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Wie Hans von Friedberg den Frieden fand

Wie Hans von Friedberg den Frieden fand

 

 

Im schönen Hessenlande liegt am Fuße des malerischen Taunusgebirges das weltberühmte Bad Nauheim. Noch vor hundert Jahren war es ein kleines, unbedeutendes Städtchen; als man aber die warmen, heilsamen Quellen entdeckt hatte, wuchs es schnell, und von Jahr zu Jahr vermehrte sich die Zahl der Kranken und Leidenden, die dort Hilfe suchten.

Jetzt ist es eine schöne, feine, vornehme Stadt, und aus allen Ländern der Erde finden dort viele Kranke und Schwache neue Kraft und Heilung. Auch aus Amerika sind Tausende von Leidenden übers Meer gekommen, um die Badekur in Nauheim zu gebrauchen.

Von Bad Nauheim aus, in dessen herrlichem Park und in den schönen Wäldern der Umgegend Scharen von Menschen spazieren gehen, ist in wenigen Minuten mit der Eisenbahn das uralte Städtchen Friedberg zu erreichen. Dort findet man seltsame alte Häuschen und winklige Gässchen, aber auch die stattlichen Reste einer Burg aus grauer Vorzeit, die sich hoch über das Städtchen erhebt.

Schon als die Römer unser deutsches Vaterland zu erobern suchten, war Friedberg vorhanden, freilich nicht so, wie man sich jetzt eine Stadt denkt.

Es erhob sich aber schon ein festes Kastell, das heißt, eine kleine Burg, auf der Höhe, und im Tale hatten Hirten, Jäger und Bauern ihre Hütten gebaut.

Oft vom Feind bedrängt, einmal in römische, dann wieder in deutsche Hände fallend, bestanden Burg und Städtlein fort, bis es im Mittelalter endlich in den Besitz der deutschen Kaiser kam. Die setzten dann einen ihrer Vasallen oder Ritter auf die Burg; aber keiner von ihnen durfte sie sein Eigentum nennen.

Zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts war die Burg in den treuen Händen des Ritters Eberhard von Feuerbach und seiner Gemahlin Elsbeth. Da hatten die Knechte, Knappen und Bauern gute Zeit, denn die Herrschaft war fromm und mild gesinnt und sorgte treu für das Wohl der eigenen Leute.

Dennoch waren beide meist ernst, ja sogar traurig gestimmt, denn Gott hatte ihnen bisher kein liebes Kindlein gegeben, obwohl sie ihn oft inbrünstig darum gebeten hatten.

Endlich aber kam doch der Freudentag, da in der großen, mit allerlei Schnitzwerk geschmückten Wiege ein feines, überaus liebliches Knäblein lag.

Aber ach, bald sollte die Freude in Jammer verkehrt werden! Der zarten jungen Mutter, die im großen, hochlehnigen Ehebett lag, wurde plötzlich gar weh ums Herz. Das Antlitz wurde totenbleich und die weißen Hände zitterten.

„Mir wird so weh!“, flüsterte sie. „Reicht mir doch schnell mein Söhnlein!“

In Windeln gewickelt legten sie das Knäblein in die schwachen Arme der Mutter.

„Hans von Friedberg, suche den Frieden!“, flüsterte sie, drückte einen langen innigen Kuss auf die kleine, weiße Stirn und sank dann erschöpft zurück.

Leise legte man das Kindlein wieder in die Wiege. Schwer atmete die zarte Burgfrau.

Plötzlich aber verklärte sich ihr Antlitz; sie hob die matten Hände und rief mit schwindender Stimme:

„Jesus! O du, mein Heiland!“

Dann folgte ein kurzer Kampf, und die befreite Seele schwebte empor zu dem Heiland, den sie angerufen hatte.

Die Räume der Burg aber erfüllten sich mit bitterem Jammer. Alle klagten und weinten, denn die edle Frau war ihnen eine rechte Mutter gewesen.

Der Ritter aber saß am Lager der Toten so still, so regungslos, als sei er selbst gestorben.

Unverwandt ruhte sein Blick auf dem verklärten Antlitz der so sehr Geliebten.

Auch die alte Schaffnerin erhob ihre Stimme zu bitterer Klage.

„O wehe, wehe!“, rief sie händeringend. „Wie schnell musste die Holdselige ihr Leben lassen! O, hätte man doch noch Zeit gehabt, nach einem Priester zu senden, dass er ihr die Sterbesakramente reiche! Ach, wer wird der Armen nun die Himmelstür auftun?“

„Sei ruhig, Berchta“, mahnte der Ritter. „Rief sie doch selbst den größten Heiligen an, den es im Himmel und auf Erden gibt, den hochgelobten Gottes- und Mariensohn! Er ist der Herr des Himmels, und ich weiß gewiss, er hat ihr die goldene Tür aufgetan.

O, sie ist selig! Ich aber bin einsam und freudlos, und mein Söhnlein entbehrt die Mutter! Darum scheit und weint er so ängstlich!“

„Ach nein, lieber Herr“, sprach die Alte. „Vom Tode der Mutter ist ihm nichts bewusst; es hat nur Durst und will trinken!“

Damit hob sie das Knäblein aus der Wiege und versuchte ihm etwas Milch einzuflößen. Aber es schrie nur immer heftiger.

„Soll mein Sohn verhungern?“, rief der Ritter ganz außer sich. „Ist unterm Burggesinde nicht ein ehrbares Weib, das seine Amme werden könnte?“

„Auf der Burg eben nicht“, war die Antwort, „aber im Jägerhäuslein unten im Walde ist neulich ein Mägdlein geboren. Die Mutter ist jung, gesund und ehrbar.“

„So holt sie herauf mit ihrem Kinde; aber eilet!“

Ach, es dauerte doch ziemlich lange, ehe die frische, freundliche Jägersfrau mit ihrem pausbackigen Kindlein im Arm in die Kammer trat und schüchtern an der Pforte stehen blieb.

Das arme, mutterlose Burgherrlein aber fing eben wieder an, aus allen Kräften zu schreien, nachdem es ein wenig geschlummert hatte.

Sanft und zärtlich legte die Frau ihr eigenes Kind nieder und nahm den Herrensohn in ihre mütterlichen Arme.

Bald trank es mit vollen Zügen; seine Wänglein röteten sich, und endlich fiel es in einen langen, festen Schlaf.

„Willst du hier bleiben und meinen Sohn pflegen und nähren“, sprach der Ritter, „so will ich dir’s reichlich lohnen.“

„Gern will ich es tun“, erwiderte die Frau, „aber nicht um des Lohnes willen! Der frommen Edelfrau, die dort so bleich und still liegt, tue ich es zuliebe. Sie hat mich viel Gutes gelehrt, ja mir auch den Weg zum Himmel gezeigt. Meine zwei älteren Kinder sind wohlverwahrt bei der Ahne, die noch rüstig genug ist, die Hütte in Ordnung zu halten. Aber mein kleines Lenchen hier lasse ich nicht. Es ist gesund und stark und soll bald Kuhmilch trinken, damit dem Herrensohn nichts abgeht.“

„Du bist treu und brav“, sprach der Ritter. „Dein Lohn soll reich sein, wenn mein Sohn unter deiner Pflege gedeiht. Bleibe hier mit deinem Kinde.“

Als man der Amme mit den zwei Kleinen ein gutes Gelass eingeräumt hatte, sank der Ritter wieder am Totenbett seiner Gemahlin nieder und ließ erst jetzt seinem Kummer freien Lauf. Dazwischen gedachte er der Worte, die sie zu dem Kindlein gesprochen hatte:

„Hans von Friedberg, suche den Frieden!“

Was hatte sie damit sagen wollen? Es war ja eben jetzt kein Krieg im Lande. Auch konnte der irdische Friede kaum gemeint sein, denn diesen durfte ein Ritter nicht immer suchen. Wenn der Landesherr zum Krieg aufforderte, musste er ja folgen, hatte auch mit Raubrittern und allerlei gefährlichem Gesindel zu kämpfen.

„Sie hat den Frieden des Herzens gemeint, den sie selbst genoss, seit sie das Evangelienbuch von dem wandernden Händler gekauft hatte. Mir fällt leider das Lesen schwer, auch bin ich der lateinischen Sprache nicht mächtig, während sie sie schon als zartes Jungfräulein in der Klosterschule gelernt hatte.

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