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Vom Mond geküsst

Ewa Aukett

Vom Mond geküsst

Erotischer Fantasy-Roman


Für meine kleine Schwester


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

1. Kapitel

Zutiefst befriedigt ließ sich Megan mit einer Tasse Tee auf den farbbeklecksten Stuhl sinken und betrachtete den nackten Mann, der mitten im Zimmer stand.

Er war perfekt.

Sehnig, muskulös, durchtrainiert.

Einfach wunderschön.

Sie stellte die Tasse auf den Boden, erhob sich und trat vor ihn. Die Unterlippe vorgeschoben, musterte sie ihn ein wenig verschämt unter halbgeschlossenen Lidern. Sein Blick blieb kühl und fast ein wenig abweisend. Geheimnisvolle, dunkle Augen, die sie durchdrangen. Europäische Gesichtszüge, mit einem sanften, afrikanischen Einschlag.

Die Nase bildete eine senkrechte Linie von seinen dichten Augenbrauen hinab. Erst beim zweiten Blick erkannte man, dass sie auf Höhe der Wangenknochen einen sachten Knick aufwies, als wäre sie vor langer Zeit gebrochen worden.

Was wohl geschehen war?

Sein Mund war … göttlich! Diese vollen Lippen, die dazu einluden, geküsst zu werden, die danach verlangten. Sie fuhr sich unwillkürlich mit der Zungenspitze über ihre eigene Unterlippe.

Wie gern hätte sie von ihm gekostet!

Zu ihrer eigenen Überraschung legten sich ihre Hände wie von selbst auf den glatten, haarlosen Brustkorb. Männer mit rasierter Brust übten normalerweise keinen besonderen Reiz auf sie aus, doch dieses Exemplar versetzte ihren Hormonhaushalt in gehörigen Aufruhr.

Vielleicht, weil er so ganz und gar haarlos war – okay, abgesehen von Augenbrauen und Wimpern.

Seinem perfekt geformten Schädel stand die Glatze ausgezeichnet und es gab keinerlei Körperbehaarung. Nicht einmal einen Bart. Alles an ihm war samtig glatt und von männlich markanter Stärke. Die Haut dunkel und sinnlich.

Mit den Fingern fuhr sie die Konturen seines Oberkörpers nach, strich über die ausgeprägte Bauchmuskulatur und an seiner Flanke entlang zu den schmalen Hüften.

Sie lächelte schmal.

Er war wirklich außerordentlich gut gebaut.

Tolle Beine, kräftige Schenkel, gut definierte Muskeln, ohne dabei so aufgepumpt auszusehen wie mancher Bodybuilder, der es mit dem Training übertrieben hatte.

Lächelnd ließ sie ihre Hände weitergleiten und schlich um ihn herum. Ihre Finger wanderten den muskulösen Rücken hinauf bis zu den breiten Schultern. Sie streichelte über die austrainierten Arme, die kräftigen Handgelenke und die langen, schlanken Finger.

Aus einem Impuls heraus trat sie näher an ihn heran. Sein schöner, kleiner Hintern schmiegte sich perfekt an ihren Bauch. Mit Herzklopfen schloss sie die Augen und lehnte sich einen Moment gegen ihn, während ihre Arme ihn umschlangen und ihre Finger es auskosteten, jede Erhebung und Linie seines Körpers zu berühren und alles anzufassen, was ihr möglich war.

Er rührte sich nicht.

Der perfekte Mann, wunderschön und schweigsam.

Megan kicherte und schüttelte den Kopf.

Sie hob eine Hand und tippte mit einem Fingernagel gegen seinen Rücken. Ein dumpfer, weicher Ton erklang.

Holz war ein grandioses, lebendiges Material, aus dem sich fabelhafte Dinge formen ließen.

Tja, und manchmal war das ein nackter Adonis.

Sie umkreiste ihn erneut und betrachtete die Statue.

Ein schöner Kerl, wirklich!

Leider so vollkommen … leblos.

Ihre Finger strichen fast zärtlich über das kantige Gesicht, ehe sie zwei Schritte zurückmachte und ihr Kunstwerk aus dunklem Nussbaum von oben bis unten musterte.

Megan seufzte.

„Was gäbe ich dafür, dass du echt wärst.“

Ihr Blick blieb mit einem Schmunzeln an seiner Körpermitte haften. Wenn sie ihn in die Ausstellung gab, sollte sie ihm vielleicht besser ein Feigenblatt verpassen. Irgendwie gefiel ihr der Gedanke nicht, ihn so völlig nackt einem großen Publikum zu präsentieren.

Gähnend schlurfte sie zurück zum Stuhl, ließ sich darauf fallen und nahm einen Schluck von dem lauwarmen Tee. Ihr Blick glitt erneut über den Mann aus Holz. Drei Tage und Nächte hatte sie ohne Pause an der zwei Meter hohen Statue gearbeitet.

Alles wegen einem Traum - einem feuchten Traum, wie sie sich eingestehen musste.

Sie war schweißgebadet daraus aufgewacht. Sie hatte seine Hände auf ihrer Haut gespürt, seine Lippen, die ihren Körper liebkosten. Sie hätte es nicht ertragen, das Bild in ihrem Kopf zu verlieren. Sie hatte dieses Trugbild einfach festhalten müssen.

Nun, nach mehr als zweiundsiebzig Stunden, in denen sie ununterbrochen in ihrem Atelier gewütet hatte, befand sie sich in einem Zustand totaler Erschöpfung. Sie musste dringend duschen und ins Bett, aber der Weg durch die nächsten beiden Zimmer erschien ihr endlos.

Abermals musterte sie die Statue.

„Warum das alles?“

Megan schüttelte den Kopf.

Vor ihr hatten schon tausende von Künstlern nackte Frauen- und Männerkörper aus diversen Materialien erschaffen. Sie war weder die Erste noch die Letzte, die sich daran versuchte.

Doch zum ersten Mal war sie fest davon überzeugt, dass sich eines ihrer Werke zu einem horrenden Preis würde verkaufen lassen - und sie war nicht bereit, es freizugeben.

Wie sollte sie sich von etwas trennen, das ein Stück ihrer selbst war?

Megan seufzte erneut.

Das waren Gedanken, die ihr nicht durch den Kopf gehen sollten. Das war alles andere als geschäftstüchtig; ihre Rechnungen bezahlten sich schließlich nicht von allein.

Gähnend stellte sie den Tee beiseite und strich sich mit einer Hand über das Gesicht. Sie war müde, ihr Gehirn funktionierte nicht mehr richtig und die Erschöpfung pflanzte ihr irgendwelche seltsamen Gedanken in den Schädel.

Es war Zeit, ins Bett zu gehen und erst dann eine Entscheidung zu treffen, wenn sie wieder bei Sinnen war.

Wankend erhob sie sich von ihrem Stuhl, zog sich das staubige Hemd über den Kopf und ließ es auf den Boden fallen. Während sie durch die offenstehende Tür in das kleine Bad und von dort in ihr Schlafzimmer stolperte, öffnete sie die Hose, streifte sie sich von den Hüften und warf über die Schulter einen Blick zurück zu ihrem Adonis.

Er stand mit dem Gesicht zu ihrem Bett in ihrem Atelier, und es war, als würden seine Augen sagen: „Geh nur vor, ich komm gleich nach.“

Megan grinste, fiel schmutzig und verschwitzt, wie sie war, auf die Matratze und schaffte es gerade noch, die Decke über sich zu ziehen. Das Letzte, was sie sah, war ihre Skulptur, die der Vollmond in sanftes weißes Licht tauchte.

 

***

 

Rrrring!

Das aufdringliche Klingeln des Telefons bohrte sich wie ein glühender Nagel in ihren Schädel und schien jede Zelle ihres Körpers explodieren lassen zu wollen.

Rrrring!

Mühsam öffnete sie ein Auge und musterte orientierungslos die Blümchentapete, die die Wände ihres Schlafzimmers zierte.

Wer zur Hölle war das?

Rrrring!

Sie presste ihr Gesicht in das Kissen unter ihrem Kopf.

Ich steh einfach nicht auf, egal, wer es ist.

Irgendwann musste doch dieser verdammte Anrufbeantworter anspringen!

Rrrring!

Mit einem genervten Stöhnen richtete sie sich auf und starrte eine geschlagene Sekunde lang die halbgeschlossene Badezimmertür an.

Rrrring!

Der Radiowecker auf ihrem Nachttisch zeigte kurz nach neun.

Tief durchatmend warf sie die Decke zur Seite, erhob sich vom Bett und schlurfte vom Schlafzimmer in den großen Wohnbereich hinüber.

Wer zur Hölle war das?

RRRRING!

„Hetz mich nicht!“ Als sie an dem gelben Sofa vorbeikam, knallte sie mit dem kleinen Zeh gegen das Möbelbein und war augenblicklich wach. Der Schmerz raste in ihren Schädel und ließ Megan auf einem Bein neben der Couch hüpfen, während sie mit den Händen ihren Fuß umklammerte. „Scheiße! Scheiße! Scheiße!“

Rrrring!

Tränen verschleierten ihren Blick, als sie auf die Lehne sank und die Stirn gegen das Knie presste. Verdammt, tat das weh! Ein wütender Schrei aus ihrer Kehle begleitete das nächste RRRRING!

„Verflucht! Ich komme ja!“

Megan humpelte die letzten Meter in die offene Küche, riss den Hörer von dem alten Wandtelefon und blaffte hinein: „Hallo?!“

Eine Sekunde lang war Stille am anderen Ende der Leitung, dann vernahm sie die Stimme ihres Galeristen Henry.

„Bist du mit dem falschen Fuß aufgestanden?“

Zähneknirschend verkniff Megan es sich, ihn erneut anzufauchen. Henry war ein netter Kerl und einer ihrer besten Freunde; er hatte es nicht verdient, ihre schlechte Laune abzubekommen.

„Ich hab mich auf dem Weg zum Telefon gestoßen und mir wahrscheinlich den Zeh gebrochen. Warum rufst du an?“

Ihr Galerist lachte heiser. „Ist das dein Ernst? Ich warte seit einer halben Stunde auf dich.“

„Was?“ Megan schüttelte den Kopf. „Warum?“

„Wir haben heute den Besprechungstermin“, gab er amüsiert zurück. „Du erinnerst dich noch, dass wir kommenden Dienstag deine Ausstellung eröffnen?“

„Was?“ Ihr Zeh war vergessen. „Was für ein Tag ist heute?“

„Freitag … der Dreizehnte übrigens.“

Megan spürte, wie ihr Gesicht alle Farbe verlor. „Oh Scheiße!“

„Megan?“

„Ich hab’s vergessen, tut mir leid. Ich hab – gib … gib mir zehn Minuten. Ich … Oh verdammt, ich muss duschen … und wach werden. Ich … Scheiße … Ich mach mich gleich auf den Weg.“

Henry lachte erneut.

„Mach langsam, Schätzchen, und stoß dich nicht nochmal irgendwo. Sei zum Lunch hier und bring was Leckeres zum Essen mit, dann ist dir vergeben. Wir kümmern uns schon mal um das Organisatorische. Bis später.“

Megan legte auf und fuhr sich mit beiden Händen durch das Haar.

Freitag!

Wieso war schon Freitag? Wie hatte sie dermaßen die Zeit aus den Augen verlieren können? Sie hatte doch Sonntag erst mit der Arbeit begonnen.

Sie stutzte.

Hatte sie mehr als einen Tag verschlafen?

Verflucht!

Sie brauchte einen Kaffee! Aber vorher eine Dusche.

Ihren pochenden Zeh ignorierend, kehrte Megan in ihr Schlafzimmer zurück und trat an die Kommode neben der Badezimmertür. Glücklicherweise war Henry ein extrem entspannter Mensch.

Der Typ, bei dem sie im letzten Jahr eine Ausstellung gehabt hatte, wäre niemals so locker mit ihrem geistigen Ausfall umgegangen. Allerdings war das auch der Grund, warum sie mit dem Kerl nicht mehr zusammenarbeitete.

Sie zog die Schublade heraus, wühlte in ihrer Unterwäsche herum und fischte BH und Slip aus der Unordnung, dann öffnete sie die Schublade darunter und erstarrte.

Hinter ihr erklang ein leises Schnarchen.

Megan stutzte.

Das war nicht möglich. Sie war allein in ihrer Wohnung. Sie besaß nicht einmal ein Haustier. Der Pulsschlag hämmerte ihr in der Kehle, als sie sich langsam umdrehte und zu ihrem Bett hinübersah.

„Fuck!“ Erschrocken drückte sie sich gegen die Kommode. Aus weit aufgerissenen Augen glotzte sie zu dem Mann hinüber, der sich bei ihrem Ausruf rührte und leise seufzend im Bett herumdrehte. Er blieb auf der Seite liegen und sie musterte seine Rückseite.

Sie träumte.

Sie musste träumen!

Anders war nicht zu erklären, dass da ein nackter, schwarzer Mann in ihrem Bett lag. Megan schluckte.

Zur Hölle, was war in den letzten vierundzwanzig Stunden passiert? Warum zum Teufel erinnerte sie sich nicht daran, jemanden abgeschleppt zu haben?

Unwillkürlich huschte ihr Blick über ihre eigene Gestalt.

Nein, unmöglich. Sie trug immer noch die Unterwäsche, mit der sie Mittwochmorgen ins Bett gefallen war. Sie hätte niemals – ungeduscht und schmutzig, wie sie war – einen Kerl mit zu sich nach Hause genommen.

Abgesehen von der merkwürdigen Tatsache, dass da ein Fremder in ihrem Bett lag, fühlte sie sich auch nicht, als hätte sie einen ekstatischen Akt erlebt.

Wenn er allerdings keine Kneipenbekanntschaft war … Wer war er dann? Er war wohl kaum ein Einbrecher, der sich zu ihr gelegt und ein Schläfchen gehalten hatte. Es musste irgendeine logische Erklärung geben.

Megan packte sich den Baseballschläger, der neben der Kommode stand, und hielt ihn mit beiden Händen fest. Sie würde nichts riskieren. Wenn der Typ eine falsche Bewegung machte, würde sie ihm den Holzschläger über den Schädel ziehen.

Mit kleinen, vorsichtigen Schritten umrundete sie das Bett und blieb auf seiner Seite am Fußende stehen. Sie sah einen ausgesprochen gut proportionierten Arm, der über seinem Kopf lag und ihr den Blick auf sein Gesicht verwehrte.

Verdammt, wer war das?

„Hey Mann!“ Er gab nur ein Murren von sich, wachte aber nicht auf. Sich Mut zusprechend, schob sich Megan einen halben Schritt nach vorn und verrenkte sich fast den Hals, um irgendetwas von ihm erkennen zu können. Stirnrunzelnd stellte sie fest, dass er offenbar eine Glatze hatte.

Nein! Oh mein Gott!

Was hatte sie getan?

Hatte sie sich in einer Bar den nächstbesten, glatzköpfigen Farbigen gekrallt und ihn mit nach Hause genommen, weil ihr Traum und die Skulptur sie so scharfgemacht hatten?

Warum zur Hölle erinnerte sie sich dann nicht mal daran, dass sie aufgestanden und rausgegangen war? Wieso hatte sie nicht vorher geduscht und sich saubere Unterwäsche angezogen?

S

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