Chaos, das mein Bruder und ich verursacht hatten. »Sieh zu, dass du wegkommst, und zwar sofort, bevor ich …«

Wie bestellt tauchte hinter meiner Schwester jetzt ein Kerl auf, der eine Latzhose trug, dazu ein kariertes Hemd und Arbeits-Handschuhe. Die typische Verkleidung – für den Garten. Der Typ schaute mich nur verwirrt an, sagte aber kein Wort. Stattdessen wechselten seine Blicke immer wieder zwischen mir und Judy hin und her.

»Aber …« Mir wollte einfach keine Antwort einfallen. Mich zu entschuldigen, war vermutlich überflüssig. Für das, was damals passiert war, gab es ohnehin keine Entschuldigung. Keine Worte, die irgendetwas von dem, was vorgefallen war, wieder gutmachen konnten.

Meine Beine fühlten sich weich an, und ich spürte, dass mein Innerstes nur noch eins wollte: weg. Einfach nur weg von hier … weg von meiner Vergangenheit, weg von dem, was mich an die schlimmste Zeit meines Lebens erinnerte.

Statt mir erneut ein Taxi zu nehmen, entschied ich mich für den Bus. Der war billiger, und außerdem wusste ich ohnehin nicht, wohin ich sollte. Obwohl – eine Möglichkeit gab es noch. Meine Schwägerin fiel mir ein. Hellen, die Schwester meiner Frau. Während meiner Ehe – also, bevor man mich für lange Zeit eingebuchtet hatte – waren Hellen und meine Frau immer wie ein Herz und eine Seele verbunden. Oft genug hatten sich die beiden gegen mich verschworen und gemeinsam Pläne geschmiedet, um sie mir danach lachend zu präsentieren.

Nachdem ich einmal umgestiegen war, verließ ich den zweiten Bus an seiner Endstation im Brookside Village. Von hier aus waren es nur ein paar Minuten bis zu Hellens Wohnung. Vorausgesetzt, sie wohnte überhaupt noch dort und war nicht schon lange umgezogen.

Als ich ein dann vor dem dreistöckigen Wohnhaus stand, kam es mir wie ein Déjà-vu vor. Es war über zehn Jahre her, aber hier hatte sich in all der Zeit fast nichts verändert. Mir war, als hätte ich erst gestern zum letzten Mal auf die bunt lackierte Haustür geschaut. Selbst wenn mir in diesem Moment die fröhlich lachenden Kinder von damals entgegen gestürmt wären – allesamt um keinen Tag gealtert, keinen Zentimeter gewachsen – hätte mich das vermutlich ebenso wenig gewundert.

An das Zittern meiner Beine hatte ich mich längst gewöhnt. Schritt für Schritt näherte ich mich der Haustür. In mir die traurige Gewissheit, dass Hellen lange umgezogen war oder am Ende nicht anders als meine eigene Schwester reagieren würde.

Zu meiner Verwunderung fand ich jedoch sofort den Klingelknopf, neben dem Hellens Name stand. Sogar das kleine Papierschild daneben schien noch das von vor zehn Jahren zu sein. Ich drückte den Knopf tief durch und zuckte zusammen, als schon ein paar Sekunden später der Türsummer erklang. Auf gewohnt weichen Beinen stieg ich eine Treppe nach der anderen empor und ließ mir bei der letzten, die vor Hellens Wohnung endete, besonders viel Zeit. Wider Erwarten empfing mich meine Schwägerin bereits auf dem Hausflur. Eine regelrechte Schockwelle durchflutete meinen Körper, als ich sie dann vor mir stehen sah. Sie schien in der Zwischenzeit nicht um läppische zehn, sondern um mindestens zwanzig Jahre gealtert zu sein. Ihre Augen wurden von tiefen Falten umrahmt, ihre Züge wirkten, wohlwollend formuliert, verhärmt und todtraurig.

Wie erwartet, blieb auch ihr Mund zuerst nur offen stehen. Nachdem ihr Verstand die visuellen Informationen restlos verarbeitet hatte, waren auch ihre ersten Worte mit denen meiner Schwester vergleichbar. »Was machst du denn hier, Teddy?« Sie war eine der wenigen, die mich seit jeher mit meinem Spitznamen ansprach. Welche andere Möglichkeit gab es auch, wenn man Ted hieß?

»Bin seit heute raus …« Wie schon zuvor wollte mir mein Verstand keine sinnvollere Antwort liefern. »Ich hab gedacht, dass ich vielleicht ein paar Tage bei dir bleiben könnte. Ansonsten weiß ich nicht, wohin …«

»Wer ist denn da, du dämliche Schlampe?«, dröhnte es aus dem Hintergrund. Den Kerl, der hinter solch geschmackvollen Aussagen steckte, konnte ich mir lebhaft vorstellen. Als der Typ dann wenig später in den Flur gewankt kam, übertraf sein Anblick meine Erwartungen allerdings noch. Das seit Tagen unrasierte Gesicht passte hervorragend zu seinem schmutzigen Unterhemd und seiner Schlabberhose. Und als ob seine ersten Worte nicht ausgereicht hätten, setzte er noch einen drauf: »Was will der Typ hier, Hellen?« Jetzt machte der Kerl ein paar Schritte auf mich zu und erhob drohend die Fäuste. »Der Arsch soll sich verpissen. Ist mir egal, was er will.«

Meine Schwägerin schien die Sprache verloren zu haben. Statt zu protestieren, sich womöglich den Worten ihres – vermutlich – Ehemannes zu widersetzen, schaute sie mich nur traurig an. Am Ende, bevor sich die Tür direkt vor meiner Nase schloss, schüttelte sie nur den Kopf und versuchte, meinen Blicken auszuweichen.

Meine erste Nacht in Freiheit verbrachte ich in einem Obdachlosen-Asyl. Der Gestank von muffigen Decken und Matratzen, aber auch das Schnarchen und ständige Furzen der Männer rundherum erinnerten mich an das Gefängnis. Entzugserscheinungen hatte ich also nicht zu befürchten.

Am nächsten Morgen – meine restliche Kohle war für ein ordentliches Frühstück, ein neues Hemd und fünf Paar Socken draufgegangen – saß ich im Memorial Park und badete in Selbstmitleid.

Was war denn in diesem Augenblick noch von dem dereinst großen Ted Palmer übrig? Nur ein fünfundvierzigjähriger Ex-Knacki, ein Heimatloser, ohne Hoffnung und ohne jegliche Perspektive.

Ich überlegte schon, ob ich mich lieber vor einen Bus werfen oder von einer Brücke stürzen sollte, als mir mein alter Kumpel Steve einfiel. Wir hatten einige Jahre zusammen die Junior Highschool besucht und uns danach, bis unsere Wege sich irgendwann endgültig trennten, auch jenseits der Schule regelmäßig getroffen. Wenn es überhaupt jemanden gab, den ich guten Gewissens als Freund bezeichnen konnte, dann war das Steve. Blieb nur zu hoffen, dass er noch immer sein schäbiges Zwei-Zimmer-Apartment draußen im Osten von Houston bewohnte.

Ich hatte Glück! Schon als ich vor der Tür des kleinen Wohnblocks ankam, konnte ich erkennen, dass in Steves Schlafzimmerfenster noch immer die verblichene Fahne seines Lieblingsteams baumelte, die der Boston Red Sox. Ein Wunder, dass nicht lange schon ein übermütiges Kind oder ein verwirrter Fan eines anderen Teams das Fenster eingeworfen hatte. Ich schaute die Fassade hoch und stellte kopfschüttelnd fest, dass sich auch hier in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten fast nichts verändert hatte. So lange war es mittlerweile her, dass ich Steve zum letzten Mal begegnet war. Warum sich unsere Wege irgendwann endgültig getrennt hatten, konnte ich nicht erklären. Streit hatten wir keinen gehabt. Aber wie sagt man doch so schön: Jede Lebensphase hat ihre Freunde und ihre Feinde.

Wieder betätigte ich den Klingelknopf mit zitternden Fingern. Vermutlich würde mir Steve einfach nur die Tür vor der Nase zuschlagen. Er hatte allen Grund dazu. Wenn er mich überhaupt erkannte oder am Ende nicht mal die Tür öffnete, weil er mich für einen Vertreter oder Wanderprediger hielt.

Der Tür-Summer erklang und auch Steve erwartete mich bereits im Treppenhaus, nachdem ich die paar Stufen emporgehechtet war. Er schaute mich eine ganze Weile wortlos an. Als ich schon glaubte, dass mein früherer Freund womöglich seine Stimme verloren hätte, begann er in einem Ton, der irgendwo zwischen Unglauben und Entrüstung pendelte. »Das kann doch nicht wahr sein! Bist du es, Teddy?« Ja … auch mein einstiger Freund verwendete bedauerlicherweise diesen albernen Kosenamen, den ich zeitlebens gehasst habe.

Ich nickte nur, ließ meine Tasche auf den Boden fallen und breitete meine Arme aus. Ich kann selbst nicht sagen, welcher Teufel in diesem Augenblick auf meinen Schultern hockte. Aber ich spürte in mir einfach das Verlangen, meinen alten Freund zu umarmen und ihm am Ende vielleicht sogar ein Kuss auf die Stirn zu drücken.

Steve ließ es über sich ergehen, wobei er nicht den Eindruck machte, als teilte er mein seltsames Bedürfnis oder wäre gar bereit, es zu erwidern. Als es ihm nach einer Weile zu bunt wurde, schob er mich sanft von sich. »Kannst du mir sagen, warum du dich nach so vielen Jahren mal wieder blicken lässt.« Er musterte mich kritisch, schüttelte den Kopf, schien sich jedoch in der Zwischenzeit seine eigene Antwort gebastelt zu haben. »Lass mich raten … dir geht's beschissen, richtig?«

Ich beschloss, erneut die Flucht nach vorne anzutreten. Hoffte insgeheim, dass die bittere Wahrheit und deren Herausposaunen zumindest meinen alten Freund ein wenig beeindrucken würden. »Beschissen wäre noch geprahlt!«, gab ich tonlos zurück. »Und wenn du die ganze Wahrheit hören willst, dann bin ich gekommen, weil ich gehofft habe, dass ich vielleicht ein paar Tage bei dir unterkommen kann.« Ich senkte meinen Kopf, um seinem Blick auszuweichen. Die Antwort auf diese Bankrotterklärung war klar. Letztendlich stand ich nur noch vor Steves Tür, um mir die nächste Schelle abzuholen und die kommende Nacht vermutlich wieder im Obdachlosenasyl zu verbringen. So schlecht war es dort eigentlich gar nicht und es gab einen wesentlichen Unterschied: Man konnte morgens aufstehen und das Gefängnis verlassen. Den Schmutz, den Gestank und die heulenden Männer zumindest für ein paar Stunden hinter sich lassen.

»Ist okay … komm rein«, presste Steve heraus, sichtlich um ein freundliches Gesicht bemüht. »Wobei ich mein altes Schlafsofa vor fünf Jahren auf den Sperrmüll geworfen hab. Du müsstest also mit meiner Gästeliege vorliebnehmen.«

3

Wie der Krawattenmann gesagt hatte, fand ich Steve ohnmächtig neben seinem Kühlschrank. Ich riss eines der schmutzigen Geschirrhandtücher vom Haken, tränkte es mit eiskaltem Wasser und schlug es ihm ein paar Mal ins Gesicht. Zögernd, von lautem Schnaufen und Stöhnen begleitet, kehrte mein Freund ins Hier und Jetzt zurück. Immer wieder kniff er die Augen zusammen und ließ seine Blicke hektisch durch die Küche kreisen. Als er sich dann auf mich konzentrierte, war sein erster Satz keine wirkliche Überraschung: »Du kannst nicht bleiben!«

Zehn Minuten später stand ich mit meiner gepackten Tasche vor Steves Haustür und schüttelte ihm die Hand. Nicht einmal die fünfhundert Dollar, die ich ihm zur Entschädigung anbot, wollte er annehmen. In erster Linie schien er heilfroh zu sein, als ich ohne weitere Worte auf dem Absatz kehrtmachte und wie ein aufgescheuchtes Reh die Treppen hinunterhastete. Aber, wer konnte es ihm schon verübeln? Niemand hatte damit rechnen können, dass seine Hilfsbereitschaft am Ende derartige Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Also stand ich wieder auf der Straße. Anders jedoch als zuvor drückten in meiner Tasche eine No-Limit-Kreditkarte und zehntausend Dollar Bargeld. Die Option mit dem Obdachlosen-Asyl konnte ich vernachlässigen – zumindest vorerst. Im Geiste ging ich längst die mir bekannten Luxushotels durch und entschied mich dann für ein etwas weniger pompöses, dafür aber ideal gelegenes Haus. Ich hatte in der Vergangenheit gelernt, dass kurze Wege, insbesondere die zum Flughafen oder einem Highway, immer von Vorteil waren. Und dass mir die Kerle keinen Luxusurlaub finanzieren wollten, sondern ganz klare Erwartungen in mich und mein Handeln hatten, stand außer Frage. Das Einzige, was mich unaufhörlich beschäftigte, seitdem der Krawattenmann und seine Gorillas Steves Wohnung verlassen hatten, war dies: Wo sollte ich überhaupt anfangen? Nach fast zehn Jahren im Staatshotel kannte ich niemanden mehr, von dem ich einen Tipp oder gar einen ernst zu nehmenden Hinweis erwarten könnte.

Also beschloss ich, zunächst mein neues Domizil zu beziehen und alle weiteren Entscheidungen mindestens auf den kommenden Morgen zu verschieben. Nach einer Nacht in einem weichen Bett – mit Kabelfernsehen, kaltem Bier und vielleicht sogar einem Mädchen – dürfte die Welt am nächsten Tag schon ganz anders aussehen.

***

Frederick Heffner saß in seinem pompösen Büro, das im 64. Stockwerk, der obersten Etage des Williams Towers lag, der besten Business-Adresse der Stadt. Auf sämtlichen Bildschirmen flimmerten Aktienkurse, Rohölpreise oder sonstige Wirtschaftsnachrichten. Als Paul Allan klopfte und wenig später eintrat, dauerte es eine Weile, bis sein Chef endlich den Blick von den Monitoren lösen wollte. »Wie hat er reagiert?«, erkundigte sich Heffner in abwesendem Ton. »Hat er sich lange gesträubt?«

Paul Allen schüttelte den Kopf und lächelte dabei vielsagend. »Schätze, dass unsere Argumente einfach zu überzeugend waren, Sir. Okay, am Anfang hat er sich ein wenig schwergetan, aber letztendlich weiß er genau, wie die Alternative aussieht. Außerdem scheint der Typ, nach so vielen Jahren Knast, ohnehin völlig am Boden zu sein …«

»Und das bleibt er auch, wenn es nach mir geht!« Frederick Heffners Miene verfinsterte sich. »Am Ende dieser Geschichte muss auch Ted Palmer dran glauben. Alles andere wäre nur ein halbes Ergebnis … inakzeptabel.«

»Ich wüsste nicht, wie ich das vergessen sollte, Sir. Das Schwein hat meine Schwester auf dem Gewissen.«

***

Die Formalitäten an der Rezeption waren, dank der neuen Kreditkarte, schnell erledigt. Im Zimmer angekommen, warf ich meine Sachen achtlos in die Ecke und ließ mich als Erstes auf das herrlich weiche Bett fallen. Vor meinem inneren Auge sah ich mich bereits mit einer Tausend-Dollar-Edelhure darauf herumturnen. Zunächst jedoch ließ ich meinen Blick durch den Raum wandern. Die Minibar hatte ich längst entdeckt und hoffte, dass sich darin nicht nur irgendein dünnes Exportbier und Fruchtsäfte befanden. Aber wo verdammt war die Fernbedienung? Gerade, als ich das kleine Miststück auf einer Kommode gegenüber ausgemacht hatte, klopfte es an die Tür. Ich zuckte regelrecht zusammen. Wer könnte das sein? Eine Antwort würde ich vermutlich nur bekommen, wenn ich öffnete. Also rollte ich mich von der weichen Matratze und schlurfte – mein Gesicht so grimmig wie möglich verzogen, um einen eventuellen Störenfried schnellstmöglich zu vertreiben – in Richtung Tür.

Eine junge Frau, Anfang, vielleicht Mitte zwanzig, stand lächelnd vor mir. Statt etwas zu sagen, hielt sie mir nur ein Handy entgegen, das in diesem Moment schon zu klingeln anfing. Nachhaltig verwirrt griff ich nach dem Gerät und nahm das Gespräch an. Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, dass die unerwartete Besucherin sich längst wieder davon gemacht hatte und eilig den Flur hinunterstöckelte. Schade!

Ich hielt das Telefon an mein Ohr und lauschte einfach hinein.

»Jetzt haben Sie ein Handy, Mister Palmer! Und ich habe Ihre Nummer … nur zur Sicherheit.«

Die Stimme erkannte ich sofort. Sie gehörte dem Krawattenmann, der mich, einige Stunden zuvor, so unsanft dazu gedrängt hatte, mich auf die Suche nach meinem Bruder zu machen. Ich schwieg einfach weiter, denn ich nahm an, dass mir der Mann noch mehr mitzuteilen hatte als nur die Lieferung meines neuen Telefons.

»Sie dürfen davon ausgehen, Mister Palmer, dass wir ab sofort zu jedem Zeitpunkt über Ihren aktuellen Aufenthaltsort informiert sind …«

»Davon bin ich ausgegangen!«, gab ich giftig zurück, auch wenn das eine glatte Lüge war.

»Sollten Sie also auf die Idee kommen, Ihren Auftrag zu vernachlässigen oder gar zu vergessen, dürfen Sie ferner davon ausgehen, dass unsere Vereinbarung gegenstandslos ist.«

»Womit sie vermutlich meinen …?«

»Richtig! Genau das meine ich.« Der Krawattenmann zögerte einen kurzen Moment lang. »Das gilt übrigens auch für den Fall, dass Sie Ihr neues Handy abschalten oder es irgendwo entsorgen. Ich hoffe, Sie verstehen …«

***

»So, wie ich es sehe, ist er in der Spur.« Frederick Heffner lehnte sich zufrieden zurück und starrte wieder auf seine Monitore. »Nach diesem Anruf sollte er wissen, wie der Hase läuft.«

Paul Allan nickte nur und wandte sich schon zum Gehen. Heffners Stimme stoppte ihn allerdings, als er fast die Tür erreicht hatte: »Was wollen Sie tun, wenn er den rechten Pfad verlässt?«

Allan schaute seinen Chef eine Weile vielsagend an. Er war zwar davon überzeugt, dass eine Antwort überflüssig war, begann dann aber trotzdem mit einem seltsamen Unterton: »Was soll ich schon tun? Ich werde ihn töten … abschlachten und danach seine Reste den Löwen zum Fraß vorwerfen.«

4

 

Vergangenheit – Der Anfang vom Ende

 

Die Organisation, die mein Bruder und ich innerhalb weniger Jahre aus dem Boden gestampft hatten, beschäftigte sich im Prinzip mit allen Geschäften – nur nicht mit legalen. Denn die genossen in unseren Kreisen seit jeher einen eher anrüchigen Beigeschmack. Angefangen mit den üblichen Einnahmequellen wie Prostitution, Glücksspiel und Drogenhandel, wuchs parallel eine ganz neue Abteilung immer rasanter heran und entwickelte sich schnell zur mit Abstand wichtigsten Geldpumpe: Internetkriminalität. In dieser fast völlig unerschlossenen, virtuellen Welt lag das Geld praktisch auf der Straße. Wie Mücken, die vom Licht einer Laterne angezogen wurden, gingen uns täglich Tausende Ahnungslose ins Netz. Und auch wenn es sich in den meisten Fällen nur um ein paar lumpige Dollar handelte, so machte es in diesem Geschäft eben der Multiplikations-Faktor.

Während mein Bruder immer neue Partner, Kunden und Helfershelfer rekrutierte, war es meine Aufgabe, mich um die Buchhaltung zu kümmern. Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen, neue Geldwäschemöglichkeiten zu entwickeln und zuletzt ein geeignetes Versteck für tonnenweise Bargeld zu finden. Konkurrenten wurden geschluckt oder, wenn nötig, vernichtet. Wer nicht auf unserer Gehaltsliste stand und versuchte, sich querzustellen, hatte ein paar Monate später entweder eine neue Ferienwohnung auf Hawaii oder schaute sich die Radieschen schon länger von unten an.

In der Blütezeit unserer Organisation nahmen wir täglich allein über eine Million Dollar cash ein. Nach Abzug der wesentlichen Kosten, also Gehältern, Bestechungsgeldern, Mieten und Autos, blieb an jedem einzelnen Tag mindestens eine Dreiviertelmillion netto übrig. Wen wunderte es da, dass mein Bruder im Laufe der Jahre immer seltsamer wurde?

H

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