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Teddy

Teddy

Alle vier Pfoten von sich gestreckt, lag Clyde in der Sonne und starrte verträumt die vorüberziehenden Wolken an. Ein Knall in der Nähe ließ ihn hochschrecken und sofort losflitzen, in Richtung des rettenden Waldes, verfluchte sich dabei, dass er mal wieder seine Umgebung total vergessen hatte. Irgendwann würde ihn das sein Fell kosten. Über eine Baumwurzel stolperte er, kullerte ein paar Meter, blieb auf dem Rücken liegen. Vor sich hinbrummelnd rollte sich Clyde herum und hoppste auf seine Pfoten, machte fast sofort einen Sprung zurück. Vor ihm knieten zwei Männer, grinsten ihn verschmitzt an.

„Guck mal, der kleine Teddybär ist wieder unterwegs.“ Eine Hand kam auf ihn zu, knurrend schnappte Clyde nach ihr, legte gleichzeitig den Rückwärtsgang ein, sodass er sie doch nicht erwischte. Kaum hatte er genug Abstand zwischen sie gebracht, flitzte er in eine andere Richtung davon.

Etwas mühselig kletterte er wenig später den Baum hinauf, in dessen Krone er seine Klamotten versteckt hatte. Von den Blättern verborgen verwandelte er sich zurück, schlüpfte in seine Kleidung und blieb erst mal schwer atmend in luftiger Höhe auf einem Ast sitzen. Schon seit mehreren Monaten begegnete er immer wieder diesen Männern im Wald, wenn er in seiner Bärengestalt herumtollte. Beide muskulös, tätowiert, der eine mit Glatze, der andere mit kurzen, schwarzen Haaren und beide waren Werwölfe, wenn ihn seine Nase nicht trog. Sie schienen ihn regelrecht aufzulauern und versuchten ständig, ihn zum Spielen zu überreden.

Schwerfällig bewegte er sich zurück in Richtung Boden, war froh, dass die Wölfe ihm bisher nie gefolgt waren. Traurig starrte er an sich herab, fand sich total unförmig und fett. Immer wieder nahm er sich vor, eine Diät zu machen und mehr Sport zu treiben, doch lange hielt er das nie durch. Mit einem Piepen erinnerte ihn sein Handy daran, dass er sich beeilen musste, um noch rechtzeitig zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Weit musste er nicht bis zum Wanderparkplatz laufen, wurde dort mit der Rückansicht zweier Männer konfrontiert, die bei einem weißen BMW standen und sich über eine Karte beugten, welche auf der Motorhaube lag.

So schnell es ging stieg Clyde in seinen kleinen, knallroten Opel Corsa, betete, dass dieser ausnahmsweise beim ersten Versuch startete und nicht mehrere Anläufe benötigte. Nervös drehte er den Schlüssel, atmete befreit auf, als der Motor tatsächlich ansprang. Froh, dass er rückwärts eingeparkt hatte, gab Clyde Gas, verschwand so schnell es ging.

Hinter einer kleinen Tankstelle stellte Clyde das Auto ab, kontrollierte noch einmal im Spiegel, ob sich in seinen braunen, verwuschelten Haaren auch wirklich kein Blatt oder Zweig verfangen hatte. Erst, als er sich versichert hatte, dass da nichts war, lief Clyde durch die Hintertür in die dazu gehörende Werkstatt, murmelte ein scheues „Hallo“ in Richtung der beiden Mechatroniker, was diese lächelnd mit einem Nicken beantworteten. Stille empfing ihn in dem kleinen Büroraum. Stille und ein großer Stapel Papiere, der darauf wartete, bearbeitet zu werden. Kaum hatte er es sich in seinem Bürostuhl bequem gemacht, ging das Telefon los. Sofort war Clyde in seinem Element. Solange er Menschen nicht gegenüberstehen musste, hatte er keinerlei Probleme, mit ihnen zu reden.

 

Nach über sechs Stunden Arbeit dröhnte Clyde der Kopf. Seufzend legte er ihn auf den Schreibtisch und schloss für einen Moment die Augen. Er hatte noch weitere hundertzwanzig Minuten vor sich und durfte dann erst in den Feierabend. Eigentlich müsste er eine Pause machen, doch er wollte nicht, denn er wusste nichts mit der Zeit anzufangen. Leises Klopfen an der Tür ließ ihn sich sofort gerade hinsetzen. Sekunden später öffnete sich die Tür und einer der Mechatroniker lugte in den Raum, grinste ihm kurz zu und ließ einen Stapel Papier direkt vor Clyde auf den Tisch fallen, zwinkerte ihm noch zu und verschwand wieder. Mit geröteten Wangen nahm Clyde sich die Zettel und begann, sie durchzusehen.

Zwei Stunden später lief er mit gesenktem Kopf zu seinem Auto. Dieses Mal mochte sein Corsa gar nicht. Er gab keinen einzigen Ton von sich, war sonst noch ein Stottern da, so blieb er dieses Mal ganz still. Stirnrunzelnd versuchte Clyde es ein weiteres Mal, mit demselben Ergebnis. Unkontrolliert fingen seine Finger zu zittern an, während er es ein drittes Mal probierte und wieder passierte nichts. Erschrocken zuckte Clyde zusammen, als es an seiner Fensterscheibe klopfte und kurbelte es herunter, nachdem er sich etwas gefasst hatte.

„Bring deine Knutschkugel endlich in die Werkstatt, der Chef hat doch schon gesagt, er übernimmt deine Rechnung als Danke für die vielen, zum großen Teil unbezahlten, weil nicht aufgeschriebenen Überstunden“, knurrte ihn einer der Mechatroniker an, öffnete gleichzeitig die Tür. Sich seinem Schicksal ergebend stieg Clyde aus und überließ sein Auto den beiden Mechatronikern, denn mittlerweile war auch der Zweite aufgetaucht und baute sich vor ihm auf. Beide überragten ihn um mehrere Köpfe, was aber nicht schwer war, da er mit seinen ein Meter sechzig gerade mal Kinder überragen konnte. Wie ein geprügelter Hund tappste er den zwei Männern hinterher, welche gemeinsam den Opel in die Werkstatt und zu einer Hebebühne schoben, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Stumm verkrümelte sich Clyde in eine Ecke. Hoch ins Büro wollte er nicht, denn da war die Gefahr groß, dass sein Chef ihn entdeckte und der würde nur schimpfen, dass er viel zu viele Überstunden machte.

Protestierend knurrte sein Magen, erinnerte ihn daran, dass er seit dem Morgen nicht mehr zum Essen gekommen war. Aus der Hosentasche suchte er ein Zweieurostück heraus und machte sich auf den Weg nach vorne in ...

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