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Verbotene Frucht

Akt 1 

Es war mitten in der Nacht. Meine Augen öffneten sich und blickten in die Dunkelheit. Ich versuchte wieder einzuschlafen, aber es gelang mir nicht. Sein Vorname drängte sich zwanghaft in mein Gehirn. Wieder und wieder buchstabierte ich diesen Männernamen. Ich hatte Lust! Meine Finger berührten meine beiden Brustwarzen, und meine Brüste drängten sich in meine Hände. In Gedanken stelle ich mir vor, wie seine Lippen auf meine trafen und seine Zunge die meinige fand: erst sanft, dann immer fordernder.  Nun dachte ich an seinen Körper, den ich mit meiner Lust erfüllen wollte. Ich zog ihn langsam, ganz langsam aus. Seine Haut war fest und seidig zugleich. Ich berührte ihn überall.

Mir wurde heiß, und meine Hand glitt an meinem Körper entlang, um das brennende Verlangen zu löschen, das in mir war! Ich stöhnte auf ...  Ein Blick zur Bettseite ... Ich hörte ein zufriedenes Schnarchen. Als es vorbei war, fühlte ich Trostlosigkeit. Dies Leere danach ...  Ich hasste mich für das, was ich getan hatte, denn ich war glücklich verheiratet und das machte die ganze Angelegenheit so unmoralisch!

Die nächsten Tage und Monate war ich sehr deprimiert, denn ich durfte Jan nicht haben. Ich, Katharina Stamm, war fürchterlich in ihn verliebt! Nicht, dass ich ihn heiraten oder mit ihm zusammenleben wollte. Nein, ich wollte nur mit ihm schlafen. Einfach nur so, aus purer Lust! Dieser Wunsch war schockierend, und weil er so schockierend war, schlug er mir auf den Magen und auf mein Gemüt. Ich hatte den Eindruck, dass ich in einem halboffenen Sarg lag und den Deckel nur noch schließen musste.  Eine schwere Last legte sich auf mein Herz und drückte es zusammen. Es war, als wollte ich eine lang vergessene Frucht essen. Ich erinnerte mich an ihren Geschmack und an ihren Geruch, aber diese Frucht war für mich so gut wie unerreichbar! Das Schlimmste war meine Sehnsucht ... Es erschien mir wie eine Sucht, ihn zu sprechen, zu sehen und vor allem, mit ihm Sex zu haben. Nichts konnte mich von dieser Sucht ablenken, und meine Gefühlte, mein Gewissen verursachten mir Höllenqualen.  Ich versuchte, diese Gefühle vor meinem Mann zu verbergen.  Ich fühlte mich krank. Verstand und Gefühl liefen total auseinander.

Ich war fünfzehn, als ich Philliph kennen lernte.  Die Erinnerung daran war noch ganz deutlich. Wir wohnten in einer Kleinstadt im Mittelgebirge und besuchten zwei verschiedene Gymnasien. Philliph war in einer katholischen, konservativen Familie aufgewachsen, während meine Familie evangelisch war. Er ging deshalb auch auf ein katholisches Gymnasium, ich hingegen in ein städtisches. Philliph war meine erste große Jugendliebe, war das, was man Liebe auf den ersten Blick nennt. Eine gemeinsame Freundin machte uns miteinander bekannt. Als erstes bemerkte ich seine blonden Haare und seine blauen Augen. Ich stand darauf und fühlte mich von Anfang an zu ihm hingezogen. Er war knapp einen Kopf größer als ich, sehr schlank und ein Jahr älter. Schon am ersten Abend haben wir uns im Keller seines Elternhauses geküsst. Es war mein erster “richtiger” Kuss. Ich weiß noch, dass mir davon ganz schwindelig wurde und ich den Türgriff der Kellertür nicht mehr fand, so verwirrt war ich. Philliph war eher der stille, bescheidene Typ, blieb gern im Hintergrund und war sehr sanftmütig. Er machte schon in jungen Jahren einen beständigen und verlässlichen Eindruck, während ich zu Spontanität und schon mal zu großer Albernheit neigte. Ich war ein kleines, dünnes Mädchen mit Storchenbeinen und langen, dunklen Haaren, weder besonders hübsch, noch besonders hässlich. Ich durfte mit 15 Jahren noch keinen Freund haben, und so trafen wir uns heimlich im Wald. Zwei Jahre später stellte ich meinen Eltern Philliph offiziell als meinen Freund vor. Wir entdeckten gemeinsam unsere Sexualität. Ich ging zu einer Frauenärztin, um mir die Pille verschreiben zu lassen. Ich hatte mir extra eine Ärztin ausgesucht, denn ich fand eine solche Untersuchung durch einen Mann geradezu unmöglich. Nachdem ich eine Zeitlang die Pille eingenommen hatte, fieberte ich dem “ersten Mal” mit großer Spannung und ein wenig Angst entgegen. Am kommenden Wochenende sollte es soweit sein. Ein paar Tage vorher waren wie, wie schon öfter, in seinem Zimmer. Philliph küsste mich, und wir zogen uns gegenseitig aus. Nackt stiegen wir ins Bett, um uns zu streicheln, wie viele Male zuvor auch. Wir sprachen darüber, wie wir das “erste Mal” gestalten wollten. Wir redeten uns die Köpfe heiß, und unsere Körper meldeten uns die gleiche Temperatur. Wir streichelten uns so intensiv, dass wir es nicht mehr aushielten. Unsere Körper machten sich selbständig, ohne unsere Köpfe zu fragen. Philliph legte sich auf mich, und ich konnte es kaum mehr erwarten, ihn zum ersten Mal intim zu spüren. Dann war der Schmerz da! Ich musste plötzlich lachen, und Philliph auch, als er merkte, dass da eine Sperre war. Ich legte mich auf ihn, und wir versuchten es so ... ohne Erfolg! Das reizte uns noch mehr zum Lachen, und ich flüsterte ihm zu, dass wir das so nie schaffen würden. Als er wieder auf mir lag, wurden seine Bewegungen heftiger, und ich merkte, dass irgend etwas in mir zerriss. Es dauerte nur eine Sekunde, dann spürte ich keine Schmerzen mehr ...

Zuerst legte Philliph sein Abitur ab. Danach wurde er zur Bundeswehr eingezogen. Ein Jahr später hatte ich mein Abitur in der Tasche, und wir beschlossen, gemeinsam eine Lehre in einer Bank zu absolvieren. Nach der Lehre bezogen wir unsere erste gemeinsame Wohnung in unserem Heimatort. Wir hatten eine Menge Spaß, in den Möbel- und Einrichtungshäusern für unsere Wohnung die passenden Sachen auszusuchen. Alles machten wir gemeinsam: Tapeten abreißen, tapezieren, Fußböden verlegen und unsere neuen Möbel aufstellen. Stolz zeigten wir die Wohnung unseren Eltern und der übrigen Verwandtschaft und alle fragten uns ständig, wann wir denn heiraten würden. Ein halbes Jahr später verlobten wir uns. Es wurde eine große Feier mit all unseren Freunden und Bekannten und wir bekamen viele Geschenke, fast schon wie bei einer Hochzeit.  Es war herrlich, mit Philliph allein zu sein, ohne die Eltern ständig im “Rücken” zu haben, endlich ein selbständiges, eigenverantwortliches Leben zu führen, und es machte mir Spaß, Philliph zu verwöhnen, für ihn zu kochen und ihn zu umsorgen. Wir schätzten die Gemütlichkeit unserer Wohnung und die ruhigen gemeinsamen Abende. Nach einiger Zeit beschloss Philliph, doch noch zu studieren. Er schrieb sich für das Fach Volkswirtschaftslehre an der Uni ein, während ich weiterhin in der Bank arbeitete.

Zwei Jahre später beschlossen wir zu heiraten. Die Verwandtschaft und unsere Eltern jubelten: “Endlich keine wilde Ehe mehr!” Wir heirateten auch kirchlich. Es wurde wiederum ein schönes Fest. Die Arbeit in der Bank ödete mich mittlerweile an, und ich beschloss darum, ebenfalls zu studieren. Ich kündigte meine Stelle und begann ein Soziologiestudium. Philliph und ich führten kein wildes Studentenleben wie unsere Freunde, die in Wohngemeinschaften oder im Studentenwohnheim lebten und eine wilde Party nach der anderen feierten. Sie behaupteten, wir lebten zu zurückgezogen, doch wir hatten ja uns, und das war uns genug! Unsere Beziehung war sehr harmonisch. Wir stritten uns wenig und gingen uns nie wirklich auf die Nerven. Ja, wir verstanden uns wirklich sehr gut! Nichts konnte mein Seelenheil stören ... bis mir Jan begegnete und er alles durcheinander brachte! Wir lernten Jan durch Simone kennen, eine Studienkollegin von Philliph, die uns von Zeit zu Zeit besuchte. Simone war das, was man eine “flippige” Person nennt, sie hatte ständig neue männliche Begleiter. Eines Tages erzählte sie uns von Jan, ihrer neuen Liebe. Er war 34 Jahre alt und als junger Dozent für Ästhetik und Kommunikation an einer Uni tätig. Wir trafen die beiden zufällig bei einem Einkaufsbummel in der Stadt. Jan war mir von Anfang an sympathisch. Er war dunkelblond und hatte blaue Augen, genau wie Philliph, nur war er gut einen Kopf größer als dieser. Man konnte nicht behaupten, dass er richtig hübsch war, aber er hatte irgendetwas an sich ... Ich konnte noch nicht genau sagen, was es war. Philliph und Jan tauschten ihre Adressen aus. Eine ganze Weile hörten wir nichts von Jan und Simone, dann kam eine Karte von ihr aus Spanien. Sie schrieb, dass sie sich von Jan getrennt habe und nun ein Praktikum im Ausland absolviere. Daraufhin rief Philliph Jan an. Die beiden kamen ins Gespräch, und Philliph lud Jan ein, uns zu besuchen. An einem Wochenende kam Jan zu uns. Wir zeigten ihm unsere Wohnung und sprachen über die Uni und das Studentenleben. Jan war an einer anderen Hochschule tätig, etwa 40 km von uns entfernt, aber er wollte bald wechseln. Als witziger Unterhalter besaß Jan ein mitreißendes Lachen, und seine Stimme hatte einen besonders melodischen Klang. Er blieb lange an diesem ersten Abend. Nach einiger Zeit folgte Jans Gegeneinladung. Er hatte für uns gekocht, und das Essen schmeckte vorzüglich. Ich sah ihn an. Seine Attraktivität beruhte weniger auf seinem Äußeren, als auf seiner Art, wie er sich gab und redete. Er wirkte sehr selbstbewusst und schien gern im Mittelpunkt zu stehen. Im Laufe des Abends fielen mir auch seine Schattenseiten auf. Ich stellte fest, dass er ziemlich eitel und auch ein wenig arrogant war.

Ich mochte keine arroganten Leute; trotzdem fühlte ich mich durch seinen unwiderstehlichen Charme magisch von ihm angezogen. Wenn er mich ansah, lief mir ein Schauer über den Rücken, und ein starkes Kribbeln machte sich im Bauch bemerkbar. Mein Körper signalisierte mir, dass ich ihn begehrte, und das traf mich wie ein Schock! Diese Gefühle waren so plötzlich da, als hätte man einen Lichtschalter angeknipst. Als wir wieder zu Hause waren, konnte ich mich nicht beruhigen, und war von meinen Gefühlen völlig verwirrt! Von diesem Zeitpunkt an fühlte ich mich in Jans Gegenwart unsicher und verklemmt. Eine Folge davon war, dass ich plötzlich die Neigung hatte, mich vor ihm zu blamieren. Auf seine Fragen gab ich die unmöglichsten Antworten. Er musste mich für ziemlich blöd halten, was mich in seiner Achtung sicherlich nicht gerade steigen ließ. Ich schaute ihn mit weit aufgerissenen Kuhaugen an und bekam dabei weiche Knie. Ich war total fertig! In den folgenden Wochen und Monaten konnte ich mich nicht damit abfinden, dass ich mich in Jan verliebt hatte, sondern kämpfte ständig dagegen an und redete mir ein, dass es nur eine Einbildung von mir sei. Doch jedes Mal, wenn das Telefon schellte und Jan am Apparat war, wurde ich eines Besseren belehrt! Mein Herz schlug so laut, dass ich glaubte, er könne es durchs Telefon hören. In meiner plötzlich verschüchterten Art gab ich nur einsilbige Antworten. Ich war fürchterlich aufgeregt, wenn ich mit ihm sprach, und war mir fast sicher, dass er gemerkt hatte, was mit mir los sei. Ich hatte den Eindruck, dass jeder es mir ansah! Wenn im Freundeskreis das Gespräch auf ihn kam, wurde ich rot. Es war mir alles furchtbar peinlich. Philliph bemerkte, dass ich mich ein wenig seltsam benahm und anders war als sonst. Er fragte mich, was “los” sei, und ich sagte ihm die Wahrheit, wobei ich in Tränen ausbrach. Es war schrecklich! Ich fragte mich fortwährend, warum ich für Jan diese Gefühle empfand, obwohl ich doch Philliph liebte. Eine Erklärung hierfür konnte ich nicht finden. Ich bekam schlimme Schuldgefühle und war in dieser Zeit kaum ansprechbar. Ich suchte sogar einen Psychologen auf, um mir helfen zu lassen, doch der wusste auch kein Rezept für meine Not und wollte mir einreden, dass alles ganz normal sei. Philliph trug die Situation mit Fassung. Natürlich war er eifersüchtig, aber er wusste ja, dass ich für meine Gefühle nichts konnte. Ich hasste mich dafür, dass ich meine Leidenschaft für Jan nicht unter Kontrolle bringen konnte, und weinte heimlich vor Sehnsucht nach ihm. Meine Gefühle waren so stark, dass ich keine Ruhe fand, mein Körper rebellierte und forderte seinen Körper. Philliph und Jan waren mittlerweile enge Freunde geworden, was die Situation nicht gerade erleichterte. Jan sah mich aber nur als Frau seines Freundes und schenkte mir kaum Beachtung, was mich sehr verletzte. Ich steigerte mich darin hinein, dass er mich wahrscheinlich hässlich fand, und erwischte mich von Zeit zu Zeit vor einem Spiegel, den ich fragend ansah.

Akt 2

 

 Vor Kummer beschloss ich, Jan aus dem Weg zu gehen, denn ich hielt seine “Nichtbeachtung” kaum noch aus. Mein Selbstbewusstsein bekam einen ordentlichen Knacks. Ich versuchte mich abzulenken, aber meine Gefühle für Jan waren ungebrochen stark. Philliph hatte gerade sein Examen bestanden, und das wollten wir nun an einem Freitagabend mit allen Freunden feiern. Zur gleichen Zeit wechselte Jan an unsere Uni und hatte dort sein Büro bezogen. Jan war natürlich auch eingeladen. Er erschien als letzter Gast auf unserer Party. Ich ging ihm aufgeregt entgegen. Er lachte, als er mich sah, und ich hatte sofort den Eindruck, dass er mich auslachte. Jan bediente sich am kalten Büfett und setzte sich dann in der Küche neben mich. Wir saßen eng nebeneinander auf einer Eckbank, auf der noch andere Gäste Platz genommen hatten. Eine heiße Welle durchflutete mich, und ich spürte jeden Millimeter seines Körpers, der an meinen Körper traf. Ich hatte das Gefühl, in ein Feuer geraten zu sein, und genoss jede Sekunde! Von da an wusste ich, dass ich alles versuchen würde, um mit ihm zu schlafen. Erhitzt ging ich ins Badezimmer, um mich rasch ein wenig frisch zu machen, zog mich nackt aus und betrachtete mich im großen Badezimmerspiegel: meine kleinen, festen Brüste (waren sie vielleicht zu klein?) und meinen sehr schlanken Körper. Der Gedanke quälte mich, dass ich ihm eventuell nicht gefallen könnte. Den restlichen Abend ging ich nur noch auf wackeligen Beinen umher. Jeder Blick, jeder Körperkontakt mit ihm entzündete in mir erneut das Feuer. Jan war für mich der Alleinunterhalter des Abends, und ich hing an seinen Lippen. Seine Stimme und sein Lachen erregten und faszinierten mich. 

 

Während er im Wohnzimmer breitbeinig auf einem Sessel saß, musste ich ständig daran denken, dass ich ihn am liebsten an einer gewissen Stelle gestreichelt hätte! Ich war geradezu besessen von diesem Wunsch und da meine Gedanken nur noch darum kreisten, konnte ich mich für den restlichen Abend an keinem Gespräch mehr beteiligen. Jan hatte an diesem Abend viel getrunken und übernachtete daher in unserem Gästezimmer. Diese Nähe ließ mich keinen Schlaf finden und ich wälzte mich unruhig in meinem Bett hin und her, bis der Morgen kam.  Philliph fuhr in die Stadt, um fürs Frühstück frische Brötchen zu holen, und ich war zum ersten Mal mit Jan allein. Er bot sich an, das schmutzige Geschirr von der Party zu spülen, und ich half ihm, die benutzten Gläser zur Spüle zu tragen. Als ich hinter ihm stand, passierte es: Meine freie Hand legte sich auf seinen Rücken und streichelte ihn bis zum Po hinunter! Jan stand bewegungslos da, wie versteinert. Ich merkte, dass ich zu weit gegangen war, und trat ein paar Schritte zurück. Jan sagte nichts, doch sein Gesicht war dunkelrot angelaufen. Kurz darauf kam Philliph zurück, und unser Gast hatte es plötzlich sehr eilig, nach Hause zu kommen. Ich schloss mich in unserem Badezimmer ein und weinte. Ich hatte alles falsch gemacht! Zwei Tage später beschloss ich, Jan in seinem neuen Büro an unserer Uni aufzusuchen. Ich ging zehn Mal an seiner Bürotür vorbei, ohne anzuklopfen. Ich traute mich nicht! Dann setzte ich mich für eine halbe Stunde in die Mensa, um einen Kaffee zu trinken. Daraufhin dachte ich: Jetzt oder nie! Ich klopfte an seine Tür, und Jan rief: “Herein!” Mit hochrotem Kopf stand ich vor ihm und fragte ihn, ob er mir wegen des Vorfalls am Samstagmorgen böse sei? Er sah mich an und schüttelte den Kopf. Wir schauten uns beide fragend an, und es kam eine gewisse Spannung auf, die rasch unerträglich wurde. Doch Jan blieb regungslos auf seinem Bürostuhl sitzen. Lange Minuten vergingen, ohne dass etwas passierte oder gesagt wurde. Schließlich verließ ich wortlos das Büro. Von nun an hatte ich das Gefühl, dass mir Jan aus dem Weg ging. Er rief auch nicht mehr so oft bei uns an. Sehnsüchtig wartete ich darauf, dass das Telefon schellen würde und er am anderen Ende der Leitung wäre. Aber es war nicht so. Ein Tag nach dem anderen verging, und ich hörte nichts von ihm. Ich hätte laut schreien können! Ich hoffte einfach, dass er mich auch begehren würde, aber das war Wunschdenken. Ich war ihm hinterhergelaufen und hatte mich dadurch bei ihm unmöglich gemacht.

 

Um nicht völlig den Verstand zu verlieren, beschloss ich, Urlaub in Schleswig-Holstein zu machen. Ich brauchte Ruhe, denn meine Nerven waren ziemlich angegriffen.  Philliph hatte gerade bei einer Bank in der Finanzabteilung angefangen und bekam deshalb noch keinen Urlaub. So beschloss ich, allein zu fahren. Von einer Bekannten hatte ich die Adresse eines kleinen Hotels am Timmendorfer Strand an der Ostsee erhalten. Ich setzte mich morgens in den Zug, und am Nachmittag war ich schon in meinem Urlaubsort. Ein Taxi brachte mich rasch zu meinem Hotel, das nicht weit vom Strand und der Einkaufspromenade entfernt lag. An der Rezeption erhielt ich nach den üblichen Formalitäten meinen Zimmerschlüssel ausgehändigt. Ich betrat das Zimmer und bemerkte, dass es recht klein war. Auch das Bad war winzig und hatte gerade Platz für Dusche, Waschbecken und WC. Eben typisch Einzelzimmer. Ich öffnete erst einmal das Fenster, um frische Luft hereinzulassen, legte mich danach erschöpft aufs Bett und dachte an meine beiden Männer: an Philliph und Jan. Mir wurde klar: Jetzt bloß keine trübsinnige Stimmung aufkommen lassen, denn ich war hier, um mich zu erholen und zu amüsieren! Nachdem ich geduscht und mich frisch angekleidet hatte, ging ich zur Rezeption, um Philliph anzurufen, dass ich gut angekommen sei. Danach ging ich durch die schöne Innenstadt mit den vielen Eisdielen, Cafés und Restaurants hinunter zum Strand. Ich zog meine Sandalen aus und ging barfuss durch den heißen Sand zum Meer. Es war ein ungewöhnlich heißer Sommer, fast so heiß wie am Mittelmeer. Ich tauchte meine Füße in das kühle Wasser und ging immer am Strand entlang bis zur Seebrücke. Dort setzte ich mich auf eine Bank, um das Meer und die Möwen zu beobachten. Das Farbenspiel des Wassers, von Blau bis Schwarz, und die Wellen, die auf den Strand rollten, sich auflösten und in einem immer wiederkehrenden Kreislauf erneuerten, faszinierten mich. Das Meer beruhigte mich. Es war eine richtige Entscheidung gewesen, hierher zu kommen. Es wurde Abend, und ich ging zum Hotel zurück. Ich betrat den Speisesaal und wurde ausgerechnet an einen kleinen Tisch mit einem jungen Mann gesetzt. Eine Frau als Tischnachbarin wäre mir jetzt lieber gewesen, denn von Männern hatte ich erst einmal genug! Ich schätzte ihn vom Alter her auf etwa 30 Jahre. Er war recht klein, rothaarig, leicht dicklich und trug eine Nickelbrille. Nach einem freundlichen Gruß schlug ich die Speisekarte auf, während mein Tischnachbar bereits sein Essen beendet hatte und ging. Ich war sehr müde an diesem ersten Urlaubsabend und begab mich schon früh auf mein Zimmer. Die Reisetasche stand noch ungeöffnet vor meinem Bett. Ich legte meine Sachen in den Kleiderschrank, wusch mir die Füße, legte mich ins Bett und schlief sofort ein.

 

Am nächsten Morgen betrat ich den Speisesaal, um mich am Frühstücksbüfett zu bedienen. Zum Glück gab es auch Käse- und Wurstplatten, denn ich mochte keine Marmelade. Ich holte mir noch ein Schüsselchen mit Quark und einen Orangensaft. Mein Tischnachbar war nicht da, er war wohl Langschläfer. Ich sah es an seinem noch sauberen Teller. Nach dem Frühstück ging ich in die Innenstadt, um schon mal Ansichtskarten für Familie, Freunde und Bekannte zu kaufen. Mit dem Kartenkauf war es jedes Jahr dasselbe: eine lästige, selbst auferlegte Pflicht! Warum ließ man das nicht einfach sein?, frage ich mich. Doch andererseits musste ich zugeben, dass ich mich selber über jede Ansichtskarte freute, die mich zu Hause erreichte. Ich schaute sämtliche Ständer durch. Viele Karten waren einfach kitschig. Geschmackvolle Karten zu finden war gar nicht so einfach, und ich verbrachte ewige Zeit an den Ständern, denn ich konnte mich nur schwer entscheiden.&

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