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The Blue

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* * *

 

 

 

 

Der New Yorker Verkehr war trotz der späten Stunde immer noch ziemlich dicht. Es dauerte länger als erwartet, bis sie vor dem Stadthaus der Familie ankamen. Isabel war sehr beeindruckt. Es war eine riesige Jugendstilvilla, die hinter einem hohen, verzierten, schmiedeeisernen Zaun lag. Eine große, geschwungene Freitreppe führte sie vor eine zweiflüglige Tür, in die geschliffenes Glas eingelassen war. Neben dieser Tür war ein winziger Scanner angebracht, der wie ein goldenes Namensschild aussah. Thorne, der vorangegangen war, blickte kurz darauf und leise surrend öffnete sich die Tür.
   Als sie eintraten, begannen Isabels Augen fasziniert zu leuchten. Die riesige Eingangshalle strahlte die Eleganz vergangener Zeiten aus. Der helle polierte Steinboden war mit Ornamenten verziert und im hinteren Bereich schwangen sich zwei elegante Treppen mit verzierten schmiedeeisernen Geländern um einen riesigen Kronleuchter in die erste Etage. Über die Treppen liefen dunkelgraue Läufer, die auf jeder Stufe von Messingstangen gehalten wurden, damit sie nicht verrutschen konnten. An den Wänden schimmerte gelb-grau gestreifte Seide und unterstrich die Eleganz dieses Empfangsraumes. Nussbaummöbel, geschickt kombiniert mit modernen, ergaben einen interessanten Stilmix, der sehr harmonisch wirkte.
   Isabel hatte ihre Tasche fallen lassen und sah sich um.


   »Wunderschön ist es hier.« 


   »Ja, ich liebe dieses Haus.«


   Rugall stand lächelnd auf einer der Treppen und sah zu Isabel herunter.


   »Wir haben hier in New York noch drei Penthouse Wohnungen, aber dieses Haus hier gefällt mir am besten.«


   Er wandte sich ab und stieg die Treppe weiter hinauf. Thorne und Murith folgten ihm. Isabel griff nach ihrer Tasche und folgte den anderen. Oben erwartete sie ein breiter eleganter Flur, von dem mehrere Türen abgingen. Murith steckte aus einer ihren Kopf und rief ihr zu, sie solle sich eines der Zimmer aussuchen. Also steuerte Isabel auf die nächste geschlossene Tür zu und öffnete sie.

Ein wundervoller Schlafraum empfing sie, der von einem großen Bett dominiert wurde. Es war eine Art Himmelbett mit zarten luftigen Vorhängen. Auf der Tagesdecke lagen viele Kissen. Davor stand eine mit Seide bezogene Polsterbank, auf der Isabel ihre Tasche abstellte. Ein großer alter Kamin befand sich vis à vis an der Wand, daneben führte eine Tür ins angrenzende Bad. Überrascht stand sie nun vor einer freistehenden Badewanne mit Löwenfüßen, daneben große Kerzenleuchter. Ein großer Kristallspiegel über dem Waschbecken vergrößerte optisch den eher kleinen Raum. Die dunkelroten Wände gaben dem Raum etwas Anheimelndes und weckten das Bedürfnis, sich sofort in diese Wanne zu legen, mit einem Glas Champagner in der Hand, und bei Kerzenschein seinen Gedanken nachzuhängen.


   »Na? Wie gefällt dir das Zimmer?«


   Murith stand plötzlich hinter ihr und sah sie lächelnd an. 


   »Traumhaft schön. Ich werde gleich ein Bad nehmen.« 


   »Tu das. Ich gehe schlafen. Wir sehen uns dann Morgen früh. Gute Nacht, Isa.«


  Sie umarmte Isabel, gab ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand so schnell wie sie gekommen war. Isabel drehte die beiden Wasserhähne auf und kontrollierte die Temperatur. Dann griff sie zu der Kristallkaraffe auf dem kleinen Schränkchen neben der Wanne, ließ etwas von dem Inhalt langsam in den Wasserstrahl rinnen und sah zu, wie sich immer mehr Schaum bildete. Dann ging sie zurück ins Zimmer und zog sich aus. Nachdem sie die Kerzen angezündet hatte, drehte sie das Wasser ab und ließ sich langsam in die Wanne gleiten.

Wohlig lehnte sie sich zurück und schloss die Augen. Sie spürte, wie das heiße Wasser ihre Muskulatur entspannte und ihr Kopf langsam zur Ruhe kam. Der Duft des Badeöls nach Rosen und Lavendel stieg ihr in die Nase und entführte sie weit weg in eine Traumwelt. Lange lag sie da, genoss und entspannte. Müdigkeit machte sich in ihr breit, und sie sehnte sich nach einem weichen warmen Bett. Deshalb stieg sie seufzend aus dem Wasser, trocknete sich ab und ging langsam nach nebenan. Obwohl ihre Haare noch feucht waren, kuschelte sie sich in das große Bett und war im Nu eingeschlafen.

 

 

* * *



   Thorne lag nur mit T-Shirt und Boxershorts bekleidet auf seinem Bett. Die Arme hatte er unter seinem Kopf verschränkt und starrte an die Decke. All seine Sinne waren auf das Zimmer gegenüber gerichtet, das Zimmer von Isabel. Er hörte leise das Wasser in die Wanne rauschen und wie sie es wieder abdrehte. Dann war es ruhig. Seine Gedanken schweiften ab zu den Ereignissen des vorigen Tages, er spürte wieder die Angst, die er um sie gehabt hatte und die unglaubliche Erleichterung, als es ihr wieder besser ging. Immer wieder atmete er tief durch.
   Seit er sich so hatte gehen lassen und sie nun wusste, dass er sie liebte, war es für sie beide schwierig, miteinander umzugehen. Natürlich hatte er ihre Blicke bemerkt, und ein warmes Gefühl machte sich in seiner Brust breit. Er war sich ganz sicher, dass er ihr nicht egal war, doch von den Gefühlen, die er für sie empfand, war sie weit entfernt. 
   Er hatte sich ganz bewusst zurückgezogen, sie sollte sich nicht bedrängt fühlen und Gelegenheit haben, sich darüber klar zu werden, was sie für ihn empfand. Doch er hatte auch Angst, dass alles zu Ende sein könnte, bevor es überhaupt begonnen hatte.
   Seufzend setzte er sich in seinem Bett auf und rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht, als könnte er die Gedanken einfach wegwischen. Sein Hals war staubtrocken und er wollte gerade aufstehen, um sich ein Glas Wasser zu holen, als er Isabel schreien hörte. Mit einem Satz war er an der Tür und riss sie so heftig auf, dass sie krachend an die Wand schlug. Doch das nahm er gar nicht wahr, hatte schon die Klinke ihrer Tür in der Hand und stand dann vor ihrem Bett. Isabel sah furchtbar aus. Sie saß im Bett und hatte ihre Augen angstvoll aufgerissen. Schnell hockte er sich zu ihr aufs Bett und nahm sie einfach in die Arme. Ihr Herz raste, und sie zitterte am ganzen Körper.


   »Tsch, tsch, tsch, alles ist gut, du hast nur schlecht geträumt.«


   Beruhigend strich er ihr über das zerzauste Haar und den schweißgebadeten nackten Rücken und wiegte sie leicht hin und her.


   »Alles ist gut, entspanne dich. Ich bin hier, dir kann nichts passieren.«


  Zuerst legte sie ihre Arme zögerlich um seine Taille, doch dann klammerte sie sich an ihn, als wäre er ein Rettungsanker in stürmischer See und weinte hemmungslos. Thorne murmelte leise beruhigende Worte in ihr Haar und drückte sie an sich.

Rugall und Murith standen in der Tür, denn auch sie waren von Isabels Schreien aus den Betten gerissen worden. Doch als sie dieses Bild vor sich sahen, zogen sie sich leise wieder zurück.

Thorne hätte nicht sagen können, wie lange sie dort so eng aneinander geschlungen gesessen hatten, er spürte nur ihre Nähe und all seine Sinne waren darauf gerichtet, die Frau, die er liebte, zu trösten.

Isabel, die sich verzweifelt an ihn klammerte, genoss diese Zeit ebenso wie er. Er war wie ein Fels in der Brandung und sie wusste, solange er bei ihr war, war alles gut. Sie beide waren weit weg von der Realität, im Moment zählte nur das Gefühl, welches sie miteinander teilten. Langsam versiegten die Tränen, ihr Herz hatte sich einigermaßen beruhigt, und ihr Verstand drängte langsam wieder an die Oberfläche.

Ihr wurde plötzlich bewusst, dass sie sich völlig nackt an Thorne klammerte und flammende Röte schoss in ihr Gesicht. Schnell löste sie sich von ihm, riss die Bettdecke bis an ihr Kinn und schloss vor Scham die Augen. Sie konnte ihn jetzt unmöglich ansehen.

Eine Weile war es ganz still, dann bemerkte sie, wie Thorne leise aufstand, ihr noch einmal übers Haar strich und wortlos zur Tür ging. Isabel öffnete die Augen und sah Thorne schon kurz vor der Tür. Ihr Herz begann wieder zu rasen, plötzlich machte es 'Klick' in ihrem Kopf. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen. Sie wollte nicht, dass er ging, sie wollte ihn hier bei sich haben, denn sie spürte plötzlich eine eigenartige Einsamkeit, als sie seinen Rücken anstarrte, der sich immer mehr von ihr entfernte. Ihr Herz legte noch an Tempo zu, wie ein Rennpferd kurz vor dem Einlauf. Isabel begann zu zittern.
Wie von allein schlüpften die Worte über ihre Lippen.

 

»Thorne... bitte...geh nicht.«

 

Thorne blieb auf der Stelle stehen und bewegte sich nicht mehr, drehte sich allerdings nicht um. Er versuchte den Sinn des Gesagten zu erfassen und als er die Bedeutung begriff, schnellte er herum und war sofort bei ihr. Mit zärtlichem Blick sah er auf die Frau hinunter, die da im Bett saß, die Decke bis ans Kinn hoch gezogen, und innerlich bebte. Langsam, ganz langsam nahm er sie wieder in die Arme und presste sie an sich. Mit geschlossenen Augen seufzte er tief und befreit auf, strich ihr wieder und wieder über den Rücken und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar. Dann löste er sich langsam von ihr, zog wortlos sein T-Shirt aus und reichte es ihr. Sie nahm es ebenso wortlos entgegen. Thorne senkte den Blick während sie es überstreifte. Dann legte Isabel sich hin, rollte sich auf die Seite und Thorne legte sich zu ihr ins Bett. Keiner von beiden sagte ein Wort, sie lagen nur da mit geschlossenen Augen, eng umschlungen und genossen die Nähe des anderen, bis sie gemeinsam einschliefen.

 

 

* * *



    Die Sonne lugte schon neugierig durch die Fenster, als Isabel erwachte. Auf ihrer Schulter ruhte der Kopf von Thorne, der noch tief und fest schlief. Ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie an die letzte Nacht dachte. Ganz vorsichtig zog sie ihre Schulter unter Thornes Kopf hervor, stützte ihren auf eine Hand und sah ihn voller Wärme an. Er lag neben ihr, sein Gesicht hatte einen so glücklichen Ausdruck, dass ihr ganz warm ums Herz wurde.

Wie hatte sie nur nicht sehen können, dass er sie liebte? Und wie hatte sie nicht bemerkt, dass es ihr nicht anders ging?

Ihr Lächeln vertiefte sich und vorsichtig strich sie mit der anderen Hand von seiner Schläfe hinunter zu seinem Kinn, als er plötzlich die Augen aufschlug. Der Blick seiner tiefblauen Augen versank in ihren, während ein prickelnder Schauer über ihren Rücken lief. In ihrem Bauch flatterte ein ganzes Heer Schmetterlinge wild umher.

Ohne ein Wort hob er langsam seinen Arm, legte ihn um ihren Nacken und zog sie sanft zu sich, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen. Als ihre Lippen seine berührten, brach in ihr ein Sturm los, der sie mitriss und in einen Strudel der Gefühle schleuderte. Seine vollen Lippen waren weich und warm, sanft und zärtlich. Mit beiden Händen umfasste er nun ihren Kopf, und mit einem Aufstöhnen küsste er sie wie ein Ertrinkender, der endlich wieder seine Lungen mit Sauerstoff füllen konnte.

Isabel versank in einer Welt der Gefühle, die so neu für sie war und die sie genoss wie noch nie etwas in ihrem Leben. Sie verlor jegliches Gefühl für Zeit und Raum und schwamm mit klopfendem Herzen auf einer Woge der Seligkeit. Atemlos trennten sie sich voneinander und sahen sich wieder in die Augen.

 

Ich liebe dich Isabel,hallte es durch ihren Kopf.

 

Ich weiß. Mir geht es ebenso. Ich bin so froh, dass ich es endlich weiß.


Isabel nahm sein Gesicht in die Hände, küsste ihn noch einmal und sah ihn dann glücklich an. Über Thornes Gesicht ging ein Strahlen, er atmete tief durch und nahm Isabel fest in die Arme.

 

»Du machst mich unglaublich glücklich «, flüsterte er an ihrem Ohr und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar. Nach einer Weile löste er sich von ihr und zog ein gespielt unglückliches Gesicht.

 

»Ich sage es ja ungern, aber ich denke, wir müssen aufstehen. Rugall und Murith frühstücken sicher schon.«


  Mit einem Seufzen schwang Isabel die Beine aus dem Bett. Thorne war ebenfalls aufgestanden, drückte ihr noch einen Kuss auf die Lippen und ging in sein Zimmer. Mit einem weiteren Seufzen schlenderte Isabel ins Bad und schaute in den Spiegel. Die junge Frau im Spiegel sah so verändert aus. Leuchtende Augen sahen ihr entgegen, und die Haut war rosig. Mit dem Zeigefinger fuhr sie sich leicht über die vollen Lippen, die gut durchblutet und ein wenig geschwollen waren. Ihr Mund verzog sich zu einem seligen Lächeln, als die Erinnerungen an die letzte Nacht vor ihrem inneren Auge aufflackerten. In ihrem Bauch begann es wieder zu flattern, und Sehnsucht breitete sich aus in ihr. Schnell wandte sie sich vom Spiegel ab und huschte unter die Dusche. In Windeseile hatte sie sich angezogen und wollte gerade das Zimmer verlassen, als sich die Tür öffnete und Thorne den Kopf hineinsteckte.


   »Fertig?«


   »Fix und fertig.«


  Isabel lächelte ihn verschmitzt an, Thorne ergriff ihre Hand, zog sie in den Flur und küsste sie noch einmal. Dann schlang er seinen Arm um ihre Taille und ging mit ihr gemeinsam die Treppe hinunter. Zu Isabels wohligen Gefühlen mischte sich Aufregung. Was würde ihr Vater wohl sagen, wenn er sie beide so vertraut sah? Und Murith? Ob sie sich wohl freuen würde für sie beide? Zu weiteren Überlegungen kam sie jedoch nicht, denn sie hatten bereits die Tür zum Speisezimmer erreicht. 
   Rugall und Murith saßen, wie bereits vermutet, schon am Tisch und unterhielten sich während sie aßen. Als Murith Thorne und Isabel sah, vergaß sie den Mund zu schließen, und die Gabel fiel klirrend auf den Teller. Sie machte dabei ein Gesicht, dass Isabel unwillkürlich lachen musste. Doch Murith hatte sich schnell von der Überraschung erholt, sprang von ihrem Stuhl hoch, der dabei bedrohlich ins Schwanken geriet, und flitzte um den Tisch herum.
   »Ich wusste es, ich wusste es doch!« rief sie aufgeregt und schlang ihre Arme um Isabel. 


   »Ich freue mich so für euch.«


  Mit einem strahlenden Lächeln drückte sie ihr einen Kuss auf die Wange und umarmte dann ihren Bruder. Mit einem Seitenblick auf Isabel zwinkerte sie mit den Augen.


»Hätte mich aber auch sehr gewundert, wenn sie sich nicht in meinen Bruder verliebt hätte!«


Als sie ihn losließ und zum Tisch zurückging, sprach sie leise zu sich selbst.


   »Also Isabel ist ja die Tochter von meinem Bruder, also meine Nichte. Nun ist sie mit meinem anderen Bruder zusammen und wird nun meine Schwägerin......«


   »Murith, komm mal wieder runter «, unterbrach Thorne sie lachend und schüttelte den Kopf. Rugall hatte sich ebenfalls erhoben und nahm Isabel in den Arm.


   »Ich freu mich sehr für euch «, flüsterte er ihr leise ins Ohr und lächelte sie an. Thorne klopfte er kräftig auf die Schulter und nickte ihm zu. Als beide sich setzten, kam eine ältere Dame herein und brachte eine Kanne heißen Kakao und stellte sie lächelnd vor Isabel auf den Tisch.


   »Guten Morgen, Isabel, ich bin Sylvia.« 


   »Sylvia ist unsere Haushälterin «, erklärte Rugall ihr und hielt ihr ein Körbchen mit frischen, duftenden Brötchen hin.


   »Sie kümmert sich schon viele Jahre um das Haus und unser leibliches Wohl, wenn wir hier sind.«


   Isabel griff beherzt zu, sie bemerkte erst jetzt, dass sie richtig hungrig war.


   »Möchtest du Rührei?« fragte Murith mit vollem Mund und schob ihr schuldbewusste eine Schale mit dem kläglichen Rest entgegen.


   »Nein Danke, ich habe mehr Appetit auf Süßes.«


  Schnell hatte sie ihre Brötchenhälften mit Honig und Marmelade bestrichen, goss sich Kakao ein und nahm einen großen Schluck.


   »Hm, so darf jeder Tag beginnen!«


Thorne hatte sie beobachtet und lächelte verträumt vor sich hin. Während des Essens besprachen sie die nächsten Schritte und was sie heute alles erledigen wollten. Isabel allerdings war nicht so ganz bei der Sache, denn Thorne strich ihr immer wieder leicht über den Rücken und schickte damit viele kleine Stromstöße durch ihren Körper, die ihr eine Gänsehaut nach der anderen bereiteten. Sie wollten heute als erstes Prof. Dr. Brian Connor in der New York Academy of Sciences besuchen. Rugall ging davon aus, dass er nichts von dem Verrat seines Assistenten Carter wusste. 


   »Ich hoffe, wir treffen Carter dort an, denn wir wissen ja immer noch nicht, wo sie die Energiekugeln produzieren. Wenn ich den Kerl in die Finger bekomme.....«

 

Isabels Gesicht hatte einen ernsten und auch leicht wütenden Ausdruck angenommen. Bisher hatte sie in ihrer kleinen Welt gelebt und war zwar durch die Nachrichten informiert, wie viel Übles es in der Welt gab, doch so hautnah damit konfrontiert zu werden, war etwas anderes. In dieser Welt der Korruption und Menschenverachtung wollte sie nicht leben und hatte sich vorgenommen, daran etwas zu ändern. Die ersten Schritte auf diesem Weg hatte sie schon mit Kharak gemacht, der ihr Vorhaben zwar nicht gut heißen konnte, sie aber durchaus verstand und ihr bei den ersten Vorbereitungen geholfen hatte, bevor er die Erde verließ. Rugall und Thorne sahen sich bedeutend an, und Thorne strich ihr beruhigend über den Arm.


   »Wir werden es herausbekommen, Isabel.«


  Er sah sie zuversichtlich an und nickte ihr zu. Sie beendeten ihr Frühstück, holten ihre Sachen und gingen hinunter in die Garage. Thorne steuerte auf einen Lexus zu und öffnete für Isabel die Tür, ließ sie und Murith hinten einsteigen und setzte sich ans Steuer, während Rugall neben ihm Platz nahm.
Der Verkehr war dicht, und sie brauchten länger als erwartet, bis sie endlich in die Tiefgarage der New York Academy of Sciences einfuhren. Isabel war beeindruckt von der Stadt und den vielen Menschen, die dort unterwegs waren, und hatte die ganze Zeit interessiert aus dem Fenster geschaut. Dies hier war eine ganz andere Welt als Hamburg. So viel bunter und aufregender.

Mit dem Fahrstuhl fuhren sie nach oben und liefen durch mehrere Gänge, bis sie vor einen Empfangsbereich gelangten. Eine gepflegte Empfangsdame sah ihnen freundlich entgegen und Thorne löste sich von Isabel.


   »Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?«


   »Ja, wir möchten zu Prof. Dr. Connor.«


   Thorne lächelte sie an und lehnte sich zu ihr über den Tresen.


   »Haben Sie einen Termin?«


Die Wangen der Dame röteten sich leicht, denn der junge Mann vor ihr sah ausgesprochen gut aus und war sehr charmant.


   »Nein, den brauchen wir auch nicht. Seien Sie bitte so freundlich und richten ihm aus, Thorne würde ihn gern sprechen.«


Sie schaute ihn etwas irritiert an, zögerte zuerst, griff dann aber doch zum Telefon.


   »Prof. Dr. Connor ist in seinem Labor und bittet Sie, in seinem Büro auf ihn zu warten«, sagte sie, nachdem sie aufgelegt hatte, erhob sich und öffnete eine Tür. Mit einer einladenden Geste bat sie die Besucher einzutreten.


   »Darf ich Ihnen etwas bringen? Kaffee? Tee?«


  Als alle verneinten, verließ sie den Raum und schloss leise die Tür hinter sich. Sie brauchten nicht lange zu warten. Nach kurzer Zeit öffnete sich die Tür, ein großer schlanker Mittvierziger betrat das Büro und eilte auf seine Besucher zu.
   Er neigte kurz den Kopf zur Begrüßung und sah Isabel dann interessiert an, da er sie nicht kannte. Thorne stellte sie vor und Connor verneigte sich vor ihr.


   »Willkommen Isabel. Ich stehe voll und ganz zu Deiner Verfügung.«


   »Danke, Thoral.«


   Isabel hatte ebenfalls kurz den Kopf geneigt und sah ihn nun voll an.


   »Wir sind auf der Suche nach Deinem Assistenten Dr. Carter. Wir müssen ihn dringend sprechen.«


   Thoral sah sie erstaunt an.


   »Aber der arbeitet seit Monaten nicht mehr hier. Er hat gekündigt, da er eine gut dotierte Anstellung bei einer Firma gefunden hat. Leider, muss ich sagen, ich war mit ihm sehr zufrieden.«


Isabel atmete tief durch und sah Thorne und dann Rugall an.


   »Weißt Du, bei welcher Firma er jetzt arbeitet?«


   »Nein, leider nicht. Aber was ist los?«


   Man merkte ihm an, dass er nicht so recht verstand, was vor sich ging


   »Carter hat die Technologie zur Energiegewinnung gestohlen und an dubiose Hintermänner verkauft, die sie für ein Waffensystem missbraucht haben.«


   Thoral wurde blass, wankte einen Schritt nach hinten und stützte sich an seinem Schreibtisch ab.


   »Das habe ich nicht gewusst. Seid ihr euch da ganz sicher?« flüsterte er mehr als dass er sprach und fuhr sich mit einer Hand über die Stirn.


   »Ich kann das gar nicht glauben. Er war immer ein äußerst loyaler Mitarbeiter, ich habe ihm voll und ganz vertraut.«


   »Daran gibt es leider keinerlei Zweifel.« 


   Rugall sah ihn ernst an und nickte zur Bekräftigung seiner Aussage mit dem Kopf.


   »Das ist ja furchtbar. Deshalb hat er also gekündigt.« 


   Thoral erlangte langsam seine Fassung wieder und atmete tief durch.


   »Hat er Familie? Irgend jemanden, den wir fragen können, wo er sich aufhält?«


   Thoral überlegte und nickte in Isabels Richtung.


   »Ja, er ist verheiratet. Aber sie müssen woanders hingezogen sein, denn die letzte Post kam zurück, weil er bei seiner bekannten Adresse nicht mehr anzutreffen war. Sie heißt Valerie, soweit ich mich erinnere.«


   »Das bekomme ich heraus«, sagte Isabel, die in Gedanken schon mehrere Schritte voraus war und bereits überlegte, wie sie am besten an die nötigen Informationen kam. Rugall kramte in seiner Tasche und beförderte das Kästchen zu Tage und reichte es Thoral.


   »Die haben wir einem korrupten General abgenommen, kurz bevor er sie an russische und iranische Waffenhändler verkaufen wollte. Ich denke, du weißt, was das bedeutet hätte.«


   Thoral nahm das Kästchen entgegen, öffnete es und zog scharf die Luft durch die Zähne ein.


   »Das ist ja unglaublich!«


   Er nahm eine der Perlen heraus, wog ihr Gewicht in der Hand und legte sie dann wieder zurück.


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