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Von Bienen und Leitwölfen

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweis zum Urheberrecht
  2. Impressum
  3. Vorwort
  4. Zum Geleit
  5. Einleitung
    1. Erfolgsunternehmen Natur
    2. Beispiele aus der Natur sind anschaulich
    3. Metaphern aus der Natur
    4. Wie Sie dieses Buch nutzen können
  6. Leittiere
    1. Der König der Tiere – der fette faule Löwe
      1. Die hohe Kunst des Selbstmanagements
      2. Management by walking around
      3. Wie man sich den Löwenanteil sichert
      4. Im Ernstfall Krallen zeigen
      5. Harter Verdrängungswettbewerb
      6. Anregungen für das Business
    2. Der Leitwolf und sein Beta-Männchen
      1. Geteilte Rudelführung
      2. Der Leitwolf als Streitschlichter
      3. Wie Entscheidungen getroffen werden
      4. Jeder hält Kontakt zum Leitwolf
      5. Die Entthronung des Leitwolfs
      6. Nachfolger gesucht
      7. Der Club der „Klein-Alphas“
      8. Tyrannei in Gefangenschaft
      9. Anregungen für das Business
    3. Orang-Utans – der Ruf des sanften Paschas
      1. Der Ruf hält Konkurrenten klein
      2. Schutz für die Weibchen
      3. Anregungen für das Business
    4. Der fürsorgliche Graudrossling
      1. Vogelfutter vom Chef
      2. Wächterdienst und Hassen
      3. Anregungen für das Business
    5. Erfahrung führt – Management in der Elefantenherde
      1. Das phänomenale Ortsgedächtnis der Leitkuh
      2. Führung ohne Rivalität
      3. Führungspersönlichkeit gesucht
      4. Sanfte Dickhäuter im Ausnahmezustand
      5. Anregungen für das Business
    6. Initiatoren und Entscheider – wie Paviane einen Fluss überqueren
      1. Zu neuen Ufern aufbrechen
      2. Ranghohe Weibchen entscheiden
      3. Anregungen für das Business
    7. Der König der Lüfte – der Adler
      1. Jagen mit dem Adlerblick
      2. Anregungen für das Business
  7. Konkurrenz und Konflikte
    1. Der Hirsch und sein Geweih
      1. Stabile Verhältnisse im Revier
      2. Wie Hirsche kämpfen
      3. Der Rivale soll besiegt, aber nicht verletzt werden
      4. Nur gleichstarke Hirsche kämpfen
      5. Das Geweih als Symbol der Macht
      6. Anregungen für das Business
    2. Streitschlichter in der Affenhorde
      1. Die friedensstiftende Kraft von Versöhnungsritualen
      2. Die Horde fördert die Versöhnung
      3. Paradoxe Intervention bei den Gorillas
      4. Schimpansenweibchen stiften Frieden
      5. Langurenmännchen schreiten sofort ein
      6. Lernen von den Bärenmakaken
      7. Anregungen für das Business
    3. Gesträubtes Fell und tiefe Laute – so funktionieren Drohsignale
      1. Größe zeigen
      2. Verletzte Ansprüche
      3. Drohduelle
      4. Der Morgengesang der Nachtigall
      5. Die Zuverlässigkeit der Signale
      6. Zähne zeigen
      7. Die Drohung als Ursprung von Verhandlungen
      8. Anregungen für das Business
    4. Machtkämpfe unter Meerschweinchen
      1. Konfliktscheue leben schlechter
      2. Karrieristen machen sich das Leben zur Hölle
      3. Soziale Kompetenz unter Meerschweinchen
      4. Anregung für das Business
    5. Verlierer sind gefährlich – die „umgeleitete Aggression“
      1. Die „umgeleitete Aggression“
      2. Underdogs und Sündenböcke
      3. Wenn Wechselmännchen Weibchen jagen
      4. Der Hormonhaushalt der Sieger
      5. Anregungen für das Business
    6. Affentaktik – warum nicht immer der Stärkste die Alphaposition erobert
      1. Zwei gegen einen
      2. Sechs gegen einen
      3. Zermürbungstaktik
      4. Auf der Alphaposition
      5. Anregungen für das Business
    7. Tupajas im Dauerstress
      1. Weglaufen, wenn der Sieger kommt
      2. Lernblockaden unter feindlicher Beobachtung
      3. Anregungen für das Business
    8. Stressmanagement bei den Zebras
      1. Der Stressauslöser
      2. Erst loslaufen, wenn Gefahr droht
      3. Anregungen für das Business
    9. Die Faultier-Strategie – der Triumph der Trägheit
      1. Die Entdeckung der Langsamkeit
      2. Schläfrigkeit als Waffe
      3. Anregungen für das Business
  8. Teamarbeit und Kooperation
    1. Die wahre Delfinstrategie
      1. Jeder Tümmler kennt seinen Namen
      2. Cliquen, Gangs und Schulen
      3. Die Sardellenjagd
      4. Anregungen für das Business
    2. Der Fink und die Riesenschildkröte – das Erfolgsgeheimnis ungleicher Partner
      1. Vogelballett und Wagenheberstarre
      2. Eine exklusive Partnerschaft
      3. Ein doppeltes Missverständnis
      4. Anregungen für das Business
    3. Wie die klugen Piranhas versorgen
      1. Die nützlichen Killer
      2. Einkreisen und zuschnappen
      3. Goldfische im Überfluss
      4. Verdauungsarbeit richtig einteilen
      5. Anregungen für das Business
    4. Die blutspendenden Vampire – wie du mir, so ich dir
      1. Die Vampirgesellschaft
      2. Trittbrettfahrer gehen leer aus
      3. Solidarität unter Blutsaugern
      4. Anregungen für das Business
    5. Kooperation unter Beobachtung
      1. Einen guten Ruf aufbauen
      2. Affen und Hunde achten auf die Blickrichtung
      3. Überwachen und strafen
      4. Die Augen des Milchautomaten
      5. Anregungen für das Business
  9. Organisation und Selbstorganisation
    1. Hackordnung im Hühnerhof
      1. Die steilstmögliche Hierarchie
      2. Wer nach oben will, muss hacken
      3. Auch Hähne müssen sich nach oben durchkämpfen
      4. Gruppen kapseln sich gegeneinander ab
      5. Anregungen für das Business
    2. Mitarbeiterorientierung bei den Zwergmungos
      1. Karriere im Matriarchat
      2. Krankenpflege für alle
      3. Sanfte Betamännchen
      4. Der riskante Dienst als Wachtposten
      5. Anregungen für das Business
    3. Vom Nutzen der trägen Graumulle
      1. Die Dicken suchen das Weite
      2. Anregungen für das Business
    4. Der zellige Schleimpilz – wie sich Amöben zu einem Superorganismus zusammenschließen
      1. Nahrungsmangel? Amöben bauen einen Superorganismus
      2. Die Intelligenz sitzt in den Beziehungen
      3. Anregungen für das Business
    5. Die wundersame Welt der Parasiten
      1. Parasitismus – eine beispiellose Erfolgsgeschichte
      2. Die schrecklichen Schlupfwespen
      3. Der Parasit manipuliert das Immunsystem
      4. Die feindliche Übernahme des Gehirns
      5. Wer sich gegen Parasiten wehrt, riskiert sein Leben
      6. Die Lenker der Evolution
      7. Was Parasiten wissen müssen
      8. Der Parasit als Partner
      9. Anregungen für das Business
  10. Werbung und Marketing
    1. Imagepflege – die Federn des Pfaus
      1. Weibchen mögen bunte Vögel
      2. Der Gewinner bekommt fast alle
      3. Die „Selbstläufer“-Hypothese
      4. Jenseits des Nützlichkeitsprinzips
      5. Die Rationalität der Pfauenweibchen
      6. Anregungen für das Business
    2. Die Schwänze der Rauchschwalben – warum letztlich Qualität zählt
      1. Flugshow als Werbung
      2. Jedes Jahr aufs Neue überzeugen
      3. Das Drama der Turboschwalben
      4. Anregungen für das Business
    3. Warum Blumen duften
      1. Wie man Bienen anlockt
      2. Blumen brauchen Kundenbindung
      3. Die betrügerischen Orchideen
      4. So „spammt“ die Natur
      5. Anregungen für das Business
    4. Netzkunst – so jagen Spinnen
      1. Spinnen überwachen ihre Netze
      2. Standortanalyse
      3. Anregungen für das Business
    5. Balztänze für den Kunden
      1. Der Klassiker: der Dreistachlige Stichling
      2. Das Birkhuhn sucht den Superhahn
      3. Paradiesvögel brauchen eine Bühne
      4. Der Paartanz der Haubentaucher
      5. Anregungen für das Business
    6. Service-Orientierung beim Putzerfisch
      1. Was Putzerfische wirklich wollen
      2. Individuelle Kundenpflege
      3. Servicequalität unter Beobachtung
      4. Laufkunden vor Stammkunden
      5. Anregungen für das Business
    7. Die wundersame Selbstvermehrung von Informationen – virales Marketing
      1. Klein und gemein
      2. Eine fatale Bauanleitung
      3. Viren auf der Fahndungsliste des Immunsystems
      4. Auf der Suche nach einer geeigneten Zelle
      5. Mit wenigen Genen zum Erfolg
      6. Und immer schön flexibel bleiben
      7. Anregungen für das Business
  11. Tarnen und Täuschen
    1. Die besten Mimikry Methoden
      1. Der Vorteil giftig zu erscheinen
      2. Die Kopie gefährdet das Original
      3. Schmetterlinge in der Doppelrolle
      4. Wespensignale – die Müller'sche Mimikry
      5. Stachellose Männchen und Schwebfliegen
      6. Satyrmimikry – Stümper leben länger
      7. Anregungen für das Business
    2. Der Kuckuck und die Geierschildkröte
      1. Dreistes Outsourcing – der Kuckuck
      2. In den Nestern von 180 Vogelarten zu Hause
      3. Perfekt auf die Wirtsvögel abgestimmt
      4. Das Geschäft wird immer härter
      5. Anregungen für das Business
    3. Die raffinierten Glühwürmchen
      1. Die Tricks der Photuris-Weibchen
      2. Die Tricks der Männchen
      3. Komplexität als Schutz gegen Betrüger
      4. Anregungen für das Business
    4. Transparenz als Tarnung – so machen Quallen Beute
      1. Die Zenbuddhisten der Meere
      2. Fressen und nicht gefressen werden
      3. Der Erfolg der großen Zahl
      4. Empfindlich im Aquarium
      5. Anregungen für das Business
    5. Kleine Vögel, kleine Lügen
      1. Der Nutzen der Arbeitsteilung
      2. Wer einmal lügt, dem glaubt man doch
      3. Anregungen für das Business
    6. Mantelpaviane und Truthähne – wie man den Boss austrickst
      1. Je größer das Harem, desto schwieriger die Kontrolle
      2. Die heimlichen Helfer
      3. Als „Beimännchen“ auf der Balz
      4. Anregungen für das Business
    7. Die Kunst zu bluffen – der Hammer des Heuschreckenkrebses
      1. Verdrängungswettbewerb im Felsenriff
      2. Wie der Heuschreckenkrebs seine Höhle verteidigt
      3. Wie der Bluff funktioniert
      4. Anregungen für das Business
  12. Innovation und Wachstum
    1. Der Wagenheber-Effekt oder die kreativen Affen
      1. Ein Experiment mit unerwartetem Ausgang
      2. Die Entdeckung des Wagenheber-Effekts
      3. Anregungen für das Business
    2. Laborratten in der „Effizienzfalle“
      1. Phase eins: Einfach mal loslaufen
      2. Phase zwei: Lernen
      3. Phase drei: Betriebsblindheit
      4. Anregungen für das Business
    3. Wie Bakterienkulturen wachsen
      1. „Boom and bust“-Phasen bei den Bakterien
      2. Bakterien im Fließgleichgewicht
      3. Anregungen für das Business
    4. Sukzession – wie Pflanzen einen Lebensraum neu besiedeln
      1. Unkraut und Opportunisten zuerst
      2. Der Boden und die Tiere reden mit
      3. Erst wächst die Vielfalt, dann geht sie zurück
      4. Gründerkontrollierte Lebensgemeinschaften
      5. Anregungen für das Business
    5. Die Entwicklungsgeschichte der Seescheide
      1. Unser nächster Verwandter unter den Wirbellosen
      2. Anregungen für das Business
  13. Evolution
    1. Die natürliche Auslese
      1. Ein universeller Mechanismus
      2. Der „Kampf ums Dasein“: Sich durchsetzen und anpassen
      3. Fortschritt durch Kopierfehler
      4. Die Erfolglosen verschwinden
      5. Anregungen für das Business
    2. Es lebe die Vielfalt – die Erfindung der Sexualität
      1. Spezialisten brauchen stabile Verhältnisse
      2. Monokulturen leben gefährlich
      3. Wie man schädliche Mutationen loswird
      4. Wenn Schwächen zu Stärken werden
      5. Austausch wird belohnt
      6. Partner gesucht
      7. Anregungen für das Business
    3. Die Entstehung der Arten
      1. Die Theorie vom „unterbrochenen Gleichgewicht“
      2. Kambrische Explosionen
      3. Artbildung durch Abspaltung
      4. Anregungen für das Business
    4. Wettlauf auf der Stelle – die „Red-Queen-Hypothese“
      1. Verbessert sich einer, muss die Konkurrenz nachziehen
      2. Vorsprung belebt das Geschäft
      3. Viele Wettläufe bremsen die Konkurrenz
      4. Anregungen für das Business
    5. Wie die Vögel fliegen lernten
      1. Vom Baumhüpfer zum Flieger
      2. Die Saurier sterben aus, die Vögel bleiben
      3. Die Zukunft liegt in der Luft
      4. Anregungen für das Business
    6. Evo-Devo – oder wie wenig uns vom Fadenwurm trennt
      1. Baupläne der Natur
      2. Vielfalt durch Genschalter
      3. Als die Fische laufen lernten
      4. Anregungen für das Business
    7. Evolutionäres Entscheidungsmanagement
      1. Das Entscheidungsprogramm der Grabwespe
      2. Natürliche Entscheidungsprozesse im Beruf
      3. Das implizite Wissen der Profis
      4. Die Illusion der Planbarkeit
      5. Die „blinden Flecken“ in unserem Denken
      6. Schwarze Schwäne
      7. Anregungen für das Business
  14. Schwarm-Intelligenz
    1. Kleine Schritte, klare Ziele – der Termitenmanager
      1. Die ersten Staatengründer der Naturgeschichte
      2. Die Organisation der Termiten
      3. Meisterwerke der Baukunst
      4. Eine Millionenstadt im Erdhügel
      5. Die drei Geheimnisse des Termitenhügels
      6. Selbstorganisation im Termitenhügel
      7. Verlagerung von Komplexität in die Umwelt
      8. Der stille Strom der Information
      9. Anregungen für das Business
    2. Verborgene Ordnung – das Geheimnis der hundertsten Ameise
      1. Eine einzelne Ameise lernt nichts dazu
      2. Krabbelnde Hirnzellen
      3. Rhythmus und Ringe
      4. Chaos schlägt in Ordnung um
      5. Anregungen für das Business
    3. Die Schwarm-Intelligenz der Heringe
      1. Die Kunst des Formationsschwimmens
      2. Ein Superorganismus, den niemand überblickt
      3. Jeder orientiert sich an seinem Nachbarn
      4. Drei simple Regeln zur Selbstorganisation
      5. Wenn „Outlaws“ die Kontrolle übernehmen
      6. Vögel und Karibus machen es genauso
      7. Anregungen für das Business
    4. Die Weisheit des Bienenstocks
      1. Im Innern des Bienenstocks herrscht Sauberkeit
      2. Das Geheimnis der Körpersprache
      3. Bienenfüßchen geben Feedback
      4. Spin off im Bienenstock
      5. Ein Schwarm auf Wohnungssuche
      6. Die Kundschafterinnen auf Standortsuche
      7. Abstimmungsprozesse unter Bienen
      8. Anregungen für das Business
    5. Heuschrecken – die „lebenden Teppiche des Teufels“
      1. Anregungen für das Business
    6. Die Spur der Düfte – wie Ameisen ihre Straßen anlegen
      1. Das Navigationssystem der Wüstenameisen
      2. Anregungen für das Business
  15. Epilog
  16. Über den Autor
  17. Literatur
  18. Stichwortverzeichnis

[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Abbildung

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Vorwort

Lernen von der Natur, das war die Grundidee des Buchs „So managt die Natur“, das im Herbst 2003 herauskam, sich einige Wochen auf der Bestsellerliste „Wirtschaftsfachbuch Deutschland“ der Financial Times Deutschland halten konnte und seit einiger Zeit restlos vergriffen ist. Zunächst plante der Verlag eine Neuauflage, doch hatte sich so viel neues Material angesammelt, dass ich das Buch noch einmal komplett umarbeiten wollte. Nun, das hat einige Zeit in Anspruch genommen – nicht nur weil ich zwanzig Kapitel neu hingefügt habe, sondern weil ich mich auch von vielen Abschnitten trennen musste. Alle Texte habe ich noch einmal überarbeitet, manches gestrafft und manches hinzugefügt. Dabei habe ich versucht, dem Buch eine etwas andere Richtung zu geben. Die Beispiele aus der Natur stehen nun ganz im Vordergrund. Sie hatten zwar schon im ersten Buch eine wichtige Rolle gespielt, doch hatte da das Konzept der „Organisation als lebendes System“ noch starkes Gewicht bekommen. Dadurch war das Buch etwas uneinheitlich. Deshalb habe ich hier auf die Überlegungen zu den „lebenden Systemen“ und ihrer Steuerung verzichtet. Stattdessen greifen wir hinein ins Leben der wilden Tiere, betrachten Orang-Utans im Urwald von Sumatra, Kolonien von Graumullen, die in Südafrika unter der Erde leben, raffinierte Glühwürmchen, die sich gegenseitig austricksen, und Termiten, die architektonische Wunderwerke in die Savanne bauen. Von ihnen und ihren vielfältigen Leistungen wollen wir uns anregen lassen. Konsequenterweise heißt das Buch nun auch nicht mehr „So managt die Natur“, sondern „Von Bienen und Leitwölfen“.[2]

Den Anstoß für diese Neufassung habe ich nicht zuletzt durch die Vorträge bekommen, die ich für verschiedene Unternehmen und Organisationen zu diesem Thema gehalten habe. Etwa für Accenture, BVF Finanzberatung, Döhler Group, envia Mitteldeutsche Energie AG, Kirson Industrial Reinforcements, Mölnlycke Health Care, Proseat, SAP, Sick Sensor Intelligence, Siemens, Synthesis Persönlichkeits- und Unternehmensentwicklung, Universitätsklinik Mainz, Verdi und Vossloh. Für die vielen anregenden Gespräche möchte ich mich bedanken. Viele Ideen und Anregungen sind in dieses Buch eingegangen.

Weiterhin habe ich für dieses Buch zahlreiche Interviews und Hintergrundgespräche geführt, darunter mit dem Oxforder Zoologen Alexander Kacelnik, der eine Unternehmensberatung gegründet hat, mit dem Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt, mit Eric Bonabeau, der das Konzept der Schwarm-Intelligenz internationale bekannt gemacht hat, mit dem Primatologen Frans de Waal von der Emory Universität, mit dem Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Gerd Gigerenzer, auf den viele Ideen in dem Abschnitt über „evolutionäres Entscheidungsmanagement“ zurückgehen, und mit dem Physiker Marco Wehr, der – ohne es zu wissen – mit seinen Anmerkungen über das Pantoffeltierchen den Anstoß für das erste Buch gegeben hat. Bei ihnen allen möchte ich mich bedanken.[3]

Zuletzt noch eine Anmerkung in eigener Sache: Wenn Sie Interesse an einem Vortrag zum Thema haben, nehmen Sie Kontakt auf mit der Agentur für Helden (www.agentur-fuer-helden.de) oder wenden Sie sich direkt an mich (über den Verlag).

München, im Juli 2008

Matthias Nöllke

Zum Geleit

Matthias Nöllke vermittelt uns in seinem Buch „Von Bienen und Leitwölfen“ erstaunliche Einblicke in faszinierende Verhaltensweisen einer vielfältigen Tierwelt. Seine Betrachtungen reichen von einfachen Organismen bis hin zu unseren nächsten Verwandten, den anderen Primaten. Nöllke hat die Fakten und die Literatur gewissenhaft studiert. Das haben vor ihm schon viele gemacht, die Erkenntnisse sind meist auf akademischem Boden versickert. Doch dieses Buch unterscheidet sich von vielen anderen. Der Wissenschaftsjournalist Matthias Nöllke spricht eben nicht nur „Von Bienen und Leitwölfen“: Er stellt ganz klar den Menschen in den Mittelpunkt![4]

Matthias Nöllke hat uns mit seinem Buch nicht nur einen Spiegel vorgehalten, sondern einen Schlüssel in die Hand gedrückt, der es jedem von uns ermöglicht, mit einfachsten Mitteln das Leben in der Gemeinschaft zu begreifen.

Doch, kann man Mensch und Tier überhaupt miteinander vergleichen? Die Entwicklung der Lebewesen auf unserem Planeten hat in zigmillionen Jahren zwar eine unglaubliche Vielfalt zugelassen, jedoch bewährte Grundprinzipien kontinuierlich mitgenommen. Jedes Kind lernt beispielsweise in der Schule, dass Wirbeltiere, zu denen auch wir Menschen zählen, mit den gleichen Organen ausgestattet sind.

Ein intaktes Organsystem war ebenso eine Voraussetzung, um in der Evolution zu überleben, wie sinnvolles Verhalten. Wenn wir nun die gleichen Organerkrankungen wie der Wolf bekommen können, obwohl wir uns in der Stammesgeschichte schon seit ca. 60 Millionen Jahren getrennt entwickelt haben, warum sollten dann nicht auch bewährte Verhaltensweisen dieses Rudeltieres für uns Menschen der heutigen Generation von Bedeutung sein?

Die Unterschiede zwischen Menschen und den „anderen“ Tieren sind viel kleiner, als wir uns krampfhaft einzureden versuchen. Im Wesentlichen haben wir mit der Weiterentwicklung des Gehirns und der Vergrößerung der Gehirnrinde Bewusstsein, Selbstbewusstsein dazugewonnen. Wir können vermehrt reflektieren und beschäftigen uns intensiver mit Vergangenheit und Zukunft und, im Gegensatz zu allen anderen Tieren, fürchten wir uns vor dem Tode.[5]

Als Gegenstrategie haben wir Ideologien und Religionen entwickelt. Aber all das kann unser angeborenes Verhalten lediglich überdecken, keinesfalls auslöschen.

Vergleiche zwischen Mensch und Tier gibt es inzwischen in viele Lebensbereichen. Ich selbst werde als Tierarzt und Zoodirektor seit Jahrzehnten launig um Mensch-Tier-Vergleiche gebeten. Nicht nur für Sternzeichen müssen tierliche Verhaltensmuster zurechtgeschneidert werden, Zoodirektoren müssen auf Grund ihres etwas exotischen Berufs die jeweils agierenden Politiker mit Tieren vergleichen und auch im Alltagsleben werden Mitmenschen oft leider meist in abwertender Weise – mit Tieren verglichen.

Der legendäre Biologe, Tierfilmer und Unterwasserforscher Hans Hass hat jahrelang auf Basis evolutionärer Themen Vorlesungen an der Wirtschaftsuniversität in Wien gehalten, so wie auch heute noch Zoofachleute in der Managementfortbildung und der Mitarbeiterschulung gefragt sind.

Matthias Nöllke hat wohl als Erster derartig umfassend einen Bogen über die Verhaltensweisen in der Tierwelt gespannt. Und er war auch vorsichtig genug, auf direkte Vergleiche mit dem Menschen zu verzichten, wahrscheinlich, um die Hüter der reinen Lehre nicht zu provozieren. Aber auch das am weitesten verbreitete Buch dieser Erde, die Bibel, hat sich damit begnügt, in Bildern (Metaphern) zu sprechen und dies dürfte wohl auch das Geheimnis ihres Erfolgs sein. Wir wollen Geschichten hören, die anschaulich sind, die wir verstehen und mit deren Figuren wir uns identifizieren können. Beim Buch „Von Bienen und Leitwölfen“ sind die Leserinnen und Leser stets mitten im Geschehen, sie fühlen sich nicht nur angesprochen, sondern sehen sich meist auch selbst als eines der handelnden Gruppenmitglieder.[6]

Ich bin glücklich darüber, dass es dieses Buch gibt. Und eigentlich sollte man jedem Menschen, dem man Gutes wünscht, dieses Buch ans Herz legen noch besser auf den Gabentisch.

Wien, August 2008

Prof. Dr. Helmut Pechlaner, Vorsitzender des Universitätsrates der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Präsident des WWF Österreich

Einleitung

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte kürzlich der Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman-Sachs Alexander Dibelius zur aktuellen Finanzkrise: „Dass exponentielle Entwicklungen auf Dauer nicht durchzuhalten sind, lehrt schon die Biologie. Eine Bakterienkultur kann für eine gewisse Zeit exponentiell wachsen, aber irgendwann reicht der Nährstoff nicht mehr und sie bricht plötzlich zusammen. Man tut sich jedoch schwer zu erkennen, wann solch eine Entwicklung endet, wenn man selbst mitten drin steckt.“

Noch vor einigen Jahren hätte der Vergleich von Business und Bakterien vermutlich Befremden ausgelöst. Heute ist das anders. In Wirtschaft und Politik werden gerne Bezüge zur Natur hergestellt. Ob es sich um Alphatiere, Bienen, Löwen, Zugvögel, Wölfe, Affen, Elefanten oder Amöben handelt. Auch Themen wie Symbiose, Schwarmbildung und vor allem die Evolution werden im Zusammenhang mit Management, Marketing und Unternehmensstrategien erörtert.[7]

Erfolgsunternehmen Natur

Warum ist das so? Nun, zunächst einmal ist die Natur eine ausgezeichnete Lehrmeisterin, die eine ganze Fülle von Anregungen bereithält. In der Produktentwicklung kennt man diesen Ansatz schon länger. Bionik heißt das Konzept, natürliche Lösungen auf technische Sachverhalte zu übertragen. Der Bionik verdanken wir so nützliche Erfindungen wie den Klettverschluss, den Tarnanzug für Soldaten, Kleinflugzeuge, die nach dem Prinzip der fliegenden Fische konstruiert sind, Abflussrohre, die nicht so schnell verstopfen, und vieles, vieles mehr. Doch auch in Sachen Business können wir von der Natur lernen. Immerhin gibt es kein vom Menschen erfundenes System, das so erfolgreich und ökonomisch wirtschaftet wie die Natur. Der Kybernetiker Frederic Vester hat es einmal so ausgedrückt: „Die Natur ist ein Erfolgsunternehmen, das in Millionen Jahren nicht pleite gemacht hat.“

Vielleicht runzeln Sie die Stirn: Ist es überhaupt sinnvoll, von einem erfolgreichen Unternehmen zu sprechen, wenn es um die doch sehr umfassende Natur geht? Im wörtlichen Sinne natürlich nicht. Dennoch haben Ökonomie und Natur sehr viel mehr miteinander zu tun, als uns vielleicht bewusst ist. Nehmen wir nur vier Beispiele:

  • Wettbewerb: Auf keinem Markt herrschen so harte Bedingungen wie in der Natur. Es geht nicht nur um das Fressen und Gefressen werden. Das Prinzip der Konkurrenz herrscht überall. Es wird um Futterplätze, Fortpflanzungspartner und Jagdreviere konkurriert, ja sogar um Ruheräume. Und alle Mittel sind erlaubt.[8]

  • Organisation: Ein zentrales Erfolgsprinzip in der Natur heißt Organisation. Wölfe tun es, Ameisen tun es, Piranhas und Delfine tun es auch: Sie schließen sich zusammen und vollbringen gemeinsam die erstaunlichsten Leistungen. Dabei finden wir in der Natur eine ungeheure Vielfalt von Organisationsformen: locker verbandelte, „multikulturelle“ Vogelschwärme, variable Delfinteams, despotisch geführte Affenhorden, riesige, hochkomplexe Termitenstaaten und vieles, vieles mehr.

  • Kundenansprache: Der biologische Erfolg eines Organismus hängt in hohem Maße davon ab, dass sich ein passabler Fortpflanzungspartner für ihn entscheidet. Tiere und Pflanzen müssen daher werben. Pflanzen werben um Insekten, die die Bestäubung für sie erledigen; bei einigen Tieren gibt es Balztänze und Lockrituale. Kurz gesagt, in der Natur finden wir einige interessante Strategien, wie man eine attraktive, höchst wählerische Zielgruppe anspricht und an sich bindet. Und auch hier sind alle Mittel erlaubt.

  • Ressourcenmanagement: Niemand muss so ökonomisch denken und handeln wie Tiere und Pflanzen. Jede Jagd, jede Futtersuche, jeder Nestbau, jede Balz, jeder Erwerb zusätzlicher Fähigkeiten, all das verbraucht Ressourcen und muss sich unter dem Strich „rechnen“. Verschwendung endet in der Natur meist tödlich.[9]

Tödlich – das ist ein weiterer wichtiger Aspekt: Die natürlichen Strategien haben den „reality check“ bereits bestanden. Sie haben sich in den Jahrmillionen der Evolution nicht nur herausgebildet, sich optimiert, sondern im Kampf ums Dasein eben auch bewährt. Angepasst an die spezifischen Lebensumstände, die wir immer mitbedenken müssen. Lösungen, die nicht funktioniert haben, sind ausgestorben. Insoweit lohnt sich ein Blick auf die Leitwölfe und „Termitenmanager“, auf die Heringsschwärme, die Piranhas und die balzenden Auerhähne. In jedem Pantoffeltierchen steckt eine ganz eigene Erfolgsgeschichte. Und in diesem Sinne ist es eben doch sinnvoll, vom „Erfolgsunternehmen Natur“ zu sprechen.

Beispiele aus der Natur sind anschaulich

Es spricht noch ein weiteres Argument dafür, sich mit den Vorgängen in der Natur zu beschäftigen: Sie sind anschaulich und wirken daher oftmals überzeugender als theoretische Erörterungen. Wenn Sie Ihr Servicekonzept anhand des Balztanzes der Stichlinge erläutern (→ S. 157) oder bei der Besetzung einer Führungsposition auf das Beispiel des Leitwolfs (→ S. 20) eingehen, dann ist Ihnen zumindest die Aufmerksamkeit sicher. Ihre Gesprächspartner können sich viel eher etwas darunter vorstellen, was Sie sagen. Und Ihre Ausführungen bleiben wesentlich stärker bei Ihren Zuhörern verankert. Wie die „vier goldenen Serviceregeln“ hießen, die Sie Ihren Mitarbeitern in einer Schulung erklärt haben, das werden Sie vielleicht schon am nächsten Tag nicht mehr so genau wissen. Aber die vier Grundsätze, wie die Spinne ihre Fliegen fängt (→ S. 154), bleiben ganz gewiss hängen wie der Brummer im Netz.[10]

Metaphern aus der Natur

Das führt uns zu einem sehr wichtigen Punkt, der häufig für Missverständnisse sorgt: Unsere Beispiele aus der Natur sind ausdrücklich Metaphern. Das heißt, sie sind eine Übertragung von einem Bereich in den anderen, sie sind nicht „wörtlich“ zu verstehen, sondern gelten nur mit Einschränkungen. Vielleicht glauben Sie, das entwerte sie, aber aus meiner Sicht ist gerade das nicht der Fall. Vielmehr ist es die einzige Art, mit den Anregungen aus der Natur umzugehen. Ich halte gar nichts davon, aus der Natur vermeintliche „Gesetze“ abzuleiten, wie Menschen oder Unternehmen zu führen seien. Das wäre anmaßend. Und wenn man einen solchen Ansatz konsequent zu Ende denkt, gerät man in sehr gefährliches Fahrwasser. Totalitäre Ideologien zeichnen sich nämlich genau dadurch aus: Sie beanspruchen, für menschliches Verhalten natürliche Gesetzmäßigkeiten entdeckt zu haben, aus denen es kein Entrinnen gibt. Gegen solche „Naturgesetze“ muss man entschieden Einspruch erheben.

Worum es hier geht, das sind Anregungen, Übertragungen, Gedankenanstöße. Einmal, um etwas Kompliziertes oder Abstraktes deutlich werden zu lassen. Dann aber auch, um auf etwas Neues zu stoßen. Und für diesen Zweck gibt es kaum etwas Nützlicheres als Metaphern. Sie verbinden Bereiche, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören. Dadurch verhelfen sie uns zu einer neuen Sicht und sorgen dafür, dass wir alle möglichen Dinge begreifen können („begreifen“ ist auch eine Metapher). Metaphern sind das Erfolgsgeheimnis menschlichen Denkens. Sie lassen uns in neue Bereiche vorstoßen.[11]

Was heißt das jetzt genauer? Wir greifen verschiedene Beispiele aus der Natur auf und übertragen ihre Bedeutung in einen neuen Zusammenhang, häufig auch in mehrere neue Zusammenhänge. Das Balzverhalten des Pfaus (→ S. 141) bietet nicht nur Anregungen für das Eventmarketing, sondern auch für die Karriereplanung oder für die Auswahl hochqualifizierter Mitarbeiter. Das bedeutet nicht, dass der Pfau ein Experte für Eventmarketing ist, sondern dass wir aus seinem Verhalten manches ableiten können, was uns bei diesem Thema weiterhilft. Ähnlich wie ein Haifisch auch nichts von Autos verstehen muss, um den Designern brauchbare Anregungen zu geben. Natürlich gibt es gewaltige Unterschiede zwischen einem Ameisenhaufen und einer Firma oder Organisation – auch wenn uns das manchmal schwer fällt zu glauben.

Wie Sie dieses Buch nutzen können

Dieses Buch ist so aufgebaut, dass Sie ganz nach Belieben kreuz und quer darin herumlesen können, Sie können vorne beginnen oder auch hinten oder sich von der Mitte in beide Richtungen vorarbeiten. Sie können sich einzelne Kapitel vornehmen oder überschlagen. Ebenso ist es möglich, dass Sie sich vom Stichwortverzeichnis leiten lassen und zu einem bestimmten Thema die betreffenden Abschnitte zusammenstellen. Letzteres bietet sich an, wenn Sie für einen Vortrag oder eine Präsentation ein treffendes Beispiel suchen. Doch unabhängig davon, wo Sie mit dem Lesen anfangen und wo Sie aufhören, wäre es schön, wenn Ihnen das Buch nicht nur viele Anregungen gibt, sondern Ihnen die Lektüre auch Vergnügen macht.[12]

Leittiere

In diesem ersten Kapitel stellen wir Ihnen einige Tiere vor, die unterschiedliche Aspekte von Führung verkörpern. Angefangen beim „König der Tiere“, dem Löwen, über Wölfe, Elefanten, Wüstenvögel, Orang Utans und Paviane bis hin zum „König der Lüfte“, dem Adler. Er lebt im Unterschied zu allen anderen Leittieren keineswegs in einem sozialen Verband, sondern ist ein ausgesprochener Einzelgänger. Dennoch gilt er für viele Führungskräfte als Leittier, und zwar als ihr ganz persönliches Leittier. Denn der Adler steht für Freiheit, Stärke und die besondere Fähigkeit, Übersicht mit Detailkenntnis zu verbinden.

Der König der Tiere – der fette faule Löwe

Themen: Delegieren, Führungspersönlichkeit, Macht, Durchsetzungsfähigkeit

Seit jeher ist er das Symbol für Macht, Führungsstärke und Souveränität: Der König der Tiere, der Löwe. Warum bloß? Ein männlicher Löwe schläft dann und wann länger als ein Faultier, nämlich bis zu zwanzig Stunden am Tag. Sein entspannter Lebenswandel beruht auf der konsequenten Anwendung von drei einfachen Erfolgsregeln:

  1. Tue möglichst wenig selbst.

  2. Lasse nur Profis für dich arbeiten.

  3. Wenn es darauf ankommt, zeige Stärke.

Die hohe Kunst des Selbstmanagements

Vor allem die dritte Regel unterscheidet den Löwen von anderen Geschöpfen im Tierreich, die einfach nur träge sind. Ja, die dritte Regel macht wohl den eigentlichen Kern seines Erfolgs aus. Faul sein allein genügt nicht. Aber wer wollte hier überhaupt von Faulheit sprechen? Reden wir lieber von Effizienz und der hohen Kunst des Selbstmanagements. Und damit sind wir bei Regel 1. Der Löwe ist ein Meister des schonenden Umgangs mit seinen Ressourcen.[13]

Denn er beherrscht die Kunst des Delegierens. Das Ergebnis würde alle Berater in Sachen Zeitmanagement begeistern: In seinem Time-Planner wären fast alle Stunden des Tages blau markiert für ausgedehnte Rekreationsphasen.

Womit wir bei Regel 2 wären: Er verschwendet seine Zeit nicht mit Aufgaben, die andere Tiere für ihn weit kostengünstiger übernehmen können. Die Arbeitskraft eines majestätischen Löwenmännchens ist zu teuer, um sie mit Jagen, Futtersuche oder Kindererziehung zu vergeuden. Dafür steht kompetentes Fachpersonal zu Verfügung, die Löwenweibchen etwa. Sie kümmern sich um die Jagd. Und weil mehr Weibchen auch mehr Beute heimbringen, beschäftigt ein Löwenmännchen gleich mehrere Löwinnen in seinem Rudel, die im Team ohnehin besser jagen und gemeinsam auch größeres Wild zur Strecke bringen.

Management by walking around

Was aber tut nun ein männlicher Löwe? Er praktiziert eine Form des „Managements by walking around“, lässt sich mal hier, mal dort blicken, um nachzuschauen, ob noch alles planmäßig läuft oder sein Eingreifen gefragt ist. So ist das nämlich beim erfolgreichen Delegieren. Ohne ergebnisorientierte Kontrolle geht es nicht. Und so lässt sich der männliche Löwe hinter einem Buschwerk nieder und überwacht zum Beispiel, wie seine Löwinnen mit der Verfolgung eines Zebrafohlens zurecht kommen. Dabei sollten Sie nicht glauben, dass sich der Löwe übertrieben oft einmischt: Gibt es Probleme, was häufig vorkommt, dann greift er ebenso wenig ein, wie sich der Vorstandsvorsitzende eines Großunternehmens bei einem firmenweiten Netzwerkabsturz einmischen würde. Die Lage ist ernst, aber Jagen ist Frauensache, wenigstens bei den Löwen, der einzigen Katzenart übrigens, die in der Gruppe auf Beutezug geht.[14]

Wenn Sie sich fragen, warum sich das majestätische Löwenmännchen nicht an der Jagd beteiligt, so lautet die Antwort: Es ist körperlich nicht dazu in der Lage. Für eine solche Aufgabe ist es zu langsam, denn es ist zu muskulös. Und so erbeutet das Männchen nur gelegentlich seine Mahlzeit selbst. Dabei legt es sich auf die Lauer und schlägt mit seinen gefährlichen Pranken zu.

Wie man sich den Löwenanteil sichert

In der Savanne gibt es noch viele andere ausgezeichnete Jäger. Leoparden etwa, Geparden oder auch Hyänen. Was Sie vermutlich noch nicht gewusst haben: Der Löwe lässt auch diese Spezialisten für sich arbeiten. Jawohl, auch die Hyänen. Da Hyänen bevorzugt bei Dunkelheit jagen, waren die Tierforscher lange Zeit ahnungslos, bis sie ihnen und damit auch den Löwen mit Nachtsichtgeräten auf die Spur kamen: Wenn in der Savanne die Sonne aufgeht und die Löwen vor ihrem Morgenimbiss sitzen, dann haben sie gut die Hälfte davon den struppigen Hyänen abgenommen.[15]

Legt man strenge Maßstäbe an, müsste man sie für die gierigsten Aasfresser der ganzen Savanne halten. Der „Löwenanteil“ trägt seinen Namen zu Recht. Unterm Strich zahlt sich sein etwas rücksichtsloses Verhalten aus. Kein anderes Geschöpf in der Savanne konsumiert so viel Fleisch wie der majestätische Löwe. Mit einer bezeichnenden Ausnahme: In einigen Fällen wird er vom Geier noch übertroffen. Eigentlich keine Überraschung. Denn der kann fliegen.

Im Ernstfall Krallen zeigen

Aber vergessen wir die dritte Regel nicht. Löwen zeigen immer dann Stärke, wenn es darauf ankommt. Ein Rudel besteht meist aus vier bis sieben Weibchen und zwei bis drei Männchen. Wird das Rudel angegriffen, dann übernehmen die sonst so entspannten Männchen die Verteidigung und kämpfen bis zum Äußersten. Der sprichwörtliche Löwenmut, hier kommt er zum Tragen. Entweder werden die Angreifer in die Flucht geschlagen oder die Löwen sterben. In solchen kritischen Momenten setzt der König der Tiere seine geballte Kraft ein und erbringt damit den Nachweis, dass er kein fauler Kostgänger, sondern dass er wichtig, überlebenswichtig ist. Vielleicht stellen Sie sich die Frage: Wer greift eigentlich ein Rudel Löwen an? Leoparden? Hyänen? Elefanten? Nashörner? Natürlich nicht. Die Antwort ist: Andere Löwen.

Harter Verdrängungswettbewerb

Unter den Löwen herrscht ein mörderischer Verdrängungswettbewerb, bei dem viele, viele Männchen samt Nachwuchs auf der Strecke bleiben. Dabei fallen nicht etwa benachbarte Rudel übereinander her, sondern es sind vagabundierende Gruppen von drei bis vier Löwenmännchen, die noch kein eigenes Revier haben. Diese so genannten „Bruderschaften“ suchen nach einer Gelegenheit, ein Revier samt Weibchen zu übernehmen. Für junge Löwen gibt es in der freien Wildbahn sonst kaum Möglichkeiten, in geordnete Familienverhältnisse zu wechseln. Hat ihre feindliche Übernahme Erfolg, töten die Löwen den bestehenden Nachwuchs, um eigene Nachkommen in die Welt zu setzen, die sie natürlich ihrerseits vor anderen „Bruderschaften“ schützen müssen.[16]

Von einem ökonomischen Standpunkt aus betrachtet bedeutet das eine ungeheure Vergeudung von Ressourcen. Doch vielleicht ist das der Preis dafür, dass ein Löwenmännchen seine Umgebung so stark dominiert.

Anregungen für das Business

Natürlich, Löwen leiten kein Unternehmen, ja nicht einmal in ihrem Rudel übernehmen sie so etwas wie Führungsverantwortung. Dazu sind sie zu stark auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Wenn Sie das beiseite lassen, dann lassen sich doch einige brauchbare Hinweise aus dem Verhalten der Löwen ableiten.

In der Ruhe liegt die Kraft
Eine Führungskraft im Zeichen des Löwen geht mit ihren Ressourcen äußert schonend um. Sie verzettelt sich nicht, delegiert die meisten Aufgaben und mischt sich nicht übertrieben oft ein. Sie lässt ihre Mitarbeiter in aller Ruhe ihre Arbeit tun.

Fachlich muss der Vorgesetzte nicht der Beste sein.[17]
Eine Führungskraft muss nicht das können, was in ihrer Abteilung erarbeitet werden soll, sondern sie muss dafür sorgen, dass andere diese Leistung optimal erbringen. Deren Aktivitäten muss sie koordinieren, unterstützen und zusammenführen – nicht in ihrem Magen, sondern als stimmiges Gesamtergebnis. Es kommt nicht darauf an, selbst der beste Jäger zu sein, sondern auf die Tätigkeit der besten Jäger „zugreifen“ zu können. Aus der eigenen Belegschaft, aber auch auf die Tätigkeit von externen Fachleuten. Dazu gehört für menschliche Führungskräfte, dass man Fachleute bezahlt, motiviert und an das Unternehmen bindet.

Die Qualität einer Führungskraft zeigt sich in kritischen Situationen.
Beim Löwen wird das auf die Spitze getrieben, was für gute Führungskräfte unerlässlich ist: In kritischen Momenten müssen sie präsent sein. Sie müssen wissen, wann sie einschreiten und Stärke zeigen müssen. Vielleicht gar nicht oft, aber genau diese Sensibilität für die kritischen Situationen und die Bereitschaft, sich gerade dann ohne Wenn und Aber zu engagieren, zeichnet eine gute Führungskraft im Zeichen des Löwen aus.

Um „Löwenpositionen“ wird hart gekämpft.
Die privilegierte Stellung des Löwen bringt es mit sich, dass solche Positionen hart umkämpft sind. Der Wettbewerb darum ist erbarmungslos und erfordert eine bestimmte charakterliche Konstitution, einen ausgeprägten „Machtinstinkt“ und ein Mindestmaß an Rücksichtslosigkeit. Das mag manche abhalten, eine solche Position anzustreben. Doch auch das mittlere Management kann von „Löwenkämpfen“ betroffen sein. Rücken neue Führungskräfte in eine „Löwenposition“ auf, dann haben die „Nachkommen“ des „alten Löwen“, sprich: seine altgedienten loyalen Mitarbeiter häufig einen schweren Stand. Ein machtbewusster Löwe bringt seine eigenen Leute auf die besten Positionen.[18]

Der Leitwolf und sein Beta-Männchen

Themen: Leadership, Führungsstil, Konflikte, Stellvertreter

Im Wolfsrudel gibt es zwei Hierarchien: Eine für die Weibchen und eine für die Männchen. An der Spitze treffen sie sich. Denn da steht der Leitwolf und die Leitwölfin. Eine Sonderstellung hat das Betamännchen und mit deutlichem Abstand folgt der Rest des Rudels. Die untersten Ränge werden von Tieren besetzt, die kein leichtes Leben haben. Immer wieder werden Wölfe aus dem Rudel ausgestoßen. Einzelne von ihnen tun sich paarweise zusammen und kommen vielleicht noch eine Weile durch. Denn ein einsamer Wolf hat keine hohe Lebenserwartung.

Leitwolf und Beta-Männchen praktizieren eine bemerkenswerte Arbeitsteilung. Wie der Verhaltensforscher Erich Klinghammer bei Feldstudien in Kanada beobachtet hat, kümmert sich das Beta-Männchen darum, dass die Gruppenregeln eingehalten werden. Dabei verfährt es recht rigide. Bei schlechtem Benehmen schreitet es sofort ein, knurrt und fletscht die Zähne und beißt auch schon mal zu. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das ist der strenge Chef. Der hält die Fäden in der Hand. Doch das stimmt eben nicht.[19]

Geteilte Rudelführung

Der echte Leitwolf benimmt sich den Rudelmitgliedern gegenüber völlig anders, er ist der „freundlich tolerante Mittelpunkt des Rudels“, wie der Wolfsforscher Erik Zimen bemerkt. Der Leitwolf ist derjenige, der führt, der für gute Stimmung sorgt und der den Laden zusammenhält. Er steht in der Verantwortung, dass sein Rudel durchkommt. Wenn die Nahrung im Winter knapp wird, dann ist es der Leitwolf, der allein loszieht, um Beutetiere aufzuspüren. Die andern bleiben in der Höhle zurück und warten, bis der Leitwolf sie ruft oder zur Jagd abholt. Für den Bestand ihres Rudels setzen sich die Leitwölfe bis zum Äußersten ein. So wird aus Alaska ein Fall berichtet, bei dem vier Grizzlybären in einer Wolfshöhle Unterschlupf suchten. Dem Rudel gelang es die zweieinhalb Meter großen Giganten nach einem dreistündigen Kampf in die Flucht zu schlagen. Dabei trug der Leitwolf so schwere Verwundungen davon, dass er am Abend starb. Ein veritabler Heldentod. Kein Wunder also, dass ein Leitwolf bei den Seinen geachtet und nicht gefürchtet wird. In der Wildnis ist der Leitwolf auf die Loyalität aller Rudelmitglieder angewiesen. Und Loyalität erwächst auch bei Wölfen nicht aus Einschüchterung und Schikane.

Zugleich muss sich jemand um die Disziplin kümmern. Das aber macht unbeliebt. Und so überlässt der Leitwolf seinem Betamännchen die unangenehmen Pflichten, die Rudelmitglieder zu maßregeln. Der zieht dadurch die ganze Abneigung der Gruppe auf sich. Dafür hält der Leitwolf seine schützende Pfote über ihn. Natürlich auch im eigenen Interesse, denn wenn sich ein Rudelmitglied auflehnt, dann fordert er nicht etwa den Leitwolf heraus, sondern richtet seine Angriffe erst einmal gegen den „Blitzableiter“, das Beta-Männchen.[20]

Der Leitwolf als Streitschlichter

Lässt sich der Konflikt nicht mit dem üblichen Anknurren und Zähnefletschen beilegen, muss der Leitwolf eingreifen. Bezeichnenderweise eilt er nicht etwa seinem Beta-Männchen zu Hilfe und sorgt dafür, dass der Herausforderer in Stücke gerissen wird. Vielmehr bleibt er neutral und betreibt eine Taktik der Deeskalation. Er fordert den Stärkeren auf, mit ihm zu spielen. Der fühlt sich geschmeichelt, schließlich hat man nicht jeden Tag Gelegenheit, mit dem Chef herumzuspaßen, und so löst sich alles in Wohlgefallen auf.

Dass der Leitwolf einschreitet, hat seinen Sinn: Würde das Beta-Männchen im Kampf unterliegen, dann wäre als nächstes eine Auseinandersetzung mit dem Leitwolf fällig. Und würde das Betamännchen den Rivalen halb tot beißen, wäre dies für den Zusammenhalt des Rudels schädlich. Erfahrene Leitwölfe wissen: Sie festigen ihre Position, wenn sie Konflikte schlichten. Damit wirken sie im Interesse des gesamten Rudels.

Wie Entscheidungen getroffen werden

Der Leitwolf lenkt sein Rudel erstaunlich konsensorientiert. Erik Zimen hat die Entscheidungsfindung im Rudel untersucht und herausgefunden, dass kein Tier den anderen seinen Willen aufzwingen kann. Vielmehr nehmen die Wölfe ihrem Rang entsprechend unterschiedlich stark Einfluss auf die Entscheidung, am stärksten natürlich der Leitwolf, der Entscheidungen auch häufig anschiebt.[21]

Für bestimmte Probleme gibt es Spezialisten, zum Beispiel für das Aufspüren von Beutetieren oder das Überqueren von Flüssen. Hier können sie besonders stark „mitreden“, unabhängig von ihrem Rang. Und doch wird die Entscheidung im Konsens getroffen, auch der Experte kann sozusagen „überstimmt“ werden. Dabei dürfen wir uns die Entscheidungsfindung natürlich nicht als Abstimmung vorstellen. Es können auch keine Argumente ausgetauscht werden. Vielmehr vollzieht sich der Entscheidungsprozess durch Beobachtung und Handeln: Steht ein Wolf auf und sorgt dafür, dass alle zur Jagd aufbrechen? Legt er sich nieder, um eine Ruhepause vorzuschlagen? Wer läuft voran und bestimmt dadurch die Richtung, in die das Rudel läuft?

Jeder hält Kontakt zum Leitwolf

Beobachtet man ein Rudel auf der Jagd, so ist der Leitwolf daran zu erkennen, dass die anderen Mitglieder immer wieder seine Nähe suchen. Jagen die Wölfe größeres Wild, so kann es zu einer Aufgabenteilung kommen. Die einen treiben das Wild, die anderen liegen im Hinterhalt.

Auf Wanderungen ist es meist der Leitwolf, der vorneweg läuft, aber eben nicht immer. Im Tiefschnee trabt beispielsweise das Beta-Männchen voran und legt die Spuren, in denen dann die anderen folgen, mit dem Leitwolf in der Mitte. Schlägt das Beta-Männchen eine Richtung ein, die der Leitwolf für gefährlich hält, dann eilt er an die Spitze und fordert seinen Stellvertreter spielerisch auf, ihm nachzujagen. So vermeidet der Leitwolf, den andern zurechtzuweisen, ihn autoritär auf den gewünschten Pfad zu rempeln; er rettet vielmehr die Situation und gestattet es dem Beta-Männchen in gewisser Weise „sein Gesicht zu wahren“.[22]

Die Entthronung des Leitwolfs

Bei diesem konstruktiven Führungsstil überrascht es fast, dass sich ein Leitwolf nur begrenzte Zeit halten kann. Aber im Rudel rücken immer neue Jungwölfe nach. Und auch von außen kann ein Rudel übernommen werden. Zumindest sind Fälle bekannt, in denen stattliche revierfremde Männchen vom Rudel nicht etwa attackiert, sondern in den Rang des Leitwolfs erhoben wurden. Vor allem für ein kleineres Rudel ist das eine sinnvolle Strategie. Der neue Leitwolf bringt frische Gene ins Rudel; und weil er ja auch für neue Nachkommen sorgt, sichert diese „Auffrischung von oben“ langfristig den Bestand.

Verstärkt wird die Tendenz zum Auswechseln des Führungspersonals durch jahreszeitlich bedingte Hormonschwankungen. Im Herbst schlägt die Stimmung unter den Wölfen plötzlich um. Zwar gelingt es einem fähigen Leitwolf, die aufkommenden Aggressionen eine Zeitlang zu dämpfen. Doch auch der begabteste Manager kann gegen Hormone nicht viel ausrichten. Und so werden in dieser Zeit die Karten der Hierarchie häufig neu gemischt.

Ein Leitwolf kann sich also niemals zurücklehnen oder auf die Loyalität seiner Mitwölfe bauen, die ihn schon nicht fallen lassen, weil er in der Vergangenheit so viel für sie getan hat. Ein Leitwolf, der Schwäche zeigt, wird entthront. Häufig verlässt er dann das Rudel aus eigenen Stücken.[23]

In aller Deutlichkeit: Für den Leitwolf genügt es nicht, tolerant und ausgleichend zu wirken und bei den andern beliebt zu sein. Er braucht Stärke. Sonst kann er seine Herausforderer nicht im Zaum halten. Umgekehrt gilt für die ambitionierten Karrierewölfe: Um die Alphaposition zu erobern, müssen sie die bisherige Nummer eins herausfordern und besiegen. Um sich aber an der Spitze zu behaupten, reicht es nicht aus, stark zu sein. Die siegreichen Herausforderer müssen in die Rolle des Leitwolfs hineinwachsen. Sonst wird es ihnen niemals gelingen, das Rudel zu führen.

Nachfolger gesucht

Und was geschieht eigentlich, wenn das Rudel unvermittelt ohne Leitwolf dasteht, zum Beispiel weil er von einem Jäger erlegt wurde? Rückt dann die Nummer zwei auf seine Position, sein autoritärer Stellvertreter? Offenbar geschieht dies häufig nicht. Das Beta-Männchen ist zwar der ranghöchste Rüde, doch hat er im Rudel zuwenig Rückhalt, um es zu führen. Und er wäre auch vermutlich kaum in der Lage, das zu tun. Denn als Nummer zwei hat er sich gerade nicht dafür qualifiziert, an die Spitze zu rücken. Vielmehr hat er dem Leitwolf den Rücken freigehalten, für ihn gewissermaßen die Drecksarbeit geleistet, ihm galt seine ganze Loyalität. Darin liegt seine Leistung, und es wäre fatal, wenn er plötzlich allein an der Spitze stünde.

Was geschieht dann aber mit dem Betamännchen? Immerhin hat es ja den neuen Leitwolf bis dahin eher „gedeckelt“. Wird er sich also dafür an ihm rächen? Keineswegs, denn an den Loyalitätsverhältnissen ändert sich nichts. Und so bleibt das Beta-Männchen auf der Position, auf der es sich bewährt hat.[24]

Der Club der „Klein-Alphas“

Eine weitere Besonderheit im Rudel sind die aufstrebenden Jungwölfe, die Erik Zimen die „Klein-Alphas“ genannt hat. Schon früh versuchen sie sich gegenüber ihren Geschwistern durchzusetzen, was ihnen auch gelingt. Und sie kopieren mit einer gewissen Unverfrorenheit das Benehmen der ranghohen Erwachsenen. Sie stolzieren mit hocherhobenem Schwanz umher und knurren gelegentlich sogar Erwachsene an. Manche versuchen sogar beim Urinieren das Bein zu heben. Das ist eine Geste, die nur dem Leitwolf zusteht, der auf diese Weise das Revier markiert. Doch die „Klein Alphas“ üben sich schon einmal darin. Und weil es nicht so einfach ist, dreibeinig die Markierung möglichst hoch am Baum anzubringen, fallen sie gelegentlich dabei um. Auch suchen sie wie kein anderes Rudelmitglied immer wieder die Nähe des Leitwolfs. Der zeigt sich gegenüber den übereifrigen „Klein Alphas“ ausgesprochen tolerant.

Dabei ist es keine Überraschung, dass sich aus dem Club der „Klein Alphas“ oft die künftigen Leitwölfe rekrutieren. Aber bis dahin bleibt dem Rudel ja noch einige Zeit. Denn nur ein großer, starker und erfahrener Rüde kann ein erfolgreicher Leitwolf werden.

Tyrannei in Gefangenschaft

Alles in allem geht es im Wolfsrudel wesentlich sozialer und pragmatischer zu, als wir vielleicht erwarten würden. Brutalität, Einschüchterung, Rücksichtslosigkeit, all das, was gewöhnlich als das „Gesetz der Wildnis“ gilt, findet sich dort, in der freien Wildbahn weit seltener. Unter den harten Lebensbedingungen können es sich die Tiere einfach nicht leisten, sich gegenseitig zu schikanieren und ihre Energie in Statuskämpfen zu vergeuden. Solche Rudel würden schnell von der Bildfläche verschwinden.[25]

Allerdings ändert sich die Lage grundlegend bei Rudeln in Gefangenschaft. Hier hat man häufiger beobachtet, dass rangniedere Tiere tyrannisiert und gequält werden. Der sonst so milde Leitwolf kann sich zum brutalen Gewaltherrscher entwickeln. Der populäre Verhaltensforscher Vitus Dröscher glaubt, dass die komfortablen Lebensumstände die Ursache dafür sind. Den Wölfen geht es zu gut. Sie müssen sich nicht mehr um ihren Lebensunterhalt kümmern und kommen deshalb auf dumme Gedanken, aus Langeweile sozusagen. Vielleicht eine etwas gewagte Schlussfolgerung, doch können wir die Perspektive natürlich auch umdrehen und feststellen: Gerade in schwierigen Zeiten braucht ein Rudel einen sozialen, engagierten, konstruktiven Wolf an der Spitze. Sonst hat es keine Chance.

Anregungen für das Business

Führen Sie mit verteilten Rollen
Auch in menschlichen Organisationen ist es eine kaum zu schlagende Kombination: Hinter dem allseits beliebten, charismatischen und verständnisvollen Chef wirkt eine Nummer zwei, die für die unangenehmen Dinge zuständig ist. Die unpopuläre Maßnahmen durchdrückt, Mitarbeiter auf Linie bringt und dafür sorgt, dass alles so abläuft wie geplant. Bei Wölfen und Menschen ist es so, dass diese Tätigkeit zwar ungemein wertvoll sein kann, jedoch nicht gerade beliebt macht. Die eigentliche Nummer eins muss auf einem anderen Register spielen, um seine Mitarbeiter an sich zu binden und ihr Vertrauen zu erwerben. Sie kann sich großzügig geben, weil im Hintergrund jemand den Part des kleinlichen „Erbsenzählers“ übernimmt. Sie kann fast immer freundlich sein, weil jemand schon dafür sorgt, dass Fehler konsequent geahndet werden.[26]

Die ideale Nummer zwei blüht auf im Schatten von Nummer eins
Das Ganze muss man durchaus nicht als abgekartetes Spiel sehen. Es funktioniert ja ohnehin nur, wenn beide Seiten eine entsprechende Veranlagung mitbringen. Sie meinen es mit dem, was sie tun, vollkommen ehrlich, aber sie ergänzen sich eben auf das Vortrefflichste. Die Nummer zwei weiß, dass sie niemals ein allseits beliebter, charismatischer Leitwolf werden kann. Also nutzt sie ihre Chance und spielt ihre Qualitäten konsequent aus: Absolute Loyalität zur Nummer eins, Genauigkeit, Fachwissen und Hartnäckigkeit.

Opfern Sie niemals leichtfertig eine unbeliebte Nummer zwei
Die Nummer eins weiß, dass sie an ihrem „Beta-Männchen“ jemanden hat, auf den sie sich absolut verlassen kann, der keine Ambitionen hat, auf ihren Stuhl zu steigen und der sich obendrein noch als „Blitzableiter“ für unzufriedene Mitarbeiter anbietet. Nur in äußersten Notfällen sollte es eine Nummer eins riskieren, seinen Stellvertreter zu „opfern“, weil jemand die Verantwortung für eine Fehlentscheidung übernehmen muss. Die Gefahr: Möglicherweise hegt die neue Nummer zwei ganz andere Ambitionen und arbeitet darauf hin, sich selbst an die Spitze zu setzen.[27]

Auch ein Leitwolf muss beißen können
Eine Gefahr für einen allzu freundlich toleranten Leitwolf: Er selbst ist nicht in der Lage, sich gegen Konkurrenten zu behaupten, weil er das „Knurren und Beißen“ ganz seinem „Beta-Männchen“ überlassen hat. Auf Dauer kann so etwas nicht funktionieren. Im Ernstfall muss sich der Leitwolf ganz alleine wehren und durchsetzen können.

Machen Sie den „Beta-Wolf“ niemals zum Chef
Es wäre das Schlimmste, was einer Idealbesetzung des „Beta-Männchens“ widerfahren könnte. Dass sie gezwungen ist, die Spitzenposition einzunehmen. In menschlichen Organisationen ist dieser Fall gar nicht so selten. Der langjährige Stellvertreter hat sich bewährt und wird nun mit der nächsthöheren Position belohnt. Die Führungsrolle liegt dem Stellvertreter aber gar nicht. Im günstigsten Fall gelingt es ihm, allmählich in die neue Rolle hineinzuwachsen. Doch häufig ist er überfordert. Dann versucht er die fehlende Souveränität zu überspielen und gibt sich besonders autoritär und hart. In so einem Fall kann man nur darauf hoffen, dass er eine Nummer zwei hinter sich hat, die für Ausgleich sorgt und das strenge Regiment etwas abmildert. Das Beste wäre natürlich, wenn ein echtes „Beta-Männchen“ (das in menschlichen Organisationen natürlich auch weiblich sein kann) auf seiner Position bleiben könnte, ohne befürchten zu müssen, an Macht und Einfluss zu verlieren.[28]

Echte Verantwortung sorgt für bessere Führung
Bleibt zuletzt die Frage: Warum verhalten sich die Leitwölfe in der freien Wildbahn viel kooperativer als in Gefangenschaft? Müssen Führungskräfte ständig den heißen Atems des Überlebenskampfes im Nacken spüren, damit sie nicht zum Tyrannen werden wie der Wolf im Gehege? Das wäre wohl ein Missverständnis. Es ist keineswegs so, dass sich unter harten Bedingungen automatisch ein kooperativer Führungsstil herausbildet. Nur wird der Niedergang eines Rudels mit einem Tyrannen an der Spitze stark beschleunigt. Im Zoo ist es hingegen gleichgültig, wie sich der Leitwolf benimmt. Er muss keine Entscheidungen herbeiführen, z. B. wo das Rudel nach Futter suchen soll, und braucht auch kein Expertenwissen abzurufen, wie man beispielsweise einen Fluss überquert. Er kann die andern schikanieren, ohne das „Betriebsergebnis“ zu verschlechtern. Das schlechte „Arbeitsklima“ hat für ihn keine Folgen.

Auf menschliche Verhältnisse übertragen heißt das: Organisationen sollten dafür sorgen, dass Führungskräfte stärkere Verantwortung für das „Arbeitsklima“ übernehmen. Ein tyrannischer Führungsstil sollte sich gar nicht erst entfalten können. Nicht nur in schwierigen Zeiten, sondern auch unter ganz normalen Bedingungen ist ein kooperativer Führungsstil das Sinnvollste.[29]

Orang-Utans – der Ruf des sanften Paschas

Themen: Leadership, Machtspiele, Fürsorgepflicht

Sie bauen sich Hängematten und Sonnenschirme, befestigen zur Schlafenszeit Blätter zur Insektenabwehr über ihrem Lager und wenn sie Kopfweh haben, dann kennen sie ein Mittel dagegen: Sie kauen die Blüten eines bestimmtes Strauchs und sind nach kurzer Zeit beschwerdefrei, wie der niederländische Tropenwaldökologe Willie Smits beobachtet hat, der das Mittel bei nächster Gelegenheit an sich selbst ausprobierte – gleichfalls mit günstigem Ergebnis.

Kein Zweifel, Orang-Utans verfügen über erstaunliche Fähigkeiten. Lange Zeit hat man sie unterschätzt, weil man sie nur in Gefangenschaft beobachtet hat. Es ist auch nicht einfach, Orang-Utans in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Sie leben zurückgezogen in den dichten Tropenwäldern von Sumatra und Borneo. Häufig halten sie sich in einer Höhe von zwanzig bis dreißig Metern auf, wohin ihnen auch geübte Kletterer unter den Menschen nicht mehr folgen können. Doch mit Geduld hat die Feldforschung in den vergangenen Jahren sehr viel über die Lebensgewohnheiten der roten Affen herausgefunden.

Seitdem hat sich ihr Image stark verbessert. Manche Wissenschaftler halten sie sogar für die intelligentesten Menschenaffen, für schlauer noch als die Schimpansen, die doch mit uns näher verwandt sind und die weit häufiger als Orang-Utans Werkzeuge benutzen. Aber der Harvard-Psychologe James Lee und sein Kollege Robert Deaner haben die Fähigkeiten zu lernen und Probleme zu lösen bei verschiedenen Affenarten unter die Lupe genommen. Ihr Ergebnis: Die Orang-Utans schnitten am besten ab. Besser als Schimpansen, Klammeraffen, Languren, Makaken, Mandrills und Gorillas, die in diesem Feld überraschenderweise den letzten Platz belegten (was sie in anderen Studien nicht tun). „Orang-Utans sind geduldiger und nachdenklicher als die Schimpansen“, erklärt Robert Deaner den Befund. Geduld und Nachdenklichkeit haben beim Problemlösen eben manche Vorteile.[30]

Der Ruf hält Konkurrenten klein

Orang-Utans leben hoch oben auf den Bäumen, die meiste Zeit verbringen sie allein. Allerdings kümmern sich die Mütter sehr intensiv um ihr Kind. Sie haben immer nur eines; und das wird sieben Jahre lang rund um die Uhr gehätschelt. Durch diese einzigartige Fürsorge ist die Kindersterblichkeit so niedrig wie nirgendwo sonst im Tierreich, allerdings auch die Reproduktionsrate. Nicht einmal der Große Pandabär vermehrt sich so langsam wie die roten Affen.

Dass sie meist ihre eigenen Wege gehen, bedeutet keineswegs, dass sie ungesellig wären. Tatsächlich suchen sie von Zeit zu Zeit die Nähe ihrer Artgenossen, ziehen gemeinsam von Baum zu Baum und teilen sogar ihre Nahrung, wie der niederländische Affenforscher Carel van Schaik beobachtet hat. Außerdem gibt es so etwas wie einen Chef, ein Männchen, das ein Revier von mehreren Quadratkilometern Urwald kontrolliert. Dieses Männchen ist schon äußerlich als die Nummer eins zu erkennen. Es hat ledrig schwarze Backenwülste und einen imposanten Kehlsack. Beides wächst ihm erst, wenn es in den Rang des „Paschas“ aufgestiegen ist. Dann aber innerhalb kürzester Zeit, denn er braucht diese Insignien der Macht für einen ganz bestimmten Zweck: Er stößt einen beeindruckenden Ruf aus, den so genannten „Long Call“, der mit einem weichen, tiefen Brummen beginnt, das in ein Brüllen übergeht, das noch kilometerweit im Dschungel zu hören ist. Der „lange Ruf“ klingt aus in einer Folge von Seufzern und Gemurmel.[31]

Dieses Signal hat zwei sehr unterschiedliche Auswirkungen: Die jungen Männchen ergreifen die Flucht, es werden Stresshormone ausgeschüttet, sie geraten in helle Aufregung. Noch viel wichtiger: Solange der Chef immer wieder seinen Ruf ertönen lässt, wird die Entwicklung der Jungmänner gebremst. Sie können nicht zu einem vollwertigen Orang-Utan heranreifen, sondern bleiben körperlich zurück, sie sind halbe Portionen. Und das ist natürlich ganz im Sinne des „Paschas“, der zumindest auf den ersten Blick keine Konkurrenz zu fürchten hat.

Schutz für die Weibchen

Zugleich wirkt der Ruf aber auch beruhigend und anlockend, nämlich auf die Weibchen, die sich im Revier des „Paschas“ aufhalten. Sind sie empfängnisbereit, dann machen sie sich auf den Weg, immer dem Lockruf nach. Doch auch wenn Fortpflanzung für sie aktuell kein Thema ist, gibt ihnen der Ruf des „Paschas“ Orientierung. Denn in seiner Nähe sind sie sicher und vor den Übergriffen anderer Männchen geschützt. Es ist nämlich so, dass die körperlich noch nicht voll entwickelten Jungmänner das Revier durchstreifen, auf der Suche nach einem Weibchen, dem sie, wie Willie Smits schreibt, „mit kleinen Geschenken den Hof zu machen versuchen“. Was meist wenig Eindruck macht. Denn die Weibchen zeigen eine klare Präferenz für den sanften „Pascha“. Daher greifen die Jungmänner zu einem sehr unschönen Mittel – wenn sie ein Weibchen allein antreffen: Sie wenden Gewalt an. Und mit dieser Methode kommen sie erstaunlich oft zum Ziel: Nach einer Studie der indonesischen Biologin Suci Utami stammt auf Sumatra die Hälfte der Nachkommen von den Männchen ohne Backenwülste.[32]

Das Leben eines „Paschas“ ist hart: Er muss sein Revier abstecken und verteidigen, die Weibchen schützen und sie umgarnen, Feinde abschrecken und sein Nahrungsbedarf ist wesentlich höher als der seiner rangniederen Geschlechtsgenossen. Nach Ansicht der Anthropologin Cheryl Knott von der Universität Harvard ist ein „Pascha“ nach wenigen Jahren regelrecht „ausgebrannt“. Er ist immer weniger in der Lage, sein Revier zu kontrollieren, seine „Long Calls“ werden seltener und tönen längst nicht mehr so eindrucksvoll wie auf dem Höhepunkt seiner Macht. Ein solcher „Pascha“ wird früher oder später entthront – von einem Männchen, das alt und stark genug geworden ist, um es dann doch mit dem schwächelnden Chef aufzunehmen. Backenwülste hat es noch nicht, aber die wachsen ihm schnell nach, wenn es das Revier übernommen hat. Ansonsten wäre es gar nicht in der Lage, das Revier zu kontrollieren. Denn das kann es erst, wenn es eindrucksvolle „Long Calls“ durch den Urwald schickt. Beim entthronten „Pascha“ bilden sich hingegen Backenwülste und Kehlsack zurück. Er wird lethargisch und zieht sich zurück. Er hat regelrecht ausgedient.[33]

Anregungen für das Business

Wer an der Spitze steht, muss sich Gehör verschaffen
Der „Pascha“ hält mit seinen imposanten Rufen seine Konkurrenten in Schach. Auch in menschlichen Organisationen tut die Nummer eins gut daran, immer wieder in Erinnerung zu rufen, wer an der Spitze steht und das Sagen hat. Das kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise geschehen. Sogar durch Lob und Anerkennung, die über die verdienten Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Denn gelobt wird von oben. Wenn Sie unaufgefordert jemanden loben, der in der Hierarchie über Ihnen steht, wirkt das anmaßend und anbiedernd zugleich. Davon zu unterscheiden ist das „positive Feedback“, das von Ihnen eingeholt wird, um sich bestätigen zu lassen, dass alles bestens läuft.

Doch auch der Chef kann seinen Status nicht allein auf Lob und Anerkennung gründen. Vielmehr muss er immer wieder eindrucksvoll seine Souveränität vorführen, etwa in Meetings länger als alle anderen das Wort ergreifen, überraschende Ideen ventilieren, die ganze Abteilungen in Unruhe stürzen, oder einfach nur zeigen, dass er es ist, der den Takt vorgibt. Solche Machtdemonstrationen stehen zwar in äußerst schlechtem Ansehen. Sie sind jedoch kaum zu vermeiden, erst recht nicht in einer Organisation, in der dem „Oberaffen“ die Konkurrenten im Nacken sitzen und nur darauf warten, dass er oder sie ein Zeichen von Schwäche zeigt. Dabei muss eine Machtdemonstration durchaus nicht willkürlich oder grausam sein.

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