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Vielen Dank an das gesamte Team

Vorwort

„Nicht reden – machen.“ – „Da bin ich ganz bei Ihnen.“ – „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“ Kennen Sie solche Sätze aus Ihrem Berufsleben? Sätze, die man immer wieder hört – und vielleicht deshalb schon nicht mehr hören kann. Phrasen, die man selbst immer wieder verwendet, weil sie sich fest im eigenen Hirn eingenistet haben.

Solche schrecklich schönen Sätze habe ich gesammelt – von Bekannten, Freunden, Arbeitskollegen. Da kam schon einiges zusammen für diesen nicht ganz ernst gemeinten Ratgeber. Doch reichte das noch nicht aus. Und so habe ich im sozialen Netzwerk Xing einen Aufruf gestartet, mich mit solchen Sprüchen zu versorgen. Kurze Zeit später konnte ich den Wirtschaftsjournalisten und Social Media Manager Jochen Mai für die Idee gewinnen, auf seinem Blog www.karrierebibel.de die Leser zum Mitmachen aufzurufen. Und viele haben mitgemacht: Mich erreichte eine hübsche Sammlung unvermeidlicher Sätze – nicht nur aus Deutschland, sondern auch von den Malediven und aus Hongkong.

Und was soll ich sagen? Im indischen Ozean und am südchinesischen Meer kursieren offenbar die gleichen grausamen Phrasen wie zwischen Nord- und Bodensee. Ich finde das sehr beruhigend. Oder um es gleich mit einem unverwüstlichen Spruch zu sagen: „Da kommt Freude auf.“

Matthias Nöllke

Das Vorstellungsgespräch

Am Anfang steht das Vorstellungsgespräch. Von dem hat ein erfahrener Personaler mal behauptet, in dem Wort sollte das O besser durch ein E ersetzt werden. Denn beide Seiten sind bestrebt, sich selbst keine Blöße zu geben und gleichzeitig die Schwachpunkte des Gegenübers aufzudecken. Beides gelingt nur, wenn man die richtigen Sätze kennt. Und wenn man weiß, was hinter den Aussagen der andern Seite steckt. Sonst drohen böse Überraschungen:

  • Sie wissen nicht, wie Sie in 30 Sekunden Ihre unvergleichlichen Vorzüge zur Geltung bringen können (siehe Satz Nummer 5).

  • Oder Sie nehmen an, es gehe in dem Laden ziemlich locker zu, weil der Chef anmerkt, hier gebe es „keine Stechuhr“ (siehe Nummer 11).

  • Dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie später ein Schreiben bekommen mit dem trostreichen Satz Nummer 13: „Bitte betrachten Sie diese Absage nicht als Wertung Ihrer beruflichen Qualifikation.“

1 Sie haben gut hergefunden?

Wer sagt denn so was?

Alle Personen, die den Stellenbewerber begrüßen und sich den Anschein geben, mit ein wenig Smalltalk die Situation auflockern zu wollen.

Was steckt dahinter?

Da erscheinen Sie zum ersten Mal als Stellenbewerber bei einem Vorstellungsgespräch und staunen nicht schlecht: Die erste Frage, die an Sie gerichtet wird, kommt Ihnen ziemlich sinnlos vor. Pünktlich und knitterfrei sind Sie angekommen und sollen nun darüber Auskunft geben, ob Sie sich nicht unterwegs verlaufen haben? Sie haben es nicht bemerkt: Bei der Frage handelt es sich um Smalltalk. Und beim Smalltalk dürfen Sie nicht mit Logik kommen. Sie sollen Ihrem Gegenüber eigentlich nur zeigen: Ich bin ein netter Mensch.

Sie müssen nämlich wissen: Wenn die andern Smalltalk machen, dann wollen sie herausfinden, ob Sie nicht ein unangenehmer Querulant sind oder ein trockener Langweiler oder ein unbeholfener Stoffel, der sich nur die Musterantworten aus dem Bewerbungsratgeber reingebimst hat.

Was soll ich dazu sagen?

Ein freundliches „Oh ja, danke!“ reicht für den Anfang. Profis punkten mit: „War gar kein Problem. Mit Ihrer Anfahrtsskizze.“ Und dann reden Sie über das Wetter.

2 Nehmen Sie am besten hier Platz.

Wer sagt denn so was?

Alphatiere, die gegenüber dem Stellenbewerber gleich mal ein subtiles Dominanzsignal aussenden möchten.

Was steckt dahinter?

Wer die Plätze anweist, der sagt, wo es lang geht. So viel ist schon mal klar. Ihr Gegenüber hat hier Heimrecht; und Sie müssen sich fügen. Doch entscheidend ist der aufmunternde Zusatz „am besten“. Denn so bekommen Sie als Bewerber den Eindruck, als bestehe im Prinzip freie Platzwahl.

Wo wollen Sie sich niederlassen: auf dem Schoß des Personalchefs, auf der Fensterbank, im Papierkorb? Schade, schade, das sind alles keine Sitzgelegenheiten, die ernsthaft in Betracht kommen, wenn Sie sich von Ihrer besten Seite zeigen möchten. Und darum geht es doch jetzt, oder?

Daher bleibt Ihnen wie so oft im Berufsleben nur eine Möglichkeit: Sie entscheiden sich für den Stuhl, den man für Sie ohnehin vorgesehen hat. So läuft das hier nämlich.

Was soll ich dazu sagen?

Sie dürfen wieder danke sagen. Danke sagen hilft fast immer. Sogar bei versteckten Beleidigungen. Aber dazu kommen wir noch.

3 Ich suche eine neue berufliche Herausforderung.

Wer sagt denn so was?

Stellenbewerber, die lieber nicht verraten wollen, warum sie ihre alte Stelle aufgeben.

Was steckt dahinter?

Wer sich auf eine neue Stelle bewirbt, macht sich verdächtig: Warum will er seine alte Position aufgeben? Hat er versagt? Ist er streitsüchtig? Sexsüchtig? Faul? Kurz vor der Babypause? Darum wollen die künftigen Arbeitgeber immer gerne wissen, warum Sie Ihre Stelle wechseln wollen. Und wenn Sie jetzt ins Stammeln geraten, dann können Sie den neuen Job knicken. Deshalb sagen viele, sie suchten eine Herausforderung. Das klingt aktiv, anpackend, lösungsorientiert. Und doch unbestimmt genug, so dass man Sie auf nichts festnageln kann. Das wissen natürlich auch die Leute, die Ihnen gegenübersitzen. Niemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, sucht in seinem Beruf Herausforderungen. Er will seine Arbeit ordentlich erledigen. Das ist schon grandios genug. Wer unter Dampf steht, sollte lieber den Nanga Parbat besteigen.

Soll ich so was sagen?

Beißen Sie sich eher die Zunge ab. „Herausforderung“ hat schlimme Bedeutungen; es ist ein Unwort (siehe Nummer 76) und ab heute aus Ihrem aktiven Wortschatz gestrichen.

4 Ich brauche Menschen um mich rum.

Wer sagt denn so was?

Stellenbewerber, die den Job auch annehmen, wenn man sie in ein Großraumbüro sperrt. Kandidaten, die es für einen Vorzug halten, dass sie es nur schwer mit sich allein aushalten.

Was steckt dahinter?

Wenn Sie schüchtern und menschenscheu sind, haben Sie im Vorstellungsgespräch ganz schlechte Karten. Egal, für welchen Job Sie sich bewerben, in aller Regel ist eher der gesellige Typ gefragt. Der gilt als unkompliziert, freundlich, belastbar und aufgeschlossen. Und man kann gleich mehrere davon in einem Raum unterbringen, ohne dass sie sich die Köpfe einschlagen. Nein, in Gesellschaft blühen sie erst so richtig auf und reißen ihre Kollegen auch noch mit … Das heißt, einer von denen genügt, um einen trägen Haufen in ein Topteam zu verwandeln. Und wenn dann noch Kundenkontakt hinzukommt, ist jeder, der „Menschen um sich braucht“, kaum noch zu schlagen.

Soll ich so was sagen?

Diesen Satz können Sie ruhigen Gewissens äußern, sobald auf der Gegenseite das Wort „Teamfähigkeit“ gefallen ist. Alternative für Senkrechtstarter: „Ich arbeite gerne mit Menschen.“ Das lässt Ihnen später alle Türen offen.

5 Sie haben 30 Sekunden Zeit, mich davon zu überzeugen, dass Sie der / die Richtige sind.

Wer sagt denn so was?

Um Coolness bemühte Alphatiere, die schon mal das Wort „Elevator Pitch“ gehört haben und es sowieso nicht ertragen können, wenn jemand in ihrer Gegenwart länger als 30 Sekunden am Stück spricht.

Was steckt dahinter?

Aus den USA stammt der Begriff „Elevator Pitch“. Angeblich waren Mitarbeiter auf die gemeinsame Fahrt mit dem Fahrstuhl (Elevator) angewiesen, um ihren Chef von einem Projekt zu überzeugen. Eine solche Fahrt soll im Durchschnitt 30 Sekunden gedauert haben. Später hat man gemerkt, dass die Sache noch besser funktioniert, wenn man den Fahrstuhl weglässt. Der Name aber ist geblieben.

Was soll ich dazu sagen?

Bereiten Sie sich vor und nennen Sie drei Eigenschaften, die zu dem Job passen. Dabei darf die letzte etwas aus dem Rahmen fallen. Maßstäbe hat ein deutscher Schauspieler gesetzt, der sich als Bösewicht für einen James-Bond-Film bewarb. Seine Antwort: „Ich bin böse, ich bin kahlköpfig, ich bin Deutscher.“ Er fügte hinzu: „Und die letzten 20 Sekunden schenke ich Ihnen.“

6 Sie haben sicher doch auch Schwächen.

Wer sagt denn so was?

Gesprächspartner, die es für eine gute Idee halten, Stellenbewerber zu verunsichern. Zu ihren eigenen Schwächen gehört, dass sie keine Ahnung haben, wie man Vorstellungsgespräche führt.

Was steckt dahinter?

Als Stellenbewerber wollen Sie einen möglichst guten Eindruck machen. Dieses Vorhaben will Ihr Gegenüber durchkreuzen. Denn ihm geht es darum, im Gespräch die Oberhand zu behalten. Deshalb will er Sie in Verlegenheit bringen und fordert Sie auf, freimütig Ihre Schwächen zu bekennen. Dabei ist ihm schon klar, dass niemand, der bei Verstand ist, dieser Aufforderung nachkommt. Ihr Gesprächspartner will nur mal sehen, wie Sie so reagieren. Und ob Sie sich eine passende Antwort zurechtgelegt haben.

Was soll ich dazu sagen?

Behalten Sie unangenehme Eigenschaften für sich und punkten Sie mit liebenswerten Schwächen. Erzählen Sie von Ihrem Hobby („Meine größte Schwäche ist die italienische Küche / der Halbmarathon / sind skandinavische Kriminalromane.“) oder tarnen Sie eine Eigenschaft als ...

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