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Wildwest Großband Mai 2017

Hendrik M. Bekker, Pete Hackett

Wildwest Großband Mai 2017

Cassiopeiapress Western Sammelband





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Wildwest Großband Mai 2017

Dramatische Geschichten aus der Zeit des Wilden Westens – harte Männer, aufregegende Saloongirls, blutige Fehden und eiskalte Gunslinger – darum geht es in den Geschichten dieses Buches.

Dieses Buch enthält die Western-Geschichten:

Hendrik M. Bekker: Das blutige Gold der Kowaja-Berge

Pete Hackett: McQuade – auf Gedeih und Verderb

Horst Friedrichs: Tombstone Lady

U.H.Wilken: Einst wirst du mich hassen, Chato

1

Allan McFadden schlug immer wieder auf den Fels vor sich ein. Dieser Stein war verflucht hart! Stück um Stück konnte er ihn zersplittern, doch Gold kam nicht zum Vorschein.

Er wischte sich mit dem Handrücken über die verklebte Stirn. Schweiß und Staub bildeten eine dicke Schicht.

Hatte ihn diese dreckige Rothaut etwa belogen?

Er leckte sich über die Lippen, schmeckte den feinen Staub, der nach Stunden der Arbeit alles bedeckte. Seine Kehle brannte. Was würde er jetzt für einen kleinen Whisky geben.

Nein, ganz sicher hatte die Rothaut sie nicht betrogen. Er hatte gewusst, dass sonst seine Frau hätte dran glauben müssen. McFadden, Clive und Thomas hatten die Indianer bei einem kleinen Stelldichein in den Wäldern überrascht. McFadden und seine Männer waren auf der Flucht. Es gab seit langem das Gerücht, dass es Gold in den nahen Bergen gab. Doch angeblich wussten nur die Indianer davon. Also hatte Allan vorgeschlagen, doch einfach einen Indianer zu fragen. Doch sie hüteten das Geheimnis.

Nun, dieser hatte schließlich nachgegeben, dachte Allan McFadden und sein Grinsen wurde breiter. Wieder und wieder schlug er mit der Spitzhacke zu.

Hier sollte es doch sein!

Er und seine beiden Begleiter waren auf der Flucht hinauf in den Norden. Alle wurden aus verschiedenen Gründen an der mexikanischen Grenze gesucht. Doch McFadden wollte keinesfalls als armer Schlucker enden. Er wusste schon immer, er war zu Höherem bestimmt.

Dann endlich war es soweit. Eine dünne, goldgelbe Ader war im Fels zu erkennen.

McFadden nahm seinen ledernen Trinkschlauch und goss Wasser darüber, um den Staub loszuwerden.

Tatsächlich, es war das Ziel seiner Träume.

„Gold“, hauchte er. „Gold!“, brüllte er dann lauter.

Wenige Minuten später waren Clive Brown und Thomas Debroer bei ihm. Sie arbeiteten nun nur noch in Schichten hier, weil der Stollen zu eng war, um den Dreien die Arbeit gleichzeitig zu erlauben.

Er mochte seine Kompagnons nicht, doch sie waren aufeinander angewiesen. Jeder auf seine Weise.



2

Tagelang ging es so weiter. Als nun nach Stunden Allan eine Pause hatte und sich den kleinen Haufen goldener Klumpen ansah, war er zufrieden. Davon würde man sich ein hübsches Sümmchen Geld auszahlen lassen können. Ihm fiel auf, dass Thomas und Clive nun seit Tagen bewaffnet herumliefen. Immer, zu jeder Zeit.

Er sah zu seinem Holster herunter. Sein dicker Colt ruhte auf seinem Oberschenkel.

Seit wann hatte er damit angefangen? Hatte Clive angefangen, oder er?

War Clive nicht mal wegen Befehlsverweigerung beim Militär herausgeflogen? Er kramte in seinem Gedächtnis, kam aber nicht mehr darauf.

Er erinnerte sich daran, wie der Indianer gesagt hatte, das Gold sei verflucht von irgendeinem heidnischen Wesen. Blutgold sei es, es würde sich vermehren, wenn es Blut zu trinken bekäme.

McFadden schüttelte den Kopf. Was für ein heidnischer Bullshit.



3

Clive Brown war ein Mann, der die besten Jahre bereits hinter sich hatte. Er wusste das, während er mit der Zunge über den Zahnstumpf fuhr, der von seinen Schneidezähnen übrig geblieben war. Er trug den eisenbeschlagenen Holzeimer zum Berg von Nuggets, den sie bereits aufgehäuft hatten.

Der Eimer war rostig, aber noch hielt er das Holz zusammen. Clive dachte mit Freude daran, was er sich alles von seinem Anteil würde leisten können! Gold, zu einem kleinen Haufen aufgetürmt. Kurz wanderte sein Blick in weite Ferne. Vielleicht würde er eine kleine Farm haben? Sicher, hübsch war er nicht, doch mit genug Geld in den Taschen fand er sicher eine Frau.

Er erinnerte sich daran, wie sein Vater seine Mutter behandelt hatte. Die war schließlich auch geblieben, obwohl man eine Lady so nicht behandeln sollte. Hatte man ihm beim Militär später gesagt. Aber die hatten so einiges gesagt, was für ihn wenig Sinn machte. Zum Beispiel, dass Zivilisten so ungemein respektvoll behandelt werden mussten. Clive fühlte, wie trocken sein Mund wurde, als er daran zurückdachte, wie er dieses Bauernmädchen zurechtgewiesen hatte. So kokett war sie gewesen und so sehr hatte sie geschrien.

Er hielt kurz inne und stellte den Eimer ab. Dann nahm er einen der Trinkschläuche, die herumlagen, und trank gierig das Wasser daraus. Er brachte im Moment die Nuggets herauf, und auch wenn die Aufgabe sicher schöner war, als mit der Spitzhacke im Fels zu wühlen, war es verdammt anstrengend. Aber das hatte man im Militär immer gesagt und Clive fand, dass es wahr war: Nichts Gutes bekam man geschenkt, man musste es sich nehmen. Oder war es verdienen? Er wusste es nicht mehr genau.

Er griff nach dem Eimer und fluchte. Das Metall schnitt ihm in die Hand und Blut tropfte herab.

Dabei sah er fasziniert, wie es auf die goldenen Steine traf und versickerte. Doch nicht zwischen den Steinen, es verschwand in die Steine. Wie Wasser, das auf lockere Erde traf, saugten die Steine das Blut auf.

Er blinzelte ungläubig. Er war sich sicher, dass er einfach nur überarbeitet und erschöpft war. Die Steine konnten doch das Blut nicht aufnehmen wie weiche Erde. Was für ein Unsinn.

Allan McFadden wird dich für das Gold töten, flüsterte eine Stimme. Erschrocken sprang Clive auf. Woher war das gekommen? War es nur ein plötzlicher Gedanke gewesen? Er sah sich um. Doch die Stimme war wirklich aus seinem Kopf gekommen.

Er wird dich töten und dein Blut wird die Steine vermehren. Der Gedanke war so klar in ihm und doch völlig fremd, als wäre es nicht sein eigener.

Clive schüttelte ungläubig den Kopf. Der Gedanke begann an ihm zu nagen. Dann, neugierig, blickte er hinab zu dem Stein, der sein Blut aufgesogen hatte.

War diese Ausbeulung am Goldnugget vorher schon da gewesen? Oder war sie genau dort, wo sein Blut aufgekommen war?

Er verwarf den Gedanken, das war doch verrückt. Er brauchte eine Pause.



4

Später am Abend brachte Clive einen neuen Eimer mit Goldnuggets hinauf. Thomas war unten und schürfte nun. McFadden saß beim Gold und starrte es an. Seine Haare hingen in fettigen Strähnen ins Gesicht, angeklebt vom Schweiß. Doch er schien sie nicht zu bemerken.

„Na, was kaufst du dir davon?“, fragte Clive. Er fühlte sich angespannt. Irgendwas stimmte nicht. War McFadden schon immer so fasziniert vom Gold gewesen? Blinzelte er eigentlich noch regelmäßig?

Allan McFadden sah weiter vor sich hin. Dann, wie aus tiefer Ferne, sprach er: „Ich werde es mehren.“

„Willst du etwa ins Casino?“, fragte Clive und lachte. Es klang künstlich, leicht angespannt.

McFadden sah auf. „Was sagst du?“ Er blinzelte ein paar Mal schnell hintereinander.

„Nichts, nur, ob du damit ins Casino gehst?“

„Damit man es mir wegnimmt? Nein. Das nimmt man mir nicht mehr weg. Ich will, dass es mehr wird.“

„Das ist doch schön“, sagte Clive und bewegte langsam und unauffällig seine Hand zum Colt.

Er fühlte sich nicht wohl. Irgendwas stimmte doch nicht.



5

Thomas Debroer hieb die Spitzhacke in den Fels vor sich. Er war wütend. Auf sich, auf die Welt, auf seine tote Frau und auf die beiden Halunken, mit denen er arbeitete.

Er war wütend darauf, so wütend zu sein. Das Einhacken auf etwas tat gut, seiner Meinung nach. Er wusste, dass er viel zu selten die Gelegenheit bekam die Wut herauszulassen. Einmal hatte er einen Mann auf offener Straße erwürgt, weil er ihn beleidigt hatte.

Doch seitdem musste er sich aus dem Grenzgebiet zu Mexiko fernhalten.

Nur, weil er sich verteidigt hatte! Als wäre er ein Tier, das keine Selbstkontrolle hatte. Was für ein Unsinn. Wie die Leute sich aufgeregt hatten, dabei hatte er sich nur angemessen verteidigt. Lehrte einen das Leben nicht, schnell zu sein?

Er hörte einen Schuss.

Sofort warf er die Hacke weg und lauschte. Sein Colt lag nahe bei ihm im Holster. Beim Arbeiten behinderte ihn das nur.

Er griff nach dem Colt und ging hinauf zu den anderen.

Er hoffte, dass es nicht diese Indianer waren, die Rache wollten, weil sie hier ihr Gold stahlen.

Dabei benutzten die Rothäute es doch gar nicht! Sie ließen es hier liegen. Was für eine Verschwendung.



6

Allan McFadden fand, dass Clive nervös wirkte. Seltsam unruhig und gekünstelt. Das machte ihm Sorgen. Clive war ein Halsabschneider, das hatte er immer gewusst. Aber er würde sich an eine Abmachung halten. Doch als er sah, wie Clive seine Waffe langsam zog, reagierte Allan McFadden automatisch. Er zog seinen eigenen Colt, doch da donnerte es bereits.

Der Schuss traf ihn direkt in die Brust und schlug in seinen Knochen ein. Die Wucht riss ihn nach hinten.

Er taumelte gegen die Höhlenwand und sank an ihr herunter.

„Wieso?“, hauchte er.



7

Clive sah den sterbenden Allan McFadden. Er hatte seine Waffe ziehen wollen, dieses Schwein! Clive wusste schon immer, dass McFadden ein dreckiger Dieb war, der seine eigene Mutter verkaufen würde, doch er hatte geglaubt, er würde sich an eine Abmachung halten können.

Clive schüttelte den Kopf. Er trat gegen die Hand von McFadden, die die Waffe hielt. Der Colt klapperte davon. Nicht dass er im Sterben doch noch schoss.

Da hörte er Schritte. Thomas Debroer stürmte hinauf, seine Waffe im Anschlag. Er betrat die Höhle und sah sich um.

„Wer greift uns an?“, fragte er Clive, die Situation missdeutend.

Clive hatte noch immer den Colt in der Hand und drückte ab.

Schuss um Schuss feuerte er in Thomas hinein. Die Tränen traten ihm in die Augen. Um ihn tat es ihm wirklich leid. Doch wie sollte er ihm das erklären? Er würde glauben, dass er McFadden umgebracht hatte, um sich zu bereichern. Doch das würde er nie tun!

Zufrieden sah er auf den Berg aus Gold.

Plötzlich klackerte es neben ihm.

Er sah auf. Ein Stein hatte sich gelöst. Es knirschte und knackte plötzlich. Noch bevor er reagieren konnte, brach die Decke zusammen.

Das nächste, was Clive einatmete, war Felsstaub während er versuchte aus dem Stollen zu entkommen.



8

Wochen später ...

Prediger Ferdinand Rysum schob sich den alten Dreispitz tiefer ins Gesicht. Es war der Hut der Uniform seines Großvaters. Der hatte in den Unabhängigkeitskriegen gekämpft. Der Hut war geflickt, aber gut. Das Leder war gepflegt und immer noch besser, als die Sonne direkt auf den Kopf zu bekommen. Manchmal fragte er sich, ob er deswegen Prediger geworden war: Um das Unrecht seiner Vorväter wiedergutzumachen.

Andererseits, musste jeder sein eigenes Unrecht wiedergutmachen. Zumindest war er der festen Überzeugung. Diese katholische Lehre, die von der Erbsünde, sagte ihm nicht zu. Ein gerechter Gott bestrafte ja wohl jeden für seinen eigenen Mist.

Er ritt seinen jungen Hengst Epo gemächlich einen Abhang hinunter.

Er wollte vor Sonnenuntergang noch New-Theene erreichen. Das war eine kleine Siedlung, eingerahmt zwischen weiten ebenen Feldern und einigen Bergen. Die Indianer hier waren stark dezimiert worden durch die Pocken und machten den Menschen keinen Ärger, ebenso wenig wie der Unabhängigkeitskrieg es bis hierher geschafft hatte.

Es gab einiges an Handel durch den breiten Fluss, was viel Gesindel anzog. Aber das war unumgänglich.

Hier sollte er seinen neuen Beruf antreten. Ferdinand war Prediger und diese Gemeinde hatte ihren Pastor vor einem halben Jahr verloren. Man hatte bei der Nachbargemeinde angefragt und so war irgendwann die Wahl auf Ferdinand gekommen. Er hatte verschiedene Berufe ausgeübt und ein Freund hatte ihm Unterschlupf gewährt, als es ihm nicht gut ging. So war er mit dem Predigen in Berührung gekommen. Nun hatte dieser Freund ihn hergeschickt, um in New-Theene als Pastor zu dienen.

Schließlich tauchten die Häuser der kleinen Siedlung vor ihm auf. Der Fluss zog sich als Band durch das Land und die Baumgruppen wurden deutlich überragt von den dreistöckigen Häusern. Es waren neun Häuser, die so groß waren und um die sich der Rest der deutlich niedrigeren Gebäude drängte.

Die Stadt lärmte vor Geschäftigkeit. Ferdinand fragte sich ob ihm das nur so vorkam, weil die Natur vorher so ruhig gewesen war, oder ob er sich das einbildete.

Er ritt gemächlich an einen Mann im Dreiteiler heran, der auf seine Uhr sah, und fragte: „Guten Tag, der Herr, ich suche das Pastorat des Ortes.“

„Da muss ich Sie enttäuschen, der Pastor ist tot, dort wird Ihnen nur die Haushälterin die Tür öffnen können“, erwiderte der Mann.

„Das trifft sich gut, denn ich bin der neue Pastor“, erwiderte Ferdinand und verbeugte sich so tief es ihm auf dem Pferd möglich war.

Der Mann sah ihn kurz überrascht an und lachte dann.

„Nun, wenn Sie meinen, trifft sich das wirklich. Ich bin der Hilfssheriff Tom FitzPatrick“, stellte sich der Mann vor.

„Angenehm“, nickte ihm Ferdinand zu.

„Ich schicke ihnen dann nachher mal Coppersmith vorbei. Er ist hier der Sheriff und ehrlich gesagt auch der Bürgermeister.“

„Selten, eine solche Doppelung.“

„Der alte Bürgermeister liegt im Krankenbett. Sumpffieber, wir werden sehen, ob er es schafft. Bis dahin gibt es aber keine gute Alternative zu Coppersmith“, stellte FitzPatrick fest. „So ist es am besten.“

„Sicher“, stimmte Ferdinand zu. „Wie komme ich zum Pastorat?“

FitzPatrick beschrieb ihm den Weg und Ferdinand machte sich auf den Weg.

Das Pastorat war ein am Rand der Siedlung gelegenes einstöckiges Haus mit einigen kleinen Wirtschaftsgebäuden daneben. Nicht weit davon erhob sich auf einem Hügel die hölzerne Kirche. Sie war aus Rundhölzern errichtet, anders als das mit Holzbrettern gebaute Pastorat.

Die Kirche war hoch und Ferdinand vermutete, dass ein skandinavischer Baumeister dafür verantwortlich war. Selten war eine Holzkirche so erhaben in ihrer Bauweise.

Er war noch nie in der Alten Welt gewesen, doch hörte er gern Geschichten von dort. Immerhin waren die Vorfahren einst von dort gekommen, um hier einen neuen Garten Eden zu errichten.

Ferdinand Rysum band sein Pferd am Zaun fest und klopfte ihm auf den Rücken.

„Bin gleich zurück, mein Guter“, stellte er fest und ging zur Haustür. Im Vorgarten waren diverse Kräuter und Nutzpflanzen angebaut. Sie ergaben die Form eines Kreuzes, wobei der Weg zur Tür einen der beiden Kreuzbalken darstellte.

Er klopfte dreimal fest gegen die Tür. Schritte kamen näher und schließlich machte ihm nach einer gefühlten Ewigkeit eine junge Frau auf. Sie hatte rabenschwarzes Haar und ihre Augen waren etwas zu schmal für Ferdinands Geschmack.

„Ja bitte?“, fragte sie. Sie trug ein dunkles Kleid, das hoch geschlossen war und ihr etwas Matronenhaftes gab.

„Ferdinand Rysum, der neue Pastor“, stellte er sich vor. „Ich wurde von Dean Traviss geschickt, er wollte mich postalisch ankündigen.“

„Das hat er“, stellte die Frau fest und musterte ihn. Die Zeit verstrich und langsam fühlte sich Ferdinand unwohl. Er wusste nicht genau wieso, doch diese Pause war einfach zu lange.

„Dann wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn sie mich einlassen würden“, stellte Ferdinand fest und sah sie erwartungsvoll an.

Sie nickte ruckartig und ließ ihn herein.

„Bitte, den Flur runter ist der Salon, dort können wir uns hinsetzen.“

Der Salon war ein hübscher lichtdurchfluteter Raum mit einer zweiflügeligen Tür. Im Inneren standen schwere Sessel mit Lederbezug und drei Regale, die eine ganze Wand ausfüllten. Sie waren vollgestopft mit Büchern, selbst auf den normalen Buchreihen lagen noch weitere Exemplare quer.

Ferdinand legte seinen Mantel und den Hut vorsichtig auf eine Stuhllehne und setzte sich. Die Haushälterin setzte sich ihm gegenüber.

„Ihr Name, gute Frau?“

„Meliassa“, erwiderte sie.

„Keinen Nachnamen?“

„Keinen.“

Er hob die Augenbrauen. „Bitte? Wie darf ich das verstehen?“

„Im Ort wissen es doch eh alle. Der alte Pastor nahm mich auf, fand mich im Wald. Vermutlich war meine Mutter ‘n Schlitzauge und wollte keinen Bastard, denn reinblütig bin ich sicher nicht“, stellte Meliassa fest.

Ferdinand musterte sie. Dann zuckte er die Schultern.

„Und, so sind Sie als Haushälterin hier gelandet?“

„Ja. Werd‘ ich es auch bleiben?“

Ferdinand merkte an der Beiläufigkeit, mit der sie das sagte, wie sehr es sie bewegte.

Das war der Grund für ihre Zurückhaltung.

„Seien Sie unbesorgt. Ich bewerte Sie, wie es der Herr tut: an Ihren Taten. Ich bin kein Freund der Erbsünde, Sie werden an sich gemessen.“

Sie sah Ferdinand kurz mit großen Augen an, dann lachte sie von Herzen.

„Sie klingen wie er. Ich mache uns mal einen Tee.“

Damit stand sie auf und ging in die Küche.

„Wie wer?“, rief Ferdinand ihr hinterher.

„Der alte Pastor. Pastor Jakob.“



9

Später am Nachmittag hatte Ferdinand sich alles zeigen lassen und seine Privatsachen eingeräumt, als der Sheriff an der Tür klopfte. Bei ihm war Tom FitzPatrick. Sheriff Will Coppersmith war ein älterer Mann mit Lederweste und Glatze, die er durch einen üppigen Backenbart zu kaschieren versuchte.

Der Sheriffstern prangte gut sichtbar an der Lederweste und an seiner Seite baumelte ein alter Colt. Es war ein Armeemodell, soweit kannte Ferdinand sich aus.

„Sheriff“, nickte Ferdinand ihm zu.

Er bat ihn in den Salon, Meliassa brachte ihnen Tee.

„Sie wirken gestresst, Sheriff“, stellte Ferdinand fest.

„Das is‘ nichts, was einem Prediger gefallen würde.“

„Erzählen Sie es mir bitte trotzdem. Ich möchte über die Belange des Ortes Bescheid wissen. Ich schätze es, dass es einen Wachhund unter den Schafen gibt“, stellte Ferdinand klar. „Ich schätze keine unnötige Gewalt, aber auch ich weiß, dass es Menschen gibt, mit denen man sich nicht einigen kann. Mit denen man nicht verhandeln, argumentieren oder sie auf den rechten Weg bewegen kann.“

Der Sheriff musterte ihn und nickte dann ruckartig.

„Wir machen eine Menschenjagd.“

„Eine Menschenjagd?“

„Sie wissen, was das ist?“

Ferdinand nickte. „Natürlich. Nur wieso machen Sie eine? Wem wird was zur Last gelegt?“

„Es ist ein Mann. Wir sind nicht ganz sicher, wie er heißt, er streift seit Wochen durch die Wälder und hat schon acht Leute auf dem Gewissen. Zumindest wissen wir das von denen. Ob er noch andere Reisende überfallen hat, kann ich nicht ausschließen.“

Ferdinand steckte sich eine Pfeife an und bot dem Sheriff ebenfalls eine an. Dieser lehnte ab.

„Aber einen Schluck könnte ich vertragen“, erwiderte er mit Blick auf eine Kristallflasche auf dem Tisch.

„Bedienen Sie sich“, sagte Ferdinand. Es war immerhin schon Nachmittag.

Pfeife stopfen und anzünden hatte auf Ferdinand immer etwas Beruhigendes, eine Handlung, die einem Zeit zum Nachdenken verschaffte.

„Wann wird es losgehen?“

„Direkt morgen früh. Wir müssen das selbst machen. Ich will nur Männer, denen ich vertraue. Hab über ein Kopfgeld nachgedacht, aber dann hat man gleich den ganzen Abschaum dabei“, stellte Coppersmith klar.

Ferdinand nickte. Er blies einen kleinen Rauchkringel in die Luft.

„Ich möchte sie begleiten.“

Coppersmith lachte und prustete in sein Glas. Kurz fiel die ganze Anspannung von ihm ab und Ferdinand erkannte einen fröhlichen Menschen in ihm. Dann legte sich seine Stirn wieder in Falten.

„Wieso sollte ein Prediger uns helfen? Wollen Sie ihn anlocken, mit Verlaub?“

„Ich denke, eine Jungfrau in Nöten wäre da attraktiver als ich“, erwiderte Ferdinand trocken. „Mir geht es darum zu helfen. Ich bin einige Monate mal mit ein paar Trappern gereist und kann in der Wildnis auf mich aufpassen.“

„Sie wollen Präsenz zeigen“, sagte Coppersmith und Ferdinand war sich nicht sicher, ob es Anerkennung oder Kritik in seiner Stimme war.

Ferdinand nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und blies wieder einen Rauchring. Ein nussiges Aroma verbreitete sich langsam.

Coppersmith betrachtete Ferdinand nachdenklich. Dann nickte er.

Er zog eine kleine Karte aus der Tasche.

„Die können Sie haben. Sehen Sie hier, dort ist das Gebiet, in dem Sie suchen werden. Wir durchkämmen das Gebiet mit drei Dutzend Mann. Jeder von ihnen hat eine Marke von mir bekommen, klein, rund, mit einem Kreuz. Ich lasse Ihnen eine zukommen. Das sind alte Münzen, die ich hab umschmieden lassen. Wenn Sie irgendwen finden und gefangen nehmen, haben Sie so die Sicherheit, dass es keiner von den eigenen Leuten ist.“

Ferdinand nickte anerkennend. „Dann danke ich Ihnen, dass ich dabei bin.“

Sie saßen noch ein wenig beisammen und unterhielten sich über den Ort und die letzten Wochen. Zudem bekam Ferdinand etwas genauer geschildert, wer verschwunden war.

Der Ort war nicht so groß, dass nicht jeder zumindest vom Sehen wusste, wer verschwunden war. Ob sie tot waren, wusste man nicht genau. Coppersmith hatte die vage Hoffnung, dass sie vielleicht an Schlepper verkauft worden waren und irgendwo in einer Miene arbeiteten. Dann könnte man sie retten. Ferdinand hoffte, dass er recht hatte, aber er äußerte seine Zweifel nicht. Was würde es bringen?



10

Am nächsten Morgen versammelten sie sich alle auf einer großen Lichtung. Mehrere Dutzend Männer waren dabei, unterschiedlichste Berufe. Alle hatten Pistolen oder Gewehre dabei, auch wenn einige der Waffen älter aussahen. Coppersmith hielt eine kurze Ansprache, dann ging es los.

Bald war Ferdinand alleine im Wald und führte sein Pferd am Zügel hinter sich her. Da sie sich sternförmig in alle Himmelsrichtungen ausbreiteten, war bald kaum noch etwas von den anderen zu sehen. Letztlich waren sie nur das Ablenkungsmanöver, hatte ihm Coppersmith im Vertrauen erklärt. Der Sheriff würde mit einem Fährtenleser losziehen, um den hoffentlich aufgescheuchten Mörder zu finden. Umso mehr Leute im Wald unterwegs waren, umso mehr behinderten sie sein Verstecken.



11

Bis zum Abend hatte Ferdinand immer noch niemanden entdeckt. Er entschied, dass er umdrehen musste, um vor Mitternacht zurück zu sein. Er wollte nicht, dass die anderen sich Sorgen machten. Plötzlich erkannte er die Silhouette von einem Menschen im Wald. Er legte die Hand auf die Pistole und rief: „Hey da. Hände so, dass ich sie sehen kann. Wer ist da?“

Der Mann hob die Hände wie befohlen und kam näher.

„Begrüßt man sich so, da wo Sie herkommen, Mister?“

„Tut mir leid, aber man muss vorsichtig sein“, stellte Ferdinand fest.

Der Mann nickte. Er trat noch näher, nun war er auf zwei Armlängen heran. Er wirkte heruntergekommen, zerschlissene Kleidung und eine Jacke, die zu groß war. Sein Bart war dicht und reichte bis unter die Augen.

„Vor was haben Sie denn Angst?“

„Vor wem, trifft es eher“, erwiderte Ferdinand.

„Haben Sie eine Marke?“, fragte der Mann. Ferdinand hob verblüfft die Augenbrauen.

„Sie wissen schon, alle, die suchen, haben eine“, stellte der Mann fest. Seine Stimme verriet Anspannung.

Ferdinand ließ die Waffe sinken und wollte ihm seine Marke reichen, da sprang ihn der andere an und entriss ihm seine Pistole.

Er schlug Ferdinand fest gegen das Gesicht.

Die Welt wurde dunkel.



12

Später erwachte Ferdinand, gefesselt an Händen und Beinen.

„Ah, Sie sind wach. Das tut mir leid“, erklärte der Mann. Sie saßen in einer kleinen Höhle. Es stank bestialisch. Ein Haufen roter Steine war es, der für den Geruch verantwortlich war.

„Sie“, murmelte Ferdinand und fühlte sich immer noch benommen.

„Ja, Sie waren nicht der erste mit Marke. Daher war das leicht“, stellte er fest. „Ich habe Sie beobachtet. Sie alle. Sie bekommen mich nie.“

Ferdinand versuchte sich zu konzentrieren.

„Wofür die Menschen entführen?“, brachte er hervor.

„Wegen des Goldes“, erklärte der Mann und aus seinen Augen blitzte es wahnhaft.

„Des Goldes?“, fragte Ferdinand

„Des Goldes!“, rief der Mann nun und deutete auf die rotbraunen Steine. „Umso mehr Blut es bekommt, umso mehr wird es. Damit werde ich reich, reich werd‘ ich.“

Ferdinand begriff schlagartig, wieso diese Steine verfärbt waren und woher der Gestank kam.

„Aber Sie sind doch schon reich“, stellte er fest, um Zeit zu gewinnen. Wenn all diese Steine in Wirklichkeit Nuggets waren, war der Mann in der Lage, sich nicht nur eine Ranch zu kaufen, sondern einen kleinen Staat.

Ferdinand versuchte dabei an ein Messer zu kommen, das er im Stiefel trug. Es war nicht groß, aber es würde reichen, sich zu befreien.

Der Mann sah ihn plötzlich irritiert an und schlenderte zum Gold. Er nahm eines der Nuggets und strich es zärtlich.

Ferdinand bekam endlich das Messer zu fassen und drehte es so, dass er in seine Handfessel schneiden konnte.

„Aber es wird immer mehr. Jetzt bin ich reich, aber wie wäre es, noch reicher zu sein? Nur etwas. Nur etwas weniger Sorgen haben“, murmelte er.

Ferdinand bekam endlich seine Hände frei. Er stand langsam auf und näherte sich dem Mann. Dieser bemerkte, was passierte und zog die Waffe.

Ferdinand warf sich auf ihn und schlug ihm so hart er konnte ins Gesicht, packte den Lauf der Waffe und drückte ihn nach oben. Sie rangen miteinander. Ein Schuss krachte und dröhnte durch die Höhle. Blut spritzte über Ferdinands Gesicht.

Der fremde Mann sackte nach hinten, ein Teil seines Gesichts fehlte.

Ferdinand spuckte Blut aus und betrachtete das Gold. Blut lief darüber und ließ es wirken, als wäre es in Bewegung.

Er atmete tief durch, dann packte er seine Sachen und nahm eine leere Munitionskiste.

Darin verstaute er die Nuggets und verließ die Höhle. Er konnte von hier aus die Stadt New-Theene sehen. Die Kiste hinter sich her schleifend, machte er sich auf den Weg. Der Mond schien hell und war bereits wieder auf dem Abstieg. Ferdinand wusste genau, was zu tun war. Der Mann hatte recht, dieses Gold war besonders.



13

„Sie sind sich sicher?“, fragt Coppersmith.

„Beerdigen wir ihn auf dem Friedhof. Egal wer es nun war, er hat Vergebung verdient“, erklärte Ferdinand. Er und der Sheriff saßen im Salon. Meliassa brachte beiden ein frisches Bier.

„Und der Rest?“

„Das Gold hat er sich eingebildet. Sie waren in der Höhle. Da war keines. Er war verrückt.“

„Nicht besessen?“, fragt Coppersmith mit Spott in der Stimme.

„Sheriff, es gibt böse Menschen. Gäbe es das Böse nicht, wie könnten wir Güte und Gnade erfahren?“, erwiderte Ferdinand scharf.

„Nichts für ungut“, sagte der Sheriff.

Ferdinand nickte und sah aus dem Fenster hinaus in den Garten.

Dort hatte er das Gold vergraben. Niemand würde es nehmen. Vielleicht würde er es irgendwann den Armen geben können ohne aufzufallen. Vielleicht würde sich dieser Zeitpunkt aber nie ergeben. Es war zu gefährlich, zu verdächtig, jetzt etwas zu tun. Er würde es erst einmal in sicherer Verwahrung behalten. Es war nie verkehrt, etwas in Reverse zu haben.

Der Sheriff würde es ihm schließlich nur wegnehmen, beschlagnahmen, und dann? Würde er es für sich behalten.

Nein, es war besser bei ihm aufgehoben, er würde darauf aufpassen.

Jetzt war er reich, was konnte besser sein? Außer vielleicht, noch reicher zu sein …


ENDE


McQuade – auf Gedeih’ und Verderb

Der Kopfgeldjäger Band 88

Western von Pete Hackett


Der Umfang dieses Buchs entspricht 47 Taschenbuchseiten.


Pete Hackett Western - Deutschlands größte E-Book-Western-Reihe mit Pete Hackett's Stand-Alone-Western sowie den Pete Hackett Serien "Der Kopfgeldjäger", "Weg des Unheils", "Chiricahua" und "U.S. Marshal Bill Logan".


Über den Autor

Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt - eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.

Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie "Texas-Marshal" und zahlreiche andere Romane.

Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie "Der Kopfgeldjäger". Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.


Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

McQuade ritt zwischen den Hügeln hervor und zügelte den Falben am Rand einer weitläufigen, tafelflachen Ebene. Sie erstreckte sich meilenweit nach Westen, Norden und Süden und war mit Kreosot, Mesquitesträuchern und niedrigen Kakteen bewachsen.

Gray Wolf legte sich neben dem Falben bäuchlings auf den Boden und bettete den mächtigen, grauen Schädel zwischen die Vorderläufe.

Der Kopfgeldjäger kniff die Augen zusammen, denn nordwestlich von ihm hatte er in der Ferne fünf Reiter entdeckt, die sich in nördliche Richtung bewegten, eine brodelnde Staubwolke hinter sich herzogen und wie Fremdkörper in dieser weitläufigen Ebene wirkten, die unter einem flirrenden Hitzeschleier lag und über der sich ein ungetrübter blauer Himmel spannte.

Die Reiter hielten auf die Berge zu, die sich in rauchiger Ferne als blaugraue Konturen abzeichneten, wie eine bucklige Grenze zwischen Himmel und Erde.

McQuades Blick wanderte über den westlichen Horizont. Er war ungefähr noch zehn Meilen vom Santa Cruz River entfernt. Die Ebene, auf der er sich befand, dehnte sich bis zum Fluss. Dort gab es auch vereinzelte Ansiedlungen, und er war sich sicher, dass Lester Bradley, auf dessen Spur er ritt und der dem Sheriff in Tucson tausend Dollar wert war, einen dieser Orte anritt. Der Mörder war nicht ausgerüstet für einen längeren Ritt durch die Wildnis, nachdem er ziemlich überstürzt aus Tucson fliehen hatte müssen. Er hatte sich zunächst nach Norden gewandt, war aber dann in den Tortillita Mountains nach Westen abgebogen. Dank Gray Wolf hatte McQuade die Spur des Outlaws in der Felswüste nicht verloren.

McQuade ließ den Blick weiter nach Südwesten schweifen, und er entdeckte etwas, das er hier in der Einöde am allerwenigsten erwartet hätte. Es waren einige Gebäude; allerdings waren sie so weit entfernt, dass sie dem Kopfgeldjäger sozusagen erst beim zweiten Hinsehen aufgefallen waren. Da waren auch Büsche, die sich nach Westen zogen und aus denen Bäume ragten und McQuade sagte sich, dass sie das Ufer eines Creeks markierten.

Bei den Gebäuden konnte es sich um eine Farm handeln. McQuade konnte allerdings keine Äcker oder Felder sehen. Er entschloss sich, den Gebäuden einen Besuch abzustatten. Vielleicht hatte sich in ihnen sogar Lester Bradley eingenistet, der ja keine Ahnung hatte, dass es einen Verfolger gab, der selbst in der Felswüste seine Spur nicht verloren hatte.

McQuade ruckte im Sattel und schnalzte mit der Zunge. Der Falbe prustete und setzte sich in Bewegung. Die stampfenden Hufe ließen kleine Staubfontänen wirbeln, das gebrochene Leder des Sattels knarrte und die Gebisskette klirrte.

Gray Wolf erhob sich widerwillig, dehnte den muskulösen Körper, gähnte und trottete schließlich hinter seinem Herrn her.

Nur langsam rückten die Gebäude näher. Und dann war ihnen der Kopfgeldjäger so nahe, dass er Einzelheiten erkennen konnte. Es war in der Tat eine Farm, aber sie musste schon vor langer Zeit verlassen worden sein. Alles wirkte grau in grau, heruntergekommen und verwahrlost, dem Verfall preisgegeben. Die Dächer waren zum Teil eingesunken, die Einfassungen eines Corrals und ein Pferches zusammengebrochen, auf dem staubigen Hof wuchsen mannshohe Disteln und eine Reihe anderer Unkräuter.

Es schien sich aber jemand auf der Farm zu befinden, denn an den bemoosten und von der Witterung gerissenen Holm, der ebenfalls einen ziemlich morschen Eindruck vermittelte, der aber noch seinen Zweck zu erfüllen schien, war ein gesatteltes Pferd geleint.

McQuade griff nach der Henry Rifle und zog sie mit einem Ruck aus dem Scabbard, repetierte und stellte das Gewehr mit der Kolbenplatte auf seinen Oberschenkel. Seine Rechte Hand umklammerte den Kolbenhals der Waffe.

Der Texaner verspürte Anspannung, er wirkte ausgesprochen konzentriert, jeder seiner Sinne war aktiviert. Die beiden unverglasten Fenster des Wohnhauses links und rechts der niedrigen Eingangstür muteten an wie schwarze, viereckige Löcher. Die grob zusammengenagelten Blendläden hingen schief in den Angeln und ließen sich wahrscheinlich gar nicht mehr schließen. Die Tür stand offen.

McQuade fiel auf, dass der Staub beim Holm und vor dem Haus von Pferdehufen aufgewühlt war. Also konnten die Spuren nicht alt sein. Andernfalls währen sie längst zugeweht gewesen. Waren die fünf Reiter, die er gesehen hatte, vielleicht sogar auf der Farm gewesen? Warum war dann einer zurückgeblieben?

McQuade fand keine Antworten auf seine Fragen und entschloss sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Rand des Hofes parierte er den Falben und rief: „Hallo, Farm! Ist jemand da?“

Seine Stimme entfernte sich von ihm und versank in der Stille.

McQuade erhielt keine Antwort.

Die Fragen, die ihn beschäftigten, wurden drängender.

„Gib Acht, Partner“, knurrte er. „Möglich, dass uns jemand bereits über die Zieleinrichtung eines Gewehres beobachtet.“ Sein Blick tastete sich über die windschiefen Schuppen und anderen Hütten hinweg, er war darauf eingestellt, gedankenschnell zu reagieren, die Anspannung in ihm wuchs und brachte seine Nerven zum Schwingen.

Gray Wolf fiepte leise, als wollte er seinem Herrn damit zu verstehen geben, dass er verstanden hatte. Und plötzlich glitt das Tier davon, stieß sich nach ein paar Schritten ab und jagte mit kraftvollen Sätzen über den Hof.

Nichts geschah.

McQuade hatte das Gewehr an die Seite genommen und sich den Kolben unter die Achsel geklemmt. Seine Linke hielt es am Schaft fest, der Zeigefinger der Rechten lag um den Abzug, die drei anderen Finger hatte der Kopfgeldjäger in den Ladebügel geschoben.

Der Wolfshund verschwand im Haus. Gleich darauf bellte er. Aber es war in keiner Weise aggressiv, sondern klang eher wie die Aufforderung an den Texaner, ihm ins Haus zu folgen.

Nach einem leichten Schenkeldruck stapfte der Falbe los. McQuade saß beim Wohnhaus ab, ließ die Zügel einfach hängen und ging auf sattelsteifen Beinen hinein. Von dem engen Flur zweigten zwei Türen ab, die linke war geöffnet und so betrat der Kopfgeldjäger diesen Raum.

Auf dem Boden lag eine verkrümmte Gestalt. Es war ein Mann, er lag auf dem Bauch, und im ersten Moment war McQuade davon überzeugt, vor einem Leichnam zu stehen. Gray Wolf hatte sich auf die Hinterläufe niedergelassen, ihm hing die Zunge ein Stück aus dem Maul, das Tier hechelte.

In dem Raum gab es kein einziges Möbelstück. Auf dem Fußboden lag fingerdick der Staub. Das Gesicht des Regungslosen lag seitlich am Boden und McQuade versuchte, sein Alter zu schätzen. Es war ihm nicht möglich, denn das Antlitz war schlimm verschwollen, wies Blutergüsse und kleine Platzwunden auf und war von einer dünnen Schicht aus eingetrocknetem Schweiß, Blut und Staub überzogen.

Der Hut des Mannes lag ein Stück entfernt am Boden.

Der Bursche atmete.

McQuade ging auf das linke Knie nieder und rüttelte ihn leicht am Oberarm. Der Mann stöhnte leise, öffnete die Augen aber nicht.

Der Texaner richtete sich wieder auf, ging nach draußen, holte seine Wasserflasche und kehrte ins Haus zurück. Er flößte dem Besinnungslosen etwas Wasser über die trockenen, rissigen und aufgeschlagenen Lippen. Irgendwann begann der Bursche zu schlucken, seine Lider flatterten und schließlich zuckten sie in die Höhe.

Verständnislos starrte er in das Gesicht über sich.

„Na endlich!“, stieß McQuade hervor. „Was war hier los? Wer hat Sie so übel zugerichtet?“

Die Lippen des Mannes zuckten, aber die Stimmbänder wollten ihm nicht gehorchen. Er brachte nur ein unverständliches Krächzen zustande. Aber in seine Augen kehrte das Leben zurück, er setzte sich ächzend und röchelnd auf, sein Kinn sank auf die Brust und sein Kopf wackelte vor Benommenheit.

„Erzählen Sie schon, Mister“, forderte McQuade. „Wer hat Sie so fürchterlich zusammengeschlagen.“



2

„Mein Name ist Shane Gordon“, murmelte der Mann.

Die Nennung des Namens elektrisierte den Kopfgeldjäger regelrecht. „Der Bank- und Postkutschenräuber?“, entfuhr es ihm ungläubig.

„Genau der“, bestätigte der ramponierte Bursche. „Ich wollte Schluss machen und setzte mich mit meiner Frau, die ich vor einigen Wochen in Arizona City geheiratet habe, ab.“

„Sie wollten Schluss machen? Womit? Mit Ihrem Dasein als Bandit?“

Gordon nickte mehrere Male, stöhnte und antwortete: „Ja. Ich hatte die Nase voll von diesem unsteten und gefährlichen Leben. Es ist nicht erstrebenswert, ständig gejagt zu werden und sein Dasein als Gesetzloser und Verfemter zu fristen. Joana hat mich gebeten, mit ihr die Bande zu verlassen und irgendwo neu zu beginnen.“

„Das aber passte Ihren Kumpanen nicht, wie?“, schloss der Texaner. „Die Blutergüsse und Platzwunden in Ihrem Gesicht sind wohl die Spuren ihrer Fäuste.“

„Sie haben uns hier eingeholt und mich zusammengeschlagen“, knirschte Gordon. „Joana haben diese dreckigen Bastarde mitgenommen. Vinson meinte noch, ehe er mich endgültig fertig machte, dass ich es mir ja überlegen könne, ob ich weiterhin mit ihnen reiten oder Joana nie wieder sehen will.“

„Vinson?“

„Gene Vinson. Die anderen heißen Raymond Bassett, Gary Burkott und Rob Lane.“

„Ich habe fünf Reiter nach Norden reiten sehen“, erklärte McQuade. „Das waren wohl Ihre ehemaligen Komplizen und Ihre Frau. Wenn Sie die Halunken vor die Wahl gestellt haben, wieder bei ihnen einzusteigen oder die Frau zu verlieren, müssen sie Ihnen doch auch gesagt haben, wo Sie sie gegebenenfalls finden können.“

„Flagstaff. Vinson meinte, dass sie dort oben eine Woche darauf warten würden, dass ich komme. Wenn ich mich bereit erkläre, wieder mit ihnen zu reiten, sagte er, sei ich willkommen. Wenn ich ihnen aber folge, um mich zu rächen und ihnen Joana abzujagen, würden sie mich töten. – Großer Gott, Joana ist diesen Schuften auf Gedeih’ und Verderb ausgeliefert. Keiner der Kerle kennt so etwas wie einen Ehrenkodex. Sie nehmen sich, was ihnen gefällt, und Joana ist eine schöne, begehrenswerte Frau.“

„Hat Joana auch an Ihren Überfällen teilgenommen?“

„Wo denken Sie hin? Sie hat mich doch dazu gebracht, damit aufzuhören. Ich war ernsthaft bereit, mit ihr ein neues Leben zu beginnen.“ Gordons Stimme sank herab. „Aber diese verdammten Aasgeier haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

„Nach Ihnen wird in Arizona und New Mexiko gefahndet, Gordon“, knurrte McQuade. „In Arizona sind auf Ihren Kopf fünfhundert Dollar Fangprämie ausgesetzt.“

Gordon machte Anstalten, aufzustehen. Er war mit einem Colt bewaffnet und McQuade hatte keine Ahnung, wie gefährlich der Bandit einzuschätzen war. Gordon hatte zwar bei keinem seiner hold ups Blut vergossen, aber bei Männern von seiner Sorte konnte man nie wissen, wie sie reagierten, wenn sie in die Enge gedrängt wurden.

„Sitzen bleiben, Gordon!“, gebot der Kopfgeldjäger daher und zog den Colt, ging halb um den sitzenden Banditen herum, bückte sich und zog ihm den Sechsschüsser aus dem Holster. Nachdem er das Eisen in seinen Hosenbund geschoben hatte und zurückgetreten war, sagte er: „Sie können jetzt aufstehen, Gordon. Aber kommen Sie lieber nicht auf irgendwelche dummen Ideen, denn es würde Ihnen schlecht bekommen.“

Der Bandit erhob sich ächzend und stöhnend. Es kostete ihn Überwindung, die seinen ganzen Willen erforderte. Er schaffte es, ging zum Fenster und stützte sich mit beiden Armen schwer auf die Fensterbank. Es war deutlich, dass er gegen die Benommenheit ankämpfte, die nach der Anstrengung des sich Erhebens gegen sein Bewusstsein anbrandete.

„Ich bringe Sie nach Florence zum County Sheriff, Gordon“, erklärte McQuade.

Den Banditen riss es regelrecht herum. Aber die jähe Bewegung löste eine erneute Welle der Benommenheit bei ihm aus, er griff sich an den Kopf und schloss die Augen. Erneut errang er die Kontrolle über seinen Körper und überwand den Taumel, schaute McQuade an und presste zwischen den Zähnen hervor: „Ich will ein neues Leben beginnen, Mister, aber nicht in den Steinbrüchen des Staatsgefängnisses. Außerdem kann ich Joana nicht ihrem Schicksal überlassen. Falls es Ihnen um die Fangprämie geht …“

„Mein Name ist McQuade“, unterbrach ihn der Kopfgeldjäger.

Gordon schien dieser Eröffnung sekundenlang hinterherzulauschen, plötzlich glitt der Schimmer des Begreifens über sein lädiertes Gesicht und er stieß hervor: „McQuade, den sie in meinen Kreisen auch den Bluthund nennen?“ Plötzlich schlug er sich mit der flachen Hand leicht gegen die Stirn. „Natürlich, ich muss blind gewesen sein. Ein Mann, der einen braunen Staubmantel trägt und von einem grauen Wolfshund begleitet wird. O verdammt, McQuade, ich hab von dir gehört. Hilf mir, Joana zu befreien. Die Kerle, in deren Gewalt sie sich befindet, sind insgesamt zweitausend Dollar wert. Du kannst das Geld haben, wenn es uns gelingt, meine Frau den Klauen der Schufte zu entreißen. Bitte, McQuade, ich …“

„Du bist ein Bandit, Gordon“, fiel ihm der Kopfgeldjäger mit klirrender Stimme ins Wort. „Okay, du hast keinen Mord oder sonst ein todeswürdiges Verbrechen begangen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass du ein Outlaw bist und dass ich Kerlen wie dir nicht über den Weg traue. Wer anderen ihr Hab und Gut wegnimmt, dem fällt es sicher auch nicht schwer, irgendwann einmal zum Revolver zu greifen und zu töten.“

„Niemals, McQuade. Ich versichere dir …“

McQuade winkte ab. „Keine Chance, Gordon. Ich bringe dich zum County Sheriff nach Florence.“

Jetzt duckte sich Shane Gordon ein wenig und nahm plötzlich eine sprungbereite Haltung ein. Seine Augen belauerten den Texaner, und der glaubte sogar ein ziemlich tückisches Glitzern darin wahrnehmen zu können. „Auf deinem Steckbrief steht zwar nicht tot oder lebendig, Gordon“, stieß der Kopfgeldjäger hervor, „aber wenn du mich angreifst schieße ich. Ich werde dich sicher nicht töten, aber eine Kugel im Oberschenkel ist wahrscheinlich nicht besonders angenehm. Also überleg es dir gut, ob du es versuchst oder lieber bleiben lässt.“

Auch Gray Wolf schien die Gefahr zu wittern, die unvermittelt von dem Banditen ausging, der Benommenheit, Schmerz und Schwäche überwunden zu haben schien und nun krampfhaft nach einem Ausweg suchte. Der Wolfshund hatte sich erhoben, seine Nackenhaare sträubten sich, er fletschte die Zähne und aus seiner Kehle stieg ein drohendes Knurren.

Gordon knirschte mit den Zähnen. Seine Kiefer mahlten. Der lauernde Ausdruck in seinen Augen blieb, seine Hände öffneten und schlossen sich.

McQuade zielte mit dem Revolver auf ihn. Jetzt spannte er mit dem Daumen den Hahn, klickend drehte sich die Trommel um eine Kammer weiter. „Entspann dich, Gordon“, riet der Texaner. „Du handelst dir nur ein Stück heißes Blei ein. Darüber hinaus machst du womöglich auch Bekanntschaft mit den Zähnen Gray Wolfs.“

Jetzt schien der Bandit einzusehen, dass er verloren hatte, denn er gab seine angespannte Haltung auf, in seinem Gesicht löste sich die Verkrampfung und seine Schultern sanken nach unten. Fast verzweifelt sagte er: „Wenn das Ultimatum verstreicht, das Vinson mir gesetzt hat, werden die Schufte über meine Frau herfallen wie wilde Tiere, McQuade. Das hat mir Vinson prophezeit. Alles, was sie Joana antun, musst du dir an deine Fahne heften. Denn du verhinderst, dass ich ihr beistehen kann.“

„Gib nicht mir die Schuld, Gordon“, knurrte McQuade. „Glaubst du ein Sheriff oder Marshal würde dich laufen lassen, wenn du ihm in die Hände gefallen wärst? Wohl kaum. Aber ich versichere dir, dass ich dafür sorgen werde, dass deine ehemaligen Kumpane deiner Frau kein Leid zufügen.“

„Wie, McQuade? Sag mir, wie du Joana helfen willst?“

„Florence liegt im Norden. Die Banditen sind mit deiner Frau ebenfalls nach Norden gezogen. Ihr Vorsprung beträgt nicht mal eine Stunde. Ich werde – nachdem ich dich dem Sheriff übergeben habe -, die Verfolgung der Bande aufnehmen und sie irgendwann in den nächsten Tagen einholen.“

„Joana wird dich hassen, weil du mich …“

„Das mag sein, doch das nehme ich in Kauf. Sie wird sicher nur eine unter vielen sein, die mir nicht freundlich gesinnt sind, weil ich einen ihrer Angehörigen auf diese oder jene Weise aus dem Verkehr gezogen habe.“

„Du bist unerbittlich, wie?“

„Wenn es darum geht, dem Gesetz Geltung zu verschaffen – ja.“

„Warum trägst du dann keinen Stern?“

„Mich legitimieren die Steckbriefe“, versetzte McQuade. „Gehen wir, Gordon.“ Der Kopfgeldjäger winkte mit dem Revolver. „Solltest du versuchen, das Blatt zu wenden, werde ich dich fesseln. Und noch etwas, Hombre: Ein neues Leben kannst du nur dann erfolgreich beginnen, wenn du mit der Vergangenheit abrechnest. Dazu gehört, dass du die Verantwortung für dein bisheriges Handeln übernimmst. Nur dann kannst du echt abschließen und dich einer Zukunft in Ruhe und Frieden zuwenden. Tust du das nicht, wird dich deine Vergangenheit immer wieder einholen und du musst dich ihr ein um das andere Mal stellen. Sie ist wie ein Dämon …“



3

Sie erreichten am Nachmittag des nächsten Tages die Countyhauptstadt. In der Stadt herrschte Alltag; Hämmern, Sägen, Kindergeschrei, Hundegebell, manchmal mischte sich das Wiehern eines Pferdes in diesen verworrenen Lärm.

Shane Gordon hatte keinen einzigen Versuch unternommen, seine Auslieferung an den Sheriff zu verhindern. Manchmal schien es McQuade, als wäre der Bandit direkt froh, auf diese Weise einen Schlussstrich unter sein bisheriges Leben ziehen zu können. Er hatte dem Kopfgeldjäger oft und viel von Joana erzählt, und McQuade war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Bandit die Frau über alles liebte.

Der County Sheriff war ein Mann um die vierzig, sein Name war Kane Dixon, und er erinnerte McQuade an einen alten, vernarbten Wüstenwolf. Von dem Gesetzeshüter ging etwas aus, das Vertrauen schaffte, er vermittelte aber auch Autorität, Unduldsamkeit und kompromisslose Härte.

Er hörte sich McQuades Geschichte an, dann suchte er den Steckbrief von Shane Gordon aus einem Packen anderer, die er in seinem Schreibtisch aufbewahrte, heraus, studierte ihn kurz und knurrte: „Ein paar Jahre wird man Ihnen wohl aufbrummen, Gordon. Welcher Teufel reitet einen Mann, der sich entschließt, Banken und Postkutschen zu überfallen und sich seinen Lebensunterhalt zusammenzurauben?“

„Man schlittert manchmal einfach hinein in dieses Leben“, antwortete Gordon und zuckte mit den Achseln. „Ich wollte, ich könnte einige Dinge rückgängig machen. Leider geht das nicht. Aber ich bin bereit, die Konsequenzen zu tragen. Deine Worte haben mir zu denken gegeben, McQuade. Du hast recht. Keiner kann vor seiner Vergangenheit fliehen. Also muss man sich ihr stellen.“

„Sehr vernünftig“, lobte der Gesetzeshüter und stemmte sich am Schreibtisch in die Höhe, wies auf eine Tür und knurrte: „Da hinein, Gordon. Hinter der Tür befindet sich der Zellentrakt.“ Er holte einen Schlüsselbund aus der Schreibtischschublade. Shane Gordon ging vor Kane Dixon her in den Zellenanbau. Gleich darauf hörte McQuade eine Zellentür scheppern und kurz darauf kehrte der Ordnungshüter ins Office zurück, setzte sich wieder hinter den Schreibtisch und heftete den Blick auf McQuade. „Sie haben sich fünfhundert Dollar verdient. Ich werde Ihnen einen Scheck ausstellen, den Sie bei der Bank einlösen können. Was haben Sie nun vor? Lester Bradley dürfte über alle Berge sein. Kehren Sie nach Tucson zurück?“

„Nein. Ich habe Gordon versprochen, seine Frau aus der Gewalt seiner Kumpane zu befreien. Ich habe die Schufte gesehen, kurz bevor ich Shane Gordon auf der verlassenen Farm fand. Ihr Vorsprung ist nicht allzu groß. Da ich ihr Ziel kenne, muss ich mich auch nicht mit Spurensuche abmühen.“

„Wann machen Sie sich auf den Weg?“

„Wenn ich mein Pferd getränkt und abgefüttert und mir etwas Proviant besorgt habe.“

„Ich wünsche Ihnen viel Glück, McQuade“, erklärte der Sheriff. „Verhindern Sie, dass diese niederträchtigen Banditen dieser Joana auch nur ein Haar krümmen.“

„Ich werde tun, was in meiner Macht steht“, versicherte der Kopfgeldjäger und erhob sich von dem Stuhl, auf dem er saß. „Go on, Partner. Vergeuden wir keine Zeit.“

Gray Wolf, der am Boden gelegen und gedöst hatte, erhob sich mit einem Ruck, hob die Nase und gab ein kurzes Aufheulen von sich.

Eine Stunde später verließ der Kopfgeldjäger die Stadt. Die Nase des Falben zeigte nach Norden. Die Sonne stand im Südwesten, war aber dem Punkt, an dem sie untergehen würde, näher als ihrem Zenit. Die Schatten wuchsen in die Länge. Einige hundert Yard nördlich der Stadt wälzte der Gila River seine schmutzig-braunen Fluten in Richtung Westen, wo er bei Arizona City (die Stadt erhielt später den Namen Yuma) in den Colorado River mündete.

Über den Fluss führte eine hölzerne Brücke. Die Hufe des Falben riefen ein dröhnendes Echo auf den Bohlen wach. Auf der anderen Seite des Flusses begann die Einöde; Hitze, Staub und toter Fels. Die Vegetation bestand in ungenießbarem Büschelgras, Comas, Ocotillos und Kakteen. Eine Ebene erstreckte sich bis hinauf zu den Superstition Mountains, einem wilden, menschenfeindlichen Gebiet mit nackten, zerklüfteten Felsen, Geröll- und gleißenden Sandhängen. Es wimmelte dort von Klapperschlangen, Eidechsen und Skorpionen. Nördlich des Gebirges befand sich Fort McDowell. Dazwischen hatte der Salt River sein Bett gegraben, der bei der kleinen Ansiedlung Phönix, bei der es ebenfalls einen Armeestützpunkt gab, in den Gila River mündete.

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