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Violent Earth 7: Sichere Zone (Zombie-Serie)

Lukas Vering

Violent Earth 7: Sichere Zone (Zombie-Serie)

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Erster Teil

 

1.

 

Stumpfe Finger kratzen über schroffen Backstein. Ein Stöhnen und Ächzen aus der fauligen Kehle, voll von gierigem Verlangen. Nach seinem Fleisch. Seinem frischen, lebendigen Fleisch.

 

Er liegt auf dem Rücken, atmet heftig ein und aus, der Brustkorb hebt und senkt sich, als gäbe es darin Ebbe und Flut. Der Herzschlag pocht ihm bis in die Kehle. Die Lungen fühlen sich an, als hätte jemand eine Metallzange darum gelegt. Sein Blick geht Richtung Himmel. Ein unendlich weites Feld aus grauem Nichts. Eine Wolkendecke so dicht und farblos, als wäre sie die neue Farbe, die der Himmel trägt. Schluss, Aus und Vorbei mit dem fröhlichen Blau. Dafür gibt es keinen Platz mehr in dieser Welt.

 

Ein Fauchen irgendwo unter ihm.

„Halts Maul“, raunt er auf. „Verdammter Beißer.“ Mit Mühe rollt er sich auf die Seite und wirft einen Blick über den Abgrund, der sich neben ihm auftut. Er schaut eine Häuserwand hinunter: Auf zwei Hände, die sich ihm entgegenstrecken, die über die Wand kratzen, die ihm das Fleisch von den Knochen ziehen wollen. Und zwischen den Fingern hindurch sieht er die unmenschlichen Augen, die gebleckten Zähne, die Grimasse des Todes.

Seufzend rollt er sich zurück auf den Rücken. Den Blick wieder zurück in den grauen Himmel. Schmerz blitzt in seinem linken Bein auf. Bei der Flucht hat er es sich irgendwo aufgeschnitten. „Kein Biss“, versichert er sich selber. Alle zwei Minuten. Er muss bei dem panischen Versuch auf die Regentonne zu klettern um das rettende Hausdach zu erklimmen, auf dem er nun liegt, an etwas hängen geblieben sein. Im Adrenalinrausch war ihm das egal gewesen, alles was zählte, war der rettende Sprung auf das Flachdach. Nun liegt er zwar sicher auf dem Dach, doch das warme, rote Blut, das aus der Wunde in seinem Bein sickert, findet schnell seinen Weg über die Kante. Dort tropft es auf schroffen Backstein. Und gierige Hände.

Der untote Verfolger stößt ein wahnwitziges Kreischen aus.

 

 

2.

 

Ihre Finger schieben die modrige Spitzengardine zur Seite. Durch das staubige Fenster kann sie den vom Chaos zerwühlten Garten sehen, der vor dem Haus liegt. Ihre Augen streifen über eine umgeknickte Wäschespinne, umgeworfene Stühle, das verloren dastehende Bobbycar. Leuchtend rotes Plastik. Vorsichtig tritt sie ein bisschen näher an das Fenster heran, schiebt die Gardine ein Stückchen weiter zur Seite. Sie sieht die Mauer, die den Garten von der Straße trennt. Und das Tor in der Mauer, das sperrangelweit offen steht.

 

„Mama?“

Erschrocken wirbelt sie herum. Im Türrahmen steht ein Junge, verunsichert, verängstigt, die großen Augen voll von Furcht. Er ist gerade mal so groß, dass der Kopf bis auf die Höhe der Türklinke reicht. Die aschblonden Haare fallen über seine Stirn. Die Kleidung ist verschmutzt. Hinter seinem schmalen Rücken lugt ein zweites Gesicht hervor. Noch größere, noch ängstlichere Augen. Kleine Finger, die sich in den Stoff seines Shirts krallen. Das trübe Licht, das durch das Fenster eindringt, fällt auf die Gesichter der Kinder. Wie ein Suchscheinwerfer, der endlich seine Ziele entdeckt hat.

„Psst“, macht sie und tritt vom Fenster weg, lässt den Vorhang zufallen. Sie schiebt die Kinder aus dem Raum. „Ihr sollt doch nicht …“

„Aber Nik ist …“, stammelt der kleine Junge.

„Schon gut, schon gut … Alles wird gut …“, flüstert die Frau und streift ihm hastig über den Kopf. Als könnte ihn das beruhigen.

„Mami …?“, fiepst das Mädchen, das sich hinter dem Jungen versteckte.

„Ist ja gut …“ Sie nimmt das Mädchen auf den Arm. Unterdrückt ein Ächzen. Sie ist viel zu hungrig und schwach, um noch ein Kind auf den Arm zu nehmen. Doch als sie die Stirn spürt, die sich gegen ihre Schulter drückt, weiß sie, dass sie keine andere Wahl hat. Sie wirft einen Blick zurück in das Zimmer, zu dem staubigen Spitzenvorhang und der grauen Welt, die dahinter liegt. So hat sie sich die Zukunft für ihre Kinder nicht vorgestellt. Nein, wirklich, so nicht. Und erst recht nicht mit dem Gartentor, das sperrangelweit offen steht und dessen Metallscharniere selbst im leichten Wind verräterisch knarren.

 

 

3.

 

Er unterdrückt einen Aufschrei. Presst nur die Zähne zusammen und lässt ein Stöhnen zwischen den Lippen hervordringen. Gerade hat er sich den Ärmel seiner Jacke abgerissen, diesen um das Bein gewickelt und nun fest zugezogen. Er spürt wie der Blutlauf abgeschnürt wird. Ob ihn das retten wird, fragt er sich nicht. Das Einzige, was ihn hätte retten können, wäre die Pistole gewesen, die er irgendwo verloren hat, als er über einen Zaun gesprungen oder durch eine Hecke gestürzt ist.

Erschöpft lässt er sich wieder zurücksacken. Auf sein Dach. Er muss auflachen. Die Verzweiflung und Ausweglosigkeit schmeckt so bittersüß, dass ihm nichts anderes einfällt. Das war, wovor sie ihn alle gewarnt hatten. Und er hatte nur gesagt, dass er lieber zerfetzt und zerfleischt auf dem Asphalt liegen würde als in der Safe Zone zu versauern wie ein Strafgefangener.

Er fährt mit der Hand über seine Stirn. Seine Haare kleben im Schweiß fest. Zusammen mit einigen unglücklichen Insekten, deren dünne Glieder er mit seiner Bewegung zerreibt. Seine Lippe kräuselt sich vor Ekel, als er den Handrücken betrachtet, auf dem im schimmernden Schweiß die zerfledderten Körper hängen.

Wieder ein Fauchen von unten. Er beugt sich nach vorne, schaut über den Rand hinweg. Die Hände sind nicht weit entfernt. Das Gebäude ist nicht besonders hoch. Hätte er eine Waffe, irgendetwas, sei es nur ein langer Stock, könnte er damit nach unten schlagen und seinen Verfolger ausmerzen. Ein gezielter Stich durch die Augenhöhle ins Hirn. Oder ein einzelner Schuss mitten durch die Stirn. Aber seine einzige Waffe …

„Moment.“ Hastig tastet er über seine Hosentaschen. Und fühlt tatsächlich etwas. Natürlich. Das Klappmesser. Er zieht es hervor. Klappt es auf. Das Metall glänzt, strahlend und unbefleckt. Fast schon ironisch, wie es in seinen schmutzigen Händen liegt, voll von getrocknetem Blut und Dreck. Eine Erinnerung blitzt auf. Mahnende Worte, besorgte Blicke, das Messer, das ihm von zitternden Händen überreicht wurde. Er erinnert sich auch, wie egal ihm all das gewesen war. Wie abscheulich er die sterilen Räume fand, in denen sie in Sicherheit schwelgten und über das Leben der Verlorenen entschieden.

Er steht am Abgrund, die Füße einen Zentimeter über den Rand geschoben. Der Untote ächzt nach dem frischen Blut, das sein Hosenbein durchnässt. Der Griff des Klappmessers liegt entschlossen in seiner Hand. Ein letzter Blick in das verzerrte Gesicht. Wer war er einmal? Er muss Mitte Vierzig sein, kaum noch Haare auf dem Kopf, mittleres Übergewicht. Was er trägt, war wohl mal ein weißes Hemd, unsorgfältig in die beigefarbene Hose gestopft, die mit einem Gürtel an die Hüfte gezurrt wurde. Billige Armbanduhr, Discounterschuhe. Selbst zu Lebzeiten wäre ein Messer durch die Schädeldecke eine Wohltat gewesen.

Sein verächtliches Lächeln blitzt auf.

Dann holt er aus und schleudert das Messer hinab.

 

Ein kurzes, nicht wirklich beirrtes Zurücktaumeln. Dann streckt der Untote die Hände wieder nach oben und stöhnt voll der Fleischesgier auf.

„Shit“, zischt er und starrt fassungslos auf die Klinge des Messers, das sich in die Schulter des Untoten gebohrt hat. Dort steckt es nun. Unnütz und uneffektiv. Vielleicht hätte er doch zuhören sollen, als man ihm erklären wollte, wie man seine Waffen am effektivsten einsetzt …

 

 

4.

 

„Maya, du musst …“

Doch das kleine Mädchen krallt sich nur in ihre Schulter und vergräbt das Gesicht in ihrer Bluse.

„Nik hat gesagt, er hat Durst.“ Der Junge zupft an ihrem Hosenbein.

„Ja. Ja, ich schaue sofort nach Nik …“, murmelt die Mutter gedankenverloren. Sie schaut sich um. Sie befinden sich im oberen Stockwerk. Der Flur ist genauso verstaubt wie der Rest dieses Hauses. Die penible Ordnung kommt ihr unheimlich vor. An den Wänden hängen Bilder, in perfekter Ausrichtung. Einzig und allein die dicke Staubschicht darauf könnte irgendwann ein Ungleichgewicht auf die Rahmen ausüben und sie aus ihrer geometrischen Position bringen. Es gibt fünf Türen. Hinter einer liegt das Zimmer, aus dem sie gerade gekommen ist. Eine andere versteckt das Badezimmer, in dem ihr ältester Sohn Nik sich soeben in die Kloschüssel erbrochen hat. Bleiben drei Fragezeichen.

„Kannst du so lange auf deine Schwester aufpassen, Bruno?“ Sie geht in die Knie, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein.

Er nickt. Tapfer, aber immer noch mit der gleichen Angst in den Augen.

„Okay, ihr wartet einfach hier in diesem Raum. Aber geht nicht an das Fenster. Hast du verstanden?“

„Nicht ans Fenster …“

„Genau, Bruno. Guter Junge.“ Sie zwingt sich ein Lächeln ab. „Okay …“, haucht sie, mehr zu sich als zu ihrem Sohn. Dann drückt sie ihm einen Kuss auf die Stirn und beginnt ihre Tochter von ihrer Schulter zu lösen. „Maya …?! Mama muss sich jetzt einmal kurz um Nik kümmern. Aber Bruno passt auf dich auf, ja? Ihr bleibt einfach hier in dem Zimmer und ich bin sofort wieder da. Ihr braucht keine Angst haben.“

„Aber … was, wenn der böse Mann wiederkommt?“

„Hier sind wir doch sicher, Maya. Hier kommt niemand rein, okay?“ Wieder so ein abgezwungenes Lächeln. Es tut ihr in den Wangen weh. Sie kann spüren wie sich die Falten darin spannen und ihr scheint es, als wäre der Schmerz eine Strafe für ihre Lügen.

„Wieso sind wir nicht bei Papa geblieben?“, fragt Maya leise.

„Schon gut, Maya. Geh jetzt einfach mit Bruno hier rein, ja?“ Sie richtet sich wieder auf und öffnet die Tür zu dem Zimmer mit der Spitzengardine. Die beiden Kinder verschwinden darin.

„Und einfach nicht zum Fenster gehen.“ Sie ringt sich einen fröhlichen Ton ab. Wie surreal.

Als die Tür mit einem Klicken zufällt, muss sie schlucken. Ihre Kehle ist trocken, der Speichel zäh und schleimig. Sie streicht sich ein paar Haarsträhnen hinter das Ohr. Ihr Blick fällt auf ihre eigenen Hände. Dürr und faltig. Dicke Adern treten unter der blassen Haut hervor. An einigen Stellen verfärbt sich die Haut bräunlich. Wie welkes Laub. Die Glieder zittern. Sie kann es nicht verstecken.

 

Dann hört sie ihn husten. Und spucken. Zwei Schritte, dann steht sie vor der Tür die ins Badezimmer führt. Ihre Hand liegt schon auf der Klinke, doch sie will nicht eintreten. Nur einen kurzen Moment lang hält sie inne, lässt das Atmen sein, schließt die Augen. Sie gönnt sich nur diese eine Sekunde. Nur ein paar Bilder aus der Zeit, in der die Straßen noch nicht mit Blut gepflastert waren.

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