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Wunderknabe Waldemar

Detlef Schumacher

Wunderknabe Waldemar


Meinen Enkeln und meinem Urenkel in Liebe


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Wie er Wunderknabe wurde

Waldemar verbrachte seine ersten Lebensstunden in einem Wald. In diesem war seine Mutter mit ihm niedergekommen. Seine Erstberührung mit dem irdischen Dasein erfolgte nicht auf weißen Linnen, sondern auf trockenem Laub. Blattschneideameisen trennten ihn von der Mutter.

Sie, Sabine, war dem Elternhaus hierher entflohen. Die Schande, die sie über Vater und Mutter gebracht hatte, die Beschimpfungen durch dieselben, sich einem Nichtsnutz hingegeben zu haben, verdross die sechzehn Jahre junge Maid so sehr, dass sie die Absicht hegte, sich und ihre Leibesfrucht zu ertränken. Da der hierfür auserkorene Bach zu wenig Wasser führte, trieb es sie in den erwähnten Wald. Hier wollte sie, trotz Wohlgeruchs von Pilzen, Hungers sterben. Auch Brombeeren reiften reichlich; doch nein, das Hienieden wollte sie verhungert verlassen. Ihren Starrsinn hatten die Eltern oft beklagt.

Als sie laubgebettet lag, den Tod erwartend, hörte sie in der Nähe die Unterhaltung eines Liebespaares. Das hatte sich in bekannter Absicht hierher begeben. Vor der körperlichen Vereinigung sagte die junge Frau zu dem jungen Mann, dass es keine größere Liebe gebe als die zum eigenen Kind. Das vernahm Sabine. Sie gewann die Einsicht, dass man nur im Leben glücklich sein kann. Von neuem Lebenswillen erfüllt verzehrte sie nun Beeren in reichem Maße, die den ausgehungerten Leib durchrasten und in Form von Dünnpfiff hinten raus kamen. Die Unerfahrene glaubte, ihr Kind sei flüssig geworden. Es dauerte, bis sich ihr Körper erholt hatte und die Leibesfrucht von sich gab. Stunden später fand sie Revierförster Piffpaff, der Mutter und Kind den Eltern übergab.

Unter deren Obhut wuchs Waldemar zu einem süßen Knirps heran. Mama Sabine besuchte die Berufsschule. Waldi, wie der kleine Fratz liebevoll genannt wurde, erregte das Missfallen der Nachbarn. Denen entlief stets das Hündchen Waldi, wenn Fratz Waldi ins Haus gerufen wurde. Weil sich das nicht änderte, zogen die Nachbarn vor Gericht. Das wies die Kläger in die Schranken und darauf hin, dass Fratz Waldi nicht mehr Waldi genannt werde, wenn er das Fratzalter verlassen habe. Der Hund hingegen bleibe namentlich unverändert.

Weil sich die Nachbarn uneinsichtig zeigten, veranschaulichte der Richter das an einem persönlichen Beispiel. Seine Großmutter habe zehn Generationen familieneigener Hunde überlebt. Der erste hatte Kaiser Wilhelm zugebellt, als der verkündete, dass Deutschlands Feinde vor die Hunde gehen werden. Großmutter sei mit 99 Jahren verschieden.

Der Richter hatte den Nationalstolz der Nachbarn geweckt, weshalb dieselben auch Fratz Waldi lieb gewannen. In den verliebte sich später deren Enkelin. Sie drängte ihn wiederholt, ihn zu küssen. Er blieb seiner sittlichen Erziehung treu, die ihm gebot, erst dann zu küssen, wenn die Folgen absehbar seien. Über dem Bettgiebel der Großeltern prangte der Spruch: ‚Sauber, frei von Sucht, sei des Mannes Zucht!‘ 

Als Waldemar zum Schulkind gereift war, zeigte er sich seinen Lehrern in lobenswerter Weise. Schon die Schultüte veranlasste ihn zu gütlichem Tun. Ihr entnahm er lediglich ein Bonbon fürs  persönliche Lutschen, den Rest der Süßigkeiten verteilte er an Mitschüler und Lehrer. Letztere wehrten diese Gabe zunächst ab, griffen dann aber pädagogisch geschickt zu. Da der Schuldirektor zwei Bonbons erhalten hatte, ein Bonbon mehr als seine Kollegen, waren ihm diese gram.

Nachdem die Schultüte geleert war, verlor Waldi viele Freunde. Nur die Lehrer blieben ihm gewogen, weil er ihnen das Gefühl gab, nützlich zu sein. Er folgte ihnen aufs Wort, war brav und beteiligte sich an Raufereien der Knaben nicht. Nur einmal drängte es ihn, eine solche mit mahnenden Worten zu schlichten. Nachdem er genesen war, entschuldigte er sich bei den Raufbolden für sein unbedachtes Verhalten. Nun verlor er auch den einzig ihm gebliebenen Freund, der ihn einen Dummkopf und Feigling schalt. Waldemar zog die einzig richtige Konsequenz: er tätigte auch dessen Hausaufgaben. 

Ziegenbock Hubert

Das folgsame Kind war ständigen Hänseleien ausgesetzt. Es ließ sich aber nicht entmutigen. Bald glaubte jeder, Waldemar wohne eine Kraft inne, die ihn unverletzlich mache. Ein älterer Schüler wusste von Held Siegfried, dem Drachentöter, zu berichten. Die Mädchen erschauerten, die Jungen erfasste Wagemut. Sie wollten wissen, ob in Waldemar ein Held stecke. Ob er vielleicht ein Nachfahre Siegfrieds sei. Im Wald war er ja geboren, dort, wo vor Zeiten der böse Drachen gehaust hatte.

In Ermangelung eines Drachen zerrte Michael Meier den familieneigenen Ziegenbock auf den Schulhof. Das gefürchtete Tier stutzte zunächst, weil es nicht wusste, was es hier solle. Da kein Gras wuchs, wuchs sein Unmut. Mit gesenkten Hörnern schnob es über den Platz, den Verantwortlichen für diesen Mangel zu finden.

Da sich die Schüler, ebenso wie die beiden Aufsicht führenden Lehrer, versteckt hielten und das Ende der Pause ignorierten, veranlasste das den Schuldirektor, den Grund zu erfahren. Als er den menschenleeren Hof betrat, erfassten ihn die wütenden Blicke des Ziegenbocks. ‚Aha‘, ging es dem durchs Hirn, ‚das ist der, den ich suche‘.  

Mit furchtbarem Meckern raste er auf den ahnungslosen Pädagogen zu. Der wusste um die Gefährlichkeit des dorfweit bekannten Tieres. Hu-Hu-Hubert, wie der Bock zitternd genannt wurde, wenn er dem heimatlichen Stall wieder mal entwichen war, wusste nicht, dass er auf den Schulchef zustob.

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