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Touchdown - Er will doch nur spielen

VI KEELAND

TOUCHDOWN

– ER WILL DOCH NUR SPIELEN –

Roman

Ins Deutsche übertragen von
Janine Malz

Zu diesem Buch

Ich traf Brody Easton im Umkleideraum nach einem Spiel. Es war mein erstes Interview als Reporterin für WMBC Sports nach einem Spiel der New York Steel. Der berühmt-berüchtigte Quarterback zeigte mir alles. Und mit alles meine ich nicht seine Geheimnisse. Nein, der arrogante Mistkerl entschloss sich, das Handtuch, das er um die Hüften geschlungen hatte, einfach fallen zu lassen – gerade als ich ihm meine erste Frage stellte … vor laufender Kamera. Und das war nur der Anfang …

Als Tochter eines Footballtrainers hat Delilah Maddox ihre Erfahrungen mit Spielern gemacht und sich einmal gehörig die Finger verbrannt. Seitdem gilt für sie: Hände weg von heißen Sportlern! Doch ihr Vorsatz gerät gewaltig ins Wanken, als sie Brody Easton, den Quarterback der New York Steel, interviewt und er plötzlich einfach sein Handtuch fallen lässt. Was sie nicht weiß: Schon bei dieser Begegnung ist Brody klar, dass er mehr von der neuen Reporterin von WMBC Sports will als ein Interview. Er will ihre Freundschaft, ihre Hingabe, ihre Liebe. Er weiß, sie ist die Frau seines Lebens. Allerdings sieht das Delilah ganz anders. Doch Brody wäre nicht Brody würde er so einfach aufgeben. Und so umwirbt er Delilah auf seine ganz eigene Weise – bis seine Vergangenheit ihn einholt und die aufkeimenden Gefühle zu zerstören droht …

Das hier ist für Jake.

(Lies es einfach nicht, okay?)

KAPITEL 1

Delilah

Mein Chef war wirklich ein Riesenwichser.

Unsere obligatorischen Montagnachmittagsmeetings bestanden darin, dass Charles Ulysses Macy der Dritte den vorwiegend männlichen Kollegen in der Sportfernsehabteilung von seiner neuesten Eroberung berichtete. Während er herumtönte, starrte ich gelangweilt aus dem Fenster und fragte mich, ob seine Vorfahren ihre Kissenüberzüge mit einem Monogramm hatten besticken lassen. CUM. Das waren die Initialen, die die Männer der Familie Macy schon seit Generationen mit Stolz trugen. Machte sich bestimmt hübsch auf ein paar leuchtend roten Dekokissen im Gästezimmer.

Ich grinste breit und stand auf.

»Miss Maddox?«, rief Mr CUM von seinem Platz am Kopf des Konferenztisches. An dem Tisch fanden zwanzig Personen Platz, und die Stühle waren in Dreierreihen aufgestellt. Nun starrten sechzig Augenpaare in meine Richtung.

»Ja, Mr Macy?«

»Wollten Sie uns etwas mitteilen?«

»Nein. Ich hatte eigentlich gehofft, mich leise hinausschleichen zu können. Heute Abend ist ein Spiel, und ich muss runter zur Garderobe.«

»Na, dann mal raus mit Ihnen! Wir wollen Sie schließlich nicht mit etwas so Unwichtigem wie einem Teammeeting davon abhalten, Modenschau zu spielen.«

Wichser.

Hinter mir gab es einiges Gelächter, als ich zur Tür lief, aber das war mir egal. Die meisten waren sowieso nur neidisch. Heute Abend würde ich live vom Spiel der New York Steel gegen die Cowboys berichten, während sie vor dem Fernseher saßen, eine Hand um ihr Bier geklammert und die andere unter den Gummizug ihrer Jogginghose geschoben.

Über dreißig Journalisten hatten sich auf die Stelle als fest angestellte Football-Sportreporterin bei World Media Broadcasting beworben. Aber heute nach dem Spiel würde ich mit den Spielern reden – nicht sie. Das machte mich beim sprichwörtlichen Kaffeeküchenklatsch nicht gerade beliebt. Und das, obwohl ich die letzten Jahre achtzig Stunden die Woche geackert hatte, um so weit zu kommen, während die Männer, die gemütlich ihre dreißig Stunden absaßen, die Ersten waren, die mir vorwarfen, ich hätte mich hochgeschlafen. Die können mich mal.

Statt direkt die Garderobe anzusteuern, machte ich einen Umweg über mein Büro. Keine Sekunde später stand Indie hinter mir in der Tür, schleuderte in hohem Bogen die High Heels von den Füßen und hockte sich auf die Armlehne eines Besucherstuhls, die nackten Füße auf der Sitzfläche.

»Ich dachte, das könntest du vielleicht gebrauchen.« Sie deutete mit den Augen auf eine Seifenschachtel Irish Spring inmitten meines zugemüllten Schreibtisches.

»Rieche ich?«

»Das ist für die Kabine nach dem Spiel. Es ist ja schon ein Weilchen her bei dir. Da dachte ich mir, du könntest die Ich-bück-mich-nach-der-Seife-Nummer bringen.«

»Du bist schlimmer als Mr CUM.« Während wir plauderten, schob ich meine Rechercheunterlagen in meine Aktentasche. Ich kannte jede Statistik auswendig, aber ich wollte trotzdem noch mal alles in der U-Bahn durchgehen. »Keine Seife für mich, danke. Ich habe noch einen Monat Reinigungskur vor mir.«

»Ach was, Reinigungskuren sind was für den Darm, nicht für die Vagina.«

»Es sind zwar erst fünf Monate, aber für mein inneres Gleichgewicht hat es sich total gelohnt.«

Indie kicherte. »Und für Duracell.«

»Du solltest das auch mal ausprobieren. Sechs Monate Dating-Abstinenz sind eine hervorragende Entgiftungskur.«

»Danke, da bleibe ich lieber bei meiner Saftkur.« Indie öffnete ihre Handtasche, zog ein Fläschchen knallpinkfarbenen Nagellack heraus und begann, ihre ohnehin knallpinkfarbenen Fußnägel zu lackieren, mitten in meinem Büro.

»Was machst du da?«

Sie hielt inne und sah mich an, als hätte ich den Verstand verloren. »Meine Nägel lackieren? Ich hab heute Morgen schon eine Schicht aufgetragen, aber bei dieser Farbe braucht man unbedingt eine zweite Schicht. Von wegen ein Pinselstrich genügt, pah!«

»Muss das unbedingt hier sein?«

»Sonst riecht mein ganzes Büro danach.«

»Ach, aber in meinem ist es okay, oder was?«

»Du riechst doch sowieso überall dran. Bücher, Essen … glaub nicht, ich hätte nicht gesehen, wie du neulich, als wir zusammen Tennis spielen waren, an dem neuen Tennisball geschnuppert hast, den du aus der Dose genommen hast.«

»Das ist etwas anderes. Daran habe ich freiwillig gerochen.« Vermutlich war das nicht der richtige Moment, um zu erwähnen, dass ich erst vor zwei Tagen parfümierten Nagellack von L’Oreal bestellt hatte. Warum war nicht schon eher jemand auf die Idee gekommen, Nagellack mit Duft zu versehen?

»Du bist doch eh gleich weg.« Sie zuckte mit den Schultern. »Wieso darfst du eigentlich verschwitzte halb nackte Männer interviewen und ich nicht? Hätte ich mich mal bloß für Journalismus entschieden anstatt für Marketing.«

»Aber du bist nun mal unschlagbar darin, Leuten allen möglichen Scheiß zu verkaufen.«

»Das stimmt allerdings.« Sie seufzte. »Übrigens … Easton ist heute wieder dabei.«

»Ich weiß. Zwei Wochen früher als ursprünglich gedacht.«

»Wusstest du, dass sein Spitzname Subway ist?«

Ich kniff die Augen zusammen. »In der Presse nennt ihn niemand so.«

»Oh Mann, es ist ja auch kein Spitzname, den ihm die Presse verpasst hat.«

Ich war zwar skeptisch, aber sie hatte mich trotzdem geködert. »Und wer nennt ihn dann Subway?«

»Frauen.« Indie wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. Ihr leuchtend roter Lippenstift war eine Nuance heller als ihr feuerrotes Haar. Der Look stand ihr hervorragend, auch wenn diese roten Lippen in ihrem blassen Gesicht sehr auffällig waren.

»Weil er ursprünglich aus Brooklyn stammt und immer mit der U-Bahn zu den Frauen fuhr?«

»Nein. Obwohl das gar kein schlechter Tipp ist.«

»Spuck’s schon aus.« Ich schlang mir die Aktentasche über die Schulter. »Ich muss runter in die Garderobe und mich auf den Weg machen.«

»Es macht viel mehr Spaß, dich raten zu lassen.«

Indie folgte mir aus meinem Büro zum Aufzug, wobei sie wegen der frisch lackierten Nägel auf den Fußballen lief. »Weil er nie schlappmacht?«

»Nein, auch wenn ich wette, dass das zutrifft. Hast du seinen Freudentanz neulich nach seinem Touchdown gesehen? Der Mann schwingt seine schmalen Hüften wie ein Profi-Stripper.«

Das Pling ertönte, und sie folgte mir in den Fahrstuhl, während ich auf die Zwei zur Garderobe drückte. »Weil es bei ihm zu den Stoßzeiten ziemlich eng werden kann?«

»Der war mies.«

»Also, falls du mir nicht beim Umziehen helfen und mich ins Stadion begleiten willst, musst du mir die Auflösung wohl bald verraten.«

Der Aufzug stoppte drei Stockwerke tiefer. Indie hielt die Türen auf und rief mir hinterher, während ich den langen Gang zur Garderobe entlanglief.

»Ganz kalt. Mit Subway war nicht die U-Bahn gemeint, sondern der Sandwich-Laden. Du weißt schon … da, wo man eine leckere Dreißig-Zentimeter-Stange bekommt.«

Kopfschüttelnd rief ich, ohne mich umzudrehen: »Bis dann, Indie!«

»Trag rot, das steht dir. Und einen breiten Taillengürtel. Da kommen deine schmale Taille und kurvigen Hüften am besten zur Geltung. Ich bin mir sicher, dass unser strahlender Held vom letzten Superbowl die Mühe zu schätzen weiß!«

***

Dies war bereits mein zweiter Bericht über die New York Steel, aber mein erstes Interview direkt aus der Kabine. Gemeinsam mit einem weiteren Dutzend Reportern stand ich draußen und versuchte ebenso gelassen auszusehen wie sie. Die große blaue Tür war ziemlich eingedellt, vermutlich weil die Spieler ihren Frust an ihr ausließen. Zahlreiche Meisterschaftstitel rahmten die riesige Tür, und in der Mitte prangte stolz die Siegerplakette des letztjährigen Superbowl unter dem Teamlogo.

Nach ein paar Minuten öffnete ein Wachmann die Tür und bedeutete uns, einzutreten. Einige Reporter hielten beim Hineingehen ihre Ausweise hoch. Andere schienen sich nicht ausweisen zu müssen und wurden von Henry, wie es auf dem abgetragenen Namensschild an seiner Uniform stand, persönlich begrüßt. Hin und wieder erkundigte sich jemand, wie es seiner Tochter ginge. Offenbar hatte sich Larissa kürzlich beim Basketballspielen den Arm gebrochen. Ganz offenkundig war das hier eine eingeschworene Truppe.

Ich war zwar begierig darauf, hineinzugelangen, hatte es aber nicht eilig. Die Menge dünnte sich schon bald aus, bis wir zu viert im Gang zurückblieben. Ich holte tief Luft, schritt auf die Tür zu und versuchte mir meine Angst nicht anmerken zu lassen. Lächelnd hielt ich meinen Ausweis hoch und deutete auf seinen. Henry Inez. »Hi.«

»Hi.« Er nickte.

»Ihre Initialen. Sie ergeben ›Hi‹.«

Toll gemacht. So viel dazu, meine Angst nicht zu zeigen. Wenn ich nervös bin, tendiere ich dazu, wild draufloszuplappern.

Mit gerunzelter Stirn blickte Hi auf mich herunter. Dann nahm er meinen Presseausweis, klopfte sich auf der Suche nach seiner Lesebrille an die Brust, seufzte und streckte meinen Ausweis ein Stück von sich, um die Schrift entziffern zu können. »Delilah Maddox?«

»Delilah Anne Maddox.«

Er grinste. »Sie nehmen’s aber genau, was?«

Ich musste lächeln und stieß den Atem aus, den ich unwillkürlich angehalten hatte.

Hi hielt mir meinen Ausweis hin. »Sie sind Toms Tochter, richtig?«

Ich nickte.

»Dreißig Jahre hat er hier gearbeitet. Solche wie ihn findet man heutzutage nicht mehr. Einer der besten Spieler, die je diesen Raum betreten haben. Keine Spur arrogant. Ein echter Gentleman. Mein Beileid. Sein Tod ist ein Verlust für die ganze Sportwelt.«

»Danke.«

Er deutete in die Umkleidekabine. »Die Jungs da? Arrogant ohne Ende. Lassen Sie sich von denen nicht ins Bockshorn jagen, okay, Delilah Anne Maddox?«

Ich nahm meinen Presseausweis mit einem Nicken und einem hoffnungsvollen Lächeln entgegen. »Mach ich.«

Das Erste, was mich überraschte, als ich das Allerheiligste betrat, war die schiere Größe. Ich hatte genug Bilder gesehen, um zu wissen, dass die Umkleidekabinen groß waren, aber nun, da ich mittendrin stand, war ich von den Ausmaßen regelrecht überwältigt. Riesige Spinde säumten die Wände, die Fläche in der Mitte war bis auf ein paar Sitzgruppen aus vier riesigen Sesseln und einem Glastisch frei. Alles wirkte so edel und professionell. Kleine Lampen strahlten die Namen über jedem Spind an, und überall saßen Spieler und unterhielten sich mit den Reportern. Die Stimmung war gelöst und entspannt, was wohl am Punktestand bei Spielende lag. Die Steel hatten mit achtundzwanzig zu null gewonnen. Niemand schien von mir, einer Frau, die ganz allein im Raum herumstand, Notiz zu nehmen. Oder aber sie nahmen mich wahr, störten sich aber nicht weiter daran. Meine Schultern entspannten sich etwas.

Nachdem ich meinen Kameramann Nick gefunden hatte, der bereits vor mir eingetroffen war, sah ich, dass der Kicker der Mannschaft nichts zu tun hatte, also ging ich zu ihm rüber und stellte ihm ein paar Fragen. Er steckte noch in seiner Spielkleidung, legte aber die Schutzpolster ab, während wir miteinander sprachen. Somit hatte ich mein erstes Interview bequem hinter mich gebracht und fühlte mich schon sicherer.

»Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Aaron«, sagte ich, als die Kamera aus war.

»Jederzeit gerne. Sie ersetzen Frank Munnard, oder?«

»Genau.«

»Furchtbarer Typ. Gott sei Dank ist er in Rente gegangen. Er hat immer unsere Namen durcheinandergebracht, obwohl sie direkt über unseren Köpfen stehen.« Er deutete mit dem Kinn nach oben zu den großen Lettern über seinem Spind. »Und danke, dass Sie zum Schluss darauf zu sprechen kamen, dass ich demnächst das Footballteam meines Sohns trainiere. Er wird ganz aus dem Häuschen sein, wenn er seinen Namen im Fernsehen hört.«

Lächelnd erinnerte ich mich daran zurück, wie mein Vater einmal, als ich klein war, etwas über mich im Fernsehen gesagt hatte; einen Moment lang hatte ich mich wie ein Star gefühlt. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, aber möglicherweise ist das ein Grund dafür, weshalb ich bei meinen Interviews zuletzt immer eine persönliche Frage stelle. Nachdem ich Woche um Woche meinem Vater zugesehen hatte, wurde das übliche Statistik-Fachgesimpel schnell langweilig. Aber die kleinen Einblicke in das Privatleben eines Spielers waren es, die mich in den Bann zogen. In solchen Momenten wurden die Superstars plötzlich zu realen Menschen.

Während ich weiterzog, sah ich mich genauer im Raum um. In einem Bereich des riesigen Rundbaus drängten sich so viele Reporter, dass ich den Spieler kaum sehen konnte. Aber ich wusste, wen sie da umstanden, ohne auch nur auf das Namensschild über dem Spind schauen zu müssen.

Brody Easton.

Immer wenn dieser Mann irgendwo auftauchte, war die Presse nicht weit, was vor allem daran lag, dass er ein arroganter Angeber war, der jedes Mal eine Show ablieferte. Hinzu kam, dass er vor der Kamera eine gute Figur machte; genau wie die Frauen, mit denen er oft abgelichtet wurde.

Ich sprach noch ein paar weitere Spieler an, wobei ich jene ausließ, die sich gerade umzogen. Um mich herum blitzte jede Menge nackte Haut auf, meistens Oberkörper oder Hintern. Beinahe alle Männer hatten sich beim Umziehen dem Spind zugedreht. Möglicherweise ließ ich mich dazu hinreißen, ein oder zwei Sekunden lang Darryl Smiths Knackarsch zu bewundern – meine Güte, was für ein muskulöser Hintern! –, fing mich aber schnell wieder. Schließlich wollte ich professionell rüberkommen, vor allem, wenn ich dasselbe von den Spielern erwartete.

Als sich die Menge, die sich um Easton drängte, schließlich lichtete, ging ich zu ihm hinüber. Außer einem Handtuch um die Hüfte trug er nichts. Heilige Scheiße. Vielleicht war diese Reinigungskur doch keine so kluge Idee. Es war, als ob man in einen Supermarkt geht, nachdem man tagelang nichts gegessen hat. Und da ich eine Schwäche für Sportler habe, gab es in diesem Supermarkt ausschließlich mein Lieblingsessen. Ich muss mich echt zusammenreißen.

Der Kameramann vor mir drehte die Lampe zum Filmen nach oben und lenkte damit meine Aufmerksamkeit von Brodys titanenhaften Schultern auf jenes Gesicht, das an so vielen Montagen die Morgenblätter geziert hatte. Auf der sonnengebräunten Haut des kantigen Kinns lag ein leichter Bartschatten. Ich folgte mit dem Blick der gemeißelten Linie seiner Wangenknochen nach oben, vorbei an den sinnlich vollen Lippen und der scharf geschnittenen Nase eines römischen Imperators, ehe ich bei den schönsten Augen anlangte, die ich je in meinem Leben gesehen hatte. Gott, in natura ist er sogar noch sexyer.

Blassgrüne mandelförmige Augen funkelten unter dichten dunklen Wimpern. Augen, die mich so sehr in den Bann zogen, dass ich den Kopf schüttelte, um mich ihrer magnetischen Anziehungskraft zu entziehen. Glücklicherweise holte mich Nick wieder in die Realität zurück.

»Easton hat schon mehrfach verlauten lassen, dass Frauen seiner Meinung nach nichts in der Umkleidekabine zu suchen haben. Wunder dich also nicht, wenn er nicht so höflich zu dir ist wie zu den Kollegen.« Nick begleitete das Team bereits seit über zehn Jahren; seine Warnung beruhte deshalb auf Erfahrung, nicht auf bloßen Gerüchten.

Zudem hatte ich von der Fehde zwischen Brody Easton und Susan Metzinger, einer Reporterin eines konkurrierenden Senders, gehört. Sie hatte ihn öffentlich scharf dafür kritisiert, dass er in der Umkleidekabine Kraftausdrücke benutzte, und dieser Vorfall hatte zu einer monatelangen Schlammschlacht in der Boulevardpresse geführt. Er hatte argumentiert, dass sie ohnehin nichts in der Kabine verloren hatte und dass keiner der männlichen Reporter daran Anstoß zu nehmen schien. Daraufhin veröffentlichte sie einen ganzseitigen Artikel mit Zitaten von Easton, die ihrer Meinung nach frauenverachtend waren. Fast alle waren aus dem Kontext gerissen, zudem wurde der Text von einem halben Dutzend Videostills illustriert, die ihn zeigten, wie er Frauen auf den Hintern oder in den Ausschnitt glotzte. Von da an eskalierte die Sache vollends. Das alles hatte sich vor über einem Jahr ereignet, aber ich machte mich innerlich darauf gefasst, dass der berühmte Quarterback mich nicht gerade mit offenen Armen empfing.

»Bist du bereit?« Nick schlang sich seine Tasche über die Schulter und hob die Kamera. Der Reporter vor uns beendete gerade sein Interview und schüttelte Easton die Hand.

So bereit wie nie. »Klar.«

Ich machte einen Schritt nach vorn und streckte die Hand aus. »Ich bin Delilah Maddox von WMBC Sports News

Langsam erschien ein Grinsen auf Eastons Gesicht, und ich war überrascht, als er sich vorbeugte und mir ein Küsschen auf die Wange gab. »Freut mich, Sie kennenzulernen.«

Ich fragte mich, ob er die Absicht hatte, mich zu provozieren – weil er damit rechnete, dass ich ihm für das Küsschen eine runterhauen würde, nachdem er dem männlichen Reporter zuvor lediglich die Hand geschüttelt hatte – oder ob er mich mit seinem Sex-Appeal aus dem Konzept bringen wollte. So oder so würde ich bei diesem Spiel nicht mitmachen. Ich räusperte mich und straffte die Schultern, auch wenn meine Knie ein wenig weich geworden waren.

»Ich würde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen.«

»Wieso sonst wären Sie hier?«

Ich ignorierte seinen Sarkasmus. Er lächelte mich immer noch an. Genauer gesagt grinste er, als wäre ich ein Spielzeug, mit dem er sich gleich vergnügen wollte. »Bist du bereit, Nick?« Mein Kameramann nahm letzte Lichteinstellungen vor, hob die Kamera und gab mir ein Handzeichen.

»Brody, Glückwunsch zum Sieg heute. Wie geht es Ihrem Knie jetzt nach Ihrem ersten Spiel nach der Verletzungspause?« Ich hielt mein Mikrofon hoch, da ich wusste, dass Nick eine Nahaufnahme von mir machte.

»Mir geht’s …« Beiläufig griff er zu dem Handtuch, das um seine Hüfte geschlungen war, und zupfte an der Ecke. Das Handtuch fiel zu Boden. »Großartig. Mir geht’s großartig. Und Ihnen? Das ist doch Ihr erster Ausflug in unsere Umkleidekabine, oder nicht? Gefällt Ihnen bislang, was Sie so zu sehen bekommen?« Seine Mundwinkel zogen sich zu einem breiten herausfordernden Grinsen nach oben.

Bevor ich mich wieder fangen konnte, fiel mein Blick auf seinen entblößten Unterleib. Scheiße. Sein bestes Stück baumelte in der Luft. Vor allem aber war ich fasziniert davon, wie tief er baumelte. Subway, dachte ich, wie überaus passend. Es verging bestimmt eine ganze Minute, ehe ich auf seine Frage antwortete. Eine ganze Sendeminute Schweigen. Na super. »Ja. Ähm … die Umkleidekabine ist … ähm … schön.«

Ich klang gerade wie ein Dummchen, und das live auf Sendung.

Dieser Arsch fuhr einfach damit fort, mich zu interviewen. »Und, ist es so groß, wie Sie erwartet hatten?«

»Ähm … größer, ehrlich gesagt.«

Sein Grinsen wurde noch breiter.

Oh Mann.

Ich musste mich irgendwie fangen oder mein erstes Interview aus der Kabine würde zu einer Lachnummer werden. Die Zuschauer hatten natürlich keine Ahnung, dass er von der Hüfte abwärts nackt war. »Würden Sie sagen, dass Sie heute hundert Prozent geben konnten?«

Seine Augenbrauen flogen hoch. »Falls Sie das Spiel heute meinen, absolut. Ich habe draußen auf dem Spielfeld hundert Prozent gegeben. Es gibt andere Bereiche, in denen noch viel Wachstumspotenzial besteht, aber mein Knie war heute zu hundert Prozent leistungsfähig.«

Seine blassgrünen Augen verdunkelten sich, und ich beobachtete, wie sich seine langen Wimpern senkten. Ich folgte seinem Blick und starrte plötzlich auf seinen nackten Pimmel. Schon wieder. Verdammt. Meine Augen schnellten hoch, aber ich spürte, wie ich rot anlief. Ich musste das sofort beenden, oder ich würde hochrot vor der Kamera stehen.

»Also dann, willkommen zurück. Und nochmals Gratulation zum heutigen Sieg.«

Ich wartete, bis Nick die Kamera senkte und das Licht ausschaltete. Dann blickte ich direkt in Brody Eastons selbstgefälliges Gesicht. »Sie sind ein Arschloch, wissen Sie das?«

Seine Augen funkelten. »Ja, weiß ich.«

Hinter mir hörte ich Gelächter und das Abklatschen von Händen, während ich wutentbrannt aus der Kabine stürmte.

KAPITEL 2

Brody

»Guten Morgen, Mr Easton.«

»Guten Morgen, Shannon. Wie geht es ihr diese Woche?«

»Sie war ein wenig niedergeschlagen und hat schlecht geschlafen. Aber Ihre Dienstagsbesuche scheinen sie immer aufzumuntern. Sie ist wach, vermutlich wartet sie schon im Tagesraum auf Sie.«

Als ich näher kam, hielt Grouper inne, der gerade den Flur wischte. »Mein Enkel wird enttäuscht sein.«

»Und das liegt nicht daran, dass ich diese Woche keinen Ehrenball für ihn bekommen habe. Der Junge ist nach einem verdammten Fisch benannt.«

Grouper* kicherte und streckte die Hand aus. »Du hast gestern wirklich nicht besonders gut ausgesehen.«

»Und du bist im Wischen eine totale Niete«, konterte ich lächelnd. »Ich sollte mal mit dem Heimleiter reden, damit sie dich in deinen alten Hintern treten und im hohen Bogen rauswerfen. Hier sieht es aus, als ob ein Blinder sauber machen würde. Und immerhin habe ich 228 Yards geworfen … von wegen nicht gut ausgesehen. Das war verfluchte Scheiße noch mal spektakulär.«

»Marlene wird dir deinen Mund mit Seife auswaschen, wenn sie diese Kraftausdrücke hört.«

Er scherzte nicht. Trotz ihrer achtzig Jahre flößte mir die zierliche alte Dame gehörigen Respekt ein. Als Willow und ich zusammenkamen, wusste ich, dass es Marlene sein würde, die mir die Eier ausriss, wenn ich ihrer Enkelin auch nur ein Haar krümmen würde, nicht ihr einige Köpfe größerer Ehemann.

Grouper und ich warfen uns noch ein paar Beleidigungen an den Kopf, ehe ich den Tagesraum betrat, um nach Marlene zu schauen. Ich musste nicht lange suchen. Es waren nur wenige Personen anwesend, und die verrückte alte Schachtel war die Einzige, die ein Abendkleid trug.

»Hast du ein heißes Date heute Abend, Marlene?« Sie saß in ihrem Rollstuhl. Ich beugte mich zu ihr hinunter und küsste sie auf die Stirn. Sie brauchte eine Minute, aber dann lächelten ihre Augen, und ich wusste, dass mein Besuch heute besser verlaufen würde als letzte Woche.

»Du siehst gut aus.«

»Ich sehe immer gut aus.« Ich schob sie in eine Zimmerecke, wo ich auf einem Stuhl gegenüber von ihr Platz nahm.

»Warum trägst du keinen Smoking?«

Ah, das erklärt das Abendkleid. Wie üblich spielte ich einfach mit. »Ich war heute Morgen beim Training, aber ich ziehe mich nachher um.«

Sie nickte. »Sag meiner Enkelin, dass sie ihr blaues Kleid anziehen soll. Das unterstreicht ihre Augenfarbe.«

Willows Augen changierten zwischen Himmelblau und Grasgrün. Blau brachte sie zum Leuchten wie einen Aquamarin, Grün wie einen Peridot. Mir persönlich war es am liebsten, wenn sie weder das eine noch das andere trug, denn ich hätte den ganzen Tag in diese Augen starren und mich fragen können, welche Farbe ich mehr liebte. Es sei denn, sie war nackt, dann interessierten mich andere Dinge als ihre Augen.

»Mach ich. Ich werde dafür sorgen, dass sie Blau trägt.«

Marlene schwieg ein paar Minuten, und ich konnte an ihrem Gesicht ablesen, dass sie mit ihren Gedanken bereits woandershin abdriftete. Es war nur nie klar, wohin.

»Ich glaube, jemand hat mein Gebiss gestohlen.«

Meine Augenbrauen flogen hoch. »Dein Gebiss ist in deinem Mund, Marlene.«

Langsam fuhr sie sich mit der zittrigen Hand an den Mund und ertastete ihre dritten Zähne. »Mist, dann habe ich die ganze Zeit umsonst gesucht.«

Die nächste Stunde meines Besuchs verlief in etwa genauso. Wir sprangen von einem Thema zum nächsten – manche dreißig Jahre alt, manche aktuell. Ich musste um zwei zur Nachbesprechung des gestrigen Spiels im Stadion sein. Da ich keine Lust hatte, die Zweitausend-Dollar-Strafe für Zuspätkommen zu zahlen, stand ich auf, um mich zu verabschieden.

»Soll ich dich irgendwohin bringen, bevor ich gehe?«

»Zu Heidelman’s auf der 34th, Ecke Amsterdam Avenue. Ich hätte Lust auf ein Corned-Beef-Sandwich.«

»Ich bringe dir eins mit, wenn ich nächste Woche wiederkomme.« Ich beugte mich hinunter, um ihre Stirn zu küssen, und verkniff mir anzumerken, dass Heidelman’s vor fünfzehn Jahren zugemacht hatte.

»Aber ich will nicht, dass der alte Heidelman mein Sandwich macht. Dieser Mann ist dümmer als das Brot, das er verkauft.«

Ich kicherte. »Geht klar. Nicht vom alten Heidelman.«

»Gib Willow einen Kuss von mir.«

»Mach ich. Und du versprichst mir, dass du Grouper ermahnst, dass er dein Zimmer besser sauber machen soll, ja?«

»Ist es denn so schlimm? Na gut.«

Da Marlene im Tagesraum bleiben wollte, schaute ich auf dem Rückweg kurz in ihrem leeren Zimmer vorbei. Wie immer sah alles tipptopp aus. Man hätte vom Boden essen können, so penibel hatte Grouper den Raum gewischt. Aber ich fand es trotzdem eine gute Idee, Marlene auf ihn anzusetzen, einfach um ihn ein wenig zu veräppeln.

Auf meinem Weg nach draußen, war der alte Mann gerade dabei, die Glasscheiben der Eingangstüren zu wischen. Ich spreizte die fünf Finger meiner Hand, um einen schönen fettigen Abdruck an der Tür zu hinterlassen. »Du hast da was übersehen.«

»Arschloch.«

»Und stolz darauf.«

»Nächste Woche bringst du mir zwei Bälle mit.«

»Tja … ich weiß nicht. Vielleicht wenn hier endlich mal alles sauber ist.«

»Leck mich.«

»Bis dann, Grouper.«

* Grouper bedeutet im Englischen »Zackenbarsch«.

KAPITEL 3

Delilah

»Hast du mir eben nicht zugehört?«, schrie ich Indie an. Wir saßen in ihrem Auto und waren auf dem Weg zum Baxter Bowl, einer Benefizveranstaltung zum Gedenken an Marcus Baxter, einen ehemaligen Field-Goal-Kicker der New York Steel, der vor sechs Jahren von einem betrunkenen Autofahrer überfahren worden war. Seitdem richteten das Team und die Liga gemeinsam diese Veranstaltung zu seinen Ehren aus. WMBC hatte dieses Jahr drei Tische gekauft. Für mich war es der erste Besuch bei diesem Event, während Indie als Leiterin der Marketingabteilung bereits seit Jahren dabei war.

»Doch, ich habe dich gehört. Der Typ ist ein Arsch. Er hat dir seinen Schwanz gezeigt und dich lächerlich gemacht.«

»Und da fragst du mich, ob ich letzte Nacht von ihm geträumt habe?«

»Und, hast du?«

»Nein!« Schon möglich.

Sie zuckte mit den Achseln. »Also ich schon.«

»Der Typ ist arrogant und ungehobelt.«

»Genau dein Typ Mann also.«

Da hatte sie gar nicht mal unrecht. Irgendwie geriet ich immer an die falschen Männer. »Nicht mehr. Wenn meine Reinigungskur vorbei ist, date ich nur noch Männer, die nett sind, gute Manieren haben und verlässlich sind.«

»Oh, dann stell ich dir Hughey vor, den besten Freund meines Vaters.«

»Sehr witzig.«

»Was denn? Er ist sehr nett. Wirklich. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb sich seine Frau hat scheiden lassen und ihren fünfundvierzigjährigen Tanzlehrer geheiratet hat. Er war einfach zu langweilig … äh, nett, meine ich.«

»Klingt so, als sollte ich Hughey doch in Betracht ziehen.«

»Also, was wirst du nächste Woche tun, falls er das noch mal macht?«

»Es einfach ignorieren und das Interview fortführen. Ich hatte ja damit gerechnet, dass er ein Schwanzgesicht ist. Aber nicht damit, dass ich seinen Schwanz zu Gesicht bekommen würde. Das hat mich kalt erwischt, aber das nächste Mal bin ich bereit.«

»Also, für den bin ich jetzt schon bereit. Allein wenn ich an diesen Körper denke … würde ich einen Slip tragen, wäre er ein bisschen feucht. Meinst du, er ist heute Abend auch da?«

»Hoffentlich nicht.« Doch insgeheim wünschte sich ein winziger, finsterer, masochistischer Teil von mir, dass er da wäre. Auch wenn ich das natürlich niemals zugeben würde.

***

An meinem Tisch beim Baxter Bowl saß ein interessanter Mix aus Leuten von WMBC und dem Management der New York Steel, darunter der charmante Enkel des Sendereigentümers, Michael Langley, der gleichzeitig der Programmverantwortliche war, womit er genau genommen Mr CUMs Chef-Chef war. Wir unterhielten uns bereits seit über einer Stunde, und ich war überrascht, wie viel wir gemeinsam hatten. Wir hatten beide an der Stanford University studiert, er ein paar Semester über mir. Sein Vater war wie meiner auch in jungen Jahren professioneller Quarterback gewesen, und wir beide waren Frühaufsteher. Die Langley-Familie war in New Yorker Sportkreisen eine echte Legende. Michaels Großvater gehörte nicht nur der Sender WMBC, er war auch Mehrheitseigentümer der New York Steel.

Als die Kellner unsere leeren Teller abgeräumt hatten, beugte sich Michael zu mir. »Wollen wir tanzen?«

»Klar, gerne.«

Auf der Tanzfläche lief gerade ein langsames Stück. Seine Hand hielt mich mit sicherem Griff, und er wusste, wie man führt. Außerdem sah er auch noch gut aus. Ein Matt Damon mit Brille. Gepflegt, intelligent und attraktiv – ich hätte es schlechter treffen können.

»Ich mag Ihr Haar hochgesteckt.« Charmant ist er also auch.

Die Stylistin hatte fast zwei Stunden gebraucht, um meine wilde dunkle Mähne zu bändigen und alles hochzustecken. Ein paar Korkenzieherlocken hatten sich bereits wieder befreit.

»Danke. Rauchen Sie eigentlich? Die Stylistin hat so viel Haarspray gebraucht, dass ich wohl in Flammen aufgehen werde, wenn ich mich einer Zigarette nähere.«

Michael lächelte. »Keine Sorge. Ich bin Nichtraucher.«

Warum gehe ich eigentlich nie mit diesem Typ Mann aus? Wie schon sein Vater hatte Michael am College Football gespielt, bevor ein Kreuzbandriss seine Karriere beendete, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Mit seinem Wissen über Football und seinem gut aussehenden American-Boy-Look war der Wechsel zum Sportkommentator naheliegend. Auch wenn er, nachdem er die Karriereleiter raufgeklettert war, in den letzten Jahren eher hinter den Kulissen arbeitete. »Haben Sie diese Saison irgendwelche Interviews geplant? Ich würde Ihnen gerne zuschauen und von Ihnen lernen. Ihre Interviews wirken immer so, als würden Sie ganz entspannt mit den Spielern im Wohnzimmer plaudern und nicht in einem Studio vor lauter Kameras sitzen.«

»Danke für das Kompliment. Momentan steht zwar nichts an, aber Sie haben mir gerade einen Grund gegeben, das zu ändern.«

Ein neues Lied hatte begonnen, und ich fühlte mich in Michaels Gesellschaft sehr wohl, als plötzlich hinter mir eine Stimme ertönte. »Darf ich übernehmen?«

Mein Kopf schnellte herum, obwohl kein Zweifel bestand, wem diese raue Stimme gehörte.

Michael war ausgesucht höflich. »Ich teile zwar nur ungern, aber ich schätze, damit muss man leben, wenn man die schönste Frau des Abends zum Tanz auffordert.« Er ließ meine Hand los und trat mit einem gentlemanhaften Nicken zurück. »Danke für den Tanz, Delilah.«

Und wieder hatte mich Brody Easton kalt erwischt. Noch ehe ich mich’s versah, tanzte ich mit dem arroganten Arsch. Er legte die Arme um mich und zog meinen Körper eng an sich heran. Sehr viel enger, als Michael es getan hatte.

»Schön, Sie wiederzusehen, Lois Lane.«

Der Mann hatte wirklich Mumm, das musste man ihm lassen. Ich blickte ihm direkt in die Augen. »Schön, Sie in Klamotten wiederzusehen, Easton.«

»Würden Sie mich lieber ohne sehen?«

»Ich würde Sie lieber aus sicherer Distanz sehen.«

Er lachte herzlich. »Tja, das passiert manchmal, wenn man beschließt, einen Blick in die Herrenumkleidekabine zu werfen.«

Ich versuchte, mich ihm zu entwinden, aber er verstärkte seinen Griff und hielt mich fest. Ich reckte den Hals. »Lassen Sie mich los.«

»Nein.«

»Nein?«

»Richtig gehört. Nein.«

»Ich könnte laut schreien.«

»Ich würde Sie liebend gern schreien hören.« Während ich unter ihm lag, meinte er, daran ließ sein Tonfall keinen Zweifel.

»Sie sind ein Arschloch, wissen Sie das?«

»Ja. Das haben Sie mich außerdem gestern bereits gefragt. Als Journalistin sollten Sie wirklich bemüht sein, Ihre Fragen abwechslungsreicher zu gestalten.«

Das verschlug mir die Sprache.

Easton ließ die Hand hinunter zu meinem Kreuz rutschen, bevor er uns auf dem Parkett herumwirbelte. Ist klar, der Arsch kann also auch noch tanzen.

»Haben Sie einen Freund?«

»Das kann nicht Ihr Ernst sein, oder?«

Er ignorierte meine Bemerkung. »Würden Sie gerne heute Abend mit mir essen gehen?«

»Wir haben gerade gegessen.«

»Dann vielleicht auf ein Dessert bei mir?«

Ich musste unweigerlich lachen. »Haben Sie sich gestern beim Spiel den Kopf angestoßen?«

»Sie sind wohl auf Diät, was?«

»Ja. Genau. Das ist der Grund. Ich kann nicht auf einen Nachtisch mit zu Ihnen kommen, weil ich auf Diät bin.«

»Tja, zu schade.« Easton lächelte. Er war zwar ziemlich schlagfertig und witzig, aber immer noch ein Arschloch. Das Lied endete, und die Band bat alle Gäste, Platz zu nehmen, da gleich die Gewinner der stillen Auktion verkündet wurden.

»Ich würde ja sagen, dass es mich gefreut hat, Sie wiederzusehen. Aber ich bin keine Lügnerin.«

Easton grinste. Offenbar gefiel es ihm, sich von mir beleidigen zu lassen. Doch ehe ich ihn stehen lassen konnte, nahm er meine Hand. »Hey. Seien Sie vorsichtig mit Langley. Hab ihn ein paar Mal getroffen, als er noch Spielfeld-Reporter war. Vor dem muss man sich in Acht nehmen.«

»Ist das nicht ein wenig ironisch, ausgerechnet aus Ihrem Mund?«

»Ich bin keine Mogelpackung. Der Kerl da schon.«

Der restliche Abend verlief dann wieder angenehm. Indie stellte mich diversen Leuten vor, die ich noch nicht kannte, und mit Michael ging ich vom freundlichen Plausch zum Flirten über. Währenddessen traf ich ein paarmal, wenn ich hochsah, Brodys Blick, der mich beobachtete. Das Lächeln auf seinem Gesicht war verschwunden, und er sah beinahe wütend aus, woraufhin ich mich noch vertraulicher zu Michael hinüberbeugte.

Als ich dann am Parkservicestand auf Indies Wagen wartete, während sie sich von einigen Leuten aus dem Vertrieb verabschiedete, gesellte Michael sich gerade zu mir, als sein silberner Porsche Spyder vorfuhr.

»Schickes Auto.«

»Danke. Ich würde Sie gerne zu einer Spritztour einladen … vielleicht gehen wir mal zusammen essen?«

»Gerne. Allerdings ist mein Terminkalender die nächsten Wochen ziemlich voll.« Noch achtundzwanzig Tage bis zum Ende meiner Reinigungskur.

»Dann vielleicht, wenn es etwas ruhiger wird?« Er gab mir sein Handy, und während ich meine Nummer eintippte, beugte er sich vor. »Sie riechen sehr gut. Das wollte ich Ihnen schon den ganzen Abend sagen.«

»Danke. Das ist Roses de Chloé. Ich habe es gerade erst gekauft und war nicht sicher, ob es nicht zu blumig ist.«

»Es ist perfekt.« Anstatt mir sein Handy abzunehmen, schloss er die Finger um meine und zog mich zu einer Abschiedsumarmung heran. Als ich hochsah, starrte Brody Easton uns an, sehr wütend, woraufhin ich Michael extra lange umarmte.

***

In der darauffolgenden Woche hatten die New York Steel ein Heimspiel, was hieß, dass ich nicht mitten in der Woche zu einem Auswärtsspiel fahren musste. Stattdessen war ich für einen Bericht über die neu aufgenommenen Mitglieder der Basketball Hall of Fame unterwegs. Noch am späten Samstagabend fuhr ich die vier Stunden nach Hause, um am nächsten Morgen pünktlich zum Anstoß im Stadion zu sein. Ich verfolgte das Spiel von der Seitenlinie aus, wo ich dem Spielkommentator assistierte. Nachdem die Steel gewonnen hatten, machte ich mich auf den Weg zur Kabine. Diesmal trödelte ich jedoch nicht herum, sondern beeilte mich, um da zu sein, wenn der Wachmann die große blaue Tür öffnete.

»Wie geht’s, Delilah Anne?« Henry hielt die Hand hoch, um mit mir abzuklatschen.

»Hi. Ich habe Ihnen etwas mitgebracht.« Aus meiner Tasche zog ich eine signierte Autogrammkarte von Rochelle Teavers, der Spielerin der amerikanischen Basketball-Profiliga der Damen mit der höchsten Trefferquote in dieser Saison. »Ich habe gehört, wie einige Reporter erwähnten, dass Ihre Tochter sich beim Basketballspielen den Knöchel gebrochen hat. Na ja, und diese Woche habe ich von der Hall of Fame berichtet, und Rochelle war da.« Ich blickte auf das Hochglanzfoto. »Ich hoffe, Larissa ist richtig geschrieben.«

Henry klopfte sich auf die Brust und zog seine Lesebrille aus der Innentasche seiner Uniform. »Na schau mal einer an. Da wird sie aber Augen machen. Vielen Dank, Delilah Anne.«

»Kein Problem.«

Ich war eine der Ersten in der Umkleidekabine. Ein anderer Reporter hatte bereits sein Equipment aufgebaut, um Easton zu interviewen, aber ich wollte es so schnell wie möglich hinter mich bringen. Mit Nick im Schlepptau ging ich zu ihm rüber. Brody sprach gerade über sein Knie, aber in der Sekunde, da er mich erblickte, überzog ein Lächeln sein Gesicht. Mist, er hat schon wieder ein Handtuch umgebunden. Ich war bestens auf das Interview vorbereitet und wusste, wie ich mit dem durchtriebenen Quarterback umzugehen hatte, falls er wieder Spielchen spielen würde. Aber dieses verdammte Lächeln machte mich nervös.

Als ich dran war, trat ich mit einer Miene vor ihn, die signalisierte, dass ich keine Lust auf Späßchen hatte. »Also, wie werden wir das Ganze heute angehen, Easton?«

»Haben Sie an mich gedacht, als Sie diese Woche in Boston waren?«

Ich hob eine Augenbraue. »Spionieren Sie mir hinterher?«

»Geben Sie zu, dass Sie an mich gedacht haben, und ich mache es Ihnen heute leichter.«

»Ich kenne ja jetzt Ihre exhibitionistischen Neigungen und bin vorbereitet. Sie müssen es mir überhaupt nicht leicht machen. Machen Sie es ruhig so hart wie möglich.« Ich bedeutete Nick, die Kamera einzuschalten.

Easton strahlte und ließ prompt sein Handtuch fallen.

Wir gingen live auf Sendung. »Also. Glückwunsch zu einem weiteren famosen Sieg heute. Und zu Ihrem tollen Touchdown.«

»Danke.«

Ich hielt seinen Blick ein paar Sekunden fest und sah dann nach unten – direkt auf sein bestes Stück. »Das war ja ein ziemlich kurzer Lauf. Ungefähr zehn Zentimeter?«

»Oh, nein, es waren definitiv mehr als zehn Zentimeter. Ich würde sagen, das waren mindestens dreißig Zentimeter.«

»Soweit ich weiß, wurden offiziell zehn Zentimeter gemessen. Dass Männer aber auch immer übertreiben müssen«, stichelte ich.

Easton verging sein freches Grinsen. Und etwas wie Entrüstung schimmerte hindurch. Ich war hochzufrieden. Er offensichtlich nicht. »Was haben Sie in der zweiten Hälfte geändert? Vor der Halbzeit hatte man den Eindruck, dass Sie beim Passspiel etwas Probleme hatten. Wren Jacobs vereitelte gleich zwei Mal Ihren Versuch, den Ball an Daryl Breezy abzugeben. Was war da los? Hatten Sie Probleme, ihn hochzukriegen

Easton verengte die Augen zu Schlitzen. »Nein. Damit habe ich nie Probleme. Ich brauchte nur eine bessere Deckung. Der Trainer hat in der Halbzeit ein paar Änderungen vorgenommen, um die Lücken in unserer Angriffslinie zu schließen. Sobald ich bessere Deckung hatte, konnte ich ihn direkt reinmachen.« Jetzt war es Easton, der mir erst fest in die Augen und dann an sich hinuntersah, während ich seinem Blick folgte. Meine Selbstbeherrschung ging in der Sekunde flöten, als ich bemerkte, dass er offenbar immer erregter wurde. Als ich wieder hochsah, strahlte er übers ganze Gesicht. Und riss schon wieder die Regie über mein Interview an sich. »Bruce Harness hat heute hervorragende Arbeit geleistet. Sein geblockter Punt zu Beginn der zweiten Hälfte hat den entscheidenden Impuls gegeben.«

»Mit diesem Block hat er sich in die Liste der zehn besten Punt-Blocker eingereiht«, antwortete ich.

Eastons Grinsen verschwand. Er wirkte überrascht, dass ich die Statistiken für Punt-Blocks auswendig kannte.

»Das stimmt. Noch fünf, und er könnte an die Spitze der Tabelle der besten Punt-Blocker aller Zeiten klettern.«

»Noch sechs«, korrigierte ich ihn.

»Fünf.«

»Sechs.«

»Fünf.«

»Herman Weaver, 1970 bis 1980. Hat bei Detroit begonnen und bei den Seahawks aufgehört. Vierzehn geblockte Punts. Harness hat acht, also braucht er noch sechs, um den Rekord zu überbieten.« Easton öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Endlich hatte ich die Kontrolle über mein Interview zurückerobert. »Eine letzte Frage noch?« Ich drehte mich um und sah hinter mir eine Schlange voller ungeduldig wartender Journalisten. »Ist Ihr Knie bereit, es mit den erstplatzierten Chargers nächste Woche in Kalifornien aufzunehmen?«

»Werden Sie dort sein, um darüber zu berichten?«

»Das werde ich.«

»Dann können Sie darauf zählen, dass ich bereit sein werde.«

KAPITEL 4

Brody

»Lauuuf!«

Groupers Mopp fiel zu Boden, und er begann, schnell den langen Flur hinunterzuhumpeln. Shannon, die diensthabende Krankenschwester, lief kopfschüttelnd an uns vorüber. Es war nicht das erste Mal, dass sie uns bei solchem Quatsch erwischte, aber nach Groupers Hüft-OP vor ein paar Jahren hatte seine Kraft nachgelassen. Seither waren die Pässe, die ich dem alten Mann zuspielte, hoch und lang und weniger scharf.

»Er ist neunundsechzig Jahre alt«, rief Shannon über ihre Schulter hinweg. »Ihretwegen bekommt der alte Herr eines Tages noch einen Herzinfarkt.« Ich sah, wie sie lächelte, als sie weiterging.

Als Grouper es zum hinteren Ende des Gangs geschafft hatte, ließ ich den Ball achtzehn Meter durch die Luft segeln, bis er direkt in seinen Händen landete.

»Ich habe den Ball noch gekriegt«, verkündete er, als er zu mir zurückkam.

»Du hast ihn nicht gekriegt. Ich habe dir das Ding direkt in die Hände gespielt.«

»Schwachsinn. Du wirfst total scheiße. Jeder weiß, dass ein Pass nur so gut ist wie der Passempfänger.«

»Weiß der kleine Guppy eigentlich, wie respektlos sein Großvater mit seinem großen Idol spricht?«

»Pff. Idol. Wenn überhaupt, bin ich sein großes Idol.«

Der achtjährige Grouper war ein riesiger Football-Fan und ein noch größerer Brody-Easton-Fan. Als ich letztes Jahr überraschend bei seiner Geburtstagsfeier vorbeigeschaut hatte, war er in Tränen ausgebrochen, als er mich sah. Das hatte gereicht, um seinen Großvater ein paar Wochen lang damit aufzuziehen.

Ich machte kurz bei der Schwester halt. »Wie ging es ihr diese Woche?«

»Eigentlich ganz gut«, sagte Shannon. »Sie will einkaufen gehen und behauptet, sie bräuchte Unterhosen, obwohl sie eine ganze Schublade voll hat.«

»Dann soll eben ihre Pflegerin mit ihr einkaufen gehen.«

»Sie wollen wirklich, dass die Pflegerin mit ihr einen Ausflug unternimmt, der Sie zusätzliche dreihundert Dollar kostet, plus die Kosten für die Unterhosen, wo sie doch bereits vierzig Stück besitzt?«

»Wenn es sie glücklich macht?«

»Ich schätze schon.«

»Na dann.«

Sie lächelte. »Ich werde mit der Pflegerin für diese Woche einen Termin vereinbaren.«

Marlene saß in ihrem Zimmer und schaute eine Wiederholung von Der Preis ist heiß. Gerade musste man die einzelnen Preise von Lebensmitteln addieren, um die Gesamtsumme zu ermitteln.

»Hi, Marlene.«

»Pssst.«

Vor ihr lagen Notizblock und Stift, und ihre zittrige Hand kritzelte unablässig Preise aufs Papier, während die Produkte präsentiert wurden. Als Moderator Bob Barker eine Flasche Milch hochhielt, spähte ich verstohlen auf ihren Zettel. Fünfzehn Cent. Okay, nun hatte ich eine ungefähre Vorstellung davon, in welchem Jahr wir uns heute bewegten.

Als die Auflösung präsentiert wurde, war sie nicht allzu glücklich, dass ihre Summe nicht annähernd stimmte, also versuchte ich sie zu trösten: »Die blähen die Preise absichtlich so auf, damit es niemand erraten kann.«

»Da hast du wohl recht.«

»Natürlich. Ich habe immer recht. Außerdem sehe ich auch noch verdammt gut aus.« Ich öffnete die Papiertüte, die ich dabeihatte, und wickelte das Corned-Beef-Sandwich aus, das sie sich letzte Woche gewünscht hatte.

»Du warst also bei Heidelman’s

»Jep.« Oder vielmehr bei der Ben’s Kosher Deli-Franchisekette, die den Laden vor über zehn Jahren übernommen hat. Aber das tat nichts zur Sache.

»Jetzt habe ich aber Appetit. Kannst du mir meine Gebissdose reichen?«

»Du hast dein Gebiss bereits drin, Marlene.«

Sie tippte sich mit den Fingern gegen die Schneidezähne, um sich davon zu überzeugen, dass ich die Wahrheit sagte. Auch wenn sie ständig mit den Gedanken woanders war, waren ihre Zähne jede Woche Thema.

»Willow hat mich neulich besucht.«

»Das freut mich.«

»Ja, und sie hat mir gebeichtet, was sie getan hat.«

Keine Ahnung, was sie meint. »Ach, ja? Was war das gleich noch mal? Ich komme bei Willow langsam nicht mehr mit.«

»Der Pool. Du weißt schon. Ihr beide solltet euch schämen. Nächstes Mal lässt die Polizei euch nicht so leicht davonkommen.«

Es erstaunte mich immer wieder, dass sie sich an etwas glasklar erinnerte, das mehr als zehn Jahre zurücklag, aber nicht mehr wusste, dass sie vor fünf Minuten ihr Gebiss eingesetzt hatte. Es war beinahe so, als ob ihre neuesten Erinnerungen zuerst verblassten. Ich konnte nur hoffen, dass meine Erinnerung an den Vorfall mit dem Pool nie verschwinden würde.

Das war das erste Mal gewesen, dass ich Willow nackt gesehen hatte. Und jener Abend, an dem mir klar wurde, dass dieses Ziehen in der Brust, das ich jedes Mal verspürte, wenn das Mädchen, das ich Die wilde Willow nannte, mich zu Tode erschreckte, kein Schmerz war. Sondern Liebe.

»Es war meine Schuld. Willow hat versucht, es mir auszureden. Sie ist nur über den Zaun gesprungen, um mich da rauszuholen, aber ich habe sie in den Pool geschubst.«

Marlene sah mich skeptisch an. Zu Recht. Niemand mit ein bisschen gesundem Menschenverstand würde glauben, man hätte Willow je zu irgendetwas Riskantem überreden müssen. Dieses Mädchen hatte schon immer lächelnd auf Messers Schneide getanzt, während ich ihr zusah und darauf wartete, dass sie sich schnitt und ich sie verarzten musste. Das war es, was ich am meisten an ihr liebte. Und am meisten hasste.

»Das ist meine letzte Warnung. Wenn ihr beide euch noch mehr Ärger einhandelt, muss ich euch trennen. Zusammen seid ihr schlimmer als ein Sack Flöhe.«

Ich klaute mir die Hälfte von ihrem Sandwich und versprach, brav zu sein. Die Ironie war, dass sie das Einzige war, was Willow und mich noch verband.

KAPITEL 5

Delilah

»Hey, was machst ’n du da?« Indie ließ sich am anderen Ende meines Schreibtischs auf die Tischplatte plumpsen, zog die Beine hoch und kreuzte sie zum Schneidersitz, obwohl sie einen Rock trug.

»Schicke Unterwäsche.«

»Du kannst meine Unterwäsche gar nicht sehen.«

»Und ob«, bluffte ich.

»Ich trage gar keine.«

»Ich hoffe, du hast genauso auch eben in dem Meeting mit dem Abteilungsleiter gesessen.«

»Logo.« Indie beugte sich vor und fegte einen Stapel Papier vom Tisch, ehe ich sie aufhalten konnte. Dann blätterte sie durch einige der Artikel, die ich ausgedruckt hatte. »Brody Easton, was?«

»Das sind Recherchen.«

»Für was? Ein Interview mit der Cosmopolitan? Da ist kein einziger sportbezogener Artikel dabei.« Sie breitete die Blätter mit einer Hand aus und fächerte sich damit zu.

»Für das Spiel diese Woche.«

»Ach, wirklich?« Indie hielt in der Bewegung inne und zog eine Seite aus ihrem improvisierten Fächer. »Und was bitte schön hast du aus diesem Artikel gelernt?«

Es war ein Bild von Brody in Unterwäsche. In engen schwarzen Boxershorts. »Ich habe mir sein Knie angeschaut, um einzuschätzen, ob das Bild vor oder nach seiner OP gemacht wurde.«

»Du hast dir seinen Schwanz angeschaut.«

»Gar nicht. Der Typ ist ein Schwanzgesicht.«

»Der es dir angetan hat.«

»Hat er nicht.«

»Hat er wohl.«

»Lassen wir das.« Ich verdrehte die Augen. »Aber weißt du … seine Laufbahn ist durchaus beeindruckend. Mit zwanzig in der ersten Runde gedraftet. Mitte der zweiten Saison ein Autounfall, bei dem er allerdings nur leicht verletzt wurde. Vor Beginn der dritten Saison aus dem Team gestrichen.

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