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YAHRAH ST. JOHN

Sündige Träume von meinem Boss

Zwischen ihnen knistert es ganz gewaltig! Daniel Cobb kann Angelas süßer Verlockung kaum mehr widerstehen. Obwohl der Millionär doch weiß, dass eine gemeinsame Zukunft mit ihr unmöglich ist …

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Nur die Wellen schauten zu …

Eine Frau wie einem erotischen Märchen entsprungen … Aber Helikopterpilot Mark ahnt nicht, dass die sexy Krankenschwester Cassie Teil einer Vergangenheit ist, die ihn bis heute mit Schmerz erfüllt …

KIRA SINCLAIR

Prickelnde Erinnerung

Diese Lippen hat er nie vergessen, genauso wenig wie das sündige Versprechen ihrer Augen. Erik McKnight liebt Lola immer noch. Doch der Feuerwehrmann kann ihre lodernde Wut auf ihn nicht löschen …

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Fünf Wochen pure Zärtlichkeit

Was mit Hilfsbereitschaft begann, endet in grenzenloser Lust! Cowboy Cal ist fasziniert von Maggie. Er hilft ihr, die Ranch zu renovieren – und hat Angst vor dem Tag, an dem sie für immer gehen wird …

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Sündige Träume von meinem Boss

1. KAPITEL

Daniel Cobb ging mit schnellen Schritten durch die Gänge seines Unternehmens. Er hatte die Cobb Luxury Real Estate durch harte Arbeit aufgebaut und war stolz darauf, dass die Firma heute zu den gefragtesten der Stadt zählte.

Auch wenn er inzwischen nur noch Maßanzüge trug, und stets perfekte Umgangsformen zeigte, wusste er doch, dass dieser Erfolg alles andere als selbstverständlich war. Und dass er dankbar für das Vertrauen sein konnte, das seine Kunden ihm und seinem Unternehmen entgegenbrachten.

Der Weg war nicht leicht gewesen, doch Daniel hatte immer seine Vision verfolgt. Er hatte sich auf die Vermittlung von Luxusimmobilien an Millionäre in Miami spezialisiert, und bereute keine Sekunde, diesen Schritt gegangen zu sein.

Seine Kunden wussten, was sie von ihm erwarten konnten: höchste Professionalität, hervorragende Angebote und strikte Vertraulichkeit.

Daniel war noch immer täglich im Büro. Er wusste, dass er sich auf seine Mitarbeiter verlassen konnte, aber er hielt die Zügel gerne selbst in der Hand.

Neben seiner Arbeit als Unternehmer blieb nur wenig Zeit für sein Engagement im Prescott George Club – und noch weniger Zeit für alles, was mit Frauen zu tun hatte.

Daniel war nicht gerade zurückhaltend, was Eroberungen für eine Nacht anging, aber er hatte einfach keine Zeit für eine feste Beziehung. Und er wollte auch keine.

Auf dem College war er unsterblich in Mia Landers verliebt gewesen, und diese Erfahrung hatte ihn geprägt. Mia war bis heute der Inbegriff seiner Traumfrau: intelligent, attraktiv und mit einer faszinierenden Ausstrahlung. Leider hatte Mia seine Zuneigung nicht erwidert, sondern war ihrerseits in Ashton Rollins verliebt gewesen.

Ashton war ein Draufgänger aus reicher Familie, und Daniel hatte immer das Gefühl gehabt, Mia beschützen zu müssen. Monatelang hatte er gehofft, sie würde doch noch irgendwann verstehen, dass Ashton der Falsche für sie war … Vergeblich.

Eines Tages starb Mia bei einem tragischen Verkehrsunfall, und seitdem lebte Daniel mit dem Gefühl, nicht genug für sie getan zu haben. Vielleicht hätte er ihren Tod verhindern können, wenn er sich mehr um sie bemüht hätte? Doch diese Gedanken führten zu nichts.

Um mit seiner Trauer fertig zu werden, hatte Daniel sich in die Arbeit gestürzt. Inzwischen gehörten etliche Luxusimmobilien zu seinem Firmenimperium, und die neueste Errungenschaft war ein Penthouse in Key Biscayne. Es war modern, lässig und in genau dem richtigen Maß außergewöhnlich.

Wie Daniel selbst.

„Guten Morgen, Myrna“, grüßte Daniel seine Assistentin am Empfang, als er durch die Glastür trat.

Myrna lächelte ihm zu. „Guten Morgen, Mr. Cobb.“

Myrna war jung, hübsch und genau das, was Daniels Kunden am Empfang erwarteten. Doch Myrna war nicht zu unterschätzen. Daniel wusste, dass man sie nicht auf ihre perfekte Figur, das schöne Gesicht und die langen blonden Haare reduzieren sollte. Sie war eine Frau mit Ambitionen und fest entschlossen, Karriere zu machen.

Daniel war sich sicher, dass sie ihren Weg gehen und die Immobilienbranche in Miami früher oder später noch mächtig aufwirbeln würde. Im besten Fall als eine seiner Agentinnen. Vorerst aber war sie die perfekte Empfangsmitarbeiterin für ihn.

Daniel betrat sein Büro, schloss die Tür hinter sich und trat an die breite Glasfront, die den Blick aufs Meer freigab.

Ihm war bewusst, dass er stets wirkte, als käme er aus einem reichen Elternhaus. Doch das war nicht der Fall. Seine Eltern hatten normale Jobs gehabt, und nach ihrer Scheidung war Daniel in der typischen Situation eines Kindes aufgewachsen, das sich zwischen beiden Elternteilen hin- und hergerissen fühlt.

Sein Vater hatte eine kleine Immobilienfirma in Fort Lauderdale geführt. Dort hatte auch Daniels Karriere begonnen. Schon während der Schulzeit hatte Daniel viel Zeit in der Firma verbracht. Es war schließlich auch die einzige Chance gewesen, seinen Vater überhaupt zu Gesicht zu bekommen.

Nach seinem Universitätsabschluss in Finanzwirtschaft hatte er beschlossen, direkt ein eigenes Unternehmen zu gründen und sich auf die jungen, hippen und vor allem reichen Käufer in der Stadt zu spezialisieren.

Dank seiner guten Kontakte vom College – nicht zuletzt zur steinreichen Familie von Ashton Rollins – und seiner Fähigkeit, die sozialen Netzwerke zeitgemäß für sein Marketing zu nutzen, war die Sache besser gelaufen als erwartet. Die Tür zu den Reichen und Schönen stand ihm offen.

Doch das tröstete Daniel nicht darüber hinweg, dass er die Frau seines Lebens verloren hatte …

„Mr. Cobb“, hörte er die Stimme seiner Assistentin Mary durch die Telefonsprechanlage. „Die Archers sind hier und würden Sie gerne sprechen.“

„Ich bin in einer Sekunde da.“ Daniel stand auf, strich Anzug und Krawatte glatt und atmete tief durch. Die Archers waren neue Kunden, und er hoffte, ihnen eines seiner teuersten Objekte verkaufen zu können. Wenn dieser Deal klappte, war eine riesige Provision für ihn drin.

Daniel öffnete die Tür und begann mit dem, was er am besten konnte: Menschen erobern.

Angela Trainor musste sich zusammenreißen, um nicht genervt mit den Augen zu rollen. Sie hatte als Immobilienmaklerin schon viel erlebt, aber das Verhalten der Harrisons, denen sie gerade ein Luxuspenthouse zeigte, setzte den bisherigen Erfahrungen die Krone auf.

Wie konnte man an einem absoluten Topapartment wie diesem noch etwas finden, das störte? Diese Immobilie war ein absoluter Schatz und schwer zu bekommen! Statt sich darüber zu freuen, wurde herumgenörgelt.

„Haben Sie die Griffe an den Küchenschränken gesehen?“, wandte Mrs. Harrison sich nun an Angela. „Die sind grauenhaft.“

„Oh, das ist kein Problem. Alles in der Inneneinrichtung lässt sich ganz nach Ihrem Geschmack ersetzen.“

Mrs. Harrison schüttelte ihre langen schwarzen Haare und nestelte an dem Diamantarmband, das sie um das Handgelenk trug. Allein dieses Armband hatte sicher mehr gekostet, als Angela im gesamten Jahr verdiente – und das war nicht der einzige Schmuck, den diese Frau trug! Sie war regelrecht mit Juwelen behängt, und Angela war sich sicher, dass sie den Schmuck ihrem deutlich älteren Ehemann zu verdanken hatte. Mr. Harrison war ein erfolgreicher Geschäftsmann, und offenbar las er seiner jungen Frau jeden Wunsch von den Augen ab.

Mrs. Harrison wandte sich nun an ihn. „Ich weiß nicht, Darling“, säuselte sie. „Ich hätte gerne ein Apartment, in das wir direkt einziehen können.“

Mr. Harrison lachte. „Liebling, du weißt genauso gut wie ich, dass du sofort nach dem Kauf damit beginnen wirst, alles zu verändern. Egal, für welche Wohnung wir uns entscheiden. Ich denke also, dass die Türgriffe in dieser Küche keine Rolle spielen.“

Angela warf eines der besten Verkaufsargumente in den Raum. „Das Apartment liegt in einem der besten Viertel Miamis“, sagte sie. „Hier lebt die Crème de la Crème. Außerdem genießen Sie hier einen 24-Stunden-Concierge-Service, es gibt ein Geschäft mit den feinsten Delikatessen und ein State-Art-Fitness-Center zu Ihrer freien Verfügung. Und sehen Sie sich bitte den Ausblick an!“

Angela deutete auf die breite Glasfront, die auf das Panorama von Miami Beach hinausführte.

„Lassen Sie uns einen Moment alleine, Angela?“, bat Mr. Harrison sie mit einem Lächeln.

Angela nickte und zog sich diskret zurück, um dem Paar die Möglichkeit zu geben, in Ruhe über den geplanten Kauf zu sprechen. Innerlich war sie selbst aber alles andere als ruhig.

Nie zuvor hatte sie Kunden ein solches Luxusobjekt angeboten. Wenn dieser Kauf stattfand, würde sie fast 50.000 Euro Maklerprovision erhalten. Und damit fast die restliche Summe, um sich ihr eigenes luxuriöses Traumapartment in Bricknell zu kaufen.

Sie konnte es kaum erwarten, ihre einfache Einzimmerwohnung in Coconut Groove hinter sich zu lassen …

Sie war froh, diesen Schritt in die Vermittlung von Luxuswohnungen gegangen zu sein. Und stolz darauf, dass sie es geschafft hatte, von Daniel Cobb in seiner Firma angestellt zu werden. Cobb wählte jeden seiner Mitarbeiter selbst aus, und sie war enorm nervös gewesen, als sie sich vorgestellt hatte.

Im Vorfeld hatte sie alles getan, das in ihrer Macht stand, um sich selbst in bestem Licht darzustellen. Sie hatte ihren Kleiderschrank überprüft und sich Designerkleidung zugelegt, um das Luxussegment auch angemessen zu präsentieren. Sie hatte den besten Friseur der Stadt aufgesucht, einen Kurs bei einem Make-up Artist gebucht und sich angewöhnt, sich selbst mit den besten Produkten zu pflegen.

Kunden wie Mr. Harrington erkannten auf einhundert Meter Entfernung, ob jemand wirklich hinter dem stand, was er repräsentierte, oder nur so tat. Heute, so hoffte Angela, zahlte sich all die Arbeit in sich selbst endlich aus.

Die Terrassentür wurde zur Seite geschoben und die Harrisons betraten den Wohnraum. Mit wild klopfendem Herzen drehte Angela sich zu Ihnen um. „Haben Sie sich entschieden?“

„Ja. Wir nehmen das Penthouse“, erwiderte Mr. Harrison.

Und mit diesem kurzen Satz begannen Angelas Träume Wirklichkeit zu werden.

Daniel war gespannt, mit welchen Neuigkeiten Angela von dem Termin mit den Harrisons zurückkehrte. Er wusste, dass diese Kunden nicht einfach waren, und hatte sich weit damit aus dem Fenster gelehnt, Angela diesen Auftrag zu erteilen. Immerhin war sie neu in der Luxusbranche.

Sie hatte früher für kleinere Firmen gearbeitet, aber er sah Potenzial in ihr. Und nicht nur das … Angela war eine der faszinierendsten Frauen, die ihm jemals begegnet waren. Attraktiv, mit einer mitreißenden Aura, intelligent und außerdem zielstrebig. Genau die Sorte Frau, die er für sein Unternehmen brauchte.

Was er allerdings nicht verhindern konnte, war, dass seine Gedanken in ihrer Gegenwart immer wieder abschweiften … Hin zu ihren langen Beinen, den sinnlichen Lippen und den langen Haaren, die immer wirkten, als hätte sie gerade die Sonne geküsst …

„Hast du einen Moment Zeit, oder soll ich später wiederkommen?“, fragte Angela, nachdem sie an seine Tür geklopft und den Kopf hereingestreckt hatte.

Daniel lehnte sich zurück. „Nein, komm rein. Wie ist es gelaufen?“

Angela lächelte und offenbarte perfekt weiße Zähne. „Hervorragend. Die Harrisons möchten das Penthouse nehmen. Ich mache jetzt die Marktanalyse fertig, sodass wir ihnen ein konkretes finanzielles Angebot unterbreiten können.“

„Wunderbar“, erwiderte Daniel. „Ich wusste, es war kein Fehler, dich einzustellen.“ Im Gegenteil. Angela war genau das, was sein Unternehmen gebraucht hatte.

„Hast du denn jemals an mir gezweifelt?“, fragte Angela und zwinkerte.

„Nicht übermütig werden. Das Business ist hart, und das hier war erst dein dritter großer Deal. Außerdem ist nie gesagt, dass eine Zusage auch zu einem wirklichen Verkauf wird.“

„Das weiß ich. Aber ich werde alles tun, was nötig ist, damit die Harrisons nicht abspringen. Du kannst mir vertrauen.“

Daniel nickte. „Ich weiß. Und genau deshalb möchte ich, dass du mit mir gemeinsam am nächsten großen Projekt arbeitest. Ein Kunde möchte achtzig Apartments in der Innenstadt verkaufen.“

Angela blickte Daniel mit großen Augen an. „Wow. Das klingt nach einer wirklich großen Sache.“

„Ja, und es wird nicht ganz einfach. Die Apartments sind sehr unterschiedlich, es kommt jede Menge Arbeit auf uns zu. Aber dafür bist du ja hier. Um von mir zu lernen.“

„Ich bin offen für alles, was du mir vorschlägst“, sagte Angela, und errötete noch im selben Moment.

Hoffentlich hatte Daniel ihre Worte nicht missverstanden. Offen für alles, was er ihr vorschlug? Wieso waren ihre Gedanken plötzlich vom Geschäftlichen ins Private gewandert? Direkt in ihr Schlafzimmer?

Daniel schwieg einen Moment. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Und hatte sie die gleichen Gedanken wie er dabei gehabt? Er war nicht sicher … Aber das war auch egal, denn er hatte eine feste Regel: Er fing niemals, unter gar keinen Umständen, etwas mit einer Mitarbeiterin an.

Für Angela würde er da keine Ausnahme machen. Er vermischte Geschäftliches nicht mit Privatem. Nie.

„Ich bin sicher, wir werden gut zusammenarbeiten.“ Daniel reichte Angela einen Ordner. „Hier steht alles Wissenswerte zu unserem Projekt drin. Lies es in Ruhe durch. Morgen treffen wir uns dann, um unsere Strategie zu besprechen.“

Angela nahm die Unterlagen, nickte und ging zur Tür. Bevor sie das Büro verließ, drehte sie sich noch einmal um. „Daniel?“

„Ja?“

„Danke für diese Chance.“

Als Angela zu ihrem Schreibtisch zurückkehrte, schwebte sie auf Wolke sieben. Das war ihr größter Verkauf überhaupt, und sie war wild entschlossen, Daniel auch weiterhin zu beeindrucken.

In den vergangenen sechs Monaten hatte Angela so gut wie jeden von Daniels Schritten verfolgt. Um von ihm zu lernen – und auch, weil sie ihn faszinierend fand. Er hatte diese ganz besondere Aura von Erfolg und Selbstbewusstsein um sich, der niemand widerstehen konnte.

Dabei blieb er stets fair und achtete darauf, niemanden zu übervorteilen. Daniel war ein Geschäftsmann, der die langfristigen Entwicklungen im Blick hatte, und nicht nur auf schnelle Erfolge setzte.

Angela gab sich alle Mühe, nicht zu sehr darauf zu achten, wie attraktiv Daniel neben all dem auch noch war. Doch das gestaltete sich schwierig. Er war charmant, gebildet und sah außerdem so gut aus, dass Angela ihn einfach bis in alle Ewigkeit nur hätte ansehen können: hohe Wangenknochen, sinnliche Lippen, ein ausdrucksstarkes Gesicht. Und diese Augen …

Nie zuvor hatte Angela einen Mann kennengelernt, in dessen Augen man so leicht versinken konnte. Das tiefe Braun schien geradezu hypnotisierend zu sein, und immer lag ein leichtes Funkeln in der Tiefe, das sie gerne näher ergründet hätte.

Doch das kam natürlich nicht infrage. Angela wollte nicht eine weitere Frau sein, die sich unsterblich in Daniel Cobb verliebte. Das passte nicht zu ihrer Vorstellung von Professionalität.

Auch, wenn der Gedanke verführerisch war … Daniel hatte seinen durchtrainierten Körper sicher nicht nur davon, im Büro zu sitzen, und sie hätte zu gerne gewusst, wie er aussah, wenn er die teuren Designeranzüge einmal abstreifte …

Angela zwang sich, die Gedanken beiseitezuschieben. Nein, das kam nicht infrage. Daniel war ihr Boss und Mentor, und dabei würde es auch bleiben.

„Hey, Angela, kommst du mit zum Lunch?“

Angela blickte sich um und sah Myrna auf sich zukommen. Die große Blondine lächelte. „Ich muss dringend mal an die frische Luft.“

Angela runzelte die Stirn. „Ich bin eigentlich gerade erst von einem Kundentermin zurückgekommen.“

„Ach, jetzt komm schon. Ich will nicht alleine essen gehen. Den Termin kannst du auch später nachbereiten.“

Angela lachte. „Okay, überredet.“

Sie hängte sich ihre Designer-Tasche über die Schulter und folgte Myrna in die Mittagspause. Was sie nicht bemerkte, war, dass Daniel ihr durch die Glasscheibe seines Büros nachsah.

„Und? Verrat mir dein Geheimnis. Wie hast du es geschafft, dass Daniel Cobb verrückt nach dir ist?“

Angela blickte erstaunt von ihrem Teller auf. „Wie kommst du darauf?“

Myrna rollte mit den Augen. „Ich bitte dich, das ist doch mehr als deutlich! Ich wünschte, ich bekäme die Chance, auch einmal zu beweisen, was ich kann. Anstatt immer nur in diesem Büro zu versauern. Ich will mehr erreichen, als nur das hübsche Gesicht am Empfang zu sein. Aber Daniel schaut einfach durch mich hindurch, so als gäbe es mich gar nicht.“

Angela lächelte. „Du bist doch wirklich mehr als nur das hübsche Gesicht am Empfang.“

Myrna war eine atemberaubende Frau, und Angela war klar, dass die große Blondine das auch wusste. Wo immer sie auftauchte, war sie der Blickfang. Nur Daniel schien sie weitgehend zu ignorieren, und genau das wurmte sie offenbar.

Myrna seufzte und stocherte in ihrem Salat. „Ich wäre gerne schon an deiner Stelle. Jemand, dem Daniel etwas zutraut.“

Angela presste kurz die Lippen aufeinander. „Ja, aber das war auch ein langer Weg.“

„Wie meinst du das?“

Angela überlegte einen Moment. Myrna war bekannt für ihre Klatsch- und Tratschgeschichten, und sie wollte ihr keinen neuen Stoff liefern.

Es ging niemanden etwas an, dass ihre Familie eher enttäuscht von Angelas Leben war. Weil sie, im Gegensatz zu ihrer Schwester, keine erfolgreiche Ärztin geworden war.

Stattdessen war Angela ihrem Herzen gefolgt und hatte als Maklerin ihre Erfüllung gefunden. Sie hoffte, dass ihre Eltern auch irgendwann verstehen würden, dass diese Entscheidung richtig gewesen war …

„Ich meine, dass man manchmal bei null anfangen und durchhalten muss. Und dann zahlt sich das später aus.“

Myrna lachte leise. „Okay, ja, das mag sein. Aber trotzdem denke ich, dass Daniel sich für dich interessiert.“

„Rein beruflich“, erwiderte Angela. „Wir arbeiten an einem neuen Projekt zusammen.“

„Dann bin ich gespannt“, sagte Myrna. „Du weißt sicher, dass Daniel einen Ruf in Bezug auf Frauen hat? Er ist nicht gerade ein Kind von Traurigkeit.“

„Wer sagt das?“

„Jeder!“ Myrna nahm einen Schluck Wasser. „Ich denke einfach, du solltest auf dich aufpassen. Ein Mann wie Daniel weiß, wie er mit Frauen umgehen muss, und ehe man sichs versieht, zappelt man emotional im Netz.“

Angela lehnte sich gelassen zurück. Was auch immer Daniel vorhatte, sie würde sich nicht darauf einlassen.

Ihre eigenen Pläne waren zu wichtig: endlich aus dem kleinen, schäbigen Apartment ausziehen und die Luxuswohnung bekommen, von der sie seit Jahren träumte.

Nichts und niemand, nicht einmal Daniel Cobb, würde sie dazu bringen, diesen Traum aus den Augen zu verlieren.

2. KAPITEL

Am nächsten Tag lenkte Daniel seinen Ferrari zu einem Hochhaus in Miamis Finanzviertel Bricknell. Es war mal wieder Zeit für das monatliche Treffen des Prescott George Gentlemen Club. Daniel war dem illustren Club vor sieben Jahren beigetreten. Die Einladung dafür hatte er Ashton Rollins zu verdanken. Sein alter Freund von der Universität leitete Prescott George.

Interessanterweise nannte keines der Mitglieder den Club beim Namen. Stattdessen sprach man vom Millionaire Moguls Club. Warum? Weil jeder wusste, dass eigentlich nur Mitglieder aus Familien, die bereits sehr lange zu den Reichen zählten, zugelassen wurden.

Doch in jüngster Zeit hatte es einige wenige Ausnahmen gegeben. Daniel war einer der neuen Reichen, die es geschafft hatten, Zugang zum Club zu bekommen. Und er war sehr dankbar für diese Chance, denn die Mitgliedschaft brachte Unmengen von Vorteilen.

Das Motto des Clubs bestand darin, bewährtes Wissen weiterzugeben und einander zu noch mehr Erfolg zu verhelfen. Außerdem engagierte sich der Club finanziell, unterstützte Studenten und veranstaltete Benefizveranstaltungen.

Allerdings bedeutete das nicht, dass immer Frieden herrschte.

Daniel war sich sicher, dass es beim heutigen Treffen wieder einmal zu Streit zwischen Ashton und Joshua DeLong kommen würde.

Im Gegensatz zu Ashton war Joshua nicht in eine reiche Familie hineingeboren worden. Niemand wusste so wirklich, wie er an sein Geld gekommen war, aber es wurde mächtig viel geredet. Die offensichtlichste Erklärung war, dass Joshua nicht zimperlich war und auch das ein oder andere krumme Geschäft in Kauf nahm, um Profite zu erwirtschaften. Dennoch war er ein sehr charismatischer und angenehmer Mensch.

Und dann war da eben noch Ashton … Daniel unterdrückte ein Seufzen. Er war nicht gerade ein Fan von Ashton, aber das hatte eben mit ihrer Vergangenheit an der Uni zu tun. Und mit der Liebe seines Lebens, die er verloren hatte …

Daniel erreichte die Etage, in der der Club sich traf, und verließ den Fahrstuhl. Tiffany, die bildschöne Assistentin an der Rezeption, begrüßte ihn mit einem Lächeln.

„Hallo, Mr. Cobb. Sie kommen genau richtig, das Meeting hat noch nicht begonnen. Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen – einen Scotch vielleicht?“

Daniel trank nie tagsüber. Er bevorzugte es, einen klaren Kopf zu bewahren. „Vielen Dank, Tiffany, aber für mich bitte nichts.“

Er ging durch den langen Flur mit den holzvertäfelten Wänden. Das Clubgebäude brauchte dringend eine Generalüberholung, wenn es nach ihm ginge … Alles hier existierte schon seit Generationen, und Daniel war bereit, frischen Wind hineinzubringen. Er musste nur noch die anderen davon überzeugen, und das würde sicher nicht leicht werden. Tradition zählte hier oft übertrieben viel.

Daniel betrat den Konferenzraum und sah, dass sowohl Ashton als auch Joshua bereits da waren.

Im Gegensatz zu Ashton trug Joshua keinen Anzug, sondern lediglich ein Sakko über einem weißen T-Shirt und einer dunklen Jeans. Daniel war sich sicher, dass er das tat, um Ashton eins auszuwischen. Ashton war Etikette sehr wichtig, und dazu gehörte seiner Meinung nach, hier stets im Anzug zu erscheinen …

Kurze Zeit später waren alle Mitglieder anwesend, und das Treffen begann. Auf der Tagesordnung stand unter anderem die Organisation einer Benefizveranstaltung. Daniel wunderte sich bereits, dass alles so friedlich ablief, als Joshua doch noch einen Vorschlag machte, der gegen die Regeln des Clubs zielte.

„Wieso nutzen wir nicht den Namen des Clubs, um Werbung für die Veranstaltung zu machen?“, fragte er. „Wir sollten uns nicht länger verstecken. Ich verstehe das ohnehin nicht. Es könnte für uns alle viel mehr dabei herausspringen.“

„Natürlich geht es dir nur darum“, erwiderte Ashton kühl. „Wie viel bei etwas herausspringt.“

Joshua lachte hart. „Das war vielleicht nicht die passende Formulierung, gut. Aber wäre es nicht großartig, wenn wir als Club deutlicher in die Öffentlichkeit treten, und so noch viel mehr Spendengelder organisieren?“

„Der Club tritt niemals an die Öffentlichkeit. Wir geben nicht, um uns dafür feiern zu lassen.“

Die anderen Mitglieder nickten. „Ja, Ashton hat recht. So etwas gehört sich nicht. Niemand soll denken, dass wir nur Aufmerksamkeit wollen und uns deshalb engagieren.“

Daniel rollte leicht mit den Augen. Es war klar, dass niemand gegen Ashtons Meinung war. Ashton war der Präsident des Clubs, und hatte das Amt von seinem Vater übernommen … Wer stellte sich schon offen gegen die Rollins-Familie?

„Wir reden ein anderes Mal darüber, welche Richtung der Club in Zukunft einschlagen kann“, schloss Ashton das Thema. „Für heute sind wir fertig.“

Daniel unterdrückte ein genervtes Seufzen. Ashton blendete gerne mal aus, was ihm nicht passte. So war es in seiner Familie immer gewesen, und bereits seine Vorfahren hatten auf diese Weise ihre Interessen durchgesetzt.

Daniel blickte zu Joshua hinüber und sah, dass auch dieser Ashtons Art offenbar mehr als zuwider war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zwischen den beiden Männern zu einer heftigen Auseinandersetzung kommen würde. Und damit zu einem Konflikt zwischen dem alten Geld und den neuen Reichen.

Später am Nachmittag wartete Angela darauf, dass Daniel von seinem Clubtermin zurückkehren würde. Es hatte sie nicht überrascht, zu erfahren, dass er Mitglied bei den Millionaire Moguls war. Sein Vermögen belief sich, soweit man dem Miami Magazine glauben konnte, auf über zehn Millionen Dollar.

Angela wollte so werden wie Daniel. Und wurde nicht immer gesagt, dass man die Strategien der Erfolgreichen imitieren sollte? Angela war entschlossen, alles Nötige dafür zu tun, um finanziell ebenso frei zu werden wie er.

In diesem Moment sah sie Daniel ins Büro kommen. Sein Gang war eilig und seine Ausstrahlung ebenso selbstsicher wie sexy. Ohne Umschweife kam er zu ihr ins Büro.

„Hattest du Gelegenheit, dir die Unterlagen anzusehen?“

Angela nickte. „Ja.“

Weiter kam sie nicht, denn er machte bereits auf dem Absatz kehrt. „Wunderbar. Dann lass uns gehen. Wir haben in einer halben Stunden einen Termin.“

Angela raffte ihre Tasche und die Unterlagen über das neue Projekt zusammen. Daniel wartete ungeduldig an der Tür. „Geht das noch langsamer?“

Angela hastete um ihren Schreibtisch herum und folgte Daniel dann zum Ausgang.

„Geh niemals davon aus, dass Kunden Verspätungen akzeptieren“, sagte Daniel. „Es ist ihnen egal, ob wir im Stau stehen oder unsere Großmutter gerade gestorben ist. Geschäfte gehen vor. Wer das nicht versteht, ist in der Liga der Luxusimmobilien verkehrt.“

Angela betrat gemeinsam mit Daniel den Fahrstuhl. Es waren noch andere Menschen aus dem Gebäude damit unterwegs, und deshalb blieb Angela nichts anderes übrig, als sehr dicht an Daniel heranzurücken.

Es irritierte sie, die Wärme seines durchtrainierten Körpers durch den Stoff der Kleidung zu erahnen. Und außerdem roch dieser Mann geradezu verboten gut … Es fiel ihr schwer, in Gedanken nicht abzuschweifen …

Als einer der Mitarbeiter aus dem Fahrstuhl stieg, rempelte er aus Versehen Angela an der Schulter an. Sie strauchelte und hätte sicher das Gleichgewicht verloren, hätte Daniel nicht blitzschnell reagiert.

Angela fühlte seine starken Hände sicher um ihre Taille. Er hielt sie fest und zog sie für einen Moment dicht an sich. „Alles in Ordnung?“

Angela löste sich von Daniel und schaffte es kaum, ihm in die Augen zu sehen. Sie hatte das Gefühl, puterrot anzulaufen. „Ja … ähm … danke. Alles okay.“

Daniel grinste, so als wüsste er ganz genau, was in diesem Moment in ihr vorging. „Gern geschehen.“

Angela war froh, als sie endlich mit dem Fahrstuhl die Tiefgarage erreichten und aussteigen konnten. Mit noch immer etwas weichen Knien folgte sie Daniel zu seinem Ferrari.

„Schnall dich gut an, wir müssen uns beeilen.“

Sekunden später schoss der Wagen bereits mit quietschenden Reifen auf die Straße hinaus.

Sie erreichten ihr Ziel einige Minuten vor dem vereinbarten Termin. Daniel parkte den Wagen, stieg aus, umrundete ihn und öffnete Angela die Beifahrertür. Dann reichte er ihr die Hand, um ihr aus dem Auto zu helfen.

Angela spürte seine Hand in ihrer und konnte nicht verhindern, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief. Wie es wohl ist, seine Hände überall auf der Haut zu spüren?

Angela presste kurz die Lippen aufeinander. Seit wann hatte sie solche Gedanken? Daniel war ihr Boss! Als Liebhaber stand er nicht zur Debatte!

Es musste an dem Gespräch mit Myrna liegen, dass sie plötzlich ihre Fantasie nicht mehr im Zaum halten konnte …

Daniel blieb ganz der Gentleman, öffnete ihr die Glastür zum Gebäude und geleitete sie bis zum Verkaufsbüro. Angela sah, dass hier bereits ein Modell des zum Verkauf bereitstehenden Gebäudes installiert worden war. Immer gut für Interessenten, die sich sofort einen kleinen Überblick verschaffen konnten.

„Daniel! Da bist du ja schon!“ Ein dunkelhaariger Mann kam auf Angela und Daniel zu. Genau wie Daniel trug er einen Maßanzug.

„Eduardo.“ Daniel begrüßte den Mann mit Handschlag. „Schön, dich zu sehen.“

Eduardo blickte Angela an. „Und wen hast du da mitgebracht? Etwa eine Interessentin für mein wundervolles Apartment?“

Angela lächelte. Sie war froh, heute ihr teuerstes Designerstück zu tragen. Offenbar wirkte sie immerhin so, als könnte sie sich ein Luxusapartment leisten.

Daniel lächelte. „Darf ich vorstellen? Das ist Angela Trainor, eine meiner Mitarbeiterinnen. Sie wird mit mir gemeinsam dieses Projekt betreuen. Angela, das ist Eduardo Torres.“

Eduardo musterte Angela von Kopf bis Fuß. „Oh, ich kann verstehen, warum du dich für sie entschieden hast. Schöne Frauen verkaufen immer besser.“

Angela wollte eine entrüstete Bemerkung von sich geben, aber ein Blick von Daniel ließ sie die Zähne zusammenbeißen.

„Reden wir über das Geschäftliche.“ Daniel legte eine Hand auf Eduardos Schulter und geleitete den Mann zu dem Tisch mit dem Gebäudemodell. Angela blieb nichts anderes übrig, als den beiden zu folgen.

In ihrem Inneren brodelte es. Eduardo hatte ihr gerade das Gefühl vermittelt, für das Projekt nicht relevant zu sein, sondern lediglich hübsch aussehen zu müssen. Dabei war sie eine sehr gute Maklerin und wurde mit jedem Tag noch besser!

„Wann ist das Marketing so weit? Ich möchte so schnell wie möglich mit dem Projekt in die Öffentlichkeit“, sagte Eduardo in diesem Moment.

„Immer mit der Ruhe“, erwiderte Daniel. „Das ist nicht das erste Großobjekt, das ich an reiche Menschen bringe. Ich weiß, was ich tue.“

„Aber du hast noch nie ein Projekt wie dieses betreut. Es geht um 80 Luxuswohnungen. Und du hast nur 18 Monate Zeit, um alles zu verkaufen.“

„Ich zweifle nicht daran, dass wir deutlich weniger als 18 Monate brauchen werden. Angela und ich.“ Daniel straffte die Schultern. „Entspann dich, Eduardo. Du hast die richtige Firma beauftragt. Jetzt setze bitte auch in unsere Strategie Vertrauen.“

Eduardo verabschiedete sich nach einigen weiteren Worten, und Angela hoffte, dass sie so bald nicht wieder mit ihm zu tun haben musste.

Daniel wandte sich an sie. „Dieses Projekt ist eine wirklich große Sache. Selbst für eine Firma wie meine.“

„Und du wirst das hervorragend machen. Ich meine … wir werden das hervorragend machen.“

Daniel lächelte. „Klingt, als wäre es dir ernst.“

„Natürlich ist es das. Sonst wäre ich nicht hier.“ Angela blickte Daniel fest in die Augen. „Wenn irgendjemand das schaffen kann, dann du. Ganz Florida spricht davon, wie großartig du dich auf Immobilien verstehst. Und jeder möchte so sein wie du.“

„Inklusive dir?“

Angela wich seinem Blick nicht aus. „Ja, selbstverständlich.“

Daniel lachte. „Angela, es ist nicht immer leicht an der Spitze. Man kann tief fallen.“

„Warum sollte dir das passieren? Du bist gut. Und du bist Teil des Millionaire Mogul Clubs. Es dürfte nicht besonders schwer werden, dieses Projekt an die richtigen Interessenten zu bringen.“

„Ah, du hast also von dem Club gehört?“ Daniel lächelte ein wenig rätselhaft.

„Sicher habe ich das. Jeder in Miami weiß vom Club. Er steht wie nichts anderes hier für Tradition und Reichtum.“

Daniel deutete mit dem Finger auf Angela. „Siehst du, und genau das stört mich. Ich würde gerne ein wenig frischen Wind in den Laden bringen.“

„Ein kühner Plan, oder?“

„Allerdings. Wo wir gerade beim Thema sind, am Freitagabend ist ein Dinner des Clubs. Ich möchte dich bitten, mich zu begleiten.“

Angela räusperte sich. Hatte sie gerade richtig gehört? Bat Daniel Cobb sie um ein Date? „Ich soll … dich begleiten?“

„Ja. Es wäre eine großartige Möglichkeit für dich, einige der einflussreichsten Menschen der Stadt kennenzulernen. Potenzielle Kunden. Kommst du mit?“

Angela verzog die Lippen zu einem breiten Lächeln. „Sehr gerne. Nichts auf der Welt könnte mich von diesem Dinner abhalten.“

Daniel wusste selbst nicht genau, warum er Angela gebeten hatte, ihn zu dem Dinner zu begleiten. Üblicherweise war dieses monatliche Abendessen nur Mitgliedern des Clubs und deren Partnern vorbehalten. Angela aber war lediglich seine Angestellte, und üblicherweise nahm er keine Mitarbeiter zu Treffen des Clubs mit …

Angela aber war anders. Und Daniel musste sich eingestehen, dass er mehr über sie erfahren wollte. Dass er wissen wollte, was hinter dieser hübschen Fassade steckte.

Es war lange her, dass ihn eine Frau dermaßen fasziniert hatte. Und vielleicht ergab sich so die Möglichkeit, Angela besser kennenzulernen?

Heute zumindest hatte sie ihn beeindruckt, denn ihr Umgang mit Eduardo war höchstprofessionell gewesen. Auch und gerade, als dieser sich ihr gegenüber unmöglich benommen hatte. Angela war nicht einen Moment lang aus der Rolle gefallen, und das rechnete Daniel ihr hoch an.

Sie war klar, fokussiert und ließ sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Und zugleich merkte man, dass diese Frau nicht nur Köpfchen, sondern auch Leidenschaft mitbrachte. Eine verführerische Mischung …

„Wunderbar“, sagte Daniel, auf das Dinner bezogen. „Ich hole dich dann bei dir zu Hause ab.“

Angela schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Nicht nötig. Wir treffen uns einfach im Büro.“

Daniel runzelte die Stirn. Er war ein Gentleman und es gewohnt, Frauen vor einem Dinner abzuholen. „Bist du sicher?“

„Absolut sicher. Aber vielen Dank für das Angebot.“

An diesem Abend konnte Angela kaum glauben, welche Entwicklungen sich innerhalb so kurzer Zeit ereignet hatten. Sie kam nach Hause, schlüpfte aus den High Heels und ließ sich erst einmal auf ihr Sofa fallen, um die müden Füße hochzulegen.

Kaum zu fassen, dass Daniel sie zu den Millionaire Moguls mitnahm!

Natürlich wirkte es wie ein Geschäftsessen. Aber irgendwie wurde Angela den Eindruck nicht los, dass mehr dahintersteckte, als Daniel zugeben wollte.

Musste sie nun auf der Hut sein? Es war erwiesenermaßen nicht gut, Arbeit und Privates zu verknüpfen … Aber die Chance, einflussreiche Menschen zu treffen, war einfach zu verlockend. Ganz abgesehen davon, einen Abend mit einem faszinierenden Mann wie Daniel zu verbringen.

Angela war wild entschlossen, das Beste aus dieser Chance zu machen. Eine Romanze mit ihrem Chef stand allerdings nicht auf ihrer Agenda. Sie würde sich keinesfalls mit Daniel einlassen.

Hoffte sie.

Immerhin war ihr jetzt schon klar, welches Outfit sie zum Dinner tragen würde: das atemberaubende schwarze Kleid, das ihre Figur perfekt in Szene setzte, ohne zu viel zu verraten. Dazu die Haare zu einem lockeren Chignon gebunden, und sie würde perfekt in den Kreis der Wohlhabenden passen.

Sie zweifelte nicht daran, dass es ein Wendepunkt in ihrer Karriere werden würde. Dafür würde sie schon sorgen.

3. KAPITEL

Während Daniel am Freitagabend auf Angela wartete, checkte er im Büro nochmals seine E-Mails. Er konnte einfach nicht anders. Vielleicht war er ein notorischer Workaholic, aber sein eigenes Unternehmen ging ihm über alles, und er nahm seine Arbeit sehr ernst.

Bis eine Bewegung im Augenwinkel ihn dazu brachte, den Blick zur Tür zu wenden. Und er Angela sah.

Daniels Herz machte einen Sprung, und plötzlich fühlte sich seine Kehle staubtrocken an. Er war es gewohnt, sich mit schönen Frauen zu umgeben – doch Angela war umwerfend.

Sie trug ein schwarzes, seidiges Kleid, das sich perfekt an ihren Körper schmiegte und die weiblichen Kurven betonte, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Dazu High Heels, die sie noch ein wenig größer wirken ließen, als sie ohnehin schon war, und so wenig Make-up, dass sie vollkommen natürlich aussah.

Angela schien zu leuchten; ihre gesamte Ausstrahlung glich der einer Göttin. Und Daniel konnte den Blick kaum von ihr abwenden.

Er schluckte schwer. „Du siehst ganz ordentlich aus.“

Angela zog die Brauen ganz leicht zusammen. „Oh, danke. Ja, das mache ich immer so.“

Sie klang ein wenig enttäuscht – hatte sie eine andere Reaktion von ihm erwartet?

Wäre dies ein Date, dann hätte Daniel natürlich mehr dazu gesagt, aber Angela war seine Angestellte. Und da gab es eben strikte Regeln. Auch, wenn er zugeben musste, dass Angela es ihm schwer machte, sich an die eigenen Regeln zu halten …

Daniel stand auf. „Können wir los?“

Angela nickte. „Natürlich.“

Daniel schritt neben Angela den Gang entlang und nahm ganz dezent den Duft ihres Parfums wahr. Es roch nach Himbeeren und einem Hauch von Vanille. Ein femininer, spielerischer Duft, der ihm ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

„Du siehst auch ganz ordentlich aus“, sagte Angela, während sie zum Fahrstuhl gingen.

„Oh, danke“, erwiderte Daniel, so wie sie zuvor, und reichte Angela den Arm. Sie hakte sich bei ihm ein und gemeinsam verließen sie das Gebäude. Ein Fahrer wartete bereits auf sie.

Glücklicherweise dauerte die Fahrt zum Restaurant nicht lange, denn Angelas Nähe und ihre umwerfende Attraktivität machten Daniel mehr zu schaffen, als er sich eingestehen wollte. Er musste sich daran erinnern, dass er sie nicht als Frau wahrnehmen durfte, sondern nur als seine Mitarbeiterin. Alles andere würde nur zu Ärger führen.

Angela betrat das Restaurant gemeinsam mit ihm, und Daniel merkte, dass sie sich so sicher bewegte, als wäre dies hier nichts Besonderes, sondern ihr Alltag. Er mochte ihre selbstsichere Art …

„Daniel!“ Tyson Williams, ein Mitglied der Millionaire Moguls, kam ihnen entgegen. „Schön, dich zu sehen! Und wer ist diese hinreißende Lady an deiner Seite?“

Bevor Daniel etwas sagen konnte, hatte Angela sich bereits mit einem strahlenden Lächeln an Tyson gewandt. „Ich bin Angela, Angela Trainor“, sagte sie, und schüttelte Tyson zur Begrüßung die Hand. „Daniel und ich arbeiten zusammen.“

Daniel erhaschte einen kurzen Blick von ihr und hatte das Gefühl, als hätte sie ihm einen Schlag in die Magenkuhle verpasst. Angela ließ keinen Zweifel an ihrer rein geschäftlichen Beziehung. Aber das war es doch, was er gewollt hatte, oder?

„Ernsthaft, Daniel? Du bringst jetzt schon deine Mitarbeiterinnen mit? Hast du kein Date an Land ziehen können, oder was ist los?“

Daniel schnaubte leise. „Vorsicht, Tyson, oder ich mache dich beim nächsten Raquetspiel noch mehr fertig als letztes Mal.“

Tyson lachte und wandte sich an Angela. „Darf ich Ihnen einen guten Rat geben? Nehmen Sie sich vor dem Kerl in acht. Daniel hat es Faustdick hinter den Ohren.“

Angela war mehr als bewusst, dass sie sich vor Daniel in acht nehmen musste. Allerdings nicht, weil er ein guter Raquetspieler war, sondern weil er an diesem Abend noch umwerfender aussah als üblicherweise ohnehin schon.

Doch es war nicht nur sein Aussehen. Es lag etwas in Daniels Bewegungen, eine pantherartige Geschmeidigkeit und Kraft, die sie bisher nie so an ihm wahrgenommen hatte. Erst vorhin, als er von seinem Schreibtisch aufgestanden und zu ihr gekommen war, hatte sie es zum ersten Mal bemerkt.

Und sie liebte diese Aura um ihn … Mehr, als gut für sie war!

„Angela?“ Daniels Stimme riss sie aus ihrem Tagtraum. „Ich würde dich gerne einigen Mitgliedern des Clubs vorstellen.“

Sie folgte Daniel in das Séparée, das für das Dinner im Restaurant gebucht worden war, und erkannte sofort einige der wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt. Sie war auch nicht erstaunt, als sie erfuhr, dass Ashton Rollins der Präsident des Clubs war. Die Familie Rollins spielte seit gefühlten Ewigkeiten eine bedeutende Rolle in Miami.

Was sie allerdings überraschte, war, dass Ashton Rollins ohne Begleitung zu diesem Dinner erschienen war. Doch für sie war dieser Mann nicht von Interesse. Geld allein machte niemanden attraktiv, und Ashton war einfach nicht ihr Typ.

Neben Daniel verblasste er regelrecht …

Angela freute sich darüber, dass Daniel sie einigen wichtigen Persönlichkeiten vorstellte, und sie dann vertrauensvoll für eine Weile auch sich selbst überließ, während er sich mit Freunden aus dem Club unterhielt. Das gab ihr die Chance, selbst Kontakte zu knüpfen – und von sich zu überzeugen.

Angela begab sich zur Bar, um ein Glas Weißwein zu ordern. Sie fühlte sich stark und selbstsicher und hatte keinen Zweifel daran, diesen Abend für ihre Zwecke nutzen zu können.

In diesem Moment sprach eine Frau sie an. „Verraten Sie mir, wie Sie es geschafft haben, sich Daniel Cobb zu angeln?“

Angela wandte sich überrascht um. „Wie bitte?“

Die Frau neben ihr lächelte. „Wissen Sie – wir Ehefrauen hier im Club haben seit Langem versucht, ihn zu verkuppeln. Aber es hat nie funktioniert. Was also ist Ihr Geheimnis?“

Angela folgte ihrem Blick und sah eine Gruppe von Frauen einige Meter entfernt zusammenstehen. Offenbar war sie Thema, denn sie erntete mehr oder weniger verstohlene Blicke.

„Daniel und ich sind kein Paar“, sagte sie. „Wir arbeiten nur zusammen.“

Die Frau blickte sie fassungslos an. „Wie bitte? Das bedeutet, Sie sind Single?“

Es klang, als wäre das ein Verbrechen, und bevor Angela antworten konnte, hatte ihre Gesprächspartnerin sich bereits wieder abgewandt und ging zu den anderen Frauen zurück.

Angela merkte, dass die Blicke der Frauen plötzlich abschätzig wurden.

Was dachte die denn, weshalb sie hier war? Um sich einen ihrer Ehemänner zu angeln?

Angela bestellte ein Glas Chardonnay. Nein, sie war nicht hier, weil sie einen Mann suchte. Ihr ging es um rein Berufliches. Und das würde sie den Frauen auch gleich begreiflich machen.

„Wer ist denn diese Sahneschnitte, die du da mitgebracht hast?“

Daniel musterte Joshua DeLong mit gerunzelter Stirn. Es gefiel ihm nicht, wie sein Clubfreund über Angela sprach. „Sahneschnitte?“

Joshua grinste. „Ja. Sag nicht, dir ist nicht aufgefallen, dass sie die Aufmerksamkeit des gesamten Raumes auf sich gezogen hat? Die anderen Frauen sterben fast vor Eifersucht.“

Daniel hatte bereits bemerkt, dass viele Frauen an diesem Abend Angela eher wie eine Feindin musterten. Er straffte sich. „Ich bin sicher, sie wird damit umgehen können. Ich hätte sie nicht in meiner Firma eingestellt, wenn ich nicht von ihren Qualitäten überzeugt wäre.“

„Welche Art von Qualitäten? Ich schätze, du würdest ihr gerne noch so einiges beibringen?“

Daniel seufzte. „Spar dir die Anzüglichkeiten. Angela ist meine Angestellte, nichts weiter.“

Er drehte sich um und wollte zu Angela hinübergehen, aber in genau diesem Moment sah er, wie sie auf eine Gruppe Frauen zusteuerte, die sie kritisch gemustert hatte. Gespannt wartete Daniel ab, was nun geschehen würde. Und Angela überraschte ihn einmal mehr.

Es dauerte keine fünf Minuten, bis Angela die gesamte Gruppe für sich eingenommen hatte. Ihre charmante und offene Art wirkte Wunder, und die gesamte neidische Distanziertheit, die zuvor das Verhalten der anderen bestimmt hatte, verflog im Nu.

Daniel spürte Stolz auf Angela in sich aufkommen.

„Ladys“, sagte er, als er zu der Gruppe trat, „darf ich meine Begleiterin für einen Moment entführen?“

„Nur schweren Herzens“, erwiderte eine der Frauen und lächelte ihm zu.

Angela und Daniel entfernten sich ein Stück, dann beugte Daniel sich zu Angela und flüsterte ihr ins Ohr: „Das hast du perfekt hinbekommen.“

Sie musterte ihn auf mysteriöse Weise. „Hattest du Zweifel?“

„Nein. Überhaupt nicht. Du weißt, wie man mit Menschen umgehen muss.“

„Stimmt“, erwiderte Angela. „Dich inbegriffen.“

Angela wusste selbst nicht, warum ihr diese Worte herausgerutscht waren. Fakt war, dass sie mit Daniel flirtete. Doch war das vielleicht ein Fehler gewesen? Er war ihr Boss, und sie hatte nicht vorgehabt, dieses Verhältnis zu verändern.

Doch nun war es gesagt, und nicht mehr zu ändern. Daniel ließ sich glücklicherweise nichts anmerken, und ohnehin wurden gerade alle gebeten, sich zum Dinner an die Tische zu begeben.

Angela setzte sich, und Daniel stellte ihr den Mann zu ihrer Rechten vor. Mit Joshua DeLong hatte sie bisher noch nicht gesprochen, doch sie mochte ihn sofort. Auch, wenn ihr nicht entging, dass Joshua wahrscheinlich die Art von Mann war, die Frauen reihenweise das Herz brach.

Immerhin musterte er sie nicht, als würde er sie am liebsten direkt in sein Schlafzimmer zerren. Einige der verheirateten Männer hatten sie so angesehen, und es war Angela unangenehm gewesen. Joshua hingegen wirkte einfach nur freundlich und in keiner Weise aufdringlich.

Schnell waren sie in ein Gespräch über seine Arbeit beim Club vertieft. Joshua organisierte Charity-Veranstaltungen und kümmerte sich um die PR. Und er schien das alles sehr ernst zu nehmen, was Angela gefiel.

Nachdem sie sich einige Zeit angeregt unterhalten hatten, blickte Joshua zu Daniel hinüber und lächelte ihm zu. „Cobb, ich mag deine Begleitung. Sie ist definitiv die Art von Frau, die man nicht mehr gehen lassen sollte.“

Genau das Gefühl hatte Daniel auch. Und je mehr der Abend voranschritt, desto stärker wurde dieser Eindruck. Er bemerkte Seiten an Angela, die ihm bisher im Arbeitsalltag vollkommen entgangen waren.

Während des Dinners hatten sie endlich auch einmal Gelegenheit, sich über anderes als die Arbeit zu unterhalten. Und mit jeder Sekunde erschien Angela ihm faszinierender.

„Kommst du eigentlich aus Miami?“, fragte er.

„Ursprünglich nicht, aber inzwischen lebt meine ganze Familie hier“, erwiderte Angela. „Mein Vater, Eric, ist Professor an der Universität.“

„Und deine Mutter?“

„Sie heißt Ella und ist Lehrerin. Dann habe ich noch eine Schwester, Denise, sie macht gerade ihren Abschluss in Medizin.“ Angela zuckte mit den Schultern. „Alle in meiner Familie sind Akademiker. Meine Eltern hätten sich gewünscht, dass ich ein wenig mehr wie meine Schwester wäre. Sie können sich nicht vorstellen, dass man als Immobilienmakler glücklich werden kann. Vor allem nicht mit meiner Geschichte.“

Daniel lehnte sich ein Stückchen vor. „Jetzt hast du mich neugierig gemacht. Erzähl.“

Angela lächelte. Es fühlte sich merkwürdig an, Daniel so dicht neben sich zu haben. Aufregend und seltsam vertraut zugleich. Normalerweise sprach sie nicht gerne über ihre Familie oder über das, was geschehen war, aber ihm vertraute sie.

„Ich wollte nicht studieren. Stattdessen etwas von der Welt sehen. Und das habe ich auch gemacht, obwohl meine Eltern dagegen waren. Ich habe einige Jahre in Europa gelebt, bin viel gereist und habe alle möglichen Jobs gemacht. Dann kam ich zurück in die Staaten, habe in der Immobilienbranche angefangen – und nun bin ich in deiner Firma.“

„Wow“, sagte Daniel. „Ich bin beeindruckt. Warum hast du nicht studiert, nachdem du wieder in den USA warst?“

„Ich war es bereits gewohnt, meinen Lebensunterhalt allein zu bestreiten und wollte mich auch nicht mehr durch die Strukturen an der Universität einengen lassen. Stattdessen habe ich mich auf das konzentriert, was ich gerne mache und was mich meinen Zielen näherbringt.“

„Erzähl mir von deinen Zielen!“

Angela strahlte Daniel an. „Ich möchte so erfolgreich werden, dass ich irgendwann nicht nur in einer Agentur arbeite, sondern meine eigene Agentur führe. So wie du.“

Daniel lächelte. „Das sind große Pläne.“

„Ja. Aber sie sind nicht unerreichbar.“

„Du bist antiquiert und hängst alten, längst überholten Vorstellungen nach!“ Die laute Stimme dröhnte durch den Raum, und Daniel wusste auch sofort, wem sie gehörte: Joshua. Und natürlich gehörte nicht viel dazu, sich auszumalen, mit wem er in Streit geraten war. Es war Ashton.

„Entschuldige mich bitte kurz“, raunte Daniel Angela zu, stand auf und steuerte auf die Tür zu. Ashton und Joshua waren zwar vor dem Séparée in Streit geraten, aber es wäre sicher gut, die beiden daran zu erinnern, dass man sie trotzdem hören konnte.

„Möchtet ihr vielleicht noch ein wenig lauter schreien? Ich denke, in Europa hat man euch noch nicht gehört!“

Daniel schloss sorgfältig die Tür und stellte sich neben die beiden.

Joshua rollte mit den Augen. „Ich erkläre diesem Dinosaurier nur gerade, dass seine Ansichten uns nicht weiterbringen. Wir müssen die Strategie ändern, um mehr Geld für die Charity-Veranstaltungen einzunehmen. Aber Ashton sieht das natürlich nicht ein, weil er nur an sich denkt!“

„Darum geht es nicht. Prescott George ist ein Club, der nicht mit billiger Publicity um sich wirft, wann begreifst du das endlich? Die Presse sucht nur nach Skandalen, und das werde ich nicht zulassen.“ Ashton funkelte Joshua aus wütenden Augen an.

„Die Presse lässt sich beeinflussen, wenn man mit ihr umzugehen versteht. Damit kennst du dich nicht aus, aber ich sehr wohl! Ich kann dafür sorgen, dass wir alle davon profitieren! Sie fressen mir aus der Hand und tun, was ich will, darauf kannst du dich verlassen.“

„Oh, ich bin sicher, das wäre so. Du bringst ja jeden dazu, nach deiner Pfeife zu tanzen, nicht wahr? Gerade, wenn es darum geht, auf nicht ganz legale Art zu Geld zu kommen.“

Joshua hielt sich nur mit Mühe zurück. Er sah aus, als würde er am liebsten auf Ashton losgehen. Stattdessen wandte er sich an Daniel. „Sag ihm, dass ich recht habe.“

Daniel unterdrückte ein Fluchen. Er hasste es, instrumentalisiert und zwischen die Fronten gezogen zu werden. „Ich denke, das hier ist weder der richtige Ort noch der richtige Zeitpunkt, um so etwas zu diskutieren“, erwiderte er ruhig. „Aber das Thema muss besprochen werden.“

„Du stimmst ihm also zu?“ Ashton schnaubte leise.

„Ich sorge für Frieden. Und ich denke, ihr beide solltet euch wie erwachsene Menschen verhalten.“

Ashton musterte Daniel und Joshua noch einmal kühl, dann ging er zur Abendgesellschaft zurück.

Joshua seufzte leise. „Warum spielst du immer den Diplomaten?“, fragte er Daniel. „Früher oder später wirst du dich für eine Seite entscheiden müssen!“

Daniel schüttelte den Kopf. „Vielleicht muss ich mich für gar keine Seite entscheiden.“ Damit drehte er sich um und kehrte ebenfalls zum Dinner zurück.

„Alles in Ordnung?“, fragte Angela, als er sich wieder an den Tisch setzte.

Daniel nickte. „Ja, alles okay. Nur eine kleine Meinungsverschiedenheit.“

Daniel war sich allerdings sicher, dass diese Sache noch lange nicht ausgestanden war. Irgendetwas sagte ihm, dass die Kämpfe gerade erst begonnen hatten.

Angela sah sofort, dass Daniel mit den Gedanken nicht mehr bei der Sache war, als er zu ihr an den Tisch zurückkehrte. Sie versuchte noch, ihn wieder in eine Unterhaltung zu verwickeln, aber die Chance für diesen Abend schien gelaufen zu sein.

Schade, denn sie hatte es genossen, sich Daniel so nah zu fühlen. Aber andererseits war es sicher auch besser so. Die Anziehung zwischen ihnen beiden war fast schon unheimlich …

Kurze Zeit später verabschiedeten Angela und Daniel sich auch von der Abendgesellschaft.

„Sollen wir dich noch nach Hause fahren?“, fragte Daniel, als sie beide im Wagen saßen und der Fahrer auf die Straße lenkte.

Angela lächelte. „Danke, aber mein Auto ist beim Büro geparkt. Ich fahre selbst nach Hause, kein Problem.“

„Stimmt – entschuldige bitte, ich bin ein wenig abgelenkt …“

„Das macht nichts.“

„Doch, das macht etwas. Ich verhalte mich nicht gerade wie ein Gentleman. Lass mich dich deswegen bitte wenigstens sicher nach Hause bringen. Wir fahren dir hinterher, bis du an deiner Wohnung bist, okay?“

Angela merkte, wie ihr Herz wie rasend zu schlagen begann. „Bis zu meiner Wohnung? Das ist nicht nötig.“

Daniel beließ es dabei, doch als sie sich in der Tiefgarage des Büros schließlich verabschiedeten, bestand er erneut auf seinem Vorschlag. „Wir fahren dir nach. Ich möchte sichergehen, dass dir nichts passiert.“

Angela straffte sich. „Ich bin erwachsen, Daniel. Das ist absolut nicht nötig.“

„Trotzdem ist es mir ein Anliegen.“

Angela presste die Kiefer aufeinander und nickte schließlich. Was blieb ihr auch anderes übrig?

Sie wollte nicht, dass Daniel erfuhr, wo sie wohnte. Es war keine schlechte Gegend, aber eben auch nicht gerade ein Luxusapartment. Er würde sofort erkennen, dass Angelas Designerkleidung und ihr selbstsicheres Auftreten nichts als Fassade waren. Aber sie wusste auch nicht, wie sie diese Situation noch beeinflussen sollte.

Also fuhr Angela in ihrem Auto quer durch die Stadt, hinter sich immer Daniel in dem schicken Mietwagen. Als sie schließlich auf den Parkplatz vor ihrem Haus zum Halten kam, hielt Daniels Fahrer direkt neben ihr.

Angela seufzte leise, als sie Daniel aussteigen sah. Er kam zu ihr und öffnete ihr die Wagentür. Angela stieg aus und klammerte sich ein wenig unsicher an die Tür.

Warum hatte sie so weiche Knie? Lag es daran, dass ihr diese Situation unangenehm war, weil Daniel nun erfahren hatte, wo sie lebte? Oder war es nicht doch eher die Anziehung zwischen ihnen, die sich erneut anfühlte, als würden zwei Magneten aufeinander zutreiben?

„Danke für die Begleitung“, murmelte Angela. „Es wäre nicht nötig gewesen.“

Daniel legte sanft einen Zeigefinger auf Angelas Lippen, und Angela zitterte unmerklich unter dieser leichten Berührung.

„Ich verstehe nun, warum du nicht wolltest, dass ich mitkomme“, sagte er leise. „Aber ganz ehrlich, Angela – es gibt keinen Grund, sich zu schämen. Ich komme auch aus einer ganz normalen Mittelklasse-Familie. Es war ein langer Weg bis zu meiner Firma und meinem heutigen Leben.“

Daniel strich Angela eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Sei stolz auf das, was du bist. Und was du aus dir gemacht hast.“

Angela schluckte schwer und blickte zu Daniel auf. Und in diesem Moment wünschte sie sich nichts mehr, als dass er sie einfach küsste.

Doch stattdessen lächelte Daniel und strich ihr sanft mit den Fingerspitzen über die Wange. „Schlaf gut. Wir sehen uns am Montag im Büro. Pünktlich um neun Uhr.“

Angela konnte nur stumm nicken, und ging dann mit weichen Knien ins Gebäude. Sie fühlte sich, als hätte Daniel sie tatsächlich geküsst. Dabei hatte er sie doch kaum berührt.

All das konnte nur eines bedeuten: Sie hatte nun wirklich ein Problem.

4. KAPITEL

Am Montag war Daniel entschlossen, zum Alltag zurückzukehren. Er hatte das Dinner mit Angela sehr genossen, aber es war auch klar, dass sie weiterhin zusammenarbeiten mussten. Das ganze Wochenende über hatte er an Angela denken müssen, und das war kein gutes Zeichen …

Er hätte sie so unglaublich gerne geküsst, in dem Moment, als sie sich voneinander verabschiedet hatten. Die Vorstellung ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf, und er war sich sicher, dass auch Angela es gewollt hatte. Oder irrte er sich?

Zum Glück hatte er diese Grenze nicht überschritten. Auch, wenn es sehr schwer gewesen war. Daniel hoffte inständig, dass er sich auch weiterhin an seine eigenen Regeln würde halten können.

Aber das war eigentlich Ehrensache. Er hatte Angela versprochen, ihr alles beizubringen, was er über Erfolg in der Immobilienbranche wusste. Und er würde sein Wort auf gar keinen Fall brechen.

Glücklicherweise begegnet Daniel Angela erst später am Tag. Er kam von einigen Terminen zurück, und suchte sie in ihrem Büro auf. An diesem Nachmittag wartete noch eine wichtige Hausbesichtigung, und er wollte Angela dabeihaben.

Angela blickte von ihrem Computerbildschirm auf, als Daniel ihr Büro betrat. „Hi“, sagte sie und lächelte unbefangen. „Wie geht es dir? Wie war dein Tag bisher?“

Daniel lehnte sich an den Türrahmen. Es war einfach unglaublich, wie attraktiv Angela auch heute wieder war. Sie trug eine bordeauxrote Seidenbluse zu einem schwarzen Bleistiftrock. Das Outfit betonte ihre umwerfende Figur, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Wieder einmal bewies sie also Stil.

„Ich hatte viel zu tun“, erwiderte er auf ihre Frage. „Und gleich geht es weiter. Um vier Uhr ist ein Termin in Sunny Isles. Eine wirklich spannende Immobilie. Möchtest du mich begleiten?“

„Natürlich, sehr gern. Ich bin in ein paar Minuten hier fertig. Wir treffen uns am Empfang.“

Daniel bewunderte Angelas weibliche und selbstsichere Ausstrahlung, als sie kurze Zeit später in die Lobby kam. Und als er neben ihr im Fahrstuhl nach unten fuhr, bemerkte er den feinen Schwung ihres Halses, ihre glänzenden Haare und den dezenten Duft eines leichten Parfums. Unwiderstehlich.

Er musste sich konzentrieren! Und endlich aufhören, Angela so unglaublich interessant zu finden!

„Wohin fahren wir? Kannst du mir etwas zu dem Haus sagen?“

Daniel riss sich zusammen. „Ein riesiges Anwesen, direkt am Meer, mit eigener Bootsanlegestelle. Außerdem gibt es einen eigenen großen Fitnessraum, einen Wellnessbereich und einen Garten.“

Angela lächelte und ging neben Daniel zu seinem Sportwagen, als wäre das immer so gewesen. „Klingt sehr gut. Wo soll das Objekt preislich liegen?“

Daniel startete das Auto. „Die Verkäufer wollen acht Millionen Dollar, aber ich möchte eigentlich nicht mehr als siebeneinhalb Millionen investieren. Gut ist, dass sie unbedingt so schnell wie möglich verkaufen wollen. Ich denke, wir können heute ein gutes Geschäft machen.“

„Ich bin gespannt.“

Angela musste sich Mühe geben, um ihre Nervosität nicht zu zeigen. Daniels Nähe brachte sie erneut an ihre Grenzen. Aber sie durfte sich nicht durch seine Attraktivität ablenken lassen, sondern musste vor allem einen guten Job machen!

Daniel aber machte es ihr alles andere als leicht. Er sah unverschämt gut aus in diesem Maßanzug, und Angela hatte das Gefühl, ihm von Sekunde zu Sekunde mehr zu erliegen.

Bereits am Freitag hatte es sich ganz genauso angefühlt. Eine fast schon magische Anziehung zwischen ihnen. Angela konnte sich nicht vorstellen, dass Daniel es nicht auch bemerkte.

Doch das war keine Ausrede für ihre Gedanken. Sie durfte die Grenze zwischen Privatleben und Beruf nicht überschreiten. Und das wollte sie auch gar nicht. Ihre Karriere war zu wichtig, es hing so viel davon ab! Nein, sie konnte nichts mit ihrem Boss anfangen …

Aber sie wollte Daniel so sehr …

Ihn spüren.

Ihn schmecken.

Seine Hände auf der Haut fühlen.

Angela war froh, als sie am Haus angekommen waren und sie aussteigen konnte. Sie brauchte dringend mehr Abstand zwischen Daniel und sich!

Doch Daniel war schneller. Er sprang aus dem Wagen, umrundete ihn, öffnete die Beifahrertür und bot Angela seine Hand an, um ihr beim Aussteigen zu helfen.

„Dankeschön“, sagte Angela, und merkte, dass ihr erneut die Knie weich wurden. Es war einfach unglaublich, welche Wirkung auch die harmlosesten Berührungen von Daniel auf sie hatten. Sie konnte nur hoffen, dass er es nicht bemerkte.

„Daniel!“ Die Frau, die ihnen kurz nach ihrem Klingeln die Tür öffnete, strahlte über das ganze Gesicht. „Schön, Sie zu sehen!“

„Ich freue mich auch sehr, Mrs. Wilson“, entgegnete Daniel und erwiderte das Lächeln. Er trat ein, und Angela folgte ihm ins Haus.

„Darf ich vorstellen? Das ist meine Partnerin, Angela Trainor“, sagte Daniel dann.

Das Lächeln der Dame erstarb. „Partnerin? Ich dachte, Sie würden uns selbst vertreten, Daniel?“

„Das tue ich auch. Ms. Trainor ist eine meiner besten Mitarbeiterinnen und unterstützt mich bei diesem Projekt. Sie können ohne Sorge sein, das Haus ist bei uns in den allerbesten Händen.“

Angela musste schwer schlucken. Natürlich war Daniel der beste Immobilienmakler der Stadt, aber sie fühlte sich dennoch kurz durch Mrs. Wilson zurückgesetzt. Ihre Professionalität aber ließ nicht zu, dass sie sich etwas anmerken ließ.

Zudem hatte Daniel sie gerade gelobt – was wollte sie also mehr?

Das Haus erwies sich als atemberaubend, und bereits nach kurzer Zeit hatten Daniel und Angela gemeinsam Strategien entwickelt, um es zu einem Rekordpreis auf den Immobilienmarkt von Miami zu bringen. Angela zweifelte nicht daran, dass Daniels Kontakte zum Prescott George Club auch hier gute Dienste leisten würden.

„Und?“, fragte Daniel mit einem Seitenblick auf Angela, nachdem sie den Termin hinter sich gebracht hatten. „Hättest du Interesse, mich an diesem Freitagabend erneut zu begleiten? Eine Sportveranstaltung. Ich versuche seit Ewigkeiten, Alejandro Rivera zu begegnen, wann immer er in der Stadt ist. Bisher ist er mir entwischt. Er besitzt Immobilien in allen wichtigen Städten der USA und wäre ein brillanter Kontakt. Ich muss ihn diesen Freitag einfach treffen und davon überzeugen, dass eine Zusammenarbeit mit meiner Firma längst überfällig ist.“

„Und du denkst, dass eine hübsche Frau an deiner Seite dabei nicht schaden kann?“ Angela biss sich auf die Lippen. Die Worte waren ihr herausgerutscht, und für einen Moment bereute sie es. Natürlich wusste sie um ihre Wirkung auf Männer, aber sie wollte diese eigentlich nicht beruflich einsetzen … Außer bei Daniel vielleicht … Allerdings schien der ja immun dagegen zu sein!

Daniel musterte sie aus den Augenwinkeln. „Du bist eine hervorragende Mitarbeiterin“, sagte er.

„Natürlich bin ich das. Aber lange Beine machen sich auch gut.“

Daniels Blick wanderte reflexhaft an ihrem Körper herunter, und Angela spürte es wie ein Glühen auf der Haut. Plötzlich fühlte sich ihre Kehle trocken an, und sie merkte, wie ihre Brustwarzen sich aufstellten.

Um Gottes willen … Ob Daniel Cobb auch nur ahnte, welche enorme Wirkung er auf sie hatte, ohne sie auch nur zu berühren?

Sie bemerkte ein leichtes Lächeln in seinem Mundwinkel, während sein Blick einen Moment zu lange an ihren Beinen haften blieb. „Ich muss zugeben, ja, lange Beine schaden nicht. Und bei deinen hat sich jemand wirklich Mühe gegeben.“

Er hätte das nicht sagen sollen! Aber wenn es doch stimmte? Angelas Beine waren einfach umwerfend!

Daniel atmete tief durch. Weitaus schlimmer als nur seine Worte war die Tatsache, dass er Angela begehrte. Und wenn er sich nicht sehr irrte, dann wollte sie ihn ebenso wie er sie. Ihre Brustwarzen, die sich hart durch den feinen Stoff der Bluse abzeichneten, sprachen eine deutliche Sprache …

„Vielen Dank, Daniel“, erwiderte Angela nun mit einem Grinsen. „Ich hätte nicht gedacht, dass dir das aufgefallen ist.“

„Doch, ist es.“ Daniel lenkte den Wagen auf einen Parkplatz direkt vor dem Bürogebäude. Dachte Angela wirklich, ihm wäre entgangen, wie attraktiv und sexy sie wirkte? Das konnte nicht ihr Ernst sein …

Er wandte sich ihr zu und sah, dass sie ihn mit leicht geöffnetem Mund ansah. Es wäre so einfach, sie jetzt zu küssen, und endlich diese samtigen Lippen auf den seinen zu spüren … Aber nein! Das kam nicht infrage!

„Bis morgen dann“, sagte Angela in diesem Moment und öffnete die Tür. „Oh, und wegen Freitagabend – wann treffen wir uns?“

„Ich habe eine Limousine bestellt. Wir holen dich um sechs Uhr ab.“

„Das ist nicht nötig …“

„Doch. Ist es. Keine Widerrede, ich hole dich ab. Und dann gehen wir gemeinsam etwas essen, bevor wir zu dieser Sportveranstaltung fahren.“

„Also gut.“

Bevor Daniel noch etwas sagen konnte, war Angela ausgestiegen. Daniel atmete tief durch, als sie im Inneren des Bürogebäudes verschwand.

Unfassbar, wie stark diese Frau auf ihn wirkte! Er konnte nur hoffen, dass sie seine Erektion nicht gesehen hatte … Der Blick auf ihre wunderschönen Beine in diesem engen Rock hatte ihn tatsächlich stark erregt.

Aber es war nicht nur Angelas Aussehen. Es war auch die Art, wie sie ihn ansah. Wie sie mit ihm redete. Was ihr Körper ihm mitteilte.

Angela flirtete mit ihm, daran zweifelte Daniel inzwischen nicht mehr. Und er war sich sicher, dass diese starke Anziehung zwischen ihnen beiden nicht ewig unterdrückt werden konnte.

Am Freitagabend drehte Angela sich vor dem Spiegel in ihrem Schlafzimmer und befand für gut, was sie sah. Zugegeben, die rote Lederhose war ziemlich gewagt, aber sie ließ ihren Hintern fabelhaft aussehen. Zusammen mit dem weißen Seidentop, schwarzen High Heels und dezentem Goldschmuck wirkte sie auch absolut edel. Ja, so konnte sie sich Daniel zeigen …

Ihr Handy klingelte, und Angela seufzte leise.

„Hi, Mom“, sagte sie. „Was gibt’s? Ich muss gleich los.“

„Du wirst doch wohl einen kleinen Moment für ein Gespräch mit deiner Mutter haben.“

Wie schaffte es ihre Mutter eigentlich immer, innerhalb von wenigen Sekunden Schuldgefühle in ihr auszulösen? Es war Angela ein Rätsel.

„Natürlich. Ich mache mich nur nebenbei fertig, okay?“ Angela trug Lipgloss und Mascara auf.

„Wohin musst du denn? Hast du kein Wochenende?“

„Doch, aber heute gehe ich zu einem Spiel der Miami Heats. Ist für den Job.“

Ihre Mutter lachte. „Klingt eher nach Spaß.“

Angela hasste die leichte Abfälligkeit im Tonfall ihrer Mutter. Aber andererseits war sie auch nicht überrascht. Für ihre Eltern war die Tätigkeit als Immobilienmaklerin keine richtige Arbeit.

Angela beschloss, sich auf keine Diskussion einzulassen. „Was kann ich für dich tun, Mom?“

„Deine Schwester kommt über den Sommer nach Hause, um in Ruhe ihre Abschlussarbeit für die Uni zu schreiben. Ich dachte, es wäre schön, wenn wir ein Willkommensdinner für sie veranstalten.“

„Sie war doch gar nicht lange weg.“ Fünf Monate, um genau zu sein.

„Stimmt, aber es wäre trotzdem schön. Man sieht sich einfach nicht mehr oft genug. Und dich bekommen wir ja auch kaum noch zu Gesicht, seitdem du diesen seltsamen neuen Job hast.“

Angela unterdrückte ein Seufzen. Ihr war bewusst, dass sie die Arbeit oft vorschob, um ihre Familie nicht besuchen zu müssen. Aber sie war es einfach leid, immer wieder hören zu müssen, welche Enttäuschung sie im Gegensatz zu ihrer Schwester für ihre Eltern war.

„Mom, ich habe einfach viel zu tun. Man muss sein Bestes geben, um sich in der Immobilienbranche einen Namen zu machen.“

„Das verstehe ich, Angela. Aber dein Dad und ich, wir vermissen einfach unsere beiden Mädchen. Es wäre schön, wenn wir alle zum Essen zusammenkommen würden.“

„Okay“, sagte Angela widerstrebend. „Wann und wo?“

Natürlich hatte ihre Mutter bereits alles geplant. Angela notierte sich Zeit und Ort und beendete dann das Gespräch. Daniel musste jede Minute vor der Tür stehen.

Und tatsächlich, direkt darauf klingelte es.

Angela schnappte sich ihre Handtasche und eilte nach unten. Vor dem Haus stand eine Limousine, und ein Fahrer öffnete ihr die Tür.

Angela bedankte sich bei ihm mit einem Lächeln und sah in den Wagen.

Daniel begrüßte sie. „Guten Abend. Komm rein und setz dich neben mich.“

Angela ließ sich das nicht zweimal sagen. Auch, wenn es sich seltsam anfühlte, Daniel so nah zu sein. Eigentlich wurde es immer schwerer, seiner Attraktivität zu widerstehen …

„Guten Abend“, sagte sie. „Wo ist Alejandro?“

Daniel lachte leise, und die dunkle Wärme dieses Lachens jagte Angela angenehme Schauer über die Haut. „Stell dir vor – Alejandro hat im letzten Moment abgesagt. Es hat also wieder einmal nicht geklappt, ihn zu treffen. Anscheinend hat er ein wichtiges Meeting in Brasilien.“

„Oh, das ist sehr schade. Ich weiß, wie gern du ihn als Geschäftspartner gewonnen hättest.“

Daniel zuckte mit den Schultern. „Es wird sich eine neue Gelegenheit finden.“

Angela hob eine Braue. „Das bedeutet also, wir sind heute Abend alleine unterwegs?“

Daniel verzog die Mundwinkel zu einem mysteriösen Grinsen. „Ja. Nur wir beide. Oder ist das ein Problem für dich?“

„Nein, natürlich nicht.“ Angela schüttelte den Kopf. „Allerdings fühlt es sich jetzt irgendwie an wie …“

„Wie was?“

„Wie ein Date.“

„Ja. Irgendwie fühlt es sich jetzt so an.“

5. KAPITEL

Daniel hatte nicht das geringste Problem damit, dass Alejandro den Termin abgesagt hatte. Denn das bedeutete, er würde den Abend mit Angela verbringen, und wenn er sich selbst gegenüber ehrlich war, konnte er sich momentan kaum etwas Schöneres vorstellen.

Natürlich wäre es besser, sich an die Regeln zu halten und Arbeit und Privates strikt zu trennen. Andererseits – damals, als er Mia mehr als alles andere auf der Welt geliebt hatte, hatte er sich absolut korrekt verhalten. Und was hatte es ihm gebracht? Er hatte sie verloren.

Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte er sich damals mehr getraut. Und diesen Fehler würde er ganz sicher nicht noch einmal machen.

Als Angela zu ihm in den Wagen stieg, musste er allerdings schwer schlucken. Sie sah umwerfend aus, und allein der Anblick auf ihren wohlgeformten Po in dieser atemberaubenden Hose machte es ihm schwer, sich noch auf irgendetwas anderes zu konzentrieren.

Zugleich fühlte er sich auf merkwürdige Art und Weise an Mia erinnert. Daniel konnte sich nicht erklären, warum Angela seine Liebe zu Mia wieder an die Oberfläche des Bewusstseins brachte. Sie hatten nicht viel miteinander gemeinsam, aber vielleicht war es die Intensität der Emotionen, die beide Frauen in ihm auslösten?

Als Angela und er den Veranstaltungsort erreichten, überraschte Daniel sich selbst und Angela damit, dass er einfach ihre Hand nahm und Angela mit sich zog.

Er mochte es, wie sich ihre Hand in seiner anfühlte. Sehr vertraut, so als sollte es ganz genau so sein …

„Wohin gehen wir?“, fragte Angela, als Daniel sie einen langen Flur entlangführte. „Hier geht es nicht zu den Tribünen.“

„Kleine Überraschung“, sagte Daniel grinsend. „Hast du Lust auf ein Treffen mit den Spielern der Miami Heats?“

Angela starrte Daniel an. „Klar! War das eigentlich für Alejandro geplant?“

„Ja, aber ich denke, dich kann ich auch mit den Jungs bekannt machen, oder etwa nicht?“

Angela grinste breit und zwinkerte Daniel zu. „Natürlich. Gut gebaute Männer lasse ich mir doch nicht entgehen.“

Angela konnte kaum noch atmen. Dass Daniel einfach so ihre Hand nahm, brachte sie mehr aus dem Konzept, als sie sich eingestehen wollte. Es fühlte sich so gut an, so vertraut und zugleich so unfassbar aufregend …

Zugleich bekam sie immer mehr den Eindruck, dass hinter Daniels Fassade mehr steckte als nur ein perfekter Gentleman, der genau wusste, wie er Frauen für sich gewinnen konnte. Und sie war entschlossen, noch viel mehr über Daniel Cobb herauszufinden. Dieser Abend hielt vielleicht noch die eine oder andere Überraschung bereit …

Sie lernten die Spieler kennen, posierten gemeinsam mit einigen für Fotos in der Presse und Angela merkte, dass sie sich in der Gegenwart von Daniel immer wohler fühlte.

Als er sie dann auch noch für ein Dinner in die luxuriöse Hyde Lounge führte, bedauerte sie es in keiner Weise mehr, dass Alejandro einen Termin in Brasilien vorgezogen hatte …

Es war etwas ganz Besonderes, diesen Luxus zu erleben. Angela musste zugeben, dass sie sich an all den Überfluss gewöhnen könnte, der für Daniel Routine war.

Besonders begeisterte sie, dass er auch privat viel Geld spendete. Eben hatte sie zufällig erfahren, dass er einem Zentrum für Sozialarbeit in einem Brennpunktviertel Miamis finanziell unter die Arme gegriffen hatte. Davon war nichts an die Öffentlichkeit gedrungen – ein weiterer Punkt, den sie an Daniel schätzte: Er war absolut diskret.

„Du überraschst mich immer wieder“, sagte sie und nippte an einem Glas Champagner.

Daniel blickte sie an. „Wie meinst du das?“

„Nun ja. Du wirkst immer, als wäre die Arbeit dein Leben. Aber es gibt daneben noch so viele andere Facetten an dir, die man entdecken kann. Das ist spannend. Vielleicht möchtest du aber auch gar nicht, dass die Menschen einige Seiten an dir entdecken.“

„Dir gegenüber halte ich nichts zurück“, erwiderte Daniel und hielt dabei Angelas Blick stand.

„Den Eindruck habe ich auch“, entgegnete Angela.

Daniel beeindruckte sie. Und sie fühlte sich zu ihm hingezogen. Immer mehr.

Er war ihr Boss, ja – aber er war auch genau die Art von Mann, der Angela sich nicht entziehen konnte. Niemals zuvor war ihr jemand wie Daniel begegnet. Und sie konnte sich immer weniger an ihre eigenen Vorsätze halten, Privates und Berufliches strikt zu trennen.

Angela hätte schwören können, dass Daniel sich auch zu ihr hingezogen fühlte. Die Chemie zwischen ihnen beiden war einfach magisch, und sie spürte das aufregende Prickeln wie Champagner auf der Haut. Bereits ein kurzer Blickkontakt genügte, um Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzen zu lassen.

Als Daniel nach dem Dinner erneut ihre Hand nahm, und sie gemeinsam zu dem Spiel der Heats gingen, fühlte Angela sich verliebt wie ein Teenager. Die Intensität der Gefühle war großartig und beängstigend zugleich.

Sie war davon ausgegangen, heute im Hintergrund zu bleiben, während Daniel sich um wichtige Geschäftskontakte bemühte. Stattdessen fand sie sich im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit wieder.

Vielleicht nannten sie es offiziell nicht so, aber es fühlte sich wirklich wie ein Date an …

„Wow, die Plätze sind ja großartig!“, sagte Angela, als Daniel und sie die Sitzplätze erreichten. Von dem privaten Teil der Tribüne aus hatten sie die beste Sicht auf das Spielfeld.

„Ist das dein übliches Programm bei Frauen? Erst ein luxuriöses Dinner, dann ein Basketballspiel?“

„Mein übliches Programm bei Frauen?“ Daniel schnaubte leise. „Das klingt, als würde ich mich vor Dates nicht retten können.“

Angela lachte leise. „Ich bitte dich. Spiel nicht das Unschuldslamm.“

Daniel grinste. „Zugegeben, ich habe hier und da eine nette Begegnung.“

„Du bist also ein Playboy?“

„Ich?“ Daniel zuckte mit den Schultern. „Nein. Ich würde mich nicht so bezeichnen. Ich spiele immer mit offenen Karten und verspreche niemals etwas, das ich nicht halten kann.“

Das war ehrenwert. Und Angela war sich auch sicher, dass er sie nicht anlog.

Ihr Blick wanderte über Daniels breite Schultern. Sie mochte es, ihn so entspannt zu sehen. Und sie mochte auch seine Art, sich lässig zu kleiden. Er trug eine Jeans und ein Shirt. Beides hochwertige Stücke, aber er wirkte damit gelassener als sonst, und das machte ihn fast noch anziehender, als er ohnehin schon war.

„Angela? Hallo?“

Angela merkte, dass Daniel sie belustigt ansah, und fühlte sich ertappt. „Entschuldigung“, sagte sie und merkte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg.

„Oh, das macht nichts. Ich beschwere mich ganz sicher nicht, wenn eine schöne Frau mich mustert, als würde sie mich gleich zum Dessert vernaschen wollen.“

„Daniel?“

„Ja?“

„Dir ist bewusst, dass du flirtest, oder?“

„Darf man das nicht? Unter Freunden?“

„Hm, ich denke, wir sind eher Chef und Mitarbeiterin …“

Daniel warf Angela einen merkwürdig tiefen Blick zu. „Nicht heute Abend.“

Angela schluckte schwer. Was hatte das zu bedeuten? Hieß das, was auch immer an diesem Abend geschah, fand außerhalb der üblichen Regeln statt? Ihr würde jede Menge einfallen. Hemmungsloser Sex in der Limousine, zum Beispiel.

Angela atmete tief durch. Sie durfte diesen Gedanken auf keinen Fall noch mehr Raum geben. Das würde im Chaos enden …

„Eine Million für deine Gedanken.“

Angela musste lachen. „Eine ganze Million gleich? Sieh an. Ich lasse allerdings niemanden in meine Gedanken sehen, tut mir leid.“

Daniel legte den Kopf schief und lächelte. „Vielleicht nicht heute. Aber irgendwann? Ich mag dich nämlich, Angela. Ich mag dich sehr.“

Ich mag dich wirklich?

War er vollkommen wahnsinnig geworden, diese Worte auszusprechen?

Daniel erkannte sich selbst nicht wieder, aber Angela brachte ihn dazu, alle Vorsicht außer acht zu lassen.

Sie war hinreißend, und er konnte sich ihr nicht mehr entziehen. Er wollte es auch gar nicht mehr. Im Gegenteil, er wollte so viel mehr von Angela.

Sie kennenlernen. Sie schmecken und fühlen. Und jeden einzelnen Millimeter ihres perfekten Körpers erkunden.

Das Basketballspiel war spannend, aber Daniel konnte sich kaum darauf konzentrieren. Angela neben sich zu wissen, war, als würden ihm ständig heiße und kalte Schauer über die Haut laufen. Sie weckte eine Leidenschaft in ihm, die er auf diese Art noch nicht kannte.

Als sie nach dem Spiel gingen, strömte mit ihnen eine riesige Menschenmenge zum Ausgang. Daniel zog Angela in einem Impuls dicht an sich. Er hatte das Bedürfnis, sie in diesem Gedränge zu schützen.

Das war ein Fehler.

Er fühlte ihren warmen, weichen Körper an seinem, roch ihr dezentes Parfum, spürte das Kitzeln ihrer seidigen Haare an seiner Wange.

Es war schwer, nicht auf der Stelle die Kontrolle zu verlieren.

Daniel ließ Angela wieder los und geleitete sie zum Wagen. Er versuchte, sich abzulenken, und das Glühen in seinem Inneren zu ignorieren – doch als sie schließlich nebeneinander in der Limousine saßen, war die sexuelle Spannung zwischen ihnen mit den Händen zu greifen.

„Angela“, flüsterte Daniel und sah sie an.

Sie wandte sich ihm halb zu, blickte ihn an. Und das Verlangen in ihren Augen ließ ihn alle Regeln vergessen.

Angela sah ein Funkeln in Daniels dunklen Augen. Leidenschaft. Dann spürte sie, wie er seine Handflächen sanft an ihre Wangen legte und sich zu ihr herüberbeugte. Seine Lippen fühlten sich warm und sinnlich auf ihren an, und zugleich so aufregend, dass Angela von einem wilden Prickeln erfasst wurde.

Daniels Kuss wurde intensiver, und als ihre Zungenspitzen miteinander zu spielen begannen, setzte Angelas Denken endgültig aus. Sie konnte sich nicht erinnern, dass jemals ein Mann so viel Lust in ihr ausgelöst hatte. Und ein solches Verlangen nach mehr.

Daniel erkundete ihre Lippen, ihren Mund, und Angela musste sich zurückhalten, um nicht laut aufzustöhnen. Alles in ihr stand in Flammen und sehnte sich nach seinen Berührungen.

Daniel ließ eine Hand in ihr langes Haar gleiten, während die andere über den Hals hinunterstrich, weiter bis zu den Rundungen ihrer Brüste.

Angela war bewusst, dass ihre Brustwarzen sich längst aufgestellt hatten. Und Daniel zögerte nicht. Er strich mit dem Daumen über den seidigen, dünnen Stoff ihrer Bluse, unter dem sich Angelas Erregung deutlich abzeichnete. Angela biss sich auf die Unterlippe und ein leises Keuchen löste sich aus ihrer Kehle.

Daniel beugte sich hinunter, und sein Mund fand ihre Brustwarze. Durch den Stoff hindurch begann er, daran zu saugen, sie mit den Lippen zu umspielen.

Angela krallte ihre Finger um Daniels breite Schultern. Sie fühlte sich sexy wie nie zuvor. Und sie spürte, wie sehr Daniel sie wollte …

Sie ließ sich in den Sitz zurücksinken, fühlte Daniel über sich, seine Erregung zwischen ihren Beinen. Angela konnte nicht anders, als sich ihm entgegendrängen, wieder und wieder. Sie wünschte, sie beide wären nackt und könnten sich so nah sein wie nur möglich. Sie wollte Daniel in sich spüren, wollte alles von ihm …

Es war, als würden sie beide von einem Strudel fortgerissen, den nichts und niemand aufhalten konnte. Ein letzter Funken Vernunft sagte Angela, dass das, was sie hier taten, ein Fehler war. Und dass es ihre Karriere ruinieren konnte. Doch in diesem Moment war es ihr vollkommen gleichgültig.

Daniel hob den Kopf. „Angela, du machst mich wahnsinnig“, hörte sie ihn stöhnen. Dann packte er ihre Hüften und hielt sie fest. „Stopp.“

„Warum? Wir wollen es doch beide, oder?“

Daniel fluchte leise und löste sich von Angela. Ja, sie wollten es beide. Und doch war es nicht richtig.

Er atmete tief durch und schloss kurz die Augen, während auch Angela sich neben ihm in ihrem Sitz wieder aufrichtete.

Angela arbeitete für ihn. Nein, sie durften dieser Lust nicht nachgeben. Er war ohnehin schon viel zu weit gegangen.

„Es tut mir leid“, sagte Daniel und rieb sich über das Kinn.

„Wie bitte?“

Daniel blickte Angela an und presste kurz die Lippen aufeinander. Er hatte einen riesigen Fehler gemacht. Er war der Boss, und deshalb trug er auch die Verantwortung. Und er hatte Angela geküsst und damit diesen Strudel in Bewegung gesetzt, von dem er gerade nicht wusste, wohin er sie beide tragen würde.

Angela war jemand ganz Besonderes. Und er hatte ihr einfach nicht widerstehen können. Den ganzen Abend schon hatte er sich gewünscht, sie endlich zu berühren, die Kurven ihres Körpers mit den Händen nachzufahren und ihre Küsse zu schmecken. Nie zuvor hatte eine Frau ihn seine eigenen Regeln brechen lassen.

Er musste dringend nach Hause und eine kalte Dusche nehmen, um wieder zu sich zu kommen. Sonst konnte er für nichts mehr garantieren.

„Ja, es tut mir leid“, wiederholte Daniel. „Ich habe eine Grenze überschritten. Das hätte nicht passieren dürfen. Verzeih mir.“

„Wir beide haben diese Grenze überschritten“, erwiderte Angela. „Und jetzt versuchst du, zurückzurudern. Aber ich glaube nicht, dass das funktionieren wird. Wir wollten es beide zu sehr.“

„Und was sollen wir nun deiner Meinung nach tun?“

Angela zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Zeit miteinander verbringen? Wer weiß, vielleicht löst sich die Anziehung ja auch auf, wenn wir ihr einmal nachgegeben haben? Vielleicht ist es eine einmalige Sache?“

Daniel wusste, dass Angela ihren Worten ebenso wenig Glauben schenkte wie er. Die Anziehung zwischen ihnen war zu stark. Das würde sich nicht beruhigen, sondern eher noch heftiger werden.

„Ich bin nicht sicher, ob wir das tun sollten“, sagte Daniel. „Ich bin dein Boss. Es wird schwierig werden, dann noch miteinander zu arbeiten.“

Angela hob eine Braue. „Es geht hier doch nur um eine gemeinsam verbrachte Nacht.“

Daniel bezweifelte, dass Angela sich mit einer Nacht zufriedengeben würde. Und, was weitaus beängstigender war: Er wusste, dass eine Nacht mit ihr ihm nicht genügen würde. „Ich denke, wir sollten es lassen. Und professionell bleiben.“

Angelas Blick wurde undurchsichtig. „Natürlich. Wenn es das ist, was du möchtest.“

Nein, verdammt, das war nicht, was er wollte! Er wollte diese Nacht mit Angela verbringen, wollte jeden Millimeter von ihr erkunden und den wildesten Sex seines Lebens haben! Aber das wäre einfach nur unvernünftig.

Er hatte heute schon genug angerichtet. Es war Zeit, den Kopf wieder einzuschalten.

„Also bleibt es bei unserer bisherigen Zusammenarbeit“, sagte Daniel deshalb förmlich. „Gut, dass wir das geklärt haben.“

Daniel ließ den Chauffeur zu Angelas Wohnung fahren, und auf dem Weg schwiegen sie. Als sie ankamen, wollte Daniel Angela zur Tür begleiten, doch sie lehnte ab.

„Danke, ich komme alleine klar.“

Sie stieg aus, ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen, und ließ Daniel mit dem schalen Gefühl zurück, nichts als Fehler gemacht zu haben.

Wie hatte all das nur passieren können?

6. KAPITEL

Als Angela am nächsten Morgen erwachte, war sie froh, dass ein Wochenende vor ihr lag. So musste sie Daniel nicht sofort wiederbegegnen.

Der Abend hatte Spuren hinterlassen, und Angela war unsicher und wütend zugleich. Wütend vor allem auf sich selbst. Wie hatte sie sich Daniel nur so an den Hals werfen können? Sie hatte wie eine verliebte Vollidiotin gewirkt!

Und dann hatte Daniel ihr Angebot, die Nacht mit ihr zu verbringen, auch noch abgelehnt. Wie erniedrigend …

Wahrscheinlich hielt er sie jetzt für eine Frau, die sich reichen Männern wahllos anbot. Und genau diesen Eindruck hatte sie stets vermeiden wollen! Weil sie nicht so war.

Natürlich war sie für Daniel nicht interessant – wie hatte sie sich nur dieser Illusion hingeben können? Er war einer der begehrtesten Männer in Miami und darüber hinaus. Was hatte sie ihm schon zu bieten?

Vielleicht respektiert er dich aber auch einfach nur zu sehr.

Konnte das sein? Hatte Daniel die Nacht mit ihr abgelehnt, weil sie ihm tatsächlich etwas bedeutete? Der Gedanke war ebenso verführerisch wie gefährlich.

Angela atmete tief durch. Nein. Sie würde sich keine weiteren Illusionen machen. Daniel hatte deutlich gemacht, dass er sie lediglich als Mitarbeiterin in seinem Leben wollte. Und damit musste sie nun leben.

Womit sie allerdings ebenfalls leben musste, war ein nachmittägliches Treffen mit ihrer kleinen Schwester, das ihr erneut zeigte, dass niemand in ihrer Familie ihren Job als Immobilienmaklerin wirklich ernst nahm.

Angela konnte ihren Ärger darüber kaum noch herunterschlucken. Wieso galt ihre Arbeit, die ihr mehr bedeutete als alles andere, immer als wertlos?

Sie musste allerdings zugeben, dass Denise sich mehr Mühe gab, sie zu verstehen, als ihre Eltern es jemals getan hatten.

Vielleicht war es eine Frage der Zeit. Vielleicht würden alle doch irgendwann einmal zum Schluss kommen, dass Angela den für sie richtigen Weg gegangen war. Auch ohne Studium. Aber bis dahin schien es noch viel Überzeugungsarbeit zu brauchen. Und den ganz großen Erfolg, der allen bewies, dass sie es wirklich zu etwas gebracht hatte.

„Vielen Dank.“ Daniel nahm das Glas Scotch von Joshua an und lehnte sich mit dem Rücken an die Reling der Yacht. Das Boot passte zu Joshua; es wirkte ebenso edel und unnahbar wie sein Besitzer.

Daniel war sich sicher, dass Joshua diesen Ort nicht zufällig für ein Treffen gewählt hatte. Ebenso wie Daniel wurde auch Joshua von Paparazzi oft regelrecht belagert, und es war nicht ganz einfach, sich den Blicken der aufdringlichen Sensationsreporter zu entziehen. Hier auf der Yacht, in einem streng abgesperrten Privathafen, war man vor ungewünschtem Besuch sicher.

„Schön, dass du kommen konntest“, sagte Joshua und öffnete sich selbst eine Flasche Bier. „Ich würde gerne mit dir reden.“

„Aha. Worüber?“

Joshua verzog die Mundwinkel zu einem Grinsen. „Über die Entthronung von Ashton.“

„Du redest nicht lange um den heißen Brei herum, das muss man dir lassen.“

Joshua legte den Kopf schief. „Und? Kann ich mit deiner Hilfe rechnen? Du bist sehr viel länger bei Prescott George als ich, die anderen Mitglieder respektieren deine Meinung.“

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