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Vom Anfangende

Inhalt

Anfangende

Erinnern

Vernarrt

Achtzehn

Wegweiser

Dünnhäutig

Notizen

Geständnis

Anekdote

Drama

Ereignis

Menschlein

Pessimist

Abgenabelt

Mondrot

Mord

Wir

Liebes

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Verwirrt

Märchen

Wirrwarr

Ereignis

Schein

Glück

Freude

Diamantherz

Reaktion

Reflexion

Vergeblich

Flüchtig

Damals

Auszeit

Rückblick

Anfangende

Mit dir trank ich meinen ersten Caffé Corretto.

Du sahst mich auf der Ponte Pietra. Du tauchtest plötzlich neben mir auf, mit deinem Lächeln, deiner Kamera und sagtest, nur eins, okay? Nur eins – der Fotoapparat, der klickte und klickte! Entsprach ich doch allem anderen denn dem Klischee der Blondgelockten nördlich der Alpen.

Aber du ludst mich auf einen Caffé Corretto ein und erklärtest, dass du für ein Umweltmagazin arbeitest. Mit zwei Fingern und einem Bitteschön-Lächeln zogst du aus dem Brusttäschchen deines Hemdes ein Visitenkärtchen und reichtest es mir, und ließt nicht locker, bis ich nachgab und ich mich mit dir zusammen unter Romeos und Julias Balkönchen ablichten ließ.

Erst in meinem Zimmer betrachtete ich dein Kärtchen wirklich, sprach ich laut, dann wieder leise, fast zärtlich, deinen Namen.

Du wolltest mich noch bis zu meinem Hotel begleiten. Die verschlungenen Wegchen, die du dabei mit mir gingst, sie schenkten dich mir noch eine ganze Stunde.

Erst am Hotel gestandest du mir, dass du dich schon morgen auf den Weg machen müsstest für eine Reportage ins Stava-Tal.

Aber dann aßen wir noch zu Abend. Auf der Terrasse in meinem Hotel aßen wir noch. Die Fotos, sagtest du, ein Wort und ich steh vor deiner Tür. Deine Augen, diese schwarzen, sie meinten es ernst, als du das sagtest. Und dich zu mir beugtest. Und wir uns, auf der Terrasse meines Ferienhotels, küssten. Und ich dir auf die Rückseite eines deiner Visitenkärtchen meine Adresse schrieb.

Du bist nicht, wie geplant, gefahren. Du wolltest noch einen weiteren Tag mit mir verbringen. Die Recherchen, sagtest du, ob heute oder morgen, es spielt doch keine Rolle, der Berg läuft mir nicht davon – aber du …

Man hat in Tesero, im Ortsteil Stava, ein Dokumentationszentrum errichtet. Ich habe es noch nie betreten. Ich kenne es nicht von innen. Ich kenne alle die Plätzchen außenherum, an denen die Schwalben ihre Nester bauen. Die Ameisen sich auf ihren Straßen begegnen. Und die kühlen Nischen, in denen sich die Schneckenpaare lieben. Aber ich kenne nicht den großen, weißen Fleck, oben am Berg, den es noch immer gibt, der noch immer in der Sonne schön wie ein Gletscher glänzt. Und ich kenne nicht die Stelle im Dokumentationszentrum, an der auch dein Name steht.

Seit gestern bin ich wieder hier. Ich hatte Glück: Im Erica angekommen, fegte ein Gewittersturm los, der, mit der Wucht eines Eishagels, dem Sonnenidyll in Sekunden sein Lachen nahm. Aber schon nach zwanzig Minuten war alles wieder vorbei – über den Berghängen wabbelte wieder ein Sommerwasserblau, ich roch es noch in meinem Zimmer. Noch unter der Dusche. Noch, als ich mich fürs Abendessen schönmachte – für dich –, an dem Tischchen, das man für mich reserviert, wenn ich hier bin. Auf das, wenn ich Glück habe, in der Mittagsstunde ein Licht fällt, das mich an ein Licht in deinen Augen erinnert, das ich nie, nie, nie vergessen werde. Ich esse Rigatoni mit Sommergemüse. Ich trinke Chianti Castello, mit dir an meiner Seite.

Auch deinen Fotoapparat hat man nie gefunden. Nicht die kleinsten Reste eines Belegs dafür, dass du im Erica die letzte Nacht deines Lebens verbrachtest. Nichts ist geblieben. Man weiß nichts.

In deiner letzten Minute … dachtest du da an mich, mein Liebster?

PS.: Nach Verona fahre ich nicht mehr. Der Rummel, die lange Fahrt, es ist mir zu viel geworden.

Erinnern

Und dann steht er noch lange am Fenster, auf eine Straße blickend, auf dünnes Grün dünner Bäumchen. Die im Wind ihre Ästchen neigen. Auf die er blickt. An einem Fenster stehend. In einem Zimmer, das ihn von nun an für immer an etwas erinnern wird, gleich einem Kind, das sich für immer und ewig an das erinnert, was einmal das Wertvollste gewesen ist, was es besessen hat.

Vernarrt

Platon sagt:

Dass nun die Liebe eine Begierde ist, das ist jedem klar. Wiederum aber wissen wir, dass auch Nichtliebende die Schönen begehren. Wodurch also wollen wir den Liebenden vom Nichtliebenden unterscheiden?

Bitte, geh noch nicht. Wieder küsst er sie wie ein Wilder.

Ach, du Verrückter, du. Du weißt doch, was passieren wird, wenn …

Bitte, geh noch nicht.

Es nützt doch nichts, so zu tun, als wüssten wir nicht, was passieren wird, wenn …

Lass uns noch was total Verrücktes machen, bitte!

Ach, du Verrückter, du. Du willst es einfach nicht wahrhaben, sag …?

Ich will nur noch dich wahrhaben, dich!

Und wieder schmeicheln seine Lippen über ihre Brüste, so lange, bis sie es wieder aufgibt, so zu reden mit ihm.

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